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am 15. Januar 2003
Auf diese Töne hat Martin G. immer noch ein Monopol. Zum Beispiel auf diesen am Anfang des Stücks Diagonal: Der sanfte, abgestoppte Schlag auf ein Becken, gefiltert wie durch ein langes schwingendes Rohr, längsgezogen und mehrmals umgedreht. Und am Ende eine einzelne Taste auf seiner unendlichen Tastatur. Wie die B-Seite der Doppel-CD Reset the Preset losgeht, mit diesem digitalen Stop-and-Go-Tango, das klingt nach Heimat, nach dem Ort im Universum des Martin G., wo die Klänge mit viel Feeling wohnen. Dort, wo Platten nicht produziert, sondern gemacht werden. Allein, zu zweit, mit Band oder ohne. Zuhause. Console as usual.
Aber erstmal, besser vermarktet, besser ausgekoppelt, besser klingend weht aus der weiten Ferne des Poplandes der eigentliche erste Teil, die Reset-Seite der neuen Platte, herein. Traurige Frauenstimme (nenn es den Weilheim-Tune) an schmelzenden und gekitteten Sample-Akkorden. Gretschmann hat zu seinem Apple-Baukasten das neue Ergänzungs-Set "Pop II" erhalten. Klangchristmas am 13. Januar. Release in eine neue Abteilung. Wo stehen jetzt im Laden die Console-Platten?
Surfin' Atari wäre nicht nur mein Single-Kandidat gewesen (statt der wahren ersten Single Suck and Run), sondern ist auch die beste Zusammenfassung des neuen Stroms, der durch die Console fließt. Aus den technoiden Versatzstücken, aus dem Applebaukasen, der Klänge in jeder computationalen Epoche (also alle 18 Monate) doppelt so fein auflösen und zerlegen kann, quasi grenzenlos, wird ein neues Ganzes mit einer sweeten Decke drauf gebaut. Miriam Osterrieder, Schulfreundin von Gretschmann, singt sad. Aus Dekonstruktion wird neue Architektur.
Die Decke dieses neuen Soundhauses ist mir etwas zu gewöhnlich geschwungen. "Ich war schon immer eine alte Popsau", sagt Martin Gretschmann zur Veröffentlichung, zum Paradigmenwechsel, der ja eigentlich keiner ist. Was ist 14 Zero Zero, wenn kein Pop? An ein Missverständnis zu glauben, maße ich mir nicht an. Jedenfalls will Console mit dieser Platte seinen Laptop ans Stromnetz des großen Business hängen (nicht den Verkaufszahlen, sondern dem Inhalt nach). Gretschmann hat Gesang aufgenommen, gefeilt, ihn als Ganzes genommen, die Stimme zum Teil verfremdet, aber immer die Songstruktur, Melodie, Strophe, Refrain in den Mittelpunkt gestellt. Zum ersten Mal.
Und das ist der Unterschied zum Pop auf der 1998er-Platte Rocket in the Pocket: Dort kann jedes einzelne Sample, jede Phrase so sweet klingen wie sie will - man hört anständigen Elektro und fühlt dabei Pop. Jetzt hört man Pop - und fühlt im Wesentlichen nur eine traurige Stimme. Sie ist der Haupt-Act. Dafür ist aber sie nicht gut, für Pop am Ende auch nicht sweet genug. Pop muss für gewöhnlich froh klingen. Die Reset-Platte klingt in der Hauptsache nach einem sehr gedankenvoll orchestrierten Werk, frohe Gelassenheit aber fehlt, und besonders ungewöhnlich klingt sie auch nicht. Am besten, echtesten noch: der erste Teil des Tracks Dirt on the Wire, in dem Miriam Osterrieders Stimme kaum mehr zu erkennen ist, nichts mehr ist als ein Sample zwischen Bassdrum und Snare - Elektropop. Und nach der gewohnt verwürfelten Bridge und der souveränen Fläche taucht wieder die unverstellte Stimme auf, die eben leider nicht so gut kann, wie sie will oder soll - Pop-Pop. Reiht sich ein in die Millionen, die es täglich versuchen.
Console versucht zuviel. Architektur vs. Bruchstück, Gesamtwerk gegen Dekonstruktion: Wer die blitzenden, blinkenden, charmanten, sich unerwartet gut anfühlenden Teile der vorhandenen Welt sammelt, sortiert und ordnet (was Gretschmann versteht wie wenige andere), der steht nicht unter dem Druck, eine wunderbare, perfekte Welt komplett neu erschaffen zu müssen. Sowas können nämlich auch nur wenige: Die richtig großen Produzenten dieser Musikwelt. Und immer, wenn ich in Track 7, Secret Game, auf die zwei Worte "Tell me" stoße, die verführerisch nach einem Akkord aus Britneys Hit me Baby, one more time klingen (sie singt "Show me"), dann wünsche ich mir unbewusst, dass es mit "... how you want it to be" weitergeht, mit freundlich lächelndem Britneymund und nicht mit traurigem Blick ins nebelverhangene Notwist-Land. Consoles neue Musik selbst hat mir diesen Wunsch eingeflüstert. Natürlich kann sie ihn nicht erfüllen.
Am Anfang ähnlich unzugänglich wie das Centre Pompidou-Album kommt die elektroide Preset-Hälfte dann daher. Ein Wald voll Entspannung, in dem Bäche fließen und Felsen tanzen. Der Versuch, große Popmusik zu machen, ist vielleicht immer der Versuch, von Menschenhand etwas zu schaffen, was schöner und anrührender ist als die Natur. Die Schönheit der Natur muss man sich erarbeiten, sie selbst erkennen. Das Menschengemachte erschließt sich sofort. Dafür aber ist es in seiner Tiefe begrenzt, während die Natur nie aufhört. In Consoles Samplegarten, auch im neuen Preset-Pavillon, kann man endlos spazierengehen. Die Hausfassade des Reset-Refugiums dagegen werde ich vielleicht schon nach einem einzigen Sommer neben den anderen, bunteren, frischeren, leuchtenderen, fröhlicheren Fassaden kaum mehr erkennen.
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HALL OF FAMEam 26. Juni 2003
Er ist schon ein Eigenbrötler. Nach einem Underground-Hit mit einer Nummer, bei der eine weibliche Computerstimme den Ton angab sowie der maßgeblichen Zusammenarbeit mit The Notwist bei ihrem letzten Chartsalbum kommt er nun gleich mit einem Doppel-Album.
Auf der "Reset" benannten CD fällt insbesondere die warme Stimme von Miriam Osterrieder auf, die einige Tracks mit sphärischer Stimme veredelt. Dazu tuckert entweder der Synthesizer ("A+A=B"), wärmt er mit einer Neo-Bossa Nova-Ballade ("Into The Universe") oder erinnert an seine Stammband ("Secret Game").
Selten habe ich eine so große Bandbreite an Stilen und Instrumentierungen von nur einem Künstler auf einer CD gehört. Von Einflüssen aus den Bereichen Weltmusik, Jazz, Psychedelic, Rock oder Elektro - alles geht harmonisch ineinander auf, so daß man bei dem ersten Hören sofort das Gefühl eines harmonischen, in sich geschlossenen Albums bekommt.
Die zweite CD ist ruhig, sehr ruhig. Heutzutage sagt man Ambient dazu. Gemeint sind flächige Sounds, die hier aber immer wieder in ihrer Minimalität unterbrochen werden durch knisternde Einschübe, unerwartete Wendungen und den Mitteln, die sein Computer hergibt.
Im Gegensatz zu Console sind Thievery Corporation langweilige Snobs, denn er versteht es, der elektronisch hergestellten Musik (und das in Weilheim) die erforderliche Wärme einzuhauchen, ohne der belanglosen Glätte zu frönen.
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am 19. Januar 2003
wer sich einfach mal so in die Wüste setzt (hier: fremde Stadt in fremdem Land) und ganz von vorne anfängt, hat entweder einen an der Klatsche oder er ist drauf und dran, was wirklich Neues hervorzubringen.
Console ist das Letztere gelungen, ob er noch ganz bei Trost ist, sollen die beurteilen, die ihn kennen.
Als Fremder Musiker in Barcelona hat er sich für mehrere Monate mal ganz zurückgezogen und überrascht uns alle:
Die Voreinstellung ("preset") von uns bedient er wie erwartet, aber eigentlich entführt er uns in andere sphären, das ist dann das "Reset".
Enstehung und Umsetzung ist gelungen, für Künstler seines Schlages könnte das Richtungsweisend sein. Was genau das mitreißende ist, vermag man nicht zu sagen, aber ich kenn keinen, der sich von seiner Musik nicht angesprochen fühlt.
Wer die Musikrichtung mag, sollte sich auf jeden Fall mit Console und auch mit der neuen CD von Swimming Pool eindecken!
Die beiden Scheiben sind die angesagten Lounge-Hits des Monats!
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am 10. Dezember 2002
Das hat es in sich: 2mal 45 Minuten Musik erscheinen gleichzeitig vom Notwist-Elektro-Gehirn. "Preset" heißt das eine, durchgehend instrumentale Werk. Auf ihm bringt Gretschmann seine Fähigkeit schlafzuwandeln und hellzusehen zur gleichen Zeit, zur vollsten Blüte. Ähnlich richtig guten Science Fiction-Filmen treffen sich in diesen melodiösen Laptop-Soundscapes Melancholie und Zukunft in einem Universum. Was hier sphärisch und wie ein Sternenschweif im riesigen All aufbrandet und wieder sanft verschwindet, ist gleichzeitig über die Maßen herzerwärmend und menschlich. Auf sein Trademark, diese typische verzitterte elektronische Unterlage, wird auf der 2. CD "Reset" fast gänzlich verzichtet - zugunsten einer konventionelleren, Tanzboden und Song verpflichteteren Sprache. Leider stellen aber diese, schon enervierend eintönig mit der obligaten kühlen Frauen-Stimme vertonten Tracks, nicht grade einen Ausbund an Frische und Innovation dar. Oft docken die straighten Electro-Rock-Standards nahtlos an den zur Zeit angesagte Tok Toks meets DJ Hell and Miss Soffy in a Berlin-Style an. Besinnt sich die Band auf ihre ureigentliche Stärke ist sie jederzeit auf der Höhe („Preset"), mit ihrem neuen Ansatz („Reset") wagt sie zwar einiges, wirkt aber austauschbar.
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