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am 14. November 2004
Die Geschichte des Deutschen Bundestages mal anders: Statt langer trockener Abhandlungen erwarten den Leser hier stürmische Wortgefechte aus dem Hohen Hause, die wahrlich nicht von Pappe sind -- von 1949 bis 1984. Da wird geschimpft und gefrotzelt, beleidigt und geistreich pariert, dass es eine Wonne ist: "Herr Abgeordneter Rische, darf ich Sie bitten, Ihre Waffe wieder mitzunehmen?"
Wer wissen will, in welchem Kontext diese und viele andere rhetorische Kleinodien gesprochen und zwischengerufen worden sind, der greife zu dieser phantastischen Zusammenstellung aus den Protokollen des Deutschen Bundestages.
Wie bereits im ausschließlich Herbert Wehner gewidmeten Band "Unglaublich, Herr Präsident!" werden auch hier nicht einfach nur die Blüten gesammelt, sondern chronologisch und im Kontext der jeweiligen Reden abgedruckt. Freilich sind Wehners legendäre Kanonaden hier nicht enthalten; sie füllen schließlich ein eigenes, genauso empfehlenswertes Buch.

Herrlich zu lesen sind vor allem die Protokolle aus der ersten Wahlperiode 1949/53, in der engagierte (nennen wir's mal so) Politiker aller Couleur aufeinander trafen, von bemerkenswert dummen Altnazis unter neuem Namen und neuer Identität bis hin zu klugen Köpfen aus dem Widerstand wie Hermann Ehlers oder Carlo Schmid, von moskautreuen Genossen bis hin zu einem gelegentlich bemerkenswert schlagfertigen Adenauer. Geistreiche und weniger geistreiche Abgeordnete also, letztere mit erstaunlichem Talent zur Selbstdemontage. Die Skala der rhetorischen Mittel reicht von feinster Ironie bis zu abgebrühtem Zynismus; selten wurde Tucholskys Diktum "Sprache ist eine Waffe" drastischer bestätigt.
Dass die Wortgefechte im Laufe der Jahre immer seltener und vor allem immer banaler und geistloser werden, auch zunehmend in des Gegners Unterleib zielen, ist nicht nur enttäuschend, sondern auch aufschlussreich in bezug auf intellektuelles Niveau und Engagement deutscher Abgeordneter -- vielleicht auch in bezug auf die Lage der Nation. Aber das ist ein weites Feld...
Jedenfalls habe ich noch keine vergnüglicher zu lesende Chronik bundesdeutscher Politik in die Finger bekommen. Oder anders, des Stenographen Mitschrift zitierend: "Lebhafter Beifall und Bravo-Rufe im ganzen Haus".
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am 18. Januar 2009
Die Geschichte des Deutschen Bundestages mal anders: Statt langer trockener Abhandlungen erwarten den Leser hier stürmische Wortgefechte aus dem Hohen Hause, die wahrlich nicht von Pappe sind -- von 1949 bis 1984. Da wird geschimpft und gefrotzelt, beleidigt und geistreich pariert, dass es eine Wonne ist: "Herr Abgeordneter Rische, darf ich Sie bitten, Ihre Waffe wieder mitzunehmen?"
Wer wissen will, in welchem Kontext diese und viele andere rhetorische Kleinodien gesprochen und zwischengerufen worden sind, der greife zu dieser phantastischen Zusammenstellung aus den Protokollen des Deutschen Bundestages.
Wie bereits im ausschließlich Herbert Wehner gewidmeten Band "Unglaublich, Herr Präsident!" werden auch hier nicht einfach nur die Blüten gesammelt, sondern chronologisch und im Kontext der jeweiligen Reden abgedruckt. Freilich sind Wehners legendäre Kanonaden hier nicht enthalten; sie füllen schließlich ein eigenes, genauso empfehlenswertes Buch.

Herrlich zu lesen sind vor allem die Protokolle aus der ersten Wahlperiode 1949/53, in der engagierte (nennen wir's mal so) Politiker aller Couleur aufeinander trafen, von bemerkenswert dummen Altnazis unter neuem Namen und neuer Identität bis hin zu klugen Köpfen aus dem Widerstand wie Hermann Ehlers oder Carlo Schmid, von moskautreuen Genossen bis hin zu einem gelegentlich bemerkenswert schlagfertigen Adenauer. Geistreiche und weniger geistreiche Abgeordnete also, letztere mit erstaunlichem Talent zur Selbstdemontage. Die Skala der rhetorischen Mittel reicht von feinster Ironie bis zu abgebrühtem Zynismus; selten wurde Tucholskys Diktum "Sprache ist eine Waffe" drastischer bestätigt.
Dass die Wortgefechte im Laufe der Jahre immer seltener und vor allem immer banaler und geistloser werden, auch zunehmend in des Gegners Unterleib zielen, ist nicht nur enttäuschend, sondern auch aufschlussreich in bezug auf intellektuelles Niveau und Engagement deutscher Abgeordneter -- vielleicht auch in bezug auf die Lage der Nation. Aber das ist ein weites Feld...
Jedenfalls habe ich noch keine vergnüglicher zu lesende Chronik bundesdeutscher Politik in die Finger bekommen. Oder anders, des Stenographen Mitschrift zitierend: "Lebhafter Beifall und Bravo-Rufe im ganzen Haus".
77 Kommentare| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden


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