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TOP 500 REZENSENTam 12. Juni 2016
Bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte der von den Nazis aus Deutschland vertriebene Dirigent Otto Klemperer (1885-1973) in seine alte Heimat zurück, allerdings nur zu Gastauftritten, die vor allem in Hamburg, Köln, Berlin und München stattfanden. Seinen festen Wohnsitz behielt er im Ausland. Immerhin wollen wir froh sein, daß dieser überragende Künstler uns immer wieder wunderbare Konzerterlebnisse bescherte, zuletzt im Herbst 1970 beim Beethovenfest in Bonn, wo er sich mit einer glanzvollen "Eroica" von seinem deutschen Publikum verabschiedete, die denen, die das Glück hatten dabeizusein, in unauslöschlicher Erinnerung geblieben ist.
Die hier von EMI erstmals offiziell vorgelegten Live-Mitschnitte wurden während eines öffentlichen Konzerts im Münchener Herkulessaal am 30. Mai 1969 vom BR aufgezeichnet.
Man muß schon ein wirklich hatgesottener Klemperer-Fan sein, und dazu zähle ich mich, um gleich auf Anhieb an diesen Münchener Versionen von Beethovens Vierter und Fünfter Sinfonie Gefallen zu finden. Es sind die langsamsten Lesarten, die mir je zu Ohren gekommen sind; sie übertreffen sogar noch Klemperers Studio-Produktionen dieser Werke mit dem Londoner Philharmonia Orchestra aus den Jahren 1957 (mono) und 1959 (stereo), die ebenfalls auf EMI vorliegen. Für den Klassik-Neuling sind sie ganz sicher nicht zu empfehlen, aber als Dokumente eines der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts sind sie schlicht unverzichtbar. Insonderheit die Fünfte überwältigt durch Details, die bei den üblichen, sicher auch "richtigeren" Zeitmaßen unrettbar verloren gehen. Für den Kopfsatz benötigt Klemperer ohne die Wiederholung der Exposition mehr Zeit als mancher seiner Kollegen, die diese Wiederholung bringen. Ganz ungewöhnlich auch der dritte Satz, der sich über fast sieben (!) Minuten erstreckt und regelrecht buchstabiert erscheint, bis er nach einer vor Spannung berstenden Überleitung in ein schier überwältigendes, ja hinreißendes Finale mündet, das an Intensität und Wucht kaum zu übertreffen sein dürfte. Ein Klemperer-Dokument von seltenem Rang, das in keiner Sammlung fehlen sollte! Die Vierte weist ähnliche Qualitäten auf. Hier ist insonderheit das tiefempfundene, fast hymnische Adagio hervorzuheben.
Das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks vollbringt eine glanzvolle Leistung, die nicht unerwähnt bleiben darf. Es kann sich durchaus mit den anderen europäischen Spitzenformationen in eine Reihe stellen.
Klanglich sind die Aufzeichnungen außerordentlich gut gelungen. Sie profitieren natürlich von der Stereotechnik, die hier glücklicherweise zur Anwendung kommt, aber auch sonst sind es Aufnahmen, die weit über dem Durchschnitt dessen liegen, was man damals von Live-Mitschnitten erwarten durfte. Die EMI hat ein mehrsprachiges, informatives Textbuch beigelegt.
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am 7. Mai 2010
Das ist eine CD für hartgesottene Klemperer-Fans: Beethovens vierte und fünfte Sinfonie in der möglicherweise langsamsten Interpretation, die es gibt, vermutlich noch so ultralangsame Dirigenten wie Celibidache und Giulini in den Schatten stellend.

Das Erstaunliche an Klemperer ist: Seine moderne, unsentimental-analytische Grundauffassung der Musik blieb lebenslang unverändert, aber seine Tempi haben sich so extrem gewandelt wie bei kaum einem anderen Dirigenten. Die meisten Dirigenten werden im Alter langsamer, das ergibt sich aus der Verlangsamung des Pulsschlags. Bei Klemperer haben wohl die Auswirkungen diverser Unfälle und Krankheiten diese Veränderung der Wahrnehmung noch verstärkt. Vor 1950 waren seine Tempi überwiegend zügig, manchmal rasend schnell. Danach kam es zu einer kontinuierlichen Verlangsamung, die sich Ende der 60er Jahre noch einmal in einem letzten Schub steigerte.

Von Beethovens fünfter Sinfonie existiert ein Konzertmitschnitt von 1934 mit verhältnismäßig schnellen Tempi, die zumindest im zweiten und dritten Satz sogar den Metronomangaben von Beethoven sehr nahe kommen. Die Ende der 50er Jahre entstandene Studioaufnahme ist wesentlich langsamer - alle Sätze dauern jeweils mindestens eine Minute länger. In dem in der EMI-Reihe "The Klemperer Legacy" vor gut zehn Jahren veröffentlichten Konzertmitschnitt aus dem Münchener Herkulessaal vom Frühjahr 1969 hören wir alles noch langsamer: Hier dauert der erste Satz ohne Wiederholung der Exposition länger als 1934 mit Wiederholung.

Die Musik klingt unbeschreiblich monumental, gemeißelt - es ist ein Klangerlebnis ganz eigener Art. Man sollte sich auch noch dazu vorstellen, wie diese Konzerte damals abliefen: Ein riesiger alter Mann schleppt sich hinkend, am Stock und manchmal noch von Helfern gestützt, mühsam ans Pult, wo er auf einem Stuhl Platz nimmt und dann alles um sich vergisst, um mit geballter Faust gewaltige Klangmassen zu entfesseln. Das Heroische der Musik Beethovens lag ihm wahrscheinlich deshalb besonders nahe, weil er es mit dem eigenen Kampf gegen die Schicksalsschläge seines Lebens identifizieren konnte. Interessant ist, dass Klemperer auch als Gastdirigent mit dem BR-Sinfonieorchester den gleichen granitartig-objektivierenden Klang erzielt wie mit seinem Londoner Philharmonia Orchestra.

Mit Beethovens "con brio" haben Klemperers tönende Monumentalbauten wenig zu tun. Aber erstaunlicherweise wohnt seinem bedächtigen Buchstabieren des Notentexts doch eine enorme Spannung inne. Wie Klemperer geisterhaft durch das Scherzo der Fünften schleicht und dann mit einer ungeheuren Steigerung ins Finale überleitet, ist schon einzigartig.

Fazit: Unter allen zu langsamen Beethoven-Dirigenten war "Old Klemp" der beste.
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am 28. April 2014
habe lange gezögert, mir diese sehr spezielle, berüchtigt langsame aufnahme der beethoven-Symphonien 4 und 5 mit dem bayer. rundfunk-Symphonieorchester zu kaufen, die jetzt meine sammlung von klemperer-aufnahmen mit diesem Orchester (mit den "gängigeren" mahler 2, bruckner 4, Mendelssohn 3 und schubert 8) komplettiert. ich muss sagen, dass mich die aufnahme musikalisch und klanglich/aufnahmetechnisch sehr fasziniert und begeistert. auf die tempi, die ihren eigenen reiz haben, muss man sich einlassen, wird dann mehr als entschädigt durch die glasklare tranparenz, einige grimmig-intensive und zahlreiche einfach ergreifende musikerlebnisse und einen sagenhaft räumlichen, lebendigen und klangschönen live-klangeindruck. neben der typischen klangdisposition vonseiten des dirigenten und dem toll und beseelt spielenden orchester (man höre die klarinette im adagio der 4ten!) hat hier anscheinend auch das öffentlich-rechtliche tonmeister-handwerk sein bestes gegeben.
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