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am 3. Januar 2011
Der Autor reiht scheinbar willkürlich Textbeispiele aneinander, die den Leser zu verschiedenen Autorenfehlern führen sollen. Einige Beispiele sind gut gelungen, die dazugehörige Aufarbeitung ebenfalls. Ein Beispiel einer gelungenen Textprobe mit Besprechung findet sich unter dem Abschnitt "Hände aus Licht". Dieser vorgestellte Text ist nicht ganz daneben, der einzige wirklich auffällige Fehler, der auch in der folgenden Textbesprechung von Roentgen aufgezeigt wird, ist der Bruch der Erzählstimme. Guter Text, gut nachbesprochen - ein nützlicher Tipp.

Andere Textproben strotzen derartig vor Mängeln, dass man gar nicht weiß, was an diesem Text nicht demonstriert werden soll. Und tatsächlich werden vom Autor bei diesen mehrere (oft schon behandelte) Fehler aufgezeigt. Die Assoziation: Operation gelungen, Patient tot, drängt sich auf.

Die Buchidee finde ich grundsätzlich gut, allerdings liegt es in der Natur der Sache, dass dieses Konzept nicht an die Systematik eines James N. Frey (Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, Bd.1) heran reicht. Ob das in der Absicht des Autors lag, sei dahingestellt. Mich persönlich hat die willkürliche Aneinanderreihung von Themen, bei denen weder Zusammenhänge untereinander aufgezeigt wurden, noch der Versuch erkennbar ist, sie in ein didaktisches Konzept zu packen, nicht vom Hocker gerissen.

Einen Mangel sehe ich außerdem in der Art, wie Textbeispiele verbessert werden bzw. in der Art wie diese Verbesserungen oft so gar nicht überzeugen können. Ein Beispiel dafür ist die in allen Autorenratgebern Länge mal Breite besprochene "Don`t tell, show"-Problematik. Der Autor demonstriert diesen Fehler anhand eines Textes, in dem es um einen nonkonformistischen Lehrer in der DDR geht, der die Grenzöffnung erlebt. Es folgt eine Szene, in der der Protagonist zu dem offenen Grenzübergang geht, wo er Menschenmassen zu Fuß und im Auto findet. Diese Szene wird im Originaltext u.a. so beschrieben:

(...) Die Fahrbahn war mit laufenden Menschen verstopft. Scheinwerfer, Hupen - Autos kamen nicht weiter. Manch einer ließ sein Fahrzeug stehen wo es stand und lief mit. (...)

Roentgen kritisiert hier, dass zu viel mitgeteilt wird und keine Bilder erzeugt werden. (Wo er recht hat, hat er recht.) Er rät am Ende einer Abhandlung, die sich über eine ganze Seite zieht, man solle die Szene vor sich sehen, Bilder entstehen lassen, Farben vor sich sehen u.s.w. Er schließt mit einer Verbesserung der Szene, die sich so liest:

"Vor Henning stieg ein Mann mit rotem Pullover aus dem Trabi. Er schloss nicht mal die Tür, sondern reihte sich einfach in den Strom der Fußgänger ein. Der Fahrer hinter ihm hupte, aber der Mann drehte sich nicht um. Da stieg auch der andere aus und ging zu Fuß weiter."

Auch in dieser kurzen Neugestaltung des Textes teilt der Autor vor allem mit und erzeugt keine Bilder. Ein roter Pullover alleine macht das Kraut auch nicht fett. Er zeigt, dass auch er selbst seine Schwierigkeiten mit diesem Problem hat, ganz abgesehen, dass ich persönlich da sogar den Originaltext besser finde.

Gerade bei solchen Dingen zeigt sich ein Qualitätsunterschied zu dem oben zitierten J.N. Frey. Bei diesem merkt man, dass er das Handwerk beherrscht, über das er schreibt, beim Autor dieses Buchs merkt man das oft nicht. Roentgen selbst räumt diese Tatsache manchmal selbst ein, in dem er auf Seite 113 zu einem von ihm bearbeiteten Text schreibt: "Besser? Zumindest glaubhafter."

Propheten erkennt man an ihren Früchten, steht in der Bibel. Das ist eine 2000 Jahre alte Weisheit, die in jeder Zeit aktuell ist. Wenn jemand einen Schreibratgeber schreibt, in dem ausschließlich Belletristik behandelt wird, sollte er selbst auch schon einen ebensolchen Roman verfasst haben. Der Informatiker Roentgen hat, wie aus der Vita hervorgeht, zwei Computer-Fachbücher geschrieben. Qualifiziert ihn das um einen solchen Ratgeber zu verfassen?

Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass die Kritik selbst sehr treffend ist. Vielleicht ist es ja wie bei den Kritikern im Allgemeinen: Wer nicht kochen kann, wird Restaurantkritiker, wer nicht Schauspielen kann, wird Theaterkritiker.

Drei Sterne für einige nützliche Tipps, aber für ein Buch, das an vergleichbare Werke nicht heranreicht. Ein Stern Abzug gibt es noch für den Schluss des Buchs, in dem der Autor seine Qualifikation beschreibt. Er erwähnt, er würde einige Autoren "coachen". Es wird der Eindruck erzeugt, es handle sich dabei um etablierte Schriftsteller, vergleichbar mit Sportlern, die ihn als Trainer beschäftigen. Tatsächlich handelt es sich bei dem "coaching" um eine seiner Dienstleistungen für Jedermann, mit denen Roentgen offensichtlich seine Rente aufbessern will. Gut - die Eigenwerbung hält sich in Grenzen, aber glaubwürdiger macht sie ihn auch nicht.
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am 4. April 2015
Es stimmt: Vier Seiten reichen. Auch bei einem Sachbuch lässt sich meist schon auf der vierten Textseite sagen, ob es ein Werk von Rang ist – wie Aristoteles‘ Poetik, Lessings Hamburgische Dramaturgie oder McKees Story – oder eines der zahllosen Absonderungen á la „Wie man in 14 Tagen 20 Kilo abnimmt und dabei ein verdammt gutes Drehbuch schreibt“.

Gerade die ersten vier Seiten DIESES Buches erfüllen leider nicht die eigene Forderung, den Leser neugierig zu machen und ihm Vertrauen in die Kompetenz des Autors zu geben... Schon im ersten Absatz des Vorwortes (und mit nervtötender Penetranz durch das ganze Buch) bezeichnet Roentgen Figuren in bestem Amtsdeutsch als „Personen“.

Dann findet man auf der zweiten Textseite diesen Schachtelsatz: „Sonst verliert der Autor, vor allem der unerfahrene, den Überblick.“. Besser wäre natürlich: „Sonst verliert der Autor den Überblick, vor allem der unerfahrene.“.

Dabei hat das Buch seine Qualität. Die Fragen, die Roentgen anhand der Textbeispiele konkret bearbeitet, zeigen durchaus Know How: Aktiv schreiben, zeigen statt behaupten, Konflikt Konflikt Konflikt, Recherche, richtige Erzählperspektive... Besonders gefallen hat mir der Hinweis, dass man den inneren Zensor nicht zu früh plärren lassen soll. Von dieser Haltung hätte ich mir mehr gewünscht. Immerhin: Wenn man das Buch nach vier Seiten noch nicht in die Ecke gepfeffert hat, lohnt es sich tatsächlich – trotz einiger Schwächen.

In der Frage des Tempus sagt Roentgen: „Doch mittlerweile wird auch die Gegenwart als Erzählzeit akzeptiert.“ (Seite 57). Mittlerweile? Erich Maria Remarque hat den historischen Präsenz schon in seinem Buch „Im Westen nichts Neues“ als wesentliche Erzählzeit benutzt. Das war 1929. Herr Roentgen kennt das Buch, er erwähnt es selbst an zwei Stellen (Seite 80 und 89).

Und weiter: Wiederholungen seien wie Chili, mit Vorsicht zu dosieren. „Und das, was wiederholt wird, sollte stark genug sein, die Wiederholung zu rechtfertigen.“ (Seite 102) Roentgen selbst bringt den Witz vom Preußen, der den Wiener nach dem Weg zur Philharmonie fragt und die Antwort „Üben, üben, üben“ bekommt zwei Mal: Auf Seite 6 und auf Seite 129. Lustig?

Und weiter: Dann steht auf Seite 45, Goethe hätte sich bei seinem Faust von einem „Kolportageroman aus dem achtzehnten Jahrhundert inspirieren lassen.“ Bekanntlich war der Kolportagebuchhandel eine Erfindung des späten neunzehnten Jahrhunderts.

Und weiter: „Nach dem Anschlag vom 9.11. in New York (...) und dem missglückten in Köln?“ (Seite 39). Nanu, finden wir, dass ein Terroranschlag missglücken kann?

Krümelkackerei? Nein. Das ist alles nämlich geschenkt. Diese Fragen beleuchten gar nicht das eigentliche Problem des Buches. Das Kernproblem ist, dass der gewählte Ansatz begrenzt bleibt. Daran ändert sich auch bis zum Schluss nichts, wenn man tatsächlich bis zum Glossar liest (das aus unerfindlichen Gründen „Lexikon“ genannt wird). Die Analyse bearbeitet nur den mittleren, allgemeinen Bereich und blendet das Große wie das Kleine aus: Den Stoff und die Geschichte, andererseits aber auch den Stil und die Sprache.

Es ist das Eine, dass die Sprache kein Thema ist. Rhythmus, Satzlängen, Absätze – über all dies kein Wort. Abgesehen von den Hinweisen zu Adjektiven und Adverbien und zu toten Verben behandelt Herr Roentgen diese Frage nach eigenem Bekunden stiefmütterlich („Ich habe vergleichsweise selten Kritik zum Stil abgegeben.“ Seite 125). Fragen der Formulierungen seien sinnlos, so lange man noch umschreibe. Das stimmt natürlich (andererseits: vier schlecht geschriebene Seiten sind vier schlecht geschriebene Seiten – oder?).

Doch es wird ein echter Mangel, wenn der Autor im gleichen Atemzug auch die Frage nach dem Stoff, dem Inhalt, der gesamten Geschichte ausblendet. Dramaturgie scheint keine Rolle zu spielen; erst im Glossar – pardon, im Lexikon, Seite 138 – erwähnt Herr Roentgen, dass es so etwas wie Wendepunkte gibt (zu allem Unglück benutzt er den Syd-Field-Ausdruck Plot Point).

Doch worum geht es beim Schreiben überhaupt? Und, was das betrifft, bei der Arbeit eines genuinen Lektors? Relevanz des Stoffs? Dramaturgie? (Epik, Dramatik, nouveau roman... hallo, jemand zu Hause?). Den springenden Punkt übersieht Herr Roentgen leider: Dass eine fragmentierte Sichtweise immer zu fragmentierten Lösungen führt. Dass Inhalt die Form prägt, nicht umgekehrt. Der Witz dieses Buches wäre doch gewesen, anhand der ersten vier Seiten die verdammte Substanz eines Romans zu erkennen. Wenn das nicht möglich ist – wozu dann das Ganze?
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