Hier klicken April Flip Hier klicken Jetzt informieren World Book Day 2017 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Hier klicken Mehr dazu Fire Jetzt bestellen AdelTawil longss17

Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
5
4,4 von 5 Sternen
Format: Broschiert|Ändern
Preis:45,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 9. Oktober 2004
Tausend Plateaus von Deleuze/Guattari wirkt zunächst abschreckend: unglaublich dick, der Buchrücken ist unbeschriftet (wer es im Regal hat wird es sowieso niemals verwechseln), und die Konzeption ist ersteinmal befremdlich: keine Kapitel sondern Plateaus, die Lesereihenfolge derselben wird dem Leser explizit zur Disposition gestellt, und im Vorwort behaupten die Autoren direkt, dass sie nicht einer, aber auch nicht zwei seien, sondern eine ganze Menge. Auf der anderen Seite hat das Buch eine mächtige Wirkungsgeschichte, und viele der Begriffe, die auch die Begriffswolke auf dem Einband bilden, machen erst heute Karriere (auch die Begriffswolke wurde oft kopiert, nicht zufällig auf dem Einband des Buches zur Documenta X). Kaum ein theoretisch-kritisches Werk unserer Zeit zitiert es nicht, und ganze Herrscharen Intellektueller und Künstler fühlen sich als Nomaden und berufen sich damit auf dieses Buch.
Die Frage drängt sich auf: Worum geht es eigentlich? Die Autoren entwickeln eine Theorie der Vielheiten, und wenden sich explizit gegen die binäre Logik, die sie im Baum-Modell verkörpert sehen: jede Verästelung teilt sich in zwei - und am Ende dieses Modells steht die Begriffspyramide. Dagegen setzen sie das sogenannte "Rhizom", ein wild wucherndes Wurzelnetz, in dem jeder Punkt mit allen anderen verbunden ist, ohne Hierarchie. So heisst die Einleitung, die auch als Einzelpublikation herausgegeben wurde. Damit sollen gängige Vereinfachungen vermieden werden, überall im Werk geht es um Vielheiten, Variationen, Schichten, Komplexität. So versucht auch der Schlussteil, die einzelnen Plateaus vielfach miteinander zu verlinken. Die entwickelten Begriffe und Ansätze sind vor allem im Bereich der Cultural Studies, ästhetischen Theorie, Literaturtheorie, Feminimus und Philosophie aufgenommen und umgesetzt worden (ua bei Edward Said, Slavoj Zizek, Peter Sloterdijk, Homi Bhabha, Michel Foucault, Seyla Benhabib, Nancy Fraser, Aiwha Ong, Judith Butler, Rey Chow, Fredric Jameson).
Der umfangreiche in Plateaus gegliederte Rest des Buches begibt sich mit diesen Voraussetzungen in sehr verschiedene Gebiete: Psychoanalyse, Mythologie, Zeichentheorie, Philosophie, Kunst, Filmtheorie, Biologie, Masochismus, Nomadentum, Linguistik, Literaturtheorie, politische Theorie, Musiktheorie, Geschichte von Staat und Militär, etc werden durchquert, als seien sie noch nicht "erschlossen" worden. Die Gebiete sind vertraut, aber Karte und Kompass funktionieren anders. Man muss sich neu in ihnen orientieren. Die zahlreichen Belege des Textes entstammen dabei Unmengen von Literatur und nicht dem Kanon der Einzelwissenschaften, was oft kritisiert wurde (wobei es freilich leicht ist, das zu kritisieren, was ein Buch NICHT ist). Der Stil ist reich an Anspielungen und Wortspielen, und springt zwischen lexikalen Erläuterungen (zB zur Botanik), souveränen Theorieentwürfen, Anekdoten und fabelartigen Persiflagen (zB auf Freud'sche Analysen, die zu kurz geraten erscheinen), wie auch scharfsinnigen Analysen und Lektüren anderer Texte.
Der Text ist nicht leicht zu lesen, Vereinfachungen werden vermieden, und die Autoren kennen sich gut aus in den neuen Territorien - daher fallen sie aber auch nicht hinter das Niveau der behandelten Gebiete zurück. Das macht ein bestimmtes Vorwissen in den genannten Gebieten bei der Lektüre hilfreich, auch wenn Deleuze meint, der völlig Unbedarfte tue sich am leichtesten damit. Das Buch ist daher kein guter Einstieg in die Lektüre von Deleuze (sehr gut dafür: „Unterhandlungen" oder „Die einsame Insel"), aber es ist das abwechslungsreichste, praktischste und humorvollste von Deleuze/Guattari.
Und was hat man davon? Hoffentlich jeder etwas anderes, zumindest aber viele ungewohnte Blicke auf Gewohntes, eine Menge kritisches Handwerkszeug, um sich selbst auf den Weg zu begeben, und das Gefühl, das man sich mit dem Selbstverständlichen in der Theoriebildung nicht abfinden muss. Leider scheint die gebundene Ausgabe vergriffen zu sein - der Schlabbereinband wirkt kaum gewappnet für den Umgang, der empfohlen sei: lesen, blättern, anstreichen, Begriffe in verschiedenen Lexika nachschlagen, wieder lesen ...
11 Kommentar| 99 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. Februar 2007
Für mich gehören Deleuze und Guattari auf jeden Fall zu den elementaren theoretischen Denkerfahrungen, trotzdem reizen mich die "Fünfsterner" meiner Vorrezensenten zu einer etwas anderen Äusserung. Die Art, wie dieses Buch und der "Anti-Ödipus" viele Intellektuelle mit einem mit der Zeit immer sinnentleerter wirkenden Slang versorgt haben, lässt mich hoffen, dass eines Tages die echten Nomaden dieser Welt nach Europa einfallen und allen Nomadismus-Schwätzern die Leviten lesen werden. Ich finde es geradezu verheerend, wie hier Begriffe zu Grabsteinen über ehemaligem Denken werden, mit denen nach allem geworfen wird, was sich bewegt.
Viele Analysen habe die immergleiche Form, die darin besteht, irgendetwas darzustellen und es früher oder später mit den immergleichen Begriffen in die immergleiche eigene Theorie heimzuführen. Dieser Vorgang hat auf mich nach einiger Zeit so zwanghaft gewirkt, dass ich einfach aufhören musste. Ironischerweise findet man bei den Jüngern genau diese Zwanghaftigkeit bis in die originale Wortwahl hinein wieder.
Aber eigenartig ist es schon, wie hier echte denkerische Revolutionen und Kopfdurchlüfter zu hocheffektiven Denk-Verhinderungs-Tarnkappen werden können, in die eingespannt keine freien Bewegungen mehr möglich sind.
22 Kommentare| 31 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. September 2000
Dem baumartigen Denkansatz, in dem die Terme binär aufgespalten werden und bi-univoke Beziehungen eingehen und der durch seine Statik oft in eine Sackgasse gerät, stellen die Autoren den "rhizomatischen" gegenüber. Das Leben, das nur als "Werden" begriffen werden kann, "organisiert" sich in Form des "Rhizoms", das heißt eines Geflechts ohne Anfang und Ende, das sich nur in Form einer Karte im Sinne von Landkarte darstellen und denken läßt. In den "Tausend Plateaus" zeigen die Autoren anhand von mehreren, voneinander unabhängig lesbaren Kapiteln (Plateaus), in denen sie u.a. Themen aus Biologie, Politik und Kunst behandeln, wie man bei Erstellung der Karten vorgehen sollte.
0Kommentar| 21 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Februar 2017
super, lesenswert kann man nur empfehlen,wenn man sich manipuliert,indoktriniert,vorgestzt,vorgekaut, sieht .
Du bist das Zentrum.Es gibt kein woher und wohin.Rhizom
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. März 2010
Nach Jahren der Abstinenz und einem gescheiterten Versuch wage ich mich nochmal an diesem Wälzer.
Man darf hier wohl, wie ich aus eigener Erfahrung zu berichten weiß, absolut nicht dogmatisch vorgehen.
Dieser Schinken ist geradezu dafür gemacht, um Kapitel für Kapitel zu überfliegen. Da jedes Kapitel als eigenes Plateau gesehen wird und kein Zusammenhang besteht, ist es ebenso zugänglich für abgehobene Ignoranten wie für sinnentleerte Philosophen. Es ist in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung oder aber absoluter Nonsens. Diese Gradwanderung wird hier mit fabulöser Bravur gemeistert. Trotz der hier bereits genannten Schwächen in der Logik (Die Idee des Rhizoms is m. E. sehr charmant, aber nicht überzeugend), finde ich es aufgrund seiner kompromisslos anarchistischen, alles transzendierenden Vorgehensweise (getreu dem Motto: Wer etwas verstehen will, muß es zunächst zerstören) als Denkanstoß sehr gelungen.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden