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am 14. November 2013
Er schleicht und schleicht und schleicht - bis er Dich völlig aus den Latschen haut ... dieser Film ist einer der brillantesten Thriller, die ich je gesehen habe - und hier liegt die Betonung nicht auf "Film", sondern auf dem THRILL. Soviel Gänsehaut habe ich selten erlebt, vielleicht als ich mit 6 Jahren das erste Mal "Psycho" gesehen habe, oder vielleicht noch bei Betty Davis. Absolut nichts für "Popkorn-Filmfreunde"! Aber ein absoluter Leckerbissen für (echte) Kenner der Genres!! Ich hatte Tränen in den Augen, - so hat mich dieser Film bis ins Mark "gethrillt" ...!!!
Ach, ich würde mir wünschen, der Gottvater würde eine Neuverfilmung von Bergmans "Die Stunde des Wolfes" machen ...
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am 6. September 2012
"Der Mieter" ist in meinen Augen ein eher unbekannterer Film von Roman Polanski - und das völlig zu unrecht. Roman Polanski spielt in diesem Film die Hauptrolle und führt auch die Regie - es ist unglaublich, wie gut er die Rolle des Mieters verkörpert.

Zum Inhalt:
Irgendwo in Frankreich sucht ein Franz.-Polnischer Mann (Polanski) eine neue Unterkunft und trifft im ersten Step auf eine sehr unfreundliche Hausmeisterin, die ihn zum noch unfreundlicheren Eigentümer führt. Trotz offensichtlicher Skepsis gegenüber jedem neuen Mieter schafft er es und bekommt die Wohnung.
Bei der ersten Besichtigung wird ihm mitgeteilt, dass die Vormieterin sich wenige Tage zuvor aus dem Fenster gestürzt habe und derzeit schwer verletzt im Hospital läge, aus dem sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht mehr herauskäme. Der Mieter macht sich auf den Weg ins Hospital, um sie zu besuchen und trifft dort auf Stella, eine Freundin der alten Mieterin. Stella (Adjani), eine Frau zwischen femme fatale und Hippi, wird im Laufe der Handlung seine einzige Bezugsperson, zu der er eine Art Vertrauensverhältnis aufbauen kann.

Schnell stellt der neue Mieter fest, dass die Nachbarn im Haus es in sich haben, allergisch auf jede Art von Geräusch und Fremdheit reagieren und es kaum eine Chance zu geben scheint, sich wirklich zu Hause zu fühlen.

SPOILER

Der Mieter steigert sich im Folgenden in die Vorstellung hinein, dass er zu der inzwischen verstorbenen Vormietern werden soll, er bildet sich ein, die anderen Bewohner würden ihn dazu treiben, er kauft sich eine Perücke und verkleidet sich mit einem im Schrank zurück gelassenen Kleid in sie. Die Wahnvorstellungen treiben ihn am Ende in die gleiche Entscheidung, die seine Vormieterin getroffen hat - in den Tod.

FAZIT
Der Film wurde mit minimalen Möglichkeiten gedreht, Special effects gibt es keine und genau das macht die subtile Spannung aus. Die Schauspieler wissen zu überzeugen, die Szenerie wirkt absolut authentisch und der Film ist wirklich sehr spannend.
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am 10. August 2014
""Mir werden beide Arme amputiert, ich sage: ich und meine Körperteile. Man schlägt mir den Kopf ab. Was sage ich? Ich und mein Körper oder ich und mein Kopf. Mit welchem Recht maßt sich mein Kopf an "Ich" zu sein".
Der junge ,schmächtige, leicht angetrunkene Mann, der in den Armen einer grazilen Schönheit einschläft, wird die Lösung auf diese skurrile Frage nicht finden.
Sein Name ist Trelkovsky, ein polnischer Emigrant, verloren im unwirtlichen Paris der siebziger Jahre ,das trister und kälter wirkt als die Mondoberfläche , drangsaliert von einer zunehmend feindlich wirkenden Umwelt, und schleichend in einer psychischen Metarmorphose begriffen, in einem aufwühlend, irrealen Thriller von Meisterregisseur Roman Polanski.
"Du bist seltsam" wird die junge Stella ihm nur auf seine morbiden Erkenntnisse antworten.
Doch steckt in Trelkovskys dahingemurmelter wahnhaften Überlegung die Quintessenz eines der seltsamsten und verstörendsten filmischen Kunstwerke aller Zeiten.
Wenn Kafka einen Film gedreht hätte , dieser wäre es gewesen.
Hätte er nach einer Variante seiner Novelle "Die Verwandlung" gesucht, wäre er hier fündig geworden und manchmal ist tatsächlich das Kino mit seinem Fundus an audiovisueller Manipulation, die den Zuschauer in eine eigene fremde Welt sogartig entführen kann, der Literatur tatsächlich überlegen.
Roland Topors geniale giftdurchtränkte, kleine Novelle "der Mieter" über deformierte Gefühle, die Labilität der eigenen Psyche, der Hölle der Anderen, wird unter den Regie-Händen Polanskis, nebst zusätzlich ihm als Hauptdarsteller zu einer fesselnden, unglaublich komplex arrangierten Reise in das Grauen.
Ein Grauen, das von der ersten Minute, durch die inszenatorisch Meisterschaft, in jedem Bild langsam durch sämtliche Wände, Korridore eines alten Mietshauses quillt und sich letztendlich in einem unvergesslich surrealen Finale in einem Schock der Erkenntnis entlädt.
Polanskis "Der Mieter" ist so brillant, daß man nie seiner vielen beklemmenden, berührenden Facetten, seiner mannigfaltigen Deutungsmöglichkeiten überdrüssig wird,.
Zu Beginn des Vorspanns hören wir grabesfeierliche Oboen-Musik. Die Kamera gleitet über die schmutzig grauen Gardinen mehrerer Mietwohnungen eines schäbigen Hinterhofs. Hinter einem Fenster ,das starrende, traurige Gesicht Trelkovskys, doch es verändert sich für eine Sekunde in eine Frau und wieder zurück in sein eigenes.
Die Kamera schwenkt weiter zum Eingang des Mietshauses, das Trelkovsky zum ersten Mal betritt.
Von Anfang an setzt Polanski auf gezielte Verunsicherung des Auditoriums. Erst hinterher erkennt man sprachlos, daß Polanski hier verkürzt bereits den ganzen Film erzählt. Einen neuen Mieter, ein neues Opfer wird es immer wieder geben.
Dieser hier ist nun also der schüchterne freundliche Büroangestellte Trelkovsky
Der einsame Jungeselle sucht eine kleine bezahlbare Wohnung.
Da kommt ihn das Angebot eines möglicherweisen frei werdenden Appartements gerade recht.
Seine Vormieterin, ein Fräulein Simone Choule hat sich aus ungeklärter Ursache gerade aus dieser Wohnung au dem Fenster gestürzt.
Noch lebt sie und liegt schwerverletzt im Krankenhaus.
Wie es einem David Lynch nicht besser gelingen könnte, läßt Polanski ab der ersten Minute ein Gefühl des Unbehagens enstehen. Die Gesichter von Concierge und Vermieter- alt verwittert, bedrohlich , mürrisch, lauernd.
Von Anfang an ein Film der sozialen Kälte, der Einsamkeit, und der Paranoia.
Sensationslüstern grinsend zeigt die Concierge dem jungen Mann die Stelle an der die Vormieterin bei ihrem Sturz das Glasdach durchschlagen hat.
Die detailreiche Wohnungsführung durch das, von fast körperlich spürbarem Verhängnis durchsetzte, verkommene Mietshaus nutzt Polanski geschickt um uns mit jeder Biegung des Ganges, des verwinkelten Treppenhauses mehr und mehr selbst den Boden der Realität zu entziehen.
Wir Zuschauer sind es selbst ,die hier nun zwei Stunden ausgeliefert sind in einem hermetisch verschlossenen Höllenkreis.
Ähnlich eindrücklich wurde das Interieur bereits in "Ekel " und Rosemaries Baby" vorgestellt und auch hier verfehlt es seine beklemmend erstickende Wirkung nicht. Ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit, die das Atmen schwer werden läßt.
Trelkovsky besucht am nächsten Tag die sterbende Simone im Krankenhaus.
Wie so oft in seinem Leben scheint er sich von tiefen Schuldgefühlen unbewusst geleitet.
Von Simone im Krankenbett ist nur ein entsetzlich, in tierischer Angst starrendes Auge zu sehen, ein oberer Schneidezahn fehlt ihr, der starre Körper ist ganz in mumienhafte weiße Bandagen gehüllt.
Ein schrecklich langgezogener Schrei aus ihrem weitgeöffneten Mund, läßt Trelkovsky zusammenfahren.
Von diesem komplett unerwarteten Moment an, der uns Zuschauern die Nackenhaare aufstellen läßt, werden wir die gefährlich ahnungsvolle Anspannung nicht mehr los werden.
Trelkovsky lernt am Krankenbett auch noch eine Freundin Simones kennen. (Die junge Isabelle Adjani in einer ihrer ersten Rollen)
Tags darauf erfährt Trelkovsky vom Tod der Vormieterin, und zieht nun in die ehemalige Wohnung von Simone Choule ein.
Das Appartement, das Haus, die Bewohner , haben sie allesamt schon lange auf ihn gewartet ?
Polanski entspinnt ab jetzt einen erbarmungslosen Psychoterror, der anfangs noch leicht humoristische Züge trägt, mehr und mehr aber in erschreckenden neurotischen Wahnsin und blankes Entsetzen abgleitet.
In jeder Szene ist Polanski als Trelkovsky präsent. Er spielt nicht ,er ist dieser unendlich einsam auf sich gestellte labile Mann, und wir Zuschauer folgen sofort in voller Anteilnahme seinen leidvollen Verstrickungen, spüren selbst seine Ängste und Unsicherheiten.
Trelkovsky ist der geborene Sündenbock, der aufgrund seiner freundlichen, harmoniebedürftigen Art fast immer in einer ungerechten Welt ein Fressen für wölfische Mitmenschen ist.
Nahezu immer unterwürfig bescheiden, ist sein Hauptmanko es allen recht machen zu wollen, sich für alles verantwortlich zu fühlen ,sich selbst dabei zu vergessen.
Mit unzähligen kleinen Details zeigt Polanski wie scheinbar die gesamte Umwelt unterschwellig die Schwäche Trelkovskys spürt und hemmungslos ausnutzt.
Der Hund der Concierge schnappt nach ihm, der unfreundliche, knorrige Vermieter haut ihn so ungerecht übers Ohr, daß man vor Wut aufschreien möchte, beim Zigarettenkauf drängelt man sich rücksichtslos an ihm vorbei.
Ein Wille zur Anpassung, zur Bescheidenheit, der Wunsch nicht negativ auffallen zu wollen,der dem eines Chamäleons gleicht.
Freunde hat er nicht, nur oberflächliche Bekanntschaften, die mit ihrer Lebensweise in oft satirisch überspitzter Form genau das Gegenteil zum trostlosen Lebensentwurf Trelkovskys verkörpern.
Wie schockierend , lauernd Polanski die Wahrnehmung und die Realität anfängt zu verschieben, bis sich Angst und Irritation immer öfter Bahn brechen, zeigt sich bereits bei der Totenfeier Simone Choules, die Trelkovsky pflichtbewusst besucht.
Die anfängliche, wie üblich lobpreisende Predigt des Pfarrers steigert sich zu einer zunehmend irrsinigen geifernden Ansprache zum Thema Vergänglichkeit des Menschen, von Blutsünde, von der Verwesung, von wurmzerfressenen Leichen,
Der Schweiß tritt Trelkovsky auf die Stirn.
Ist es die erste von vielen Halluzinationen oder sind wir noch in der Wirklichkeit verhaftet ?
Immer wieder wird uns der Film dahingehend verunsichern. Eine Zwischenwelt aus Alptraum, Hilflosigkeit und schizophrenen Szenerien .
Ist es eine Vorahnung bei dieser Beerdigung, daß Trelkovsky bald selbst in einem Sarg liegen wird ?
Spielt man den Film nachträglich in Gedanken noch einmal durch, ermöglicht die verstörende Kreisstruktur der Geschichte genau die Möglichkeit gerade Trelkovskys eigener Beerdigung zugesehen zu haben.
Das Zeit, Raum Kontinuum wird sich am Ende mit der Wiederholung einer schockierenden Szene auflösen, gefangen in einer irrealen Schleife des endlosen Grauens.
Die Wohnung wird mehr und mehr zum Ort zermürbenden Terrors. Bei jedem kleinsten Geräusch klopfen die unheimlichen Nachbarn gegen Decken, Wände, Türen.
Von Anfang an chancenlos gebrandmarkt als Störenfried, traut sich Trelkovsky bald nur noch in Dunkelheit und auf Zehenspitzen sich in seiner Wohnung zu bewegen.
Denunziantentum, Selbstgefälligkeit und noch ein weit dämonischeres Geheimnis scheint das Mietshaus zu beherbergen.
Ein ausgerissener Zahn, den Trelkovsky in einer Vertiefung in der Wand findet, ein der Wohnung gegenüberliegendes Toilettenfenster, welches Verstörendes offenbart.
Menschen stehen dort, schauen zu ihm herüber, starren unbeweglich über Minuten wie versteinert ins Leere.
Als er sich in einer Nacht krankhaften Deliriums auf diese Toilette auf dem Gang traut, finden sich dort altägyptische Hieroglyphen, wie aus den Grabkammern von Mumien.
Die Vormieterin Simone Choul scheint immer noch in jedem Winkel des Zimmers lebendig . Trelkovsky hat nicht die Kraft die Erinnerungen an sie aus dem Zimmer zu verbannen. Im tristen Halbdunkel wühlt er durch ihre Kleider, Mäntel , Schminksachen, die sich geisterhaft immer noch in den Schränken befinden.
Eine Postkarte auf ihren Namen wird ihm zugesandt. Als Motiv der Karte ebenfalls eine ägyptische Totenstatue.
Bald wird ihm im Café gegenüber nur noch wie selbstverständlich die Zigarettenmarke der Verstorbenen angeboten.
Halluzinieren wir, ob all dieser Befremdlichkeiten und in wie weit erleben wir hier nur die kleinbürgerlichen Verfolgungsängste eines einsamen Verlierers, der in einer entfremdet feindlich wirkenden Großstadt isoliert existieren muß.
Lange lebt der Film von dieser meisterhaft komponierten Ambivalenz .
Doch zunehmend entpuppt sich die Ängst als berechtigt. So banal die Ereignisse im einzelnen, so verfehlen sie in der perfiden Anhäufung auch beim Zuschauer nicht den Eindruck von dämonisch bedrohlichen Kräften und Verschwörungen.
In der Toilette wird Trelkovsky ein schockierendes Deja'Vu erleben, was endgültig seine Depersonalisierung vorantreibt.
Trelkovsky , die neue Simon Choule ?
Am Ende steht ein makaberer letzter Auftritt. Blutrote Vorhänge drapiert an offenen Fenstern, (oder sind es prächtige Opernlogen?) geschmückt zum letzten großen Bühnenauftritt.
Ein geiferndes teuflisches Publikum, ein blutverschmierter Todeskampf. Das letzte Bild eine mumifizierte Gestalt, wieder ein Schrei aus weit geöffnetem Mund, ein schreckliches Röcheln der Erkenntnis.
"Der Mieter" -ein Höllenritt in den Wahn, der begeistert und schockiert den Zuschauer zurückläßt.
Wie erlebt ein Mensch die Wirklichkeit unter dem Eindruck eines gestörten neurotischen Verhältnisses zu seiner Umwelt und seinem eigenen Ich.
Reale Furcht, irrationale Ängste, das Gefühl des Ausgeliefertseins an anonyme gesellschaftsformende Mächte.
Das Grundgefühl der Entfremdung, archetypische Autoritätsängste..
Ist die moderige, an ein Mausoleum erinnernde lebensfeindliche Wohnsituation eine Metapher auf die eigene Fragilität des Körpers, letztlich auch des Geschlechts, der Identität.
Nicht nur aus der Wohnung scheinen die infernalischen Mieter Trelkovsky verdrängen zu wollen, sondern auch aus seinem eigenen Ich.
Die Bebilderung einer gequälten Seele, ohne Hoffnung.
Die Verunsicherung die Polanski voran treibt ist so subtil, durch Lichtveränderungen, Kameratricks unterschiedliche Brennweiten eingearbeitet, noch verstärkt durch surreal verformte Gegenstände und Dimensionen einem "Dr. Caligari gleichend, die dem Zuschauer erst gar nicht ins Auge fallen , jedoch im Unterbewusstsein ihre bedrohliche Aura voll entfalten.
"Der Mieter " ist halluzinogenes Kino der Angst, der alptraumhaften Assoziationen und in vielen Richtungen deutbar.
Ein Film zum selbst erleben, selbst erschließen , zum tiefen Erschauern in unterschwelliger psychischer Erschütterung.
Einer der besten Filme aller Zeiten .
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am 29. Juni 2011
Diese DVD wollte ich schon immer mal in meinem Computer sehen. Besonders gerne höre ich und sehe ich in meinem Computer die Szene mit der Wasserleitung, die Krach wie ein Schiffsdiesel macht.
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am 10. August 2013
Ich nehme diesen Film auch gerne geschenkt,
weil ich etwas ähnliches erlebt habe wie die Hauptfigur - war nicht lustig!!!

aber - ich zahle auch dafür - habe nur noch keine Rechnung geschickt bekommen!!!!

Liebe Grüße aus Vandans
martin exel
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am 21. September 2016
Es geschah im Jahre 1976, dass der grandiose Regieexzentriker Roman Polanski mit dem dritten und damit finalen Abschnitt seiner Apartment-Trilogie für gespaltene Reaktionen sorgen sollte, so viel sei schon einmal verraten.
Im Grunde genommen geht es um einen geradezu kleinlaut anmutenden, über alle Maßen schüchternen jungen Herrn, der sich zunächst dem Finden eines Wohndomizils und anschließend der Identifikation mit der ehemaligen Mieterin hingibt.
Doch da dieses zeitlos geniale, grausam groteske und gratulationsbedürftig lobenswerte Meisterwerk so viel mehr ist als "nur" ein Horrorfilm der psychologischen Art (wenn man ihn denn gar überhaupt einem Genre zuordnen möchte), muss ich darauf bestehen äußerst weit ausholen zu dürfen, denn (Spoilerwarnung sei im Vorfeld ins Leben gerufen) hier gäbe es ausgesprochen viel Schreibbedarf, zumal dieser meiner Meinung nach intensivste und auch insgesamt beste Polanski-Film für Interpretationshöhepunkte sorgt.
Und um vor dem eigentlichen Beginn der Hauptrezension kurz auf das mögliche Genre zurückzukommen:
Obskurerweise heißt es auf dem Cover der 1982er US-VHS-Version des Films, es handle sich um einen "Science-fiction-Film", dem ist wie ich finde keineswegs so, als Charakterstudie, filmisches Experiment und in deutender Form zu begutachtendes Angstkonstrukt, funktioniert der Film hingegen hervorragend.

Doch begeben wir uns zunächst zum bereits bemerkenswert befremdlichen Bereich des Beginns, zum Reiche des Ursprungs all dessen, was uns im Laufe des Films erwarten wird, wobei der Spannungsbogen sozusagen nach einem 'Stufensystem' aufgebaut ist, so vermag die düstere Einleitung mit den Außenaufnahmen des betagten Gebäudes zwar bereits bizarre Stimmungsansätze herbeizuführen, doch die Steigerung dieser Atmosphäre gelobt zu warten, versteht es sich Zeit zu lassen, den Zuschauer langsam auf die darauffolgenden Dramatisierungsexzesse vorzubereiten.
Verbringt man seine Zeit also noch mit dem Präludium der Geschehnisse, ließe sich anfangs allenfalls annähernd vermuten, welch ein surreal tiefgehendes, schmerzverzerrt unangenehmes und nicht zuletzt psychologisch, interpretatorisch und deutungswissenschaftlich analysierenswertes Alptraumerlebnis auf uns wartet.
Wie würde es ein Monsieur Polanski wohl lösen? Korrekt, gänzlich ohne Einsatz von Splatter und Unfug, sondern sehr subtil, stilsicher sich im Kopfe des Zuschauers abspielende "Filme" kreierend, Filme, die mit den eigenen und individuellen Gedanken des Zuschauers zu einem einer Höllenfahrt gleichenden und ähnelnden Fest der Qualen in Einklang gebracht werden.
Die Vormieterin läge im Sterben, so heißt es. Sie sei aus dem Fenster ausgestiegen, um nicht zu sagen heruntergesprungen, den gebrochenen Punkt an den Brettern im unteren Glasdach sieht man noch deutlich, "die sind für mich", heißt es später.
"Und was wenn sie nun doch wieder gesund wird?"
"Keine Sorge, die wird nicht wieder", entgegnet die schwarzhumorige Concierge, erwähnenswerterweise dargestellt von Shelley Winters. Womit sie keineswegs Unrecht hat, denn bereits in Bälde ist es des neuen Mieters Wohnung.
Dem zu ausgeprägtem Es-allen-recht-machen neigenden Mieter, wird wohl oder übel recht schnell ins Bewusstsein gerufen bis gar gedrängt, dass die dunkle Residenz einen Schatten über sein Leben legen wird, wie das vom Inneren der Angst getragene Grauen ist es, was Monsieur Trelkovsky fortan zu beobachten verdammt ist.
Mysteriöserweise spiegelt sich diese tiefenpsychologisch anmutende Welt des Merkwürdigen, Makabren und misstrauisch machenden nunmehr in nahezu allen erdenklichen Details wider, sei es eine Nachbarin mit einem überaus geheimnisvollen (ausdruckslosen und zugleich ausdrucksstarken) jungen Mädchen, sei es ein Zahn (!) inmitten der Wände, seien es bedeutungstechnisch undefinierbare Schriften am Rande des Toilettenraumes, ein mumiengleiches Wesen und - deutlich später im Werke - ein der spielenden Kinder wegen fliegender Ball, worin der Mieter aber wiederum den losen Kopf seiner eigenen Gestalt zu sehen glaubt.
Offen bleibt zwar den gesamten Film über, ob Trelkovsky eine derart intensive Psychose entwickelt, dass er die Dinge gänzlich falsch wahrnimmt, oder ob wir seinen Empfindungen "trauen" können, doch selbst wenn sein Urteilsvermögen ab einem bestimmten Punkt eingeschränkt beziehungsweise verzerrt sein mag, so sei dennoch in unbestritten klarer Form gesagt, dass ein SOLCHES Wohnumfeld durchaus psychische Schäden hervorrufen kann, Wohnatmosphäre beeinflusst die im privaten Raume verbrachte Freizeit schließlich nicht unwesentlich.
Am prägnantesten wird das Zustandsbild der verworrenen Situation jedoch in jener Szene gemalt, in welcher ein Priester, der für gewöhnlich eher zu sanfteren Tönen berufen sein sollte, eine Predigt hält, die in dieser Form (d.h. so wie sie der Mieter zu Ohren bekommt) den (zumindest innerhalb der frühen Szenen) vielleicht unbehaglichsten Schrecken des gesamten Films verbreitet, unterstützt durch zwischenzeitliche Kamerabewegungen in Richtung des Gekreuzigten.
Ich - für meinen Teil - habe nicht den Eindruck, dass des Mieters Bedenken gegenüber seiner Nachbarschaft unberechtigt sind, lediglich bei Stella (in unbetagter Blüte - Isabelle Adjani) würde man sich wünschen, seine Gedanken wären anders und unterlägen keiner Fehlentwicklung.
Im Laufe des Films begegnen wir grotesken Gestalten en masse, ein Schauspielerkino par excellence, welches seiner brillanten Besetzung bestaunenswert viel abverlangt - dem Zuschauer im Übrigen ebenfalls.
Wäre dieser Film interaktiv, ein Videospiel demnach, so wäre er wohl das am meisten Angst erzeugende Werk der Bewegtbild-Geschichte, denn in das morbide Geschehen auch noch selbst eingebunden zu sein, das wäre schlicht und ergreifend zu viel und würde selbst ein Silent Hill 1 auf der PSone alt aussehen lassen.
Der Eindruck des Verzerrten zieht sich durch den gesamten Film, die den Inbegriff des Unschönen darstellenden Schreckensvisagen der von Trelkovsky als Feinde empfundenen Personen erinnern an jene des 25 Jahre jüngeren Films "Mulholland Drive", auch hier werden Gesichter - jedoch nicht künstlich - so sehr verändert, dass sie teils kaum noch als solche zu erkennen sind.
Man lernt relativ schnell des Mieters Gefühle zu spüren, kein Gegenstand in seinem Apartment darf auch nur ansatzweise plötzlich mit dem Boden in Berührung kommen, Geräusche rufen Nachbarswesen hervor, wir fiebern so sehr mit, dass sich des Mieters Entwicklung zwischenzeitlich gar auf die eigene auswirken kann.
Kristallklar als solche zu erkennende Liebe beweist Polanski auch für absurdes Theater, das Finale mit den zuvor hocherfreut auf dem Dach platzgenommen habenden Personen ist von einer Intensität, wie man sie in dieser Form in kaum einem anderen Film auf- und vorgeführt bekommt, nicht zuletzt deswegen ist The tenant mein drittliebstes kinematographisches Kunstwerk ÜBERHAUPT.

Im Rahmen der Rezension recht spät - im Herzen jedoch sofort - sei zur Erwähnung gebracht, dass auch der Soundtrack einen wesentlichen Teil zur einzigartig beklemmenden Atmosphäre beiträgt.
All dies setzt natürlich voraus, dass man imstande ist sich auch einmal in einem Film zu verlieren, sich darauf einzulassen, denn wer Horror mit Effekten gleichsetzt, der wird diesen Film - pardon - nicht im Ansatz "einatmen" können, es ist eine Atmosphäre die förmlich dazu aufruft inhaliert zu werden, alles andere würde dem Film mitnichten gerecht.
Mit nahezu minderjährigen 18 Jahren gab ich mich diesem Film 11/14 hin, nun (nach beinahe zwei Jahren) ist es nach wie vor ein Fest für mich, dieses Kunstwerk zu betrachten, gleichwohl:
Nicht nur dass der Film nicht nachlässt, er schafft es sogar mit der Zeit an Qualität zu gewinnen, wo man dies doch schon zuvor kaum für möglich gehalten haben sollte.
Sicher streiten sich an diesem Film Fans, Kritiker und im Allgemeinen alle Personen, die sich mit dem Mieter beschäftigt haben bezüglich der Aufmachung, die teilweise auch als eine ihrem eigenen Selbstzwecke dienende Kulisse wahrgenommen wird.
Da es sich um einen ausgesprochen schwierigen und bei falscher Herangehensweise auch wenig unterhaltsamen Film handelt, ist er für alles offen seienden Gemütern zwar zu empfehlen, allerdings nicht jedem.
Doch betrachtet man ihn aus dem richtigen Blickwinkel und im Rahmen der eigenen genau darauf ausgerichteten Grundstimmung, entfaltet er eine Wirkung, welche keine natürlichen Grenzen kennt.
Worte des Klagens dürfen nicht fehlen, daher sei darauf hingewiesen, dass ich das Ende (nach dem grandiosen Hauptfinale) als etwas dürftig empfunden habe, nichtsdestotrotz war es ein wegweisend inszenierter und unter keinen Umständen zu unterschätzender Film, dessen gegenwärtig nach wie vor zu zelebrierendes 40-jähriges Jubiläum nicht unberücksichtigt bleiben sollte und hoffentlich den einen oder anderen Zuschauer hervorbringt.

Um mich der Ausbremsung meiner selbst zu widmen, indem ich mich nun kurz fasse: DANKE für diese einmalige Reise in die menschliche Psyche. Wer diesen Film zu sehen gewillt ist, sollte eine bestimmte Eigenheit durchaus mitbringen - nämlich die Vorliebe für Details, die hier nun wirklich regelrecht verstreut zu sein scheinen.
Und was meinte meine Wenigkeit noch gleich im Bezug auf das "Stufensystem" der Angststeigerung?
Nun, das gedenke ich anhand eines Beispiels zu erläutern, denn es gäbe da etwa jene Szene, die einen bei vielleicht nicht prachtvollem, aber immerhin nicht unerfreulichem Wetter am Eiffelturm vorbeilaufenden Mieter präsentiert, ABER: in der Tat folgt exakt die gleiche Szene eine gewisse Dauer darauf erneut, nun jedoch nicht mehr am hellichten Tage, sondern zum Entstehungszeitpunkt der Dunkelheit, was wohl sinnbildlich für die inneren Veränderungen unseres Protagonisten steht...
Vergegenwärtigen Sie sich dabei stets, dass es sich hierbei nur um eines von unzähligen die Entwicklung andeutenden Beispielen handelt, die schiere Fülle an Einzelheiten vermag mich wahrhaftig zu überwältigen - lassen Sie sich einladen, zu empfinden was ich empfand, geben Sie sich diesem Meisterwerk hin, denn Sie werden berauscht sein vor sagenhafter Faszinationsentfaltung seelischer Abgrundtiefen!

Nullpunkt ja er sei erreicht,
Tiefgang er werde ins Leben gerufen,
des Mieters Dasein es dem Tode erbleicht,
zerrissen nun der Traum vom Leben einem Guten.

Die Dunkelheit sich unserer bemächtigt,
beschwichtigen wir können sie mitnichten,
das Leben es uns des Schlimmsten verdächtigt,
wer sind wir über uns alle zu richten.

Und Monsieur Zy gar stets ein Meister des Monströsen,
allein die Visage grotesk bis zum Tode,
düster die Mächte und stark jene des Bösen,
die Mauern des Mietshauses so grässlich marode.

Nachträgliche Erweiterung:
Eine etwas ausführlichere Rezension, finden Sie bei mir nun im Bereich des Aprils, d.h. 2017, der Siebente, um genau zu sein (Polanski-Box, 07.04.17).
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am 20. November 2006
Der Mieter ist mein absoluter Favorit in Sachen Polanski. Eine düstere und bittere Groteske um dem Nachmieter einer Selbstmörderin, der nach und nach in die Rolle seiner Vorgängerin schlüpft. Feindselige Nachbarn machen dem unsicheren, beinah kleinlauten Trevolsky das Leben zur Hölle, wobei hier nicht auf Anhieb klar ist, was real und was Fiktion ist. Polanski brilliert sowohl hinter als auch vor der Kamera und inszeniert ein fesselndes Szenario das seinesgleichen sucht.
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TOP 500 REZENSENTam 28. Juni 2015
Eigentlich will der schüchterne und biedere Trelkovsky nur eine Wohnung mieten aber stattdessen gerät er in einen Sog des Wahnsinns.
Erst wenn seine Vormieterin tot ist, sie sprang zuvor aus dem Fenster der fraglichen Wohnung, kann er einziehen was ihn veranlässt sich näher mit ihr zu beschäftigen.
Auf ihren Tod wartend lernt er deren Freundin Stella kennen und auch die Nachbarschaft erkundet er.
Als Simone Choul dann Tod ist bezieht er die Wohnung und alles könnte perfekt sein....könnte.
Seine Nachbarn erweisen sich als äußerst renitent und nervig.
Bei jedem Geräusch melden sie sich und es hagelt Beschwerden.
Aber auch im Bistro sieht die Sache nicht besser aus und Trelkovsky hat so langsam das Gefühl das seine Mitbewohner da etwas im Schilde führen.
Aus Beunruhigung, wird Angst, aus Angst Panik und aus Panik Paranoia.....

Der Mieter aus dem Jahr 1976 ist eines von Roman Polanskis eindringlichsten Werken.
Dieser Psychothriller hat es in sich und macht keine Gefangenen.
Dabei spielt Polanski den Trelkovsky so intensiv und glaubhaft das man mit dem armen Teufel förmlich mitleidet und selber nicht mehr weiß was nun Real ist oder nicht.
Ergänzt wird das Ganze von einem dichten Plot und massig Atmosphäre.
Ein bedrückendes Meisterwerk.
Mit wenigen Mitteln schafft es Polanski die Essenz des Genre zu extrahieren und allen anderen Schnick-Schnack zu negieren.
Beeindruckend.
Darsteller sind neben Polanski u.a.: Isabelle Adjani, Shelley Winters, Rufus, Bernard Fresson, Lila Kedrova, Melvyn Douglas und Josiane Balasko.
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am 12. April 2011
(Achtung, Spoiler!)

Fast zehn Jahre nach "Rosemary's Baby" (1968) wagte sich Roman Polanski mit "Le locataire" (1976) erneut in die gruseligen Abgründe, die hinter Mietshausfassaden auf den arglosen Durchschnittsmenschen lauern können. Während Rosemary mit Nachbarn zu kämpfen hatte, die zweifellos waschechte Satanisten waren, bleiben im Falle Trelkovskys (Roman Polanski) Zweifel daran, ob in dem Pariser Mietshaus wirklich alles mit rechten Dingen zugeht.

Der junge und völlig unsichere Angestellte Trelkovsky hat mitbekommen, daß in einem Mietshaus eine Wohnung freigeworden ist, nachdem sich die Vormieterin, Simone Choule, aus dem Fenster gestürzt hat. Das unfreundliche Verhalten der Concierge (Shelley Winters) und des Hausbesitzers, M. Zy (Melvyn Douglas), in Kauf nehmend - da Wohnungen in der Hauptstadt rar gesät sind -, mietet sich Trelkovsky in dem Haus ein und rückt bald darauf mit seinen paar Habseligkeiten an, die sich sofort im Meer des möblierten Apartments verlieren. Schon bald aber muß er erkennen, daß seine Nachbarn äußerst lärmempfindlich sind und wegen jedes kleinen Polterns und sogar Hustens in seiner Wohnung gegen Decke, Boden und Wände klopfen und heimliche Anzeigen an Hausbesitzer und Polizei senden. Aber wegen der Wohnungssituation in Paris, und weil er augenscheinlich nicht zum Widerstand geboren ist, erträgt er diese Schikanen geduldig. Sein einziger Lichtblick in diesem recht trostlosen Szenario ist Stella (Isabelle Adjani), die Freundin Simones, die er bei einem Krankenbesuch am Bett der Sterbenden kennenlernt. Als jedoch die Drangsalierungen durch die Hausbewohner immer schlimmer werden und Trelkovsky außerdem mit einigen Merkwürdigkeiten des Hauses - so findet er in einer Wand hinter dem Schrank in einem Loch einen menschlichen Zahn und sieht quer über den Hinterhof im Badezimmer immer wieder einige Hausbewohner, die ihn stundenlang regungslos anstarren - konfrontiert wird, fängt der junge Mann an, Opfer einer Paranoia zu werden und zu glauben, die Hausbewohner wollten ihn zu Simone Choule machen und ihn danach in den Freitod treiben.

Ähnlich wie in "Repulsion" (1965) läßt Polanski in "Le locataire" seine Zuschauer an der langsamen psychischen Zerrüttung seiner Hauptperson teilhaben, doch verläßt er in seinem späteren Film doch auch des öfteren die Perspektive des unverläßlichen Erzählers Trelkovsky und zeigt uns die Dinge, wie sie wirklich sind. Beispielsweise wissen wir - anders als der Mieter -, daß die beiden älteren Herrschaften, denen er vor das Auto gelaufen ist, nicht M. Zy und Mme Dioz sind. Solche Perspektivwechsel gibt es immer wieder, gleichsam als wolle Polanski seine Zuschauer hinsichtlich ihrer Ansicht über den Geisteszustand seines Protagonisten nicht in der Schwebe lassen. Man mag sich fragen, warum Polanski dem Zuschauer nicht zutraut, auch ohne deutliche Hinweise zu diesem Schluß zu kommen, wie er es in "Repulsion" tat. Vielleicht, weil Polanski 1969 selbst leidvoll erkennen mußte, daß diese Welt abscheuliche Grausamkeiten bereithält, die man nur allzu gern als Wahnvorstellungen eines Verrückten abtun würde?

Trelkovsky ist auf den ersten Blick nicht sonderlich sympathisch. Um der mürrischen Concierge zu gefallen, versucht er bei seinem Vorsprechen um die Wohnung recht unbeholfen, sich bei ihrem Hündchen beliebt zu machen. Seine Gäste bei der Einweihungsparty für seine neue Wohnung bittet er recht unverhohlen zu gehen, nachdem sich der erste Nachbar mit geradezu lächerlichem Pathos wegen des Lärms beschwert hat. Später ist er bereits so durch das Klopfen seiner Nachbarn konditioniert, daß er, als Georges Badar, Simones Verehrer, vom Tod der jungen Frau erfährt und lauthals seiner Verzweiflung Luft macht, zuerst einmal auf die Uhr und dann kleinmütig an die Zimmerdecke schaut, da er schon neue Scherereien mit den Nachbarn befürchtet. Aber er kann auch unerwartet mutig sein, etwa als er sich weigert, die von Mme Dioz angestrengte Petition der Nachbarn gegen Mme Gaderian (Lila Kedrova) zu unterzeichnen. Zu offenem Widerstand allerdings mag er sich nicht aufraffen: Er ficht eine Zeitlang vergeblich gegen die Angewohnheit des Cafébetreibers, ihm die gleichen Getränke und dieselbe Zigarettenmarke zu kredenzen, wie Mlle Choule sie bevorzugte, und dann paßt er sich an. Seine aufgestauten Aggressionen läßt er an einem kleinen Kind im Park aus, und der höchste Ausdruck seines Widerstandes ist, zuerst seine Persönlichkeit aufzugeben und sich dann selbst zu zerstören.

Ein Paranoiker? Ja, aber auch ein Verfolgter, denn in der piefigen, von gegenseitiger Kontrolle und Maßregelung bestimmten Atmosphäre des Mietshauses kuscht das Individuum und wendet sich zur Flucht. Dies macht "Le locataire" zu einem sehr autobiographischen Film des Regisseurs, der sich vielleicht auch deshalb trotz Übernahme der Hauptrolle dieses Filmes nicht in die Credits aufnahm, weil er mehr Trelkovksy war/ist als ihn spielte. Immerhin ist Polanskis Kindheit von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten überschattet, und auch später befand er sich oft auf der Flucht, die freilich eine andere Qualität hatte.

Anders als Trelkovsky scheint Polanski über all den Widrigkeiten in seinem Leben aber nicht das Bewußtsein von seiner eigenen Identität verloren zu haben, wie im Stil seiner Filme immer wieder deutlich wird, und doch gibt er sich mit seinem Protagonisten philosophischen Betrachtungen hin über das, was letzten Endes das Ich ausmacht: "If you cut off my head, what would I say... Me and my head, or me and my body? What right has my head to call itself me?"

Ein nicht leicht erklärbarer Rest bleibt angesichts der vielen Elemente des Gruselfilms, die in "Le locataire" so kunstvoll eingesetzt werden, daß es weniger zu Schockeffekten als vielmehr zu einer bedrückenden, beunruhigenden Grundstimmung kommt. Woher kommt der Zahn in der Wand? Warum stehen die Bewohner stundenlang auf der Toilette? Welche Rolle spielt das ägyptische Leitmotiv, das sich in einer mumienartig bandagierten Mlle Choule, in Hieroglyphen an der Klowand und in Büchern über das alte Ägypten manifestiert? Und wie ist das Ende zu interpretieren? Besonders unheimlich ist, daß Trelkovsky angesichts dieser geheimnisvollen Schrecken oder schrecklichen Geheimnisse so reagiert wie wir selbst und nicht wie der typische Protagonist eines Gruselfilms. Er geht nicht furchtlos in den Keller, sondern zieht sich zurück, weicht aus und trägt sich somit weiter mit seinen nervenzerrüttenden Grübeleien. Darin ist er sicherlich wie die meisten von uns.
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am 9. Februar 2011
Hervorragend! Wie schon zuvor in "Ekel" verwandelt Roman Polanski ein gewöhnlichen Mietshaus in einen Ort klaustrophobischen Horrors.
Polanski, der hier auch selbst die Hauptrolle spielt, brilliert als Darsteller genauso wie als Inszenator dieser Schreckensvision, die eine gelungene Mischung der Genres Psycho-Thriller und Horrorfilm darstellt.
Mit Sicherheit einer der Filme in der Liste derer, die man auf jeden Fall im Laufe seines Lebens (mindestens einmal) gesehen haben sollte!
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