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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
5

am 20. Oktober 2011
Ich muss gestehen, dass ich bei der Lektüre dieses schönen Textes immer wieder an Kung-Fu-Filme denken musste: Der Held, umringt von dutzenden Gegnern, haut der Reihe nach alle um, bis sie stöhnend im Staub liegen und er macht sich danach mit breiter Schulter auf seinen Weg gen Sonnenuntergang. Die Philosophien, die Han auf knapp 80 Seiten zu Fall bringt, sind alles andere als Fliegengewichte:

So weist er Hegel nach, sich selbst zu widersprechen, wenn er Kultur erst im Colluvies (Wirrwarr) und später am Ortsgeist verortet (S. 10f.). Auch Herder weist er einen ähnlichen Denkfehler nach, denn auch er beginnt seine Reflexionen über die Kultur mit der "Ankunft des Fremden", um dann die "Nationalglückseligkeit" darin zu suchen, dass "die 'Seele' die ihr innewohnenden 'Mannigfaltigkeit' vergisst" (S. 13). George Ritzers Postulat der "McDonaldisierung der Gesellschaft" wird als Panikmache entlarvt, die blind ist für das, was Han die "Hypercuisine" nennt: "Globalisierung heißt nicht Rationalisierung. Aus Angst vor der Vielfalt hatte schon Planton die Verwendung von Gewürzen und die sizilianische Mannigfaltigkeit der Speisen verurteilt. Die Kultur folgt aber nicht dem logos. Sie ist unberechenbarer, ja alogischer als man denkt." (S. 23).

Heidegger bezichtigt er, als "Philosoph der Eigentlichkeit" (S. 28) nicht in der Lage zu sein, die Vielfalt der Hyperkultur zu denken. Homi Bhabhas Idee der Hybridkulturen entlarvt er als blind für "das Spielerische", das "den dialektischen Zwischenraum zwischen Herr und Knecht ganz verlässt" (S. 30). Auch Zygmunt Baumann, der "den Pilger zur Figur des modernen Menschen erhebt", wird abgewatscht: "Gerade die Moderne überwindet die Asymetrien von Hier und Dort und damit die Existenzform des Pilgers" (S. 44). Kant (S. 63 f.) und Nietzsche (S. 65f.) fangen sich intellektuelle Ohrfeigen, wenn Han ihnen nachweist, dass sie um der stabilisierenden Macht Willen kulturelle "Vermischungen" letztlich ablehnen. Richard Rortys Appell zur Ironie bekommt folgenden Kinnhaken verpasst: "Man könnte auch sagen, dass Kultur in ihrer tiefsten Schicht nicht ironisch ist" (S. 69).

Insgesamt müsse, so Han, die Idee der Inter-Kulturalität als ein "westliches Phänomen" verstanden werden. Ihr Beschreibungspotential beschränke sich deswegen auch nur auf einen Kulturkreis, der "Kultur ein 'Wesen' zugrunde legt" (S. 56). In diesem Kulturkreis kommt man "den kulturellen Unterschieden, die 'nun mal gegeben' sind (...) durch 'Integration' und 'Toleranz' bei." (S. 56)

Nach dieser Rauferei will der interessierte Zuschauer zu gerne erfahren, wie denn der Held aussieht, der sich aus dem Getümmel als intellektueller Sieger erhebt. Ich will ihn so beschreiben: es ist ein in ein Hawaiihemd gewandeter Welttourist, der sich nicht verortet, sondern vernetzt. Ihm ist keine Wesenheit eigen, sondern er erfährt sich als Verhältnis.

Anregung für diese Anthropologie sind
1. das fernöstliche Denken (denn es "orientiert sich nicht an der Substanz, sondern am Verhältnis. Demnach ist auch die Welt eher ein Netz als ein Sein" (S. 57))
2. Ted Nelsons Idee der Hypertextualität, die die Welt als "deeply intertwingled" wahrnimmt (S. 15 als Vorreiter dieser Wirklichkeitswahrnehmung werden auch Deleuze und Guattari mit der Rhizom-Idee aufgeführt (S. 32))
3. das Bild, das der britische Ethnologe Nigel Barley von der Kultur der Gegenwart gezeichnet hat: "Wir seien doch, so Barley, 'mehr oder weniger alle Touristen in Hawaiihemden'" (S. 9).

Wie nach einem Kung-Fu-Film ist man nach der Lektüre dieses Textes ein wenig benommen, aber auch ehrlich davon überzeugt, dass der Held ein wahrer und guter Held ist, der sich zurecht durchgesetzt hat. Auch wenn er in seinem Hawaiihemd so sagenhaft unheldisch daherkommt.
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am 2. Juli 2005
Die Globalisierung findet nicht nur auf der ökonomischen, sondern auch auf der kulturellen Ebene statt. Sie erzeugt eine besondere kulturelle Dynamik. Der Autor gibt ihr den Namen "Hyperkulturalität".
Kulturen, die bisher an einen Ort gebunden waren, werden "ent-ortet" oder "ent-grenzt" zu einer Hyperkultur. Kulturelle Formen platzen gleichsam aus allen Nähten und zirkulieren in einem kulturellen Hyperraum, wobei die Erinnerungen an den ursprünglichen Ort verblassen oder erlöschen. Der Autor zeigt überzeugend, inwiefern die heutige Kultur über die Inter-, Multi- oder Transkultur hinausgeht.
Die heutige Kultur ist dem Autor zufolge auch insofern hyper-kulturell, als sie "ent-naturiert" oder "de-faktifiziert". Sein ist, so seine These, mehr denn je ein "Entwurf". Die Hyperkulturalität wendet sich also gegen Heideggers Konzept der "Faktizität" und "Geworfenheit", die das Überlieferte, das Ererbte als etwas Unveränderliches hinnimmt oder sakralisiert. Die Hyperkulturalität, die de-faktifizierend wirk, wird dagegen als ein Phänomen der Freiheit beschrieben ("homo liber"), die die "Geworfenheit" abstreift.
Mit der Hyperkulturalität formuliert der Autor letzten Endes ein verändertes Seinsverständnis, das sich auch auf das Identitätskonstrukt auswirkt. Die kulturelle Globalisierung bedeutet also nicht einfach, dass ein Ort einen anderen Ort kulturell beeinflusst. Vielmehr beruht sie auf einem veränderten Verständnis von Ort, Grenze, Identität, Raum und Zeit.
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am 8. Juli 2005
In der Pop-Musik von heute vermischen sich Klänge aus unterschiedlichsten musikalischen Traditionen und Stilen. Von der regionalen Identität abgekoppelt, bringt sie ein Neben- und Durcheinander des Verschiedenen zum Klingen, das sich aus einem globalen Musikarchiv speist. Die Musik funtioniert nun wie ein Netzwerk, das hybride Formen generiert. Auch in der klassischen Musik ist diese Tendenz zu beobachten. Der berühmte Komponist Heiner Goebbels etwa vermischt in seiner Oper indische und westliche Klänge. Es entsteht eine globale Musik ohne Grenzen, wobei oft nicht mehr erkennbar ist, aus welcher Tradition ein bestimmter Sound kommt. Byung-Chul Han nennt diese Kultur, die eine Nähe des Verschiedenen hervorbringt, die Hyperkultur. Kulturelle Ausdrucksformen aus unterschiedlichen Traditionen drängen sich in einem Nebeneinander, in einem globalen Hyperraum. Die hyperkulturelle Nähe des Verschienenen hat nicht mehr die Räumlichkeit der Inter-, Multi- oder Transkultur. Das Buch hilft einem, tiefere Zusammenhänge zwischen Globalisierung und Kultur zu erkennen. Auch eine mögliche Ethik der Globalisierung wird thematisiert. Angesichts der Nähe des Verschiedenen reflektiert er über eine "Kultur der Freundlichkeit".
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am 2. Juli 2005
Das Nebeneinander des Verschiedenen charakterisiert die Verfassung der heutigen Kultur. Dieses Nebeneinander der unterschiedlichen kulturellen Ausdrucksformen ist, so die These des Buches, nicht mehr inter-, multi- oder transkulturell. Unterschiedliche kulturelle Formen drängen sich nun, so der Autor, „abstandslos" im globalen Hyperraum, vermischen sich und generieren neue Formen. Dieser kulturelle Prozeß wird durch die technisch-mediale Entwicklung (z. B. Internet) beschleunigt. „Hyperkulturalität" nennt der Autor die kulturelle Konstellation, daß unterschiedlichste kulturelle Ausdrucksformen (Klänge, Bilder, Gewürze etc.), aus dem ursprünglichen Ort gelöst, sich im Nebeneinander drängen. Diese Nähe des Verschiedenen weist über die Inter-, Multi- oder Transkulturalität hinaus. Die Räumlichkeit des Hyper ist aufgrund der abstandslosen Nähe des Verschiedenen nicht transkulturell. Sie ist ebenso wenig interkulturell. Die Interkulturalität setzt getrennte Kulturen voraus, die in Dialog treten. Das hyperkulturelle Nebeneinander hat keine Dialogstruktur mehr. Und im Gegensatz zur Multikulturalität, die oft zu einem gleichgültigen Nebeneinander erstarrt, ist das hyperkulturelle Nebeneinander aktiv generierend und aneignend.
Der Autor entwickelt sein Konzept der Hyperkulturalität ausgehend vom Konzept des Hypertextes, der ebenfalls ein Nebeneinander des Verschiedenen realisiert. Der Autor bringt darüber hinaus sehr interessante Gedanken zur Sprache, die dafür geeignet sind, die heutige Kultur und Welt besser zu verstehen. Der Autor argumentiert sehr klar und überzeugend. Er überrascht auch positiv mit interessanten Einsichten. Wer sich mit dem Thema der Globalisierung beschäftigt, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
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am 15. Februar 2007
Ich kann mich meinen Vorgängern nur anschliessen, allerdings finde ich, dass dieses Buch für jemanden, der in das Thema einsteigen möchte, zu empfehlen ist.

Wenn man sich intensiver mit dem Thema beschäftigt hat, enthält es keine neuen Ideen.
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