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am 2. Mai 2012
Green-New-Deal-Konzepte stellen das fossile Energiemodell in Frage und weisen damit über den Kapitalismus hinaus. Dass auch Elemente des historischen New Deal in den 30er Jahren in den USA über den Kapitalismus hinauswiesen, zeigt genauere Beschäftigung mit Roosevelts Programm. Die aktuellen Green-New-Deal-Texte beschränken sich auf Politikberatung der naivsten Art. Der Aufbau eines grünen, aber erneut extrem zentralisierten Energiemodells (etwa Desertec) wird die geopolitischen Machtverhältnisse neu zementieren.
No-Growth oder Less-Growth-Konzepte beschneiden das "Recht" des Kapitals auf möglichst rentabler Verwertung und sind letztlich sozialistisch. Da stellt sich dann die Frage, welche Akteure sie durchsetzen sollen.

Zeliks aufgeklärter Messianismus lässt ihn formulieren: am Ende des Kapitalismus muss nicht die klassenlose Gesellschaft stehen. Eine wachstumslose Ständegesellschaft würde gemessen an den Emanzipationsmöglichkeiten hinter das kapitalistische System zurückfallen.
In seinen Überlegungen zum Staatssozialismus kommt Raul Zelik zu dem Ergebnis, dass das leninistische Führungs- und Organisationsmodell im gesamten Staatssozialischen Lager Bestand hatte. Trotz gewalttätiger Angriffe hätte die Antwort nicht sein dürfen, sich einer autoritären, strukturell rechten Konfrontations-, Effizienz- und Kriegslogik unterzuordnen. Die Machttechniken leninistischer Kaderparteien waren langfristig nicht erfolgreich. Auch hatte die Vergesellschaftung im Staatssozialismus nicht viel mit gesellschaftlicher Planung zu tun.
Der maoistische "Große Sprung" in China oder die Politik der Roten Khmer in Kambodscha zeigen, dass politische Bestimmung von Entwicklungszielen in willkürlichen Terror umschlagen kann.

Die Mitte-Links-Regierungen Lateinamerikas (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay) haben etwa in der Armutsbekämpfung oder bei Bildungsinvestitionen Fortschritte erzielt, das hat aber mit Sozialismus wenig zu tun. Agrarbusiness, Rohstoffunternehmen und einheimische Industrien geben den Takt an.
Wie sieht es mit Venezuela, Kuba, Ecuador Bolivien und Nicaragua aus? Nicaragua hat zwar einige von Venezuela bezahlte Sozialprogramme aufgelegt, ist aber sonst kaum als links zu bezeichnen und Kuba steht für den Staatssozialismus des vorigen Jahrhunderts. Es könnte vielleicht eine nichtkapitalistische Demokratisierung organisieren. In Ecuador hat es Sozialreformen gegeben, aber eher gegen die Regierung Correa, Vertreter einer "Bürgerrevolution".
Anders als die europäischen Mitte-Links-Regierungen des 20. Jahrhunderts, die Herrschaftsverhältnisse neu stabilisiert haben, begann die Morales-Regierung in Bolivien mit grundlegenden Veränderungen. Eine Alphabetisierungskampagne wurde 2008 erfolgreich abgeschlossen. Ausführlich wird das Venezuela mit Chavez beschrieben, das ein gemischtes Bild bietet: Einerseits fördert der Präsident eine Partizipationsbewegung, andererseits steht er als überhöhte Führerfigur einer Demokratisierung im Weg.

Raul Zelik kann durch seine Aufenthalte in Kolumbien über diese Andenländer detailliert berichten.
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am 14. Mai 2011
Raul Zelik hält nichts davon, die dem Kapitalismus notwendig innewohnende Tendenz zur Zerstörung der Quellen allen Reichtums - der Umwelt und des Arbeiters - zu erklären und darüber die Bevölkerung gegen die kapitalistische Freiheit zu mobilisieren: die Freiheit, Produktionsmittel zu besitzen, die zugleich die Mittellosigkeit der Mehrheit ist.

»Sobald Befreiung am Zeichentisch entworfen wird, verliert sie ihren emanzipatorischen Charakter und wird zum neuen autoritären Projekt,« verkündet Zelik völlig unabhängig vom Inhalt dessen, was am Zeichentisch entworfen wird. Trotzdem müsse man über Perspektiven nachdenken. »Auf irgendeine Weise muss ein Gegenprojekt also doch skizziert und entwickelt werden. ... Doch wie lässt sich über gesellschaftliche Entwürfe sprechen, ohne eine Führungsperspektive einzunehmen? Wie kann man Dinge benennen, ohne Festschreibungen vorzunehmen? (12f)

Mit diesem antiwissenschaftlichen Standpunkt, der jede Erklärung von vorneherein verwirft, betrachtet Zelik das »Scheitern des Staatssozialismus«, den »Green New Deal«, den »lateinamerikanischen Sozialismus des 21. Jahrhunderts« sowie die Ansätze von Cockshott/Cottrell und Siefkes zu einer Gesellschaft jenseits von Ware und Geld, um alle mit einem »ja, aber« zu verwerfen.

Statt Erklärungen und Zielvorstellungen zu formulieren, gehen laut Zelik »die radikalen Übergangskonzepte von einem dynamischen, von untern getragenen Emanzipationsprozess aus.« (92) Bei diesen »Fluchtlinien der Emanzipation« erscheinen ihm die irrationalen Konzepte der Philosophen Gilles Deleuze und Felix Guattari hilfreicher. »Die Festschreibung von Begriffen interpretieren sie als Akte der Hegung und Begrenzung, denen sie sich durch die Erfindung immer neuer Begriffe zu entziehen versuchen. ... die Konzepte sind oft bis zur Unkenntlichkeit assoziativ, abstrahiert oder unbestimmt. Dennoch haben Deleuze/Guattari ... in einer Hinsicht aber eben auch recht. ... Auf jede Absetzbewegung folgen Festsetzungen, vor denen es durch neue Absetzbewegungen zu fliehen gilt ... Soll der Signifikant »Communismus« ein Befreiungsprojekt sein, muss sich seine Bedeutung immer wieder neu herstellen lassen.« (93)

Für Zelik besteht die theoretische Herausforderung damit darin, »in einer interessanten Weise theoretisch zu schielen.« (132) Zeliks Programm des Irrationalismus versucht »die Analyseperspektiven von Marx mit Foucaults Machtbegriffen oder der assoziativen Neuordnung des politischen Denkens bei Deleuze/Guattari zu verschränken, ohne diese Ansätze zusammenmontieren zu wollen.« (132)

»So hat das Vorhaben des Communismus (k)eine Zukunft« (134)
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