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am 19. Juni 2014
Hundejahre also schlechte Jahre beschreibt Grass in seinem Roman. Es ist Ende des ersten Weltkrieges, die Weltwirtschaftskrise und damit verbunden das Elend der Bevölkerung, Unsicherheit in Europa. Durch den Nationalsozialismus folgt wirtschaftlicher Aufschwung aber auch das grösste Verbrechen der deutschen Geschichte, der Holocaust. Grass schildert die Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit mit ihren Entbehrungen und mit vielen alten Parteigenossen die schon wieder hohe Positionen inne haben.

Edi Amsel fischt aus der Deichsohle, was das Hochwasser so anschwemmt und verarbeitet es zu Vogelscheuchen: Nachthemden, Gehröcke, Strohtöpfe und und……gar vieles lässt sich verwenden. Walter Matern erkennt sich in einer der Skulpturen wie er Amsel verprügelt und ist ab da Freund und Beschützer Amsels, der eine ungeheure Anpassungsfähigkeit an die wechselnden politischen Situationen entwickelt. Matern ist zunächst Kommunist und wird später SA-Mitglied. Von einer litauischen Wölfin abstammend wirft Walter Matern’s Hündin Senta Harras und der wiederum zeugt Prinz, den Lieblingshund Hitlers, der später aus dem Führerbunker flieht und Matern als Pluto - Gott der Unterwelt - begleitet. Ein bisschen Blut- und Boden-nationalsozialistische-Ideologie gefällig auf Hunde-Basis? Und ist’s Zufall, Schicksal , oder wie man’s sonst nennen könnte: Matern ist wie der Führer am 20. April geboren.

Ende des Nationalsozialismus beginnen große Fluchten der Menschen und der Hunde. Nur noch vergessen will man die Knochenberge und Massengräber, die Fahnenhalter und Parteibücher und die Schuld.
Der Roman endet in einem Bergwerk, in dem der Künstler Amsel alias Brauchsel seine weltweit begehrten Vogelscheuchen industriell herstellt und so die reale Welt als Unterwelt entlarvt: Der Orkus ist oben und die Vogelscheuche ist nach dem Bilde des Menschen geschaffen.

Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts die man sich nicht entgehen lassen sollte
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am 27. März 2002
„Hundejahre“ (1963) von Günter Grass
Der Roman „Hundejahre“ (1963) ist der dritte und letzte Teil der Danziger Trilogie.
Grass erzählt die Geschichte zweier Freunde: Eduard Amsel und Walter Matern. Im Alter von acht Jahren schliessen die beiden Blutsfreundschaft. Walter hilft dem fetten Eduard beim Bau von Vogelscheuchen.
Später tritt Matern der SA bei und lässt Amsel, den Halbjuden, zusammenschlagen. Im Schnee eingerollt, ändert Amsel seine Gestalt, zieht nach Berlin und nennt sich fortan Haseloff. Auch Jenny, dem dicken Adoptivkind eines Studienrats, stösst dasselbe zu: Auch sie wird misshandelt und auch sie ändert ihre Gestalt. Später, im Krieg, wird Amsel/Haseloff Jenny nach Berlin holen.
Matern ergeht es hingegen ganz anders: Er wird wegen Führerbeleidigung an die Front geschickt. 1945 wird er aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Nun zieht er durch ganz Deutschland und rächt sich an seinen ehemaligen Vorgesetzten, indem er deren Frauen und Töchtern Geschlechtskrankheiten anhängt. Der entlaufene Hund Hitlers begleitet ihn. Matern nennt ihn Pluto.
Die drei treffen sich später in Berlin und versöhnen sich. Amsel zeigt Matern seine Vogelscheuchenhölle und Matern lässt darauf perplex seinen Hund Pluto dort zurück.
Der Roman „Hundejahre“ (1963) ist sehr spannend zu lesen. Anfangs bereiteten mir die Danziger Mundart und die verschiedenen Erzählperspektiven etwas Mühe. Doch ich merkte sehr schnell, was Grass damit bewirken wollte. Die Geschichte wird von mehreren Seiten beleuchtet, dadurch erhält sie eine unglaubliche Dichte. Die Figuren lassen ein recht genaues Bild der damaligen Zeit zu, da erst die Vorkriegszeit, dann die Zeit des Zweiten Weltkriegs und zuletzt die Nachkriegszeit als Kulisse dienen. Man kann die Figuren aufwachsen sehen, was mich zum Beispiel fast zum Weiterlesen zwang.
Der Roman ist in drei Bücher eingeteilt. Jedes Buch schildert die damalige Zeit in einer anderen Perspektive: Die „Frühschichten“ werden von Amsel erzählt und handeln von der Vorkriegszeit. Die „Liebesbriefe“ erzählt ein gewisser Harry Liebenau, Sohn des Schreiners von Nickelswalde und Cousin der Göre Tulla, und sie handeln vorwiegend vom Zweiten Weltkrieg. Die „Materniaden“ schliesslich werden von Walter Matern geschildert; er scheint mir der heimliche Protagonist zu sein.
Der Nationalsozialismus kommt immer wieder vor: In den „Frühschichten“ wird er nur gestreift und doch ist die Bedrohung, die davon ausgeht, zu bemerken. Die „Liebesbriefe“ zeigen ihn in seiner vollen Bedrohung. Die „Materniaden“ rechnen schliesslich damit abGrass war selbst Mitglied der Hitlerjugend und er spiegelt sich wahrscheinlich in der Figur des Walter Matern.
„Hundejahre“ ist ein brillantes Stück deutscher Nachkriegsliteratur. Die verschiedenen Erzählperspektiven können einen anfangs ein wenig verwirren. Doch je länger ich mich dem Buch hingab, desto grösser wurde das Verständnis für Grass' Sprache und desto grösser wurde der Lesespass. Ich habe sogar Gestalten aus anderen Romanen der „Danziger Trilogie“ angetroffen: Oscar Matzerath, den Trommler aus der berühmten „Blechtrommel“, und Tulla, die Göre aus „Katz und Maus“. Was den Leser allerdings vom Genuss dieses Werks abhalten könnte, ist sein Umfang: Im Taschenbuchformat umfasst es 745 Seiten.
Men Duri Dolf,
Bündner Kantonsschule, Chur
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am 24. Oktober 2002
Ich will eines im vornhinein klarstellen: „Die Blechtrommel" ist, in Hinblick auf den literarischen Einfall und die poetische Komposition, besser als die „Hundejahre", die fünf Jahre später, nämlich 1964, erschienen. Freilich klopft Grass auch in den „Hundejahren" sein einmaliges Vermögen ab, mit der Sprache virtuos, gewaltig und mit ausufernden und scheinbar unerschöpflichen Wortkaskaden souverän umzugehen. Grass ist ein wahrhaftiger Fabulierer, ein detailverliebtes Strukturgenie, das Wortpuzzle für Wortpuzzle zu einem ereignis- und phantasiereichen Poesiepuzzle zusammenfügt. Und freilich entpuppen sich die „Hundejahre" auch als Medium morbider Sexualphantasien, die, wie ich leider feststellen muss, unmotiviert sind und explizit bzw. konkret gezeigt werden und somit, unzweifelhaft, voyeuristisches Klientel bedienen. Dennoch: Fabulierkunst, Sprachspiele, Wortkaskaden. Der Mikrokosmos Danzig, Kritik am Faschismus, Vergegenwärtigung der Vergangenheit und die für Grass unvermeidliche Sozial- und Gesellschaftskritik, Grass, der Moralist und Didaktiker eben: All diese Elemente finden sich auch in den „Hundejahren", sogar teilweise besser umgesetzt und akzentuiert als in der „Blechtrommel." Leider fehlt aber die sogenannte „Handlungsstringenz". Dem Autor geht das lineare Erzählen völlig ab. Jede „Frühschicht", jeder „Liebesbrief", jede „Materniade" (so die Einteilung der Kapitel in den drei Büchern), die jeweils einem Buch subsumiert werden, stehen meistens völlig isoliert da und führen den Leser nicht selten in die Orientierungslosigkeit. Nicht so in der Blechtrommel, wo der grobe Zeitumriss von Oskars Geburt bis zu seinem Aufenthalt im Irrenhaus logisch nachgezeichnet werden kann. In den „Hundejahren" ist dieser formale Bogen zwar auch gespannt, aber zu stark konstruiert und verschwommen. Zum Ende hin, wird Grass' Diktion so was von um- und unverständlich, dass ich nach jeder Zeile die Lust verspürte, das Buch einfach wegzulegen. Selbstverständlich habe ich durchgehalten. Grass hat seinen sprachlichen und kritischen Trommelwirbel zwar nicht gebändigt, aber er kommt in den „Hundejahren" seltsam unrhythmisch daher. „Herr Grass: sie haben sich zwar nicht ausgetrommelt, dafür vertrommelt!"
Doch warum dieses Buch als Buchtipp? Wegen folgendem Satz, der Grass' eigentümliches und besonderes literarisches Handwerk fulminant illustriert. Ein literarisches Handwerk, das zu Recht mit dem Nobelpreis honoriert wurde. Für mich hat Grass allein wegen dieses Satzes den Preis verdient. Was dafür spricht? Nun, ich habe ihn mir während des Lesens spontan unterstrichen und ihn immer wieder gelesen und bei der anschließenden Durchforschung der Sekundärliteratur habe ich oft diesen Satz exemplarisch für das ganze Buch wiederentdeckt. Ich setze diesen Satz in Zusammenhang mit dem Literaturnobelpreis. Es mag naiv klingen: dieser Satz hätte mich dazu verleitet, ihn, Günter Grass, den Preis schon 1964 zu verleihen. Wobei ich mir nicht anmaßen will, die Autorität für die Vergabe eines solchen Preises zuzuschreiben, nur um das mal klarzustellen, es ist nur meine persönliche Meinung!
Zunächst eine kleine Verständnisvoraussetzung:
Friedrich Liebenau, Vater Harry Liebenaus, und Tischlermeister in Danzig ist der Prototyp des blinden und gehorsamen Deutschen während des Dritten Reiches. Desillusioniert angesichts der sich abzeichnenden Niederlage des Hitlerregimes und desillusioniert durch die Vergiftung seines Lieblingshundes Harras, der, fungierend als Deckrüde, Hitlers Lieblingsschäferhund Prinz zeugte, entlädt der Tischlermeister seinen Frust in nun folgender Ersatzhandlung. Eine Ersatzhandlung freilich, die für das beschränkte Bürgertum die einzige Möglichkeit war, sich gegen den durch Krieg und Einzelschicksale hervorgerufenen Frust zu wehren:
„Als aber der Tischlermeister eines Tages sein Portemonnaie verlor, in dem sich außer Kleingeld ein Büschel abgestorbener Hundehaare [die von Harras] befunden hatte; als aber der Tischlermeister des Führers Lieblingshund, den Harras gezeugt hatte, in der Wochenschau sehen wollte, doch vor seinen Augen schon die neueste Wochenschau ohne des Führers Hund abrollte; als aber der Soldatentod des vierten ehemaligen Gesellen der Tischlerei Liebenau gemeldet wurde; als an des Tischlermeisters Hobelbänken nie mehr schwereichenes Buffets, keine Nussbaumkredenzen, keine ausziehbaren Esstische auf reichprofilierten Beinen angefertigt werden durften und nur noch nummerierte Kiefernbretter zusammengeklopft wurden: Einzelteile für Militärbaracken; als das Jahr vierundvierzig im vierten Monat stand; als es hieß: „Nun haben sie auch den alten Herrn Brunies [Ziehvater von Harrys Freundin Jenny] geschafft [getötet]"; als Odessa geräumt wurde und das eingeschlossene Tarnpopol nicht mehr gehalten werden konnte, als der Gong zur vorletzten Runde schlug; als die Lebensmittelkarten nicht mehr hielten, was sie versprachen; als der Tischlermeister Liebenau erfuhr, dass sein einziger Sohn sich freiwillig zur Marine gemeldet hatte; als dieses zusammen eine Summe ergab: das verlorene Portemonnaie und die flimmernde Wochenschau, der gefallene Tischlergeselle und die elenden Barackenteile, das geräumte Odessa und die lügenhaften Nährmittelmarken, der alte Herr Brunies und sein kriegswilliger Sohn - als dieses Summe rund war und abgebucht werden wollte, verließ der Tischlermeister Friedrich Liebenau sein Kontor, griff sich eine Axt, die neu war und noch eingefettet, überquerte am zwanzigsten April [übrigens: Hitlers Geburtstag!] neunzehnhundertvierundvierzig um zwei Uhr nachmittags den Tischlereihof, pflanzte sich breitbeinig vor die leere Hundehütte des vergifteten Schäferhundes Harras und zerschlug den Bau mit gleichmäßig geführten Rundschlägen wortlos und einsam zu Kleinholz.
Die Kriegsrealität dringt in den Mikrokosmos Danzig ein, ohne dass diese Realität besiegt werden könnte. Die Ersatzhandlung führt zu keiner (gesellschaftlichen oder wie auch immer gearteten) Veränderung. Sie bleibt folgenlos und dient lediglich als ein wutentbranntes Abreagieren.
Nun mag jemand vielleicht einwenden: „Wenn ich diesen Satz gelesen habe, dann brauche ich doch nicht das ganze Buch zu lesen!" Um aber die volle Tragweite jenes Satzes zu erfassen, bedarf es allerdings der kompletten Lektüre. Ein Grass-Buch lesen, heißt auch immer: euphorisches Lesen und verärgertes Lesen. Träumerisches Lesen und fragendes Lesen. Und schließlich verlierendes Lesen sowie entdeckendes Lesen. Wer, so frage ich entgegnend, möchte solch ein abwechlungsreiches und dazu einzigartiges Leseerlebnis missen?
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Wer Grass liest, der läßt sich auf vieles ein und nicht nur der eine oder andere Kritiker hat doch schon mal verzweifelnd eines seiner Bücher beiseite gelegt, aber was soll`s?
Hier in dem dritten Band seiner Danziger Trilogie geht es nocheinmal rundumedum, wie der Süddeutsche sagen würde. Und so ist es auch.
Wie wenn er sich den Frust der Hitlerjahre nocheinmal von der Seele schreiben und reißen würde, so schreibt er.
Und die Liebe, die alte Liebe zur doch verloren geglaubten Heimat (und sie ist doch nahe genug schon wieder, wenn man nur willig ist!), alleinig die Liebe zur Erde, zur pommerschen Sprache (in der Eigenart der masurischen eben), zur Vergangenheit, die doch bitte wieder Gegenwart und schöne Zukunft werden soll (gefälligst), die ist es, die Kraft gibt und dem jetzigen Leben einen gewissen Sinn.
So ist der Nobelpreis, etwas spät zwar, aber nicht zu spät, verdient.
Und der Dank des arbeitenden, erzählenden und singenden Autors wird zuallererst mit der langsamen und bedachten Lektüre (auch solcher, wie dieser schwierigen mitunter) belohnt.
Daß zwischendurch bei der Fülle der grass'schen Erzählweise erotische Anklänge zu vernehmen sind, wen sollte es wundern bei einem sinnlichen Menschen wie dem Autor, und wir sollten nicht abwegig etwa davon reden oder konsterniert mitunter. Denn was ist der Mensch, etwa nur bestehend aus dem, was romantische Religion uns oftmals einredete, ein hauptsächlich der Moral verpflichtetes Wesen?
Das natürlich auch und so sind wir wohl gespannt auf die politischen Ereignisse der zukünftigen Gegenwart, die uns bestimmt weiteren Stoff liefern wird für erzählende und berichtetende Romane dieser Art.
Doch diese Jahre, die hier beschrieben werden, die HUNDEJAHRE, die gab es einmal und sie kommen hoffentlich nicht wieder zum Vorschein irgendeinmal oder gar früher.
So ist dieser Roman durchaus auch eine Warnung an uns alle.
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am 9. Juni 2008
So liebt man den Meister. Gleich drei weit ausladende Erzählstränge, in epischster Breite ausgerollt. Situiert im engeren Sinne und wie üblich zwischen Danzig (vor) und dem Rheinland (nach dem Krieg), insgesamt bei aller, auch hier: gleichwohl reichlich gegebenen wie eben auch an GG geliebten fabulösen Ausmalung ein einzigarter Blick auf das Leben im ehemaligen Danzig im Besonderen sowie auf die jüngere deutsche Geschichte im Allgemeinen. Und zwar vor allem für jene, die sich wie ich der jüngeren Hälfte der Bevölkerung zurechnen lassen.

Sehr schwere Kost, für die man sich Zeit nehmen muß. Aber die ist für Kenner auf jeden Fall gut investiert.

Da es einige Längen (ich meine nicht die typisch-grasschen!) gibt, versage ich den fünften Stern.
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am 28. November 2012
toll ! sieht aus, wie neu! Kein Kratzer, kein Fehler, alles wunderbar und absolut weiterzuempfehlen !!! Jetzt muss es nur noch gelesen werden !
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