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Kundenrezensionen

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Am bekanntesten wurde Eugen Jochum (übrigens wie ebenso sein nicht weniger kompetent dirigierender Bruder Georg Ludwig) wohl durch sein Engagement für die Werke Bruckners. Hier liegt sein zweiter Zyklus der Sinfonien (EMI, 1975 bis 1980) vor ' es gibt noch einen ersten Zyklus von der DG mit dem Sinfonieorchester des BR und den Berliner Philharmonikern aus den Jahren 1964 bis 1967 und eine große Zahl an Einzelaufnahmen, von denen ein paar ganz herausragend sind, u.a. besonders die 5te und 8te mit dem Concertgebouworkest.

Den zweiten Zyklus, welcher hier in der Ausgabe der Jahrtausendwende vorliegt, sollte man unbedingt wegen des besseren Masterings in der äußerst preisgünstigen 9-CD-Box von Warner (ehemalige EMI) kaufen (ASIN: B00D56ADAS). Jochum dirigert die Staatskapelle Dresden, was damals noch eine Co-Produktion mit den Kulturorganen der DDR bedeutete.

Ich möchte hier nicht auf die Werke an sich eingehen und auch nicht die Interpretationen im Einzelnen besprechen. Dafür ein paar generelle Worte zu Jochums Bruckner samt einem Vergleich.

KOLPORTIERTER UNSINN ' ZWEI MYTHEN 'ZERLEGT'

1. JOCHUM ALS BRUCKNER-PRIESTER

Jochum wird oftmals ein weihevoller und statischer Umgang mit Bruckner nachgesagt. Das ist ein hartnäckiges Vorurteil und ein Irrtum, wie jeder anhand der hier wiederaufgelegten Aufnahmen selbst nachvollziehen kann: Flexible Tempi, viel Feuer, durchaus Dramatik und Empfindungen aller Art. Diese Sätze schreib ich schon zum ersten wiederaufgelegten Zyklus. Hier ist diese Aussage nochmals gesteigert. Es ist ein ganz undgar absolut sinfonischer Bruckner, sogar in der Dramatik mit opernhaften Momenten ' z.b. dem stark accelerierenden Höhepunkt des Adagios der Achten.

Objektive Angaben wie Spielzeiten sagen zwar kaum etwas über den Inhalt und die Stimmigkeit von Interpretationen aus, aber sie können zumindest zu nachdenken anregen und pauschale Vororteile aufweichen helfen. Dazu hier ein Vergleich der Gesamtdauer der Sinfonien in folgender Reihenfolge der Einspielungen:

Jochum DG-Zyklus - Jochum EMI-Zyklus - Einspielungen gleicher Fassung, die nicht im Ruf des 'Weihevollen' stehen.

1te 47:19 min - 47:05 min - 47:15 min (Barenboim / CSO), 47:04 (Solti)
2te 51:48 min - 52:38 min - 59:02 min (Skrowaczewski), 55:50 min (Solti)
3te 53:14 min - 55:13 min - 53:52 min (Wand / NDR), 55:20 min (Skrowaczewski)
4te 64:35 min - 65:05 min - 70:32 min (Skrowaczewski), 66:31 min (Sawallisch / Philadelphia)
5te 76:51 min - 77:28 min - 73:08 min (Harnoncourt), 79:30 min (Solti)
6te 55:05 min - 56:21 min - 58:10 min (Solti), 56:53 min (Skrowaczewski)
7te 67:56 min - 69:27 min - 68:36 min (Solti / CSO), 68:45 min (Skrowaczewski)
8te 74:15 min - 76:05 min - 74:15 min (Solti / CSO), 82:00 min (Szell)
9te 60:47 min - 60:44 min - 61:00 min (Solti), 61:00 min (Horenstein / BBC S.O.)

Der Vergleich der beiden Zyklen Jochums zeigt, dass die Tempi 10 Jahre späte unmerklich ruhiger geworden sind, was die eine und andere hektische oder unklare Stelle (wie im ersten Zyklus vorhanden) vermeiden hilft. Von einer echten Verbreitung oder Alterslangsamkeit kann keine Rede sein!

Wie man anhand der Vergleichszeiten mit den anderen Dirigenten (die wahrlich nicht im Ruf stehen, einen weihevollen Bruckner zu zelebrieren!) unschwer sehen kann, bewegt sich Jochum in beiden Zyklen im durchschnittlichen Rahmen, oft sogar eher im kürzeren Bereich. Der Vergleich mit Celibidache, Ballot oder anderen 'Kathedralen-Tüftlern' ließe Jochum geradezu als 'Raser' erscheinen.

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass bei Jochum bisweilen der eine oder andere sogar eine innerlichere oder über das rein Musikalische hinaus erfahrbare Sichtweise vermisst, da dieser Dirigent nichts der absoluten Musik, was außerhalb dieser läge, hinzufügt.

Jochum hat ein untrügliches Gespür für die Proportionen der Sinfonien Bruckners, für den logischen und dramatischen Aufbau, für die Thematischen Verflechtungen und die Vielfalt und (auch rhythmische) Kraft der Werke.

Übrigens: Dass es Jochum auch mit Bruckners Glauben ernst ist, lässt sich an den drei eigespielten Messen, dem Te Deum und zehn Motetten leicht feststellen ' anhand von zwei Doppel-CDs der DG.

2. DIE MÄßIGEN BLÄSERLEISTUNGEN DER STAATSKAPELLE DRESDEN IN DIESER EINSPIELUNG

Jedes Orchester hat(te) seinen eigenen Klang, zum Teil aus der Tradition heraus oder einfach aus den Gegebenheiten, welche Musiker klanglich zusammenpassen. Die Bamberger Symphoniker z.B. sind aus großen Teilen des emigrierten Deutschen Sinfonieorchesters Prag entstanden und waren Jahrzehnte von dieser Spieltradition geprägt, die Wiener Philharmoniker verwenden quasi historische Instrumente (Blechbläser, Mechanik und Mensuren der Holzbläser) usw.

Natürlich hat auch die Staatskapelle Dresden ihren eigene Klang. Dieser war zur Zeit der Aufnahme z.B. von einem 'beseelten' solistischen Hörnerklang mit relativ viel Vibrato geprägt (ähnlich der tschechischen Tradition, welche das Vibrato auch bei den Klarinetten pflegte). Heute ist dem Hörer diese Spielweise zumeist fremd, denn man ist ganz grade Töne vom Solo-Horn gewohnt. Ob einem nun die Spielweise mit Vibrato gefällt oder nicht ' sie ist eine Eigenart dieses Orchesters. Ein Manko des Hornvibratos ist in der Tat, dass er Ausschlag der Schwingung oftmals mehr nach unten als nach oben geht, d.h. die empfundene Tonhöhe hie und da leicht zu tief wird. Das kann irritieren. Und bei den tiefen Hörnern gibts tatsächlich (selten) mal einen "Krummen".

Jochum lässt das Blech teilweise sehr kräftig spielen und sich richtig in die Töne 'reinsetzen', was hie und da ein (stimmiges!) 'Eigenleben' der Gruppen ergibt. Das ist für meine Ohren aber weder unsicher noch klingt es detoniert. Ich höre das ebenso als Eigenart des Orchesterklangs.

Zudem ist der Klang der Holzbläser oft nicht optimal, was aber wohl eher an der Qualität der verwendeten Instrumente als an den Spielern liegt. Hie und da sind recht 'unedle' Oboen- oder Klarinettentöne zu hören. Sind wir da aber nicht zu streng: Die Musiker der 'Ostblockländer' mussten sich oftmals mit extrem minderwertigem Material herumschlagen.

Der Klang der Streicher ist wunderbar und meine (ja vielleicht zu unsensiblen?) Ohren hören auch beim hohen Blech nichts Störendes. Somit finde ich angesichts des Hintergrundwissens die Mäkelei am Orchesterspiel völlig unberechtigt.

Diese ganz spezifischen Orchesterklänge sind übrigens immer mehr in Auflösung begriffen, die Orchester nähern sich in den Klangfarben und Spielweisen stark einander an. Wo es hilft, offensichtliche Schwächen zu beseitigen, ist das natürlich erfreulich. Im Großen und Ganzen bedeutet es aber eine Verarmung der Orchesterlandschaft und einen wohl unwiederbringlichen Verlust an klanglichen Traditionen.

DIE VERWENDETEN FASSUNGEN UND PRÄZISE AUFNAHMEDATEN

Hier sind die Fassungen mit den Aufnahmedaten (präziser als im Textheft!):

Sinfonie Nr. 1 c-moll WAB 101 ('Linzer' Fassung, überarbeitet 1877, Ed.: L.Nowak 1953)
E. Jochum / Staatskapelle Dresden (EMI / 11-15.12.1978 Lukaskirche Dresden)

Sinfonie Nr. 2 c-moll WAB 102 (revidierte Fassung 1877, zweiter Druck: L.Novak 1965)
E. Jochum / Staatskapelle Dresden (EMI / 3+4.7.1980 Lukaskirche Dresden)

Sinfonie Nr. 3 d-moll WAB 103 (Fassung 1889 <1888/89>, Ed.: L.Nowak 1959)
E. Jochum / Staatskapelle Dresden (EMI / 22-27.1.1977 Lukaskirche Dresden)

Sinfonie Nr. 4 Es-Dur 'Romantische' WAB 104 (1886 <1878/80>, Ed.: L.Nowak 1953)
E. Jochum / Staatskapelle Dresden (EMI / 7.12.1975 Lukaskirche Dresden)

Sinfonie Nr. 5 B-Dur WAB 105 (Fassung 1878, Ed.: L.Nowak 1951 fast identisch mit Haas-Ausgabe)
E. Jochum / Staatskapelle Dresden (EMI / 25.2.-3.3.1980 Lukaskirche Dresden)

Sinfonie Nr. 6 A-Dur WAB 106 (Fassung 1881, Ed.: L.Nowak 1952)
E. Jochum / Staatskapelle Dresden (EMI / 9-13.6.1978 Lukaskirche Dresden)

Sinfonie Nr. 7 E-Dur WAB 107 (Fassung 1885, Ed.: L.Nowak 1954)
E. Jochum / Staatskapelle Dresden (EMI / 11-14.12.1976 Lukaskirche Dresden)
Anmerkung: bei der DG kam 1964 noch die alte (allerdings kaum abweichende) Gutmann-Ausgabe zum Einsatz!

Sinfonie Nr. 8 c-moll WAB 108 (Fassung 1890, Ed.: L.Nowak 1955)
E. Jochum / Staatskapelle Dresden (EMI / 3-7.11.1976 Lukaskirche Dresden)

Sinfonie Nr. 9 d-moll WAB 109 (Originalfassung 1894, Ed.: L.Nowak 1951)
E. Jochum / Staatskapelle Dresden (EMI / 13-16.1.1978 Lukaskirche Dresden)

AUFNAHMETECHNIK

Der Klang der Aufnahmen unterscheidet sich deutlich von dem des ersten Bruckner Zyklus bei der DG. Die EMI schaffte eine gute Mischung aus Raumklang und präziser Abbildung von Details. Manchmal sind an den passenden Stellen die Holzbläser hörbar leicht herausgehoben, was keineswegs stört oder übertrieben klingt. Aber das ist alles erst richtig stimmig auf dem neuen Remastering von 2013 zu hören.

FAZIT

Guten Gründe für den Kauf des Bruckner Zyklus der EMI sind die Verehrung für Eugen Jochums Kunst, Nostalgie, das Überprüfen der eigenen Erinnerung, der Vergleich mit dem gut 10 Jahre früher entstandenen DG-Zyklus, das Interesse an der Rezeption Bruckners auf Schallplatte. Und - ganz besonders - wiederum das herzliche Musizieren mit höchstem Bewusstsein für Bruckners Sinfonien.
ABER: Bitte in der deutlich besser remasterten Ausgabe von 2013!

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Über ein Feedback (Kommentare) zu meinen Bemühungen des Rezensierens würde ich mich freuen! Lesen Sie gern auch andere meiner weit über 200 Klassik-Besprechungen mit Schwerpunkt "romantische Orchestermusik" (viel Bruckner und Mahler), "wenig bekannte nationale Komponisten" (z.B. aus Skandinavien), "historische Aufnahmen" und immer wieder Interpretationsvergleiche und für den Kenner bzw. Interessierten meist Anmerkungen zum Remastering!
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am 28. Dezember 2004
Warum nicht 5 Sterne für diese Einspielung? Trotz des musikalisch überzeugenden Konzepts, das der Dirigent Jochum anbietet, und der herrlich aufspielenden Streicher der Staatskapelle Dresden? Nun, weil das Blech nicht immer auf dem (intonatorischen) Niveau agiert, das man sich von einem Orchester dieses Rangs (die Staatskapelle Dresden, zumal in der auf Tonträgern mehrfach dokumentierten Form der 1970er Jahre, gehört meiner Meinung nach mit den Wiener und Berliner Philharmonikern zu den drei führenden Orchestern im deutschen Sprachraum) eigentlich erwarten darf. Der Aufnahmeleiter dieser Studioproduktion (!) hätte meinem Höreindruck nach mehr Präzision einfordern müssen.
Dennoch: ein durchaus empfehlenswerter Zyklus, gerade auch für Bruckner-"Anfänger": so selbstverständlich, so fließend, so klangschön, so musikantisch, ja, so nachvollziehbar hört man Bruckners Symphonien nicht alle Tage.
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TOP 1000 REZENSENTam 14. November 2010
Anton Bruckner gilt als einer der bedeutendsten Sinfoniker der Romantik. Dabei hat es lange Jahre gedauert, bis er sich dazu bereit fühlte, eine erste Sinfonie zu veröffentlichen. Vorher komponierte er vorrangig geistliche Musik. Zwei Vorläufersinfonien, eine Studiensinfonie und die annullierte "Nullte", schrieb er vormals, bevor er ab der ersten publizierten Sinfonie kontinuierlich seine insgesamt neun Sinfonien gebar.

Die ersten drei Sinfonien werden heute nur recht selten und meistens im Rahmen von Gesamtaufnahmen eingespielt. Dabei offenbaren sie dem Hörer einen ganz ungewohnten Einblick in die Tonsprache Bruckners. Einerseits ist der romantische Überschwang dieser "Frühwerke" bereits sehr stark ausgeprägt; aber andererseits erleben wir den Komponisten von seiner ungestümen, aufbrausenden Seite. Schon die erste Sinfonie in c moll hat eine Spieldauer von über einer dreiviertlen Stunde und beinhaltet ein wundervolles Scherzo - Bruckner war wie Beethoven und Dvorák ein Meister des Scherzos. Von besonderer Eleganz ist das Andante der zweiten Sinfonie ebenfalls in c moll. Zwar ist es noch nicht von der typisch brucknerschen Feierlichkeit gekennzeichnet, zeichnet sich aber durch seine elysischen Längen aus. Auch hier ist das Vorbild Wagners noch deutlich zu vernehmen. Die d moll Sinfonie hingegen eröffnet mit einem festlichen, gemächlichen Kopfsatz, der echter Bruckner ist. Er spannt einen großen Bogen über die Ecksätze, unter dem der langsame Satz und das Scherzo prächtig gedeihen.

Von größerer kompositionstechnischer Meisterschaft sind die drei mittleren Sinfonien. Die vierte Sinfonie in Es Dur trägt den Beinamen "Romantische". Wenn man den warmen, majestätischen Kopfsatz hört, nimmt das nicht Wunder. Aber auch der schwelgerische, mäßig langsame zweite Satz und das feurige Scherzo zeigen, dass der Komponist im Vergleich zu den frühen Sinfonien gereift ist und im Begriff steht, neue Wege zu beschreiten.
In B Dur steht die fünfte Sinfonie. Von jeher hatte ihre Konzeption etwas Skizzenhaftes. Der gesamte Fluss des Werkes kulminiert im üppigen Finale, die Sätze zuvor - ein komplexer Kopfsatz mit einer mottoartigen Einleitung, ein wundervolles, hehres Adagio und ein weiteres herausragendes Scherzo - bereiten den Hörer nur vor auf den Taumel des Finals. Eine erhebende Tuttipassage beendet diese beinahe 80minütige und damit längste Bruckner Sinfonie.
Die sechste Sinfonie in A Dur gilt als Zwischenstufe hin zu den drei monumentalen späten Sinfonien. Bruckner schraubt die Dimensionen in dieser seiner intimsten Sinfonie herunter, obschon der erste Satz immer noch voll überwältigender Kraft steckt. Nach dem feierlichen Adagio folgt das wohl beste Scherzo, das der österreichische Komponist jemals schrieb. Besonders bestechend ist der Kontrastreichtum dieses Satzes. Das Finale wirkt im Vergleich zur vorhergehenden Sinfonie stark konzentriert und gewinnt damit etwas Apartes.

Die drei letzten Sinfonien Bruckners zeigen dem geneigten Hörer, was jemand damit meint, wenn er sagt, dass Bruckners Sinfonien wie gotische Kathedralen von Licht durchflutet sind. Keine andere Sinfonie leuchtet derart wie die siebte in E Dur. Das Adagio des zweiten Satzes gilt seit ehedem als Aushängeschild der Kunst des österreichischen Tonsetzers. Es gibt wenige sinfonische Adagios, die bewegender, majestätischer und überwältigender sind. Nach einem weiteren herausragenden Scherzo folgt das recht knappe und prägnante Finale.
Als die fortschrittlichste Bruckner Sinfonie gilt seine achte in c moll, da er in diesem Werk seine größte Authentizität und Unabhängigkeit findet. Diesmal verlegt der Komponist das Schwergewicht auf die letzten beiden Sätze, der Kopfsatz und das Scherzo sind dagegen für brucknersche Verhältnisse recht kurz. Von berauschender Helligkeit ist auch hier wieder der langsame Satz, dessen Festlichkeit auch auf das epochale Finale ausstrahlt.
Vielen gilt die Neunte in d moll als die beste Sinfonie Bruckners. Dieses "dem lieben Gott" gewidmete Werk konnte der Komponist nicht mehr vollenden. Der Kopfsatz und das Scherzo der Komposition stehen in einer herrlichen Harmonie. Der Höhepunkt ist abermals das Adagio, das man gleichsam als die Essenz aus Bruckners langem Leben ansehen kann.

Der deutsche Dirigent Eugen Jochum nahm Bruckners Sinfonien zweimal auf: Einmal mit dem Radio Symphonie Orchester des Bayerischen Rundfunks und den Berliner Philharmonikern in den 50ern und 60ern und ein zweites Mal innerhalb der hier vorliegenden Gesamtaufnahme mit der Staatskapelle Dresden in den 70er und 80er Jahren. Paradoxerweise ist die ältere Aufnahme bei der DGG von wesentlich höherer Qualität, vor allem was die Tonqualität anbelangt. Anders als man es von der EMI gewohnt ist, ist das Remastering offenkundig gescheitert. Die herrliche Interpretation wird mulmig und undurchsichtig.
Jochums Dirigat selbst steht seiner ersten Gesamteinspielung in nichts nach: Farbenreich, kontrastreich und differenziert lässt er die Dresdner spielen, die eine brillante Darbietung vollbringen. Besonders beeindruckend ist Jochums stets passende Tempowahl und seine individuelle, teils - im besten Sinne - eigenwillige Akzentuierung.
Die Aufnahmequalität ist nun zwar nicht schlecht, es ist aber dennoch schade um die schöne Musik...
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am 30. April 2013
Eins vorab: Ich bin kein Musiker oder Kritiker. Daher sind die folgenden Anmerkungen Aussagen eines musikalischen Menschen, der aber mit der Musik nichts Berufliches zu tun hat.

Ich kenne diverse Aufnahmen der Sinfonien, vor allem die älteren Interpretationen von Karajan, Muti und auch Klemperer. Ich besaß zwei einzelne Aufnahmen von Eugen Jochum, die mir immer schon sehr gut gefallen haben. Daher habe ich mich zu dieser Gesamtaufnahme entschlossen - und es wahrlich nicht bereut!

Frische Tempi (manche meiner alten Karajan-Aufnahmen sind doppelt so "lahm"), eine Leichtigkeit in den Ecksätzen, die nie ins Monumental-Bombastische abgleitet. Die lyrischen Stellen von einer wunderbaren Zartheit in den Streichern, einer teils melancholischen Nachdenklichkeit - nie langweilig, nie zu abgeklärt und verhalten, immer auch dort voll (leiser) Dynamik und Spannung.

Jochum gelingt es gerade in den langsamen Sätzen, die dort so episch-breit angelegten Crescendi mit einer Spannung aufzubauen, die nie abreisst und entweder den ersehnten Fortissimo-Abschluss findet oder aber ganz plötzlich und überraschend im Pianissimo endet. Gerade diese großen Bögen meistert er und die wunderbare Staatskapelle Dresden hervorragend. Bei so mancher anderen Interpretation wird der Zuhörer von diesen langen Passagen "erschlagen" - nicht bei Jochum! Wer hier Kitsch und Gefühlsduselei sucht, wird sie nicht finden. In aller emotional-geladenen Weite bleibt vorherrschend die Durchsichtigkeit und Klarheit.

Die von Bruckner teilweise sehr bäuerlich-ruppig angelegten Scerzi geraten nie zu einem banalen "Geschrampse" und deppischen Bauerntanz. Jochum verwandelt diese Tänze in ein mitreißendes Feuerwerk. Auch hier ist die Ausgewogenheit zwischen laut-derb und Zurückhaltung immer da. So manches altbekannte Scerzo habe ich völlig neu entdeckt.

Die Staatskapelle Dresden zeigt eine Leistung, die sich mit jedem bekannten "Welt"-Orchester messen kann. Ein perfekter, warmer Streicherklang, glasklare Bläser, die nie das Orchester erschlagen, gerade in den Piano-Stellen wunderbare Hörner und Posaunen - ein Genuss! Auch hier versteht es Jochum, dort zu zügeln, wo die Gefahr des "Erschlagens" droht und das herauszuarbeiten, was sonst gnadenlos untergehen würde.

Fazit: Ein frischer und aufregender Bruckner, der von altbekannten Interpretationen aus den 70er und 80er Jahren, in denen er doch sehr oft viel zu breit und mächtig angelegt wurde, wohltuend abweicht. Ein Orchester, das all sein Können und seine Vielseitigkeit beweist - alles in allem eine wahre Freude beim Zuhören!

Nochmals abschließend: Ich bin nur ein begeisterter Hörer - vielleicht sind entsprechend ausgebildete Menschen überhaupt nicht meiner Meinung. Diese Rezension richtet sich daher auch bitte nur an diejenigen, die keine musiktheoretische Fachkritik, sondern das Hörempfinden und Verständnis eine normalen musikalisch vorgebildeten "Konsumenten" lesen möchten.

Gäbe es mehr als die fünf Sterne - ich würde sie sofort vergeben!
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am 11. November 2008
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.
Ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen handelt es sich hierbei im sicherlich NICHT um die besten Einpielungen (gerade interpretatorisch. Wer mal wirklich einzelne Sätze mit der Partitur verfolgt und dabei exakt den Notentext in allen Einzelheiten beachtet, wird sich an mancher Stelle wundern, speziell im Vergleich zu Aufnahmen mit anderen Spitzenorchestern - ohne jetzt irgendwelche Namen zu nennen, ein Selbstvergleich ist doch immernoch das spannendste an klassischen Aufnahmen, da können selbst noch "schlechte" CDs Spaß machen ;)

In ihrer GESAMTHEIT bleibt diese Aufnahme jedoch unangefochten auf Platz einz, das es keine Alternative mit einer durchweg derart an den Tag gelegten Geläufigkeit gibt. Die Dresdner klingen gut (beim Blech drücken wir mal ein Auge zu, dort sind nämlich tatsächlich auch die meisten inhaltlichen Abweichungen oder nennen wir es Vereinfachungen zu suchen), sowohl als Orchester, als auch vom musikalischen Gesamtkonzept unter Jochum. Klangtechnisch ist diese Aufnahme sicherlich auch kein Meilenstein, jedoch solide und vorallem bezüglich des Jahrgangs über alle Kritik erhaben, kann sie durchaus locker mit dem heute auch nicht astronmisch hohen Durhcschnitt einer Orchesteraufnahme mithalten.

Allem voran jedoch ist diese Box ihres Preises wegen Empfehlenswert.
Für das Geld muss man sehen, dass man überhaupt erstmal ein Aufnahme von irgendetwas bekommt und für einen besseren Bruckner kann man gleiches Geld auch durchaus für eine einzelne Symphonie ausgeben.
Für 35 € kann man hier einfach nichts falsch machen, ob als Anfänger zum kennenlernen, oder aber auch als Kenner vielleicht einiger Symphonien, der der Vollständigkeit halber alle im Regal haben möchte.
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