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am 2. Oktober 2000
Matthias Küntzel, promovierter Politikwissenschaftler und Publizist aus Hamburg, beschreibt zunächst in einem kurzen historischen Rückblick die politische Situation im Kosovo bis 1998. Dem »serbischen Chauvinismus« stellt er den »albanisch-völkischen Fanatismus« gegenüber, "der im Gegensatz zur serbischen Politik, nur die »reinrassige« albanische Identität duldet" (S. 30). Dieser albanisch-völkische Fanatismus findet in der »Befreiungsarmee von Kosovo« (UCK) sein Sprachrohr, die sich in ihren Zielen nicht nur auf die Eigenstaatlichkeit beschränkt, "sondern um eine »ethnisch reine« Staatlichkeit, die alles, was vom völkischen Homogenitätsideal abweicht oder an die ehemalige serbische Herrschaft erinnert, zerstören und ausrotten will" (S. 58). Küntzel analysiert nicht nur das Zustandekommen und die politische Ideologie der UKC, er weist auch nach, dass Deutschland diese Organisation durch den Bundesnachrichtendienst seit Ende der siebziger Jahre intensiv unterstützt hat. Diese unheilvolle Allianz wurde von der UCK geschickt ausgenutzt. Auf der einen Seite provozierte sie durch ihre terroristischen Aktionen immer wieder serbische Übergriffe, auf der anderen Seite blockiert sie jede mögliche Verhandlungslösung. Küntzel zeigt auf, dass es gerade die deutsche Außenpolitik war, welche die Politik der UCK bereitwillig aufnahm und diese dann in einer unheilvollen Eigendynamik zu für die Serben unannehmbaren Forderungen entwickelte, die schließlich eine Verhandlungslösung unmöglich machten. Ähnlich wie beim Jugoslawien-Krieg, als Bonn durch die einseitige Anerkennung Kroatiens und Sloweniens den Weg in den Krieg maßgeblich forcierte, wirkte das von Bonn immer wieder gegenüber dem serbischen Präsidenten Milosovic geforderte Ultimatum. Aus machtpolitischem Interesse war Deutschland bereit, diese Forderung entgegen der Interessen seiner NATO-Partner durchzusetzen und dabei sogar ein Auseinanderbrechen der NATO zu riskieren (S. 120 ff.). Der Kosovo-Krieg wurde somit zu einem Testfall, ja sogar zu einer Zerreißprobe für die NATO. Trotz unterschiedlicher Interessenslagen der einzelnen NATO-Partner (USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien) hat die NATO erstmalig unter Umgehung des UN-Sicherheitsrates und mit bewusster politischer Düpierung Rußlands einen Sezessionskrieg geführt, "der den Übergang der »neuen Weltordnung« in eine neue Weltkriegs-Unordnung" anzeigt. "Dieser Krieg war nicht nur ein Katalysator des europäischen Militarismus, sondern auch das Fanal für einen neuen globalen Interventionismus unter der Flagge eines »ethischen Imperialismus«" (S. 201 f.).
Matthias Küntzel ist mit diesem Buch eine hervorragende Analyse über den Weg in den Kosovo-Konflikt gelungen. Dabei stützt er seine Ausführungen auf eine Vielzahl von Quellen, die bezeichnender Weise der internationalen Presse (International Herald Tribune, London Times, Neue Züricher Zeitung, New York Times, usw.) entnommen sind. Fernab von jeder kriegstreiberischen Polemik, wie sie während des Krieges mannigfaltig in der bundesdeutschen Presse zu lesen war, gab gerade die internationale Presse den Blick hinter die Kulissen weitaus häufiger frei und legte die NATO-internen Widerspruchslinien und Machtkämpfe offen. Küntzel zeigt somit nicht nur, welche machtpolitischen Interessen die deutsche Politik nach dem Wechsel von der Bonner zur Berliner Republik verfolgt. Er liefert gleichzeitig auch ein anschauliches Beispiel dafür, wie durch eine politisch willfährige Presse diese imperialistische Politik gesellschaftsfähig gemacht wird.
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am 26. August 2006
Die Monographie von Mathhias Küntzel erzählt eine andere Geschichte des Kosovokonflikts und seines Vorlaufs. Die Grundlage bietet eine detaillierte Quellenarbeit, maßgeblich auf international relevante Zeitungen und Akten aus diplomatischen Kreisen und Institutionen wie den VN gestützt.

Bei der Lektüre des von Küntzel Dargestellten werfen sich Fragen bezüglich der Haltung v.a. der BRD auf, speziell, ob eine Militärintervention hätte verhindert werden können. Im Blickpunkt steht hier u.a. der ehemalige Bundesaußenminister Joseph Fischer, Mitglied einer ursprünglich fundamental-pazifistischen Partei.

Dass Küntzel kritische Fragen stellt und den "Finger in die Wunde legt" ist durchaus positiv zu sehen. Dennoch ist das Buch an vielen Stellen zu kritisieren. So lässt Küntzel keinen Zweifel an seiner politischen Haltung und bemüht sich auch oft nicht darum, kritisch-objektiv zu werten. Ganz im Gegenteil ist das Werk oft tendenziös, nicht in der Weise, dass etwas falsch dargestellt, aber dass es verzerrt wird. So zieht sich z.B. die unverhältnismäßige Betonung einer weitgehenden Unschuld der serbischen Regierung an der Eskalation des Konflikts wie ein roter Faden durch das Buch. Demgegenüber wird die UCK grundsätzlich als terroristische Vereinigung gesehen. Für beide Positionen lassen sich Argumente und Fakten finden, keine Frage. Jedoch führt die unverhältnismäßige Betonung zu einer unwissenschaftlichen Verzerrung.

Auch Küntzels Meinung, die BRD hätte einen Militärschlag unterstützt (und maßgeblich forciert), weil sie den Serben auf Grund der deutschen Niederlagen im 1. und 2. WK noch immer "grollen" würden, ruft beim Leser mehr als ein Stirnrunzeln hervor.

Zur Bewertung lässt sich sagen, dass trotz der gründlichen methodischen Arbeit nicht mehr als zwei Sterne zu vergeben sind, da die eben genannten Negativaspekte zu schwer wiegen.
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