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Kundenrezensionen

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am 27. Februar 2003
eine wundervolle interpretation der "bilder einer ausstellung" - und zwar gleich zweimal: einmal die nachträgliche orchesterfassung von maurice ravel und zum andern die originale klavierfassung von modest mussorgski. es gibt keine bessere möglichkeit, die beiden fassungen direkt miteinander zu vergleichen.
für mich ist die behutsame und phantasievolle orchestrierung von ravel sein meisterwerk, auch wenn der gleichmäßige bolero viel bekannter ist. es ist für mich geradezu erstaunlich, wie gut sich ravel in mussorgski hineinversetzt hat und die bilder lebendig werden läßt: das romantisch-klagende lied des troubadours im "alten schloss", die besondere dynamik der musik in "bydlo" (man sieht förmlich, wie der schwere bauernwagen den weg entlangkommt, spürt, wie er ganz nahe vorbeifährt und sieht ihn in der ferne verschwinden). man erlebt den tratsch und streit der marktfrauen auf dem "marktplatz von limoges", die düstere kälte der "grotte", den wilden tanz der "baba-jaga" und das lustige getrappel und durcheinander der "kücklein in ihren eierschalen". besonders meisterlich ist für mich der streit des reichen und armen juden - laut und behäbig der reiche, jammerig und klagend der arme.
absolut empfehlenswert.
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am 2. April 2013
Mehr als drei Sterne möchte ich als Bewertung dieser Klavier- und Orchesterfassung nicht geben. Ich bin mit der Klavierfassung wegen der Qualität des Klavierspiels nicht so richtig zufrieden und möchte hier allen Interessierten zwei Alternativen empfehlen:
- Ivo Pogorelich, ASIN: B0000041JU Bilder einer Ausstellung / Valse Nobles Et Sentimentales
- Alice Ader, ASIN: B0038ZGLPW Mussorgsky: Das Klavierwerk
Hier ist die Pogorelich-CD vielleicht um eine Haaresbreite besser, weil Alice Ader etwas härter die Tasten anschlägt. Die Einspielung von Ivo Pogorelich (Aufnahme 08/1995) hat zusätzlich noch etwas Besonderes: sie holte die Klavierfassung wieder ins Gedächtnis und Musikleben zurück, weil häufiger die spätere Orchesterfassung nach Maurice Ravel bekannt ist. Bei der im Tempo ordentlichen Klaviereinspielung von Brendel hört man im Vergleich zu den beiden oben Empfohlenen leider nicht das Vorwärtstreiben des Ochsens im Stück "Bydlo", weil Brendel zu sehr dem Ton hinterher sinnt. Über das Tempo verfehlt jedoch der Pianist Lazar Berman den Inhalt dieses Titels.

Nicht unerwähnt bleiben soll eine für meine Ohren aussergewöhnliche Klavierfassungseinspielung von Victor Eresko, die einst bei Melodyia als LP erschien, nicht jedoch als CD. Diese Eresko-Einspielung übertrifft sogar noch die wunderbare Pogorelich-Einspielung. Eresko ist ein Klavier-"Schlitzohr" im positiven Sinn, weil er den Lauschenden so toll zu überraschen vermag. Hören Sie selbst hinein, wenn Sie das Glück haben sollten, die LP zu besitzen oder irgendwo auf der Welt zu erwerben. Ob Pogorelich, Ader oder Eresko: es gibt noch viele andere Klavierfassungseinspielungen. Die z. B. von Kissin ist etwas schneller, besonders interessant sind aber noch die flotten und ausdruckstarken von Swjatoslav Richter (Sofia 1958, Melodia Studio 1958, Budapest, Prag usw. usf.). Pogorelich bleibt neben Eresko mein Favorit.

Auch die Orchesterfassung nach Ravel löst wegen der (älteren) Tonqualität und wegen der Karajanschen Interpretation nicht immer meine volle Freude aus, ist aber eine gefühlvollere Einspielung (und damit wertvoller als die Klaviereinspielung von Lazar Berman). Daher hier auch zwei Orchesterfassungsalternativen (Orchestrierung nach Ravel):
- Berliner Philharmoniker, Carlo Maria Giulini, ASIN: B0042GNDP2 Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung/jJohannisnacht auf dem Kahlen Berge (oder mit anderen zusätzlichen Werken ASIN: B007W8RF5Q, jedoch nicht zu verwechseln mit der weniger schönen Aufnahme durch das Chicago Symphony Orchestra unter Carlo Maria Giulini, ASIN: B005JS7VJG)
- New York Philharmonic Orchestra, Giuseppe Sinopoli, ASIN: B00822KWXS Bilder einer Ausstellung/Valses Nobles (First Choice) (Jahr 1990 ASIN: B000001GDA und B004MVMLH8)

Welche davon besser ist, kann ich nicht richtig entscheiden, denn beide haben etwas Faszinierendes. Vielleicht ist die Giulini-Aufnahme einen Hauch klarer, aber Sinopolis Aufnahmen sind und bleiben auch ein Erlebnis. Die Giulini-Aufnahme wirkt sehr präzise und ist dennoch nicht gerade ohne Emotion und Temperament. Das tontechnische 24 bit / 88,2 kHz DDD-Re-Mastering-Verfahren, welches Sony im Jahr 2010 bei der als Paradebeispiel zu sehenden Guilini-Aufnahme aus dem Februar 1990 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem anwendete, kann sich sehr gut hören lassen. Die digitale Aufnahme der Sinopoli-Interpretation im New Yorker Manhattan Center Dezember 1989 ist durch den dezenten und äusserst behutsamen Einsatz der Musikinstrumente eine sehr analytische, ausdrucksbetonte und mystische Einspielung, die den Geist der Klavierfassung wach ruft und durch die weichere Erzählweise neue Hörentdeckungen ermöglicht. Die first choice-Serie der DGG meint mit dem bei der Serie verbundenen digitalen Bonus das Internet-Angebot an Downloads von der Homepage der DGG wie Originalbooklet der gekauften CD und Audio-/Video-Bonus-Material hier zu Respighi's Pini di Roma von Sinopoli/New York Philharmonic, das sich durch das Einlegen der erworbenen "first-choice-CD" in den Computer eröffnet.

Beide Orchesterfassungen finde ich immer noch reizvoller, als die mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado (ASIN: B0000012VG Bilder einer Ausstellung (Pictures at an Exhibition) ). Und auch besser, als die mit den Wiener Philharmonikern unter André Previn (ASIN: B000026170 Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung (Klavier- und Orchesterfassung) ) sowie die mit dem Cleveland Orchestra unter Lorin Maazel (SACD ASIN: B00005O82F bzw. CD ASIN: B000003CSH). Es soll die Aufnahme der New York Philharmoniker unter Leonard Bernstein nicht unerwähnt bleiben, obschon das Tempo des Titels "Bydlo" (= Der Ochsenkarren) zu schnell ist (ASIN: B0000025JN oder B00002470D oder B0002J58QA Mussorgsky:Exhibition Pictures ). Das ist ebenso bei der Ashkenazy-/Philharmonia Orchestra-Aufnahme (Klavier- und Orchesterfassung) der Fall (ASIN: B000GUJZT6 Bilder Einer Ausstellung ). So verhält es sich leider auch bei den Stokowski-Transkriptionen, die vom Bournemouth Symphony Orchestra unter José Serebrier (SACD-ASIN: B000AMMSG2 bzw. CD-ASIN: B0009JVOKM) und vom BBC Philharmonic unter Matthias Bamert (ASIN: B000000AYU) eingespielt wurden. Zu schnell ist auch Masur mit dem London Philharmonic Orchestra (ASIN: B000000SP8 bzw. B008RT7Z7M). Das Gewandhausorchester Leipzig ist unter dem Dirigat von Igor Markevitch im Tempo schon deutlich angemessener (ASIN: B0019RQU8E bzw. B000KG4B9A), allerdings geht es beim "Bydlo" in der dazu gehörenden Klavierfassung mit Peter Rösel zu schnell zu (ASIN: B0019RQU8E). Bei der Giulini-Aufnahme ist das Tempo geringfügig schneller als bei der von Sinopoli, aber das geht noch. Hinsichtlich des Tempos und der Interpretation ist z. B. die gegenüber Karajan ältere Orchesterfassungsaufnahme von 1957/1959 mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Fritz Reiner brilliant (CD ASIN: B000003FMY bzw. SACD ASIN: B0002TKFRM Living Stereo: Pictures at An Exhibition ). Allerdings ist der aufnahmetechnische Klang jener deutlich jüngeren Aufnahmen von Giulini und Sinopoli hörbar besser.

Anstelle der Giulini-Aufnahme würde ich sonst nur diese hervorragende DDD-Orchesterfassungsaufnahme aus dem Jahr 2001 empfehlen, die durch einen enorm klaren und guten Klang aufgrund der Studio-Aufnahme beim ukrainischen Nationalradio in wirklich beeindruckender Weise besticht:
- Ukraine National Symphony Orchestra, Theodore Kuchar, ASIN der SACD: B0001XP1OQ und ASIN der CD: B00008IHVZ Bilder Einer Ausstellung
Diese Scheibe ist etwas Edles und Klanggewaltiges für Freunde eines exklusiven und herausragenden Sounds. Sie ist durch die Spielweise die "russischste" aller hier erwähnten Ravel-Orchesterfassungen: unglaublich expressiv. Und das Große = Goldene Tor von Kiew steht ja nicht in Russland, sondern in der Ukraine ... :-)

Wirklich hörenswert ist auch noch die bislang nicht erwähnte und vom Orchester Anima Eterna Brügge unter der Leitung von Jos van Immerseel gespielte Orchesterfassung (ASIN: B00HSOXL6G) ("Ravel + Mussorgsky: Ma Mere L'oye / Pictures at An Exhibition"). Sollte es jedoch eine eher russische Einspielung sein, dann sollte die Einspielung des Sinfonieorchesters der UdSSR unter Evgeni Svetlanov nicht übersehen werden (ASIN: B0094BDP94 bzw. B003VKW1MG "Moussorgsky Pictures at Exhibition"). Ähnlich klingt die remasterte Einspielung des Chicgao Symphony Orchestra unter der Leitung des 1967 noch jungen Seiji Ozawa (ASIN: B003VKW15S "Sony Classical Originals: Bilder Einer Ausstellung/Young Persons Guide"), bei der jedoch der Titel "Bydlo" bereits zu schnell gespielt wurde.

Der Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" wurde von Modest Mussorgski 1874 als Erinnerung an seinen Freund, den verstorbenen Bildermaler Wiktor Hartmann, komponiert, zu dessen Ehren nach dem Tod eine große Bilderausstellung in St. Petersburg stattfand. Erst 1922 - knapp 50 Jahre später - schuf Maurice Ravel die bekannteste Orchestrierung. Rimski-Korsakow instrumentierte zeitig davor hingegen lediglich zwei Sätze des ursprünglichen Klavierwerks. Bei Wikipedia sind alle Bearbeitungen der Klavier- und der Orchesterfassungen aufgelistet. Die Werke Hartmanns - eben die gemalten Bilder (jener Ausstellung) - und die musikalischen Bilder von Mussorgsky werden bei Wikipedia auch inhaltlich einzeln auf interessante Weise unter der tabellarischen Auflistung erläutert. Weiteres dazu kann man über das Internet z. B. im Russischen Musikarchiv erkunden. Ein paar Bilder der Ausstellung von Hartmann sieht man bei Wikipedia und im Russischen Musikarchiv (Internet). Zu Wiktor Alexandrowitsch Hartmann erfährt man einige Details auch bei Wikipedia.
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am 14. August 2012
Ich hatte auch nichts anderes erwartet von der deutschen Grammophon.

Guter Klang und ein hervorragendes Orchester unter der Leitung von Herbert von Karajan.
Im Endeffekt gibt es das volle Volumen immer nur mit der entsprechenden Musikanlage.

Plus: das Gesamtpaket

Kein Minus

Empfehlenswert
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am 12. Oktober 2005
Ravels Orchester-Fassung von Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" gehört für mich zum besten, was je für Sinfonieorchester geschrieben wurde. Auf dieses Schnäppchen freute ich mich deshalb ungemein, weil es eine von sehr wenigen Aufnahmen der Orchesterfassung zu sein scheint.
Die Berliner Philharmoniker unter Karajan sind über jeden Zweifel erhaben, meistern das Werk souverän. Aber die Tonqualität lässt dann doch zu wünschen übrig. Die Aufnahme ist von 66, klingt aber wesentlich älter. Vor allem das hohe Blech klingt, als sei es geradewegs einem alten Stummfilm entsprungen. Da die CD erst 1998 aufgelegt wurde, hätte ich dann doch ein Re-Mastering erwartet, das einiges aus der Aufnahme hätte herauskitzeln können. Auch lieblos abgeschnittener Hall und Knackser zwischen den Stücken sind nicht zeitgemäß und lassen mich zwei Sterne abziehen.
Die Klavier-Fassung ist da dankbarer und klingt besser, aber auch ihr fehlt deutlich Wärme. Und auch hier wurde am Ende der Stücke Hall einfach lieblos abgeschnitten. Dafür ziehe ich nochmals einen Stern ab. So viel Musik wie möglich auf einen Silberling zu packen, ist ein ehrenwertes Ziel. Aber wenn das zu Lasten des Hörgenusses geht, ist der Sinn verfehlt. Das ist nur noch eines: nämlich ärgerlich.
Meine Empfehlung als Liebhaber des Werkes: Wenn es nicht unbedingt Karajan sein muss, dann lieber nach einer aktuelleren Fassung umsehen, die man nicht nur spielerisch, sondern auch klanglich genießen kann!
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am 15. Februar 2011
Das bekannteste Werk des russischen Komponisten Modest Petrowitsch Mussorgski (1839-81) ist sein Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung". Wenn Musiklehrer sich vornehmen, einen Versuch zu unternehmen ihren Schülern die Idee der Programmmusik näher zu bringen, so greifen sie in der Regel dieses Paradebeispiel heraus.

Modest Mussorgski beschreibt in diesem Klavierzyklus explizit mit den Mitteln der Musik 10 Bilder des mit ihm befreundeten Malers Viktor Hartmann, die er bei einer Ausstellung zum Gedenken des einige Jahre zuvor verstorbenen Künstlers 1874 sah.

Zu Beginn: vor dem ersten, zweiten, dritten und fünften Bild ist, jeweils leicht verändert, die "Promenade" zu hören (jedenfalls in der Orchesterfassung Ravels, der eine Promenade wegließ). Damit wird das Eintreten Mussorgskis in die Ausstellung und das Weiterziehen von Bild zu Bild beschrieben.

Erstes Bild: "Gnomus": ein linkisch dreinblickender, sich auf missgestalteten Beinen bewegender Zwerg, der mal wild zappelt, dann plötzlich erstarrt, um danach wieder energisch und unberechenbar hin- und herzuspringen o.ä.

Zweites Bild: "Das alte Schloss": ruhige, leicht wehmütige Romanze

Drittes Bild: "Tuileries": im berühmtesten Park von Paris toben Kinder wild umher und ignorieren die ermahnenden und zur Mäßigung aufrufenden Einwürfe ihrer Gouvernanten geflissentlich.

Viertes Bild: "Bydlo": ein polnischer Ochsenkarren zieht am Betrachter vorbei - von ferne sieht er langsam und bedächtig aus, aus der Nähe sieht man die unbändige Kraft des Ochsen (durchweg fortissimo gespielt, ab ungefähr der Mitte in der Regel aber noch gesteigert, danach leiser werdend), der Karren zieht vorbei und verschwindet langsam am Horizont.

Fünftes Bild: "Ballett der unausgeschlüpften Kücklein in ihren Eierschalen": die Kücken haben bereits mit Armen und Beinen den Durchbruch aus dem Ei geschafft, tragen ihre Schale aber noch, einer Rüstung gleichend und tippeln wild umher.

Sechstes Bild: "Samuel Goldenberg und Schmyule": zwei Portraits, erstens das des eleganten, bedeutungsvoll aussehenden jüdischen Kaufmanns Goldenberg, andererseits das des bitterarm, kränklich und jammernd aussehenden Juden Schmuyle.

Siebtes Bild: "Der Marktplatz von Limoges": es herrscht reges Treiben und Stimmengewirr

Achtes Bild: Hartmann durchschreitet die "Katakomben" von Paris und unterhält sich mit den Toten in einer toten Sprache (zwei Teilstücke, letzteres hat keinen konkreten Bezug zu einem Bild Hartmanns)

Neuntes Bild: "Die Hütte der Baba-Yaga": die Baba-Yaga ist eine russische Sagengestalt. Eine Hexe, die in einem Haus wohnt, das auf Hühnerfüßen steht und sich mit diesen auch aufrichten und umdrehen kann, so dass es den Eingang jedem zuwenden kann, der sich ihm nähert, egal aus welcher Richtung er kommt. Die Baba-Yaga lockt Vorbeikommende in ihre Hütte, wo sie sie auffrisst.

Zehntes Bild: "Das große Tor von Kiew": majestätisch, gravitätisch und eindrucksvoll stellt sich dieses Tor dem Gast Kiews dar. Mussorgski beendet den Rundgang mit diesem Bild und führt das Hauptthema der Promenade zu einem glanzvoll-pathetischen Abschluss.

Maurice Ravel schrieb 1922 die berühmteste und am meisten gespielte Orchestrierung des Werkes. Diese hören Sie hier in einer Aufnahme der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan. Bei diesem Stück sehe ich zwei mögliche Irrwege der Interpretation: entweder meint man es zu gut mit der sehr vollmundigen, auf ein sattes Klangbild abzielenden Instrumentation Ravels oder man versucht genau das zu vermeiden und wird dadurch zu zahm, wie dies m.E. z.B. Mariss Jansons in seiner Aufnahme mit dem Royal Concertgebouw Orchestra passierte. Ich will nicht sagen, dass es keinen Mittelweg gibt, wenn ich auch noch keine wirklich ideale Aufnahme gehört habe.

Die hier vorliegende Aufnahme Karajan jedenfalls geht eher in die erstgenannte Richtung, wie es auch zu erwarten war. Karajan war als Klanggestalter nie derjenige, der Gefahr lief zu dünn aufzutragen, Dynamiken zu wenigen auszukosten oder ähnliches. Was Tempi betrifft hingegen neigte er zu Extremen: er konnte gnadenlos verschleppen, hat aber auch nicht wenige Stücke sehr ambitioniert schnell dirigiert und teilweise auch "verhetzt".

Die Tempi bei Mussorgski/Ravel halte ich für ausgesprochen gelungen und adäquat. Was die übrige Interpretation betrifft, so hatte ich lange Zeit das Gefühl, dass Karajan es maßlos übertreibt und teilweise zu viele Details der Instrumentierung im großen Einheitsbrei des Orchesters untergehen lässt und außerdem Dynamiken allzu sehr auf die Spitze treibt, insbesondere Fortissimi dröhnen bisweilen doch arg. Doch je mehr Aufnahmen ich kenne, umso überzeugter bin ich von Karajan. Über Transparenz zu urteilen kann man sich bei Karajan ja fast schenken. Er war niemand, der es als erstrebenswert ansah, jedes Detail der Begleitung und der Nebenstimmen herauszuarbeiten. Bekanntlich war sein Klangideal eher das eines Orchesters als ein großes Instrument. Und so klingt das hier eben auch. Um manche Details ist es schade, manchmal geht auch die Feinmotorik in der Beweglichkeit verloren (Tanz der Kücklein), aber insgesamt fällt das hier m.E. nicht zu gravierend aus, zumal ich bei analytischeren Aufnahmen dann häufig Lautstärke, Tempo und Temperament vermisse - Transparenz, Temperament und adäquate Tempi habe ich bisher auf CD noch nicht gefunden (wohl aber im Konzertsaal).
Ansonsten beweist Karajan, dass er kraftvoll interpretieren konnte. "Der Gnomus", v.a. aber "Die Hütte der Baba-Yaga" sind einfach herrlich gelungen!

Insgesamt eine wirklich gute, vielleicht gar sehr gute Aufnahme der Orchesterfassung von Ravel. Ich kann die Kritik an der Blechbläserlastigkeit nachvollziehen, teile sie auch, hätte selber noch ein paar unerfüllte Wünsche für das Stück, muss aber sagen, das ist m.E. eine der besseren, vielleicht gar der besten Interpretationen.

Mit Mussorgskis Original hatte ich lange Zeit das umgekehrte Problem zu Ravels Instrumentierung - schien mir letztgenannte zu derb und dröhnend, haben mich die Klavierstücke lange Zeit gelangweilt. Ich bin nach wie vor auch der Meinung, das jedenfalls der Unterhaltungswert der Orchestrierung höher ist. Dennoch genieße ich mittlerweile auch Piano-solo-Aufnahmen, vor allem, weil ich den Eindruck habe, hier bekommt man wirklich Stücke zu hören, die Interpretenqualitäten herausheben bzw. falls diese Qualitäten fehlen, die Mängel aufgedeckt bekommt.
Man kann sich eben nicht darauf verlassen, dass die Breite des Klanges und die Lautstärke das typische Gefühl der Hütte der Baba-Yaga zutage fördern, wie man dies bei der Orchesterfassung ansatzweise kann. Der Interpret muss hier wirklich das Gespür dafür haben, wie er Schwung und Absurdität dieses Bildes rüberbringt. Dabei ist Lautstärke weniger ein probates Mittel, sondern es kommt sehr auf das Feingefühl an. Gerade technisch schwierige Stellen wie der Mittelteil der Baba-Yaga oder tendenziell unscheinbares wie der Schluss der Baba-Yaga und der Übergang zum "Großen Tor von Kiew" können leicht ins Banale und lapidare abdriften und man braucht wirklich Feingefühl und ein gutes interpretatorisches Gesamtkonzept um den Hörer hier nicht zu verlieren. Mein Eindruck von Lazar Berman: er schlägt sich ganz hervorragend, beweist Anschlagskultur, Feingefühl, technisches Vermögen und ein tragendes interpretatorisches Gesamtkonzept.

Insgesamt erhalten sie eine der besseren, wenn nicht gar besten Interpretationen der Orchesterfassung von Ravel und eine exquisite Einspielung der Klavierversion.

4 Sterne plus 1 für die Tatsache, dass man hier für einen Spottpreis die Chance hat, das Stück in beiden Versionen sehr gut kennen zu lernen. Sehr empfehlenswert!
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am 1. April 2001
Super Einspielung der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan+Lazar Berman am Klavier mit einer Klavierfassung!Es gibt keine bessere Qualität in diesem Preisraum!Dabei sagt Deutsche Grammophon doch eigentlich schon alles!!
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am 9. Januar 2011
Enthalten sind auf dieser CD der Eloquence-Reihe Mussorgsky's "Bilder einer Ausstellung" einmal in einer minimal längeren Orchesterfassung und einmal von einem einzelnen Klavier gespielt. Die Tonqualität ist dem Preis entsprechend gut, aber sicherlich nicht perfekt. Gesamtspieldauer der beiden Fassungen 69:21 Minuten.
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am 18. Januar 2011
Für ganz wenig bekommt mann einen Vergleich zwischen das Originale Klavierwerk Mussorgskis und die von Ravel ausgebastelte Orchestrierung .In diesem Falle gebe ich die fünf Sterne eher an die Einspielung des Lazar Berman : besser kann mann dieses Werk nicht spielen, glaube ich . Dazu kommt , dass die Aufnahme der Klavierversion besser gelungen ist als beim Orchesterwerk : da hätte ich mir mehr Tiefenwirkung und Transparenz gewünscht , um die wunderbare Ravel-Orchestrierung in voller Pracht hören zu können .
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am 4. Februar 2008
Die vorliegende Aufnahme der Bilder einer Ausstellung mit Herbert von Karajan und den Berliner Philharmonikern aus den 60er-Jahren ist für mich die Referenzaufnahme schlechthin. Hier stimmt einfach alles: beginnend mit der Promenade, die kraftvoll und im Tempo nicht zu schnell gespielt wird und damit in ihrer musikalischen Schönheit am Anfang einer orchestralen Offenbarung steht. Die einzelnen Bilder sind allesamt auf höchstem Niveau dargeboten. Insbesondere "Das große Tor von Kiew" ist von unerreichter musikalischer Brillanz, die Übergänge vollkommen mühelos und trotz des langsamen Tempos ohne störende Generalpausen dargeboten. Alles fügt sich perfekt in ein makelloses spätromantischen Klangbild ein. Ich kann mir an sich nicht vorstellen, dass man dieses Werk besser und ausdrucksstärker aufführen kann. Hinzukommt, dass der Klang der CD trotz des Alters der Aufnahme ebenfalls mehr als vorzeigbar ist.
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am 24. August 2006
Berman is one of the very few pianists who can play the original piano solo version of "Pictures at an Exhibition". This is one of the most difficult piano solos ever written, and most pianists fail to master it.

Forget the orchestration by Tchaikovsky. Buy this CD for Berman's piano solo.
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