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am 15. Februar 2013
Der Autor zeichnet den Lebensweg von Nofretete nach und widerspricht der lange vertretenen Meinung, daß sie noch vor Echnaton aus der Geschichte verschwunden wäre. Er zieht das Buch auf wie den Beweis einer wissenschaftlichen These und führt alles an, was diese unterstützt. Dazu gehören zahlreiche bekannte "Bilder" oder Zeichnungen wie auch neuere Texte und moderne Genanalysen an den Mumien. Damit kann er den Zeitraum von Nofretetes Jugend bis zur ihrer Zeit als Witwe und Pharaonin (mit anderem Namen) überbrücken. Er geht auch auf die "verzwickten Familienverhältnisse" am Königshof ein.
Das 180-seitige Buch ist interessant, spannend und informativ; es bietet am Ende noch einige geschichtliche Übersichten. Ein Spiegel-Artikel (49/12) baut auf diesem Buch auf.
Man darf hier aber keine eindrucksvollen Bilder wie in Ausstellungskatalogen erwarten. Alles (außer dem Einband) ist nur schwarzweiß. Manche "Bilder" oder Reliefs sind lediglich Skizzen zur Verdeutlichung des Textes und entsprechend karg. Vermißt habe ich eine Beschreibung ihrer Kartusche(n).
Selbst das Titelbild von Nofretete (die Büste aus Berlin) zeigt nicht eine makellose Gottkönigin, sondern eher realistisch die Pharaonin aus ihrer letzten Lebensphase. Sie wirkt als kühle Herrscherin mit schweren Augenlidern. Der Unterschied zu den vollendet anmutigen Kanopen-Büsten aus dieser Zeit ist groß.
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TOP 500 REZENSENTam 27. Dezember 2012
Wer kennt sie nicht, die faszinierende Büste der geheimnisvollen Nofretete?
Zum 100 Jahrestag (6.12.1912) der Entdeckung der Büste Nofretetes, geistert die Dame nun durch die Medien.
Dr. Franz Maciejewski, Kulturwissenschftler, freier Autor und Verfasser eines weiteren Echnaton-Buches, stellt nun, 100 Jahre nach dem Auffinden durch die Borchardt-Expedition, dessen Borchardts Aussage in Frage: "Aus Beschreiben nützt nichts, ansehen!" wird nun "Anschauen reicht nicht, beschreiben!". Denn: Nofretete ("die Schöne ist gekommen") ist viel mehr, als nur schön anzusehen. Sie auf ihren Eros zu reduzieren wäre zu kurz gegriffen. Sie ist eine Frau mit politischen Ambitionen. Nach Hatschepsut ist sie die zweite Frau in der Geschichte des Alten Ägyptens, die den Thron besteigt.
Um seine Thesen zu untermauern greift der Autor auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse der DNA-Analysen zurück und entwirft ein lebendiges Bild einer längst vergangenen Epoche.

Nofretetes Auftritt als zukünftige Große Gemahlin des jungen Pharao Amenophis IV. war von langer Hand geplant. Ihre Tante Teje, zugleich Amenophis Mutter, inszenierte und erschuf die Herrscherin. Geschickt bereitet sie in den drei Jahren ihrer Regentschaft den grandiosen Auftritt der jungen Frau vor... Zunächst kommt Nofretete dadurch eine starke, nahezu gleichberechtigte Rolle zu. Doch um das Jahr fünf seiner Regentschaft bekennt sich Amenophis zum Monotheismus. Er wird zu Echnaton (Geist des Aton), gründet eine neue Stadt Achet-Aton (Horizont des Aton), das heutige Amarna. Dies lässt ihn aus dem Schatten der zwei starken Frauen an seiner Seite heraustreten. Nofretes Rolle wandelt sich, nicht zuletzt durch ihre beständige Mutterschaft: sechs Kinder in 10 Jahren, das kostet Kraft. Leider nur Mädchen. Und das, nachdem Nofretete als dritte Frau in Folge auf dem Thron, derer aus dem Haus Kuja, sehr starke dynastische Interessen hat. So kommt es zu einem legendären inzestuösen Wechselspiel. Echnaton hat diverse Töchter, u.a. mit seiner Mutter, seiner Schwester und seinen Töchtern. Doch den ersehnten Sohn schenkt ihm erst seine Schwester, die bereits ein Kind mit dem Vater hat: Satamun/Kija. Nach der Geburt Tuanchatons - der legändere Tutanchamun - stirbt sie. Mord oder natürlicher Tod?

Gelungen zeichnet der Autor das Bild einer längst vergangenen Epoche. Schlüssig und eingängig formuliert er seine Thesen. Greift dabei auf neueste Erkenntnisse zurück und veranschaulicht Aussagen gelungen durch Einbeziehung diverser Zeichnungen. Abgerundet wird das Gesamtbild durch die Einfügung zahlreicher Kästen, die die Hintergründe beleuchten (z.B. das Haus Juja, religiöse Verfolgung unter Echnaton...). Auch der Anhang bringt Licht ins Dunkel der Zeit und ist höchst informativ.
Sprachlich überzeugt das 160-seitige Büchlein weitestgehend. In kurzen knappen Sätzen, weder zu abgehoben, noch zu weichgespült, lässt er diese kurze, monotheistische Phase der altägyptischen Geschichte - mitsamt ihrer faszinierenden Regentin - aufleben. Einzig und allein der häufige Gebrauch anbiedernder Anglizismen, die das Ganze wohl etwas populistischer machen sollen, war m.E. fehl am Platz. Da ist man von "Manpower" und den "Royals" die Rede; Nofretete mutiert zu "everbody`s darling" und Echnaton zum "frontman der Royals". Wenn ich etwas über die Queen und Konsorten lesen will, bitte gut; aber hier: nein, danke!

Gegen Ende beschlich mich ein leicht ambivalentes Gefühl: Nun wissen wir zwar, dass Borchardt nicht recht hatte. ABER: Was hat Nofretete eigentlich aktiv (über junge Jahre hinweg) geleistet, um dem Image der Herrscherin zu entsprechen? Zu der Position kam sie aufgrund ihrer Abstammung, dann wurde sie durch die Emanzipation Echnatons an den Rand gedrängt, bis sie in ihrer Schwägerin ihre Nemesis fand. Erst durch deren Tod gewinnt sie an Macht.Stellenweise bleibt mir Nofretete zu sehr auf der Strecke. Statt von ihren aktiven Taten zu berichten, die belegen, dass sie eben nicht nur ein schönes Gesicht hat, werden Tejes, Echnatons und Satamuns Taten fokussiert, um die Rolle der Nofretete zu definieren. Doch ihr großer Auftritt folgt im letzten Drittel!

Fazit: Interessant und anschaulich wird Wissenswertes vermittelt. Für Ägypten-/Nofretete-Interessierte sicherlich äußerst empfehlenswert!
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