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Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
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3,7 von 5 Sternen
Paare, Passanten. SZ-Bibliothek Band 38
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:1,90 €+ 3,00 € Versandkosten


VINE-PRODUKTTESTERam 4. November 2007
Im Hintergrund die eher düstere Kulisse der 80er Jahre: Wettrüsten, Endzeitstimmung, Überdruss an der Aufklärung -bei dem Buch handelt es sich um eine Sammlung von Aphorismen, kurzen Beschreibungen und Szenen, die Strauß mit seinen Reflexionen verbindet, also eher Glossen, Essays. Die Texte (im Höchstfall mal bis 3 Seiten lang) sind thematisch in mehrere Teile eingeteilt. Dabei geht es mehr um "Passanten" (Prostituierte, Alkoholiker, Alte, sog. Normalbürger) als um "Paare". Die Texte wirken mitunter wie Vorstudien für ihre dramatische Verwendung. Immer wieder geht es um Kommunikation und Entfremdung. Strauß beobachtet genau und analysiert scharfsichtig, ätzend scharfsichtig. Er zeigt die Menschen im Griff der Sucht, der Medien und ihrer Gehirnwäsche unterzogen, er zeigt das Schreckliche im sog. Normalen, die geistige Verwahrlosung im Konsum, das automatisierte Funktionieren, die historische Distanzlosigkeit der jungen Generation.
Besonders der Teil "Schrieb" enthält so etwas wie seine Poetologie. Deutlich wird, wie Literatur und Sprache ihm zur eigentlichen Existenzform werden, wie sie ihm Heimat bieten. Er empfindet die Flüchtigkeit des literarischen Ausdrucks im Zeitalter der Beschleunigung, ferner, dass die großen Gefühle einer "Fassungslosigkeit" und dem "unansehnlichen Leid" (83) gewichen sind. Ihm geht es um die Freiheit der Kunst in ihrem symbolischen Ausdruck, gegen die zeitgenössische Befürwortung von relevanten Stoffen und Inhalten. Dabei reklamiert er für sich als Künstler, über die Dialektik und Anti-Haltung des Analytikers hinauszugelangen und aus einem tieferen Grund heraus zu schreiben, den er etwa umschreibt als "schwermütiges Denken" (90) oder "Müdigkeitszustände" oder "Naivität". Der Begriff der Schönheit als letztem Ziel wird ebenfalls reklamiert. Strauß hebt dabei besonders die Möglichkeiten des Theaters hervor als Gegenwelt und Ort der Erinnerung an starke Gefühle, hier möchte er schockhaft etwas Wesentliches jenseits des Meinungsgeredes, eine künstlerische Gestalt (eine neue "Statik" - 141) - hinterlassen.

Weniger angetan bin ich von dem Teil "Dämmer", in dem sich schwer nachvollziehbare Traumbilder, surrealistische Visionen, Allegorien finden, offensichtlich Versuche, in denen er sich am meisten auf sein Unbewusstes stützt. Meines Erachtens liegt Strauß' Stärke vielmehr in der Durchdringung von realistischer Beobachtung und visionärer Reflexion.

Zum Schluss ein Zitat, das im Tonfall bewusst oder unbewusst an Lessings Ringparabel erinnert. In einem der letzten Texte, der sich gegen den Anspruch der Sozialpädagogen" auf zielstrebige Realitätsbewältigung" (153) richtet, formuliert Strauß: "Jeder helfe (mit oder ohne Haschisch) sich und denen, die ihm nahe kommen, so gut er kann; versuche gemeinsam mit anderen eine Schneise zu schlagen und weiter zu tappen, bis sich irgendwann vielleicht eine Lichtung öffnet, ein Fluss erscheint und - bestenfalls - eine gewisse Gelassenheit, fern von Gleichgültigkeit, uns für die Mühen der Wegbahnung entschädigen wird." (153f.).
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am 14. Januar 2006
Diese Aphorismensammlung ist ein vorzügliches Porträt der Bundesrepublik der Achtziger Jahre.
In seiner kritisch-analytischen Präzision kann man das Buch durchaus mit Adornos "Minima Moralia" vergleichen.
Strauß erweist sich hier als genau sezierender Alltagsbeobachter und vermag es, in seinen Miniaturen die Neurosen und Traumata der Menschen, denen er in den Straßen, Supermärkten oder wo auch immer begegnet, auf den Punkt zu bringen und somit ein Gesamtbild deutscher Befindlichkeiten zu erzeugen.
Aus der Fülle der Einzelschicksale, die hier nachgezeichnet werden, ergibt sich somit ein umfassendes und zugleich detailliertes Porträt der bundesdeutschen Gesellschaft.
Natürlich ist nicht jede seiner Aufzeichnungen von gleich hohem Niveau. Brilliantes steht neben Banalem oder allzu Kopflastigem.
Doch ist dies eher eine generelle Schwäche der Literaturgattung Aphorismensammlung und tut dem vorzüglichen Gesamteindruck dieses Buches keinen Abbruch.
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am 26. Dezember 2007
Ein Zufallskauf, ein Mängelexemplar auf einem Bahnhofsstand. Und ein Buch, das in die Kategorie "was ich sonst nicht lesen würde" fällt. Umso schwerer ist es, dieses Werk zu rezensieren.

150 Seiten Textfragmente, deren Handlungen in keinerlei Zusammenhang stehen, sich aber um allesamt um zwischenmenschliche Erwartungen, Verhaltensweisen, Konventionen und Motive drehen. Im Laufe des Buches geht es in buntem Perspektiv-Mix gar um Sinn und Zweck von Kunst, Literatur und Philosophie. Stets bekommt man äußerst genaue, filigran formulierte Beobachtungen und vor allem immer eine dezidierte Erklärung. "Paare, Passanten" ist von 1981, wirkt aber aktueller (bis den letzten Teil), eher wie ein Werk der 1990er.

Das ganze ist Literatur, gewiss. Und das Werk enthält viel Wahres, zugegeben. Aber über all dem schwebt die dumpfe Glocke der Bedeutungsschwangerschaft. So würde es Strauß vielleicht formulieren - wenn er nur über einen Funken Selbstironie verfügte.
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TOP 1000 REZENSENTam 7. Februar 2010
Kein Roman, keine Erzählung, keine übergreifende Handlung. Es sind Fundstücke aus dem Alltag, scharfe Bemerkungen, Pailletten und Gedanken. Botho Strauß hat sich in Paare, Passanten stark an Nietzsche (und etwas an Adorno) orientiert: Der Stil ist verdichtet, erscheint präzise und dabei suggestiv geschrieben. Zivilisationskritik und Verweise auf diverse aktuellere Geistesgrößen dürfen auch nicht fehlen.

Ich hatte es vor Urzeiten mal gekauft und jetzt endlich angepackt. Doch, die knapp 180 Seiten lassen sich rasch lesen, wenn man wenig Zeit hat. Es ließe sich aber natürlich auf der Zunge zergehen, viele Betrachtungen lösen richtiggehende Denkprozesse aus (auch wenn man dem rhetorisch geschickten, manchmal lyrischen Stil nicht alles glauben sollte).

Knapp an den fünf Sternen vorbei.
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am 11. Januar 2005
°
Knapp vorbei am fünften Stern ist "Paare, Passanten" einfach aus dem Grund, weil der Inhalt doch etwas schwankt zwischen wirklich brillanten und in leicht verständlicher doch dichter Sprache auf den Punkt gebrachten Momentaufnahmen und etwas verschachtelten, stark meinungsgefärbten Passagen.
Seine Beobachtungsgabe verknüpft mit einer beeindruckenden sprachlichen Fähigkeit kommt im Großteil des Buchs zum Tragen und macht es für sicher für alle lesenswert, die über sich und die Welt, Beziehungen und manch seltsame Situationen nachdenken möchten. Im Grunde schreibt Botho Strauß meist über Alltägliches-und-doch-selten-so-Erkanntes und als Leser kann man seinen Gedankengängen oft zustimmen, manchmal muß man es - wenn auch mit leichtem Bedauern angesichts der Trostlosigkeit und Klarheit seiner Sätze.
Wer also auch gelegentlich hochgestelzte Sprache und längere Schachtelsätze mag und verkraften kann - unbedingt zugreifen! Alle anderen Leser seien hiermit einfach vorgewarnt, daß eben ein kleiner Teil des Buchs anstrengend sein kann, jedoch der weitaus größere Anteil puren Lese- und Erkenntnisspaß bereitet ... zumindest jenen, die an der Art von Denkanstoß-Lektüre ihre Freude haben. Wer nicht , der / die sollte besser die Finger von dem Buch lassen. Stellenweise könnte es sonst zu hart, direkt und wahr werden, denn Botho Strauß nimmt kein Blatt vor den Mund, verschließt auch nicht die Augen und scheint in manchen seiner Erlebnisse doch einiges an Frustration erfahren zu haben.
~
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VINE-PRODUKTTESTERam 6. Dezember 2004
Botho Strauß, der überwiegend als Theaterautor in Erscheinung getreten ist, zeigt sich in seinem Prosawerk „Paare, Passanten" als genauer Beobachter von alltäglichen Begebenheiten und als akribischer Analyst der deutschen Sprache.
Ein erstes Beispiel über die platinblonde Kosmetiktrainerin, die den Perser testet, ob er für ein festes, reelles Verhältnis taugt: „Ob sich denn eine solche Beziehung wie die zum Perser wohl für sie auch lohne"? „>Lohnt, verstehst du, ob es sich lohnt. Du weißt ja, dass wir Deutschen immer fragen, was bringt uns das ein, wo steckt da der Gewinn, was profitier ich persönlich davon.<" Böse? Wahrscheinlich. Falsch? Wohl kaum.
Ein Beweis dafür, dass man Strauß nicht schnell oder nebenbei der Handlung wegen lesen kann, ein Beweis dafür, dass der Sinn des Geschriebenen sich nicht beim ersten Lesen, ja vielleicht sogar erst beim eigenen Zitieren ergibt, jedenfalls für mich:
„Kaum bedarf die Literatur jetzt der Kräfte des Chaos. Gewisse Druckwellen und Ströme einer subversiven Fantastik noch, dann aber: Menschenklugheit hätte an ihre Stelle zu treten.
Die Liebe zur Literatur, die sich einmal gleich dem Universum ausdehnte, um sich nun unendlich langsam wieder zurückzuziehen und womöglich beim Massekonzentrat der wenigen Sprüche des Heraklit zu enden."
Botho Strauß nimmt sich in seinem Kaleidoskop auch der deutschen Sprache an, ein Auszug:
„Kann man das nicht ein paar Nummern kleiner ausdrücken, was dieser guterzogene Kopf, auch noch doppelgenäht, seine >fürchterliche Angst< nannte? Aber wir haben es allenthalben mit diesen reklamehaften Vergrößerungen der Affektwörter zu tun: >>Also ich bin wahnsinnig erschrocken über seinen Mantel mit Pelzkragen.<< Ein aufwendiger, inflationärer Gebrauch von Leidfloskeln, eine Art hypochondrisches Display betreibt Werbung für die eigene Hochempfindlichkeit: erschrocken, betroffen, angerührt; lauter falsche Bibbertöne eines im Herzen nicht mehr frappierbaren Subjekts."
Eine schöne Analyse der Entwicklung der Alltagssprache, entstanden im Jahre 1981. (Jedenfalls veröffentlicht 1981.) Später ergänzten oder ersetzten in der deutschen Sprache Präfixe wie „super-„, „mega-" oder „hyper-" die von Strauß genannten Übertreibungen. Heute liest man, glücklicherweise kann sie nicht hören, im Intranet oder eMails als zur Vertuschung von Sprachunfähigkeiten gebrauchten Mitteln, den multiplen Gebrauch von Satzzeichen (Beispiel: „!!!!!!!!") oder den Einsatz von Emoticons (= Smileys).
„Paare, Passanten" ist zwar empfehlenswert, nicht jedoch für Leser, die nur ab und an zur Unterhaltung zu einem Buch greifen. Es ist eine Ergänzung zum sonstig Gelesenen, kein Ersatz.
Ein letztes Zitat: „... dies alles wissen und dies Wissen auf sich beruhen lassen, war eins."
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