Am höchsten bewertete kritische Rezension
2,0 von 5 SternenCut it out!
Rezension aus Deutschland vom 17. April 2001
Zuerst einmal was diesem Spiel gut getan hätte.
- Kameraperspektiven(Fahrten) a la Silent Hill
- weniger der unzähligen Schlägereien
- mehr Rätsel vom Schlage eines Baphomets Fluch oder Resident Evil
- bissigere Dialoge wie in etwa Fear Effect
Was dem Spiel zum einen nicht gut tut ist die Story mit ihren klischeeüberfrachteten Charakteren. Wieso müssen alle Matrosen, Punks und Tätowierte als halbdebile Schlägertypen dargestellt werden. Vor allen Dingen aber ist Ryo nervtötend, da langweilig, spießig, hohl und durch und durch gut - Großmamas Liebling eben. Lachhaft ist auch die Figur des Tom, das typische Bild eines Jamaikaners: Dreadlocks, kunterbuntes Outfit und stets am swingen und grooven. Einige ungewöhnliche Charaktere mit eben solchen Fähigkeiten wären da angebracht gewesen.
Also von einem Real-Life-Game hätte ich mir bezüglich dem Gameplay mehr vor gestellt. Wozu kauft man sich essen, wenn man es denn nicht einmal essen kann. Wieso kommt Ryo nicht auf die Idee, sich mal eine Waffe zu besorgen. Wieso erinnert Shenmue mehr an Dragonball anstatt an eine Detektivgeschichte. Wieso muss man sich Anhaltspunkte erprügeln? Wieso kann man sich nicht Freunde zu Hilfe holen (Vampire - Die Maskerade). Wieso kann man sich in der freien Zeit einzig und allein nur mit Minigames langweilen? Etwa um im Nachhinein einen kleinen Spielzeugtrecker sein Eigen nennen zu können. Und taucht dann mal eine Prostituierte oder ein Mädchen auf, dann kann man sie nicht etwa abschleppen oder irgendwo mit ihr was trinken gehen. Nö. Also das ist doch die Geschichte eines 18jährigen Teenagers, also wieso erinnert er sie dann mehr an die eines Zehnjährigen? Wieso kann man nicht um die Wartezeit totzuschlagen nicht zu Freunden auf Partys gehen oder mit Nozomi abhängen? Sich Infos erkaufen, oder durch Gegenleistungen erspielen? Nein, entweder bekommt man sie durch langweilige Dialoge oder durch Schlägereien vermittelt. Ziemlich armselig, oder? Oder weshalb rennen die Charaktere jeden Tag in ein und denselben Klamotten herum oder tun wirklich immer dasselbe? Und das man im Hafen Tag ein Tag aus, Rennen fahren und Kisten stapeln muss ist auch auf Dauer öde. Hinzu kommt das Ryos Animationen recht steif wirken und die ausführbaren Aktionen sich mehr als dürftig erweisen.
Ein ähnlich anspruchsvolles Spiel hatte man schon auf N64 unter dem Titel Mission: Impossible geplant, doch hat man da natürlich auch kläglich versagt.
Positiv zu vermerken sind natürlich die detaillierten Grafiken, aber was bringen die einem bei so einem stümperhaft einfallslosem Gameplay? Gleiches gilt auch für die musikalische Untermalung der Szenerien, die stellenweise mehr als gelungen ist. (siehe Mahjong-Spielzimmer) Doch es gibt Stellen die wirklich überaus gelungen sind wie z.B. der Auftritt in der Heartbeat-Bar. Absolut stark!!!
Dieses Spiel ähnelt mehr einem Beat em up Scroller, als einem RPG-Adventure, dessen Ausführung unlogisch und verklemmt, ja so richtig kids-gerecht umgesetzt worden ist. Stellt sich da bloß die Frage: Wer braucht so ein Spiel, das mit der Wucht, dem Nervenkitzel und der Raffinesse eines Kaffeekränzchens mit Großmutter daherkommt? Schade um dir paar tollen Einfälle.