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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
11
Krise der Inflationskultur: Geld, Finanzen Und Staat In Zeiten Der Kollektiven Korruption
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:17,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 3. Januar 2016
Jörg Guido Hülsmanns 'Krise der Inflationskultur' reiht sich nahtlos in eine Reihe von qualitativ hochwertiger Literatur der österreichischen Schule der Nationalökonomie ein. Die grundsätzlichen Lehren der Wiener Schule werden hier, wie aber auch bei vielen anderen Autoren dieser Schule (Baader, Polleit, Taghizadegan, etc.) genutzt, um die gravierenden Missstände der modernen Finanz- und Wirtschaftspolitik aufzuzeigen.
Viele Inhalte finden sich auch in der Literatur besagter Autoren wieder - daher die Frage, wodurch sich dieses Werk rechtfertigt. Wie der Autor selbst sagt, und wie sich im Laufe des Buches deutlich herauskristallisiert, wird ein klarer Fokus auf die Folgen der (staatlich erzwungenen) Inflation auf die Finanz- und Vermögensmärkte gesetzt.
Dazu kann ich sagen, dass es dem Autor auch gut gelungen ist und in gut verständlicher Sprache geschildert wird, wie die modernen Vermögensmärkte künstlich aufgebläht werden, welche Rolle der Staat dabei spielt und welches die Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft sind. Wie gesagt sind diese Sachverhalte meiner Meinung nach die Kernaspekte dieses Werkes.

Leider hat sich Herr Hülsmann gegen Ende des Buches auf sehr dünnes Eis begeben, indem er doch sehr von der sonst konsequent analytischen und sachlichen Schiene abgewichen ist. Er geht darauf ein, welche kulturellen Folgen das aktuelle System der gesetzlichen Rentenversicherung hat: nämlich eine Wandlung von einer sorgsamen, liebevollen Gesellschaft voller Weitblick und Nächstenliebe hin zu einer Gesellschaft, die nur für den Augenblick lebt, sich nicht um zukünftige Generationen oder finanzielle Absicherung sorgt.
Zitat: "Das Umlageverfahren wurde selber zu einem Stützpfeiler jener >>Kultur des Todes<< - niedrige Geburtsraten, hohe Abtreibungs- und Scheidungsraten, Homosexualität, Suizidgefährdung [...]. Es verführt zu größerer Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit zwischen den Generationen." (Vgl. S. 231)

Nicht nur, dass es völlig unangebracht ist, derart schwierige Themen wie Abtreibung, Homosexualität und Selbstmord als Folgen von Finanzpolitik zu diskutieren - es ist ebenso lächerlich. Ich kenne Herrn Hülsmann nicht und weiß ebenso wenig über seine Überzeugungen. Aber hier kommt das Bild eines erzkonservativen Katholiken auf, der Homosexuelle und Selbstmörder am liebsten im Fegefeuer brennen sieht. Zu welchem Geschlecht man sich hingezogen fühlt, ob man ein Kind gebären möchte oder nicht, oder ob man selbst darüber entscheidet, wann das eigene Leben endet, sollte definitiv nicht in einem Werk diskutiert werden, dass sich mit der Rolle der Inflation in der Wirtschaft befasst.

Alles in allem bin ich sonst recht überzeugt von dem Buch. Wie gesagt bringt Herr Hülsmann die besagten Missstände in Finanz- und Wirtschaftspolitik gut auf den Punkt und zeigt Lösungen auf, wie diese behoben werden können. Ich stimme ihm voll und ganz zu, dass eine viel breitere Masse über besagte Probleme aufgeklärt werden muss. Nur hoffentlich wird dies mit einer weiteren Auflage dieses Werkes einhergehen, in dem das oben zitierte Kapitel ausgespart wird.
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am 8. Oktober 2014
Für alle, die ihre geistige Heimat nicht, noch nicht oder vielleicht nicht mehr in Kollektivismen beliebiger Couleur sehen und die nicht nur an der Überregulierung im eigenen Lebensbereich, sondern am Allgemeinzustand unserer Gesellschaft leiden, ist
Jörg Guido Hülsmanns Krise der Inflationskultur eine lohnende Lektüre: 300 Seiten Fakten, Fakten, Fakten verbunden durch Logik, Logik und nochmal Logik. Die Spanne reicht von der einfachen Frage nach dem Grund fortbestehender Armut in Keynes schöner neuer Welt des Papiergeld-beheizten Konsums bis zu komplizierten technischen Details aus der Welt der Hochfinanz.

Um Henry Hazlitt zu zitieren: “[T]he whole of economics can be reduced to a single sentence: The art of economics consists in looking not merely at the immediate but at the longer effects of any policy; it consists in tracing the consequences of that policy not merely for one but for all groups.” Man möchte ergänzen: The art of domination consists in highlighting the seductive consequences and camouflaging the essential ones. Das stammt aus dessen bald siebzig Jahre altem und daueraktuellen 200-Seiten-Büchlein „Economics in one lesson“, das im Gegensatz zu Hülsmanns Inflationskultur in einem Zug zu lesen und zu verdauen ist; dafür ist letzterer sehr kenntnisreich und konkret an unserer heutigen Situation dran – eine Sache für Interessierte Zeitgenossen mit ein wenig Durchhaltevermögen.
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 31. März 2014
Der Autor führt die Grundidee der Wiener Schule der Nationalökonomie weiter und leitet sie für die aktuelle Situation weiter zu einigen radikalen Lösungsansätzen, die aber im Detail nicht wirklich zu Ende gedacht werden. So klammert er die sozialen Kosten und deren Bewältigung weitgehend aus. Trotz allem: Es lohnt sich, in Alternativen zu denken, so lange es noch geht.
3 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 3. Dezember 2013
Sehr verständlich und auch für Laien lesbar. Gute Struktur.
Leider beschäftigen sich viel zu wenig Menschen mit wirtschaftlichen und ökonomischen Vorgängen ansonsten würde der politische "Moloch" nicht alles an die Wand fahren.
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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TOP 500 REZENSENTam 19. Juni 2013
Erst kürzlich habe ich Daniel D. Eckerts "Alles Gold der Welt" gelesen, um mich unter historischem Blickwinkel darüber zu informieren, wie eine goldgedeckte Währung als mögliche Alternative zum derzeitigen "ankerlosen Papiergelddrucksystem" funktionieren könnte. Grundsätzlich bläst Jörg Guido Hülsmann in das gleiche Horn. Auch er beklagt den Abschied vom Goldstandard seit den 1970er Jahren und das derzeitige Geldschöpfen aus dem Nichts (durch reines Drucken) als große Gefahr sieht.
Mit seinen Thesen und seiner Beschreibung liegt der Autor ganz auf der Linie einiger Autoren aus der Reihe der dritten/vierten Generation der so genannten "Wiener/Österreichischen Schule". Diese Gruppe von Finanztheoretikern ist derzeit vor dem Hintergrund von Überlegungen von Vordenkern wie Ludwig von Mises darum bemüht, die aktuellen Entwicklungen kritisch beleuchten. Hülsmann deckt die aus seiner Sicht ineffektiven und kontraproduktiven kosmetischen Aktionen der Finanzwirtschaft und internationalen (v. a. westlichen) Wirtschaftspolitik auf und zeigt auf, was seiner Meinung nach geändert werden muss.

Das Hauptaugenmerk dieses Finanzfachbuchs liegt auf der Beschreibung der Verflechtungen von Staat und Wirtschaft – und auf seinen negativen Folgen für alle. Die Verstaatlichung der Geldordnung, die viele andere Wirtschaftswissenschaftler als große Errungenschaft preisen, decouvriert er als Griff in die Taschen der Bürger zum Zweck der Erhaltung eines in sich maroden Systems. Die argumentative Stoßrichtung zielt darauf ab, die gegenwärtigen Praktiken als Fehlhandlung unter "kollektivistisch-sozialistischem" Vorzeichen zu verstehen (z. B. durch die Verstaatlichung von Vermögen) und eine liberale Wirtschaftsordnung zu fordern.

Der Autor scheut nicht davor zurück, gängige Gesänge von der 'Alternativlosigkeit' der Maßnahme "Geldschöpfung aus dem Nichts" als Verdummungsfiktion im Sinne von "Geldillusionen" (S. 107ff.) oder "Doping für den Export" (S. 115ff.) zu brandmarken. Die massive Umverteilung von unten nach oben und die Einschränkung individueller Freiheit durch die Reglementierungswut staatlicher Institutionen ist demnach extrem schädlich für das Funktionieren unserer Wirtschaft. Ebenso das mantrahaft wiederholte Argument von der Wichtigkeit des nahezu unbeschränkten Gelddruckens als absolut systemrelevantes Tun. Statt Schutz und wirksame Therapie zu Rettung der Wirtschaft, so Hülsmann, sind alle bisher eingeführten Mechanismen und Aktionen letztlich nur eines: Unreflektierter Aktionismus zur Bewahrung alter Pseudowerte, die bereits dabei sind, zu zerfallen.

Wie auch immer man die grundsätzliche Positionierung des Autors – je nach eigenem politischem Standpunkt – bewertet, seine Ist-Beschreibungen und Argumente für die Dringlichkeit der Einführung massiver Reformen leuchten mir sehr ein. Mag sein "liberaler" Standpunkt aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Elfenbeinturm manchen schon aus purem Abwehrreflex sauer aufstoßen, so regt er doch durch eine fundierte, absolut durchdachte Argumentationslinie durchgängig zum Nachdenken an.
Könnte nicht, so meine ich nach der Lektüre dieses Buchs, ein Beitrag wie dieser wenigstens dazu führen, eingeschlagene Wege zu hinterfragen? Könnte es nicht helfen, einen Plan B zu entwerfen, statt verkrampft am derzeitigen Weg festzuhalten? Mag es auch eine wichtige Erkenntnis sein, dass Standhaftigkeit und Selbstbewusstsein oft DAS Mittel zum Erfolg ist. Allerdings sollte man doch auch einkalkulieren, dass diese Eigenschaften nicht gerne in Verbohrtheit münden und letztlich in die Katastrophe führen. Genau diese Katastrophe zu verhindern, indem es auch auf die gesellschaftlichen und kulturellen Folgen des derzeitigen Handelns aufmerksam macht, ist das große Verdienst dieses Buchs, das sicher nicht unumstritten bleiben wird.

Mein Fazit: Dieser Autor fordert: zurück zu echter Wertschöpfung statt Fortsetzung der künstlichen Geldschöpfung. Jörg Guido Hülsmanns "Krise der Inflationskultur" ist ein sehr gutes, kritisches Finanzbuch zum Thema "Reform der derzeitigen Geldordnung". Eine fundierte Ist-Beschreibung und Situationsanalyse trifft hier auf die klare Forderung: Wir sollten uns traditionsreiche Alternativen ansehen statt blind unser Banken- und Wirtschaftssystem auf Kosten der Gesellschaft und unserer Wertekultur zu retten und zu regulieren – und letztlich doch zugrunde zu richten.
19 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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TOP 1000 REZENSENTam 9. Juni 2014
Dieses Buch erscheint, da die Eurokrise von einem Höhepunkt zum nächsten eilt, genau zum richtigen Zeitpunkt. Es lässt die Luft aus der der von staatsnahen Gesundbetern geschaffenen Erklärungsblase, wonach angeblich unregulierte Märkte, die Gier von Bankern und Spekulanten, und kollektive Unterkonsumption die Schuld am nicht enden wollenden Verschuldungs- und Währungsdebakel tragen sollen.

Hülsmann stellt die auf dem Kopf stehenden Theorien der Hauptstromökonomie auf rund 300 Seiten wieder auf die Füße. Weder Monetaristen noch Keynesianer hatten die Blasenbildungen der letzten Jahrzehnte kommen sehen; bis heute kann keiner von ihnen eine konsistente Erklärung für deren Entstehung anbieten, geschweige denn eine plausible Idee vorweisen, welcher Ausweg zu nehmen sei. Nein, an Regulierungsdichte mangelt es der Finanzwirtschaft nicht. Nein, von einem zu zaghaften Einsatz der Notenpresse oder anderen den Regierungen zur Verfügung stehenden Instrumenten, kann auch keine Rede sein. Wo also liegt der Hund begraben?

Um seine Erklärung für die Krise und die in der Folge vorgeschlagenen Maßnahmen zu fundieren, holt der Autor weit aus. Im Über Wachstum" betitelten ersten Teil, widmet er sich der kritischen Würdigung einiger irriger Vorstellungen, wie jener, wonach Deflation der Übel größtes sei, oder daß ohne billige Kredite" kein Wachstum möglich wäre. Im zweiten Teil nimmt er das Phänomen Inflation aufs Korn, erklärt deren verschiedene Erscheinungsformen und beschreibt die fatale Wirkung, die sie nicht nur auf Geldwert und private Ersparnisse ausübt, sondern in letzter Konsequenz auch auf die Richtung, in der sich eine Gesellschaft entwickelt.

Daß Inflation Schuldnern und Verschwendern nutzt, Sparern aber schadet, dürfte eine Einsicht sein, die auch Zeitgenossen vermittelt werden kann, die sich selten mit Wirtschaftsfragen befassen. Weniger leicht zu erklären sind indes deren langfristige Folgen, da nicht offensichtlich auf der Hand liegt, welch tiefgreifende Veränderungen der Gesellschaft mit einer dauerhaft gepflegten Inflationskultur" einhergehen.

Erste und größte Nutznießer der Inflation sind der Staat und der mit ihm innig verbundene Bankensektor. Der wesentlichste Grund dafür ist, daß Staat und Banken - vor allen Normalsterblichen - über das neu geschaffene Geld verfügen können. Das unentwegte Staatswachstum einerseits und die Aufblähung des Finanzsektors andererseits, sind unmittelbare Konsequenzen dieses Missstandes.

Da Staaten nichts produzieren - und daher nichts verdienen" - sind die Regierungen gezwungen, ihre Bürger mittels Steuern und Abgaben um ihr erarbeitetes Einkommen und das ersparte Vermögen zu bringen, um ihre Vorhaben zu finanzieren. Da die tragbare Steuerlast endlich, die Begehrlichkeiten der Regierungen aber grenzenlos sind, bildet die Schuldenmacherei eine willkommene Finanzierungsalternative. Stehen den Regierungen in einer solchen Lage hörige Zentralbanken und willig kooperierende, weil gegenüber allen anderen Branchen privilegierte, Geschäftsbanken zur Seite, steht der planmäßigen Ausplünderung der Privathaushalte mittels einer in finanzieller Repression" kulminierenden Geld- und Fiskalpolitik, nichts mehr im Wege.

Die im dritten Teil präsentierten Vorschläge für einen Ausweg aus der Krise, sind auf dem Boden des demokratischen Wohlfahrtsstaates schwer umzusetzen. Da der Staat es geschafft hat, die Mehrheit der Wahlberechtigten - mit deren eigenem Geld! - von sich abhängig zu machen, wird die Reduzierungen der Staatsaufgaben nahezu unmöglich. Das Aus für das staatliche Geldmonopol und die Zentralbanken (und damit der Inflationskultur") wird dann zum utopisch anmutenden Vorhaben. Die Inkaufnahme einer jahrelangen deflationären Rezession wird keine Regierung aushalten, ohne aus dem Amt gejagt zu werden. Dennoch: das geforderte Ende mit Schrecken" ist zweifellos schlechthin die Alternative zum derzeit zelebrierten - immer tiefer in den Abgrund führenden - Mehr vom selben".

Wahrhaft keine leichte Sommerlektüre!
9 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 4. Juni 2013
Wenn bei der derzeitigen, seit nunmehr 4-5 Jahren anhaltenden, Welt-Finanzkrise die Politiker von "alternativlos" und "system-relevant" sprechen wird mir immer ganz komisch. Schon lange dachte ich, dass es auch andere Möglichkeiten der Weiterentwicklung unseres Wirtschaftssystems geben muss ohne, dass alles zusammenbricht.
Dieses Buch zeigt endlich andere Möglichkeiten auf.
Es nimmt manche Dinge aus der "Wiener Schule" auf und entwickelt dies dann weiter oder neue Ideen.
Ein deutliches Signal gegen das (im wahrsten Sinne des Wortes) inflationäre Gelddrucken.
Jeder der sich um die Thematik sorgt sollte dieses Buch lesen.
8 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 2. Juli 2015
Leidenschaftliche Keynesianer werden keine Freude an diesem Buch haben. Es ist auch viel zu gescheit für diese Bürokraten und Staatsgläubige.
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 23. März 2014
Die gegenwärtige Überschuldungskrise resultiert aus unserem künstlichen Währungssystem, in dem grundsätzlich unbegrenzte Geld- und Kreditmengen aus dem Nichts geschaffen werden (können). Die Folgen sind Umverteilung zugunsten der Reichen und (politisch) gut vernetzten, ferner massive Fehlinvestitionen und Wohlstandsverluste, aber auch eine Vetternwirtschaft, die irrigerweise als Kapitalismus bezeichnet und mit freier Marktwirtschaft assoziiert wird.

Jörg Guido Hülsmann erläutert: “Die Stabilisierung der Finanzmärkte ist eine mehr oder weniger direkte Folge der währungspolitischen Kernaufgabe der heutigen Zentralbanken, nämlich der Stabilisierung der Preisinflationsrate.“ Unter allen Umständen müssten die Zentralbanken verhindern, dass Geschäftsbanken zusammenbrechen; Voraussetzung dafür sei wiederum, dass die Wertpapiermärkte – insbesondere für Staatsanleihen – nicht einbrechen. „Die Preise dieser Wertpapiere stehen sozusagen unter behördlichem Schutz.“

Hinter dem reißerisch aufgemachten Buch verbirgt sich eine kluge, wissenschaftlich fundierte Einführung in die Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Geld- und Finanzökonomik. Der Stoff gliedert sich in drei große Teile: Wachstum (illusionär und real), Inflation (inkl. Inflationskultur) und Krisenbewältigung (weniger Staat – weniger Krisen).

In der Tradition und Fortführung der Österreichischen Schule der Ökonomik entsteht ein erhellendes Bild der heutigen Finanzarchitektur. Cui bono? „Im Ergebnis ist unser gesamtes Finanzsystem heute darauf ausgerichtet, vor allem die Bedürfnisse des Staates zu befriedigen.“ Die Erweiterung der bereits erhellenden „Ethik der Geldproduktion“ ist uneingeschränkt lesenswertes Grundlagenbuch.
6 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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TOP 1000 REZENSENTam 23. Mai 2014
Die Generalthemen des Buches sind in gewisser Weise die Wirtschaftskrisen, insbesondere die immer wiederkehrenden platzenden "Blasen" im Wirtschaftsgeschehen.
Der Autor seziert in diesem Buch die gängigen Erklärungen, welche Regierungen, Politiker und die Journaille (die verbündete politische Clique per se) für das Platzen solcher Blasen und solcher konjunktureller Einbrüche liefern, also die Erklärungen, dass

- die unregulierten Märkte, insbesondere die Finanzmärkte;
- die zu niedrigen Konsumausgaben der Verbraucher;
- die ungezügelte Gier der Finanzmarktakteure (Bankiers, Spekulanten);

die Schuld an solchen Debakeln tragen. Damit sind von der o. g. Seite her auch die Schuldigen für die Währungs-/Staatsschuldenkrise ausgeguckt; diejenigen also die auch die Ursache dafür sind, dass die Staaten im Laufe der sog. "Weltfinanzkrise" aus 2007/2008 viel Geld in die Hand nehmen mussten, um die Märkte zu stabilisieren: "Papa Staat" war scheinbar der große Retter, bevor alles in den Untergang gegangen wäre.

Diese Vorwürfe, die seit Jahren stereotyp durch die Politiker oder die im Dienste der Politik stehenden ökonomischen Technokraten und erst recht von der Journaille wiederholt werden, nimmt der Autor dieses Buches aufs Korn. Der Verfasser des Buches zeigt auf und belegt, dass
- die staatlichen Ökonomieberater (in der Regel Keynesianer und Monetaristen) in den vergangen Jahrzehnten keinerlei theoretische Erklärungsmuster, die einer Kritik auch standhalten, für die immer wieder auftretenden Wirtschaftskrisen anbieten können;
- diese politischen Ökonomieberater jene Blasen und das bevorstehende Platzen der Blasen auch nicht prognostiziert haben, sondern vielmehr durch ihre Politikempfehlungen geradezu die Blasenbildung beschleunigt haben;
- jene staatlichen Ökonomieexperten den jeweiligen Politikern meistens nur nach dem Munde geschwafelt haben;
- die Behauptung von Seiten der Politiker, dass die Finanzmärkte unregulierte Märkte sind, einfach unwahr ist, kaum eine Branche ist und war dichter reguliert als eben die Finanzwirtschaft;
- eigentlich alle ökonomischen Transaktionen am Markt auf irgendwelche Erwartungen der Marktakteure (Produzenten, Konsumenten) beruhen und somit letztendlich jedwedes vernünftige wirtschaftliche Handeln (ob vom Finanzmakler, vom Fließbandarbeiter oder von der schwäbischen Hausfrau) immer eine Art von Spekulation sein muss.

Lieblingsschlagwörter der o. g. Clique heißen "Inflation" und "Deflation"; beide Worte dienen der o. g. Clique seit etlichen Jahren in der öffentlichen Diskussion als Nebelkerzen, als Hebel zur babylonischen Sprachverwirrung. Die o. g. Clique hat es geschafft, dass "Inflation" heutzutage in der Umgangssprache für "allgemeine Preissteigerungen" steht; und bei "Deflation" umgangssprachlich an einen "allgemeinen Verfall der Preise" gedacht wird.
Nur, in der alten ökonomischen Theorie bedeutete "Inflation" das Aufblähen der ungedeckten Geldmenge; und im Gefolge solcher Geldmengenerhöhungen stellen sich Preissteigerungen ein. Umgekehrt bedeutete "Deflation" das Schrumpfen der ungedeckten Geldmenge, und erst damit ging ein allgemeines Sinken der Preise einher.
Geldmengeninflation erfolgt immer durch die Politik;
- scheinbar unabhängige staatliche Zentralbanken blähen die Zentralbankgeldmenge auf;
- das Teilreservebankenkartell, welches ganz legal Kundengelder veruntreuen darf, vermehrt mittels dieses Unrechtsprivilegs leichtfüßig die Kreditgeldmenge.

Diese Geldmengenerhöhungen haben Preissteigerungen zur Folge; denn der aufgeblähten Geldmenge steht ein mehr oder weniger unverändertes Güterangebot gegenüber. Geldmengeninflation bedingt Preisinflation! Umgangssprachlich ist heute jedoch vom eigentlichen Verursacher - nämlich den Regierungen - abgelenkt; und die o. g. Clique poltert so meist unwidersprochen sehr publikumswirksam über preistreibende (inflationstreibende) Branchen.

Wirkungsvoll baut der Autor, auf Basis der "Konjunkturtheorie der Wiener Schule der Ökonomie" und mit Hilfe der speziellen Methodik dieser "Wiener Schule" eine Argumentationskette auf, diese zeigt, dass eine "Geldmengendeflation" keineswegs ein Übel ist, sondern in der Regel dafür sorgt, dass realwirtschaftliche Verwerfungen, für welche ungedeckte Geldmengenerhöhungen durch die Politik ursächlich verantwortlich sind, bereinigt werden.
Kenntnisreich zeigt der Autor, dass die "Geldmengeninflation" das eigentliche Übel ist. "Geldmengeninflation" führt zur "Preisinflation"! Die ständige Kaufkraftverschlechterung des Geldes unterhöhlt die Funktion der Wertaufbewahrung. An eine schleichende und ständige Geldentwertung werden sich die Menschen gewöhnen und ihr Verhalten darauf abstellen, die Mentalität wird sich ändern. Herkömmliches Sparen und Haushalten wird irrational, rational ist es, Schulden zu machen, höhere Risiken einzugehen, auch mal den Hasardeur zu spielen. Es entwickelt sich eine schädliche Mentalität, die der Autor auch der "Inflationskultur" zurechnet.
Der Autor macht Vorschläge, die den Ausweg aus der "Inflationskultur" skizzieren. Dabei wird dieser Ausweg, einmal beschritten, sehr schmerzhaft sein; ein Ende mit Schrecken.
Werden demokratische Politiker ihren Wählern freiwillig solche Rosskuren zumuten? Nein, demokratische Politiker wollen wiedergewählt werden und versprechen dem Wahlvolk alle nur denkbaren und möglichen Traumtänzereien, aber sicherlich keine Rosskur.
Von daher werden demokratische Politiker das Spiel der "Inflationskultur" solange wie möglich weiterspielen, die Verwerfungen werden immer schlimmer und der Zusammenbruch [dieser wird irgendwann kommen] wird wohl grausam und fürchterlich sein.
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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