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am 17. März 2017
In den zehn Geschichten geht es um Mord, um körperliche Gebrechen und generell um Menschen, die aus ihrer Bahn geworfen werden. Alice Munro beschreibt menschliche Abgründe ohne zu werten oder zu psychologisieren.

Allerdings war mir die Titelgeschichte - die längste und einzige Erzählung, die auf einer realen Person beruht - zum Fertiglesen zu zäh ...
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am 26. Mai 2011
Sie gilt schon seit langem als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Gegenwart und wurde auch immer wieder im Zusammenhang mit dem Literaturnobelpreis als eine veritable Kandidatin genannt.

Die Rede ist von der 1931 in Ontario geborenen Autorin Alice Munro, deren Erzählungsbände in ihrem Heimatland Kanada und in der gesamten angelsächsischen Welt jedes Mal Rekordauflagen erzielen. Hierzulande haben Bücher mit Erzählungen und die gesamten Gattung leider weniger Erfolg. Das Publikum steht mehr auf Romanen. Doch das tut der Gattung der Erzählung viel Unrecht, wie auch der neue, hier vorliegenden Band mit zehn neuen Erzählungen von Alice Munro zeigt, der soeben bei S. Fischer in Frankfurt erschienen ist.

Immer wieder erzählt Alice Munro von Menschen, denen ihr Leben abhanden gekommen ist oder die es haarscharf verpasst haben. Immer wieder fasziniert sie die Liebe und die unsäglichen Mühsale, die meist mit ihr verbunden sind. Ihr literarisches und menschliches Vermögen, sich sensibel und fein in die Seelenzustände der von ihr beschriebenen Personen einzufühlen, macht die Lektüre ihrer Geschichten nicht nur einem literarischen Genuss, sondern gibt auch an manchen Stellen Gelegenheit zu ungeahnter Selbsterfahrung.

Eine begnadete Erzählerin, die die Tiefen menschlicher Existenz auslotet.
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am 20. Februar 2014
Alice Munro ist nix für mich. Die Geschichten haben vielleicht eine Moral, aber die erschließt sich mir nicht. Vielleicht weil sie kein Ende haben.
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TOP 500 REZENSENTam 5. Februar 2014
Hörbuchrezension
Dasselbe Cover wie bei dem Taschenbuch.
Derselbe Titel.
Derselbe Inhalt beim Blick-ins-Buch (alle 10 Erzählungen werden aufgeführt!!).
Dann kauft man sich das Hörbuch.
Schaut vor dem Auspacken auf die Rückseite und liest ,ungekürzte Lesung`.
Zugegeben 3 CDs mit einer Gesamtlänge von 207:02 scheinen etwas wenig zu sein, aber es steht ja ungekürzt da. Also macht man die Packung auf und entdeckt, dass pro CD nur eine einzige Erzählung enthalten ist.

Mein erster Gedanke:
Wie konnte ich mich so täuschen lassen?

Aber halt!
Einen kleinen Unterschied gibt es doch!
Auf dem Taschenbuch steht ,Zehn Erzählungen`.
Auf der CD-Hülle steht nur ,Erzählungen`.
Aha!
Daraus hätte ich dann wohl schließen müssen, dass ich nur 3 von 10 erhalte!

Lieber parlando Verlag,
Lieber Christian Brückner,
Unabhängig von der Qualität der Geschichten.
Unabhängig von einem ausgezeichnet gesprochenen Vortrag.
Diese Vorgehensweise ohne klare Ansage, dass man nur 3 von 10 erhält, empfinde ich als zahlender Kunde als Veräppelung.

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So, nachdem ich jetzt erst einmal meine Meinung zu den Vermarktungsstrategien des Parlando Verlages gesagt habe, noch meine Meinung zum Inhalt.

Bei den drei hier vorgelesenen Geschichten handelt es sich um DIMENSIONEN, ERZÄHLUNGEN und GESICHT. Allen gemeinsam ist, dass sie mit einer scheinbaren Idylle oder zumindest mit einem wohlwollend betrachteten Alltag beginnen. Ein gemächlicher, langsamer Start. Doch nach und nach gleiten die Geschichten ab. Die Fassaden bröckeln, Schattenseiten werden sichtbar.

Das Zimmermädchen in DIMENSIONEN, das sich auf einer Busfahrt befindet, um jemanden zu besuchen. Dieser Jemand ist kein anderer als ihr Mann, der Vater der gemeinsamen drei Kinder. Auch der Mörder dieser drei Kinder, der in einer geschlossenen Anstalt untergebracht ist. Die Musiklehrerin in ERZÄHLUNGEN. Eine gutbürgerliche Existenz haben sie und ihr Mann sich aufgebaut. Bis er, der Schreiner, ein Lehrmädchen bei sich aufnimmt. Eine junge Frau mit Kind, die einst alkoholabhängig war. Und eines Tages bemerkt die Ehefrau, dass ihr Mann dabei ist, sich in diese Person zu verlieben. Der Radiomoderator in GESICHT, der in einer wohlhabenden Familie aufwächst. Vom Vater ausgegrenzt wegen eines Muttermales auf seinem Gesicht, von der Mutter behütet. Seine beste Kindheitsfreundin: ein Mädchen, das in einem Haus auf dem Landsitz wohnt. Doch eines Tages will sie ihm gleich sein und bemalt ihr Gesicht, was dazu führt, dass die Mutter des Jungen die Fassung verliert.

Schicksalsschläge, der Verlust von vertrauten Bezugspersonen ... Alice Munro mutet ihren Figuren Leid und radikale Änderungen zu, bevor sie ihnen neue Hoffnung erlaubt. Während der eine Lebenstraum zerbricht, öffnet sich der Zugang zu einem anderen Lebensplan. Auslöser sind zum Beispiel unerwartete Ereignisse oder auch Begegnungen mit der Vergangenheit, die einen neuen Blickwinkel auf lang zurückliegende Ereignisse erlauben. Ein Entwicklungsprozess, wobei das Ende durchaus offen gestaltet ist. Der neue Lebensplan ist entdeckt, wie es weitergeht bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Bei Alice Munro ist der Weg das Ziel.

Dies mag auch mit ihrer eigenen Biografie zusammenhängen. Aufgewachsen auf der Silberfuchsfarm des Vaters, die jener jedoch aufgrund von wirtschaftlicher Bedrängnis aufgeben musste, um in einer Gießerei zu arbeiten. Die Mutter starb als Alice Munro zehn Jahre alt war. Ihr Journalismus-Studium konnte sie nicht beenden. Später starb ihre zweite Tochter kurz nach der Geburt. Auch bei Alice Munro zerbrachen Lebenspläne. Zähes Aushalten, Geduld und Beharrlichkeit führten sie auf anderen Pfaden zum Erfolg, der im vergangenen Jahr vom Literaturnobelpreis gekrönt wurde. Kein Wunder also, dass auch ihren Figuren kein einfacher, linearer Weg gewährt wird.

Bemerkenswert ist im Übrigen die liebevolle Darstellung der Figuren in Munros Geschichten, zB die Musiklehrerin, die ihre Schülerin aushorcht, um zu erfahren, wie ihr ehemaliger Mann und dessen neue Gefährtin leben. Ein eigentlich schäbiges Verhalten. Munro beschönigt es nicht, gleichzeitig urteilt sie aber auch nicht. Das Leben ist, was es ist. Menschen sind nicht perfekt. Sie versuchen sich durchzumogeln. Was geschehen ist, wird im Kontext des Vergangenen betrachtet. Wichtiger ist die Veränderung und der Ausblick auf eine andere Zukunft. In diesem Sinne drei überaus hoffnungsvolle Geschichten.

Müsste ich diese drei Geschichten alleine bewerten, so würde ich die vollen fünf Sterne vergeben. Auf jeden Fall hat mich dieses Hörbuch davon überzeugt, dass ich mir zusätzlich entweder das Taschenbuch oder die gebundene Ausgabe kaufe, um auch den Rest zu lesen.

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Zum Vorleser:
Der Vortrag der drei Erzählungen war hervorragend. Klar und deutlich. Abwechslungsreich. Lediglich auf der ersten CD gab es zwei, drei längere Pausen. Ob es sich hierbei aber um Fehler auf der CD oder ein technisches Problem mit meinem Abspielgerät handelt, kann ich nicht beurteilen.

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Bewertung:
Vermarktungsstrategien CD: 1 Stern
Inhalt (Geschichten und Vortrag): 5 Sterne
Ergibt im Mittel: 3 Sterne
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TOP 500 REZENSENTam 4. September 2011
Kurzgeschichten sind in der Regel nichts, was man "kurz" mal lesen kann. Kurzgeschichten gehören, falls sie einen literarischen Anspruch besitzen, zu den kompexesten Literaturgattungen überhaupt. Mit ihren Auslassungen, der ihnen eigenen Erzählweise, mit dem Punktuellen, das ihnen eigen ist, erfordern sie viel mehr "Mitarbeit" des Lesers als etwa eine gleich lange Romanpassage. Deswegen gibt es kaum große Autoren, die ihren Rang ausschließlich dieser Literaturgattung verdanken - die kanadische Schriftstellerin Alice Munroe ist die Ausnahme.
Worin liegen die Besonderheiten ihrer Literatur? Als literarischer Laie kann ich diese Frage natürlich nicht erschöpfend beantworten, mir ist aber am Beispiel des vorliegenden Buches ein Konstruktionsunterschied aufgefallen. Während gemeinhin bei vielen Kurzgeschichten die Protagonisten nur skizzenartig in Erscheinung tregten und vor einem oft nur angedeuteten literarischen Bühnenbild agieren, verwendet Munroe in ihren Erzählungen eine andere Technik. Bei ihr ist das "Bühnenbild", d. h. der Hintergrund der Erzählung superscharf herausgearbeitet, ihre Erzählweise gleicht in dieser Hinsicht einer Fotographie mit maximal geöffneter Blende - alles ist extrem konturiert, manchmal sogar die Nebenpersonen fast so differenziert wie die Hauptpersonen.
Auf dem Hintergrund dieser "weiten Blende" verfährt ihre Literatur wie ein Teleskop, das in das pralle Leben hineingehalten und wieder herausgezogen wird. Sie liefert anschauliche und authentische Realitätsausschnitte, oft ohne Anfang und Ende, und es gelingt ihr erstaunlich leicht, den Leser mit wenigen Skizzen mitten hinein in eine neue Geschichte zu ziehen. Die Geschichten selbst besitzen fast alle einen leicht schrägen Plot, von dem man sich fragt, wie er aufgelöst wird. Er wird aber in der Regel nicht aufgelöst. Die Erzählungen enden unvermittelt und lassen Fragen zurück - positiv gesagt: sie hinterlassen eine Leerstelle, die zu weiterem Nachdenken anregt.
Inhaltlich spielen Munroes Geschichten in dem vorliegenden Erzählband meist in einem ländlichen Umfeld und handeln von Abnabelung, Auflösung, Wegehen - Kinder verschwinden und gehen ihren eigenen Weg (Kent in "Tieflöcher" sowie Jon und Joyce in "Erzählungen"), sie werden umgebracht(in der Erzählung "Dimensionen" oder auch in "Gesicht"), oder sie tingeln haltlos durch ihre Existenz (etwa Nina in "Der Grat von Wenlock"). Diese ältere Generation wird verlassen, stirbt, versteinert wie Mr. Purvis oder bleibt einfach raltos zurück (wie Sally in "Tieflöcher") oder steht allein und hilflos Gewalttätern gegenüber ("Freie Radikale"). Die Titelgeschichte "Zu viel Glück" fällt dagegen etwas aus dem Rahmen, einfach, weil die Autorin sich bei dieser Erzählung nicht auf ihre Erfindungskraft verlassen konnte sondern ein historisch verbürgtes Lebensschicksal ( das der russischen Mathematikerin Sofie Kowalewska) erzählt.Ich persönlich halte sie nicht für die stärkste Erzählung des vorliegfenden Buches.
In formaler Hinsicht verzichtet Munroe auf den ganzen postmodernen Literaturkokolores sondern arbeitet mit traditionellen Vor- und Rückblenden, mit Verzögerungen und Auslassungen, anhand derer es ihr mehr als hinreichend gelingt, die Entfaltung der Geschichte in der Vorstellungswelt des Lesers mit einem Spannungsbogen zu versehen.
Kein Wunder, dass die zehn Geschichten des vorliegenden Buches komplexen Speisen, gleichen, die langsam und mit Pausen genossen werden wollen (Allein die letzte Geschichte fällt etwas aus dem Rahmen). Ich habe niemals mehr als eine Geschichte am Tag gelesen, einfach deswegen, weil die Vielfalt der Fragen und Problemstellungen, die die Erzählungen aufwerfen, reflexive Phasen nach der Lektüre unbedingt erforderlich machen. In diesem Aufrüttelungspotential, in diesem energischen Impuls zum Weiterdenken, den die Erzählungen von Alice Munroe beinhalten, liegt meiner Ansicht nach der besondere (belehrende und unterhaltende ) Wert ihrer Literatur.
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Glück ist eine sehr verletzliche Sache. Und "Zu viel Glück" besonders. So bewegen sich auch die unvergleichlich schönen Erzählungen der kanadischen Schriftstellerin Alice Munro auf einem sehr schmalen Grad zwischen dem, was Glück ist und irgendwann das Gegenteil davon. Nachzuprüfen in dem neuen Buch von Alice Munro: "Zu viel Glück".

Das Zimmermädchen Doree in der Erzählung "Dimensionen" musste es erfahren. Regelmäßig besucht sie ihren Mann in einer psychiatrischen Anstalt. Ist es Liebe, die sie zu langen Busfahrten veranlasst oder Fürsorge für ihren Mann...? Plötzlich aber kippt die Geschichte. Ihr Ehemann ist der Mörder ihrer drei gemeinsamen Kinder. Und die Besuche eine beinahe krankhafte psychische Abhängigkeit. Erst als Doree ein junges Unfallopfer wiederbelebt, kann sie sich aus dieser Abhängigkeit befreien.

Alice Munro, sie wird am 10. Juli 80 Jahre alt und regelmäßig als Nobelpreisanwärterin gehandelt, hat die Kunst der Story zu höchster Vollendung getrieben. Sie gilt als die beste Erzählerin weltweit. Dieses Attribut hat sie sich durch viele Erzählungen, viele Bücher erschrieben. Erzählungen, die ín einem oft lakonischen, unauffälligen Duktus daherkommen. Und die Story gerade und ohne Umwege auf den Punkt bringen.

Alice Munro erzählt fast teilnahmslos und ohne zu moralisieren von der jungen Frau, die sich dazu hergibt, einem alten Lustgreis nackt englische Gedichte vorzulesen. Auch diese junge Frau ist wie die vielen Frauen in Munros Erzählungen "auf dem Weg zu Taten, deren sie sich bisher nicht für fähig gehalten hätte".

Die Erzählung "Manche Frauen" beginnt mit dem dem Satz "Es verwundert mich mnachmal, wie alt ich bin". Und sie endet mit dem erstaunlichen Satz: "Ich wurde erwachsen und alt." Zwischen diesen beiden Sätzen erzählt sich die Geschichte auf sehr subtile und psychologisch raffinierte Weise: von der Aushilfspflegerin eines leukämiekranken Mannes und einer Masseurin, die dessen alte Mutter betreut und sich gleichzeitig dem Kranken auf seltsame Weise annähert. Die Munro konzentriert sich auf eine einzelne Episode und erfasst doch gleichzeitig einen ganzen Kosmos menschlicher Befindlichkeiten.

Es sind die Fragen nach der Vergänglichkeit der Zeit, es sind Lebensfragen, die von der Munro - letztlich aber vom Leser beantwortet werden müssen. Und das macht die Stories von Alice Munro so spannende und aufregend.

Nicht ganz glücklich wird der Leser mit der Titelgeschichte "Zu viel Glück". Sie spielt im Gegensatz zu allen anderen Erzählungen nicht in Kanada, sondern in Europa; und nicht im 20. Jahrhundert, sondern im 19. Jahrhundert. Auch handelt es sich um einen historischen Stoff, um die Geschichte einer russischen Mathematikerin und Schriftstellerin, die als erste Frau eine Professur erhält. Zu viel Glück - an dem sie scheitert. Dieser Erzählung fehlt etwas der typisch Munro'sche Ton und der ihr eigenen Fähigkeit zur Verknappung.

Trotz dieser kleinen kritischen Einschränkung sind diese Erzählungen durchweg zu loben - und zu empfehlen.
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am 22. November 2013
Auf die mittlerweile über 80jährige Kanadierin Alice Munro wurde ich erst durch die Verleihung des Literatur-Nobelpreises aufmerksam. Das Buch mit dem "Glück" im Titel habe ich mir als erstes vorgenommen, weil die Jahreslosung 2014 lautet "Gott nahe zu sein ist mein Glück" (Psalm 73,28). Von Gott und von der Religion findet sich in diesen Geschichten jedoch wenig; eher ist von Familien die Rede, oft von Frauen, die es mit ihren Männern oder ihren Kindern schwer haben. Ich nahm das Buch mit auf eine Bildungsreise, las es im Flugzeug und im Bus, und wurde mehrfach darauf angeprochen, auch vom streng blickenden Zollbeamten bei der Einreise: "Ah, you like to read. I don't read books. Maybe in all my life I read 10 books." Warum sagte er mir das am Zoll? Ist ein Buch in der Hand heute schon etwas so Außergewöhnliches, dass man etwas dazu sagen muss? Oder die freundlich wissenden Kommentare: "Sie lesen die Munro. Eine gute Schriftstellerin. Ich habe schon viel von ihr gelesen." Und ganz oft die freundlich wissenden Fragen: "Wie ist denn diese Alice Munro? Liest sie sich gut? Können Sie mir das Buch empfehlen?" Ich kam mir vor wie ein Kulturbotschafter für Literatur. Und spielte die Rolle mit diesem Buch in der Hand recht gern.

Gleich die erste Geschichte ist hart: "Dimensionen". Ein herschsüchtiger Ehemann tötet in einem Anfall von Wahn seine drei kleinen Kinder. Die Ehefrau kommt zunächst nicht von ihm los, besucht ihn weiter im Gefängnis - und wird erst frei und wieder lebendig, als ein überaschendes Ereignis sie aus ihrer verhängnisvollen Bindung an diesen kranken Mann löst. Besonders nachdenklich gemacht hat mich die feine, sehr zurückhaltend und sehr kurz gefasste Erzählung "Manche Frauen". Da ist von der Liebe eines leukämiekranken Mannes zu einer jungen Frau die Rede, die auf einer geistigen Ebene jenseits von Körperlichkeit und erotischem Begehren viel tiefer und umfassender ist als alles, was dieser Mann ein Leben lang in der Beziehung zu seiner Ehefrau erfahren hat. Und doch entscheidet er sich am Ende aus Liebe und Treue und Loyalität für seine Ehefrau und schickt die junge Betreuerin ohne eine Erklärung fort. Das so zu schreiben, dass ich es als männlicher Leser verstehe, dass es glaubwürdig klingt, das ist m.E. die große Kunst von Alice Munro.

Man muss die Geschichten jeweils in einem Rutsch lesen, weil sie oft einen unerwarteten Dreh, eine überraschende Wendung haben, die man nur versteht, wenn man Anfang und Mittelteil bis zum Ende gut im Kopf hat. Aber da fast alle Erzählungen nur 25-40 Seiten lang sind - die Titelerzählung umfasst 60 Seiten - ist das am-Stück-Lesen gerade auch auf der Reise gut möglich. Ich war erfreut, nach den schwierigen Nobelpreisträgern der letzten Jahre (Mario Vargas Llosa, Elfriede Jelinek, Mo Yan) in Alice Munro endlich einmal eine Preisträgerin kennenzulernen, die mich sehr anspricht, die in einer klaren Sprache interessante und spannende Dinge aus dem ganz normalen Leben erzählt. Ja, ich kann dieses Buch wärmstens weiterempfehlen. Es liest sich gut, und es hat Niveau.
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TOP 500 REZENSENTam 22. Juli 2011
'Mal davon abgesehen, dass Erzählungen nicht nur von mir, sondern auch sonst in der grossen Leserschaft nicht zu den grossen Favoriten gehört, lesen wir konzentriertes Destillat an Literarischem, dass man nur häppchenweise geniessen kann, zumindest mir ging es so. Ihre 10 Erzählungen, die alle irgendwo zwischen 20 und 70 Seiten liegen, empfand ich dermassen konzentriert, dass ich jeweils dazwischen eine Pause machen musste, um das Gelesene zu reflektieren. Die konzentrierten Erzählungen sind wie kleine Romane. Als ob die darin geschilderten Personen vom Leser verlangen würden, sich noch ein wenig mit ihnen zu beschäftigen...

Jede Erzählung darin, ist wie ein kleines Universum. Viele Passagen musste ich nochmal nachlesen, als ob ich diese konzentrierte Form, gar nicht voll aufnehmen konnte. Die Menschen darin, oft sind die Hauptprotagonisten Frauen, geben sich unheimlich Mühe, um in ihrem Leben glücklich sein zu können, doch oft scheitern sie im Leben. Umstände die nicht zu beeinflussen sind, Wertigkeiten die sich verändern, Verbindungen die zerbrechen, ein Leben das die Menschen wie zu verschlucken scheint. Munro zeichnet Lebenspläne, Lebensträume, die nicht selten von Veränderungen heimgesucht werden, Beziehungen und Lieben, die einfach nicht glücken wollen. Munro zeichnet Menschen, zwischen Angepasstheit und Selbstbestimmung, genauso wie zwischen der Gratwanderung von Lebensglück und Lebensschicksal, oder Licht und Schatten.

Drei Erzählungen kurz anskizziert:

In der Erzählung "Dimension" schreibt Munro von einer Mutter mit 3 Kindern, und einem geistesgestörten Mann. Nach einer schlimmen Tat, scheint das Leben von Doree wie leer - und inhaltlos geworden. Ihr Mann Lloyd kommt dafür ins Gefängnis - wo sie ihn besuchen kommt. Doch mündlich kann sich Lloyd nie so gut ausdrücken, wie im Schriftlichen, deshalb beginnt er ihr Briefe zu schreiben, die zwischen krank und philosophisch klingen. Munro zeichnet hier ein Bild einer Frau, deren Leben durch Schicksalsschläge und dramatische Geschehnisse aufs Tiefste erschüttert wird. Das Ganze wirkt dicht, konzentriert, gehaltvoll, dass man zwischen jeder Erzählung eine kleine Auszeit nehmen möchte, um das Erzählte für sich selbst zu reflektieren.

In der Erzählung "Erzählungen" schreibt Munro von der Vergänglichkeit in Beziehungen. Joyce ist eine sensible Frau. Ein kurzer Blick auf ihr Leben, erzählt etwas von ihrer Scheuheit, von ihrer Sensibilität, von ihrer verletzlichen Einsamkeit. Munro packt hier soviele Veränderungen und Personen hinein, dass die ganze Erzählung etwas unübersichtlich wirkte. Munro zeichnet ganze Zeit-und Geschehnisbögen auf. Die geschilderte Musiklehrerin, erkennt eines Tages auf einer Autorenlesung eine ehemalige Musikschülerin wieder..

In der Erzählung "Kinderspiel" schildert Munro einen an Leukämie erkrankten Sterbenden und deren Familie. Die Ich-Erzählerin ist eine Pflegerin. Dazu kommt eine aufheiternde Masseurin. Munro bindet hier die Schilderung eines Jugendverbrechens zweier Mädchen mit ein. Eine Erzählung die über Kindheit, Schulzeit, Aufwachsen und Erwachsenwerden etwas zu sagen hat. Ein feinfühliger Blick wird darauf geworfen, wie ehemalige Jugendsünden, beim Sterben an die Oberfläche kommen können.

Fazit: Munro beschreibt jenes Leben und jene Realität, die manchmal weh tut. In ihren geschilderten Lebensverläufen, finden wir oft das Scheitern, und jene Verluste im Leben, die uns Menschen am tiefsten treffen. Ein begnadete Autorin, die ihre Leserschaft zu fordern vermag. Manchmal mit der Tendenz zur Unübersichtlichkeit, etwa wenn sehr viele Personen ins Spiel kommen. (Namensliste anlegen lohnt sich). In der allzu grosszügigen Weitläufigkeit kann man sich schon mal beim Lesen verlieren...Munros Erzählungen sind von der Brüchigkeit und der Vergänglichkeit im Leben durchdrungen. Der Leser ist geneigt bestimmt Passagen oder ganze Passagen nochmal nachzulesen. Ihre Erzählungen hallen in der Selbstreflektion nach wie Echos. Ihre Charakterzeichnungen zeugen von hoher Sensibilität.

Eine klasse Autorin, die von den Lebenserschütterungen im Leben erzählt, die nicht selten verborgen nah, an den allzumenschlichen Abgründen liegen. Veränderungen, Vergänglichkeit, Lebenspläne, Lebensträume, Schicksalverläufe, Lebensrealitäten, Beziehungsveränderungen, Enttäuschungen, Lebensgefahren, Lebensabrisse, Jugendsünden, innere Neigungen und Sehnsüchte sind der Stoff, aus dem Alice Munro ihre Erzählungen sprechen lässt. Ob ich nun zum grossen Munro-Anhänger werde, bezweifle ich, doch hat der vorliegende Band, mich nachhaltig beeindruckt. Alice Munro kann den Leser in seinem Wesenskern erreichen, dass alleine schon, zeigt dann doch etwas von der Klasse, dieser kanadischen Schriftstellerin, die gerade 80 Jahre geworden ist...

Die letzte und umfangreichste Erzählung (70 Seiten) in diesem Band ist die Erzählung "Zu viel Glück", die Titelgeschichte also. Die ganze Erzählung wirkte für mich so gezwungen, dass man geneigt ist, zu denken, Alice Munro hätte hier besser einen Roman geschrieben. Eine biographische Aufarbeitung der Schriftstellerin und Mathematikerin Sofia Kowalewskaja, die auch in der angehängten Danksagung erwähnt wird. Ich hatte damit meine Mühe und Verständnisprobleme, wofür ich auch einen Stern abziehe. (Leser fragen mich immer wieder, warum ich Sterne in meinen Bewertungen abziehe, hier sei einmal ein Grund genannt.)

Eigentlich weiss man nie genau, wie man bei Alice Munro aus einer Erzählung entlassen wird, das Ende ist bei ihr eigentlich nie wirklich voraussehbar!
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am 18. Dezember 2013
Die Erzählungen von Alice Munro erinnern mich an die der alten Meisterin Tania Blixen. Jede Geschichte ist anders,jede hat anders geartete Helden, andere Lebensumstände. Frauen spielen die Hauptrolle, dennoch ist die Autorin weit von der üblichen Frauenliteratur entfernt, darum dürften die feinfühlig aber spannend erzählten Storys auch Männer interessieren. Obwohl die Themen modern sind, werden sie sicherlich unser Jahrzehnt überleben, weil sich menschliche Gefühle und Probleme kaum verändern werden. Da es sich um Erzählungen mittleren Umfangs handelt, kommen sie unserer schnelllebigen Zeit entgegen, in der die umfangreichen Romane nicht immer bis zur letzten Seite gelesen werden. Insgesamt meine ich, dass die Juroren der Nobelpreisverleihung eine gute Wahl getroffen haben.
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VINE-PRODUKTTESTERam 16. Juli 2014
Sie erzählt wirklich sehr anschaulich und dazu nehmen die einzelnen Geschichten immer interessante Wendungen, sind unvorhersehbar in ihrem Ausgang und Verlauf und das macht die Lektüre so faszinierend.
Manches bleibt im Kopf, klingt nach, anderes wirft Fragen auf und kommt in Bruchstsücken wieder ins Gedächtnis nach der Lektüre.
Am schwersten fand ich die letzte Erzählung mit dem Titel "Zu viel Glück", da wurde es mir zu verwirrend irgendwann. Aber vielleicht lese ich sie beim nächsten Mal schon anders.
Ich habe die Erzählungen gern gelesen. Fand es aber nicht so gut, aus dem Erzählfluss zu kommen. Also am besten eine Erzählung in einem Schub durchlesen ...
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