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am 23. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Wir müssen leider draußen bleiben: Die neue Armut in der Konsumgesellschaft (Kindle Edition)
Man muss nur aufmerksam in der Nachbarschaft beobachten: der Unternehmensberater fährt einen 15 Jahre altes Auto ebenso wie der Metzger und Druckereibesitzer, neue Luxuskarossen sind unterwegs, aber wer außer Schweizern, Konzernmitarbeitern, Zuhältern oder Politikern sitzt da noch drin? Häuser werden seltener gestrichen, weniger renoviert - dem Mittelstand geht das Geld aus, ausgeblutet als Sklaven der Konzerne und verraten durch Politiker, die ihr Können nur noch den großen Investmentbankern willig zur Verfügung stellen.

Das Allerschlimmste daran: der Mittelstand merkt überhaupt nicht, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird, er fordert nicht jene dringend notwendigen Maßnahmen, die den fatalen Zustand einer wachsenden Sklavenschicht verhindern könnte. Die Frau des ehemaligen AWD Chefs klingelt mit ihrem gepuderten Beutel für Kinder in Afrika und Jugendliche, die nichts zu Essen bekommen in Deutschland, bevor sie morgens zur Schule gehen. Wie nett, wie sozial, wie medientauglich rührend, aufgeschrieben von PR-Beratern, die den Mob in Ruhe nicht leiden lassen wollen, stattdessen Ablenkung, Rührung und Nichtsmerken organisieren. Die Religion der Massen ist heute Fußball, ein Gelsenkirchener Fan, das las ich neulich, spendet mehr als 60% seines Lohnes für diesen Wahnsinn inkl. Reisen, Currywurst und Alkohol.

Mehr als 60% der Deutschen finden es schlecht, dass sich Langzeitarbeitlose auf Kosten der anderen durchfüttern lassen, der Außenminister schimpft über die Dekadenz von Hartz 4 Empfängern - wieviele Hinweise brauchen wir alle noch, um zu merken dass die Reichen reich sind, weil andere immer ärmer werden?

Dieses Buch ist keine statistische Analyse, sondern zeigt an konkreten Stimmungsbildern und Fällen, wo das Siechtum bereits erschreckende Ausmaße angenommen hat, während wir alle nichts mehr begreifen oder einfach wegsehen. Hartz 4 Empfänger sollen Disziplinierungsmaßnahmen zugeführt werden, sie sollen soziale Arbeit verrichten, sie werden in ihrer Würde noch weiter nach unten gedrückt - ab ins pure Sklavendasein. Nicht mal ordentlich gekleidet dürfen sie zur Tafel kommen, und ein Handy ist per se schon verdächtig. Die Autorin entkleidet uns unserer Vorurteile und nimmt mutig Stellung zu Ungerechtigkeiten, die täglich vorkommen. "Hartz IV macht nicht nur arm, sondern auch sprachlos."

Ich empfinde es ebenso. Dies geschieht vor allem auch deshalb, weil Meinungsführer wie Journalisten, Lehrer oder Pressesprecherinnen ihre Vorurteile immer lauter aussprechen. Es ist einfach, die Armut als selbstverschuldet zu brandmarken, diesen Feind aufzubauen, um auf dessen Kosten Überlegenheit zu demonstrieren. Tatsächlich wird die Mittelschicht aktuell besonders entkleidet, ohne dass diese es merkt. Noch glauben alle, sie gehören dazu. Weit gefehlt. Immer größerer Reichtum geht nur auf Kosten auch der Mittelschicht. Von daher ist dieses Buch vor allem eine Publikation für die Mittelschicht, um Vorurteile endlich abzulegen.

Die Strategie der Bedürftigen, Würde zu bewahren, indem sie wenigstens anständige Kleider tragen, wenn sie für weggeworfenes Essen anstehen - selbst die wird ihnen noch zum Vorwurf gemacht. Nur 20 % gönnen ihnen noch ein Handy. Unser Gesellschaft verhärtet von oben her, fernab von jeglicher Gerechtigkeit und Chancengleicheit. Weltweit wird brutalster Raubtierkapitalismus exerziert, dessen Reichtum durch bittere Sklavenarmut erkauft wird.
10 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 13. November 2014
Das Buch ist interessant und die Autorin zeigt die Machenschaften und Hintergründe von diversen Hilfseinrichtungen auf und beschäftigt sich auch mit Gentrifizierung und Ähnlichen Sachen die Armut fördern.
Ebenso interessant ist das Kapitel über die Mikrokredite für Leute aus Entwicklungsländern die nach der Beschreibung der Autorin eigentlich nur Betrug an den Kreditnehmern sind.
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 3. November 2016
Die Autorin erklärt in klarer Sprache die Hintergründe der fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft in arm und reich.
Obwohl die Quellen nicht auf dem neuesten Stand sind, werden die Ursachen der neuen Armut in ihrer Vielschichtigkeit sehr gut herausgearbeitet.
Ein Buch, das sich nicht nur von sozial- und gesellschaftspolitisch Interessierten zu lesen lohnt und die eigenen Positionsbestimmung unterstützt.
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am 16. September 2012
Warum grenzen wir die Armen aus unserer Gesellschaft aus? Warum dient Charity in Wahrheit den Reichen und Konzernen? Was ist von "Social Business" und Mikrokrediten zu halten? Warum sind wir, die wir uns zur Mittelschicht zählen, im besten Fall gleichgültig, obwohl wir uns sozial in Abstiegsgefahr befinden? Was hat es für Auswirkungen, dass wir mittlerweile weitgehend von der Oberschicht regiert werden? Und warum schlagen sich die Mainstreammedien auf die Seite der Reichen?

Die Journalistin Kathrin Hartmann begründet ihre Antworten auf diese Fragen nicht nur mit zahlreichen Quellen und Studien, sie hat mit vielen, vielen Armen, Handlangern und Profiteuren gesprochen und ist oft z. B. nach Bangladesh gereist. Ihre Einsichten beschämen, denn sie entlarven die eigene Gedankenlosigkeit im Aufnehmen und Weitergeben dumpfer Vorurteile. Ihre Analyse ist in der Form so kühl wie leidenschaftlich in der Sache.

Kathrin Hartmann ist eine der letzten Gerechten der Republik. "Bestechend" wäre das richtige Attribut für "Wir müssen leider draußen bleiben", handelte es von etwas anderem.

Mehr über ihr Buch erfährt man im Interview mit ihr: [...]

Sehr zu empfehlen auch ihr Blog: [...]
6 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 16. Januar 2013
in jedem Fall lesenswert für Menschen, deren Blick jenseits des Tellerrandes reicht. einen Stern abgezogen, da Fußnoten nicht Kindle interaktiv
5 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 24. Februar 2013
endlich mal ein buch, dass einem die augen so richtig öffnet.es beschreibt sehr gut welchen stellenwert ein mensch wenn er in die armut gerät auch in deutschland hat. nur zu empfehlen
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 24. Februar 2013
... kann ich allen Hartz IV-Empfängern und allen, die ein Herz für Sozialschwache haben, empfehlen. Einfach ein tolles, gut geschriebenes Buch.
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 19. Mai 2015
Die Autorin schildert in ihrem Buch meist wenig beachtete Schattenseiten bekannter sozialer Einrichtungen, wie etwa der Tafel, die nur auf den ersten Blick als effektive Hilfestellung für die Betroffenen erscheint, da sie letztlich bloß (meist privat finanzierte) Symptombehandlung bleibt und die Politik aus ihrer Verantwortung entlässt.

Ebenso kritisch wird die Praxis der Mikrokredite in Bangladesch gesehen, deren dortiger Initiator Muhammad Yunus (zusammen mit der Grameen Bank) im Jahr 2006 dafür immerhin den Friedensnobelpreis erhielt. Zurück bleiben oft verschuldete und verzweifelte Frauen, denen man anstelle tatsächlicher Hilfe Kredite anbietet, wodurch sie ein Leben lang abhängig bleiben werden.

Das Buch zeigt anschaulich und spannend viele Missstände auf, die vor allem durch den Rückzug staatlicher Hilfen bzw. dem Vordringen neoliberaler Marktmechanismen entstanden sind. Manches ist dabei durch das engagierte Schreiben zu plakativ und holzschnittartig ausgefallen, vor allem gegen Ende des Buches - dort finden sich auch unnötig viele orthographische Fehler, zumindest in der E-Book-Ausgabe.
5 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 13. Juli 2012
... ist eine sehr kluge Autorin. Meine Hochachtung !
Ich kannte sie leider noch nicht, bis ich sie beim Zappen in Wieland Backes SWR-"NachtCafe" drei sehr kluge Sätze habe sagen hören. Ich habe sofort Ihre Bücher bestellt und das sofort lieferbare "verschlungen".
Meine schlimme Vorahnung wurde leider bestätigt: All diese Charity-Maßnahmen, die Suppenküchen, die Sozial-Kaufkäuser und auch die Mikrokredite sind leider nur "gut gemeint" - also genau das Gegenteil von gut. Das was sie vorgeben ändern zu wollen ändern sie nicht. Eher helfen sie sogar die unhaltbaren Zustände der weltweiten Diskrepanz zwischen Arm und Reich zu festigen.
Das Buch sollte Pflichtlektüre für sämtliche Mitarbeiter der Sozial-"Industrie" sein, die in Deutschland einer der größten, wenn nicht sogar der größte Arbeitgeber ist.
12 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 8. Januar 2015
Kathrin Hartmanns Buch über die Armut ist schockierend und ein wütender Aufruf gegen die vielen Vorurteile, welchen arme Menschen in unserer Gesellschaft oft ausgesetzt sind. Es ist verständlich, dass sie dieses Buch geschrieben hat und deutlich Position gegenüber den im Volk und in den Medien gepflegten Sarrazin`schen Thesen bezieht. Sehr wichtig ist ihr indirekter Hinweis auf die schleichende Aushöhlung der Menschenrechte im Umgang mit den Armen.
Die wichtige Frage, woher sich sogar gebildete Menschen eine offensichtlich ethische Rechtfertigung holen, über Menschen herzuziehen, die - aus welchen Gründen auch immer – in eine prekäre Lebenssituation gekommen sind, stellt sich die Autorin leider nicht - andere Autoren schon (so vor allem Robert Kurz). Dies wäre jedoch der erste Schritt zur Lösung und nicht das Streben nach Gleichmacherei, auf die manche ihrer Argumente wie z.B. in der Bildungspolitik oder im Wohnungsbau hinauslaufen. Interessanterweise findet gerade der von Sarrazin beschworene Ethos der Arbeit vor allem in den Gesellschaftsschichten Anklang, die gar nicht so weit weg sind von denen, über die sie herziehen.
Warum bleibt ihre Anklage gegen die Ungerechtigkeit vor allem auf das Materielle beschränkt, während die geistige Armut in unserer Gesellschaft nur am Beispiel des Hamburger Volksbegehrens gegen die Bildungsreform sehr einseitig ausgebreitet wird ? Welche Bildung wünscht sich die Autorin denn für alle ?

Wirkliche Bildung für alle ist ein hehres Ziel, das sich jedoch wohl erst in einer postkapitalistischen Zeit realisieren lässt. Möglicherweise sind die Gymnasien noch die letzte Bastion für echte Bildung, anderen Schularten haben sich doch offensichtlich schon längst dem neoliberalen Zeitgeist mit dem Ziel nur „verwertbare Wissen“ zu erzeugen, unterordnen (müssen).
Nach fast 400 Seiten bleibt eine gewisse Ratlosigkeit beim Leser zurück.
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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