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VINE-PRODUKTTESTERam 19. Juni 2012
Der französische Schriftsteller Jean Giono, der "Knut Hamsun Frankreichs" ;-) am 30. März 1895 in Manosque geboren und daselbst 1970 gestorben, schrieb im Jahre 1951 als zweitem Roman seines "Husarenzyklus" diesen Roman, der teilweise auch im historischen Manosque spielt, nämlich während der Gluthitze des Jahrhundertsommers 1837.
Das Buch ist nicht nur ein Naturgemälde, sondern auch ein Schelmenroman, kein Heldenepos, nein, Jean Giono zeichnete seinen buchbestimmenden Husaren namens Angelo Pardi, mit viel Ironie. Er erschien mir irgendwie als verwegen-naiver Glücksritter, der sich zwar mit viel Helden- und Edelmut (und in aller Seelenruhe) den Gefahren und Schrecken dieses Sommers stellt, der uns aber auch durch seine inneren Monologe von der Angst und der Entfremdung berichtet. Er teilt uns vor allem auch ganz offenherzig seine teils recht ernüchternden Eingeständnisse und Erkenntnisse über sich selbst mit, die sich ihm auf seinem Trip durch Südfrankreichs Seuchengebiete bewusst werden. Jedenfalls ist die Reise des strahlenden Helden mit abgrundtiefem Pessimismus verwoben.
Giono ist trotz aller genauer Einzelheiten kein realistischer Erzähler. Die erschreckenden Details über Schmetterlinge, Schwalben und die Cholera sind teils auch fantastisch anmutende Bilder, die seiner "schwarzen Provence" einen leicht surrealen Anstrich verpassen.

Südfrankreich 1837, ein Feld der Agonie. Pferd und Reiter dösen unter dem brütenden Schatten einer Birke, bis ein brennender Sonnenstrahl durch das Laub auf die Nüstern fällt und beide aufschreckt.

Hitze in Tönen, Farben, Gerüchen, Geschmack:

FARBEN:
Hitze, ihre schwarzen und verderblichem Wogen. Kreideweißes Sommergras. Wald, aschgrau und formlos, Bäume vom weißen stumpfen Licht durchflutet, Äste die sich unter rasselnden Goldstäben krümmen. Himmel. Der kreideweiße Himmel, ein unheimlich phosphoreszierender Schlund aus dem ein fiebrig glühender, zäher Atem bläst. Die Natur ist in siedend heißem Gips erstarrt, faulende Aprikosenbäume, graue Mandelbäume, ungeerntet liegt der Roggen platt in brütender Hitze. Schwärme von Krähen, verlassene Weiler, Dörfer liegen ausgestorben und knochenbleich in der Sonne, brütende Städte, wo selbst die Schwalben zu Aasfressern werden.
GERÜCHE:
ein Ritt durch den heißen, aasigen Wind über einen Teppich von Thymian und Bohnekraut, der scharfe Geruch der Säfte wilder Mehlbeerbäume. Das Aroma fauliger Eier und Ziegenbock, nach warmen Ziegeln und Schwalbennestern, im Vorbeigehen an einer Hecke erst das Aroma zerdrückter Jasminblüten, dann eine anderer schwerer süßlicher Geruch, der einen Würgen macht. In der Stadt dampfende Gullys, überlaufende Latrinen, Verwesung. Brennende Scheiterhaufen.
GERÄUSCHE: Die Hitze des Sommers summt wie die Esse eines Ofens, die Stämme der harten Eichen knarren, das stählerne Rascheln der Blätter; betäubendes Brummen der Schwärme wilder Bienen, das Rascheln von Ratten, das Flügelschlagen von Krähen, die auf Körpern hocken, die Flutwelle ihrerer schwarzer Flügel, die durch ein Tür der Totenhäuser nach draußen brandet; die Brunnen, die in der stillen Mittagshitze so laut plätschern wie sonst nur in der Nacht. Katzenpfoten auf dem Dach, das Rollen der Räder der Leichenkarren auf dem Pflaster, die Schreie der Erkrankten, Sterbenden oder der Angehörigen, das Bimmeln der Totenglocke. Dann wieder absolute Stille.
GESCHMACK: Viel Wein vom guten Roten, Ziegenkäse und Zigarillos. Und das wohlige Gefühl im Mund, nach einer befriedigenden Mahlzeit. :D

ZUR HANDLUNG:
Angelo Pardi, ein junger Adliger mit dem Rang eines Husarenoffiziers, stets gut gekleidet und stets zu Pferde unterwegs, gerät auf seiner Reise durch Südfrankreich in eine Choleraepidemie. Er hat dem Freiheitskampf seine (erkaufte) ehrenvolle Husarenstellung geopfert. Aus dem Piemont kommend, wo er sich als Anhänger des Geheimbundes der "Carbonari" dem patriotischen Freiheitskampf widmete, strebt er nun in den Süden Frankreichs. Er hat nämlich im Duell (anstatt ihn einfach zu ermorden) den Baron Swarzt getötet. Österreichische Häscher sind ihm auf den Fersen, als, inmitten dieses glühenden, nie da gewesenen Jahrhundertsommers, mit voller Wucht eine Cholera Seuche entbrennt. Er setzt ungerührt seine Reise fort. In Manosque flüchtet er sich auf die Dächer der Stadt und lebt tagelang dort oben, während die Seuche unten wütet. Gerade aus der Perspektive vom Dach herunter auf die Stadt wirft man mit Angelo einen gnadenlosen Blick auf die verheerenden Folgen dieser Epidemie.
Als er von Hunger und Durst geplagt in das Stadthaus mit dem verlockenden Speicher voller anheimelndem Trödel hinabsteigt, verschreckt er die allein lebende junge Madame de Théus.

Sein Ziel? Erst weg - dann wieder zurück nach Italien? Als Leser tappt man bezüglich dessen länger im Dunklen, was überhaupt gar nicht schlimm ist, man befindet sich einfach mit Angelo im Hier und Jetzt. Recht spät wird man überhaupt eingeweiht in Angelos ungefähre Vergangenheit und seine vagen Zukunftspläne. Erst beim Zusammentreffen mit seinem Milchbruder Giuseppe wird das ansatzweise klar (Übrigens: Dieser Halunke Giovanni hat nur seine eigenen Interessen im Auge und stellt sich dem Leser alseine Art Gegenstück zu Angelo dar) und da ist man schon über die Mitte des 500 Seiten Buches hinaus. Bis dahin teilt der Leser mit Angelo lediglich die Landschaft Südfrankreichs, den Glutsommer, das Unterwegssein, das Essen, den Wein und die grausige Seuche. Man mäandert mit ihm durch das Land und lauscht seinen Gedanken über das Leben, fühlt sein Herz vor Freude hüpfen, wenn er auf Widerstand, wie eine bewaffnete Barrikade stößt. Seine Pistole oder seinen Degen zückt er sehr gern.

Angelo gefällt sich unsagbar in der Pose des Überlegenen. Einem anderen (schlechteren) Mann pistolendrohend das Pferd abzunehmen, es überwältigt ihn schiere die Freude darüber, wenn es ihm mit Leichtigkeit und Nonchalance gelang.
Es reihen sich kleine Episoden: Das Zusammentreffen mit dem kleinen Doktor-Franzosen und wie er am Feldrain mit ihm die Nacht verbringt, und schließlich für ihn dort auch die Totenwache hält. Wie der Anblick nackter rundlicher Frauenarme mit verschwitztem rotem Achselhaar seine Tagträume verschönern, wie Angelos spontane Sympathie für einen prolligen Barrikadenwächters, dessen derbhässliches Gesicht plötzlich verschönt. Die Nächte verbringt er im Gras liegend, von wirren Träumen geplagt oder traumlos nach dem Genuss dreier Flaschen guten Roten in Stiefeln quer über dem Bett, auf Dachziegeln über der Stadt oder unter einem Baum.
Seinen ungestümen Drang edel und hilfreich zu sein kann er nicht ablegen nicht verbergen. Sie scheinen sein Antrieb zu sein.

CHOLERA:
Trockene Cholera oder Cholera sicca ist eine besonders schwere Choleraerkrankung, die schon nach wenigen Stunden durch Kreislaufkollaps zum Tode führt, noch BEVOR der Durchfall einsetzt, verscheidet der Patient meist. Die Haut verfärbt sich abrupt blau. Das Gesicht wird zur Maske. Die Beine krampfen. Das Reiben mit Alkohol soll den Kreislauf und die Sauerstoffversorgung ankurbeln, versagt ja aber in den allermeisten Fällen. Ich glaube bei der Sicca überlebt nur ein geringer Prozentsatz der Angesteckten. Wie vom Blitz getroffen fallen die Menschen, von Krämpfen geschüttelt, das Gesicht zu einer Maske verzerrt, erbrechen sie eine milchreisartige Masse, bevor sie im ewigen Grinsen Zähne zeigen.
Es gibt mehrere Stadien, wobei das erste Stadium schon tödlich sein kann, manche kommen auch munter daraus hervor, wenn auch wenige.
Niemand findet etwas dabei, wenn die einem dem großen Sterben anheim fallen, und die anderen nicht. Allein die übergroße Angst selbst davon getroffen zu werden verändert die Menschen.
Bei der Darstellung des Krankheitsverlaufes folgt der Schriftsteller detailliert den medizinischen Quellen aus dem 19.JH. Dennoch muss klar sein, dass die sehr... raumgreifende Cholera hier im literarischen Sinne metaphorisch für etwas steht, was im weitesten Sinne etwas mit Schwarz - Schrecken - Tot - zu tun hat. Ein Höllenbild einer aus den Fugen geratenen Welt.

WAS IST DAS? Eine romantische Abenteuergeschichte? Ein Schmöker? Ein edelmütig-verwegener Husarenreiter in der Provence, verwoben mit einer zarten Lovestory scheinen das zu versprechen. Im Film wird bestimmt auch diese Seite der Geschichte betont, im Buch allerdings werden schon die anderen Seiten eines Schelmenstückes lauter.
Ein Schelmenstück, eben. Und deshalb hat unser junger Aristokrat schon eher sonderbare Züge und eine wirklich naiv anmutenden Weltsicht. Mit kleinen Abenteuersprenkeln übersät reitet er wie ein strahlender Ritter durch die Hitze dieses Sommers in Südfrankreich und stellt sich in aller Seelenruhe den Gefahren dieses Sommers und dem Schrecken der Cholera. Beides erscheint wie gemalt vor dem Auge des Lesers. Die Hitze und Trockenheit dieses Sommers und die wie der Blitz einschlagende schwarzfärbende Cholera.
Auch der Edelmut wird von der spitzen Feder des Autos aufgespießt und flattert bisweilen eher als infantile Heldenfahne an der Standarte des stolzen Angelo, dessen hübsches Gesicht sich bisweilen zu einem schon fast affigen Frätzchen verzerrt. Das Ganze ist mit wirklich sehr viel morbidem Charme garniert. Oder habe ich jemals literarisch oder filmisch dargestellt eine grausige Seuche mit ihren unzähligen Toten in den schauerlichsten Posen als so überaus idyllisch und wunderschön empfunden? Sicherlich nein. Ist es nicht allein diese Lichtgestalt des leichtsinnigen aber unerschütterlichen Helden, die es nicht nur erträglich, sondern so angenehm macht?

WER MAG DAS?
Was womöglich als Abenteuerschmöker gekauft wurde, liest sich als grandiose Landschaftbemalung.
Und entpuppt sich schließlich zunehmend als kritische Betrachtung von Altruismus und Edelmut.
Bzw. über den wahren Antrieb bzw. dem Eigennutz dessen.
Es liest sich auch ironisch und tappt gerne über die normalen Widersprüchlichkeiten des Lebens und der ach so ehernen Überzeugungen. (Angelo, ein Anhänger eines Geheimbundes widmet sich zwar dem patriotischen Freiheitskampf, schmäht jedoch als Aristokrat seitenlang die Stimme des einfachen Volkes. ;-)
Wie sieht es aus mit Pflichterfüllung und Moral? Gerade jetzt in der Katastrophe. "Von dem sozialen Körper der Menschheit während dieser Cholera sei nicht mehr viel zu erwarten. Er läge im Sterben. Er hat genug zu tun, er ist völlig mit seinem eigen Tod beschäftigt." S.221"
Und er geht in der Erkenntnis noch weiter. Sogar sein Freiheitskampf, irgendwann gibt er es zerknirscht zu: Er befriedigt damit ein eigenes Bedürfnis. Selbstlos? Gibt es nicht.
Gegen Mitte des Romans, als eines Tagen seine edle Hilfe brüsk (schon fast genervt) abgelehnt wird, fragt sich Angelo in resignierter Kühlköpfigkeit: "Glaubst du wirklich, dass Großmut immer gut ist? In neun von zehn Fällen ist sie Nötigung. Und männlich ist sie nie." Seine sich selbst und seine vermeintlichen "Heldentaten" reflektierenden Selbstgespräche sind jedenfalls köstlich. Auch die dicke Nonne mit der Zigarre im Mundwinkel ist es. Auch Angelo hält ein köstliches Gefühl bei der Nonne, als er mit ihr wochenlang 100erte von Toten wäscht. "Niemand wird mir Geltungsdrang vorwerfen", redet er sich ein, als er sich als Leichenwäscher in Manosque beim wohligen Gefühl wertvoll und edel zu sein ertappt. "Aber was ich hier tue, hebe seinen Rang. In dieser Stadt - wo die schändlichste Niedertracht mittlerweile als natürliches Verhalten gilt." Ist das sein Pflichtgefühl zu Helfen? Oder eigene Befriedigung?
"Das Gefühl etwas zu tun das uns adelt." So monologisiert Angelo angesichts der Epidemie seine inneren Gedanken, reflektiert das eigene Handeln und gibt uns wirklich seine allergeheimsten Erkenntnisse preis.
Allerdings kann ich noch immer nicht sagen, wer das mag.
Ich jedenfalls.

AUSBLICK:
Mit dem Gewitter nach zwei Drittel des Buches ändern sich auch die Farben und teilweise Ansichten des Romans wieder, es wird Herbst, die Feuchtigkeit verschlimmert die Cholera zwar, gleichsam wendet sich die Geschichte im nachfolgenden etwas von ihr ab, dafür der wieder neu gewachsener Wanderlust zu und der innerlich gereifte Angelo dem wieder erstandenen Glauben an den Kampf und den wahren Edelmut. Eben, er hat ja die die zarte und junge Paulette de Théus zu beschützen.:) In herbstlich kühlen und satten Farben reiten die Schöne und ihre Beschützer hinauf in die Haut-Alpes.

FAZIT:
Die Langsamkeit der Erzählweise, das Auf-der-Stelle-Treten des Helden, die träge Allegorie des Sommers und der schwarzfärbenden Seuche mögen manchen Leser ermüden, oder schlicht auf die Nerven fallen. Ich find's herrlich! Ich hab dieses Buch genussvoll verschlungen und es steht künftig im Regal auf einem der Ehrenplätze. Das Buch entfaltet sich mit einer fast dämonischen Eindringlichkeit. Ernüchternd und gleichzeitig grenzenlos romantisch, im Sinne der grandiosen Landschaftspoesie und einer zarten Romanze, auch wenn die platonische Liebesgeschichte im Buch nur ganz am Rande, fast an den hinteren Buchdeckel gedrängt, aufflackert und ganz zart angedeutet bleibt. In der (tollen) Verfilmung erhält sie einen größeren Part.

Soll ich mich jetzt schon wieder entschuldigen für mein ellenlanges Elaborat? :p
Ich weiß, ich sprenge hier mal wieder jeden Rahmen für eine Kunderez. Habs eher für mich selber im Urlaub geschrieben, vielleicht hat sich ja doch jemand durchgekämpft. *g*
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am 21. Februar 2013
Giono schafft es, so zu beschreiben, dass man alles buchstäblich riecht und schmeckt, die Hitze fühlt, den Ekel, das Rauschen der Pappeln hört, von der oftmals bizarren Schönheit der Landschaft und dem gruseligen Verhalten der Vögel in der Ausnahmesituation zu Zeiten der Cholera nicht unberührt bleiben kann.
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am 20. März 2016
Nachdem ich den Film so phantastisch finde habe ich endlich auch Zeit gefunden das Buch zu lesen. Es ist brutaler, direkter ... und ich hätte von Giono die detaillierten Schilderungen der Krankheitsstadien nicht erwartet. Große Literatur, unterhaltsam und sie lässt einen im Süden Frankreichs, zwischen Sisteron, Sault und Gap, herumwandern, schwitzen, leiden und genießen
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