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am 12. Mai 2008
Die Portugiesin Maria Joao Pires hat sich seit jeher im Konzertsaal rar gemacht, doch wenn man sich Einspielungen wie diese anhört, so wird einem doch rasch bewußt, welch herausragende Ergebnisse eine innige Beschäftigung mit einem Werk oder einem Zyklus ohne Zeitdruck doch hervorbringen kann. Auch im konkreten Fall muß der Pianistin die Abgeschiedenheit ihres portugiesischen Landsitzes offenbar sehr gut getan haben.
Wenn Sie bislang die alten Referenzaufnahmen von Rubinstein, Arrau oder auch Harasiewicz kennen, so werden Sie vielleicht überrascht sein, wieviel mehr Gefühl für den Klang Pires aufzubringen vermag. Während Arrau und Harasiewicz für ihren strukturellen Ansatz, der stets das ganze Werk im Auge behält, bekannt waren, so sind diese Interpretationen voll an den Details interessiert: ein scheinbar ewiges, phantastisches (im romantischen Sinne natürlich!) Dahinfließen der Melodien und ihrer Verzierungen, eingebettet in eine auf unnachahmliche Art und Weise balancierte Begleitung in der linken Hand. Selten klangen Chopins Nocturnes so "nächtlich" wie hier - ein am Rande des Meditativen befindlicher Anschlag und eine subtile Pedalisierung führen zu einem Ergebnis, das meines Erachtens nicht seinesgleichen hat. Wenn Sie einmal mit Maurizio Pollinis kürzlich vorgelegter Einspielung vergleichen, dann fällt sofort der kühle und nüchterne, ja asketische Stil des Italieners auf, der alles Sentimentale einfach ausblendet. Ob diese "moderne" Interpretation sich allerdings langfristig gegen die betörende Einspielung Pires' wird durchsetzen können, bleibt fraglich (und im Grunde genommen wäre dies auch nicht wünschenswert!). Keine Frage, daß Pollini eine Koryphäe in Sachen Chopin ist, aber die Nocturnes geraten in Pires' Deutung ungleich filigraner, transzendentaler und vor allem überzeugender. Unterm Strich bleibt somit festzuhalten, daß diese Aufnahme auf Augenhöhe mit Artur Rubinsteins Aufnahme steht - und das will etwas heißen!!!
Mein Tipp: hören Sie doch zuerst mal in das g-moll-Nocturne op. 37,1 rein und lassen sie sich verzaubern, bevor Sie zugreifen!
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am 18. September 2009
Manche Stücke kenne ich seit langem und lege sie beiseite, weil sie mir nicht zusagen. Dazu gehörten die Nocturnes von Chopin,trotz Artur Rubinstein, ich räume es ein. Ich habe Rubinstein immer bewundert, seine Interpretation der Chopin-Walzer sind ein nun plus ultra, mit seiner Interpretation der Nocturnes wurde ich nicht warm.

Vor kurzer Zeit hörte ich Pires, die einen Vertrauensvorschuss hat, weil sie so viele wunderbare Aufnahmen gemacht hat und ich nur weniges von ihr kenne, das mir gar nicht gefällt.

Plötzlich finde ich diese Musik interessant und bewegend.

Es ist nicht nur der immer delikate Anschlag der Pires.

Es ist auch die Haltung der Demut: der schliche Zugang zum Werk, das Zurücktreten hinter dem Komponisten.

Die zarte Melancholie, eine selbstverständliche ,gar nicht aufdringliche Virtuosität.

Die Nocturnes werden wohl nicht zu meinen Favorit-Stücken werden, aber dank der Interpretation von Maria Joao Pires konnte ich mich für die Stücke interessieren und sie auch durchhören.

Für Liebhaber der Klaviermusik von Chopin unbedingt zu empfehlen.
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am 24. Februar 2013
Diese Doppel-CD ist beeindruckend. Ich kenne keine bessere Interpretation der Nocturnes - so ausdrucksvoll, einfühlsam, immer die richtigen Tempi wählend. Dazu die herrliche Aufnamequalität! Einfach zurücklehnen, nichts als zuhören, und die Seele mitschwingen lassen...
11 Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Juli 2014
Diese nicht ganz preisgünstige Aufnahme wird hier recht unterschiedlich bewertet. Für mich sind diese Nocturnes das Nonplusultra des Chopin-Spiels, nur noch vergleichbar mit Krystian Zimerman oder Clara Haskil (1960 mit Igor Markevitch und dem Lamoureux-Orchester). Überragende Gestaltung, unfassbarer Klangsinn. Hören Sie nur einmal das große c-moll Stück (Nr. 13): aus ein paar Akkorden des Anfangs entwickelt sich ein nächtliches Drama, majestätisch und gnadenlos. So eindrucksvoll hat das für mich keiner der Großen (Rubinstein, Arrau) begriffen.
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am 1. Februar 2016
Unaufdringliche Kraft, Zurückhaltung wenn angebracht, Romantik wenn erforderlich, subtile Grundschwingung ..
Es mutet nicht wie eine weitere Interpretation an, schlicht wesentlich.
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am 4. Dezember 2009
Egal ob bei der Arbeit oder in der Freizeit: Chopin passt für mich immer. So habe ich zahlreiche CDs mit seinen Werken - da durfte auch diese Aufnahme nicht fehlen. Diese CD hat mir beim ersten (leisen) Hören auch wunderbar gefallen. Maria Joao Pires spielt die Stücke mit viel Leidenschaft. So kam es, dass ich mir die gesamte CD mal in etwas lauter über Kopfhörer angehört habe, um sie richtig zu genießen. Das war keine gute Idee. Wärend Frau Pires großes Talent am Klavir beweist, scheint sie große Probleme mit Kurzatmigkeit zu haben. Sie schnauft sich durch die Nocturnen wie durch einen Marathon. Statt einem satten Klangerlebnis bekommt man eine Aufnahme, die alle Mägel einer Live-Produktion aufweist.
Ich höre die CD nach wie vor leise bei der Arbeit, über Kopfhörer oder bei voller Lautstärke wird sie bei mir jedoch nicht mehr gespielt.
Ich kann diese CD musikalisch durchaus empfehlen (hier gibt es 5 von 5 Punkten). Auch für Fans von "Live-Feelings" ist sie vielleicht eine gute Wahl, da man das Gefühl hat, direkt neben der schnaufenden Musikerin zu sitzen. Schade - das gibt insgesamt nur 3 von 5 Punkten.
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