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TOP 1000 REZENSENTam 25. August 2010
Otto Klemperer gilt als einer der größten Dirigenten des vergangenen Jahrhunderts. Der stets streng dreinblickende Künstler ist ja bekanntermaßen einer der wenigen Musiker im Bereich der klassischen Musik, dessen Aufnahmen immer mindestens sehr gut zu bewerten sind. Sein Beethoven Zyklus aller Sinfonien, aller Klavierkonzerte einschließlich der Chorfantasie mit Daniel Barenboim, fünf Ouvertüren und des Streichorchesterarrangements der Großen Fuge aus den 50er und 60er Jahren zählt zu seinen ganz großen Verdiensten.

In seinen späten Jahren neigte Klemperer dazu, eher langsame Tempi zu spielen, dabei aber stets scharf zu betonen, was dazu führte, dass seine Gesamteinspielung der Sinfonien von gewaltiger Majestät zeugt, ohne dabei jemals zu versanden. Die kleinen Sinfonien erstrahlen dadurch in ungeheurem Glanz. Klemperer benötigt für die zweite Sinfonie beispielsweise beinahe 40 Minuten.
Sein Interpretationsansatz ist somit alles andere als historisch korrekt, aber das spielt bei den herausragenden Einspielungen keine Rolle mehr. Man höre sich alleine die Farbenfülle der Pastoralen an! Klemperer spornt das brillant spielende Philharmonia Orchestra zu Höchstleistungen an. Die Eroica, die Siebte und die Neunte hievt der Dirigent gen Himmel, zelebriert ein unfassbares Freudenkonzert, besonders mit der Siebten.
Lediglich der Fünften kann man vorhalten, dass Klemperer hier den inneren Zusammenhalt beeinträchtigt, wenn man sich vergegenwärtigt, wie breit angelegt sein Tempo vor allem im Kopfsatz ist. Der geduldige Hörer wird aber spätestens im funkelnden Finale entlohnt.

Von den berückenden Ouvertüren spielt der Dirigent die drei Leonore Ouvertüren, die Coriolan Ouvertüre und die Ouvertüre zum Ballett "Die Geschöpfe des Prometheus" ein. Auch hier erzeugt Klemperer ein immenses Feuerwerk an Klang und Fülle. Die dritte Leonore Ouvertüre zum Beispiel habe ich selten prächtiger und transparenter gehört.
Denn trotz der enormen Klangfülle und des riesenhaften Orchesterapparates, den Klemperer gebraucht, erscheinen sämtliche Aufnahmen auf diesem Box Set transparent und gut durchhörbar - was wahrscheinlich auch den getragenen Tempi geschuldet ist.
Ein besonderes Spektakel dieser Einspielung ist das Streichorchesterarrangement der Großen Fuge op. 133. Der gewaltige Auflauf an Streichern kommt der Feingliedrigkeit des Streichquartetts freilich nicht gleich. Dennoch hat diese Variante ihre Momente, besonders unter Klemperers rigidem und schicksalsschwerem Dirigat.

Weiterhin finden sich auf dem Box Set die fünf Klavierkonzerte und die Chorfantasie. Daniel Barenboim, der zum damaligen Zeitpunkt noch keine 30 war, übernimmt den Klavierpart. Entgegen der Ansicht vieler anderer Kritiker handelt es sich hierbei um eine annähernd perfekte Darbietung dieser Repertoireklassiker. Barenboim passt sich hervorragend in Klemperers heroisches Gesamtkonzept ein, sein Anschlag ist warm, weich und feinfühlig, in den herrlichen langsamen Sätzen stets voller Lyrik, Poesie und Melancholie.
Otto Klemperer, der zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits über 80 war, wirkt in diesen Einspielungen etwas zurückhaltender, verzichtet stellenweise auf die enorme Wucht seines technisch perfekt spielenden New Philharmonia Orchestras, um stattdessen der stillen Feierlichkeit der Konzerte Vorrang zu gewähren.
Speziell das vierte Klavierkonzert und die Chorfantasie - ein immer noch vernachlässigtes Meisterwerk - gedeihen unter den Händen der Akteure zu ungeahnten Höhen.

Fazit: Für Anfänger ist diese Box gewiss nicht geeignet. Auch Anhänger authentischer Aufführungen werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Denjenigen Klassikfreunden allerdings, denen daran liegt, das große Ganze der entrückenden beethovenschen Orchesterwerke monumental und majestätisch zu erfahren, sei gesagt, dass sie mit dieser Box - in ordentlicher Tonqualität - bestens bedient sein werden.
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am 5. Februar 2001
Der Prüfstein für jeden Dirigenten des klassischen Repertoires ist zweifellos ein Zyklus der Symphonien Beethovens. Auch ganz Große scheitern dabei, so Abbado bereits zweimal (Wiener und Berliner PO), manche bleiben blaß und langweilig, wie Haitink oder Masur, manche gehen neue Wege, wie Brüggen, Goodman und Norrington, aber ein andererer gewinnt, nämlich Gardiner, manche vergißt man schnell, wie Bernstein, manche steigen kometenhaft auf, wie Zinman, manchen gelingt eine brillante Vermittlung zwischen den Extremen, wie Harnoncourt, manche bleiben unterbewertet, wie Gielen, manche halten schön die klassische „Mitte", wie Szell oder Davis, aber nur ganz wenigen gelingt ein steter Abstieg, wie Karajan bei seinen vier (!) Zyklen, manche haben leider keinen Zyklus hinterlassen, wie Fricsay, und nur ganz wenige setz(t)en immerwährende Denkmäler: Toscanini, Furtwängler, Leibowitz und Klemperer. Zwei dieser Zyklen zeigten nach vorn, Toscanini und Leibowitz, einer unmißverständlich zurück zu heute unerträglichen wagnerschen Nebelschwaden, Furtwängler, und einer bildet einen fast zeitlos klassischen Granitblock: der vorliegende Zyklus des damals über 70-jährigen Klemperer. Sechs der Symphonien wurden 1957 im Zuge eines Londoner Konzertzyklus stereo im Studio aufgenommen, drei (3., 5. und 7.) lagen damals bereits in (mustergültigen) Mono-Einspielungen vor. Um den Stereozyklus zu schließen, wurden diese drei Symphonien 1959/60 nochmals stereo aufgenommen. Für die CD-Box wurden aber nur die 3. und 5. verwendet und die 7. durch jene ältere von 1955 ersetzt, die neben mono gleichzeitig stereo aufgenommen worden war. Die in früheren Tonkonserven hörbaren technisch bedingten Nebengeräusche dieser Stereo-Pioniertat haben die Techniker bei der (Neu-)Digitalisierung 1998 fast getilgt, was ebenso für die Große Fuge von 1956 gilt. Die neue Digitalisierung ist vorbildlich gelungen und vergrößert die dynamische Breite und die Transparenz, bringt aber an einigen Stellen einen leicht metallisch-harten Streicherklang, der gegenüber dem „Nebel" der älteren Konserven kaum wirklich stört. Den Unterschied kann man innerhalb der Box erfahren, denn leider wurden die Klavierkonzerte 1-4 in der Digitalisierung von 1990 belassen und nur das 5. und die Choralphantasie in einer Digitalisierung von 2000 verwendet. Klemperers Zyklus war somit der erste in stereo, und die technische Qualität der Aufnahmen verblüfft noch heute. Wie bei Klemperer üblich, liegt der Augenmerk auf der Architektur und Rhytmik der Partitur, Schönklang als Selbstzweck und forciertes „organisches" Ineinanderwachsen unter Vermeidung jeglicher Härten a la Karajan fehlen ebenso wie eigenwillig romantische Auslegungen a la Furtwängler. Obwohl die Interpretationen monumental angelegt sind, hält sich der Bombast in Grenzen. Man höre etwa den „undramatischen" Beginn der 5., deren Finale da stattfindet, wo es hingehört. Dazu sind Klemperers Tempi oftmals schneller, als ihnen nachgesagt wird. Die Ouvertüren haben das Niveau der Symphonien. Zur Chorfantasie und den Klavierkonzerten von 1967 soll nur gesagt werden, daß zuvorderst Barenboims Part nicht überzeugt. Er verbleibt im braven Traditionalismus, was nicht zu verübeln wäre, wenn die Artikulation sauber und die Rhytmik prägnanter wären. So aber hört man die Konzerte wegen Klemperers Dirigat und ärgert sich fast über die verpaßte Chance im Klavierpart. Da freilich die ganze Box inkl. der Klavierkonzerte bei Amazon unglaublich günstig und somit für weit weniger zu haben ist, als fast alle Boxen nur mit den Symphonien, bekommt man die Konzerte mitgeschenkt. Übrigens gilt unter Klemperer-Fans der während der Wiener Festwochen 1960 mitgeschnittene Live-Zyklus mit dem Philharmonia Orchestra als Klemperers bester. Er ist leider nicht in einer zufriedenstellenden Digitalisierung erhältlich. Wie herrlich Klemperers Beethoven live klingt, zeigen etwa die wunderbaren Mitschnitte von 1957 (9. Symphonie, Philharmonia Orchestra, Testament, bei Amazon); 1963 (3. Symphonie, Wiener Symphoniker, Orfeo, bei Amazon), 1968 (5. Symphonie, Wiener Philharmoniker, DGG) und 1969 (4. und 5. Symphonie, Bayerisches RSO, EMI, bei Amazon). Sollte es wieder einmal ein Beethoven für die einsame Insel sein, ich würde bedenkenlos den Klemperer-Zyklus mitnehmen. Karel Hruza (Wien)
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TOP 500 REZENSENTam 29. Juli 2006
Einsteigern würde ich diese Box nicht ohne Bedenken empfehlen, da würde ich eher zu Karajans Berliner Einspielung von 1961/62 oder zu Soltis, Bernsteins oder Günter Wands Zyklen raten, die insgesamt großartig gelungen sind und ihren eigenständigen Wert besitzen.
Wer allerdings mit den Werken schon einigermaßen vertraut ist, der wird an Klemperers Sicht seine helle Freude haben. Nie ist Beethovens symphonisches Schaffen so monumental, so ernst und mit solcher inneren Beteiligung in die Rillen gebannt worden, wobei nicht verschwiegen werden soll, daß - wie übrigens auch bei allen anderen Dirigenten - nicht alle Werke gleichmäßig gut gelungen sind. Herausragend sind ohne Abstriche die breit und majestätisch dargebotene Eroica, die Vierte, die naturselige Pastorale, sowie die letzten Symphonien, Nr. 7-9.
Die Erste ist mir ein wenig zu ernst und akademisch, mit Blick auf das Spätwerk genommen, hat aber ihre unbestreitbaren Qualitäten und kann Klemperers ganz persönliche Lesart nicht verleugnen. Dies gilt auch mehr oder weniger für die Zweite. Die 5. Symphonie läßt ein wenig Feuer vermissen, da ziehe ich die Mono-Aufnahme, die der Dirigent 1954 eingespielt hat, deutlich vor. Vor allem der letzte Satz ist in der Stereo-Version zu wenig himmelstürmend geraten, das Tempo scheint mir ganz einfach zu langsam. Dafür strotzt die Achte vor Witz und guter Laune, während die Neunte mit einem Ernst und einer Würde dargeboten wird, die immer wieder überwältigt. Hier sind die getragenen Tempi in den ersten drei Sätzen völlig überzeugend und die folgerichtige Vorbereitung für die großartige Schlußsteigerung im Finale. Der Chor singt mit Wucht und Präzision, die Solisten sind in Ordnung. Alles in allem ein Meilenstein und ein Dokument von unvergänglichem Rang, dem auch die weniger gut gelungenen Werke keinen nennbaren Abbruch tun.
Ich kann mich dem Urteil nicht anschließen, daß Daniel Barenboim die Qualität von Klemperers Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte beeinträchtigt. Im Gegenteil: Er spielt, damals 25 Jahre alt, so souverän und fast abgeklärt, daß der gewaltige Altersunterschied zwischen Pianist und Dirigent (fast 50 Jahre) nirgends negativ in Erscheinung tritt. Die Original-Kadenzen von Beethoven spielt der junge Mann mit fast schon beängstigender Souveränitat. Für das erste Konzert hat er eine eigene komponiert, die sich wunderbar einfügt und ein weiteres Zeugnis von der frühen Reife Barenboims liefert. Der Klang der Aufnahmen ist unterschiedlich, die digitale Überarbeitung ist gut gelungen, aber man merkt den Symphonien doch an, daß sie beinahe ein Jahrzehnt vor den Konzerten entstanden sind.
Fazit: Ein großartiges Dokument, welches Beethoven zur Ehre gereicht und für jeden Klemperer-Freund ganz unverzichtbar ist. Ich bin überzeugt, daß diese Aufnahmen ihren Rang behaupten werden, solange es Schallaufzeichnungen geben wird. Wo wäre heute der Künstler, der ein solches Riesenwerk in dieser singulären Gesamtqualität und auf dem hohen geistigen Niveau auf die Beine stellen könnte?
Die Symphonien wurden in den Jahren 1955-1959 aufgezeichnet, die Einspielung der Klavierkonzerte erfolgte 1967/68, sämtlich in London. Für die Symphonien zeichnete der legendäre Walter Legge als Produzent verantwortlich, während Suvi Raj Grubb als künstlerischer Leiter bei den Konzerten assistierte. Der Stereoklang ist von gediegener Qualität. Das beiliegende Textheft ist knapp, aber informativ.
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am 30. Oktober 2011
Große Kunst ist niemals eindimensional und positivistisch. So ist auch Beethovens Musik, die keineswegs deutsch ist, gerade aufgrund ihrer Universalität höchst kompliziert, gebrochen und zweiflerisch. Diesem Charaktermerkmal der Beethovenschen Musik wird kein Dirigent außer Otto Klemperer gerecht. Er dirigiert keineswegs einen "heroischen" Beethoven, wie dies die Rezension "beethoven für heroisch gesinnte" (29. April 2009) behauptet. Klemperer erfasst die ganze Poesie, Tiefe UND Gebrochenheit der Musik Beethovens, einer Musik, die die Schrecken der folgenden Jahrhunderte ahnen lässt und, hierin ganz aufklärerisch, trotzdem im besten Sinne erziehen will, erziehen zum Menschlichen (was bedeutet, den Menschen verstehenzulernen).
Es gibt Dirigenten, die Beethoven heroisieren (Furtwängler, Kleiber, Karajan u.a.); es gibt auch welche, die, als Antwort auf jene, versuchen, Beethoven betont "unheroisch" zu spielen (z.B. der Historische Stil und seine Vertreter), was in beiden Fällen zu allerlei Überzogenheiten führt und der Musik letztlich nicht gerecht wird. Beethovens Musik steht jenseits von all dem und so auch Otto Klemperer. Klemperer war von tiefer Sachlichkeit zu einer Zeit, in der noch kein Mensch etwas von dieser Art Sachlichkeit wusste (von der "Neuen Sachlichkeit" schon!). Er ist im tiefsten Sinne des Wortes romantisch, aber auch im tiefsten Sinne des Wortes sachlich, und zwar weil das eine das andere keineswegs ausschließt, sondern sich gegenseitg ganz natürlich fördert. Man kann Klemperer mit einigem Recht den sachlichen Romantiker nennen.
Nehmen wir zum Beispiel die 'Eroica', diese (neben der Achten Symphonie) rätselhafteste Musik Beethovens. Wer kann den 'Trauermarsch' heute so spielen, dass es sein tiefes Pathos behält OHNE verlogen zu wirken? Wer kann ihn so dirigieren, dass es, trotz aller Albernheiten wechselnder Epochen, Wertvorstellungen und Geschmäcker, seine Überzeitlichkeit und seine universale Gültigkeit beibehält? Gerade den 'Trauermarsch' kann man in heutigen Zeiten nicht mehr spielen, ohne sein Pathos unerträglich zu finden. Man höre sich aber einmal den 'Trauermarsch' an, wie Klemperer ihn dirigiert. Das soeben als unerträglich empfundene Pathos verwandelt sich in tiefe Einsicht in eine Idee; die Musik besteht nicht mehr länger aus bloßen Tönen, sondern wird zum Ausdruck von weit über die Musik selbst hinausgehenden Gedanken. Und dies ist das Merkmal von wahrhaft großer Kunst: über das ihr eigene Medium hinauszugehen und es zu vergeistigen (was wir nur noch bei der Musik Bachs so erleben). Das gelingt in meinen Augen keinem anderen Dirigenten außer Klemperer, und insofern ist Klemperer, auch wenn dies über-enthusiastisch klingen mag, in der ganzen Geschichte der (aufgezeichneten) Musikinterpretation absolut einmalig und unerreichbar.
Klemperer dringt in die poetische Struktur der Musik ein, ergeht sich aber nicht in der bloßen Hörbarmachung irgendwelcher Linien, Motive etc., sondern erfasst deren SINN. Dies unterscheidet Klemperer von allen anderen Dirigenten, die den Sinn der Töne letztlich nicht erfassen. Man beobachte einmal, wie subtil Klemperer die Dynamik und die Phrasierung in der Musik Beethovens gestaltet, und das nicht im Sinne einer geistlosen Befolgung irgendwelcher Vorgaben.
Auch, was die hier eingespielten Klavierkonzerte angeht, erleben wir, wie Klemperers musikalisches Ingenium jeglichem Klavieristentum Einhalt gebietet und es radikal in den Dienst des musikalischen Gedankens stellt.
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am 27. Februar 2007
Großartig ist wörtlich zu nehmen... Klemperer bringt hier die neun Symphonien majestätisch zu Gehör mit der Fülle eines grossen Symphonieorchesters! Das langsamere, getragenere Tempo dieser Einspielungen ist nie langweilig, im Gegenteil, es verleiht den Symphonien hohe Ausdruckskraft! Das einzige was mich gestört hat, ist ein ziemlich eigenartiger Lautstärkewechsel im ersten Satz der 5. Symphonie, so habe ich diese Stellen noch nie gehört und es passt auch nicht so ganz... Egal, es ist einfach ein Genuß, Klemperes geballte und feierliche Interpretation zu hören, 5 Punkte gibt es, auch wenn natürlich der Klang ein wenig verrauscht ist, bei Aufnahmen von 1955 bis 1960 ein zu akzeptierendes Übel. Es macht allerdings wirklich Freude, Beethoven auf die klemperersche Spielart zu hören!!!
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am 29. April 2009
beethoven eher für alte pathetiker, konservative musikfreunde, die lieber ein
einseitig heroisches beethoven-bild präferieren als den neuerer, der die schon
(haydn-tradierten) überkommenen strukturen auch inhaltlich neu bestimmen wollte.
hier wird wohlgefällig von andren alt-geniessern einem hist.-fragwürdigen, eher
reaktionären und monumental-starren b-bild weiterhin bewundernd hochachtungsvoll
dienst erwiesen.

klemperers eigenwillige, spät-zeitige interpretation 'haut beethovens revolutionäre
dynamik gleichsam in stein, imponierend in der konsequenz, aber sicher das wesen
dieser musik grossartig verkennend' (dietmar holland) - verkennend, wie heute.
jedoch zeigen klemperers fühe einspielungen ein flüssigeres, differenziertes beethoven-bild
als die späten schwergewichtig-zähen legge-produktionen, die wohl qua marketing der
emi neue alt-qualität und seriosität vermitteln sollten.
und klemperer war halt schon wer, besonders im nach-kriegs england.
doch leibowitz, toscanini, scherchen, schuricht, auch der junge karajan, hatten schon
eine andere beethoven-sicht auf den radikal-plebejischen ton, der eigentlich werkgemässer
war (und ist) als primär 'erhebender' wohlklang.

aber es existiert leider immer noch die überkommene haltung, das faktisch erreichte,
die leistung vor allem orig.-hist.-orientierter musiker besonders zu ignorieren.
da wird schnell mit begriffen wie 'grösse', 'tiefe', 'sinn' hantiert,
die 'originale'
hist.-informierte nicht vermitteln,
weil dem gemeinen gemüth! kein überdimensionales denkmal qua notation gesetzt werden kann.
(was man bei der 'missa' ev. noch als herb-strengen, 'über-irdischen sacral-
entwurf' annehmen kann - aber auch hier bietet z.b. gardiner ein zeitgemässeres beispiel)

leider nach wie vor werden auch die schon damals als verkorkst beurteilten
einspielungen der klavierkonzerte gefeiert, wo doch der alte mit dem zu jungen
barenboim kaum kongruent auf wellenlänge musizierte, auffassungs-unterschiede wie
phrasierungen!, die durchaus hörbar sind!
auch für namen- und marken-hörige gibt es tolerenzgrenzen.

also, es gibt authentischere, aufregendere und zugleich grosse beethoven-deutungen,
die auch spiel- und aufnahmetechnisch denen der legge-klemperer-philharmonia zeit
weit überlegen und auch beethoven-näher sind.
selbst die frühen karajan-berlin-phil-einspielungen, nicht die verkorksten legge-emi
aus den 50ern!, die aus der berliner christus-kirche der dgg, die beste,
erstklassige gesamtaufnahme der 60er, sind allesamt dem visionären anspruch präziser
rythmisch-metrischer dimension beethovens näher als der allzu alte klemperer.

beethovens kunst sollte nicht mit dem weih-e-rauch post-bürgerlicher gartenzwerg-ästhetik,
die sich dann noch als traditionsbewusst geriert, serviert werden.
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