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Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
4
Regierungsauftrag Mord: Der Tod Lumumbas und die Kongo-Krise
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:22,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 23. Juni 2002
1959 kam es im damaligen Belgisch-Kongo zu Revolten gegen die Kolonialherrschaft Belgiens. Einer der Anführer, der 34-jährige Patrice Lumumba, Kopf des Mouvement national congolais (MNC), wird inhaftiert. Die Belgier werden den Aufständen nicht Herr, laden im Jänner 1960 zu einem Runden Tisch nach Brüssel - auch Lumumba wird freigelassen und direkt aus dem Gefängnis zud en Beratungen beigezogen. Die belgische Regierung gibt der antikolonialen Bewegung nach und verfügt die Unabhängigkeit des Kongo mit dem 30. Juni 1960, wobei im Mai davor Wahlen stattfinden sollen. Am 31. Mai 1960 ist klar, daß Lumumba und die MNC Wahlsieger sind. Im Juni 1960 wird Lumumba erster Ministerpräsident und Kasavubu erster Präsident. Am 30. Juni 1960, dem Tag der Unabhängigkeit, kommt es bei der Übergabe der Souveränität zum Eklat. Nach der Ansprache von König Baudoin, der ein idyllisches Bild von der Kolonialepoche gezeichnet hat, ergreift - außerhalb des Protokolls - Ministerpräsident Lumumba das Wort. Verdutzt vernehmen die Gäste und per Radio die zuhörenden Kongolesen und die interessierte Welt, wie Lumumba dem belgischen König widerspricht. Anders als König Baudoin sieht er in der endlich gewährten Unabhängigkeit keineswegs ein großzügiges Geschenk aus Brüssel. Er weist daraufhin, daß die Unabhängigkeit zwar im Einvernehmen mit Belgien proklamiert, aber de facto von den Kongolesen erkämpft wurde. Schonungslos brandmarkt er das belgische Kolonialsystem und nennt es eine demütigende Sklaverei, die den Kongolesen mit Gewalt aufgezwungen worden ist. Er schließt mit dem Hinweis: "Nachdem Belgien endlich begriffen hat, wohin der Lauf der Geschichte geht, hat es nicht versucht, sich unserer Unabhängigkeit in den Weg zu stellen." Lumumba wird damit zwar zum Unabhängigkeitshelden des Kongo, hat allerdings damit - ohne es zu wissen - sein eigenes Todesurteil gesprochen. Denn Belgien wollte den unabhängigen Kongo weiterhin massiv am insbesonders wirtschaftlichen Gängelband halten, was mit Lumumba nicht mehr möglich erschien. Von Juli 1960 bis 17. Jänner 1961, dem Todestag Lumumbas ging es Schlag auf Schlag: Nachdem General Émile Janssens erklärt hat, das - bis dato rein belgische - Offizierskorps der kongolesischen Armee stehe Kongolesen nicht offen, kommt es in mehreren Armeecamps zu Rebellionen. Belgische Truppen intervenieren überall im Land und besetzen strategisch wichtige Orte. Unterstützt von belgischem Militär proklamiert Tschombe die Unabhängikeit Katangas, der reichsten Provinz des Kongo. Die kongolesische Regierung ersucht die UNO um Hilfe. Blauhelme ziehen im Kongo ein, unterstützen die rechtmäßige Regierung jedoch kaum. Mit Rückendeckung der UNO setzt Präsident Kasavubu Ministerpräsident Lumumba und einige seiner Minister ab, die beiden Kammern des kongolesischen Parlaments stimmen gegen den Staatsstreich. Als Folge dessen löst Präsident Kasavubu mit Hilfe des Generalstabschefs Mobutu das Parlament auf. Patrice Lumumba wird unter Hausarrest gestellt, kann fliehen. Die UNO-Führung weist ihre Blauhelm-Truppen an, Lumumba, der von Mobutus Soldaten gesucht wird, nicht zu beschützen. Der Ex-Ministerpräsident wird entdeckt, verhaftet und eingesperrt. Der Plan, ihn zu eliminieren, reift bei der ehemaligen Kolonialmacht und wird mit Hilfe der kongolesischen Marionettenregierung und dem Sezessionisten Tschombe verwirklicht. Lumumba wird am 17. Jänner 1961 nach Katanga gebracht und dort von seinen Feinden unter belgischer Anleitung gedemütigt, mißhandelt und noch am gleichen Tag umgebracht. Danach wird der Mord vertuscht. Ganz vertuschen ließ er sich jedoch nicht. Einiges ist durchgesickert. Was im Detail damals wirklich geschah, hat Ludo De Witte in seinem Buch "Regierungsauftrag Mord - Der Tod Lumumbas und die Kongo-Krise" (Forum Verlag Leipzig 2001 - "L'assassinat de Lumumba", Edition Karthala Paris 2000) aufgezeigt und analysiert. Die Schuld der belgischen Kolonialmacht an diesem politischen Mord wird klar herausgearbeitet. Nach dem Erscheinen des Buches hat das belgische Parlament eine Untersuchungskommission eingerichtet, welche die 40 Jahre zurückliegenden belgischen Aktivitäten untersuchen soll - spät aber doch. Bewirkt hat der Mord an Lumumba für den Kongo aber nichts Gutes. 1963 wurde die Sezession Katangas zwar nach Kämpfen zwischen UNO-Blauhelmen und den Gendarmerie katangaise beendet, 1965 kam es jedoch zum zweiten Staatsstreich Mobutus, der die zweite Republik proklamierte und alle Macht in seiner Hand vereinte. Bis 1997, als er von Laurent-Désiré Kabila gestürzt wurde, beutete Mobutu den Kongo aus, machte ihn zu einem der Armenhäuser der Welt und sich zu einem der reichsten Männer der Welt. Das Buch von Ludo De Witte ist eine hervorragende Beschreibung und Analyse der Unabhängigkeitswerdung des Kongo, Kongo-Krise der sechziger Jahre und der Ermordung Lumumbas, wenngleich es sich manchmal in zu vielen Details verliert. Dies hängt offenbar damit zusammen, daß der Historiker und Soziologe Ludo De Witte sein Buch auf Recherchen aufbaut, die ihm in den verschiedensten Archiven eine unglaubliche Menge an Informationen geliefert haben.
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am 6. Oktober 2003
Das Buch gibt in minutiöser Aufarbeitung der Ereignisse rund um die Ermordung Lumumbas ein erschütterndes Bild des europäischen Kolonialismus in Afrika, wirft ein mehr als bedenkliches Licht auf das Agieren der UNO und stellt Belgien als Kolonialmacht par excellence dar, die unter allen Umständen ihre Pfründe sichern will. Dazu kommt das Kräfteparallelogramm des kalten Krieges. Phasenweise unerträglich zu lesen ist die aus Zeugenaussagen akribisch rekonstruierte und ins Detail geschilderte Folterung Lumumbas über mehrere Tage bis zu seiner Erschiessung. Eine beeindruckende und erschütternde Arbeit, die viel zum Verstehen der aktuellen Lage im Kongo beiträgt.
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am 13. April 2003
Das Buch versucht penibel und sehr genau alle wichtigen Ereignisse zu beschreiben, die während der Kongo Krise zum Fall und zum Tod von Patrice Lumumba geführt haben. Ereignisse, die den Kongo bis heute prägen.
Überraschend ist dabei, dass es dem Autor größtenteils gelungen ist, totz des Detailreichtums ein spannendes (von einigen wenigen Stellen abgesehen) und vor allem ein höchst informatives Buch zusammenzustellen. Viele Kernaussagen sind mit Literaturhinweisen versehen und auf einem seitenlangen Verzeichnis aufgeführt. Das Buch dürfte wohl auch angesichts der aktuellen politischen Lage interessant sein, da es einige Aufschlüsse über die UN und deren Ohnmacht bei politischen Ereignissen gibt, sowie über die Überheblichkeit der "westlichen" Mächte. Es bleibt abzuwarten inwiefern sich das heutige Vorgehen von dem von vor rund 40 Jahren unterscheidet... vielleicht nicht mal so wesentlich wie man es sich erhoffen sollte.
Für politisch interessierte Menschen, für Hobby-Historiker und für Afrika-Liebhaber ein absolutes Muss!
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am 26. Juni 2005
"Regierungsauftrag Mord" ist ein spannendes und sehr aufwühlendes Buch über die Ermordung des ersten und bisher einzigen frei gewählten Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaïre) - Patrice Lumumba.
Dem Autor gelingt es dabei, die Hintergründe, die zur Unabhängigkeit von Belgien, zur Sezession von Katanga und Süd-Kasaï und damit zum blutigen Bürgerkrieg, zum verwerflichen Eingreifen der überforderten und einseitig Partei beziehenden UNO-Truppen, zum Putsch von Mobutu und schliesslich zur Inhaftierung, Folterung und Hinrichtung von Lumumba führten, genauestens zu erhellen und zu analysieren.
Der Autor dabei ist keineswegs neutral, sondern man merkt ihm seine Abneigung gegenüber der Bluttat deutlich an - was jedoch nicht heisst, dass er einseitig ist. Er nimmt eindrücklich Stellung und beweist, dass hinter den ganzen Ereignissen, die im Kongo hunderttausende von Menschen das Leben kostete und die ganze Region in Chaos stürtze, niemand anderes als der belgische Staat stand, der das Land - obwohl erst gerade in die Unabhängigkeit entlassen - wieder unter Kontrolle bringen wollte. Und Lumumba, der "Nationalist aus Afrika", störte da ganz gewaltig, also musste er weg, egal auf welche Weise.
Das belgische Parlament hat kurze Zeit nach der Veröffentlichung dieses Werkes eine unabhängige Kommission gebildet, die die starken Anschuldigungen untersuchen sollen.
Fazit: Ein zwar detaillreiches, aber auch ein spannendes und sehr bewegendes Buch (die Passage, in der die Folterung und Ermordung von Lumumba dargestellt wird, ist so bewegend, dass ich mehrmals eine Pause machen musste).
Wer sich über die ganze Problematik der Entkolonialisierung Afrikas, über die Schuld der Ersten Welt dabei, über die Geschichte der Demokratischen Republik Kongo oder über die Ermordung von Patrice Lumumba informieren will, ist hier bestens aufgehoben.
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