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4,5 von 5 Sternen
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4,5 von 5 Sternen
Mann mit blauem Schal: Ich saß für Lucian Freud - Ein Tagebuch (KapitaleBibliothek)
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:28,40 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 18. Dezember 2013
GAYFORD, Martin: „Mann mit blauem Schal. Ich saß für Lucian Freud. Ein Tagebuch“, Bern 2011
Der Kunsthistoriker Gayford wurde von Lucian Freud portraitiert und beschreibt die Monate des Modellsitzens in einem Tagebuch. So wird ein Künstler in einer anderen Form dargestellt.
Auch wenn Freud an mehreren Bildern gleichzeitig arbeitete, konzentrierte er sich auf das eine, an dem er gerade malte. Die anderen drehte er um und lehnte sie an die Wand, damit sie ihn nicht beeinflussten. Beim Portraitieren spielt das Umfeld eine große Rolle und es geht nicht nur um die bildliche Darstellung. Die darzustellende Person muss vom Maler ganzheitlich erfasst werden, weswegen er sich mit ihr während des Malens auch unterhält.
„Zuerst dachte ich, das Modellsitzen sei ähnlich, wie ein Besuch beim Frisör; doch dann entpuppte es sich als eine intensivere Erfahrung-„ (Seite 42)
Freud bezieht auch Stellung zu seinen Konkurrenten. Die Unterscheidung zwischen Matisse und Picasso zieht er so, dass er Picasso als einen Überraschungsmaler bezeichnet, was er nicht so liebe. Matisse sei da der bessere.
Auf 242 Seiten werden die vielen, sich über mehr als 7 Monate hinziehenden Sitzungen und die dabei geführten Gespräch. In einem Nachtrag wird auch auf Ausstellungen des Bildes Bezug genommen.
Ein neuer Zugang zum Maler Freud und seiner Art zu malen.
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am 4. Oktober 2011
Martin Gayford fragt seinen langjährigen Freund Lucian Freud ob er ihm
Modell sitzen könnte und er darf. Es ist aber dennoch ein Ausflug ins
Ungewisse, ob man sich über die Länge der Zeit verstehen wird bei dem
intimen Setting des Modellsitzens. Das Experiment kann jederzeit ab-
gebrochen werden.

Er denkt, er könnte die Zeit prima nutzen um zu lesen und nimmt ein Buch mit.
Schon falsch. Das geht natürlich überhaupt nicht. Sitzen, aufmerksam sein,
er hat zwei blaue Schals, die in der Farbe ein wenig abweichen. Freud merkt es.
Er hat den Ehrgeiz, dass sein Kinn etwas besser wirkt als das, was er auf der
Leinwand erblickt. Unmerklich hebt er den Kopf dafür an, wenn 'Lu' gerade nicht
hinsieht. Er schreibt, Modellsitzen sei: 'Qual, Angst, Vergnügen', eine Sache
zwischen Transzendentaler Meditation und Friseurbesuch. Der muss natürlich mit
dem Meister abgesprochen werden: Zwei Wochen Haarwachstum schneiden ist ok.

Über die lange Zeit von mehr als einem halben Jahr kommt er natürlich nicht
jedesmal gleich gestimmt ins Atelier. Für den Künstler ist das erst mal
eine Irritation, so wie wenn der Sessel nicht am selben Platz steht.
Das wird, anhand von Kreidemarkierungen, jedesmal penibel sichergestellt.

Was Lucian Freud über seine Malerkollegen denkt, seine Glücksspielphase,
die Zeit in der seine Bilder sich nicht verkauften, seine Kontakte zur
Londoner Unterwelt, hier ist es zu lesen.
Das Register geht von Albee, Edward, über Bachelard, Gaston, bis Zola, Émile.
Die meisten Nennungen sind über van Gogh, Francis Bacon und Tizian. Bacon
hat die nicht unproblematische Farbe Kremser Weiß anfangs auf seinem Unterarm
gemischt, bis die Haut dagegen protestierte..
Lucian Freuds Wahrnehmungskraft kann man an diesem Beispiel zeigen:
Bei einem Modell mit dem er gerade erst zu Arbeiten begonnen hatte, hat er das
diffuse Gefühl 'Da ist Niemand'. Zwei Tage später bringt sie sich um.

So langsam ist man nicht mehr zu Zweit, sondern , je mehr das Gemälde voranschreitet,
zu Dritt. Gayford ist eifersüchtig auf ein anderes Gemälde das Freud zwischendurch
bearbeitet und also ihm vorzieht. Als schon Augen, Nase, Mund und so weiter zu sehen
sind, meint er, er könnte sich schon vorstellen, wie es fertig aussieht. Und Freud:
'Wirklich? Ich nicht'.
Zu Weihnachten konnte er eine Sitzungspause machen. Für Freud gab es aber keine Feiertage.
Es gehörte zum Ritual dazu, dass man nach der Arbeit gemeinsam Essen ging. Zwei Stunden
mehr um einen Eindruck vom Modell zu bekommen. Diese gemeinsamen Stunden werden peu à peu
in das Bild hineingeschichtet.

Eine von vielen Anekdoten in diesem Buch geht so: Pablo Picasso hat, als ihn eine Frau
nach einem Gemälde befragte, an dem er gerade arbeitete, geantwortet:

'BITTE NICHT MIT DEM FAHRER SPRECHEN!'

Das stand auf einem Schild in den Pariser Bussen und Straßenbahnen. Martin Gayfords
Tagebuch über seine Gespräche mit dem 'Fahrer' öffnet die Augen dafür, dass der un-
bekannte Kontinent, manchmal gleich um die Ecke liegt: In der Fabriketage, wo der Maler
sein Atelier hat.
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TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 11. Oktober 2011
Ein Mann - Martin Gayford - saß für Lucian Freud Modell. FREUD .... Ja, richtig, er ist der Enkel vom berühmten Siegmund Freud ....

Wer sind diese beiden Menschen, die man im Buch näher kennen lernt?

Martin Gayford:
==========

Gayford ist Londoner Kunstkritiker und Buchautor. Er veröffentlichte Studien über Constable, van Gogh und Gauguin. 2009 richtete er die Constable-Ausstellung in London aus. Er schreibt aber auch für Zeitungen und Zeitschriften. Gayford lebt im Cambridge.

Lucian Freud:
=========

Freud wurde 1922 geboren (in Berlin). 1933 musste er nach London flüchten. Viele bekannte Persönlichkeiten durfte er porträtieren (u.a. Mick Jagger, die britische Königin u.a.)

Was verbindet die beiden?
=================

Sie sind befreundet.

Zur Geschichte:
==========

7 lange Monate - und zwar vom 28. November 2003 bis zum 4. Juli 2004 sitzt Martin Gayford für Lucian Freud Modell - mit einem Schal ...
Nach jede Sitzung schreibt Gayford auf, was er erlebt, gefühlt und von Freud erfahren hat. Gespräche mit dem Künstler, seine Gesichtsausdrücke, die Spannung und Konzentration während der Arbeit, die Zeit der Entstehung des Bildes ... alles wird genau niedergeschrieben und abschließend in diesem mir vorliegenden spannenden und aufschlussreich, abwechslungsreichen Buch zusammengefasst.

Nicht immer war es freudig, es war spannend, klar, aber es war auch mal langweilig, wenn Millimeter für Millimeter voller Konzentration gearbeitet und ruhig gesessen werden musste ...

Das Hineinversetzen in Künstler und Modell bildet die Einheit dieses Buches, so finde ich, und macht es so überaus aufschlussreich und spannend. Man erfährt viel Interessantes und auch amüsant witziges über die Kollegen Freuds (Picasso, Ernst, Giacometti, Bacon ...) Auch die Kunst im Allgemeinen wird beleuchtet und natürlich die eigenen Arbeiten. Freuds Lieblingsmaler werden genauso benannt wie die alten Meister und er spricht über seine Gedanken darüber.

Die Schreibweise, in der die Sitzungen wider gegeben werden, ist nicht nur spannend und mit viel qualitativ hochwertigem Inhalt verbunden, sondern lässt den Leser nachdenken, ist realistisch und bildhaft und vor allem , so empfand ich es, sehr beruhigend zu lesen und faszinierend, in die Künstlerwelt eintauchend und vertiefend. Die Stille und die Konzentrationen, die herrschten, kommt im Schreibstil bestens rüber, ich kann es kaum beschreiben, aber der Stil des Schreibens passt sich dem Inhaltlichen an, was mir persönlich besonders gut gefallen hat.

Der Autor ist ausschweifend und lässt sich aus über die Inhalte der Sitzungen und das was er erfahren hat und an uns Leser weiter gibt, aber es ist trotz dessen ständige Spannung im Geschriebenen, es wird nicht langweilig, obwohl ausschweifend geschrieben wird. Der Autor bringt, wo es notwendig ist, auch auf den Punkt.

Immer wieder wird die Konzentration auch durch die Gespräche unterbrochen, weil man sich auf dieselben konzentriert. Und das macht es so abwechslungsreich. Kunst funktioniert so, sie ist ein Zusammenspiel von äußerster Konzentration, aber auch von Ablenkung und Kraftschöpfen. Jeder Strich wird beleuchtet sozusagen, was aber auch wieder nicht bedeuten soll, dass das Buch langweilig geschrieben ist. Der Autor verwendet vielmals bildhafte und erklärende Adjektive, die den Leser in die Handlung eindringen lassen. Ich würde auch sagen, dass es einer Charakterstudie gleichkommt, die der Autor von Freud erschaffen hat. Man kann als Leser zahlreiche Erkenntnisse gewinnen und bekommt leicht verständliche Zusammenhänge geboten. Kunstgeschichte in Fragmenten - unterhaltsam vermittelt.... Auch versteht man, warum Freund so abgeschieden lebt, warum er also dieses Leben gewählt hat.

Der Verlag schreibt, und besser kann ich es einfach nicht ausdrücken, daher kopiere ich:

DIESES BUCH IST AUCH EINE SCHULE DES SEHENS, DES WIRKLICHEN HINSCHAUENS UND VERSTEHENS !!!!

Einmalig schön, einmalig spannend, einmalig faszinierend !!!!

100 von 100 Punkten und absolute Leseempfehlung für Kunstfreaks, für Biografieliebhaber und einfach für neugierige Menschen, die abwechslungsreich und inhaltlich wertvoll unterhalten werden möchten !!!
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am 20. März 2012
Super Buch,jede Seite ist sein Geld wert!!!
Für mich als Hobby-Maler wurden endlich mal
Fragen beantwortet,die sonst niemand beantworten
konnte.
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