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am 23. Dezember 2009
"Es gibt zwei Arten von Malerinnen: Die einen möchten heiraten, und die anderen haben auch kein Talent", hieß es in der Satirezeitschrift Simplicissimus anno 1901 - glücklicherweise war dem nicht so. Schweren Herzens ließ etwa der kunstsinnige Vater Westhoff seine erst siebzehnjährige Tochter Clara, die spätere Ehefrau des Dichters Rainer Maria Rilke, von Bremen nach München ziehen. Malerin wollte das selbstbewusste und talentierte Mädchen werden. Und schon ein Jahr später berichtete Clara ihren Eltern stolz, "dass ich ein Malweib geworden bin... Ein regelrechtes emanzipiertes Fin-de-siecle-Weib." Eine solche Chance zu erhalten, war alles andere als selbstverständlich. Um 1900 mussten Frauen und Mädchen, die sich in der Malerei ausbilden bzw. weiterbilden wollten, große Hindernisse überwinden, um ihren Traum leben zu können. Ein akademisches Studium war dem weiblichen Geschlecht zumeist noch verwehrt, eine Professionalisierung aus gesellschaftlichen Gründen undenkbar, der Berufswunsch Künstlerin gänzlich inakzeptabel. Der Weg an die Staffelei führte dementsprechend fast immer über private Ausbildungsinstitute etwa in München oder Paris.
Das Buch widmet sich jenen Frauen, die diesen Weg mutig und entschlossen gegangen sind, die beharrlich gegen gesellschaftliche Schranken protestiert und sich dem Gespött der Leute nicht gebeugt haben. Viele der Künstlerinnen stammten aus dem (Groß-)Bürgertum und konnten auf die Unterstützung ihrer Eltern zählen. Andere mussten das Elternhaus verlassen und ohne finanziellen Rückhalt ins Ausland gehen, um sich selbst verwirklichen zu können. Nicht wenige Künstlerinnen haben auf einen Mann oder auf Kinder verzichtet, um ganz für ihre Kunst zu leben. Der große Durchbruch war jedoch nur wenigen vergönnt. Das Publikum war irritiert und die Kritik verriss frühe Arbeiten etwa einer Paula Modersohn-Becker als "unqualifizierte Leistungen" oder "unreife Schülerarbeiten", die mit Begriffen einer reinlichen Sprache gar nicht zu beschreiben seien. Doch gerade der Hohn und heftige Gegenwind, der ihnen entgegen blies, bestärkte viele Künstlerinnen.
Das Buch beschreibt die wichtigsten Künstlerkolonien und Kunstzentren wie Worpswede und Berlin. Jede der über vierzig porträtierten Künstlerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wird in einer Kurzbiographie vorgestellt. Die Lebensgeschichten der Frauen sind so fesselnd wie ihre Werke. Nachzulesen ist auch das Schicksal vieler jüdischer Malerinnen: Die Wienerin Marie-Louise von Motesiczky, deren Großmutter Anna von Lieben eine der ersten Patientinnen von Sigmund Freud gewesen war, besuchte die Meisterklasse von Max Beckmann. 1938 nach England emigriert, wurde sie erst im Exil berühmt. Die in Hamburg als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie geborene Anita Ree, die in Paris bei Fernand Leger gelernt hatte, nahm sich, durch politische und private Umstände isoliert und depressiv, 1933 auf Sylt das Leben. Ungewöhnlich ist es, dass auch Leben und Werk der bekannten Dichterin Else Lasker-Schüler und das der Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff in dem Bildband nachgezeichnet werden - wohlgemerkt jeweils in ihrer eher wenig bekannten Eigenschaft als Malerin. Sogar eine der wichtigsten Vertreterinnen der Art Brut, Aloise Corbaz, ist dabei: Sie, eine einstige Gouvernante am Hof des deutschen Kaisers, lebte als schizophrene Patientin fast ein halbes Jahrhundert in psychiatrischen Krankenhäusern, wo ihr anspielungsreiches und auffallend farbenfrohes Werk entstand.
Ungemein informativ, kenntnisreich und zugleich kurzweilig präsentieren Katja Behling und Anke Mangold die Lebensgeschichten der Frauen. Fotografien, Selbstportraits und Abbildungen der Kunstwerke ergänzen die Texte. Die Werke werden in den kunsthistorischen Kontext eingebettet. Durch die Beschreibung der sozialen Kontakte der Künstlerinnen untereinander oder auch zu ihren männlichen Kollegen erhält der Leser einen umfangreichen Überblick über das zeitgenössische Kunstgeschehen, persönliche Beziehungen und gegenseitige Inspirationen. Sehr angenehm auch, dass die Autorinnen den Bogen nicht überspannen, nicht gleich jede Künstlerin zum unentdeckten und (von Männern) unterdrückten Genie verklären. Sie lassen das jeweilige Werk und die Lebensgeschichte vielmehr für sich selbst sprechen. Doch große Sympathie für die Künstlerinnen ist zwischen den Zeilen immer wieder deutlich zu spüren. Alles in allem eine außerordentlich gelungene Publikation, die eine Lücke in der bisherigen Darstellung des Beitrags von Frauen in der Kunstgeschichte schließt. Kein Wunder, dass es dieser Bildband bis auf Platz 1 der Kunst-Bestsellerliste brachte - er ist zudem einfach wunderbar zu lesen.
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am 17. Mai 2009
Dieser schöne und prominent aufgemachte Bild- und Textband führt ein in eine Gruppe von Frauen, die um das Jahr 1900 herum als "Malweiber" nicht nur bei ihren männlichen Künstlerkollegen
verschrieen waren. Während zum Beispiel Paula Modersohn-Becker, spätestens seit ihrem Aufenthalt in Paris über die Grenzen Deutschlands bekannt wurde und es immer noch ist, sind die zahlreichen in diesem Buch beschriebenen anderen Künstlerinnen nur einem kleinen Fachpublikum bekannt: Charlotte Behrend-Corinth, Elisabeth Büchsel, Alma de Franco, Helene Funke, Broncia Koller, Marie-Louise von Motesiczky, Gabriele Münter, Anita Ree, Sophie Taeuber-Arp, Marianne Werefkin sind die Namen der ausführlich mit Leben, Person und Werk in diesem Buch dargestellten lange verkannten Künstlerinnen. Viele andere werden noch erwähnt. Sie stammen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In ihrer Gesamtheit haben diese, meist aus dem Bürgertum stammenden Malweiber" künstlerisch und gesellschaftlich bedeutende Durchbrüche erzielt, wurden aber dennoch von der Kunstgeschichte über eine lange Zeit verkannt und übersehen.

Das vorliegende Buch hat dem Abhilfe geschaffen und die Künstlerinnen an der Ort gesetzt, der ihnen gebührt.
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am 23. Mai 2009
Die großen Namen fehlen in diesem Buch also, wie erwähnt, nicht: Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz, Marianne Werefkin, Gabriele Münter und Else Lasker-Schüler gehören zum Kreis jener Künstlerinnen, die auch weniger Versierte kennen. Sie dominieren das vorliegende Buch jedoch nicht, gibt es doch auch die vielen anderen Malerinnen, die sich die Ausübung ihres Berufs und ihre Anerkennung hart und zu Recht erkämpften. Manche von ihnen mussten als Gattinnen berühmter Künstler einen regelrechten Spagat vollführen zwischen ihren Verpflichtungen als Ehefrauen, die am Glanz des Gatten nicht kratzen sollten, und der Verwirklichung ihrer eigenen Fähigkeiten. Zu diesen zählen unter anderem Charlotte Berend-Corinth, Clara Rilke-Westhoff und, wenngleich nicht mit Kandinsky verheiratet, Gabriele Münter.
Ein guter Teil der porträtierten Damen blieb unverheiratet, manchmal übten Schwesternpaare den Künstlerberuf gemeinsam aus. Möglicherweise unerwartet begegnet dem Leser unter den 'Kronbergern' Viktoria von Preußen, spätere 'Kaiserin Friedrich', die sich nicht nur als Mäzen hervortat, sondern auch eine begabte Malerin war.
Im Buch werden die Künstlerkolonien sowie die genannten Städte mit ihrer jeweiligen Geschichte und Bedeutung als Zentren der Kunst kurz vorgestellt, darauf folgen die Kurzbiografien der dazugehörigen Künstlerinnen. Die Texte sind informativ, dabei jedoch auch kurzweilig und spannend gehalten, was freilich angesichts der außergewöhnlichen Viten der meisten Damen kaum anders möglich gewesen wäre. Kontakte der Künstlerinnen zu weiblichen und männlichen Kollegen und die Einordnung ihres Werkes in den kunsthistorischen Kontext sowie Hinweise auf die in vielen Fällen stattfindende Wiederentdeckung fehlen ebenso wenig wie Erläuterungen zu den menschlichen und beruflichen Konflikten. In etlichen Fällen kommen politisch begründete Katastrophen hinzu, handelte es sich doch bei etlichen Malerinnen um Frauen aus jüdischen Familien, und auch das Werk manch Anderer fiel im Nationalsozialismus unter 'Entartete Kunst'.
In den meisten Kurzbiografien findet man ein Foto oder Selbstporträt der jeweiligen Protagonistin sowie eines, selten mehrere ihrer Werke. Mehr noch als tausend Worte vermögen natürlich diese Bilder einen Eindruck vom enormen Talent und dem individuellen Stil der Damen zu vermitteln, deren Bekanntheitsgrad im Allgemeinen ihrer Begabung nicht einmal zu einem geringen Bruchteil entspricht. Dieses liebevoll gestaltete, bestens recherchierte und hervorragend geschriebene Buch lässt ihnen Gerechtigkeit widerfahren und schildert zugleich sehr anschaulich das Umfeld und die Schaffensbedingungen von Künstlerinnen (und Künstlern) um 1900 mit all ihrem Glanz und ihren Widrigkeiten. Es wäre reizvoll gewesen, im Anhang eine Liste von Museen zu finden, in denen Werke der präsentierten Damen ausgestellt sind ' aber man kann dann eben doch nicht alles haben.
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am 12. Juni 2010
Da die VorgängerInnen schon das meiste zu diesem Buch vorweg genommen haben, gebe ich nur eine kurze Anmerkung.
Auf Grund des Umfanges bzw. der zahlreichen Biographien sind einige nur sehr kurz gehalten. Noch mehr Abbildungen von den Werken der Künstlerinnen finde ich wünschenswert. ZB bei den Schwestern Sinnhuber gibt es nur ein kleines Foto der Schwestern im Atelier vor ihren Werken. Das Foto ist in Sepia und daher kann man weder die Bilder noch deren Stil erkennen. Ansonsten ist es ein tolles Buch, das immer wieder zum Reinschaun veranlasst.
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am 10. Oktober 2013
Ein ausgesprochen gutes und sehr lehrreiches Buch das ich mit Vergnügen gelesen habe. Die Autorin geht sehr gut auf alle
Probleme ein.
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