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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
10
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am 21. November 2002
Es ist nicht einfach eine Opernauffuehrung zu bewerten, die nahezu keine Schwachstellen aufweist. Selbst nach pedantischem Suchen wird man nicht fuendig.
Der Klang des Orchesters der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Rafael Fruehbeck de Burgos ist detailliert, warm, immer mit den richtigen Tempi und nie die Saenger uebertoenend. Das Buehnenbild von Peter Sykora ist sehr ansprechend, ohne Uebertreibungen aber auch nicht zu spartanisch, wobei am Beginn und am Ende die Silhouette von Nuernberg im Hintergrund zu sehen ist. Es strahlt eine gewisse Gemuetlichkeit aus, die einem hilft sich zurueckzulehnen und die grosse musikalischen Darbietung zu geniessen.
Der vielleicht einzige Abstrich ist, dass nach der Ouvertuere die Silhouette von Nuernberg in das Bild des zerbombten Nuernbergs von 1945 uebergeht, etwas das in einer klassischen Oper nichts zu suchen hat, auch wenn man es als Hinweis verstehen mag, dass dies das Resultat von uebertriebenem Nationalismus ist und die Meistersinger ein solches Element verkoerpern.
Doch zurueck zur Musik, obgleich sich die Oper ungemein vieler Solisten bedient, alle Positionen sind ausnahmlos stark besetzt. Ganz ueberragend Wolfgang Brendel der ungemein stimmgewaltig den pragmatischen und unkonventionellen Meistersinger Hans Sachs verkoerpert. In seiner Darstellung kommt deutlich zum Ausdruck, dass Hans Sachs nur darauf gewartet hat dem unbedarften aber genialen Saenger Walther von Stolzing (Goesta Winbergh) zu begegnen, um zusammen mit ihm der Meistersinger Gilde neues Leben einzusingen. Aus diesem Grunde ergaenzen sich nicht nur die beiden Figuren der Oper sondern auch ihre Darsteller ausgezeichnet. Ebenso glaenzend besetzt die Rolle von Sachs Gegenspieler Sixtus Beckmesser. Eike Wilm Schulte singt nicht nur grossartig, er zeigt auch ansprechende schauspielerische Talente, die den Szenen ein gewisses humoristisches Element beifuegen und den Beckmesser nicht so unsympatisch erscheinen lassen wie von Wagner erdacht. Zuletzt sei noch Eva Johansson hervorgehoben, welche die Eva singt, sehr schoene klare Stimme, emotional und engagiert eingesetzt, der richtige Kontrapunkt zu den maennlichen Hauptfiguren.
Die technische Seite dieser beiden DVD's ist sowohl was die Bild- als auch die Tonqualitaet angeht exzellent. Voller Stereoklang, die richtige Abmischung von Stimmen und Orchester und eine hohen Bildaufloesung bei idealer Buehnenausleuchtung tragen auch hier zu dem gelungenen Gesamtbild bei.
Fazit: Ein Muss fuer jeden Wagner Liebhaber!!
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am 30. Mai 2002
Dies ist eine rundum gelungene, sehr stimmige und musikalisch hochwertige Deutung dieses grossartigen musikdramatischen Werkes. Es handelt sich um eine Produktion der Deutschen Oper Berlin von 1993 (Regie: Goetz Friedrich), die Anfang 1995 fuer die DVD eingespielt wurde. Das ist ein grosser Pluspunkt gegenueber einer Liveauffuehrung: Es gibt keine stoerenden Geraeusche aus dem Publikum, und die Saenger muessen mit ihren Kraeften nicht haushalten, sonden koennen sich ganz auf die Gestaltung konzentrieren. Der Klang des musikalischen Ereignisses ist dem Original (das ich mehrere Male live erlebte) erstaunlich aenlich, der wunderbare Klang des Orchesters (und des Hauses!) und die Charakteristika aller Saengerstimmen sind unverfaelscht eingefangen worden (und auch saemtliche Buehnengeraeusche). Viele Einzelheiten im Orchester kommen koestlich zur Geltung. Nur einen kleinen Abstrich muss ich an der Tonqualitaet machen: Die Aktschluesse sind so knapp nach dem letzten Akkord beendet worden, dass ich von "Abwuergen" sprechen muss.
Das Orchester der Deutschen Oper besitzt einen wunderbaren Klang, der nach meiner Meinung diesem Werk ganz besonders gut gerecht wird. Es spielt durchweg engagiert, konzentriert und lebendig, auch wenn leichte Koordinationsmaengel vereinzelt vorkommen. Eine hervorragende Saengerbesetzung komplettiert den hohen musikalischen Genuss. Hinzu kommt, dass auch sehr engagiert und natuerlich gespielt wird, so dass die Geschichte voellig klar und ueberzeugend herueber kommt.
Wolfgang Brendel ist ein ueberzeugender und menschlicher Sachs, der fuer Evchen durchaus in Frage kommt, aber auch offensichtlich unter seinen Saengerkollegen zu Recht hohes Ansehen geniesst, nicht zu letzt dank seines immer sehr wohltoenenden Gesangs. Eike-Wim Schulte ist ebenfalls ein ueberzeugender, sehr klar akzentuierender und artikulierender Beckmesser, der nie zur Witzblattfigur absteigt und immer Interesse und sogar manchmal Sympathie erringt. Goesta Winbergh spielt und singt ebenfalls um sein Leben und hat strahlende Momente, aber auch manchmal etwas zu grosse Muehe, etwa gegen Ende seines Preisliedes. Eva Johanssons Evchen wird nie schrill, sondern kann ihre Emotionen bestens mit gesanglichen und schauspielerischen Mitteln nahe bringen. Saemtliche Meistersinger sind individuell und scharf gekennzeichnet und haben viel Persoenlichkeit, stehen aber manchmal doch hart am Rande von Witzfiguren. Was soll's, es macht viel Spass, ihnen zuzusehen!
De Inszenierung ist frei von Allueren des Regisseurs, es wird eine sehr gute Geschichte schluessig und mitreissend erzaelt. Bis in die Details der Handlung hat sich der Regisseur Gedanken gemacht, es passt alles zusammen. Das Buehnenbild deutet Nuernbergs Innenstadt nur an, aber ist optisch sehr ansprechend (auch wenn mir das 76er Buehnenbild besser gefallen hatte).
Im Beiheft gibt es einen gewissen Leitfaden zur Entstehungsgeschichte und zu den Karrieren der wichtigsten Saenger der Aufnahme. Bei den Untertiteln kann man zwischen den gaengigen Sprachen waehlen, allerdings musste man doch an vielen, aeusserst textreichen Stellen (Pruegelszene!) passen und grosse Teile weglassen.
Insgesamt ist die vorliegende Aufnahme ein richtig hoher Genuss, bei dem die musikalische und die schauspielerische Seite auf's Beste zusammen spielen. Es ist eine unbedingt empfehlenswerte Wagner-DVD!
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am 17. November 2002
Seit Patrice Chereaus "Jahrhundertring" ist es salonfähig, Wagners Musikdramen optisch in die Zeit ihrer Entstehungs- oder Rezeptionsphase zu versetzen - da mag es schon fast verwundern, daß Götz Friedrich dies erst in den 90er Jahren mit den "Meistersingern" gemacht hat. Dabei ist doch gerade dieses Werk bestens dazu geeignet, auch vom Zeitbezug her konkrete Bedeutung anzunehmen - zum einen wg. des komödiantischen (und damit zeitlosen) Sujets der spießigen Vereinsmeier, aber auch, weil Wagner die Kunstdiskussion sicher auch als Gegenwartsdiskussion verstanden haben möchte.
Götz Friedrich zeichnet die Meistersingerzunft kritisch, aber nicht übertrieben karikaturhaft - eben eine gealterte, in ihren Konventionen erstarrte Gemeinschaft, die das Rentenalter durchschnittlich locker erreicht hat. Die in der Wagnerinterpretation verbreitete Auffassung, die Charaktere in den "Meistersingern" seien aufgrund ihrer kleinen Fehler, ihres Spießertums und ihres Hanges zum Bloßstellen der anderen so besonders glaubwürdig und menschlich, greift der Regisseur auf und verstärkt sie noch: Eine sehr glaubewürdige Personenregie kombiniert er mit ständigem pantomimischen Auffüllen der Instrumentalpassagen: Es ist "immer was los auf der Bühne". Hinter der Bühne weniger, denn die Kulissen sind nur, dabei dem formalen Gestaltungsprinzip der Induktion auf eine runde Grundform folgend, angedeutet, was der Produktion einen intimen und persönlichen Charakter verleiht.
Die Figur des Beckmesser wird dabei durchaus der Lächerlichkeit preisgegeben - der Effekt stellt sich schon nach wenigen Sekunden des ersten Auftrittes ein, weil der Stadtschreiber von seinem erträumten Schwiegervater um gut einen halben Meter überragt wird. Der eigentliche Rebell ist hingegen Sachs, unübersehbar der jüngste in der Zunft, dem Singerkonventionen wie Kleiderordnungen nicht viel bedeuten. Das Verhältnis zu seinem "Lehrbuben" ist dabei eher als eines zweier "Lehrertypen" zu sehen (mit Halbbrille, versteht sich), die ihren Mitmenschen gerne mit erhobenem Zeigefinger begegnen. Nicht ganz so drastisch wie aktuell in Hamburg Peter Konwitschny, der die nationalistische Schlußansprache auf offener Bühne durch Tumult unterbrechen läßt, versucht auch Friedrich, sich vom Inhalt der Warnung vor dem "welschen Dunst und welschem Tand" zu distanzieren - Hans Sachs singt die Zeilen in seltsames Licht getaucht, mit sichtbaren Bauchschmerzen im Anfluge eines Wahns - in derselben Gemütslage hängt sich Walther schließlich die Meisterscherpe um, und es kommt zur abschließenden Versöhnung zwischen Sachs und Beckmesser.
Der Dirigent Rafael Frühbeck de Burgos ist als Wagner-Interpret bisher eher selten in Erscheinung getreten. Das Orchester ist dennoch hervorragend und diszipliniert geleitet, mit einem Hang zu jugendlich-beschwingten und eher leichten "Meistersingern", die blechgepanzerten, lauten Passagen dabei dezent zurückgenommen. Allenfalls beim Tempo drückt der Dirigent zuweilen etwas auf die Bremse, ganz im Gegensatz zu den männlichen Protagonisten Brendel und Winbergh, die dem Orchester schonmal etwas davonlaufen. Der Chor gibt eine hervorragende Leistung ab, die zahlenmäßig oft erstaunlich geringe Besetzung paßt perfekt zur restlichen Interpretation und der Inszenierung.
Die Besetzung der Protagonisten verwundert: Hier gibt es keine großen Wagnersänger zu sehen, sondern alle Partien sind mit Solisten aus dem "leichten" Fach besetzt, teils mit "Mozart-Vergangenheit", teils aus dem italienischen Fach. Das geht bei den Meistersingern erstaunlich gut auf, Winbergh singt einen fast lyrischen, nie lauten "Stolzing", und Eva Johannsson eine wahrlich jugendliche Eva. Überzeugend vor allem Wolfgang Brendel als Sachs, dessen jugendlicher, leichter Gesang mit hervorragender Deklamation gut zur von Friedrich intendierten Charakterisierung paßt - nur in ganz wenigen Passagen fehlt es ihm an Tiefe und Durchsetzungskraft, ansonsten wünscht man sich auf keinen Fall einen Heldenbariton als Ersatz. Die Nebenrollen sind durchweg solide und hochwertig besetzt, vor allem Ute Walther als noch recht junge Magdalene und Eike Wilm Schulte als vertikal herausgeforderter, komödiantisch orientierter Beckmesser überzeugen. Allenfalls Uwe Peper als David wird seiner Rolle nicht gerecht - weniger, weil er fast älter aussieht als sein Lehrmeister, sondern mehr, weil er die hohen Töne keineswegs jugendlich vorträgt, sondern seine dort überforderte Stimme zwischen Flüstern, Falsettieren und Pressen changiert, was beim Zuschauer - in Kombination mit seinem angestrengten Gesichtsausdruck - die ständige Angst vor einem "Kickser" erzeugt.
Technisch bietet die DVD ein scharfes, kontrastreiches Widescreen-Bild und einen überzeugend abgemischten Stereo-(PCM)-Klang, der allenfalls bei einigen Sängern, die sich stark bewegen, etwas merkwürdig schwankt.
Selten hab ich eine so menschliche, dabei glaubwürdige Darstellung der "Meistersinger" gesehen und gehört, die das Politische außen vor läßt und niemals der Überzeichnung einzelner Figuren verfällt. Der 5. Stern ist greifbar, und sein Fehlen lediglich durch die Summierung von Kleinigkeiten (kein 5.1-Sound, einzelne sängerische Probleme etc.) zu begründen.
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am 13. Februar 2004
Eine der besten Opernaufnahmen, die ich je gesehen und gehört habe! Die Sänger, allen voran Wolfgang Brendel, Eike Wilm Schulte und Gösta Winbergh, einfach Spitzenklasse, und die Inszenierung zeigt endlich mal einen jugendlichen oder jung gebliebenen Hans Sachs, keinen alten weisen Opa. Eine ansolut lohnende Investition und mehr als empfehlenswert.
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am 29. September 2010
Da ich die "Meistersinger" aus Wagners Werk noch nicht kannte, habe ich mir aufgrund der ersten beiden Rezensionen diese Produktion bestellt und sehr genossen.
Insofern kann ich sie nicht mit anderen Inszenierungen vergleichen, finde sie aber sehr gelungen und sicherlich Wagners Absichten entsprechend.
Insbesondere die Figur des Hans Sachs ist sehr glaubwürdig besetzt, der Sänger hat gleichzeitig etwas faustisches und andererseits etwas bodenständiges an sich, doch auch alle anderen Partien wissen ausnahmslos zu überzeugen, so der verschmitzt-lausbübisch gespielte David oder der herrlich eitle Beckmesser.
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am 2. Januar 2004
Ich "gönnte" mir zu Weihnachten die DVD "Die Meistersinger von Nürnberg" und bereue meinen Einkauf in gar keiner Weise. Durch die Inszenierung von Götz Friedrich, die Kostüme, die Bühnendekoration, fühlt man sich in die Zeit, in der die Handlung spielt, mitten hineinversetzt. Gesanglich und darstellerisch hervorragend finde ich alle Solisten, wobei mir Wolfgang Brendel in der Rolle des Hans Sachs und Uwe Peper in der Rolle des David ganz besonders gut gefallen. Kurzum, ich bin von der Aufnahme sehr begeistert.
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am 20. Februar 2012
Die Inszenierung von Götz Friedrich bietet eine exemplarisch die Charaktere durchzeichnende Umsetzung in beredter Beziehungsgeflecht-Interaktion. Die Optik der Bühne ist traditionell.
Der bühnenbildlich in zwei Szenen dezent angedeutete, nationalistisch-nationalsozialistisch Reflex, den diese Oper geschichtlich betrachtet, zwingend hervorruft, ist aber keinesfalls bestimmender, inszenatorischer Natur. Allenfalls der eigene, eher eindimensionale Wahrnehmungsreflex mag dies als problematisch erachten.

Singschauspielerisch sind alle tragenden Rollen hervorragend besetzt. Wolfgang Brendel singt einen eher in die "lyrisch" baritonale Richtung timbrierten Sachs. Er liefert eine sehr überzeugende singgestalterische Leistung insbesondere auch im sehr subtil gestalteten Wahnmonolog. Eva Johannsson singt eine überzeugende Eva mit blühend, noch relativ jungem Sopran. Eike-Wim- Schulte ist der pointiert agierende, hervorragende Beckmesser. Gösta Winbergh singt mit schon fast mozartscher Anmutung einen wunderbar strömenden Stolzing, der so gar nichts vom Stemmgesang hat, den man gelegentlich auf der Bühne hören kann. Victor von Halem singt einen wunderbar, substanzvoll fundierten Pogner. Ganz herausragend.

Rafael de Burgos dirigiert involvierend ohne gestelztes Pathos.

Insgesamt eine sängerisch absolut hervorragende Aufführung, die überzeugend optisch traditionell ist. Es muß also nicht zwingend Regie-Theater sein, das begeistert, aber es kann es sein.

Anmerkungen:
Keine meiner Anmerkungen erhebt einen Anspruch auf allein mögliche Sichtweise.

Im Gegensatz zu der nationalistisch-nationalsozialistischen Überhöhung und Verfälschung des Werkes, die wissenschaflich belegt ist, erscheint vielleicht ein bemerkenswert selbstdistanzierender Kommentar Richard Wagners zu seinem Werk in "Mitteilungen an meine Freunde" interessant. Zitat: " Meine Natur reagierte in mir augenblicklich gegen den unvollkommenen Versuch, durch Ironie mich des Inhaltes der Kraft meines Heiterkeitstriebes zu entäußern, und ich muß diesen Versuch jetzt selbst als letzte Äußerung des genußsüchtigen Verlangens betrachten, das mit einer Umgebung der Trivialität sich aussöhnen wollte, und dem ich im Tannhäuser bereits mit schmerzlicher Energie mich entwunden hatte."

Die Koordinatensysteme der "Geistes", mit denen Wagner geschichtlich betrachtet, primär wahrgenommen wurden, waren die einer affektiv aufgeladenen, umfunktionierenden, eindimensionalen, kultisch fixierten Fehlfocussierung. In der neueren Wissenschaft klar belegt.
Was traditionell, familiär oder anderweitig sozialisierte Wagnerianer offenbar nicht begreifen wollen, ist, daß Wagner im mythischen Transportrahmen konzipierte, und der Mythos optisch offen ist, für die jeweiligen gesellschaftlichen Aspekte. Das Bühnenbild ist nicht der Inhalt. Rein traditionsorientierte Wagnerianer neigen dazu den Tropfen Wasser im Ozean für den einzig echten Wagner zu halten. Den "Ozean" Wagner aber erbittert zu leugnen, damit ihr Bild nicht gestört wird, das sie offenbar zur individuellen Besitzstandsbasis ihres Gefühls gemacht haben. Insofern ist alles abwehrenswürdig, was dieses innere Gleichgewicht stört. Wagner wollte ja weltanschauliche Inhalte transportieren, damit hob er sich nach seinem Verständnis ja von der von ihm verachteten Unterhaltungs- und Konsum-Oper ab. Seine Inhalte verlangen einfach mehr als nur servile Meisterverehrung und das Verlassen eines "Rosamunde Pilcher-Horizonts." Wohin dieser geführt hat, davon kundet die nationalsozialistische Vereinnahmung der Meisteringer. Wagner kritisch hinterfragt, ist inhaltlich interessant und zeitgeistgeschichtlich charakteristisch. Auch kritisch hinterfragt bleibt er ein ambivalenter, aber ein Meister aus Deutschland.
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am 5. August 2007
"Wahn! Wahn! Überall Wahn! Wohin ich forschend blick in Stadt- und Weltchronik!"

Nürnberg. DIE deutsche Stadt. Mythos von DER deutschen Stadt schlechthin. Projektionsfläche für deutsche Sehnsüchte nach einem intakten Gemeinwesen in vorindustrieller Zeit. Ablehnung von Industrialisierung und Kapitalismus - von Moderne! Nürnberg als Utopie! Nur in den Köpfen möglich, in der Vorstellungswelt von Gedanken und Phantasien.
Götz Friedrichs Inszenierung dieser "Meistersinger von Nürnberg" an der Deutschen Oper Berlin aus dem Jahr 1993 ist im Grunde genommen unspektakulär: Mit von der Sonne in goldenes Licht getauchten Dächern des alten Nürnberg, üppigem Fliederbusch, Schusterstube und Volksfestatmosphäre vor den Toren der Stadt werden die Wünsche des Publikums nach traditionellen Bildern vollauf befriedigt und das Deutschtum gefeiert. Grandios die Idee des Bühnenbildners Peter Sykora, die Silhouette Alt-Nürnbergs in Form eines riesigen Kreises im Hintergrund ständig präsent zu halten. Während des Vorspiels zum ersten Akt fliegt man mit der Kamera gleichsam über die Dächer der Stadt, mit Beginn der ersten Szene geht das Panorama über in ein riesiges Kirchenfenster.
Und doch scheint in dieser Aufführung die Erinnerung an die Geschichte Nürnbergs bis in unsere Zeit durch: Gegen Ende des Vorspiels zum ersten Akt wird die Silhouette des alten Nürnberg überlagert von Bildern der zerbombten Stadt aus dem Jahr 1945! Zerstört wurde das alte Nürnberg - sowohl real wie auch als Mythos - nicht erst durch die Bombardements der Alliierten, sondern bereits durch die unheilvolle Machtausübung des Dritten Reiches (Nürnberger Gesetze!). Nur Naivität vermag das zu ignorieren.
Gleichwohl ist die Inszenierung mehr als geglückt und auch bei mehrmaligem Anschauen ein Erlebnis.
Wolfgang Brendel gibt einen darstellerisch wie auch sängerisch blendend aufgelegten Hans Sachs, das Orchester der Deutschen Oper Berlin spielt unter der Leitung von Rafael Frühbeck de Burgos hervorragend auf.
Nur vier Sterne, weil zwar auch die übrigen Partien gut besetzt sind, aber wirklich herausragende Interpretationen etwa der Rollen Walther, Eva oder Beckmesser nicht geboten werden.
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am 21. Januar 2011
An dieser Inszenierung hätte Richard Wagner sicher seine Freude gehabt:
die Bühnenbilder sind stimmig und überzeugend, so die Kirche/Singschule wirkt weit und schützend zugleich; der Platz vor Hans Sachsens Haus ist atmosphärisch beeindruckend und bietet den Sängern eine eindrucksvolle Kulisse, die ihr Singen und Handeln hervorragend unterstreicht; Sachsens' Stube ist so wie man sich ein gotisches Zimmer vorstellen möchte und die bunte Szene auf dem Volksfest ist ein einziger Augenschmaus voller verrückter und bunter Regieeinfälle.
Jede Person ist hervorragend besetzt, Wolfgang Brendel ist allein schon hervorragend, wie er am Morgen in seiner Stube sitzt und schweigt; man könnte meinen, er sei Albrecht Dürers "Melancholie" nachempfunden, man möchte diesem Manne eine Stunde nur beim Grübeln zuschauen; überhaupt, er hat "Präsens", während der Sachs aus der Wagnerinszenierung "einfach nur als einer unter vielen auf der Bühne ist", verfügt Brendel über platzgreifende Ausstrahlung; niemand verfügt hier über so viel Ausdruckskraft und natürliche Autorität, genau das wird ja auch von der Rolle erwartet.
Die Meister spiegeln die ganze Palette von bürgerlichen Figuren wider, der strenge, der pflichtbewußte, der etwas schlichte, der gesetzte Charakter, alle sind sie anwesend.
Was für ein wundervoller Beckmesser! Sich selbstüberschätzend, etwas zwergengiftig, doch leicht einzuwickeln und doch bedauernswert, hervorragend dargestellt. Und dann erst der David, der fränkische Lehrbub, wie man ihn sich nicht besser wünschen könnte, etwas frech, doch seine Grenzen kennend; im Gegensatz zu der Wagner-Inszenierung fürchtet er sich tatsächlich am Morgen vor Hans Sachs und wie leicht und glaubwürdig fällt diese Furcht dann von ihm.
Auch Gösta Winberg gibt einen wirklich glaubwürdigen Ritter Stolzing ab.

Aber Wolfgang Brendel ist wie eine phantastische Klammer, er hält die Inszenierung zusammen, alles läuft immer wieder auf ihn zu, er verkörpert die Pole, die Autoriät, die Sehnsucht, die Weisheit, die Alltagsklugheit und die Dichtkunst.

Wenn man ihm zuhört und - schaut, bekommt man eine leise Ahnung, daß R. Wagner hier seine Idealfigur entwickelt haben mochte.

Vielen Dank Herr Brendel, daß Sie sie so hervorragend entwickelt und verkörpert haben.
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am 12. Mai 2005
Noch immer gibt es Regisseure (wie Friedrich)die es wichtig finden um Wagners Werke zu infektieren mit dem Barbarismus des dritten Reiches. Friedrich, die ein Marxistisch-Leninistische Erziehung genoss, gelingt es nicht die johanneïsche Spiritualität dieses Werkes zu verstehen und zu deuten.Die Meistersinger hat nichts zu tun mit Rassismus und Judenstern(oder: Salomonssiegel)und auch nichts mit dem ausgebombten Nürnberg. Vielleicht ist es doch gut, wenn Friedrich mal Wagners "Was ist deutch?" lest,oder das Werk von Friedrich Oberkogler, denn was diese Produktion betrifft gilt: "Was deutsch und echt wüsst' Friedrich nicht". Glücklicherweise gibt es noch Regisseure (wie Otto Schenk) die es wohl wissen und verstehen, wovon die MET-Aufnahme Zeugnis ablegt.
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