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Kundenrezensionen

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am 13. Februar 2006
Tom Wolfe gewährt mit seinem Werk "Ich bin Charlotte Simmons" tiefe Einblicke in das Leben an amerikanischen Universitäten.
Das nach außenhin konservative, beinahe prüde wirkende Leben an der Uni wird offengelegt, etwas teilweise Unerwartetes und vollkommen Neues tritt zutage. Mit einer sprachlichen Gewandheit der Sonderklasse versteht Tom Wolfe es sich auszudrücken.
Welche Raffinesse hinter vielen Formulierungen, sowie hinter der gesamten Handlung, steht, fällt häufig erst beim mehrfachem Lesen beziehungsweise intensiverem Überdenken der Handlung auf.
Detailliert ist die Geschichte allemal, zeigt das Auf und Ab des Lebens des hochbegabten Landeis Charlotte Simmons, das aufgrund eines Präsidialstipendiums die Möglichkeit erhält an der Elite-Universität Dupont zu studieren, wo sie einen riesigen Kulturschock erleidet, wo für sie Traumwelten zusammen brechen, wie sie anschließend anfangs beschwerlich neue Kontakte knüpft.
Sie gerät rasch in einen mitreßenden Strudel aus Alkohol, Drogen, Sex und Dekadenz. All das durch ihr Zusammentreffen mit DEM Frat Boy der Uni.
Charlotte verliert sich selbst, schafft es nicht sich an der Wasseroberfläche zu halten; sie droht zu ertrinken.
Durch die Hilfe eines Freundes versucht Charlotte wieder sie selbst zu sein, ihre Familie nicht zu entäuschen.
Das Buch vermittelt auf sehr besondere Weise, dass man seine Einstellung zum Leben und seine Ziele nicht unbedacht über den Haufen werfen sollte. Doch nur durch Erfahrung kann man sich selbst besser und seine Grenzen kennen und schätzen lernen.
Nachdem ich diese faszinierende Lektüre beendet hatte,
versuchte ich Stephen Kings "Christine" zu lesen, scheiterte jedoch an den platten sprachlichen Formulierungen, die mir zeigten, dass nicht jedermanns Wertschätzung auf gelungener Handlung und Schreibweise liegt.
Das Buch sei jedem empfohlen, der an der amerikanischen Kultur interessiert ist, sprachlich anspruchsvoll unterhalten werden möchte und sich nicht vor dem jugenlichen Leben großer Teile der gegenwärtigen Gesellschaft scheut.
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am 31. August 2006
Als Charlotte Simmons von den Blue Ridge Mountains herabsteigt um als Vollstipendiatin an der prestigeträchtigsten Universität der vereinigten Staaten zu studieren, glücklich dem Stumpfsinn ihres ländlichen Heimatstädtchens entkommen zu sein, ist sie in keinster Weise auf das vorbereitet, was sie erwartet: An Stelle intellektueller Betriebsamkeit findet sie eine Parallelgesellschaft vor, in der das ausgiebige Praktizieren sexueller Freiheit zwingend geworden ist und strenge Verhaltensregeln keinen Spielraum mehr lassen. Doch die Parallelgesellschaft von Dupont existiert nicht losgelöst von der sie umgebenden. In ihr werden die Karten der High School neu gemischt. Wer dort ein nerd war, kann hier zum angesagten Verbindungsmitglied werden und den Grundstein für eine glorreiche Zukunft legen. Die Studenten gebrauchen einander als Zeugen für ihr Ich; ein Ich, dem, da allein erzeugt durch die Zeugenschaft der Anderen, keine individuelle Ausdifferenzierung möglich ist. Doch jeder hat nur eine einzige Chance, denn: Es gibt kein Leben nach Dupont. Wer hier angesagt ist bleibt es für den Rest seines Lebens. Wer unter die Räder kommt hat verspielt. Es geht also ums Ganze und auch Charlotte muss sich entscheiden, welche endgültige Bedeutung der Satz „Ich bin Charlotte Simmons“ haben soll. Soll sie etwas Besonderes sein oder dazugehören, ihre Grundsätze über Bord werfen oder ihnen treu sein, das Spiel um Sex und Macht mitspielen oder ausgestoßen sein, das schillernde Leben auf dem Campus von Dupont oder ein Leben des Geistes führen. Auf Charlottes Depression folgt die Schizophrenie. Inneres und äußeres Leben gehen getrennte Wege. Dupont hat einen Menschen zerstört und einen Amerikaner erschaffen.

Das, was sich als Bildungsroman einer jungen Frau gibt, ist tatsächlich ein Ausschnitt aus der Geschichte der Entwicklung einer ganzen Gesellschaft. Die mangelnde Individualität der Figurenzeichnung scheint in der Ansicht des Autors begründet zu sein, dass es so etwas wie Individualität in Formen des Zusammenlebens überhaupt nicht geben kann. Häufig werden innere Vorgänge der Figuren detailliert beschrieben. Sie sind jedoch nicht individuell sondern immer übertragbar auf alle.

Die Auswahl, die das Hörbuch vornimmt, enthält alle wichtigen Schlüsselszenen und gibt viele Beispiele des detailreichen, dem Realismus verpflichteten Erzählstils Wolfes. Die von Lesern des Romans empfundene Langatmigkeit wird in der Lesung glücklicher Weise nicht spürbar. Die notwendigen Kürzungen haben sich positiv auf den Rhythmus der Erzählung ausgewirkt. Matthias Brandt läuft besonders in seiner Lesung der Entjungerfungs-Szene zur Höchstform auf. Sein Vortrag dieser Szene, in der Charlotte nicht nur sprichwörtlich ihre Unschuld verliert, sondern auch erstmals ihren Willen zur Macht verspürt, ist absolut mitreißend.
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am 6. September 2014
Bis auf etwas zu lang geratene Passagen über die tollen Basketballspieler mit ihren Trapezmuskeln (diese Machos!) habe ich den Roman geradezu eingeatmet. Verschlungen, konnte nicht mehr aufhören, habe furchtbar gelacht, z. B. über die grausam witzige Analyse -Schilderung der verschiedenen Studenten, über die sympathische, doch etwas kleinkarierte Familie Charlottes in Sparta, die wie anfangs mit ein -bisschen Wehmut verlässt, die sie ein paar Monate später aus ganz anderenAugen betrachtet, als sie mit schrecklicher Depression aus ihrer Eliteuni zu Weihnachten nach Hause fährt. Der Gegensatz zweier Welten, zweier Weltanschauungen, - Charlotte Simmons ist ein hoch interessanter Entwiklungsroman.

ich konnte der Schilderung des Studentenballs kaum glauben, habe mich gewundert über den kalten Zyismus dieser oft gut betuchten Jugendlichen mit ihren Alkohol- Drogen und Sexexzessen, die Manie der Kleidung, die IN ist, die Sprache der Jugendlichen oder die der Professoren, herrlich, Jargons und Sprachmuster, mit denen Wolfe spielt und die in diesem Buch sehr gut übersetzt wurden, wie ich glaube, weil ich persönlich nirgends auf "schlecht übersetzte Amerikanismen" gestossen bin. Und natürlich gibt es fein nuanciert auch Gute und Böse, solche, die - und man wünscht es ihnen, am Ende auch bestraft werden. Ein grossartiges Buch, - ja, ich kann es nur empfhlen!
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TOP 1000 REZENSENTam 14. April 2008
Gerade lese ich Tom Wolfes farbenprächtigen Campus - Roman zum zweiten Mal und bin ebenso begeistert wie vor zwei Jahren beim ersten Lesen! Meiner Meinung nach muss "Charlotte Simmons" sich keineswegs hinter "Fegefeuer der Eitelkeiten" verstecken, auch in diesem Roman schaut Wolfe sehr genau hin und lässt den Leser teils quälend präzise teilhaben an den Gedanken und Gefühlen seiner mehr oder weniger sympathischen Hauptfiguren: Die Hauptperson, die 16- jährige Charlotte, kommt aus einem Kaff in North Carolina an ein Elite - College,in jeder Hinsicht weit weg von den Blue Ridge Mountains. Sie hat kein Geld und keine Ahnung, wurde in einem konservativen sittenstrengen Milieu unter einfachen Leuten mit viel Liebe erzogen und von einer ehrgeizigen, altjüngferlichen Lehrerin zu Höchstleistung gecoacht. Charlotte ist, was ihre herzensgute Momma und die ihre begeisterte Lehrerin in ihr sehen wollen, eine eigene Persönlichkeit hat das Mädchen, das sein Leben lang nur gelernt hat, noch nicht. Und damit landet sie auf einem sinnesfrohen, hedonistischen Campus wie eine Außerirdische, die mit all den Riten,nicht vorhandenen Sitten und sonstigen Gebräuchen gar nicht klar kommt. Es begegnen dem Leser also erst mal Charlotte, das naive, weltfremde Landei, dem all seine klassische Bildung im hormongesteuerten Dschungel eines Uni - Wohnheimes einfach gar nichts nützen mag; Jojo, der faule, bequeme aber doch unterschätzte Sportstar, der plötzlich merkt, dass er mehr sein will als nur ein Anabolika - Monster; Hoyt, der verführerische, und eiskalte Verbindungsstudent und der verbitterte Loser Adam, der sich einredet, ein Intellektueller zu sein, der aber eigentlich nur eins will: Das große Geld. All diese Charaktere bieten absolutes Mitfieber- Potential. Der Schock, unter dem Charlotte in der ersten Zeit in ihrer neuen Schule steht, die Verzweiflung, die Einsamkeit, das ist unglaublich gut und psychologisch präzise erzählt und alles, was danach mit ihr passiert ist schlüssig und geradezu unausweichlich. Alle Figuren verändern und entwickeln sich, nicht alle zum Guten und das ist einfach spannend und in einer opulenten, bildreichen Sprache geschrieben. Wer in diesem gewaltigen Wälzer zwischen all den Begegnungen Charlottes mit ihren Mitschülern nichts als Sex, Sex, Sex gefunden hat, hat sich möglicherweise nur auf wenige Seiten beschränkt. Was man nicht leugnen kann, ist, dass Wolfe sich neben der viel zitierten Entjungferung seiner Heldin recht ausführlich dem pubertären Hormonstau der Jugendlichen widmet. Es wird bei den Studenten viel über Sex geredet und nachgedacht, darüber, wie man ihn bekommen könnte oder warum man leider keinen hat und mit Enthusiasmus widmet Wolfe sich den Basketballern, ihrem frauenfeindlichen und nicht jugendfreien Rap - Fluch- Schimpf und Beleidig- Slang aber da trifft er halt bedauerlicherweise wohl nur den Nagel auf den Kopf. Wie soll er denn sonst schreiben? Glaubt irgendwer, Jugendliche irgendwo auf der Welt würden noch so reden wie in Erich Kästners fliegendem Klassenzimmer? Nö, ich kann da nichts onkelhaft oder lüstern finden, das ist leider nur alles ziemlich realistisch. Das Getue der Mädchen um ihre Klamotten, ihre Figur und Frisur, das Gepöble und Federnspreizen der Jungs....einfach mal an einem heißen Sommertag in ein beliebiges Freibad der Republik fahren und sich - vorzugsweise an den Sprungturm setzen. Nach weniger als zehn Minuten hat man Wolfes gesamtes Panoptikum gesehen und gehört. Insofern finde ich die "lüsterner, alter Mann" - Vorwürfe ungerechtfertigt, Wolfe hat einfach nur genau hingeschaut.
Und unter diesem Aspekt ist "Ich bin Charlotte Simmons" wirklich ein großartiger Coming - of- age- Roman,
der meinetwegen auch noch hundert Seiten mehr hätte haben können
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am 4. November 2005
Es mag stimmen, dass "I Am Charlotte Simmons" nicht das beste Werk von Tom Wolfe ist. Es mag auch angehen, dass sich verschiedene KritikerInnen die Frage stellen, ob ein 74 Jähriger das Recht hat, einen Roman über Teenager und junge Erwachsene zu schreiben. Das alles kümmert mich aber wenig. Ich habe den Roman verschlungen. In persönlicher Rekordzeit sogar. Tom Wolfe schreibt flüssig, spannend, mitreissend und stark. Seine, zum Teil sarkastische, Aufarbeitung der amerikanischen Doppelmoral kommt auch in diesem Werk zum Tragen.
Ich habe sehr gelebt in der Geschichte, ja, ich hab mich sogar ein bischen in Charlotte verliebt, war neidisch und eifersüchtig auf Hoyt, Adam und JoJo. Ich war mit ihr zusammen betrübt und habe mit ihr gelitten. Bis zum Schluss des Buches durchlebte ich das Leben von Charlotte, begleitete sie und konnte sie am Schluss des Buches nicht mehr ausstehen wegen ihres gesellschaftlichen Anbiederns und dem Verrat ihrer eigenen Sache.
Dieses sich in eine Geschichte einleben und mitleben können mit den Protagonisten, ist es was einen Roman, eine Geschichte für mich "gut" macht, nicht wie viel besser diese oder jenes Buch von Tom Wolfe war.
Ich empfehle dieses Buch all jenen, die eine gute Geschichte zu würdigen wissen, die eine gute Sprache schätzen. Wenn der englischen Sprache mächtig, unbedingt in der amerikanischen Version!
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am 13. Februar 2014
Von Tom Wolfe kennt man am ehesten “Fegefeuer der Eitelkeit“, eine ziemlich böse, weil treffende Abrechnung mit dem Milieu der selbstverliebten Wall Street-Börsenkönige einerseits und den publictity-süchtigen Schaumschlägerei einiger heuchlerischer Menschenrechts-Aktivisten. Wolfe verstand es hier, genau wie bei “Ein ganzer Kerl“ hervorragend, seinen jeweiligen Protagonisten mit der Nase in den Dreck zu strecken, obwohl diese weder totale Helden, noch üble Schurken sind, sondern einfach Typen, die das alte preußische Ideal “mehr sein als schein“ zu sehr ins Gegenteil gekehrt haben.

Diesmal blicken wir Charlotte Simmons über die Schultern, ein begabtes, aber etwas weltfremdes Mädchen aus der Provinz, die in einem Ostküsten-Elite-College einen schweren Kulturschock erleidet, sich dann aber besser anzupassen versteht, als man am Anfang denken mag. Außerdem werden drei Jungs portraitiert, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber mit Tugenden nicht gerade überladen sind. Unsere Charlotte wird sich letztlich für einen der drei entscheiden, aber mehr will ich natürlich nicht verraten. Zwar ist Wolfe diesmal etwas milder seiner Hauptfigur gegenüber, aber dafür bekommen die anderen College-Kids samt Umfeld ordentlich ihr Fett weg. Konsumgeil, verwöhnt, phlegmatisch, oberflächlich, sadistisch und dumm-lüstern, so stellt sich der Autor den Nachwuchs der reichen Oberschicht vor, wollen wir hoffen, dass er übertreibt. Wie er aber ein ganzes fiktives Elitecollege aus dem Boden stampft samt Architektur, Historie, Traditionen, Professoren, Sportmannschaft, Zeitung und was weiß ich noch alles, das verdient Respekt. Auch wenn er seine eigene Kreation danach ziemlich durch den Kakao zieht.

Daran lag es auch, dass mir die über 900 Seiten aufs beste amüsiert haben und den tiefen und nicht selten schockierenden Einblick in die College-Welt nehme ich gerne mit.
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Aus dem »Lexikon der Nobelpreisträger« zitiert Wolfe zu Beginn seines dritten großen Romans die Entdeckung »kultureller Parastimuli« durch den amerikanischen Dupont-Lehrer Viktor Ransome Starling. Der Forscher hatte Laborkatzen die Amygdala entfernt, das ist der Teil des Großhirns, der bei höheren Säugetieren Gefühle steuert. Darauf gerieten die von dem Eingriff betroffenen Tiere in extreme sexuelle Erregung und begannen, ohne Unterbrechung ekstatisch zu kopulieren. Als nach einigen Woche Käfige mit im selben Raum isoliert gehaltenen, unbehandelten Katzen geöffnet wurden, stürzten sich die normalen Tiere ebenfalls aufeinander. Sie waren durch die wochenlange Beobachtung ihrer entfesselten Artgenossen derart stimuliert, dass sie jedes normale, gesunde Verhalten ablegten und sich ebenso verhielten.

Im seinem auf diesen kurzen Wissenschaftsbericht folgenden Prolog lässt Wolfe zwei betrunkene Stundenten der Dupont-Elite-Universität von Pennsylvania durch den Park der Hochschule torkeln und dabei versehentlich den Gouverneur von Kalifornien beobachten, der sich von einer Studentin im Mondlicht des Campus befriedigen lässt. Bei Dupont geht es offenbar zu wie bei den amygdalektomierten Katzen.

Charlotte Simmons, ein blasses Landei aus bescheidenen Verhältnissen, wird aufgrund ihrer ausgezeichneten Leistungen ausgewählt, die Dupont-Uni zu besuchen und erhält ein Stipendium. Die Hochschule präsentiert sich als Kaderschmiede reicher und schöner Teen und Twens, für die Sex zur Atemluft gehört wie Stickstoff und Sauerstoff. Charlotte prallt vollkommen unvorbereitet auf eine Umgebung, in der Gorillatestosteron in der Luft liegt. Sie spürt zum ersten Mal in ihrem Leben etwas von der Macht, die eine Frau über die monomanischste, triebhafteste aller Kreaturen haben kann – den Mann. Fühlt sie sich ihren Kommilitonen aufgrund ihres Fleißes und ihrer Intelligenz, denn »Ich bin Charlotte Simmons«, haushoch überlegen, scheitert sie im zwischenmenschlichen Bereich und erlebt herbe persönliche Niederlagen.

Wolfe, der Begründer des »New Journalism«, zeichnet in seinem voluminösen Meisterwerk eine schüchterne und unerfahrene junge Frau, die schon im Umgang mit gemischten Toiletten und Waschräumen Schweißausbrüche bekommt. Wie mit einem Skalpell deckt Wolfe dabei Schicht für Schicht der amerikanischen Gesellschaft auf und zerlegt sie mit seinem bislang unerreichten Reportagestil. Treffsicher setzt er sich mit Jugendmoden und Campussprache auseinander und beschreibt den psychologischen Krieg zwischen den Vertretern des neokonservativen und des liberalen Amerika.

»Ich bin Charlotte Simmons« ist ein Meisterwerk amerikanischer Gegenwartsliteratur, das in sprachlicher und stilistischer Hinsicht ebenso wie in der Farbigkeit der Schilderung der Charaktere und ihrer Hoffnungen, Träume und Empfindungen wie ein leuchtender Stern am Literaturhimmel strahlt. Absolut lesenswert!
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am 13. Februar 2006
Tom Wolfe, der leider alternde Dandy der großen amerikanischen Literatur hat hier wieder ein bemerkenswertes Buch vorgelegt. Vielleicht wirklich nicht sein allerbestes, aber immer noch auf höherem Niveau als seine Konkurrenz und allemal das Lesen wert. Auch wenn manchmal drüber geschimpft wird - vergeßt es! Der Mann kann schreiben. Auch über die Jugend. Die Entwicklung von Charlotte S. von der Landpomeranze zur Sarc3 gestählten Heldin schildert er in allen Facetten so realitätsnah, als ob es wirklich geschehen wäre (mit ihm als Zuseher). Präzise Personen- und Charakterbeschreibungen, extrem flüssige Handlungsstränge bis fast zum Schluß, wo dann etwas viele Zusammenbrüche passieren - das sucht seinesgleichen. Und wer sich mit all seinen kleinen und großen Unsicherheiten nicht auch selber irgendwo findet, der hat entweder wirklich alles richtig gemacht oder er lügt sich selber in den Sack.
Wenn irgendwie möglich, unbedingt in Englisch lesen - jede Übersetzung nimmt etwas vom Original weg. Ach ja, alleine der Anfang mit dem Versuch an den Katzen ... wie gesagt, der Mann produziert absolute Premium-Ware.
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(Hörbuchfassung)

Charlotte Simmons ist blitzgescheit, sie wächst in einem Dorf in den Bergen in Amerika auf.
Alle Pfeile deuten in eine Richtung: Stipendium an einer Elite-Universität. Sie hat die große Hoffnung, dass sie dort unter Ihresgleichen nun endlich aus dem Schatten ihres Außenseitertums zu treten vermag. Doch die Realität holt sie rasch ein. Sie wird mit oberflächlichen, vergnügungssüchtigen und moralisch wankelmütigen Mitstudenten konfrontiert. Geschockt ist sie von Extrakursen für Sportstudenten mit auf deren geistigem Niveau angepassten Pseudo-Scheinen.
Aufgrund ihres Aussehens hat sie zwar rasch ein paar Verehrer an der Angel, doch deren Absichten sind mitunter alles andere als lauter. Charlotte fällt ja auch aus dem Rahmen der sonst größtenteils nur auf ihr Äußeres bedachten Mitstudentinnen, die sich gerne als unterwürfige Trophäe gutgebauten Jungmännern anbiedern.
Doch Charlotte möchte dazugehören und passt sich gutgläubig an die Gepflogenheiten an und entfernt sich damit Stück für Stück von ihren alten Idealen und verliert sich selber und ihr Gefühl der guten Menschenkenntnis. Offensichtlich kann sie nur schwer unterscheiden, wer es ehrlich mit ihr meint und wer nicht.....

Der Autor Tom Wolfe ist unterdessen 83 Jahre alt. Er war mir bisher nur dem Namen nach bekannt. Nun also mein erstes Werk von ihm. Wenn ich mir meine Inhaltsangabe nochmals durchlese, denke ich so bei mir, dass mir das Grundthema doch ziemlich vertraut vorkommt. So ist es auch wenig überraschend, dass an der Elite-Einrichtung mehr Schein als Sein vorherrscht und das unschuldige Wesen, dass zwischen ihre Räder gerät, doch ziemlich Federn lassen muss. Neben einer politischen Ebene nur so am Rande, durch einen aufgedeckten Skandal auf dem Campus, ist die Handlung doch sehr auf das eine Mädchen zentriert. Wolfe lässt uns an ihrer 'Feuerprobe' teilhaben, lässt uns mitleiden und führt die Geschichte zu einem Abschluss, den man durchaus nicht als Happy End bezeichnen sollte. Außerdem wird einmal mehr deutlich, dass der kognitive IQ nicht zwingend mit der emotionalen Intelligenz korreliert.

Ich würde mich mal aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass die geschilderten Zustände im gehobenen Bildungssystemen sicherlich nicht nur auf Amerika begrenzt sind. Letztendlich zeigt es die veränderte Haltung auf moralischer Ebene in weiten Kreisen der heutigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Auch das keine Überraschung, oder?

Gelesen wird das Hörbuch von Matthias Brandt (Sohn von Willy Brandt), routiniert und angenehm zum Zuhören. Es sind 6 CDs mit über 7 Stunden Laufzeit.
Es handelt sich um ein (sicherlich stark gekürzte) Lesefassung (die Buchvorlage (gebunden) hat ca. 800 Seiten!!)

Fazit: Hochintelligentes Mauerblümchen vom Lande wird in die unverblümte Studentenrealität an einer Elite-Universität geworfen. Dabei verliert sie nicht nur ihre körperliche Unschuld.....
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am 4. April 2007
Das für mich beste Buch der letzten Jahre.
Es vermittelt einen hohen Erkenntnisgewinn über das Leben an US-amerikanischen Eliteuniversitäten.
Gleichzeitig geligen Tom Wolfe durchweg fesselnde Charakterisierungen verschiedener College-Arche-Typen, deren Erlebnisse und Seelenleben einem beim Lesen den Atem rauben.
Großartig bringt der Altmeister seine weibliche Hauptfigur erst durch Abründe und Höhenrausche und am Ende dann in einen erschütternden und daher so gelungenen Einklang aus Geist, Trieb und Sozialstatus.
"Ich bin Charlotte Simmons" ist für mich der "Fänger im Roggen" des neuen Jahrhunderts! WOW!
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