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am 24. Mai 2007
Bloch war mal ein bekannter Torwart. Eines Tages glaubt er, die Fabrik, in der er arbeitet, hätte ihn fristlos entlassen. Daraufhin streunt er wie ein Vagabund durch Wien. Doch alles scheint irgendwie rätselhaft, laut und außer Kontrolle geraten. Bloch nimmt sich ein Hotelzimmer. Er trifft den einen oder anderen Bekannten und zieht durch Kneipen. Nach der ersten Nacht erwürgt er seine neue Frauenbekanntschaft. Bloch verschlägt es daraufhin in einen Wald, wo er sich ein Zimmer in einem Gasthof nimmt und mit den Bewohnern des Dorfes in Kontakt kommt. Durch Zufall erfährt er, dass die Polizei ihm auf der Spur ist. Er erlebt zunehmend Wirres und scheint seinen eigenen Fall aufklären zu wollen. In der Schlussszene sieht er einen Torwart, der einen Elfmeter hält, weil er sich einfach nicht bewegt.

Ich kann zu dieser Erzählung nur ein paar Eindrücke wiedergeben. Da wäre zuerst Handkes Sprache, die mich in ihrer Satzkonstruktion und Wortwahl mehr an die 1920er-Jahre, teilweise sogar an Kleist erinnert, als an eine Erzählung von 1970. Dann bekommt der Leser wenig Einblick in das Innenleben des Helden und so bleiben dessen Motive völlig im Dunkeln. Dabei trägt der Er-Erzähler nicht viel bei die Hirngespinste des Helden zu erklären. Erzähltechnisch jedoch hat das Buch einiges zu bieten, viele Vorgänge werden sehr indirekt und subtil beschrieben und die vielen kleinen beschriebenen Dinge schaffen eine interessante Athmosphäre. Inhaltlich dachte ich an ein wenig Dostojewskis Schuld und Sühne. Mit Fußball hat das Ganze letztendlich nur sehr bedingt zu tun, dafür dürften Germanisten ihre Freude daran haben, vieles in die Erzählung hineinzuinterpretieren. Ich hätte es nicht unbedingt lesen müssen.
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Was war das denn jetzt? Diese Frage schoß mir durch den Kopf, nachdem ich Peter Handkes Buch beendet hatte. Der ungewöhnliche Titel und die überraschende Sprache des Erzählers wecken zuerst einmal die Aufmerksamkeit des Lesers, man will wissen wie die Geschichte des ehemaligen Fußball-Stars weitergeht. Spätestens nach der Hälfte der 106-seitigen Erzählung schlägt die Stimmung allerdings um. Ich war nicht mehr interessiert, sondern gelangweilt und genervt. Wäre das Buch nicht so angenehm kurz, hätte ich mich wahrscheinlich nicht bis zum Ende durchgequält. Es drängt sich der Eindruck auf, daß der Autor mit dieser Geschichte um jeden Preis innovativ und kreativ erscheinen wollte. Nun ist es auch gar nicht so schlecht, wie Handke schreibt. Aber was soll dieses Buch? Die Hauptfigur Bloch ist offensichtlich geistig verwirrt, leidet unter paranoiden Wahnvorstellungen, findet sich im Alltag nicht mehr zurecht. Das ist tragisch, hat mich aber nicht berührt. Die Sätze wirken willkürlich aneinandergereiht, so das man nie weiß was als nächstes passiert. Aber man will es ja auch gar nicht wissen, weil die Geschichte so konstruiert wirkt und langweilt! Wenn Josef Bloch in einer Kneipe oder einem Geschäft vergeblich versucht mit seinen Mitmenschen Kontakt aufzunehmen, hat mich das an Szenen aus Franz Kafkas Werken erinnert. Auch Kafka erzählt absonderliche Geschichten, von Menschen die sich nicht zurechtfinden. Aber das Prager Ausnahmetalent schafft es die aufgebaute Spannung auch zu halten und den Leser zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. Der Leser, der sich übrigens vom Titel irreführen läßt und eine Geschichte erwartet, in der es um den Fußballsport geht, kommt nicht auf seine Kosten. Josef Blochs frühere Karriere als Torwart wird nur in wenigen Sätzen angeschnitten. Ob Handke seine Hauptfigur einen ehemals erfolgreichen Sportler sein läßt, um zu zeigen, daß auch solche ehemaligen Gewinnertypen in der bemitleidenswerten Bedeutungslosigkeit verschwinden können, weiß ich nicht. Ob dieses Buch gesellschaftliche Mißstände kritisieren soll oder ob es schlichtweg der sehr bemühte Versuch ist, als wahnsinnig kreativer Autor wahrgenommen zu werden, hat sich mir nicht erschlossen.
„Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" ist weder für Fußball- noch für Krimifans empfehlenswert. Diese Erzählung ist wahrlich kein Treffer, mit Mühe wurde gerade mal der Pfosten berührt. Zwei Strafrunden um den Platz, Herr Handke!
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am 12. April 2015
Hoch gelobt wird lt. Cover ja jedes Buch. Ganz himmelhoch gelobte Bücher wie dieses bergen immer die Gefahr, dass der "normale" Leser dieses nicht im Entferntesten nachvollziehen kann. So ist es mir jedenfalls gegangen. Grotesk nichtssagend mit einer dürftigen Handlung, wenn man überhaupt davon sprechen kann. Die Worte sind schön formuliert, keine Frage. Nur erschliesst sich die Bedeutung nicht. Hier wird die Gedankenwelt eines Psychopathen dargestellt. Und so liest man sich zum Glück nur durch etwas mehr als 100 Seiten geistiges Niemandsland, um das "Werk" zurück in die Reihe der Bücher der SZ-Bibliothek zu stellen. Man fragt sich allenfalls, wer auf die Idee kam, dieses Pamphlet darin aufzunehmen.
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... doch das Buch ist trocken Zwieback (was alleine noch nicht schlecht ist) und hat etwas von einer reinen Fingerübung in langsamer Beschreibung (dieses Etüdenhafte jedoch ist ein Minuspunkt).

Lesen sollten Sie es, wenn Sie gerade Beckett, Hofmannsthals Chandos-Brief, Thomas Bernhard oder auch Kafkas Verwandlung in der Lektüre unbedingt fortspinnen möchten, und selbst dann ist es zwar nicht schlecht, doch auch nicht brillant.

Ex-Torwart Josef Bloch wird aus seinem Leben gerissen und in eine übersensible Wahrnehmung gestoßen. Schön ist die beinahe spieltheoretische Elfmeterszene zum Schuss hin.
- Drei bis dreieinhalb Sterne.
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am 14. Juli 2006
Nach der Lektüre dieses Buches halte ich es wie jeder gute Rheinländer und stelle zunächst einmal die Universalfrage: "Wat soll dä Quatsch?" Eine sinnvolle Antwort darauf konnte ich bislang nicht finden. Aber nochmal zurück zum Anfang...

In alter Tradition lese ich meiner Frau abends vor'm Einschlafen vor. So kamen wir dann auch zu der Tormann-Geschichte. Da läuft also so ein Typ wie ein Zombie durch die Welt, bringt eine Frau um, weiß gar nicht so recht wieso weshalb warum, dann fährt er raus auf's Land und die Story wird dann so spacig dass der Autor zum Teil nicht mal mehr Wörter, sondern nur noch Symbole verwendet. Lieber Herr Handke, das soll wohl intellektuell sein! Ich fand es einfach nur grauselig und quälend langweilig. Das Ende war natürlich auch kein Ende, aber wahrscheinlich hab ich's einfach nicht verstanden.

Nein, es hat mir nicht gefallen, überhaupt nicht. Ehrlich gesagt, ich fand es eine Zumutung. Aber wahrscheinlich liegt das nur an meinem mangelnden Literaturverstand - ich bitte um Verzeihung.
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am 6. Juli 2010
Peter Handkes Erzählung 'Die Angst des Tormanns beim Elfmeter', die er 1969 verfasste, beschäftigt sich mit dem Monteur und ehemaligen Torwart Josef Bloch, der nach dem Mord an einer Kassiererin in einen Grenzort flüchtet. Die Geschichte beginnt damit, dass Bloch glaubt, ihm wurde gekündigt. Daraufhin flaniert er ziellos durch Wien, lässt sich auf Schlägereien ein und erwürgt schließlich die Kino-Kassiererin Gerda, nachdem er mit ihr die Nacht verbracht hat. Anschließend begibt er sich mit dem Bus zu einer Bekannten, die in einem Grenzort lebt. Dort irrt er weiterhin umher, während er immer wieder wie unbeteiligt in der Zeitung wahrnimmt, dass die Polizei auf seiner Spur ist. Die Erzählung endet mit einem Elfmeter bei einem Fußballspiel, kurz vor Blochs Verhaftung.
Der Erzähler berichtet zwar in der dritten Person, jedoch aus Blochs Perspektive. Die Umwelt wird von Bloch extrem detailliert wahrgenommen und auch interpretiert. Bloch versucht, völlig unspektakuläre Ereignisse in seiner Umgebung zu analysieren und auf sich zu übertragen. Dabei gerät er im Laufe der Geschichte immer mehr in einen wahnartigen Zustand. Die Absichten der Hauptperson sind dabei nicht ersichtlich. Man fragt sich beim Lesen, wie Bloch wohl auf die Menschen seiner Umgebung wirkt, da dies in der Erzählung nicht deutlich wird. Die Erzählung wird so geschildert, als ob jedes Ereignis den gleichen Stellenwert hätte. Handke schildert die innere Entwicklung, die Entfremdung des Protagonisten sehr genau. Die Handlung selber geschieht eher im Hintergrund. All dies fordert sowohl die Konzentration als auch das 'Durchhaltevermögen' des Lesers. Beim Lesen stellt man sich die Hauptfigur Bloch als psychisch Kranken mit einer multiplen Persönlichkeit vor. Des weiteren fällt auf, wie viele Dinge einem im Leben normal vorkommen und nicht wirklich beachtet werden. Durch die sehr wenigen wirklichen Ereignisse und die ausgedehnten Passagen, in denen die Gedanken Blochs geschildert werden, ist es zeitweise schwer, seine Lust am Lesen zu erhalten. Empfehlenswert ist das Buch für Leser, die sich für die Darstellung eines schizophrenen Charakters und dessen anomalen Denkweise und Lebensansicht begeistern lassen und nicht vor anspruchsvoller Lektüre zurückschrecken.
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Entweder aus reinem Zufall oder einer Ahnung folgend, habe ich Samuel Becketts „Molloy" und Peter Handkes „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" direkt hintereinander gelesen. Warum ich das erwähne, erklärt sich gleich. Die Erzählung Peter Handkes hatte ich schon um 1984/5 gelesen, und musste nun erstaunt feststellen, dass mir kein Detail mehr in Erinnerung geblieben war. Kein besonders gutes Zeichen für ein literarisches Werk, denke ich. Handke polarisiert die Leser, das sieht man auch an den vorangegangenen Rezensionen, ich tendiere eher dazu, ihn als überschätzt einzustufen. Andererseits bekommt ein Schriftsteller Auszeichnungen wie den Gerhard-Hauptmann-Preis, den Büchner-Preis oder den Schiller-Gedächtnispreis, und unlängst auch noch den Siegfried-Unseld-Preis nicht völlig zufällig.
Auch wenn sich nicht unendlich viel Gutes über die vorliegende Erzählung sagen lässt, so sollte man doch nicht vergessen, dass Handke erst 28 Jahre alt war, als das Buch erschien. (Ja, ich weiß, Thomas Mann war erst 26 Jahre als „Die Buddenbrooks" veröffentlicht wurden.) Das war im Jahr 1970. Genau ein Jahr zuvor, 1969 also, erhielt Samuel Beckett den Nobelpreis für Literatur. Mir scheint, als war Handke, obwohl er vorher bereits andere Werke veröffentlicht hatte („Die Hornissen" und vor allem auch die „Publikumsbeschimpfung"), entweder noch auf der Suche oder aber schwer beeindruckt von den Werken Becketts. „Molloy" (siehe auch meine Rezension dazu) und Blochs Geschichte, Bloch ist die Hauptfigur in Handkes Erzählung, gleichen sich frappierend. In beiden Werken haben die Protagonisten den Bezug zu ihrer Umgebung verloren und irren durch die Welt. Die Grundaussagen sind ebenfalls ähnlich. Handkes Sprache löst sich im Laufe der Seiten beinahe auf. Fragen, die sich Bloch stellt, werden anfangs noch beantwortet, später nicht mehr, zum Schluss gar nicht mehr fertig ausformuliert.
Die nihilistische Tendenz bei Beckett findet man auch in Handkes Werken. Es gibt keinen Fortschritt und kein Ziel. Unser Tun ist beliebig und ohne jeden tieferen Sinn. Wahrheit ist immer subjektiv. Der Mensch ist auf sich selbst zurückgeworfen, eine übergeordnete Instanz (Gott) ist nicht vorhanden.
Es gibt zweifellos sprachliche Höhepunkte in Handkes Buch, eine möchte ich zitieren:
„Als die Kellnerin sich zu ihm setzte, tat er nach einiger Zeit, als wollte er den Arm um sie legen; sie merkte, dass er nur so tun wollte, und lehnte sich zurück, noch bevor er deutlich machen konnte, dass er nur so tun hat wollen. Bloch wollte sich rechtfertigen, indem er den Arm wirklich um die Kellnerin legte, aber sie war schon aufgestanden. Als Bloch aufstehen wollte, ging die Kellnerin weg. Jetzt hätte Bloch so tun müssen, als wollte er folgen. Aber das war ihm zuviel, und er verließ das Lokal."
Das ist meines Erachtens richtig gut geschrieben und zeigt das frühe Potenzial Handkes.
Ich bleibe bei der Beurteilung Handkes weiter gespalten und drücke das in drei Sternen aus. Die Tendenz ist deutlich in Richtung zwei Sterne. Vielleicht wage ich mich mal an "Mein Jahr in der Niemandsbucht" heran, dann fallen Entschuldigungen '(frühes Werk) weg und mein Urteil wird eindeutiger sein müssen.
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am 19. August 2004
Handke Peter
Die Angst des Torwarts beim Elfmeter Erzählung
Süddeutsche Zeitung Bibliothek, 20004, 106 Seiten
Nur weil der Polier vom Essen aufschaut, glaubt Josef Bloch, früher ein bekannter Torwart, sich entlassen und verlässt seine Arbeitsstelle. Ziellos wandert er durch Wien, nächtigt in einem Hotel und besucht ein Kino, dessen Kassiererin er nach einer Liebesnacht erwürgt. Mit dem Bus fährt er in einen Ort an der Grenze, führt Gespräche mit einer ehemaligen Freundin, mit zahlreichen Dorfbewohnern, prügelt sich grundlos und entdeckt die Leiche eines ertrunkenen, taubstummen Jungen, ohne es zu melden. In der Zeitung liest er seinen eigenen Steckbrief und beobachtet abschließend einen Torwart, der einen Strafstoß hält, indem er einfach stehen bleibt. Soweit der Inhalt.
Im Ablauf des Romans treten bei Bloch immer häufiger Wahrnehmungsstörungen auf. Er ist dann unfähig Gegenstände, seinen eigenen Körper, Personen, deren Aussagen oder zeitliche Abläufe als Ganzes zu sehen und ihre Bedeutung zu erfassen. Er fixiert sich vielmehr auf deren Einzelteile, aus denen er wieder eine anders geartetes, stets auf ihn selbst bezogenes Ganzes entwickelt, das aber nicht mehr der ursprünglichen Bedeutung entspricht. (Medizinisch gesehen macht er also nicht nachvollziehbare Gedankensprünge - ein Leitsymptom der Schizophrenie). Aus jeder Einzelheit seiner von Handke akribisch geschilderten Umgebung, etwa aus Handbewegungen einer Person oder der Anordnung auf dem Tisch liegender Kekse, konstruiert Bloch qualvolle Anspielungen auf seine Person oder ihm gestellte Fallen. Sie lösen Gefühle in ihm aus und zwingen ihn zu für andere nicht nachvollziehbaren Handlungen. Umgekehrt bemängelt er, dass andere Menschen ihn nicht verstehen und seine kompliziert gedachten Aussagen nur einfach wörtlich nehmen. Zuletzt denkt er zeitweilig in Bildern. Schon früher, als Tormann, war er bei dem aussichtslosen Versuch gescheitert die Gedanken des Elfmeterschützen zu erfassen.
Kein Buch für nebenbei. Ein interessanter, literarischer Versuch, die nichtnachvollziehbare Gedankenwelt des Schizophrenen nachzuvollziehen. Kurze Sätze erleichtern das Nachdenken, die Beschränkung auf 106 Seiten verhindert bei geringem Handlungsumfang das Aufkommen von Langeweile, wie auch der gekonnte Einsatz der Stilmittel für Abwechslung sorgt.
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am 1. Dezember 2006
Der Auftakt und die ersten 50 Seiten des eher kurzen Romans haben mir gefallen. Handke konnte mich für das Schicksal seiner Hauptfigur Bloch interessieren. Im letzten Drittel jedoch wird die Sprache immer geschraubter, künstlicher und anstrengender. Manchmal dachte ich an Tippfehler, um dann festzustellen, dass es sich in diesen Fällen um Handkes eigene Auffassung von Syntax und Sprachverwendung handelt. Mal etwas gegen den Strich zu bürsten, Sprache, Bilder und Zeichen anders als gewohnt zu verwenden, kann spannend, interessant und kunstfertig sein, bei dem hier besprochenen Titel jedoch führt es zu Desinteresse und auf den letzten Seiten zu Langeweile. Einen weiteren Handke-Titel werde ich mir nach Lektüre dieses Bändchens nicht zulegen.
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am 10. November 2004
Dieses Buch ist eine Belastung. Vier Jahre nach der "Publikumsbeschimpfung" hier eine Art "Leservernichtung". Die Hauptfigur, Josef Bloch fällt aus dem Dasein, aus der eigenen Existenz raus. Der Text selbst beginnt dabei zu zerfallen, löst sich auf. Ende der 60er Jahre gab es gesellschaftliche und philosophische Diskussionen um die Begriffe Existenz und Dasein. Wer sich seinerzeit sattgelesen und sattgehört hat in Sachen Sartre, Heidegger, Hegel, Bloch (!), etc. wird sekundenweise sogar etwas mit dem Text "Die Angst des Torwarts beim Elfmeter" anfangen können.
Das Thema "Auflösung des Daseins" wird für den Leser scheinbar auf die Gesellschaft übertragen; implizite Gesellschaftskritik; sehr über Bande gespielt. So etwa, wenn in einem kleinen Dorf ein Junge vermisst wird und sofort Zigeuner als Täter verdächtigt werden.
Doch damit hält sich Handke nicht auf. Intellektuelle Floskeln aus der äußersten Hinterbank eines existenzialphilosophischen Seminars werden der Figur Josef Bloch einfach aufgestülpt. Dabei ist Romanfigur Monteur und ehemaliger Torwart! Man kann den Text so lesen, als würde eine psychische Krankheit im Text emuliert, die den Leser zur Teilnahme an der Krankheit verpflichtet. Doch dann muss der Text mangelhaft erscheinen, da er keinem Vergleich standhält. Döblin hat in Berlin Alexanderplatz mit der Figur Franz Biberkopf DAS singuläre Beispiel für den psychologisch-forensichen Roman gelegt. Die Figur Biberkopf besteht aus Fleisch und Taten; Bloch besteht aus Thesen und Hypostasen.
Das Buch ist im schlimmsten Sinne des Wortes areligiös. (Die Wortwurzel von Religion bezieht sich auf "Bindung"). Es wird nicht deutlich woran die Romanfigur oder sein Autor glauben und was dem Leser denn nun zum Assoziieren aufgetragen sei.
Das Buch strengt an, fordert vom Leser Energie, gibt nichts zurück und sagt noch nicht einmal "Tschüß". Literatur muss kein eindeutiges Ende oder gar Happy End haben; das Buch lebt aber von der unmittelbaren Begegnung und der intimen Vereinigung mit dem Leser. Seit den Ausführungsbestimmungen zu Hartz IV ist mir kein Text begegnet, der dem mehr entgegen steht als Handkes sperriger und dröger Text.
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