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am 29. März 2008
Dass Frankreich im 19. Jahrhundert großartige Romane hervorgebracht hat, zeigt Gustave Flauberts 'Madame Bovary', das nicht umsonst als d e r Ehebruch-Roman in der Weltliteratur gilt, einer 'Effi Briest' Fontanes zum Trotz.

Um 1848 verfasst, aber erst 1857 in Buchform veröffentlicht, erzählt der Roman die Leidensgeschichte der Emma Bovary, der eine vorschnell geschlossene Ehe mit dem eher simpel gestrickten, aber gutherzigen Arzt Charles Bovary zum Verhängnis wird. In die engen Bande der kleinbürgerlichen Provinz um Rouen eingezwängt, flüchtet sich die intelligente und passionierte Romanleserin in zwei Liebschaften, welche sie über die Tristesse und Eintönigkeit des Dorfalltags in Yonville hinwegtrösten. Dass sie dabei eine grenzenlose Naivität und Weltfremdheit an den Tag legt, hindert sie nicht daran, ihre gesamte Familie ins Unglück zu stürzen, eine Familie, an der ihr herzlich wenig liegt, ist sie doch dazu bereit, ihre Tochter zurückzulassen, um mit Rodolphe, einem Dandy der Umgebung, der Emma eigentlich nur als weitere Eroberung betrachtet, durchzubrennen.

Emmas Naivität liegt darin begründet, dass sich die Welt der Romane eben nicht so ohne weiteres auf das Leben übertragen lässt und obwohl sich das Schicksal der Figur bereits sehr früh andeutet, schafft es Flaubert, die Geschichte mit einer Tragikomik und einer zum Ende hin packenden Dramatik zu versehen, als sich die Schlinge um Emma immer fester zerrt und in ein dramatisches Finale mündet. Wie wunderbar zu Flaubert charakterisieren in der Lage ist, wird gerade gen Ende des Romans deutlich. Madame Bovary, die schon zuvor eher als hysterische und undankbare Person erschien, macht jetzt selbst auf ihren Liebhaber Léon, einen jungen Anwalt, einen verheerenden Eindruck und auch die anderen zum Teil skurrilen Figuren der Provinz (insbesodere der Apotheker Homais) werden mit einer Genauigkeit beschrieben, wie man es vergleichbar nur von dem anderen großen Provinz-Roman des 19. Jahrhunderts, George Eliots 'Middlemarch' kennt.

Fazit
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Für mich markiert Flauberts 'Madame Bovary' neben Balzacs Roman-Trilogie (Vater Goriot, Verlorene Illusionen, Glanz und Elend der Kurtisanen) den Höhepunkt der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Der Roman ist voller psychologischer Kniffe, raffiniert konstruiert und auch die sprachliche Gewandtheit Flauberts ist eine Freude. Zudem sind die Figuren vielschichtig und obwohl der Roman vom Thema her kaum Spannung zulässt, kann man insbesondere gen Ende das Buch kaum noch aus der Hand legen. Die Romane Fontanes, die sich mit derselben Thematik beschäftigen (z.B. 'L'Adultera', 'Effi Briest') erreichen das französische Original nicht und so ist 'Madame Bovary', das zum ZEIT-Kanon der 100 größten Meisterwerke der Weltliteratur gehört, d e r Ehebruch-Roman schlechthin, garniert mit einer für die Zeit unerhört offen angedeuteten (aber nicht explizit beschriebenen ) Szene in einer Pariser Kutsche...
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am 25. November 2008
An all die, die mit dem Gedanken spielen, sich dieses Buch zu bestellen:

Ich habe diese Ausgabe von "Madame Bovary" vom Kaiser-Verlag gekauft und bin sehr unzufrieden damit !!!
Da ich zur Zeit in Toulouse französische Literatur studiere und wir gerade diesen Roman von Flaubert besprechen, habe ich mir die Übersetzung gekauft.
Leider handelt es sich weder um eine sinngemäße noch um eine wortgetreue Übersetzung, manche Passagen sind sogar einfach nicht übersetzt und weggelassen worden!!
Mit diesem Buch kann man nicht arbeiten, jedenfalls nicht, wenn man sich mit Flaubert beschäftigen will, da seine großartige Arbeit, die Ironie und das faszinierende Spiel mit Formulierungen in diesem Buch überhaupt nicht zur Geltung kommen.
Das Buch ist voll mit Rechtschreibfehlern und grammatisch vollkommen falsch konstruierten Sätzen, dazu kommen die haarsträubenden, stümperhaften Übersetzungen, die den Roman falsch darstellen!
Ich kann nur empfehlen, sich dieses Buch nicht anzuschaffen, es lohnt sich nicht!!!
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TOP 500 REZENSENTam 5. März 2006
Drei große Eheromane kennt das 19. Jahrhundert: Tolstois „Anna Karenina“, Fontanes „Effi Briest“ und Flauberts „Madame Bovari“. Jeder dieser drei Romane beschreibt den Zusammenbruch einer Ehe auf eine durchaus unterschiedliche Weise, gemeinsam aber ist ihnen allen, dass sie den Schwanengesang der ehelichen Treue anstimmen und mit einem Paukenschlag die Epoche einläuten, in denen die Frauen als Ehefrauen ihre Sehnsüchte und Gefühle geltend machen und ihre langweilen Gatten in den Wind schießen.. Der erste und wegweisendste dieser drei Romane war zweifellos die Geschichte der „Madame Bovari“, einer jungen und gebildeten nordfranzösischen Frau, die sich in der Mitte des 19. Jhdts. in ihrer Ehe mit dem Landarzt Charles Bovari zuerst grämt, dann langweilt, ehe sie mit diversen Geliebten aus der ehelichen Treue ausbricht. Was heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken oder aufregen könnte, war bei der Erstveröffentlichung 1856 ein Skandal, wobei man heute gar nicht mehr genau weiß, worin dieser Skandal eigentlich bestanden hat: in der Darstellung der Getriebenheit, mit der Madame Bovari am Ende ihre Sehnsüchte auslebte und sich schließlich zusammen mit ihrer Familie ins Verderben stürzt oder in der genialen psychologischen Verständnisleistung, mit der Flaubert Emmas Innenwelt schließlich so evident werden lässt, dass ein jeder nachfühlen kann, warum Emma Bovari die Gegenwart ihres Gatten schon nach kurzer Zeit kaum noch ertragen kann. „Alles, was Charles sagte, war flach wie ein Straßentrottoir, und Gemeinplätze und Binsenweisheiten zogen vorbei, ohne zum Aufbegehren, zum Lachen oder zum nachdenken zu reizen.“ stöhnt die junge Ehefrau. Obwohl er sie auf Händen durch sein einfaches Landarztleben trägt, ist seine Plumpheit und Tapsigkeit ihr ein tagtägliches Ärgernis, das sie in die Launenhaftigkeit und die Krankheit treibt. Niemand ist da, dem sie ihre Not miteilen könnte, denn der Landpfarrer, dem sich sie anzuvertrauen erwägt, kann sich eine existentielle Not jenseits der Lebensnotdurft nicht vorstellen. Eine Zeitlang kämpft Emma sogar gegen die zunehmenden Aversionen an, weil sie ahnt, dass sie ihren Charles eigentlich lieben sollte, doch „lautlos wie eine Spinne wob die Langeweile ihre Fäden in alle Kammern ihres Herzens“, bis sie es nicht mehr aushält, und die Verlockungen ergreift, die ihre Umwelt bereithält, zuerst den jugendlichen Leon dann den Lebemann Rudolphe. Für den Leser unserer Tage ist frappierend zu sehen, wie die Hauptfigur des Romans umso unsympathischer wird, je mehr sie sich individualisiert. Ihre nach heutigen Maßstäben vollkommen legitimer Lebenshunger gewinn im Kontrast zur relativ intakten Gesellschaft, in der Emma lebt, etwas absolut Gieriges und Unverantwortliches. Die Lieblosigkeit, mit der sie ihre Tochter behandelt, wirkt zutiefst unmenschlich, die Rückhaltlosigkeit, mit der sie sich in den Konsum stürzt und sich dabei verschuldet, ist der reine Wahnsinn, und doch sind alle Verhaltensweise der Madame Bovari einhundertfünfzig Jahre später Teil der gesellschaftlichen Normalität geworden. Man betrügt einander wann immer die Sehnsucht juckt, die Kinder werden bleiben dabei auf der Strecke ( siehe Shalev: Späte Familie ) und wenn alles schief läuft bleiben immer noch die Tröstungen des Konsums. Flaubert als Autor dieses Epochenwerkes ist weit davon entfernt den moralischen Zeigefinger zu erheben, er ist nur der hellsichtige Notar einer Zukunft, die er an dem Schicksal einer Frau seiner eigenen Gegenwart ins Stammbuch schreibt. Wie er das bewerkstelligt, ist große Literatur, auch wenn die Message alles andere als erbaulich ist.
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am 6. Februar 2013
...Aber Flaubert ist ein Mann und damit frei. Meint er die Träume und Eitelkeiten? Sieht er sich auch als narzistische Persönlichkeit? Ich weiß es nicht.
Nach außen erscheint der Roman als Geschichte einer Ehebrecherin. Da wird Liebe und/oder Anrüchiges vermutet, Romantik und Spannung. Spannend ist es auch, vor allem in der zweiten Hälfte.
Ich habe mich lange geärgert, warum Flaubert seine Emma Bovary so allein gelassen hat. Warum er ihr keine beratende Frau an die Seite gestellt hat, keine Mutter, Schwester oder Freundin. Er hat Emma benutzt. Benutzt , um ein Gesellschaftsbild zu zeigen. Nicht die große Gesellschaft. Nein ihm reichte der dörflich/kleinstädtische Mikrokosmos. Wie er die Natur der Menschen schildert, die alle (ausnahmslos) die Anderen nur benutzen, um selber weiter zu kommen, wie und was immer dieses "Weiter" auch sein mag. Hier wird eine Gruppe Menschen beobachtet, die Emma bei ihrem zielstrebigen Weg in den Untergang begleiten. Die einen machen die Augen zu, aus Erschöpfung, Bequemlichkeit oder klerikaler Vernagelung. Die anderen lassen sie sehenden Auges ins Unglück laufen, aus Gleichgültigkeit oder, wer weiß, für was es noch einmal gut ist. Für mich ist das eigentlich die schlimmste Gruppe. Die letzte Gruppe sind die aktiven Selbstsüchtigen. Die bewussten Verführer.
Dies alles beschreibt Flaubert mit Witz und Humor, mal mit Charme, mal mit Spott und Biss, gesellschaftskritisch, im Detail genau, psychologisch stimmig und mit Tiefgang.
Es gibt in diesem Buch keine Helden und auch eigentlich keine Sympathieträger. Es gibt zwei Verliererinnen: Emma, deren Leben traurig endet. Und Berthe, ihre Tochter.
Und dennoch ist es ein gelungenes Buch, lesenswert, empfehlenswert, sprachlich bestechend. Happy End kann jeder.
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am 10. Mai 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind die Jahrhundertromane Madame Bovary (Flaubert), Effi Briest (Fontane) und Anna Karenina (Tolstoi) erschienen und haben für Wirbel und Skandal gesorgt. Alle drei Romane beschreiben Frauen, die ihre Ehe als Gefängnis wahrnehmen, versuchen daraus auszubrechen und schließlich scheitern. In allen drei Romanen spielen die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse eine tragende Rolle für das Gefühl des Gefangenseins und auch das Scheitern ohne dass diese durch die Autoren angeprangert würden. Somit sind diese Romane keine Emanzipationsromane oder Frauenromane, auch wenn sie einen Wandel im Rollenverständnis ihrer Zeit repräsentieren. Die Romane gelten heute als der Beginn des realistischen Romans, weil eben Charaktere und Gesellschaft wirklichkeitsnah abgebildet wurden.

Madame Bovary wächst in ärmlichen bäuerlichen Verhältnissen auf, sie gelangt durch Heirat in bürgerliche Verhältnisse und träumt lebenslang von einem Aufstieg in die Oberschicht. Sie ist das Paradebeispiel einer hysterischen Persönlichkeit, wie sie in den heutigen westlichen Gesellschaftsformen kaum noch anzutreffen ist. Sie ist dabei dumm, genusssüchtig und vollkommen auf sich selbst fixiert. Sogar ihr eigenes Kind nimmt sie nicht wahr, sondern spannt es allenfalls in ihre hysterischen Auftritte wirkungsvoll ein. Der mehrfache Ehebruch ohne Ehemann oder Liebhaber wirklich zu lieben, ist dabei nur eine hysterische Eskapade, genauso wie der völlig zügellose Kaufrausch in den sie sich begibt. Die psychologisch dichte Beschreibung der haltlosen Emma Bovary ist für mich ein Meisterwerk der Literatur. Daneben werden die bürgerlich-dörflichen Verhältnisse im Frankreich des 19. Jahrhunderts sehr detailgetreu, liebevoll und etwas ironisch beschrieben. Vor allem der Kontrast zwischen der idyllisch spießigen Atmosphäre der Gesellschaft und den aufgeregten Eskapaden der Madame Bovary machen für mich den großen Unterhaltungswert des Romans aus.
Der Roman ist in schöner Sprache geschrieben und niemals langweilig. Er hat viele komisch lustige Passagen und liefert dabei ein realistisches Zeitgemälde von Gesellschaft und Menschen des 19. Jahrhunderts in Frankreich.
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TOP 1000 REZENSENTam 10. Juli 2008
Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Roman so aufgefasst habe, wie er angelegt war, denn es wurde immer wieder beschrieben, dass es um eine Frau geht, die der Langeweile und Enge ihrer Ehe zu entkommen sucht. Die ihr Glück und ihre Leidenschaft an anderer Stelle auslebt, und am Ende daran zugrunde geht.
Das trifft unbestreitbar zu, aber ich konnte bis zum Schluss keinerlei Sympathien für Emma Bovary aufbringen. Die Enge ihrer Ehe ist die Enge, die in ihr selbst herrscht. In meinen Augen ist sie vollkommen unfähig das, was sie hat, anzuerkennen. Sie lebt in einer Traumwelt, der sie alles unterordnet. Sie hat einen Mann, der sie anbetet - aber der interessiert sie nicht. Sie will scheinbar immer gerade das haben, was sie nicht haben kann, ist ständig unzufrieden. Ich hatte am Ende nicht das Gefühl, dass Madame Bovary überhaupt fähig ist zu lieben. Weder ihren Mann, noch ihre Tochter oder einen ihrer Liebhaber - nicht einmal sich selbst. Bei ihr dreht sich alles um ihre Person, denn sie ist weder zu Mitgefühl noch zu Empathie fähig. Um sie herum gibt es Menschen, die sie wirklich lieben, doch das berührt sie in keiner Weise.
Selbst als sie ihre Affären eingeht, engt sie ihre Liebhaber irgendwann derart ein, dass sie an ihr zu ersticken drohen. Und so steigert sich der Roman in bedrückender Weise zu einem echten Tiefpunkt, einem zerstörerischem Höhepunkt, an dem Emma Bovary nicht nur ihr eigenes Leben zugrunde richtet, sondern auch das ihrer Familie.

Beeindruckend waren in meinen Augen die akribischen Beschreibungen das Autors. So konnte man beispielsweise das geschnittene Gras riechen, das Rauschen der Röcke hören, weichen Seidenstoff fühlen, die Süße kandierter Früchte schmecken oder Emmas zunehmende Bitterkeit körperlich spüren. Gustave Flaubert lässt den Leser an Emmas Launen und hysterischen Anfällen teilhaben, sodass man ihre innere Leere und Enge förmlich fühlen kann.
An die Sprache bzw. den Schreibstil habe ich mich schnell gewöhnt, denn er ist Teil seiner Zeit, und
versetzt den Leser zurück in ein Frankreich des 19. Jahrhunderts.

Insgesamt war dies für mich ein beeindruckend trauriger Roman, der von seinen liebevoll-detaillierten Beschreibungen lebt, und unkonventionell (besonders zu seiner Zeit) und ohne zu urteilen das Thema Ehebruch und individuelle Freiheit behandelt. Auch wenn man nicht mit der Protagonistin sympathisiert, ist dies ein absolut lesenswerter Roman, denn die Fragen die er aufwirft sind heute so aktuell wie damals: Wo beginnt meine Verantwortung und wo endet sie? Und: Wo beschneidet meine Selbstverwirklichung die Freiheit anderer? Brandaktuelle Fragen in einem hedonistisch geprägten 21. Jahrhundert, wie ich finde.
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am 12. März 2005
Der erstmals 1856 in Fortsetzungen in der "Revue de Paris" und 1857 in Buchform veröffentlichte Roman von Flaubert entstand auf grund eines Mißerfolges. Flauberts Freunde Maxime du Camp und Louis Bouilhet waren von der Lesung der ersten Fassung der "Tentation de Saint Antoine" so enttäuscht, dass sie Flaubert rieten, ein etwas aktuelleres, nicht so literarisch abgehobenes Thema aufzugreifen.
1848 schlug der Selbstmord von Delphine Delamare hohe Wellen. Delphine Delamare, die nicht weit von Rouen in dem kleinen Dorf Ry lebte, war mit einem unbedeutenden Landarzt verheiratet. Aus Langeweile beging sie Ehebruch, machte immense Schulden und vergiftete sich schließlich.
Diese Zeitungsnotiz griff Flaubert 1851 auf. Fast fünf Jahre, bis 1856, brauchte er, um das Thema literarisch aufzuarbeiten.
Entstanden ist ein Klassiker der Weltliteratur, der von vielen als der Ursprung des realistischen Romans in Europa angesehen wird. Erstmals recherchierte hier ein Autor ausführlich nicht nur die örtlichen Begebenheiten, sondern führte auch Korrespondenz mit Ärzten und Apothekern, um sich ein Bild vom wissenschaftlichen Stand der Medizin machen zu können. Desweiteren beschaffte er sich Expertisen von Technikern, Dispositionen von Zeit- und Lageplänen etc. um entsprechende Passagen in seinem Roman detailgetreu und realistisch darstellen zu können.
Der Roman beginnt mit der Jugend von Charles Bovary, um dann im sechsten Kapitel die eigentliche Protagonistin des Romans, Emma Roualt, behütete Tochter eines reichen Bauern, einzuführen.
Emma wird als junges, verträumtes, romantisches Mädchen geschildert, dessen lebhafte Phantasie durch die Lektüre von Romanen von z.b. Sir Walter Scott, Chateaubriand und vor allen anderen "Paul et Virginie" von Bernardin de Saint-Pierre angeregt wurde. In Ihrem Bewußtsein mischt sich die Wirklichkeit mit Wunschbildern und Emma wird bis zum Schluss des Romans nicht in der Lage sein, Schein von Wirklichkeit zu trennen.
Deshalb nimmt es nicht wunder, dass Emma bereits kurz nach der Heirat mit dem mittlerweile verwitweten Charles Bovary von der Wirklichkeit enttäuscht wird und sich von Charles und der Monotonie des Lebens als Frau eines Landarztes abgestossen fühlt.
Das tägliche Einerlei wird durch eine Einladung des Marquis d'Andervilliers unterbrochen. Auf diesem Ball sieht sie endlich die in Ihrer Phantasie existierende Welt und fühlt sich ihr zugehörig. Schon einige Tage nach dem Ball fragt sie sich, warum andere Frauen, die weniger schön, elegant und anmutig sind als sie, zu dieser Welt gehören, Ihr jedoch der Zugang verschlossen bleibt. Emma wird sich immer mehr ihres tristen, ereignislosen Lebens bewußt sowie der Tatsache, dass sie mit einem Mann wie Charles wohl nie zu dieser Gesellschaftsschicht gehören wird. Nach qualvollen Tagen und Nächten bricht Emma mit einem Nervenleiden zusammen, das fast zu Ihrem Tod führt.
Nach der Genesung beschließt Charles, die Gesundung seiner Frau durch einen Klimawechsel zu fördern und zieht nach Yonville-l'Abbaye.
Körperlich genesen vertuscht Emma vor Charles die Zerrüttung Ihres Gemütes und lebt weiterhin in einer Traumwelt, was letztlich zu Ihrer Selbstentleibung führt.
Das zentrale Thema, auf das Flaubert den Leser immer wieder zurück führt, ist die Langeweile, die Emma empfindet. Auch die Beschränkung auf wenige Örtlichkeiten (die Häuser von Yonville, die Postkutsche, Homais' Apotheke, die Wirtschaft »Lion d'or« und Emmas Zimmer) trägt zum Gefühl der Eingeschränktheit und Perspektivelosigkeit bei. Was Emma auch unternimmt, um Ihrem Leben zu entfliehen, gelingt es Ihr nicht. Immer wieder ist sie gezwungen, an den Ausgangspunkt Ihrer Flucht zurückzukehren - an die Seite Ihres ungeliebten Ehemannes Charles.^
Freunde findet sie an Ihrem neuen Wohnort nicht. Ihre Schönheit und auffällige Eleganz bauen eine Barriere zwischen Ihr und den Dorfbewohnern auf. Und dies ist auch von Emma so gewollt. Sie fühlt sich den anderen im Dorf überlegen aufgrund Ihres Aussehens, Ihrer Intelligenz und Ihrer Sensitivität, die dazu führt, dass sie alle bürgerlichen Konventionen bricht und zur Erfüllung Ihrer sexuellen Bedürfnisse Ehebruch begeht. Allerdings ist Emma weder eine feministische Figur oder tragische Heldin, sondern das Opfer einer fehlgeleiteten Phantasie durch eine falschverstandene Gefühlsromantik.
Bei der Veröffentlichung nahmen die Herausgeber der Zeitung gegen den Willen des Autors auf Wunsch der Zensurbehörde Kürzungen am Text vor. Diese reichten den Behörden jedoch nicht aus. Wegen "Verstoß gegen die öffentliche Moral, die guten Sitten und die Religion" wurde gegen Flaubert Anklage erhoben und ein Prozess geführt. Nachdem Flaubert den Prozess gewonnen hatte, konnte der Roman 1857 ungekürzt erscheinen und erfreute sich großer Beliebtheit beim Publikum.
Das Hörbuch wird gewohnt souverän vom "König der Vorleser" Gert Westphal vorgetragen.
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Im Jahr 1856 erregte in Frankreich eine ganz unerhörte Geschichte die Gemüter: Da beschrieb ein weitgehend unbekannter Autor, wie sich eine gelangweilte Ehefrau in einem Provinznest in der Normandie einen Liebhaber nach dem anderen sucht, Ehebruch begeht und ihr ganzes Leben - und das ihres Mannes - zerstört. Das Schlimme in den Augen der Öffentlichkeit: Der Autor ergriff zu keinem Zeitpunkt Partei oder verurteilte das Geschehen. Dieser Autor war Gustave Flaubert und seine "Madame Bovary" sollte Literaturgeschichte schreiben: als erstes Werk des französischen Realismus und als einer der wichtigsten Romane der französischen Literatur. Flaubert kultivierte in diesem Roman einen unpersönlichen Stil, mit dem er die romantische Gedankenwelt seiner weiblichen Heldin der hoffnungslosen, kalten und jämmerlichen Wirklichkeit gegenüberstellte. Madame Bovary scheitert an ihren Leidenschaften, häuft Schulden an, verstrickt sich in Lügen und nimmt sich am Schluss das Leben. Flaubert schuf hiermit einen der ersten modernen Romane und nahm einige der innovativen Erzähltechniken des 20. Jahrhunderts vorweg. Die Modernität zeigt sich vor allem darin, dass Flaubert mit dem kaltblütigen Auge des Beobachters die Realität abbildete, die naive Inspiration früherer Autoren links liegen ließ und aus dem Roman geradezu eine Sozialstudie machte, womit er eine neue Epoche begründete: den Realismus in der Literatur.
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Flaubert hat an diesem Buch fünf Jahre lang an diesem Buch, in dem er eigentlich von einer Banalität schreibt gearbeitet, und dieser wohl berühmteste Ehebruch in der Literaturgeschichte wurde vor 150 Jahren als Sprachkunstwerk veröffentlicht das bis heute zu den großen Werken der Weltliteratur gehört. Was es eigentlich sonst in der Literatur nicht gibt, bisher sind circa 28 Übersetzungen dieses Jahrhundertromans erschienen. Jetzt ist eine 760 Seiten umfassende Edition mit einer vom Deutschen Literaturfonds geförderten Übersetzung von Elisabeth Edl publiziert.

Eigentlich soll es zu den bisherigen Übersetzungen keinen großen Unterschied geben, so die Kritik, deshalb verstehe ich nicht, weshalb die Übersetzerin im Nachwort alle bisherigen Übersetzungen in die metaphorische “ Denis Scheck Tonne“ wirft. Was der Übersetzerin wirklich, im Unterschied zu allen bisherigen Übersetzungen, so die Kritik, großartig gelungen ist, sie hat die logische Sequenz und die Rhythmen, wie Flaubert sie gesetzt hat, meisterhaft einzuhalten vermocht. Flaubert hat bekanntlich unsere Denkweise dahin gehend geändert, dass er die Worte immer dort hingesetzt hat wo sie im Zusammenhang gesehen hingehören. Für die damalige Zeit war es eine neuartige, sehr realitätsnahe Erzählweise.

Wie Flaubert selbst gesagt hat, war der Stoff ohne wertvollen Gehalt, platt, ja über weite Strecken trivial und dass daraus ein unvergängliches Kunstwerk entstanden ist, beweist, dass wirklich ganz große Literatur scheinbar nicht nur vom Stoff entschieden wird, sondern vielmehr auch von ihrer Sprache, von der Art der Darstellung und dem gekonnten Aufbau eines wechselseitigen Spannungsverhältnisses. Elke Heidenreich bringt es auf den Punkt wenn sie sagt: „Ein gutes Buch ist, eine gute Geschichte gut erzählt. Wenn eins von beiden fehlt geht die Sache schief.“ Und die Literarizität, die poetische Kunst dieses Romans, kommt hier in der Übersetzung von Elisabeth Edl ohne Frage unwahrscheinlich stark zum Ausdruck.

Zum Plot, der zu jener Zeit als skandalös galt und für viel Aufregung gesorgt hat: Die Hauptperson Emma ist eine Frau, die mit ihrem Vater auf einem Hof auf dem Lande lebt und sich ständig nach einem anderen Leben sehnt, einem Leben wie sie es aus der Lektüre zahlreicher Bücher kennt. Sie hat sich schlicht in ihrer Naivität durch Lektüre entzünden lassen, träumt von einer Welt, wo sie von Liebhabern umschwärmt wird.

Sie will also ein Leben nach dem Muster der Literatur führen. Sie hat unglücklicherweise keine wertvolle Literatur gelesen, denn die hat sie nicht verstanden, sondern es war schlechte Literatur in Form mundiger Hintertreppenromane. Und jetzt richtet sie ihre Leben nach Maßgabe dieser literarischen Träume aus. Sie fühlt sich in ihrer Bewegungsfreiheit eingesperrt, lernt den recht einfach strukturierten Landarzt Charles Bovary kennen, der ihr allerdings nicht das Leben bieten kann von dem sie träumt. Es bleibt für sie weiterhin unmöglich, in der Provinz ihre Träume einzulösen. Eine Seelenverwandtschaft, die auf dem beiderseitigen Interesse für Literatur und Musik begründet ist, verbindet Emma mit dem Kanzlisten Léon. Ihre Depressionen nehmen zu als Léon nach Paris versetzt wird. Sie verschuldet sich, weil sie ihren Trost nun in zunehmender Luxussucht und anderen Liebhabern sucht. Sie lässt sie sich von dem Grundbesitzer Rodolphe verführen. Sie plant eine gemeinsame Flucht, doch Rodolphe verlässt sie. Bei einem Theaterbesuch der sie mit ihrem Ehemann nach Rouen führt, trifft sie Léon wieder und beginnt hinter dem Rücken ihres Mannes eine Affäre mit ihm.

Und dann erfahren wir wie es zu der illusteren Szene kommt, von der man sagt, es sei wohl der berühmteste Ehebruch des 19. Jahrhunderts. Nach dem Besuch in einer Kathedrale steigt Emma, mit ihrem seit langem angebeteten Kanzlisten Léon mitten am Nachmittag in eine Kutsche. Und so wurde dann der vollzogene Ehebruch, mittels einer durch die Stadt rollenden Kutsche, in einer nicht aufhören wollenden Bewegungsgier innerhalb und außerhalb der Droschke, süffisant beschrieben.
Aus ihrer finanziellen Notlage, ihr Leben war mittlerweile zu einer reinen Katastrophe geworden, kann ihr weder Léon helfen, noch will es Rodolphe. Es gelingt ihr Zutritt zu dem Giftraum in einer Apotheke zu erhalten, sie nimmt Arsen und erleidet einen grauenvollen Tod.

Das Buch wurde bei seinem Erscheinen als Verherrlichung des Ehebruchs empfunden. Was musste Flaubert mit sich gerungen haben, denn er musste hier im Grunde genommen einen Roman über den verderblichen Einfluss der Literatur schreiben. Literatur wurde hier zu einem Dynamit ähnlichem Stoff und Flaubert musste unbeteiligt, ohne Sentimentalität und Mitleid, aber mit liebenswürdiger Würde über diese Verkettung schreiben. Das katapultierte den Roman damals in eine andere Welt und macht ihn über lange Zeitspannen unvergänglich.
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TOP 500 REZENSENTam 29. Januar 2011
Wann immer das Gespräch auf große, durchkomponierte Romane kommt, wann immer man über den modernen Roman und seine Geschichte redet, gibt es einige Werke, um die man nicht herumzukommen scheint. Madame Bovary von Gustave Flaubert ist so ein Roman, ja, er wird sogar einvernehmlich in Kreisen als "erster" moderner Roman bezeichnet, sein Aufbau wird gerühmt, Flauberts Sprache und Psychologie gepriesen, der Niedergang seiner Heldin gehört mit Anna Karenina zu den großen Frauenschicksalen der Weltliteratur und hat ein ums andere Mal auch als Warnung vor übertriebener Romantisierung herhalten müssen, andersherum auch oft als Sinnbild für den Stumpfsinn der meisten Menschen.

In der Tat kann man in verschiedenen Werken von Milan Kundera bis zu Mario Vargas Llosa diesen Roman behandelt finden - dort wird er natürlich auseinander genommen, eingefügt in einen Zusammenhang, sozusagen "instrumentalisiert". Jeder, der wie ich vor der Lektüre des Romans zahlreiche Schriften über ihn gelesen hat, sieht ihn natürlich mit "anders definierten Augen", wie Gide sagen würde.

Neben der Größe und Auslegungsbreite des Buchs im Feuilleton und der Essayistik, schwingt immer wieder die Kraft der verruchten Aura mit, die diesem Roman von allen Seiten einst angetragen wurde. Doch ähnlich wie Lady Chatterley ist auch Madame Bovary natürlich kein wirklich erotischer Roman, sondern eine psychologisch-menschliche Konflikt- und Lebensgeschichte, die tatsächlich in dieser Form nicht unbedingt das erste Mal (siehe z.B.: Balzac Das Haus der ballspielenden Katze), aber auf jeden Fall das erste Mal in so eindringlicher Klarheit und Nähe beschrieben wurde, in seinem unromantisch kompromisslosen Blick auf das Umtun seiner Charaktere.

Die Handlung soll hier nicht genau unter die Lupe genommen werden, sie ist hinlänglich bekannt und wenn nicht ist sie umso besser ohne zu viel Einleitung zu genießen; der Dreh und Angelpunkt sind sowieso die Charaktere, die so zweideutig sind, (ja geradezu eigensinnig) dass sie dem Ideal der Romanfigur, einer richtigen Person mit ambivalentem Selbst- und Weltverständnis und allerlei Regungen trotz eines festen Charakters, sehr nahe kommen.
Flaubert mischt sich, so selten wie möglich als Erzähler wertend ein und dann auch nur wenn es um seine Hauptperson Emma Bovary geht, der noch am meisten definierten Person im ganzen Buch; ihre Figur schreitet wie durchleuchtet durch die Welt, eine transparente Seele, deren Wünsche und Fallstricke wir sehr schnell zu verstehen lernen.
Mit stilistischer Bravour und Eleganz, weiß Flaubert immer genau wo er (physisch und blicktechnisch) als Erzähler zu stehen hat, um die beste Einstellung zu bekommen; so ist er zwar den größten Teil der Zeit bei seiner Protagonistin, in ihr, um sie, als wäre sie ein altes Ich (Flaubert meinte immer wieder: "Emma Bovary - das bin ich!") um dann doch wieder (und eigentlich immer) allwissend über allem zu schweben und seine Blicke auch hier und dort hin zu werfen, wo gerade etwas Interessantes einzufügen ist. Nebenbei finden sich natürlich unvergessliche Szenen und Beschreibungen in diesem Buch; eine der berühmtesten hat mir der Überschrift und einer sehr langen Kutschfahrt zu tun.

Flaubert schrieb 5 Jahre an seinem Werk; lange haderte er mit den Sätzen und versuchte die (wir würden sagen ultimative) Worte zu finden, die alles genau und möglichst poetisch, wahrhaftigkeitsgetreu, aber nicht schwülstig, beschreiben würden - man kann mit großer Sicherheit sagen, dass "Madame Bovary" den Roman auf alle Zeiten beeinflusst hat und ihn vielleicht auch dort hin gebracht hat, wo er heute ist. Vielleicht war es die konsequente Weiterentwicklung der Balzacschen Realistik, die wiederum eine Weiterentwicklung von Sternes (Leben und Meinungen von Tristram Shandy Gentleman) und Rabelais (Gargantua und Pantagruel) Romanabschweifungen war, die wiederum vom Urroman, dem Don Quijote des Cervantes herrühren; ja, vielleicht ist die Formstärke doch die größte Stärke dieser Art von Literatur ... zweifelsfrei ist eins: Flauberts 5 jährige Arbeit haben sich in dieser Prosa niedergeschlagen und gleichsam einen Spiegel UND ein Fenster geschaffen, dass Lesegenuss und Reflexion im gleichen Maße vereint.

Zur Übersetzung: Meine Übersetzung ist die von Maria Dessauer aus der Insel Verlag Zusammenstellung Romane und Erzählungen - Acht Bände im Schuber und hat mir persönlich hervorragend gefallen; sie ist flüssig, gekonnt, nicht übertrieben ältlich, nicht übertrieben modern und fängt die Sonnenstrahlen der Flaubertschen Prosa ein.
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