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am 28. Juni 2008
Der Autor und kasachische PEN-Prädident Abdishamil Nurpeissow, geboren am Aralsee, stammt aus einer Fischerfamilie. Doch seit den 60er Jahren schwindet der See unaufhörlich. Meter um Meter sinkt der Wasserspiegel, legt Fischerboote auf trockenen Grund. Einst liefen die Boote der Schiffer Tag und Nacht mit ihren Trawlern aus, um frischen Fang mit ihren Netzen im Aralsee einzuholen. Der See galt als Anlaufpunkt für Kurgäste und Ferienlager beherbergten unzählige Kinder.Heute sind vom einst viertgrößten See der Welt nur noch zwei kleine Salzlachen übrig. Die beiden Zuflüsse Amudaria und Syrdaria liefern an ihrem Lauf Wasser für Baumwollplantagen und speisen ihn nicht mehr.
Nurpeissow beeindruckt durch seine lebendigen und authentischen Romanfiguren. Ja, so dürfte es den Fischern am Aralsee ergangen sein, als die Fänge immer häufiger ausblieben. Jadiger als Vorsitzender einer Fischereigenossenschaft riskiert alles, um seinen Leuten noch einen guten Fang zu verschaffen. Risikoreich überquert er mit seinem LKW das noch frische Eis des Flusses, damit sie den Fischen folgen können. Er fährt nicht zur Familie zurück, sondern hilft vor Ort. Wochenlang kommt er nicht nach Hause und zieht sich damit den Unwillen seiner Frau Bakizat zu. Es kommt zum Streit zwischen Ihnen und seine Frau verläßt ihn für Azim, einem Jugendfreund aus gemeinsamen Studienzeiten.
Bedrückend als im heimatlichen Ail am Aralsse an einem Tag 25 Familien ihre Häuser verlassen und ihre Habe auf Lastwagen abtransportieren. Ein Abschied für immer. Armut und fehlende Arbeitsmöglichkeiten ließen keine andere Wahl. Nurpeissow versteht es meisterhaft aus der Ich-Perspektive der erinnernden Hauptpersonen das gesellschaftliche Ganze zu umreißen. Alles entsteht aus den Erinnerungen der Hauptpersonen heraus. Die Romanhandlung dauert nur einen Tag und eine Nacht, in denen an den Beteiligten das ganze Leben und die Sorgen und das Schicksal des Volkes vorbei ziehen.
Der einohrige Intrigant Sary Schaja will Jadiger davon überzeugen, daß er seine Ehre verteidigen soll. Doch er kümmert sich nicht darum, sondern flieht auf das Eis des Aralsees und denkt darüber nach, was ihn in diese aussichtslose Lage geführt hat. Bakizat und Azim kommen dazu, als sie ihn dort bei der Abreise erkennen. Doch eine riesenhafte Eisfläche bricht ab und alle stehen plötzlich auf ihr, abgeschnitten vom Land. Es wird Nacht, auch einen zerzausten Wolf mit rotglühenden Augen hat es auf die Eisinsel verschlagen. Nun beginnt ein elementares Ringen mit der Kräften der Natur. Jadiger verletzt sich. Wie wird Kampf ausgehen, gibt es eine Rettung?
Vergleicht man Abdishamil Nurpeissows Werk mit Aitmatows Richtstatt" oder Der Tag zieht den Jahrhundertweg", so schreibt er ähnlich spannend und streng durchkomponiert mit imposanten Naturbildern. Ohne Bedenken würde ich mich der Bewertung des Slawisten Leonhard Kossuth anschließen, hier liegt ein Stück Weltliteratur aus Kasachstan vor. Das eine erste frühere Fassung den Moskauer Zensoren nicht gefallen hat, läßt sich gut vorstellen.

Marko Ferst (Autor/Hrsg. von: Wege zur ökologischen Zeitenwende)
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