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am 23. November 2007
Angesichts der 30 Jahre deutscher Herbst ein hochpolitisches Buch, welches aber dazu einen ungeahnten Einblick in die Kulturen bietet, die Bommi auf seinen Reisen auf dem alten Hippie-Treck bis nach Indien erleben durfte. Viel über Islamismus, Afghanistan, die Rolle der Frau und spirituelle Abdrift. Letztlich ist HiHo eine echte Abenteuergeschichte. Ein Super-Buch!
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am 13. Mai 2009
HiHo - Die abenteuerliche Flucht eines Ex-Terroristen, Panama Publications, 2007
ISBN: 9783936732047
Umfang: 224 Seiten
Preis: 16,90 Euro

Von Fred Schmidtlein - House of Rock:

"Dieses syphilitische Negergeschrei geht mir auf die Nerven." So die Worte des faschistischen Erzeugers von Michael Baumann - genannt, bekannt, gesucht und gefunden als Bommi Baumann - über Little Richard. Nun wird das nicht der Grund gewesen sein, warum Klein-Michael den "Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen" und die berüchtigte "Bewegung 2. Juni" mitbegründet hat, aber es zeigt die zugespitzte Situation der Generationen im Nachkriegs- und Wirtschaftswunderland Deutschland in den Sechzigerjahren, als es allen wieder gut ging, leider auch den nicht wenigen übrig gebliebenen Nazis, und als Jugendliche (wohlgemerkt nicht nur Studenten!) einen anderen Weg reklamierten. In den historischen Schriften und wenigen verbliebenen Bilddokumenten schrumpfen diese zaghaften Emanzipationsversuche auf einen niedlichen Krieg der Knöpfe zusammen, für die ersten Langhaarigen und Jeansträger war es jedoch eine Revolution, dem Establishment (ein damals natürlich unbekanntes Wort) mit Rock'n'Roll und ein paar Joints Paroli zu bieten. 68 war noch weit entfernt, und wenn der Verfasser dieser Zeilen seine Kindheitserinnerungen zusammenfasst, erreichte der Summer of Love Deutschland ohnehin nie, bis in die erste Hälfte der Siebziger blieb alles schwarzweiß, dumpf und spießig-muffig. Zu dieser Zeit gab es längst den verstörenden Terror der Palästinenser, die Anschläge und Banküberfälle der Leute um Ulrike Meinhof und Andreas Baader (Springer hat dennoch gewonnen, ihr Versager), die Drogenopfer der Rockmusik und Fußballer wie Paul Breitner, die den so heiß ersehnten Klassenkampf mit hippen Frisuren und sündenteuren Autos persiflierten - und auch für Papa und Mama ins Wohnzimmer brachten, man war ja schließlich wieder wer, vor allem Weltmeister.
Bommi Baumann war Teil der Terroristenszene, die für vergleichsweise alberne Aktionen vom Staatsschutz gejagt wurde, er distanzierte sich früh von Gewalt gegen Menschen und flüchtete 1973 aus Deutschland.
Die Jahre seiner Flucht beschrieb er während seiner Zeit im Gefängnis, nachdem man ihn 1981 schließlich doch einfing. 1987 erschien dieses Buch unter dem Namen "HiHo - Wer nicht weggeht, kommt nicht wieder", jetzt veröffentlicht es der kleine Verlag Panama Publications unter ähnlichem Namen nochmals. Das ist überaus löblich, findet dieser Teil der Zeitgeschichte heute vielleicht ein wenig mehr Gehör als in den erfolgsgeilen Achtzigern, als die Menschen den finalen Terror des so genannten "Deutschen Herbst" eben erst verdrängt (niemals aufgearbeitet und bis heute mental und politisch nicht korrigiert) und einen Bundeskanzler mit verheerenden Folgen gewählt hatten. Bommi Baumann hatte also die große Chance, dem wunderschönen Studienfach "Neuere Geschichte" ein ganz wichtiges Kapitel Aufklärung zu schenken - nur genutzt hat er diese Möglichkeit nicht. "Die abenteuerliche Flucht eines Ex-Terroristen" liest sich eher wie die Geschichte eines neuzeitlichen Karl May. Aber auch gut, Kara Ben Nemsi hatte durchaus seine Momente für uns Kinder.

Baumanns Reisen gingen von Damaskus (natürlich, die PLO) über Afghanistan, die UdSSR, den deutschesten aller deutschen Staaten DDR, Iran, Irak, Indien, Pakistan, Kaschmir, immer wieder Italien, England bis endlich zurück in den Knast nach Berlin. Seine Beschreibungen der Lebensumstände in den einzelnen Ländern sind spannend, in vielen Fällen natürlich drastisch, vor allem aber für die meisten Mitteleuropäer absolut exotisch. Die kaum zu begreifenden Lebensumstände arabischer oder asiatischer Frauen spielen immer wieder eine Rolle, Religion sowieso und zu einem großen Teil auch der daraus entstehende Fanatismus.
Wohlgemerkt, das Buch spielt in den Siebzigern, allerdings dürften sich die Verhältnisse in den meisten von Baumann besuchten Regionen bis heute nicht großartig verändert haben, verbessert schon gar nicht, da diese Länder inzwischen fast alle von fürchterlichen Kriegen verheert wurden. Manchmal versteht man Baumanns ambivalenten Umgang mit den von Männergewalt und wahnsinnigen Religionskulten geprägten Zuständen nicht, andererseits bieten diese Lebensformen für manche Kulturen seit zig Jahrhunderten eine Überlebensgarantie. Rollenverhalten gibt es auch bei uns, wenn auch in anderer Form.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass die kürzlich veröffentlichten Äußerungen der bis dato hochgeschätzten Alice Schwarzer über das Leben in der menschenverachtenden Diktatur Burmas absolut inakzeptabel sind. Diese Menschen sind nicht glücklich und zufrieden, sie werden von einem Mörderregime ausgebeutet und getötet. Frau Schwarzer hat offensichtlich den Verstand verloren.
Bommi hat seinen nie ganz an einer Grenze abgegeben, auch wenn die Drogenexperimente in seinem Buch teilweise bedenkliche Züge annehmen. Aber was soll man tun, wenn man sich in Afghanistan bewegt, einem Land, das damals ein Gral der Hippiebewegung war und zu hemmungslosem Konsum geradezu einlud. Es ist sicher Geschmackssache, ob man die Stein- und Bergwüsten dort mag, Baumann hatte auf jeden Fall seine "Erweckungserlebnisse" und wir lernen immerhin Namen von Stämmen und Städten, die man vorher nicht gehört hat. Die Sowjets und heute die U.S.A. samt Helfer haben erfahren, dass sie dort auf verlorenem Posten stehen und außer Blutbädern nichts erreichen können. Baumann nahm die Situation mit viel Gelassenheit und ein wenig zu viel Lethargie hin.

Unser Spaßterrorist ist kein Mann der langen Sätze. Kurz, bündig, sprachlich klar, allerdings mit teils schwer nachvollziehbaren Ort- und Zeitsprüngen (und manch unübersichtlich gestalteten Absätzen) braust das Buch dahin, oft wünscht man sich etwas tiefere Einblicke oder persönliche Meinungen und vor allem Details. Zum Beispiel Aufklärung über die Reisebegleiter (er spricht zwischenzeitlich von seiner Freundin, der "Dicke" taucht auf und wieder ab), über die offenbar problemlose Geldbeschaffung (wie kommt man als gesuchter Terrorist an ein Bankkonto und darüber hinaus an Tantiemen für sein erstes Buch "Wie alles anfing"?) oder über die problemlosen Wiedereinreisen nach Italien. Darüber schweigt sich Baumann aus, obwohl er natürlich keine Namen und Intimitäten verraten müsste, denn wir sind ja keine Staatsfeinde und Anarchisten. Hilfreich für unsere baldige Flucht wäre es allemal' Bliebe nur zu klären, warum er 1973 der Stasi bereitwillig Auskunft gegeben hat. Das tut man nicht, Herr Baumann!
Dafür bietet das Buch wundersame Histörchen über iranische Drogenfahndungsomas, die mit seherischen Fähigkeiten ausgestattet schmuggelnde Hippies enttarnen. Übrigens ein gar nicht so seltenes Phänomen, viele alte Zigeunerinnen können einem auf den Kopf zusagen, dass man an der rechten Arschbacke einen Mückenstich hat. Wie auch immer diese Menschen das machen, für Europäer ist es Magie.
Magie und sonstigen spirituellen Kram gibt es in Pakistan und Indien zuhauf, und Baumann verdeutlicht das prima. Genau wie die politischen und historischen Hintergründe und die Gründe für die Gewaltexzesse dort. Das alles gilt bis heute, nur ein paar grausige Entwicklungen der letzten 20 Jahre fehlen zwangsläufig, aber es ist ja ein Geschichts- und Geschichtenbuch, keine aktuelle Dokumentation. Der Slum-Dreck Bombays mitsamt den Ratten genügt vollkommen.
In keinem Moment wird missioniert oder demagogisiert, was fast ein wenig schade ist, es werden nur Zustände geschildert, ein paar Absurditäten (speziell der Terroristenverfolgung und der sozialistischen Realität in der Sowjetunion und DDR) werden verlacht, aber ein wenig mehr politische Tiefe wäre das I-Tüpfelchen. Bommi Baumann könnte das vermutlich prägnanter als populistische Schwätzer wie Cohn-Bendit und Kollegen.

Die leicht naive Huldigung an den Punkrock der mittleren Siebziger stellt noch mal einen Zusammenhang zum Rock & Roll her, aber selbstverständlich ist "HiHo" kein Buch für den Musikunterricht. Aber eines für diejenigen, die sämtliche Standardwerke über die politischen Wahrheiten der Sechziger und Siebziger bereits gelesen und verstanden haben. Baumann ist nicht Stefan Aust, nicht Günter Wallraff und auch nicht Bernt Engelmann, er ist derjenige, der dem HiHo einen Namen gegeben hat.
Inzwischen ist er über 60 und bezeichnet sich als Internet-Surfer. Zu alt für ein neues Leben, von einem neuen Deutschland völlig abgesehen, aber man wünscht sich mehr von ihm, sonst werden diese Jahre bald ausschließlich von der staatlichen Geschichtsschreibung beherrscht sein. Jeder weiß, wie blöde es ausging, als der Wahlspruch "Macht kaputt, was Euch kaputt macht" in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Bitte nicht noch mal, der Feind ist heute viel schrecklicher - und vor allem bedroht er den gesamten Globus!
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