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am 8. März 2005
Ich habe den Film zum ersten Mal Anfang der 80er Jahre an einem düsteren Samstagabend im Fernsehen gesehen - das war ein schwerer Fehler!!! Damals war ich nämlich erst 12 Jahre alt und konnte (wie auch meine Freunde) nach dem "Genuß" des Streifens wochenlang nicht mehr richtig einschlafen - er hatte abrupt ein Stück unserer Kindheit zerfetzt. Wie sollte ich auch ahnen, daß er von verstörender Kraft war, als z.B. ein Dracula oder ein x-beliebiger anderer Gruselfilm je hätte sein können. Seit dieser Zeit hat mich dieses Meisterwerk nicht mehr losgelassen - so etwas hat bislang kein anderer Psychoschocker oder Horrorfilm der Neuzeit schaffen können - und ich kenne viele Schocker... Ein bildgewordener, nicht mit Worten zu fassender und zu beschreibener Alptraum, aus dem es jedenfalls für den Hauptprotagonisten (Donald Sutherland in der Rolle des John Baxter) kein Erwachen gibt. Jeder, der Psychothriller und Horrorfilme nicht gleich mit einer "blutigen Metzelorgie" gleichsetzt, muß hier unbedingt zugreifen. Übrigens: Wenn man sich den Film des öfteren anschaut, wird man als aufmerksamer Zuschauer alle Puzzleteile, aus dem er besteht, auch zusammensetzen können - sinnlos ist dieser Schocker dann bestimmt nicht mehr, wie leider eine ältere Rezension hier behauptet! Am besten kann man ihn dann mit "The Sixth Sense" vergleichen, der am Schluß jeden aufgeschlossenen Zuschauer ebenfalls wie ein Hammerschlag trifft - allerdings etwas versöhnlicher und nicht so brutal wie dieser Film hier. Auf visueller Ebene schafft er ebenfalls Unglaubliches: noch nie sah Venedig so düster und hoffnungslos schön aus, wirkt jede Person, die dem vom Schicksal schwer getoffenen Ehepaar (Christie und Sutherland) in der Lagunenstadt begegnet, so undurchsichtig und verdächtig, wie in diesem Thriller. Nicolas Roeg hat sich als Regisseur hiermit ein filmisches Denkmal gesetzt. Ein Klassiker, den man nie mehr vergessen wird und beileibe kein "alter Schinken" der nunmehr schon 32 Jahre "auf dem Buckel" hat... - am besten des Nachts in aller Ruhe konzentriert ansehen!!! Ich wünsche Ihnen danach gutes Gelingen beim Einschlafen - während des Films dürfte dieses sowieso ausgeschlossen sein ;). PS.: Wem sich die Story nach Betrachtung der DVD nicht völlig erschließt, dem soll an dieser Stelle noch die Kurzgeschichte in Buchform von Daphne du Maurier "Spätestens in Venedig" ans Herz gelegt werden...
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NR. 1 HALL OF FAMEam 13. August 2002
"Wenn die Gondeln Trauer tragen" - oder "Don't look now" der wesentlich tiefgründigere Titel des Films in OV - ist ein Cineastisches Glanzstück, welches sich in einer Rezension nur unzureichend beschreiben läßt - dennoch der Versuch, die Einzigartigkeiten des Films herauszustreichen.
Aktuell werden wir von mittelmäßigen bis schlechten "Horror"-Filmen ja geradezu überschwemmt, die nach dem Schema X oder Y funktionieren: Man nehme ein paar Teenager, einen schlitzwütigen Psychopathen mit schwarzem Cape und Fratzen-Maske, füge ein paar billige Schockeffektchen hinzu und fertig ist das Produkt für die breite Masse, die sich an anspruchslosen Serienproduktionen aus Hollywood zu ergötzen vermag.
"Wenn die Gondeln Trauer tragen" ist Welten und Lichtjahre davon entfernt. Dieser Film lebt von seiner subtilen Erzählweise, die das Grauen und den Grusel im Kopf entstehen läßt anstatt auf der Leinwand oder den Surround-Boxen. Regiesseur Nicolas Roeg schuf - in Großbritannien wohlgemerkt, nicht in Hollywood - ein zeitloses Meisterwerk, eine Refenenz für "akademischen Horror", wie etwa auch Roman Polanski mit "Rosemaries Baby".
"Wenn die Gondeln Trauer tragen" spielt mit hintergründigen Codes - etwa der Farbe rot - der Gnom, der Regenmantel des kleinen Tochter; zwei Schwestern von denen eine blind ist, aber dennoch "sehen" kann - solche Filme werden heute einfach nicht mehr produziert - leider.
Die ineinander verwobenen Geschichten verschiedener Zeitebenen (z.B. das Dia, auf dem "etwas" mit roter Kaputze zu sehen ist als Vorwegnahme späterer Ereignisse, das umgeworfene Trinkglas als Metapher für das Ertrinken der Tochter im See). Dazu spielen Donald Sutherland (damals wirklich gut, heute begnügt er sich damit, den ewigen Unsympathler zu spielen) und Julie Christie ("Dr. Schiwago" !) derart glaubwürdig ein Ehepaar wie selten jemand nach ihnen - insgesamt ein höllisch guter Trip ins Unterbewußtsein, ein Film, der auch bei abgehärteten Thriller-Fans für schlaflose Nächte sorgen dürfte (und man wird danach Venedig mit ganz anderen Augen sehen ;-) ).
Weshalb man diese DVD dennoch - und schweren Herzens - abwerten muß, ist die sagenhaft lieblose Aufmachung, die Kinowelt da geliefert hat: Gerade mal durchschnittliche Filmqualität, aber dem Ganzen die Krone setzt die mieserable englische OV-Tonspur auf, die derart schrill und kratig klingt, daß man kaum ein Wort der Dialoge - die nicht zuletzt zentraler Bestandteil des Films sind. Dazu kein "Making of...", lediglich ein Kinotrailer...das hat dieser Film wirklich nicht vedient.
5 Sterne für den Film (oder auch mehr), gerade mal einen für die DVD - und die Hoffnung auf einen würdigeren Re-release...
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am 21. August 2010
Familienidylle steht zu Beginn im Vordergrund. Das Ehepaar Baxter ist im trauten Heim und die Kinder spielen draußen. Der Sohnemann fährt Fahrrad und die Tochter ist mit einem Ball am See beschäftigt. Kurze Zeit später zieht der Vater die Leiche seiner Tochter aus dem nahegelegenen Gewässer.
Szenenwechsel:
Man befindet sich nun in Venedig. John Baxter hat den Auftrag eine Kirche zu restaurieren. Seine Frau Laura begleitet ihn und der Sohnemann ist in England in einem Internat untergebracht. Man versucht über den Tod der Kleinen hinweg zu kommen. Zwei ältere Damen kommen durch einen Zufall ins Gespräch mit Laura. Eine der Damen ist blind aber dennoch kann sie "sehen". Sie erzählt ihr von ihrer Tochter ohne sie zu kennen und teilt der trauernden Mutter mit, das es ihr gut gehen würde und das sie bei Ihnen wäre. Bei der nächsten Begegnung mit den beiden hat sie eine ganz andere Nachricht von der verstorbenen Tochter: Sie sollen Venedig auf dem schnellsten Weg verlassen. Zur gleichen Zeit treibt ein Mörder in der Stadt sein Unwesen.

Nicolas Roeg erschuf im Jahre 1973 ein fieses Drecksstück von einem Film. Als Kind war ich auf jeden Horrorfilm fixiert den ich in die Finger bekommen konnte. "Wenn die Gondeln trauer tragen" war in der Fernsehzeitschrift als solcher deklariert, weshalb ich mich auf gepflegten Grusel einstellte. Das war ein Fehler. Ich gruselte mich nicht, ich hatte panische Angst. Warum konnte ich mir allerdings selbst nicht erklären. Es passierte nicht viel, es gab keine Schockmomente und alle normalen Konventionen im Umgang mit Spannung blieben aus. Es kam schleichend, hinterhältig, packte mich und ließ mich nicht mehr los.

Viele Jahre später begriff ich erst das es die einzigartige Atmosphäre war die mich unwissend in den Abgrund zog. Venedig ist nicht die Stadt der Verliebten, die mit "O sole mio" singenden Gondelfahrern wirbt, sondern ein Moloch. Ein düsterer Morast aus kleinen engen Gassen. Die Stadt der Schatten. Die grau-braunen Farbtöne werden nur von einem knalligen Rot unterbrochen. Der Farbe die der Regenmantel der kleinen Christina an ihrem Todestag hatte. Die gesamte Spieldauer hat der Film etwas bedrohliches, aber nichts greifbares. Genau davor hat man Angst. Alle Nebencharaktere wirken nicht unfreundlich aber irgendwie unheimlich. Allerdings ohne das man es erklären könnte. Wie bei einer Verschwörung, aber es gibt keinerlei Indizien oder Beweise dafür. Man hat einfach nur ein ungutes Gefühl. Hinzu kommen die Visionen von John Baxter, der kleine Mädchen mit roten Regencapes wegrennen sieht. Oder sind diese Bilder keine Visionen und passieren real?
Immer wieder baut Roeg Bilder aus der Vergangenheit ein und legt sie über die Bilder der Gegenwart. Den Meisterschnitt legt er aber bei der Sexszene hin. Vorspiel, Sex und nachträgliches Anziehen in einem. Die Bilder wechseln immer wieder und entziehen dem Zuschauer dadurch die Möglichkeit, sich als reiner Voyeur zu betätigen. Aber warum? Bietet die Szene mehr als Sex? Ein Hinweis das sich die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft mischt? Ein Tipp des Regisseurs wie man sich "Don`t look now" ansehen sollte? Aber es verläuft doch alles linear. Oder vielleicht doch nicht?

Für mich ist der Film ein kleines paranoides Meisterwerk das mir viel Kopfzerbrechen bereitete. Er drang in mein Unterbewußtsein und hat sich dort verankert. Er verarbeitet das Thema Angst und bereitet auch welche. Ich habe allerdings auch vollstes Verständnis für jeden der darin nur einen langweiligen Thriller sieht, in dem überhaupt nichts passiert. Das ist einfach eine Sache der Wahrnehmung. Ich habe einiges wahrgenommen.
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am 4. Juli 2012
Ich habe den Film zum ersten Mal - tatsächlich, o Gott! - vor mittlerweile über 30 Jahren gesehen. Auch die Vorlage von Daphne du Maurier habe ich vor langer Zeit gelesen. Beides hatte mich damals sehr gepackt. Neulich sah ich den Film wieder und fand, das er von seiner Eindringlichkeit nichts verloren hat. Für mich ein zeitloser Klassiker und es ist mir vollkommen wurscht, ob er für heutige Sehgewohnheiten zu langatmig oder sonst was ist: gute Geschichten, gute Schauspieler und gute Regie tragen das.

Andere Rezensenten haben hier den Inhalt schon ausführlich beschrieben, also spare ich mir das. Meine Empfehlung: Sehenswert und lesenswert. 'Don''t look now' ist nach wie vor einer der besten Filme, die ich je gesehen habe. Eine traurige Geschichte, an die ich nicht nur in Venedig immer wieder gedacht habe. Weil sie mich einfach berührt hat. Und natürlich, weil Julie Christie so unglaublich schön war ;-)
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TOP 1000 REZENSENTam 11. November 2014
Daphne du Mauriers vielschichtige Erzählung „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (OT: Don't look now) zählt für mich zu den herausragenden Horrorgeschichten, sie ist hervorragend konzipiert und lässt mir Schauder über den Rücken laufen, wie es eine gute Gothic-Story tun sollte. Wie bei den „Vögeln“ gilt auch hier: wer die Verfilmung kennt, sollte trotzdem unbedingt die literarische Vorlage lesen, es lohnt sich ganz gewiss. Daphne du Mauriers Erzählungen sind moderne Klassiker, die spannend sind und Gänsehaut garantieren, zugleich aber beherrscht die Autorin die Kunst, vieles offen und in der Schwebe zu lassen, wie es Henry James mit „The Turn of the Screw“ vorgemacht hat. Der Reiz der Geschichten wird hierdurch beträchtlich erhöht.

Doch nun zur Verfilmung, um die es hier gehen soll. Buchvorlagen können niemals 1:1 ins Medium Film umgesetzt werden, und auch hier wurden etliche Anpassungen vorgenommen. An die Stelle literarischer Motivketten treten im Film bestimmte Bilder und Farben, die von Anfang an auftauchen und nichts Gutes verheißen. Diese Bilder ziehen sich bis zum furchtbaren Finale durch den Film und begleiten den Zuschauer wie ein böses Omen. Ich finde die filmische Umsetzung gerade wegen ihrer Abweichung vom Buch sehr geglückt, weil die Farbe Rot und die Bilder eines dem Untergang geweihten Venedigs ein hoffnungsloses, verwirrendes Setting schaffen. Dazu immer wieder das Motiv des Wassers, das ja bekanntlich das Unterbewusste symbolisiert, und das die Kamera zwar sehr massiv, aber trotzdem wirksam einsetzt. Eine gelungene Ergänzung oder, wenn man es so nennen will, eine Variante zur Buchvorlage.

Donald Sutherland ist ein ganz besonderer Schauspieler, der anspruchsvollen Rollen gerecht wird, aber auch im Paranoia-Kino brilliert. Diese Bandbreite kann er im Film voll zum Einsatz bringen, mal nuanciert, mal wie ein Keulenschlag. An seiner Seite Julie Christy, die weit mehr als nur Eye-Candy ist, aber in der Rolle der traumatisierten Mutter manchmal etwas farblos bleibt.

Im Fazit ein unbedingt sehenswerter Klassiker, der der üblichen Genrekost weit überlegen ist und auch ohne Schockeffekte eine gestörte Nachtruhe verspricht.
Und natürlich Hut ab vor einer gelungenen Literaturverfilmung, die im notwendigen Maße sich von der Vorlage emanzipiert und dieser gerade deswegen in weiten Teilen gerecht wird.
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am 4. Februar 2012
... in den dunklen Gassen eines Noir-Venedig.
Zum Plot sage ich nichts, der ist hier schon gut beschrieben.
"Wenn die Gondeln Trauer tragen" (eigenartige Titelinterpretation von "Don`t look now") ist ein 70er-Film. Dementsprechend ist auch die Optik etwas schlicht und auch auf spektakuläre Effekte wartet man vergebens ... Gott sei Dank! Wer Splatter-Horror der Machart mag, dass auf eine plötzlich hervorschießende Monsterklaue auch ein lauter Musikakzent folgt, der macht um diesen Film bitte einen großen Bogen. Der Horror ist viel subtiler, viel weniger greifbar und spielt sich bis kurz vor Schluss fast ausschließlich in der Gefühlswelt des ZUSCHAUERS ab - Kino, wie es heutzutage doch selten geworden ist.
Anfangs mag man irritiert sein, wirkt das Spiel der Protagonisten doch ungewohnt bzw. ungeschönt ... bis man erkennt, wie sehr man schon vom überproduzierten Hollywood-Einheitsbrei mit seinen Klonschauspielern manipuliert ist. Spätestens nach zwanzig Minuten spielt der Film aber genau damit seine größte Karte aus: Glaubwürdigkeit. Keine Szene ist übertrieben, keine Szene ist ein Filmklischee. Wir sehen zwei Durchschnittsmenschen, die in Dinge verstrickt werden, die sie nicht begreifen, die von Menschen umgeben sind, die irgendwie alle mehr zu wissen scheinen als sie selbst.
Das Leitmotiv des Films ist dabei deutlich subtiler, als es den Anschein hat. Es ist nicht der Tod, wie man denken könnte, noch ist es die Esoterik. Es ist die FÄLSCHUNG.
Überall begegnen wir ihr. Die vielen Einstellungen, in denen die Figuren im Spiegel zu sehen sind, also nur deren Imitation. Die Kirche, die sich statt als Ort des Friedens fast als Todesfalle herausstellt. Der "falsche" Priester, der mehr an Geld als an Gott Interesse findet. Die falschen Fährten, auf die uns der Regisseur führt (der Sex ... die hämisch lachenden Schwestern ... der Kommissar, dem man auch nicht mehr traut als allen anderen, windigen Figuren ...), die Engelsstatuen ohne Kopf als groteske Antithese des liebeserfüllten Venedigs. Und natürlich die fatale Fälschung, der der Protagonist aufsitzt und die am Ende zum blutigen Finale leitet.
Eine irrwitzige Fahrt in diffusem, mysteriösem Nebel zwischen Präkognition, Hoffnung und Horror. Für Fans ehrlich anspruchsvollen Grusels.
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am 1. Juli 2003
Nicolas Roegs legendärer(O)Kult-Thriller ist einer der wenigen Filme, die nicht über die Handlung, den Plot, funktionieren, sondern über Stimmungen, Andeutungen, über die Atmosphäre. Die Handlung von "Wenn die Gondeln Trauer tragen" ist fragmentarisch und vollzieht sich jenseits von Logik und Kausalität.
Nichts ist hier, wie es scheint. Alle Wahrheiten lösen sich auf in den labyrintischen Eingeweiden des herbstlichen Venedig, wo das englische Ehepaar Baxter nach dem Unfalltod ihrer Tochter eintrifft. John Baxter (Donald Sutherland) restauriert eine mittelalterliche Kirche (eine Fälschung, wie sich herausstellt), während sich seine Frau (Julie Christie) mit zwei mysteriösen älteren Schwestern anfreundet. Die eine, blind, "sieht" die tote Tochter der Baxters. John hat unheimliche Visionen; sein Schicksal scheint sich zunehmend mit einem roten Zwerg zu verknüpfen, der in den düsteren Gassen umgeht.
"Don't look now" lautet der Originaltitel dieser poetischen Alptraum-Erzählung (nach Daphne Du Maurier). Wer genauer hinschaut, entdeckt überall nur Fälschungen, Täuschungen, Halbwahrheiten, Visionen, Träume. Alle Sicherheiten lösen sich auf, der Film schafft eine lyrisch-traumhafte Atmosphäre voller Zweideutigkeiten.
Roeg, in den 60ern der führende Kameramann in England ("Lawrence von Arabien"), kreiert in unvergesslichen Bildern eine beklemmende Welt - stets unterstützt von der großartigen, dynamischen Musik Pino Donnagios. Donald Sutherland und Julie Christie tragen den Film und geben ihm ein emotionales Zentrum. Ihre legendäre Liebesszene (gerüchterweise nicht simuliert) und ihr famoses Zusammenspiel bilden die Basis dieser filmischen Erzählung, die - ohne ihre Hauptdarsteller - vielleicht in einen geschmäcklerischen Ästhetizismus abgeglitten wäre. Erst die "Chemie" zwischen den beiden sorgt dafür, dass uns der Film bis zu seinem tragischen Ende berührt und bewegt.
Wer "Wenn die Gondeln Trauer tragen" kennt, wird Venedig immer auch durch die Augen Nicolas Roegs sehen: ein mythisches Labyrinth, das die Sinne verwirrt, ein Zwischenreich, in dem die alten Gewissheiten und Regeln nicht mehr gelten. Konsequenterweise demontiert der Film daher auch die Institution Kirche, deren Bauwerke und Repräsentanten hier mehr als zweifelhaft wirken und die die Kulisse für das mörderische Finale abgibt.
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am 21. April 2013
Man kann sich hier dehr gut Vorstellen, was Eltern bewegt, die ihr Kind verloren haben.
Die anschließenden Geschehnisse sind eher surreal aber tiefgehend.
Bis auf das Messerattentat des Killerkobolds am Ende, kommt der Film ohne gemetzel aus.
Diese DVD gehört in jede Vitrine, auf jedes Board.
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am 3. Februar 2003
Wasser schlägt über dem Kind in dem roten Regenmantel zusammen und begräbt es unter sich. Der verzweifelte Vater kommt aus dem Haus gelaufen und versucht, seine Tochter zu retten. Doch er kommt zu spät.
Das englische Ehepaar John (Donald Sutherland) und Julia Baxter (Julie Christie) trifft der furchtbare Verlust hart. Sie lassen England hinter sich und reisen nach Venedig, wo John seinem Beruf als Kirchen - Restaurateur nachgeht. Doch da setzt sich der Alptraum fort...
Der britische Regisseur Nicolas Roeg führt den Zuschauer auf eine schaurige und todbringende Irrfahrt, die einige Rätsel in sich birgt. Kaum in der Lagunenstadt angekommen häufen sich die mysteriösen Vorfälle und Vorzeichen: Ms. Baxter hat eine Begegnung mit zwei alten Frauen, von denen eine paradoxer weise blind und Seherin zugleich ist. Sie erzählt Ms. Baxter, sie könne deren verstorbene Tochter sehen und erhalte Botschaften von ihr. Die anfangs skeptische Ms. Baxter glaubt nur zu gern, daß es ihrer Tochter im Jenseits gut gehe und kann von da an besser mit dem Tod umgehen. Ihr Mann ist dagegen nicht so schnell vom Übersinnlichen zu überzeugen und wehrt sich heftig dagegen, der Geschichte der seltsamen Dame Glauben zu schenken. Seine Sturheit wird ihm noch zum Verhängnis, denn er verschließt fortan Augen und Ohren vor allen Warnungen, er solle Venedig schnell verlassen. Auch vermag er seine eigenen Visionen nicht zu deuten.
Roeg weiß sehr geschickt verschiedene filmische Mittel einzusetzen, um mehr und mehr eine unheilvolle Atmosphäre zu kreieren. Jede Alltagsbegebenheit scheint bei ihm bedeutungsschwanger zu werden. Nichts ist mehr Zufall, nichts ist mehr sicher. Selbst ein Geistlicher wirkt hier eher unheimlich und nicht vertrauenerweckend.
Auffallend ist die durchdachte Farbkomposition: In fast jeder Einstellung ist das hell - leuchtende Rot zu sehen, welches man zuerst am Regenmantel des ertrinkenden Kindes sehen konnte. Oft wird das Rot z.B. mit Kleideraccessoires ins Bild gebracht. So wird der Zuschauer geradezu auf diese Farbe konditioniert.
Es gibt Wiederholungen, Spiegelszenen, Orte werden zweimal besucht.
Nicht erst seit Thomas Manns Erzählung ist klar, daß der Tod und Venedig eine sich ergänzende Einheit bilden. Diese wunderschöne, langsam verfallene Stadt ist wie geschaffen für morbide Poesie. Roeg gibt sie zusätzlich die Gelegenheit, das Element Wasser als eine Art Leitmotiv zu entwickeln. Es bietet sich auch der Bootsmann aus der griechischen Mythologie an, der hier - ganz ähnlich wie bei Manns Tod in Venedig- Julia Baxter nicht an den Ort bringt, zu dem sie hinwollte.
Besonderes Stilmittel von Roegs Filmen ist die "Verrätselung". Durch gekonnte Schnitte und Montagen wird der Zuschauer systematisch auf eine ansprechende und anregende Weise "verwirrt". Allerdings gehören Roegs Werke nicht zu der Art von Filmen, bei denen sich der Zuschauer verschaukelt vorkommt, da ihm Informationen vorenthalten werden und er ewig im Dunkeln tappt. Vielmehr fällt es bei Roegs Filmgeschichten leicht, sich darauf einzulassen und das Unerklärliche als eben dieses zu akzeptieren. Einiges bleibt bis zum Schluß offen und doch ist es nicht weiter störend.
Beide Hauptdarsteller sind definitiv sehenswert und verkörpern glaubwürdig die Höhen und Tiefen eines Ehelebens. Sutherland spielt routiniert gut, und Julie Christie sieht einfach blendend aus. Dabei gibt es zwischen den beiden eine bemerkenswert zärtliche Szene. Sie sieht im Gegensatz zu den meist gekünstelt wirkenden Hollywood - Sex-Szenen einfach natürlich und entspannt aus.
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Der Engländer John Baxter (Donald Sutherland) guckt sich Dias von der Kirche an, die er in Venedig restaurieren soll, derweil spielt seine Tochter Christine in rotglänzendem Regenmantel im großen Garten vor dem Haus. Eine seltsame Verbindung herrscht zwischen den beiden; auf dem Dia scheint ebenfalls eine Person in einem solchen Mantel zu sehen zu sein. Von dort aus färbt es sich auf einmal mit Blut oder roter Tinte ein, und dann ist Christine tot, im Teich ertrunken. John wusste seltsamerweise auf einmal, dass er nach draußen und sie retten muss, doch er kommt zu spät. Schon vorher haben wir eine Welt der Unsicherheit und Unordnung gesehen. Dass auf dem Sofa der Baxters ein Buch über Astronomie liegt, nützt nichts bei der Beantwortung der Frage, die Johns Frau Laura (Julie Christie) von Christina übermittelt: Wenn die Erde rund ist, warum ist gefrorenes Wasser dann gerade? Danach sehen wir Christine im Wasser des Teichs gespiegelt an selbigem entlanglaufen, also verkehrt herum - vielleicht korrespondierend zu der Kindervorstellung, dass "unten" doch alles umgedreht sein müsste, wenn die Erde rund ist.

Später - John ist mit seiner Frau Laura (Julie Christie) zweck der Kirchenrestauration in Venedig eingetroffen. Das beginnt nicht mit einem klassischen Establishing Shot, der die Schönheiten des Ortes zeigt, sondern direkt mit John bei der Arbeit an der Kirche. So sehr er einen Arbeiter ins Mauerwerk bohren lässt, er kommt nicht um die Erkenntnis herum, dass die Basis des Gotteshauses morsch und faulig ist, von der säurehaltigen Luft Venedigs zerfressen. Später wird ein Bischof einmal sagen, die Kirchen seien zwar Gotteshäuser, aber Gott scheine sich um sein Haus nicht mehr zu kümmern. Das Fundament der Welt (derjenigen von John und Laura, der religiösen Welt oder überhaupt jeglicher Instanz, die irgendwie Ordnung stiften könnte) ist morsch, faulig, angefressen.

John und Laura begegnen in einem Restaurant zwei älteren Damen, die sich als die Schwestern Wendy und Heather vorstellen. Die blinde Wendy behauptet, seherische Fähigkeiten zu haben, und John hätte diese wohl auch. Wendy, die John und Laura nie zuvor gesehen hat, kann genau beschreiben kann, wie Christine aussieht und weiß, dass sie tot ist. Sie habe sie aber zwischen John und Laura sitzen sehen und ihr gehe es im Jenseits gut.

Es entspinnt sich - neben vielem anderen - die Frage, ob, wie und inwieweit man "loslassen" sollte. Laura findet Trost in den Schilderungen Wendys und möchte über sie Kontakt zu ihrer Tochter erlangen. John ist reserviert und bittet Laura, den Tod Christines zu akzeptieren. Mann = rational vs. Frau = emotional? Der Regisseur Nicholas Roeg ist klug genug, es nicht so simpel angehen zu lassen! Es wird nämlich John sein, dem das Loslassen in Wirklichkeit nicht gelingt und der mehr darunter leidet, weil er es sich selbst nicht eingestehen mag. Er beschäftigt sich beruflich mit dem Versuch, das Alte, Vergangene wiederherzustellen (aber geht das denn? Bezeichnenderweise kostet ihn seine Arbeit einmal fast das Leben!). Und er sieht in Venedig immer wieder von hinten ein Mädchen im roten Mantel (ja, Herr Spielberg hat dieses berühmte Bild aus "Schindlers Liste" wohl Roeg entlehnt), dem er folgt und das ihn an dunkle, entlegene Ecken der Lagunenstadt führt. Man könnte sagen, an den Abgrund. Ein Mal lauern dort Ratten. Wird dort auch der Tod lauern? In dem metaphorisch genialen, aber fast schon zu überladenen Film ist die Farbe Rot auch in anderen Details als diesem Regenmantel auffällig oft als herausgehobener Akzent im Bild, in einem Venedig, das oft sehr kalt und grau wirkt. Grad John kommt über den Verlustschmerz am Wenigsten hinweg. Von den zahlreichen ungewöhnlichen Hinweisen, die der Regisseur durch Gegenstände im Bild kurz gibt (achten Sie unbedingt auf jegliches Detail!), scheint mir einer heraushebenswert: Bei John und Laura liegt eine Buchausgabe von Rolf Hochhuths Drama "Der Stellvertreter" (interessanterweise auf Deutsch, und der italienische Dialog lässt Laura einmal jemanden fragen, ob er Deutsch spreche, aber ansonsten hätte ich sie, wie John, für britisch gehalten). Also die Geschichte um Papst Pius XII. und die kritische Hinterfragung seiner Rolle während der NS-Zeit. Man sieht, auch die jüngere Kirche kann offenbar keinen Schutz gegen die von Gott verlassene und faulig-morsche Welt bieten. Ein in seiner Freundlichkeit immer auch etwas zu bestimmender Bischof und ein seltsam desinteressiert wirkender Polizist werden auch schauspielerisch ausdrücken, dass man sich auf die moralischen und rechtlichen Instanzen nicht mehr unbedingt verlassen kann.

Es kommt später zu ein paar Missverständnissen, die im Wesentlichen damit zu tun haben, dass in diesem Film das Zeitkontinuum aufgehoben ist (interessanterweise waren schon die Credits ein Schritt in die Zukunft und kommen deren Bilder in einer späteren Szene noch einmal vor). Und dass es dies auch für John ist. Er hat eben "die Gabe", und sie ist eher Fluch als Segen. So sieht er ein Mal in die Zukunft und löst dadurch erst die katastrophalen Ereignisse aus, die zu dem führen, was er gerade gesehen hat. Sozusagen eine self-fulfilling prophecy, ein Teufelskreis, eine Zeitschleife ohne Entrinnen (die Montage des Filmes nimmt das diskontinuierliche Erzählen auch an anderen Stellen auf, z.B. bei einer damals als skandalös empfundenen, aber eigentlich sehr zärtlich-wahrhaftigen Sexszene zwischen John und Laura). Der stellenweise extrem rätselhafte Film kommt dadurch am Ende doch noch zu einem klassischen, spannenden Höhepunkt inklusive eines Wettlaufs gegen die Zeit. Laura muss John finden, bevor dieser auf eine mutmaßliche Katastrophe zusteuert. Immer wieder rennt einer von ihnen unter einer schummrigen Brücke Venedigs entlang, immer wieder zeigt dort ein schon nicht mehr ganz neues Plakat, worum es (auch) geht: "kinder" (das ist eine Ferrero-Werbung für die bekannte Schokoladenmarke, die bekanntlich auch im Ausland "kinder" heißt). Während Laura etwas zu helikoptermäßig zu ihrem Sohn nach England geflogen war (dessen Unfall im Internat sich als harmlos entpuppt hatte), rast John helikoptermäßig in Richtung Tod - er kann immer noch nicht loslassen und möchte nun endlich das Geheimnis des roten Mantels lüften. Dieses ist letztlich nicht rational erklärbar und führt zu einer schrecklich-schönen Grand-Guignol-Szene, in der sich zeigt, dass wer klein ist, noch lange nicht jung, niedlich und gut sein muss.

"Don't look now" im Original betitelt, ist dies auch immer ein Film über das Sehen, nach dem Motto "Schau jetzt nicht hin, aber da und dort passiert gerade dies und das". Seherische Gaben sollten wir nicht haben möchten, "don't look now", schau lieber nicht hin. John kommt am Anfang trotz der "Gabe" zur Rettung seiner Tochter zu spät, seine spätere Vision führt wie gesagt in die Katastrophe. Er kann ferner als Restaurator "hinter Fassaden sehen", und dort sieht es gar nicht gut aus. Das Unheil, das in der Mitte des Filmes fast zu seinem dramatischen Unfalltod führt, hat er hingegen nicht gesehen. Heathers Visionen sind oftmals unheilsschwanger und führen zu (berechtigten) Warnungen. Selbst als Blinde scheint sie noch ganz genau im konventionellen Sinne sehen zu können. Eigentlich schon fast ein Filmfehler: Es wird mehrere Male betont, dass nicht nur die Schwester Wendy, sondern auch Heather selbst John und Laura bei ihrer ersten Begegnung angestarrt hat. Nach dem Motto "Schau jetzt nicht hin, aber da sitzt `ne tote Tochter zwischen den beiden".

Nicht zuletzt drücken die zwischen erhaben Barockem und moderat Dissonantem wechselnden Streicherklänge von Komponist Pino Donaggio die widersprüchlich-morbide Stimmung kongenial aus. Das Alte und das Neue, die aus den Fugen geratene Welt, in der das Alte doch nicht mehr zu restaurieren ist.

Summa summarum ein ausgesprochen material- und gedankenreicher Film, der mir allerdings in den ersten zwei Akten etwas zu kryptisch erzählt war, um Spannung oder eine andere Art von Sogwirkung aufkommen zu lassen, wenngleich immer wieder geniale Einzelszenen in den Bann zu ziehen vermögen. Hier stellt sich natürlich, sehr grob gesagt, die Frage, ob ein eher sinnlich erfahrbares und nicht immer rationales Kino das klassische Erzählkino verdrängen sollte. Letztlich nicht objektiv zu beantworten. Mir waren Teile zu verrätselt, und zwar nicht, weil ich ausschließlich auf hundertprozentig Erklärtes stehe, sondern weil Handlung und Dramatik auf der Strecke blieben. Das furiose Finale (und wie irrational ist die "Auflösung") zeigt doch, dass man anspruchsvolle Thematik/Metaphorik mit klassischer, spannender Dramatik sehr wohl verknüpfen kann. Wenn die Erzählung stockt, treten dagegen umso stärker die Bildmetaphern in den Vordergrund und gewinnen meines Erachtens ein bisschen zu sehr die Oberhand. Ja, schon wieder Wasser (oder auch Feuer), ein oder mehrere Spiegel, irgendetwas auffällig Rotes - wir glauben es Ihnen schon, Herr Roeg, dass Sie ein versierter Kunstfilmer sind, etwas weniger hätte es auch getan. Lange Zeit war ich darob eher bei drei Sternleinchen. Der starke (Beginn und) Schluss und die Tatsache, dass sich im Nachhinein alles zu einer in sich harmonischen (wenngleich immer noch rätselhaften und interpretationsoffenen) Reflexion zusammenfügt, lassen mich aber zu runden vier Sternleinchen kommen.
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