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am 2. Januar 2013
«In diesem Buch möchte ich dir manch ein Geheimnis erhellen und dessen Himmel in ergiebigem Regen auf dich herabrieseln lassen.» Der Anqa Mughrib, das bedeutendste Frühwerk Ibn Arabis, ist erstaunlich wenig bekannt. Erst vor wenigen Jahren hat ein westlicher Orientalist, Gerald W. Elmore, eine wissenschaftliche Edition zuwege gebracht und auf deren Basis das Werk vollständig ins Englische übertragen sowie ausführlich kommentiert. Mit der ersten Übersetzung ins Deutsche hat die Edition Shershir nun ein ganz besonderes Juwel in ihrem noch jungen Katalog.
Es ist ja bekannt, dass Ibn Arabi Jesus als ersten «Lehrer» annahm und, wie er selbst von sich bezeugt, zu Beginn seines (geistigen) Lebens ein «Isawi», also ein Christ gewesen ist. Weniger bekannt ist, dass er sein ganzes Leben lang eine liebevoll-innige Nähe zu Christus, dem Siegel der Heiligen, bewahrte und sich selbst letztlich kühn als «Siegel der mohammedanischen Heiligkeit» definierte. Der Anqa nun ist eine einzige und einzigartige Hommage an das Siegel der Heiligen, verknüpft mit der (noch nicht explizit so benannten) Idee des Vollkommenen Menschen, die hier als «mohammedanische Wirklichkeit» auftritt. Nicht zufällig entstand das Buch in einer Zeit, die von persönlicher Aufbruchsstimmung, aber auch allgemein von apokalyptischer Endzeiterwartung geprägt war (der Islam wurde im andalusischen Westen von der Reconquista bedroht, im Osten ahnte man schon den späteren Einfall der Mongolen). Die Zweite Wiederkunft Christi (von der auch in den Hadithen die Rede ist) schien unmittelbar bevorzustehen. In diesem beklemmenden geschichtlichen Moment entstand der Anqa als kühner Entwurf einer Erneuerung des Islam aus christlichem Geiste: «Der dürre Ast wird neu belebt und wieder Früchte tragen.» Dieser Prozess wird symbolisiert vom «Aufgang der Sonne im Westen».
Man versteht, dass sich der Urheber solch gewagter Visionen gegenüber der islamischen Orthodoxie durchaus bedeckt halten musste, und zwar auch in Andalusien, das keineswegs so tolerant war, wie allgemein angenommen. Ein Mittel zur kunstvollen Verschleierung dieser Ideen stellt die Sprache des Anqa dar. Sie ist durch und durch poetisch verdichtet, farbenreich und übersät von unzähligen Metaphern und symbolischen Anspielungen. Im Übrigen ist auch der Titel des Buches selbst ein Deckname, dessen Code nicht aufgelöst wird. Keine leichte Lektüre! Der Leser ist daher dankbar für die sehr zahlreichen Anmerkungen von Elmore bzw. dem deutschen Übersetzer, die den Text entschlüsseln helfen und wichtige Hintergrundinformationen liefern.
Zu den Höhepunkten zählen mehrere in den Text integrierte Gedichte, die vom deutschen Übersetzer direkt aus dem Arabischen übertragen wurden und zum Teil verblüffend modern wirken: «Ich bestaunte einen Ozean ohne Küste / Und ein Gestade ohne Meer / Einen hellen Morgen, der keinem Dunkel folgt / Und eine Nacht, die nicht ins Licht der Frühe mündet.» In seinem mittleren Teil (der Text des Anqa ist wie ein Triptychon aufgebaut) erleben wir eine hinreißend anschauliche Szenerie von der Erschaffung der Welt, die den Vollkommenen Menschen als Hauptdarsteller präsentiert. Der Anqa endet mit einer zusammenfassenden Würdigung von Christus aus Fundstellen des Koran und der Hadithe, die Ibn Arabi zu Recht «bruchstückhaft» nennt und – ein genialer Einfall – andeutungsweise um sein inneres Wissen bzw. seine innere Deutung ergänzt. Wenn man z.B. sieht, wie innig er mit der biblischen Passionsgeschichte vertraut war, verschlägt es einem den Atem!
In die etwas schwierige Thematik des Anqa wird der Leser durch eine sehr kompetente Einleitung von Gerald W. Elmore eingestimmt. Der Anhang enthält umfangreiche Auszüge aus den Fusus und den Futuhat, die vom Siegel der Heiligen handeln, sowie ein ausführliches dreiteiliges Register.
Dieses äußerst inhaltsreiche Buch wird noch von sich reden machen!
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