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am 29. Oktober 2013
Jérôme Ferrari, der mittlerweile mit Frankreichs Größen wie Michel Houellebecq in einem Atemzug genannt wird, ist mit Balco Atlantico ein Meisterwerk gelungen. Jetzt ist der Roman auch auf Deutsch erschienen: in äußerst präziser und sprachgewaltiger Übersetzung – so zumindest mein Eindruck, nachdem ich das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen habe. Zum Kauf habe ich mich entschieden aufgrund von mehreren Presserezensionen, die das Buch überschwänglich gelobt haben. Meine folglich bereits hohen Erwartungen wurden bei der Lektüre sogar übertroffen.

Die Romanhandlung ist unterteilt in drei interagierende Geschichten:

- „Gedächtniswucher“: Ein renommierter, bald jedoch psychiatriereifer Anthropologieprofessor vergisst plötzlich nicht nur Dinge, er ist auch fest von der Wirklichkeit gewisser Begebenheiten überzeugt, die in Wahrheit nie existiert haben. Das bringt ihn immer wieder in Schwierigkeiten, vor allem bei seinen zahlreichen (reellen oder imaginierten) Sexualabenteuern.

- „Traum eines jungen Mädchens“: Die minderjährige Virginie verliebt sich krankhaft in den geltungssüchtigen Stéphane, der Karriere in der korsischen Untergrundbewegung macht. Stéphane, dessen Arbeit als „Kopf der Bewegung“ mit relativ harmlosen, oft geschichtsverfälschenden Publikationen zur Legitimierung korsischer Unabhängigkeitsbestrebungen beginnt, verliert vor Ehrgeiz und ideologischer Verblendung allmählich jeden Bezug zur Realität. Er will herrschen, auch über Virginie, die er für seine sexuellen Perversionen instrumentalisieren und seelisch brechen wird.

- „Hinter euch, das Meer“: Zwei Geschwister aus Marokko haben mangels Perspektiven die Überfahrt nach Europa gewagt. Doch was sie erwartet, ist kein besseres Leben sondern Ausgrenzung und schließlich eine Tragödie, da sie der Doppelmoral der korsischen Untergrundbewegung zum Opfer fallen werden.

Neben weiteren Charakteren wird insbesondere dem vereinsamten Vincent eine wichtige Rolle zukommen. Denn Vincent scheint einer der wenigen unter den korsischen Aktivisten zu sein, die einen Rest an Menschlichkeit bewahrt haben. Hinter der Kulisse geschäftigen Gläserklirrens in der Bar wird er der Herzen dunkle Schläge gewahr. Denn im Grunde genommen sind alle geplagt von der Angst vor dem Nichts. Doch wissen das die wenigsten, so sehr sind sie Ablenkung von sich selbst gewohnt – mit oftmals virulenten Auswirkungen für ihr Umfeld.

Wie in seinen anderen Romanen versteht es Ferrari meisterhaft, mitunter rohe Gewalt- und Sexszenen durch höchst poetische Sprache zu sublimieren und in intellektuell anspruchsvolle Themen einzubetten. So gehört etwa das Gedächtnis mit seinem trügerischen Wesen, ob individuell-subjektiv oder kollektiv konstruiert, zu den Leitmotiven. Auch wird mit ideologischem Denken abgerechnet, das sich vordergründig für die „gute Sache“ einsetzt, in Wahrheit aber keine Abweichungen duldet, sich selbst belügt, zweierlei Maß ansetzt, und mithin zur Entfaltung lebensfeindlicher Dynamiken tendiert.

Ferrari ist kein Schriftsteller, der einfach drauf los schreibt. Denn alles, was er zu Papier bringt, ist perfekt durchkomponiert, und geht am Ende auf zu einem zusammenhängenden Ganzen. Das hat den Vorteil, dass ich beim Lesen des Buches nicht, wie so oft, abgeschaltet habe mit dem Eindruck, dass da ein Autor mal wieder einfach schreibt, was ihm gerade in den Sinn kommt und dabei nicht unbedingt die Aufmerksamkeits- und Nachvollzugsgrenzen seiner Leserschaft im Blick hat. Aber ganz anders bei Ferrari: Hier hat jeder Satz seine Bedeutung. Und aus diesem Grund ist der Roman auch relativ kurz, aber dafür umso intensiver geraten. Ferrari schafft es, Geschichten mit einem hohen Grad an Komprimierung zu entwickeln.

Wenn die einzelnen Episoden höchst elegant verwoben sind und am Ende ineinander aufgehen, heißt das gleichwohl nicht, dass ich ebenso elegant mit der Geschichte abschließen konnte. Denn die verarbeiteten Themen und entwickelten Charaktere beschäftigen mich noch immer. Das liegt daran, dass Ferrari die Gabe besitzt, die menschliche Psyche mit außergewöhnlichem Scharfsinn in poetischer Sprache zu analysieren. In Balco Atlantico schreibt er äußerst nah am Menschen, so nah, dass ich manchmal den Eindruck hatte, er dringe bis zu seinem innersten Kern vor, um dessen Lügen und Selbsttäuschungsversuche zu entlarven – aber auch um ihn in seinen Ängsten, seiner Zerbrechlichkeit und seiner Fähigkeit zu lieben und zu hoffen hervorzuheben. Im Vergleich zum Roman „Predigt auf den Untergang Roms“, für den Ferrari 2012 mit dem Goncourt-Preis die höchste französische Literaturauszeichnung erhalten hat, findet eine Schwerpunktverlagerung statt: von der Verwebung des Lokalen mit weltgeschichtlichen Zusammenhängen bei der „Predigt“, hin zur psychologischen Untersuchung menschlicher Einzelschicksale bei Balco.

Bei Ferrari sehe ich neben der Poetik seines Stils vor allem eine Stärke, die ihn von vielen anderen zeitgenössischen Autoren unterscheidet: Ferraris Schreiben besteht nicht in der bloßen Wiedergabe von uns umgebender Realitäten, die uns immer willkürlicher erscheinen mögen; nein, es gelingt ihm wie kaum einem anderen, Bedeutung herzustellen und uns mögliche Wege zu mehr Daseinssinn und -erkenntnis aufzuzeigen. Überdies harmonieren bei Balco Tragik und Komik in perfektem Wechselspiel, ohne gekünstelt zu wirken, sodass ich an vielen Stellen berührt war, an anderen aber auch viel schmunzeln musste.

Also: dieses Buch unbedingt lesen!
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am 2. November 2013
"Balco Atlantico" war ein außergewöhnliches Geburtstagsgeschenk für einen Leser wie mich, der in den letzten Jahren vorwiegend schnell zu lesende Bucher, wie Krimis und Unterhaltungsromane, konsumiert hat. So habe ich auch einige Seiten gebraucht, um mich mit dieser außergewöhnlich kompakten Sprache, mit zum Teil sehr langen Sätzen, vertraut zu machen. Dann aber habe ich auf gerade mal 165 Seiten ein Leseerlebnis der ganz besonderen Art gehabt. Ich habe jeden einzelnen Satz in seiner Klarheit und Prägnanz genossen und konnte in Sprache und Handlung komplett eintauchen.
Jerome Ferrari hat seine großartigen Hauptfiguren in einer Art und Weise beschrieben und agieren lassen, dass jede von ihnen einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen wird. Wie schön die deutsche Sprache sein kann, ist mir bei diesem Meisterwerk seit langem einmal wieder bewußt geworden. Hut ab auch vor den beiden Übersetzern!
Wer mal Abwechslung von der Alltagsliteratur braucht, ist mit diesem Buch bestens bedient. 5 Sterne!! "Predigt auf den Untergang Roms", ein weiterer Roman von Ferrari, steht schon auf meiner Wunschliste.
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am 15. November 2013
Gute Geschichten werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Diese Geschichte, und ihre Fragen, verfolgen einen. Einerseits will man weiter recherchieren, andererseits nachdenken. Während des Lesens und in den Stunden danach bleibt das Gefühl von Ferraris Worten und Welten: jenseits von Gut und Böse, feinfühlig vielstimmig, endlich ein Buch "ohne Samthandschuhe". Unprätentiös, ehrlich, und dabei gewaltig. Das Buch ist schön gedruckt und gebunden, und schwer aus der Hand zu legen. Ich warte darauf, es irgendwann ein zweites Mal zu lesen, der Feinheiten wegen.
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TOP 500 REZENSENTam 23. März 2015
Mit einem Bauchschuss beginnt die Korsika-Trilogie von Jérôme Ferrari. Was immer an Glorie der korsischen Freiheitsbewegung jemals zu eigen war, hier und jetzt ist davon nichts mehr zu spüren. Zu tief ist man untereinander zerstritten, zu sehr hat der Hass die Geister vernebelt, und nun liegt einer ihrer Vordenker im Dreck, auf ihm seine schreiende Geliebte, nackt bis auf die Socken, die Finger in seinen zerrissenen Bauch gekrallt.

Der Leser erfährt nach und nach, wie es zu dieser makabren Szene gekommen ist. Erzählt wird dies aus drei Perspektiven: Vom schizophrenen Ethnologen Théodore, der sich nicht sicher ist, ob Frau und Kinder, an die er sich erinnert, je existiert haben, und der gelegentlich Umgang pflegt mit einem vor über 200 Jahren verstorbenen Oberst. Er beobachtet, meist von seinem Barhocker aus, die revolutionäre Szenerie. Dann von Virginie, der Tochter der Barbesitzerin, nymphomanisch und rettungslos verliebt in Stéphane, auf dessen Leiche sich wälzend sie den Roman eröffnet. Und dann ist da noch die Außenseiterperspektive der schönen, unnahbaren Hayet, die hinter der Theke steht. Sie ist mit ihrem Bruder illegal und voller Hoffnung aus Marokko gekommen, vom Balco Atlantico, einer Küstenstraße in ihrer Heimatstadt. Jemand betatscht Hayets Hintern, sie erzählt davon ihrem Bruder, und eine fatale Ereigniskette wird in Gang gesetzt, die in der eingangs erwähnten blutrünstigen Szene mündet. Aus diesen drei Erzählsträngen flicht Ferrari einen souverän komponierten Roman, voller waghalsiger Zeitsprünge und dennoch unaufhaltsam auf das finale Desaster zusteuernd.

"Balco Atlantico" ist ein Blick ins Innere einer Untergrundbewegung, die ihre Ideale längst verloren hat und die eine Ehre hochhält, die man höchstens noch weiter in den Schmutz ziehen kann, wenn man sie zu verteidigen versucht. Und die, ganz nebenbei, einen nicht kleinen Teil ihrer Romantik dem Umstand verdankt, dass korsische Mädchen eine ausgeprägte Schwäche für Revolverhelden zu haben scheinen.

Ferrari schreibt, wie nur er es kann, mit musikalischer Eleganz, mit der er selbst den allerderbsten Passagen Größe verleiht. Mal rücksichtslos-brutal (siehe oben), mal amüsiert-ironisch, wenn er den armen Théodore mit dem Verwirrspiel seines Bewusstseins kämpfen lässt, mal ernst und sehnsüchtig, wenn er den Blicken Hayets folgt. Ein großartiger Roman.

- Kostenloses Rezensionsexemplar -
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am 31. Juli 2014
Der kruden Sexualpsychologie, mit der der Autor die recht einfach gestrickten, wenig differenzierten jungen korsischen "Freiheits"kämpfer charakterisiert, kann ich, der ich Korsika und seine Menschen seit vielen Jahren kenne, nichts abgewinnen. Vielleicht bin ich auch zu alt für derartige Literatur.Jedenfalls kann man gerade als Deutscher Korsika auch ganz anders sehen und viel liebenswürdiger erleben (s..Anhang ). Allerdings gehört dazu auch ein bischen bessere Kenntnis seiner Geschichte.
Dr.med.Benno Huhn
Anhang in einer Mail, kann isgesamt als ausführlichere Resension genommen werden.
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