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Kundenrezensionen

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TOP 1000 REZENSENTam 22. Dezember 2016
Diese geflügelten Worte Christian Morgensterns könnte man immer unseren mehrheitlichen Reaktionen vorstellen, wenn es um die Selbsterkenntnis geht, wie leicht wir zu beeinflussen, zu lenken und zu aktivieren sind. Was bei der Beobachtung der Masse offensichtlich ist, leugnet der Einzelne bei sich selbst gerne ab:

„Die Meinung der Massen ist offensichtlich formbar, … Die Alphabetisierung sollte den gemeinen Bürger dazu befähigen, seine Angelegenheit selbst zu regeln. Durch Lesen und Schreiben sollte sich auch sein Geist so entwickeln, dass er zum Regieren fähig wäre (gemeint ist aktive politische Teilhabe, Anm. von mir.). Aber statt den Geist zu beflügeln, hat ihn die Alphabetisierung dem Einfluss von Prägungen ausgesetzt: Druckerzeugnisse voller Werbeslogans, Leitartikel, wissenschaftlicher Erkenntnisse, den Trivialitäten der Boulevardpresse zusammen mit tradierten Denkmustern. Zum eigenständigen Denken kommt es dabei eher selten.“

schrieb Edward Bernays (1891 – 1995) erstmals 1928 in seinem aufklärerischen Buch „Propaganda“. Der US-Amerikaner ist der geistige Urvater der Public Relations und – nicht ganz zufällig – auch der Neffe von Sigmund Freud. Für dessen Anerkennung in den USA sorgte Bernays auch persönlich. Doch war er nicht nur ein genialer Vordenker der Massenpsychologie, sondern auch ein enorm erfolgreicher Kommunikationsstratege, der zahlreiche Branchenverbände, Konzerne und auch Regierungen beraten hat.

Unter den Büchern, die ich über unsere geistigen Fallstricke und unsere dadurch stark gefährdete, eigene Urteilskraft gelesen habe, erachte ich neben Immanuel Kant, Gustave Le Bon, Erich Fromm und aktuell Daniel Kahnemann auch dieses Werk für ein zeitlos gewichtiges, das zumindest jeder gelesen haben sollte, der sich mit Soziologie, Gesellschaftspolitik, Psychologie, Medienrezeption, Public Relations bzw. Öffentlichkeitsarbeit beschäftigten möchte.

„Propaganda existiert überall um uns herum, und sie ändert das Bild, das wir uns von der Welt machen. Man mag dies für eine übertrieben pessimistische Einschätzung halten – wobei noch zu beantworten wäre, was so negativ daran ist. Aber es ist eine Tatsche.“ (Edward Bernays 1928)

Aus dem Fundus an Fallbeispielen, die Bernays selbst initiierte, greift er einige überzeugende heraus, um auf gut 100 Seiten seine Thesen zu plausibilisieren. Zuvorderst natürlich die zwingende Notwendigkeit, ein Staatswesen mittels Öffentlichkeitsarbeit zu lenken, wenn es funktionieren soll. Er erkennt darin jedoch keine Zweifel an der Integrität, sofern man sich auf einem ethisch-moralisch festen Grund bewegt. Seine Definition für Propaganda lautet:

„Moderne Propaganda ist das stetige, konsequente Bemühen, Ereignisse zu formen oder zu schaffen mit dem Zweck, die Haltung der Öffentlichkeit zu einem Unternehmen, einer Idee oder einer Gruppe zu beeinflussen.“

Sein Berufsethos beschreibt er als pragmatisch und betont, dass die Öffentlichkeit zu narren oder hinters Licht zu führen die eigene Reputation schnellstens zerstören würde.

Mit dieser „Pragmatik“ betrachtet Edward Bernays auch die politischen Notwendigkeiten in einer Demokratie. Manch einer mag ihm hier gerne machiavellischen Zynismus vorwerfen, doch bis heute ist es keinem politischen System gelungen, ihn zu widerlegen:

„Kein ernsthafte Sozialwissenschaftlicher glaubt noch, dass des Volkes Stimme von besondere Göttlichkeit oder erhabener Weisheit (Schwarmintelligenz, Anm. von mir) beflügelt sei. Vielmehr ist sie Ausdruck des Volksempfindens, welches wiederum von Anführern (gemeint sind Meinungsführern oder heute „Influencer“) gesteuert ist, an die die Menschen glauben, sowie von denjenigen, deren Geschäft die Manipulation der öffentlichen Meinung ist. Die Volksmeinung setzt sich zusammen aus überlieferten Vorurteilen, Symbolen und Klischees und den griffigen Sprüchen, die die Anführer dafür gefunden haben.“

Hier wird deutlich, welch Geistes Kind Edward Bernays ist. Er ist stark beeinflusst durch Gustave Le Bon, dem Vater der Massenpsychologie, der mit seinem beeindruckend erhellenden Essay „Psychologie der Massen“, der um 1900 erschienen war, die Grundthesen für viele nachfolgenden Gesellschaftsanalytiker, Soziologen, aber auch Demagogen aufgestellt hat. So gelten nicht nur Freud und Camus als bekennende Le Bon-Beeinflusste, sondern auch Hitler. Und Goebbels wiederum soll von Edward Bernays „Propaganda“ begeistert gewesen sein.

Zwingend logisch ergibt sich aus Edward Bernays Ansichten, dass er davon überzeugt war, dass ein Land immer von einer kleinen, oftmals dem Volk gar nicht bekannten, Elite geführt wird. Teil dieser Elite – ganz pragmatisch – sind eben auch PR-Experten. Das ist für ihn grundsätzlich nicht verwerflich, wenn auch sicherlich immer zu bedenken, sprich: wir sollten stets aufmerksam über unsere Eliten und deren Nutzung der Medien wachen.

Was für uns zur Zeit die noch nicht gänzlich durchdrungene manipulative Kraft der interaktiven Medien ist, war für ihn die Macht der elektronischen. Radio, Film und im Ansatz auch schon das Fernsehen. Und es ist unglaublich verblüffend wie sich dennoch die Szenarien gleichen. So wurde damals vom Automobil Hersteller Dodge eine Modell-Einführung erstmals landesweit mittels einer gesponserten Unterhaltungssendung im Radio bekannt gemacht. Innerhalb dieser Musiksendung, die 30 Mio. US-Bürger erreichte, hielt der Präsident des Konzerns eine vierminütige Rede. „…,ohne Zweifel die größte Zuhörerschaft, die je einem Konsumprodukt zur gleichen Zeit ihre Aufmerksamkeit geschenkt hat.“ Heute ist man da natürlich schon ein Schritt weiter. Da berichten die Medien freiwillig weltweit von Apple-Events oder der Enthüllung eines Erlkönigs.

Doch derart offenkundig werblich plump sind die Kommunikationsstrategien von Edward Bernays nicht. Seine besonderen Fähigkeiten bestanden darin, Wege zu suchen, die sich letztlich vom Konsumenten nicht als Werbung dechiffriert lassen. Ein berühmtes Beispiel wirkt bis heute fort: das American Breakfast. Für einen Schinkenproduzenten, der den Absatz deutlich erhöhen wollte, ersann er die Idee des bis heute weltweit angebotenen „herzhaften Frühstücks“. Der Clou war, dass er diese Idee über einige Ärzte in die Öffentlichkeit brachte. Er lies diese eine Umfrage unter Kollegen machen, ob sie eher ein leichtes oder ein herzhaftes Frühstück empfehlen würden. Der Cholesterinspiegel war da noch unbekannt (Wer hat den eigentlich erfunden? Margarine-Hersteller?) Die Mehrheit plädierte für das herzhafte und das Ergebnis der Umfrage wurde dann landesweit in vielen Medien aufgegriffen und verbreitet. Wir kennen das heute ja zur Genüge, wenn mal wieder vom Wein, Milch, Obstsorten, Tee oder anderen Genussmitteln auch ihre gesundheitlichen Vorzüge gerühmt werden.

Und auch dies kommt uns als Kenner der Promiszene und der Bilder angeblicher Paparazzis bekannt vor:

„Ein Seidenfabrikant auf der Suche nach einem neuen Markt für sein Produkt schlug einem Schuhhersteller vor, Seide in Damenschuhe einzuarbeiten, damit sie zu den Kleidern der Damen passen. Die Idee wurde umgesetzt und systematisch beworben. Eine populäre Schauspielerin wurde überredet, solche Schuhe zu tragen, die Mode breitete sich aus.“

Er nennt viele verblüffende Beispiele, die bis heute praxistauglich sind. Zuletzt sei hier noch die Idee für eine Eisenbahngesellschaft vorgestellt, die einen Börsengang machen will, jedoch wohl ein verschlafenes Image hatte:

„Oder einer Eisenbahngesellschaft rät er, einen Schnellzug anzubieten, das Unternehmen nach diesem Zug zu benennen und so der Aktie auf die Sprünge zu helfen.“

Besonders spannend sind auch die Offenbarungen, die Bernays bezüglich der nachweislichen Einflussnahme mittels Werbeschaltungen auf die qualitative und quantitative Berichterstattung in den Medien macht. Und natürlich die detaillierte Planung von „Homestorys“ für Politiker: „Das Küssen von Babys ergibt nur Sinn, wenn es mit einer wichtigen Leitlinie im Wahlprogramm im Einklang steht.“ Jede Partei ist gut beraten, Leute bei sich sitzen zu haben, die Edward Bernays gelesen und verinnerlicht haben.

Wer jedoch jetzt glaubt, dass Edward Bernays zu den größenwahnsinnigen Kommunikationsprofis zu zählen ist, irrt. Er erachtet die Masse nicht als willenlos, die man einfach in alle Richtungen hin manipulieren könne, sondern einzig als geistig bequem und unreflektiert.

Zur aktuellen Analyse des allgemeinen politischen Klimas und im speziellen zu dem Ergebnis der US-Präsidentenwahl zitiere ich noch zwei abschließende Bemerkungen von Edward Bernays im Buch:

„“Wenn der Abstand zwischen der intellektuellen Klasse und der praktischen Klasse zu groß ist“, sagt der Historiker Henry Thomas Buckle, „dann besitzt die erste keinen Einfluss, und die zweite wird keinen Vorteil davon haben.““

Und

„Durch Propaganda werde die Rolle des Präsidenten der Vereinigten Staaten überhöht und seine Person heroisiert, wenn nicht gar vergöttlicht, ist eine häufig zu hörende Kritik. Das trifft meiner Ansicht nach zu. Aber wie soll man einen Effekt verhindern, der sich offensichtlich mit einer Sehnsucht weiter Bevölkerungsteile deckt? Das amerikanische Volk hat ein ganz richtiges Gespür dafür, welch herausragende Bedeutung dem Präsidentenamt zukommt. Wenn die Menschen im Präsidenten ein heroisches Symbol dieser Macht sehen, dann ist das kein Fehler der Propaganda, sondern es spiegelt einfach das Verhältnis zwischen Amt und Volk wider.“

Bevor ich mich weiter versündige und noch mehr Zitate dieses zeitlos begnadeten Kommunikator ungefragt veröffentliche, komm ich zum Schluss mit einer uneingeschränkten Empfehlung dieses komprimierten, noch immer zeitrelevanten Einstiegs in die strategische Öffentlichkeitsarbeit.
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am 31. Dezember 2016
Propaganda von Edward Bernays ist quasi Propaganda für Propaganda. Er versucht, sein Handwerk, welches heute unter PR bzw. Public Relations bekannt ist, in einem guten Licht dastehen zu lassen und somit eine PR-Aktion für sein eigenes Berufsbild geschaffen. Dies sollte man bei der Lektüre unbedingt im Hinterkopf behalten. Das Buch ist aber auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Dieser Satz hat es mir besonders angetan (sinngemäß):

"Bei der alten Propaganda hat der Verkäufer zum Käufer gesagt: "Bitte kaufe dieses Produkt, bitte kaufe es!". Bei der neuen Propaganda sagt der Käufer zum Verkäufer: "Bitte verkauf mir dieses Produkt, bitte verkauf es mir!". Durch die Verwendung der neuen Propaganda wird ein unstillbares Bedürfnis geschaffen, sodass der Käufer überzeugt ist, er bräuchte genau dieses Produkt, obwohl es auch andere mit der gleichen Funktion gibt.
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am 28. Februar 2016
In keinem anderen Buch, das ich bislang zum Thema Propaganda gesehen habe, beschreibt der Verfasser derart unverhohlen und offen über die wahren Absichten einer Kunst, die vor allem in Deutschland einen schweren Stand und eine negative Konnotation besitzt. Nichtsdestotrotz, und das beschreibt Bernays ganz klar, kann eine Demokratie nicht funktionieren, kann eine Massengesellschaft nicht funktionieren, wenn sie nicht durch gezielte Propaganda gelenkt wird. Wie in der Überschrift geschrieben, man sollte es gelesen haben, wenn man die Gesellschaft und die Mechanismen derselben besser verstehen möchte.
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am 1. Mai 2017
Es ist alt, hat aber nichts von seiner Wahrheit verloren. Wir sind alle so leicht zu manipulieren. Hier wird einem klar, wie die Mechanismen funktionieren und wie wir tagtäglich von den Medien (der Propaganda) hinters Licht geführt werden.
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am 15. Juli 2017
Ist nett zu lesen und auch wirklich gut gesschrieben, aber Bernays geht schon sehr romantisch an die Thematik heran und verherrlicht das Thema schon ein wenig
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am 11. November 2010
Selten gibt es ein Buch, das gleich mit einem derartigen Paukenschlag beginnt, der einen geradezu umhaut. Deshalb sei es erlaubt, hier den Anfang des rezensierten Buches zu zitieren:

"Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. Doch das ist nicht überraschend, dieser Zustand ist nur eine logische Folge der Struktur unserer Demokratie: Wenn viele Menschen möglichst reibungslos in einer Gesellschaft zusammenleben sollen, sind Steuerungsprozesse dieser Art unumgänglich."

Diese Sätze sind nicht dem aktuellen Traktat einer Globalisierungsgegnerin entnommen; es sind nicht die Worte eines modernen Medienkritikers oder eines Analysten des heutigen politischen Systems; mit diesen Ausführungen beginnt das Buch Propaganda", das bereits 1928 in den USA veröffentlicht wurde. Sein Autor ist eine heute legendäre Figur in der Geschichte der Public Relations. Es war Edward Bernays, der als erster PR als professionelle Dienstleistung für Unternehmen und Organisationen angeboten hat. Auf seiner Arbeit basiert noch heute ein Großteil dessen, was wir über Public Relations-Management wissen.

In den vergangenen 80 Jahren sind unzählige Bücher zum Thema PR erschienen. Oft kleiden die Autoren ihre etwas anrüchig wirkende Profession dabei in weichgespülte Worthülsen oder abstrakte Struktur- und Prozessdiagramme. Was Bernays' Buch noch heute lesbar und interessant macht, ist seine Offenheit. Er sagt wie es ist, ohne sich beschönender oder tarnender Vokabeln zu bedienen. Dabei stellt er die Arbeit von Public Relations-Experten nicht in Frage - im Gegenteil: Für Bernays ist PR eine Notwendigkeit, um Zustimmung in der Öffentlichkeit für bestimmte Entscheidungen und Ideen zu bekommen. Kritiker mögen das anders sehen, doch macht Bernays (übrigens ein Neffe von Sigmund Freud) wenigstens seine Position klar. Und erzählt nebenbei, was gute PR ausmacht, angereichert mit einer Vielzahl von Anekdoten aus seiner beruflichen Laufbahn, die auch heute noch spannend zu lesen sind.

Management-Literatur wirkt oft schon wenige Jahre nach ihrem Erscheinen veraltet. Auf den Bestseller-Listen tauchen immer nur die Titel auf, die etwas Neues anpreisen. Und ein PR-Buch mit dem Titel Propaganda" wirkt heute politisch extrem unkorrekt, auch wenn der Begriff zu Beginn des Jahrhunderts noch weitgehend neutral verwendet wurde. Wenn aber ein PR-Buch den Rang eines Klassikers" und damit auch viele Leser verdient, dann ist dieses.
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am 10. April 2008
Ausgehend vom Titel erwartete ich zunächst einen kritischen zeitgenössischen Text zum Thema Public Relations. Dementsprechend war ich überrascht zu sehen, dass der Autor das Buch schon 1928 geschrieben hat, und zwar als Plädoyer FÜR Propaganda; er wollte den negativ besetzten Begriff schon von seinem negativen Image befreien, bevor wir in Deutschland überhaupt einen Reichspropagandaminister hatten.
Die USA sind uns auf dem Gebiet der PR eben einen deutlichen Schritt voraus, und die geschichtliche Entwicklung, die sich einem hier offenbart, bringt einen auf bemerkenswerte Gedanken: Propaganda von Goebbels und aus DDR-Zeiten ist naturgemäß „böse“ - aber inwiefern unterscheidet sie sich substanziell von der „Öffentlichkeitsarbeit“, die uns im 21. Jahrhundert von demokratischen Regierungen sowie von den Werbestrategien kapitalkräftiger Großunternehmen geboten wird. Letztere sind schließlich der sprichwörtliche Eisberg, von dem wir in Form von Plakatkampagnen, TV-Spots, Anzeigen etc. nur die Spitze wahrnehmen.
Insofern sind es Binsenweisheiten, die uns Edward Bernays da erläutert. Schließlich sind wir Medienprofis, die ihre Portion Aufklärung schon abgekriegt haben. Wieso aber wird einem trotzdem ganz anders zumute, wenn man von diesem Buch mitgenommen wird in eine Zeit, als Begriffe wie „Pressemeldung“ und „Lobbyarbeit“ noch nicht jedem Laien selbstverständlich waren, wieso hat bereits Bekanntes hier so eine ganz andere Wirkung? Der Autor kommt bei seinen Beschreibungen ohne die üblichen PR-Worthülsen aus, was sich sehr apart liest und vielleicht damit zu tun hat, dass der entsprechende Jargon einfach noch nicht gestanzt war. Man befindet sich in den Pioniertagen der PR, der Leser ist ganz dicht dabei bei diesem Entstehungsprozess, der letzlich unsere mediale Umwelt in ihrer heutigen Form hervorgebracht hat. Manchmal scheint es fast, als hätte sich die Redaktion der Sendung mit der Maus des Themas „PR“ angenommen, so klar, unvoreingenommen und scheinbar naiv wird es präsentiert – und das erinnert auf leicht gruselige Art dann eher an Science Fiction als an die 20er Jahre.
Ein erstaunliches Buch.
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am 2. Oktober 2008
Für Bernays ist Propaganda zunächst einmal ein neutraler und wertfreier Begriff, der einen organisierten Versuch bezeichnet, bestimmte Ideen und Lehren in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Propaganda solle, so der Autor, nach seinen Zielen und dem Wahrheitsgehalt der Informationen beurteilt werden. In diesem Sinne geht Bernays auch immer wieder auf die ethische Verantwortung des Propagandisten ein. Doch wirklich überzeugend ist sein Rehabilitationsversuch nicht. Bereits die ersten Sätze seines Buches verursachen dem aufgeklärten Leser unserer Zeit ein unangenehmes Frösteln: Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen "Regierungen in unserem Land."

Frösteln lässt einen weniger die darin beschriebene Aussage, als vielmehr die Art und Weise wie Bernays den Leser davon zu überzeugen versucht, dass Manipulation gut und wichtig ist. Nach Meinung des Autors ist Propaganda, und damit die Manipulation der Massen, für eine demokratische Gesellschaft unerlässlich. Organisation und Fokussierung der öffentlichen Meinung sind nötig, damit die Gesellschaft nicht im Chaos der Vielfalt versinkt und somit quasi handlungsunfähig wird. Aber nicht nur für das politische System ist Propaganda wichtig und nötig, sondern auch für die Wirtschaft. Die Gesellschaft hat sich für den freien Wettbewerb entschieden und damit dafür, über Propaganda und Meinungsmanagement gesteuert zu werden. In Zeiten der Massenproduktion muss der Warenumsatz konstant gehalten oder besser noch gesteigert werden, damit die Produktion profitabel ist. Wäre lediglich der Preis für die Kaufentscheidung bedeutsam, würde das zu einem mörderischen Verdrängungswettbewerb" führen, der erst beendet wäre, wenn die Marge auf Null geschmolzen wäre. Während es zu Bernays Zeiten durchaus üblich war, dem Kunden in Werbeanzeigen ein Produkt verkaufen" zu wollen, kehrt Bernays - ebenso wie die heutigen Public-Relations-Berater - den Prozess um, indem sie den Kunden so manipulieren, dass er von sich aus zum Händler geht und ein bestimmtes Produkt kaufen will - einfach weil es schick ist oder modern, weil es bestimmte unbewusste Sehnsüchte zu befriedigen scheint oder weil scheinbar unabhängige Dritte sagen, dass es gesund ist und so weiter. Doch Bernays widmet sich der Propaganda nicht nur im politischen und wirtschaftlichen Umfeld, sondern ebenso in der Frauenbewegung, Bildung, Wissenschaft und im Sozialwesen.

Bernays "Propaganda" ist ein zeitloses Buch, dass die Grundmechanismen der Public Relations anschaulich und anhand vieler Beispiele erklärt. Nach achtzig Jahren hat es nichts von seiner Gültigkeit verloren, auch wenn die darin beschriebenen Strategien zur Manipulation der öffentlichen Meinung im Laufe der Jahre verfeinert wurden. Die Beispiele stammen zumeist aus Bernays Arbeit als Berater und helfen seine Aussagen zu illustrieren. Der Autor vermittelt keine detaillierten Anleitungen, wie ein Public-Relations-Berater vorzugehen hat, sondern allgemeine Strategien und Überlegungen. Aufgeklärte Leser wird es nicht erschrecken, dass unsere heutige Gesellschaft funktioniert, wie in einem Buch aus dem Jahr 1928 beschrieben. Die Naivität aber oder auch Kaltschnäuzigkeit, mit der Bernays von der Manipulation der Massen spricht und sie als etwas Positives, ja Nützliches propagiert, wird es schon eher. Mit einem gewinnenden Lächeln und scheinbarem Wohlwollen gibt er das Ideal der Aufklärung auf.
An sich verhält es sich mit dem Begriff Manipulation" wie mit dem Begriff Propaganda", er hat eine negative Konnotation und seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Doch selbst wenn man die Begriffe wertneutral einsetzt, ist das, was Bernays beschreibt, unbewusste Einflussnahme auf die Öffentlichkeit, die sich, ganz fatalistisch gesehen, nur zu gerne einer nebulösen Führung unterwirft, die ihre unbewussten Triebe und Sehnsüchte kanalisiert und steuert.

Für aufgeklärte Leser eine lesens- und empfehlenswerte Lektüre, die Mechanismen der Einflussnahme beschreibt und seinen Reiz aus der immer noch währenden Gültigkeit bezieht.
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am 14. August 2013
Habe ich überhaupt eine eigene Meinung, oder ist meine Meinung das Ergebnis von geschickter Manipulation meines Denkens? - diese Frage stellt sich der Leser im laufe des Buches.

Bernays beschreibt die Kunst der Propaganda im Bezug auf Bildung, Sozialwesen, Politik, Wirtschaft etc..

Wenn man beachtet wie alt das Buch ist, könnte man erschrecken. Wie sieht es heute erst mit der Propaganda in Politik, Wirtschaft und Medien aus? Wo fängt sie an und wo hört sie auf?

Ein tolles kurzes Beispiel der Public Relations aus dem Buch:

Ein Fleischgroßhändler, der mit einer Werbekampagne der alten Schule mehr Speck verkaufen will, würde demnach in ganzseitigen Anzeigen möglichst oft herunterbeten: Esst mehr Speck. Speck ist billig, gut und gibt Kraft".
Ein Verkäufer der neuen Schule, der die Gruppenstrukturen der Gesellschaft und die Prinzipien der Massenpsychologie versteht, würde sich als Erstes fragen: Wer beeinflusst die Essgewohnheiten der Menschen am meisten?" Die Antwort liegt auf der Hand: Die Ärzte". Der neue Verkäufer wird also Ärzte dazu anhalten, öffentlich zu verkünden, wie nahrhaft und gesund Speck sei. Weil er die seelischen Abhängigkeiten vieler Menschen von ihrem Arzt kennt, kann er mit der Gewissheit eines Naturgesetzes vorhersagen, dass sehr viele Menschen dem Rat ihres Arztes folgen werden."

..nun werde ich nie wieder auf meinen Arzt hören :-)
- Klar ist das alles mittlerweile nichts Neues mehr, man muss aber beachten zu welcher Zeit das Buch geschrieben worden ist -

Bernays war ein Meister der PR und traurig, dass das Wort Propaganda" so negativ behaftet ist. Er profitierte von seinem berühmten Onkel Sigmund Freud und dessen Forschung im Bezug auf Massenpsychologie. Freud wiederum orientierte sich an Gustave Le Bon - Psychologie der Massen - welches ich in Verbindung mit Bernays Buch unbedingt zu lesen empfehlen würde.

Das Buch gibt tolle Einblicke in die Kunst der PR und eröffnet dem Leser einen etwas anderen Blickwinkel auf Marketing im gesamten.

Lesenswert
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am 10. April 2008
Anhand von zahlreichen Beispielen veranschaulicht und durch eine klare Gliederung zugänglich gemacht, breitet Bernays die Bedeutung oder vielmehr Notwendigkeit von Öffentlichkeitsarbeit für Regierungen, Wirtschaftsunternehmen, soziale Bewegungen, die Wissenschaft und sogar für die Kunst vor uns aus. Die Abläufe zwischen der unbewussten Aufnahme gezielt gesetzter Reize bis hin zu deren Wirkung (und konkreten Auswirkungen) werden genau erläutert.

Die Unverfrorenheit, mit der der Autor die inneren Zusammenhänge zwischen Emotion und Manipulation, zwischen Gruppenidentitäten und gezielt steuerbaren Konsumgelüsten darlegt, kann einem sogar unsympathisch werden. Dass unsere Selbstwahrnehmung als Individuen eine (heute von der Werbung mehr denn je gepflegte) Illusion ist und wir im Grunde nur leicht zu beeinflussende Bestandteile der Masse sind, die von einer (natürlich völlig zu Recht diese Position einnehmende) Elite gelenkt werden, ist für Bernays ganz selbstverständlich. Und leider ist seine kühle Argumentation teilweise nachvollziehbar. Vielleicht hat er doch recht, und nur so ist menschliches Zusammenleben zu organisieren?

Interessanterweise spricht dieser erfolgreiche PR-Spezialist, ein Mann der Praxis, die Frage nach einer Ethik von Propaganda an. Denn die Manipulation von Meinungen ist für an sich nichts Verwerfliches, im Gegenteil – es kommt ja nur darauf an, in den Dienst welcher Sache man sich stellt; und gelogen werden darf natürlich nicht! Jeder durchschnittliche Medienkonsument (also jeder) sollte sich heute darüber im Klaren sein, als wie unverbindlich diese noblen Ansprüche zu bewerten sind. Schon bei Edward Bernays, einem der ersten und prominentesten Vertreter seiner Branche, einem Gründervater der PR, funktionierte offensichtlich der Mechanismus, die eigene Rolle so zu relativieren, dass praktisch jede Handlung gerechtfertigt werden kann.

Ein empfehlenswertes historisches Buch - mit zeitlosen Fragestellungen und Überlegungen, die ausgesprochen gut zu den gegenwärtigen gesellschaftlichen Trends passen.

Zu loben ist auch nach hervorragende Nachwort, das eigentlich wie eine Einführung funktioniert und viel wertvolle Hintergrundinformation bietet.
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