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TOP 1000 REZENSENTam 15. April 2015
Mark Hollis war die treibende kreative Kraft bei Talk Talk,jener Band,die innerhalb von fünf Alben eine so unglaubliche Wandlung und Weiterentwicklung durchgemacht hatte.
Und sein sieben Jahre nach dem letzten Talk Talk-Album erschienenes leider bisher einziges Solo-Album macht genau da weiter,wo "The Laughing Stock" aufgehört hatte.
Tim Freese-Green,der auf den letzten Talk Talk-Alben auch eine wichtige Rolle gespielt hatte,ist hier aber nicht mit dabei.
"Mark Hollis" erschien 1998 auf CD bei Polydor ,2003 folgte dann eine Vinyl-Veröffentlichung.
Man kriegt es hier mit einem ArtPop zu tun,der den Minimalismus geradezu zelebriert,zur Kunstform erhebt.
Auf elektronische/elektrische Instrumente wird verzichtet,es ist also praktisch ein Acoustic-Album.
Mark Hollis bringt,neben der gesamten Kompositionsarbeit, seine charakteristische Stimme ein und spielt Gitarre.
Ansonsten sind Gastmusiker für Klarinette,Schlagzeug,Baß,Klavier,Harmonium,Mundharmonika,Englishhorn,Gitarren,Fagott,Flöte und Trompete am Werk.
Seinem Motto,im Zweifelsfall lieber einen,als zwei Töne zu spielen,wird er hier mehr als gerecht.
Die zeitgleich eingesetzten Instrumente kann man fast durchgehend als spärlich beschreiben.
Es wird wenig auf Rhythmus gesetzt,jeglicher Einsatz von Tönen und Klängen wirkt sanft,zurückhaltend,vorsichtig.
Man könnte fast meinen,es würden Stille und Ruhe dargestellt;vor allem,was direkt,treibend,anspringend wirken könnte,wird geradezu zurückgeschreckt.
Aber gerade der Eindruck,daß manches mehr aus Andeutungen besteht,steigert in Verbindung mit der Atonalität einiger Klänge die Wirkung der Musik.
Fast möchte man "Mark Hollis" als "leise" bezeichnen.
Daß ein solches Werk,das trotz aller Unaufdringlichkeit überaus eindringlich wirkt,ein intensives Zuhören verlangt,dürfte klar sein.
Läßt man sich auf diese Musik wirklich ein,kann sie einen mit beeindruckender Intensität betören.
Sicherlich ist das nichts für Jedermann,wer aber "Spirit Of Eden" und " The Laughing Stock" von Talk Talk genießen kann,sollte sich dieses Album nicht entgehen lassen.
Der Künstler definiert Musik mit diesem Album als Kunst,nicht als gefälliges Konsumgut.
Massenkompatibilität,Mainstream,Vordergründigkeiten,Oberflächlichkeiten,Plattitüden und vor allem Verkaufszahlen haben Mark Hollis mal wieder nicht interessiert.
Für diese Art von Musik ist nur eine relativ überschaubare Zahl von Musikhörern anfällig;wer jedoch dazugehört,und wer bereit ist,sich voll darauf einzulassen,der wird hier reichlich belohnt.
Ist man erstmal richtig eingetaucht,werden die Sinne beim hören immer mehr für Feinheiten geschärft;kleine Ereignisse in der Musik erschaffen
größere Wirkung,als man das anfangs denken würde.
"Mark Hollis" ist in der schnelllebigen Musikbranche fast unbeachtet untergegangen.
Dennoch ist es Musik für die Ewigkeit.

Die Klangqualität der CD ist sehr gut,die Aussteuerung nicht zu hoch (kein Clipping) und die Dynamikwerte sind unglaublich gut.
Als Toningenieur wurde wieder Phill Brown beschäftigt.
Eine Remaster-Ausgabe gibt es (noch) nicht.
Die Vinyl-Ausgabe habe ich nie gehört.
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am 20. Mai 2013
Das Album von Mark Hollis, nun auch bald an die 15 Jahre alt, ist genial wie eh und je.
Die Vinyl allerdings...

Die Rezensionen anderswo z.B. hatten ja schon angedeutet, dass die Pressung nicht so toll sein sollte.
Aber nachdem ich im Forum des Herstellers (Ba Da Bing Records) gelesen hatte, dass die Probleme wohl nur eine 1. Pressung gewesen sein sollte und nur das Inner-Sleeve für eine "gewisse statische Ladung" verantwortlich sei, das man einfach wechseln könne, dachte ich, dass ich es mal wagen könne.

Leider wurden die Befürchtungen nicht widerlegt.
Das Vinyl fühlt sich "leicht" an, lapprig. Aber ok, erst mal auf den Plattenteller gelegt, die Röhren warmwerden lassen und dann angehört:
Ein Rauschfestival.

Die Platte ist sehr niedrigvolumig gemastert, wogegen ich nichts habe (wie Bob Ludwig mal meinte: für die jeweilig gewünschte Lautstärke ist der Lautsträkenregler da, nicht das Mastering), und es ist nicht etwa so, dass man die Musik nicht doch "hören" kann, aber Leute, die sich die Vinyl kaufen, tun das meist, weil sie die Musik "besser" hören wollen.

Im Vergleich zur CD, die ich seit dem damaligen Erscheinen besitze und auch gegengehört habe, tut sich hier wenig. Abgesehen vom Plus an Rauschen.
(hier ist zu beachten, dass Phil Brown, der ja ab Spirit of Eden Talk Talk aufgenommen hat, die analogen Aufnahmen auf ein Mitsubishi 32-Track digital Band überspielt hat, welches bei 20000Hz Schluss macht - der ganze Obertonbereich ist also schon im Master weg: mag jeder selbst entscheiden, ob man hier noch viel von der Natürlichkeit Vinyls abbekommt)

Das ist leider zu wenig.

Zur Verpackung:
Aufmachung optisch identisch zur CD (Cover), 1 Schuber LP
Die Inner Sleeve ist aus Papier, auf der auf der einen Seite die Lyrics gedruckt sind, auf der anderen die Liner Notes.
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am 28. März 2001
Nachdem über Jahre nichts über den Verbleib von Mark Hollis zu erfahren war kam diese CD auf den Markt und führte fort, was mit den TALK TALK-Platten Spirit of Eden und Laughing Stock begann. Diese Platte wurde durch den alten Plattenvertrag der noch mit TALK TALK abgeschlossen wurde möglich. Ob die Plattenfirma glücklich darüber ist wage ich zu bezweifeln, denn die Kompositionen dieses Werks zu arrangieren war teuer und wie auch die späten TALK TALK sind sie garantiert nicht massentauglich. Das Ergebnis ist eine konsequente Fortführung akustischer Musik, in der sonderbare Harmonien durch perfekt eingesetzte Stille unterstrichen wird. Durch den bedachten Einsatz von Klarinetten, Flöten, Klavier, Schlagzeug, Bass, Gitarre etc. entstehen Harmonien die man noch lange nachschwingen hören kann. Ein musikalischer Genuß in Reinform. Diese CD wird gerade wieder aufgelegt und beim zweiten Versuch sollte sie meiner Ansicht nach viele, viele Käufer mehr finden. Diese CD hat es absolut verdient und ist Pflicht für einen sorgsam gepflegten Plattenbestand! Kaufen!!!
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am 25. August 2012
Sieben Jahre nach der Auflösung von "Talk Talk" veröffentlichte Bandleader und Sänger Mark Hollis sein erstes und bisher einziges Solo-Album. Der künstlerische Geniestreich von "Spirit of Eden" und "Laughing stock" hatte mit dem Verlust der meisten Fans und dem Verschwinden von der großen Weltbühne bezahlt werden müssen. Den Wenigen, die für diese beiden Alben die notwendige Zeit, Geduld, Disziplin und Offenheit hatten, offenbarten sich erhabene, kaum fassbare Kunstwerke. "Spirit of Eden" und "Laughing stock" boten dem geneigten Hörer die Möglichkeit, sich einerseits an Schönheit "satt" zu hören, darüber hinaus jedoch aus der Offenheit und Interpretierbarkeit beider Werke ein enormes Maß an Inspiration zu beziehen. Ich durfte letztere Erfahrung während meines Studiums mehrfach machen.

Die oben erwähnten Eigenschaften der Geduld, Disziplin und Offenheit sind auch für das Erfahren der hier zu besprechenden Platte eine unabdingbare Voraussetzung. Und noch mehr als bei den Vorgängern benötigt der Hörer hier ein "Mikroskop", um die hier dargebrachten Tonspuren zu zergliedern, zu erkennen und ihre Erhabenheit zu begreifen. Dann kann er entscheiden, ob er einem einzelnen Instrument folgen möchte, oder die Teile wieder zusammensetzt und ihnen im Gesamten lauscht. Beide Varianten bieten ein kaum zu übersehendes Repertoire an Erfahrungen und Impulsen.

Der Hörer legt die CD ein und hört...die ersten 18 Sekunden nichts. Danach...leise, beinahe vorsichtige Klavierklänge, die eine schöne, leicht optimistische, aber sehr zurückhaltende Melodie aufbauen. Weitere zwölf Sekunden nach dem Einsetzen des Klaviers schleicht sich eine Stimme ins "Bild". Dem Klavier zur Seite tretend, diesem jedoch etwas übergeordnet - jedoch gleichermaßen zurückgesetzt. In ihrer Vorsicht, Filigranität und Verzagtheit wirken beide Elemente einsam, ja beinahe bedeutungslos gegenüber der sie umgebenden, unendlich scheinenden Dunkelheit. Optimismus, dargestellt durch zwei schwache Lichter, eingebettet in Dunkelheit - so möchte ich "The colour of spring" zusammenfassen.

Das folgende "Watershed" scheint ein Licht zu entfalten. Allerdings ein sehr kaltes und diffuses. Tempo und Komplexität der Instrumentierung werden deutlich erhöht. Die Melodie zelebriert Traurigkeit. Die Filigranität des Klangteppichs ist überwältigend, der Gegensatz zwischen weichen und rauen Passagen kaum fassbar. "Inside looking out" setzt die Traurigkeit fort, intensiviert sie sogar noch, während Tempo und Instrumentierung stark gedrosselt werden. Das Licht des Vorgängers fehlt hier völlig, die Dunkelheit scheint mir noch größer und weiter als im Opener. Obwohl mit 6:20 Minuten sehr lang, erscheint mir der zeitliche Abstand zwischen "Watershed" und dem nun folgenden "The gift" sehr viel größer. Dieses ähnelt "Watershed" hinsichtlich Tempo und Instrumentierung, ist melodisch aber nicht ganz so traurig.

Was nun kommt, wirkt wie eine stille Oper mit drei Akten. Waren die vier Vorgänger schon sehr weit von dem entfernt, was gemeinhin als "Populärmusik" bezeichnet wird, wirft "A life" alle Konventionen über Bord. Der erste, wieder sehr dunkel scheinende Akt wird durch einige Bläser strukturiert, zu denen eine sehr verzagte Stimmte tritt. Hollis' Stimme leitet in den zweiten Akt über, der durch Klavier, eine diesem gegenüber deutlich zurückgesetzte Gitarre sowie Kinderstimmen geformt wird. Das hier leicht erhöhte Tempo wird im Übergang zum dritten Akt wieder gedrosselt. Dieser wird in seinem ersten Teil durch Bläser und Stimme (Hollis) strukturiert, denen schlussendlich Drums und weitere, jedoch stark zurückgesetzte Instrumente treten. "A life" erscheint kaum fassbar. Einerseits offenbart das genaue Hinhören einen Gegensatz zwischen höchster technischer Vollendung und Improvisation. Anderseits wirkt das Gesamtkonzept unglaublich offen und beliebig ausbaubar. Bezeichnenderweise singt (spricht) Hollis in den mehr als acht Minuten nur 14 Wörter.

Verglichen mit diesem Koloss wirkt "Westward bound" einfach - ja beinahe simpel. Vielleicht ist das auch. Vor allem jedoch still. Die Melodie - sofern man die wenigen Noten zu einer solchen kombinieren kann - ist sehr schön und besinnlich. Stiller Optimismus, der in die Unendlichkeit zu führen scheint.

Demgegenüber ist "The daily planet" instrumentell deutlich komplexer. Melodisch beinahe aggressiv, hat dieser Titel einen sehr schönen Rhythmus und ist neben "Watershed" und "The gift" einer der drei "lauten" und vor allem "hellen" Titel der Platte. Vom Gefühl her erscheint "The daily planet" deutlich kürzer, als er es mit 7:20 Minuten tatsächlich ist.

Das Licht erlischt nun endgültig, während Hollis auf die Zielgerade zu schwenken scheint. "A new Jerusalem" besteht wie "A life" aus drei Akten. Der erste wirkt, von weichen Gitarrenklängen getragen, wie eine Besinnung. Ein Abschied in innerem Einklang. Von allem befreit. Der zweite Akt, durch Bläser getragen, erscheint deutlich pessimistischer, fast verzagt. Der dritte Akt ist...Stille. 110 Sekunden lang Stille. Aus der Stille - der Unendlichkeit - kam dieses Werk, in die Stille - in die Unendlichkeit - geht es wieder ein.

Hollis' Soloalbum erscheint mir abseits stehend. Ohne Konvention nur den eigenen Impulsen verpflichtet. Im Übrigen frage ich mich, ob die Aufschrift "Mark Hollis" wirklich den Titel des Albums darstellt, oder aber nicht mehr als eine notwendige Benennung bzw. Nachricht an die Hörer ist, aus wessen Feder dieses Werk kommt. Das, was hier geboten wird, ließe sich nur schwer mit einem Titel zusammenfassen. In gewisser Weise bildet das Album mit "Spirit of Eden" und "Laughing stock" eine Trilogie, steht jedoch im selben Augenblick vollkommen allein. Stilistisch erscheint es als logische Fortsetzung und gleichzeitig als Bruch. Ich bin hier bewusst nicht auf die Texte eingegangen, da diese ebenso offen sind wie das Werk insgesamt. Stets kurz, wirken sie gleichzeitig präzise, diffus und weitschweifend. Die Interpretation muss dem Einzelnen überlassen bleiben.

Eins ist jedoch sicher: Dem aufgeschlossenen Hörer bietet sich hier eine Trinität aus künstlerischer Vollendung, unbegrenzt scheinender Offenheit und sich direkt daraus ergebender Inspiration, die ihres gleichen nicht so rasch findet. Ich nenne dieses Werk seit neun Jahren mein eigen und es wirkt immer noch so frisch, interessant und inspirierend wie am ersten Tag.
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am 1. Juli 2003
Mark Hollis stellte mit seiner Band TALK TALK einer der Gallionsfiguren der New-Wave-Bewegung dar. TALK TALK schufen ende der 80er, anfang der 90er mit den Alben SPIRIT OF EDEN und LAUGHING STOCK Meisterwerke, die jeden Musikliebhaber auch heute noch in Verzückung geraten lassen. Sein Solodebüt ging diesen Weg konsequent weiter, was dieses Album regelrecht zu einen meditativen Erlebnis werden ließ. Nahe am Jazz, nahe an der modernen klassischen Musik - und irgendwie so weit weg davon. Hier wird der Stille Gestalt verliehen. Eine Platte, die die Zeit anhält und die Wahrnehmung verändert. Absolut Zeitlos.
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Da bringt der totgeglaubte TalkTalk Frontmann völlig unbeachtet des Restes der Welt eine Soloscheibe heraus, und man fragt sich nach dem hören warum überhaupt. Kommerziell mit den beiden letzten Talk Talk Alben Selbstmord begehend, aber musikalisch unsterblich geworden. Vielleicht will Mark Hollis uns damit aufmerksam machen, was doch für Schrott in der "Musikwelt" gehandelt wird. Vom Carisma hat er auf jeden Fall missionarische Ansätze, die er auch nie verborgen hat.
Nach dem hören dieser Scheibe, die eigentlich eine Fortsetzung der Diskographie von TT ist, wird man automatisch sensibeler gegenüber dem Mainstreamtrash, mit dem wir tagtäglich berieselt werden daß wir es eigentlich nicht mehr hörten. Und es wird Stille kostbarer, Stille auch in Form solcher wertvoller Alben wie dieses!
Eigentlich fällt mir keiner ein dem ich dieses Album empfehlen kann. Es ist nicht nur zum hören, sondern zum erleben wie geschaffen. Durch die Aufnahmetechnik und die Arrangements wird jedes noch so kleines Geräusch zum Bestandteil eines der faszinierenden Alben überhaupt.
Letztendlich ist es doch für Musikkenner, die nicht nach Schubladen hören, die wirklich hören, und die auf hohen Niveau entspannen wollen. Selten nimmt man eine CD nach dem hören so beeindruckt aus dem Spieler!
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am 22. August 2007
Schlicht "Mark Hollis" betitelt und dem Prinzip der Reduktion folgend sind alle Klänge und Worte auf diesem Werk sorgsam gewählt, wird der Stille viel Raum gelassen - und dennoch entsteht eine Atmosphäre unvergleichlicher Intensität und Nähe. Klavier, Standbass, akustische Gitarre, Holzbläser, kein elektrisch verstärktes Instrument ist beteiligt, die gesamte Musik nur mit zwei Raummikrofonen aufgenommen. Das Album braucht Zeit, viel Zeit und ist zugleich komplett aus der Zeit entrissen. Es ist weltentrückt und doch eine der wirklichsten Platten. Sie kommt völlig ohne Fassade aus, der Hörer bekommt den Eindruck, direkt in die Seele eines Menschen zu schauen, der mit der Welt und sich hadert. Dennoch ist das Album von einer Ruhe beseelt, die unmittelbar auf den Hörer übergeht, vorausgesetzt man ist in der Lage, sich auf dieses schwierige, oftmals dissonante Album einzulassen.

"Mark Hollis" entzieht sich allen Kategorien. Das erste Lied "The Colour of Spring" (das erst nach zwanzig Sekunden Stille beginnt) mag mit Sicherheit noch das greifbarste Stück sein, doch was in den sieben darauf folgenden Liedern passiert, ist nur schwer in Worte zu fassen. Einer der absoluten Höhepunkte ist das achtminütige A life (1895-1915), das wohl auch ein gewisser Frederik Hahn a.k.a. Torch zu schätzen wusste und zu einem herrlichen Sample in "Kapitel 29" verarbeitete.

A life (1895 - 1915)

Uniform
Dream cites freedom
Avow
Relent
Such suffering
Few certain
And here I lay

Es beginnt mit dissonanten Bläsern, die nach zwei Minuten von einem Kontrabass begleitet werden und nach einer furchtbar langen Zeit auch von der gehauchten Stimme Hollis, irgendwann auch ein Schlagzeug, bevor es schließlich in der Mitte des Stückes in einem mantraartigen Klaviermotiv gipfelt, das die vielen Stränge zusammenführt, allerdings wieder in sich zusammenbricht und sich der Dissonanz ergibt. A life endet schließlich wieder, wie es begonnen hat, lediglich mit einer Variation des Ausgangsmotivs und den kaum hörbaren Worten "and here I lay". Spätestens jetzt wird das der geneigte Hörer auch tun, auf der Wiese, im Bett oder auf dem Boden, erschlagen ob der Gewalt dieses leider viel zu wenig beachteten Jahrhundertalbums. Für den Musikbetrieb ist der melancholische Eigenbrödler wohl einfach zu leise, und so endet das Album auch wie es begann: nach den letzten Takten von "A new Jerusalem" folgt über eine Minute Stille...
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am 7. Juli 2001
der hörer dieses im doppelten sinne unfaßbaren werkes erlebt die eindrucksvolle und radikale fortsetzung dessen, was Mark Hollis zusammen mit Talk Talk begonnen hat. in einem interview sagte er, daß er gerne einmal die stille nur mit einem mikro einfangen möchte. die stille auf dieser CD läßt sehr viel raum für die phantasie des zuhörers. fernab irgendwelcher, von marktschreiern gepushten massenware, geht Mark Hollis seinen eigenen, anachronistischen weg. und dazu kann man ihn und seine zuhörer nur beglückwünschen.
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Mark Hollis, als Talk-Talker bekannt, hat 1998 noch eine CD nachgeschoben, als Solo-Musiker. Sparsam begleitet durch akustische Instrumente in völlig ungewöhnlichen Klangfarben, ist die Musik minimal, mit Jazzharmonien oder häufig eher scheinbar unauflöslichen Dissonanzen. Dazu Hollis' Stimme, und es ergibt eine beeindruckende Scheibe in der Nachfolge des Kassengifts "Laughing Stock", die ich mir leider erst jetzt gönnte - das wäre auch schon vorher eine Idee gewesen.

Empfehlung nicht nur für Fans auch der späten Talk-Talk-Scheiben ...
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am 13. Juli 2016
Ich schreibe sonst eher keine Produkt-Rezensionen, es muss aber diesmal wirklich sein! Die Laughing Stock kenne und liebe ich bereits seit 25 Jahren. Dass es da noch mehr in dieser Richtung gibt, war mir irgendwie nie bewusst... Nach langen Jahren war ich jetzt durch Zufall wieder auf Talk Talk aufmerksam geworden, und zwar durch das wunderbare "Shame"-Video, das an Charme und Witz ja wohl kaum zu übertreffen ist (das liegt an diesen bezaubernden Segelöhrchen!) Ich also ein bisschen eingetaucht in die Geschichte der Band und siehe da, da gibt es ja noch ein vergleichbares Vorgänger-Album, das schon vor der Laughing Stock entstanden war: Spirit of Eden. Traumhaft schön (mit einem kleinen Abstrich, weil ich Soul gar nichts abgewinnen kann, da ist mir "Wealth" einfach ein bisschen zu sehr in diese Richtung...). Dann natürlich gleich noch Mark Hollis Soloalbum besorgt. Was soll ich sagen. Mein absoluter Favorit "The daily planet": Toll, wie die Töne der Holzbläser am Anfang hin und her mäandern, sich langsam an die Melodie rantasten, sie schließlich gefunden haben, dann ein regelrecht penetrantes Wiederholen der Melodie, genial jazzig unterlegt durch das Schlagzeug. Wow! Ab und zu bilde ich mir bei dem Album auch ein, Anklänge von "King Crimson" rauszuhören, aber das ist ja beim Post-Rock öfters mal der Fall. Das Album läuft jetzt bei mir seit Wochen rauf und runter und hat mich so inspiriert, dass ich einen regelrechten Arbeitsflash bekommen habe (bin Künstlerin und habe hier und da schon mal mit kreativer Unlust zu kämpfen). Damit ist jetzt Schluss :-). Danke Mark Hollis, dass ich solchen Musikgenuss als altes Mädchen noch erleben darf!!! Dass sich Hollis nun nach diesem die Langsamkeit und Ruhe zelebrierenden Album ganz und gar in Schweigen hüllt, ist zwar bedauerlich, aber letzten Endes nur eine äusserst konsequente Fortführung dieser musikalischen Entwicklung...
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