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am 18. Januar 2006
Wenn ich meine zehn Lieblingsbücher aufzählen sollte, wäre ich ratlos -- mindestens 500 sollten es schon sein, die auf die berühmte einsame Insel mitkommen dürften. Aber man könnte mich fragen, ob "Der Meister und Margarita" von Bulgakow mit von der Partie wäre, und darauf würde ich ohne Zögern mit "ja" antworten.
In diesem Roman kommt unendlich vieles zusammen, und man kann ihn auf unendlich viele Arten lesen: Als bitterböse Satire auf Stalins Staat und als philosophische Abhandlung, als phantastische Abenteuer- oder Spukgeschichte, als die ultimative Liebesgeschichte schlechthin... und natürlich ist diese Aufzählung längst nicht vollständig.

Moskau, Ende der 1920er Jahre. Karwoche. Auftritt der Teufel persönlich, der in der Freitagnacht seinen alljährlichen Hexenball geben will. Bis es dazu kommt, ist in Moskau buchstäblich der Teufel los, und Funktionäre (insbesondere die regimekonformen Literaten), Denunzianten, Mitläufer und sozialistisch übertünchte Spießer bekommen gründlich ihr Fett weg; Schadenfreude darf sich hier auf höchstem Niveau ausleben. Bereits der Romananfang an den friedlichen Moskauer Patriachen-Teichen ist ein satirisches Meisterwerk, das auf allen denkbaren Ebenen zuschlägt. Bulgakov scheint hier die alte Regisseurs-Weisheit in die Literatur zu übertragen, der zufolge man die Handlung mit einem Erdbeben zu beginnen und dann allmählich zu steigern habe. Aber der satirische Rundumschlag ist nur einer der vielen Aspekte dieses Jahrhundert-Romans.
Eigentlich geht es nämlich um die Geschichte von Margarita und um ihre Liebe zum Meister. Die beiden sind die Lichtgestalten im Roman; die einzigen, denen der Teufel nicht übel mitspielt, sondern denen er hilft. Margarita sucht verzweifelt ihren Geliebten, den Meister, der einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, nachdem Literaturfunktionäre sein Werk als kontrarevolutionär gebrandmarkt haben (in Stalins Staat schon fast ein Todesurteil). Sein Manuskript hat er verbrannt -- ein philosophisch angelegter Pilatus-Roman, der um die zentralen Themen Macht, Wahrheit und Wahrhaftigkeit kreist, -- und nun befindet er sich in einer Nervenheilanstalt. Um den Meister wiederzufinden, willigt Margarita ein, auf dem grandiosen Hexenball als Gastgeberin aufzutreten. Der ultimative Hexensabbath ist angesagt mit allen Schikanen und allem Zubehör... und die Suche nach dem Meister geht weiter.

Den verschiedenen Handlungs- und Stilebenen in "Meister und Margarita" entspricht der Aufbau des Romans; meist wechselt von Kapitel zu Kapitel der Schauplatz: Von Stalins Moskau in das Jerusalem um 33 n.Chr., vom teuflischen Generalangriff auf realsozialistische Verlogenheit hin zur Wahrhaftigkeit Margaritas und zum philosophischen Disput zwischen Pontius Pilatus und Jeschua ha-Nasri (d.i. Jesus von Nazareth) als Roman im Roman. Trotz der deutlichen Schnitte ist die Handlung nicht zusammenhanglos; ein dichtes Geflecht aus Motiven, parallel gestalteter und einander reflektierender Figuren und Handlungen verbindet die Handlungsstränge zu einem in sich ruhenden Ganzen.
Da diese Vielschichtigkeit (und vieles andere ebenfalls) auch in der deutschen Fassung hervorragend zutage tritt, muss man unbedingt auch den Übersetzer, Thomas Reschke, für diese Leistung loben.
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am 27. März 2014
Ich unterhielt mich vor einiger Zeit über unverfilmbare Bücher. Unter anderem wurde auch „Der Meister und Margarita“ von Bulgakow genannt. Von diesem Werk hat ich noch nie zuvor etwas gehört, aber es machte mich neugierig. Also ging ich auf gut Glück in die Buchhandlung, fand und kaufte es.

WOVON HANDELT ES?

Den Inhalt kurz zusammen zu fassen ist schwer, einfach, weil er so komplex ist. Mein persönlicher Klappentext würde lauten wie folgt:

An den Patriarchenteichen verliert ein Schriftsteller den Kopf, ein anderer den Verstand. Ein Varietétheater erlebt die Vorstellung des Jahrhunderts, tausende Moskauer Damen finden sich leicht bekleidet auf der Straße wieder und alle schimpfen über verschwindende 10-Rubel-Scheine. Die Wohnung Nr. 50 im Haus Haus Sadowaja ist größer als gedacht, immer leer und der Kater kugelsicher. Alles endet in den Flammen, während der Meister seinem Schüler im Irrenhaus die Geschichte seines Buches über den grausamen fünften Prokurator von Judäa, dem Ritter Pontius Pilatus erzählt und seine große Liebe Margarita sich als des Teufels Ballkönigin drei Stunden lang das Knie küssen lässt.

Historisch angesiedelt im Moskau der 30er Jahre, in der Dekade nach der russischen Revolution ist es politische Satire mit einer großen Portion Schadenfreude und historischer Detailtreue.

Magie und Hexerei, der Kampf zwischen Gut und Böse und die Frage, was des Menschen größte Schwäche ist, wer auf Erlösung hoffen darf und was den Teufel eigentlich so teuflisch macht.

Es ist ebenso eine Liebesgeschichte zwischen den Titelhelden, dem talentierten aber verkannten und erfolglosen Schriftsteller, der sich selbst nur „der Meister“ nennt und Margarita, einer unglücklich verheiratete Frau. Bulgakow stellt die Fragen : Wie weit geht man für die Liebe? Was gibt man auf? Was opfert man? Und was kann man gewinnen?

Innerhalb der Hauptgeschichte befindet sich zudem ein Roman im Roman, eben jenes Buch, welches „der Meister“ schreibt. Es ist die philosophisch angelegte Geschichte über Pontius Pilatus und die Tage rund um die Verhaftung und Verurteilung Jesu von Nazareth.

Außerdem beschäftigt sich Bulgakow mit der Frage der Kunst, insbesondere der Literatur. Was darf und was soll sie? Welche Verantwortung haben Künstler, Schrifsteller, gegenüber der Gesellschaft?

Und, und, und ...

WIE FAND ICH ES?

Bulgakow schafft es, trotz der Fülle an Personen, Schauplätze, Genre und Themen im Fluss zu bleiben. Es dauerte ein wenig, bis ich mir vor allem einen Überblick über die zahlreichen Personen verschafft hatte. Doch es war mir, als würde ich selbst nach Moskau dieser Zeit ziehen und so nach und nach meine Nachbarn kennen lernen. Zwischen fast allen Figuren besteht eine Verbindung, es gibt immer wieder Querverweise und als ich mich eingelesen hatte war es als würde ich auf jeder Seite alte Bekannte treffen.

Ich glitt mühelos durch den Mix aus realistischen und phantastischen Elementen hin und her, denn Bulgakows Schreibstil trug mich traumgleich und zugleich glaubwürdig durch seine Handlung.

Was für mich auch daran lag, dass er auf eine schwarz und weiß Darstellung verzichtet. Die Opfer der Spielchen des Teufels haben auf der einen Seite verdient, was ihnen passiert. Doch ihre Taten geschehen aus solch einer Menschlichkeit heraus, dass ich mit ihnen mitfühlen und sie nicht wirklich verurteilen konnte.

Auch der Teufel selbst, nebst seiner Spießgesellen, ist nicht der klare Bösewicht, der „Teufel.“ Bulgakows „Voland“, wie sich der Satan nennt, ist mephistophelischer Natur. Weder böse noch gut, sondern ein Teil des großen Ganzen.

Um es mit den Worten des Autors zu beschreiben:

„Willst du nicht so gut sein, einmal darüber nachzudenken, was dein Gutes täte, wenn das Böse nicht wäre, und wie die Erde aussähe, wenn die Schatten von ihr verschwänden? Kommen doch die Schatten von den Dingen und den Menschen. [...] Du willst doch nicht etwa den Erdball kahl scheren [...] und deine Phantasie an kahlem Licht ergötzen?“

FAZIT?

Vergleichbar wäre das Werk mit Goethes Faust oder Dantes göttlicher Komödie. Ich las dieses Buch wie gesagt als Spontankauf auf Empfehlung ohne jegliches Vorwissen hauptsächlich während meiner zwanzigminütigen Bahnfahrt von der Arbeit und zurück.

Meiner Meinung nach ist ein Vorwissen nicht unbedingt nötig, es schadet aber nicht rudimentäres Grundwissen über das stalinistische Moskau und vor allem die Darstellung des faustischen Teufels zu haben.

Der Roman wandert auf einem schmalen Grad zwischen Realismus und Phantasie, zwischen Historie und Mystik; schwingt mal in die eine, mal in die andere Genre und verknüpft doch alles zu einem stimmigen Gesamtbild. Die Themen sind Politik, Gesellschaft, Liebe und der Kampf zwischen Gut und Böse und alle die menschlichen Grauzonen die uns Menschen eben so menschlich machen und den Teufel teuflisch.

Ein Buch für alle, die sich auf eine große Figurenfülle und komplexe Zusammenhänge einlassen können. Die mehrere Genre in einem Buch vereint lesen möchten. Die gern durch Fiktion ein wenig über Geschichte, Philosophie und ein wenig auch über religiöse Themen lernen möchten und sich ab und an beim Lesen nicht nur berieseln lassen möchte.
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am 19. Juni 2013
Zum ersten Mal mit 13 oder 14 Jahren gelesen, war ich unglaublich fasziniert von diesem komplexen, fantasievollen, aufregendem Roman.
Seitdem lese ich das Buch (inzwischen bin ich 42...) alle 2 oder 3 Jahre sehr gerne wieder und mich erfüllen jedesmal große Glücksgefühle bei der Lektüre.
"Der Meister und Margarita" ist ein wunderbarer, sehr vielschichtiger Roman.
Jeder Leser wird, denke ich, etwas anderes bei der Lektüre empfinden, andere Dinge hinein interpretieren.
Aber besonders der wunderschöne, an düsterer Romantik nicht zu übertreffende Schluß sollte jedem, der auch nur zu halbwegs normalen Emotionen fähig ist, die Tränen in die Augen treiben und das Genie des Autors erkennen lassen. Doch auch davor gibt es sehr, sehr viel zu entdecken.
Mein Lieblingsbuch Nr.1.
Und sollte ich jemals auf die berühmte einsame Insel müssen - dieses Buch würde mich begleiten!!!
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am 7. Januar 2013
In Moskau geht der Teufel um! Gemeinsam mit seinen Gesellen lässt er die wildesten Dinge geschehen: Leute verschwinden, finden sich an fremden Orten wieder oder landen gleich im Irrenhaus, Geld fällt vom Himmel und verwandelt sich, ein Kater fährt Autobus und ein Verstorbener lädt telegrafisch zu seinem Begräbnis ein... Die braven Sowjetbürger werden auf eine harte Probe gestellt, denn wer als politisch bewusster Atheist nicht an die „Märchen über Gott“ glaubt, kann die verwirrenden Vorkommnisse erst recht nicht mit der Existenz des Satans erklären. Aber war diese Gesellschaft nicht schon vor dem Erscheinen des Teufels außer Rand und Band und auf den Kopf gestellt, den einige jetzt buchstäblich verlieren?

Wenn Bulgakow den Höllenfürsten leibhaftig durch den Alltag des Sozialismus schickt, geschieht dies, um die Verkrustungen des Systems zu entlarven. Wo sich die Apparatschiks des Kulturbetriebs zur Zensur aufschwingen und die Günstlinge der Partei durch Korruption bereichern, wo den ideologisch vernagelten Machthabern von Speichelleckern und Kriechern der Hof gemacht wird, eben da scheint der Satan am rechten Platz zu sein. Die Revolution ist längst in Bürokratie und Verwaltung steckengeblieben, der „neue Mensch“ damit beschäftigt, sich durch Beziehungen und Geld kleine Vorteile zu verschaffen. So lobenswert die Idee einer wahrhaftigen sozialistischen Gesellschaft auch sein mag, der Teufel steckt im Detail ihrer Verwirklichung.

Kunstvoll in den Text eingewoben ist die Geschichte um Pontius Pilatus, der Jeschua richtet, sich selbst aber vorgaukelt, frei von Verantwortung dafür zu sein. Diese Arabeske zieht sich als fortwährender Aufruf zum kritischen Umgang mit eigenem Handeln und gesellschaftlicher Wirklichkeit durch den Roman. Selbst ist sie wieder nur Erzählung, niedergeschrieben von einem begabten Dichter, dem die Veröffentlichung seines Werks aus politischen Gründen verweigert wird. Auch dieser namenlose Meister kann die gegenwärtige Gesellschaft nicht von ihrem Fluch erlösen. Dazu bedarf es der Kraft und des Glaubens eines liebenden Menschen. Denn ohne Margarita gibt es keinen Meister.

Bulgakows "Der Meister und Margarita" war in der DDR richtig angesagt, wurde sogar als dramatisierte Fassung auf die Bühnen gebracht. Der Erfolg lag zweifellos in der Wiedergabe einer gesellschaftlichen Realität, die hinter den vorgezeigten Idealen zu Kleinbürgerlichkeit und Egoismus verkam. Und das traf auch auf den Arbeiter-und-Bauern-Staat auf deutschem Boden zu. Aber die Reichweite des Werks geht über den unterdessen untergegangenen Sozialismus hinaus. Der angeprangerte Kleingeist und Egoismus begleitet auch uns durch den real existierenden Kapitalismus, weshalb dieses geniale Buch, egal ob in alter oder neuer Übersetzung, nicht an Aussagekraft verloren hat.
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Man muss ein wenig über die historische und persönliche Situation Bulgakows wissen, um diesen Roman mit Gewinn zu lesen - sonst kann er einen leicht verwirren. Bulgakow war einer der wenigen Dissidenten in der Stalinzeit, er war zwar bereits als Schriftsteller erfolgreich, erhielt aber später Publikationsverbot und versuchte in den 12 Jahren, in denen er bis zu seinem Tod 1940 diesen Roman schrieb, sich schadlos zu halten für eine Wirklichkeit, in der seiner Meinung nach alles falsch lief.
Die politische Kaste war zu mehr oder weniger korrupten Funktionären und Apparatschiks verkommen, die auf Machterhalt und diesseitigen Materialismus eingeschworen waren. So fängt der Roman damit an, dass zwei typische Repräsentanten jener Zeit vom Teufel, Voland, eines Besseren belehrt werden. Entgegen dem skeptischen Rationalismus des einen, eines Lyrikers namens Besdomny, sagt Voland den unmittelbar bevorstehenden Unfalltod von dessen Begleiter Berlioz voraus und führt ihm und Berlioz den römischen Statthalter Pontius Pilatus in natura vor, wie der den gefangenen Jesus gegen sein Gefühl und Gewissen der cäsarischen Staatsräson opfert. Damit demonstriert der Teufel den beiden Ungläubigen persönlich die historische Existenz von Jesus Christus.

Klar, dass solche übernatürlichen Umtriebe im platten, stumpfsinnigen, bürokratischen Betrieb nur Verwirrung stiften und den vorhersehbaren, aber hilflosen Versuch der zuständigen Behörden provozieren, solchem Unwesen Einhalt zu gebieten nach dem Muster: Was nicht sein kann, darf nicht sein. Besonders weil der Teufel und seine Gefolgschaft nun erst so richtig ihr Unwesen zu treiben beginnen: Voland tritt in einer groß angekündigten Magier-Show auf, dort beglückt er die Menschen mit Geld, das vom Himmel regnet, und die Frauen mit herrlichen Kleidern und Accessoires.
Im zweiten Teil des Buches erreicht das teuflische Treiben dann den eigentlichen Höhepunkt. Im Mittelpunkt dieses Teils steht die schöne Margarita, die einen glücklosen Schriftsteller namens Meister liebt und ihm treu zur Seite steht. In diesem Schriftsteller hat Bulgakow sein Selbstporträt geschaffen. Meister hat auch den vom Teufel verwendeten Pilatus-Roman geschrieben, aber nur Hass und Spott dafür geerntet. Margarita als begeisterte Hexe wird nun die Ballkönigin des teuflischen Frühjahrsballes, auf dem all die großen Schurken und Verbrecher der Vergangenheit auftreten - hier wird man an Dantes "Göttliche Komödie" erinnert wie gleichzeitig das ganze Buch eine Variante des Goetheschen "Faust" ist: Meister als Faust, der schließlich mit seiner geliebten Margarita dem Teufel folgt und in andere, überzeitliche Dimensionen entschwindet.

Der Hauptteil des Romans besteht also aus dem teuflischem Schabernack, der die Offiziellen zur Verzweiflung treibt - ständig herrliche Gelegenheiten zur grotesken Satire à la Gogol - einmal sitzt beispielsweise nur ein Anzug am Schreibpult und führt die Schreibarbeiten aus. Diese teuflische Gegenwelt ist abenteuerlich, anarchisch, lustbetont, sie bringt das triste, regulierte Leben ins Wanken. Bulgakow lebte, man merkt es, 12 Jahre lang in dieser viel spannenderen fiktiven Gegenwelt. Und in den Pilatus-Szenen bringt er sich selbst ins Spiel: So wie Christus ein guter Mensch ist, der sich von Hass und Ungerechtigkeit nicht beirren lässt und standhaft bis zu seinem Tod dem Repräsentanten der Macht seine Wahrheit sagt, so mag er sich selbst gesehen haben, als einzelner ohnmächtig dem Establishment gegenüber. Diese Pilatus-Szenen sind mit tiefem Ernst geschrieben, während bei den satirischen Teufelsszenen eine robuste kindliche Fabulierlust ihre fröhlichen Urständ feiert: "Leser, mir nach!" heißt es wiederholt und man folgt ihm gern. Vielleicht konnte nur ein solcher Schriftsteller am Ende dem Teufel diese Wahrheit in den Mund legen: "Alles wird richtig werden, darauf beruht die Welt." (485).
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am 28. Juli 1999
"Der Meister und Margarita" gehört zu meinen erklärten Lieblingsbüchern. In Bulgakows Roman existieren mehrere Handlungsebenen. Mit Sarkasmus, schwarzem Humor und surrealem Witz hält Bulgakow der Habgier und dem Duckmäusertum der Bürger, der Bürokratie, sowie der selbstzufriedenen Diktatur des offiziellen Literaturbetriebs im Moskau der dreißiger Jahre den Spiegel vor. Dies geschieht auf so drastisch-komische Weise, daß einem manchmal das Lachen im Halse steckenbleibt. Niemand anderes als der Teufel persönlich führt Regie in diesem wahnwitzigen Treiben. Daneben wird eine etwas eigenwillige Version der Kreuzigungsgeschichte Jesu präsentiert, erzählt aus der Sichtweise des Pontius Pilatus. Dieser Pilatus wird hier einmal nicht als kalter Machtmensch beschrieben, sondern als gepeinigter Mensch, der zwischen Machtgefühlen und Zwängen einerseits und seiner Sympathie für Jesus andererseits hin- und hergerissen ist. Schließlich findet sich im Roman die Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita. Der Meister, ein Schriftsteller, wird Opfer des herrschenden Literaturbetriebs. Seine Freundin Margarita versucht verzweifelt, ihm aus seiner Situation herauszuhelfen und nimmt dafür einiges auf sich. In einem sehr melancholischen Finale laufen die Handlungsstränge schließlich zusammen. Nach der Lektüre dieser "Welt in einem Buch" fühlt man sich glücklich, erheitert und ein wenig traurig - eine wunderbare Mischung! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 31. Oktober 2012
Ich hatte dunkel in Erinnerung, vor langer Zeit schon einmal eine kürzere Version des Buches gelesen zu haben, als mir eine Rezension der neuen, kompletten Übersetzung von Alexander Nitzberg in die Hände fiel. Die habe ich mit Interesse gelesen und bald gesehen, dass ich wohl eine anderes Buch im Kopf gehabt haben muss - und dass zwischen dieser (evtl. philologisch besseren) Übersetzung und der älteren von Thomas Reschke offenbar ein gewisses Konkurrenzverhältnis bestehen soll. Ich habe beide angelesen und mich dann doch für die ältere entschieden, die meinem - vielleicht etwas antiquierten - Sprachempfinden eher zu entsprechen schien (und außerdem wohlfeil zu haben war, und mit den Illustrationen des von mir durchaus geschätzten Hans Fronius).

Erwartet hatte ich anstrengende und schwere Lektüre, wurde aber angenehm überrascht - das Buch ist gar nicht schwierig zu lesen, allerdings etwas gewöhnungsbedürftig durch den oftmals recht abrupten Wechsel der Handlungsstränge. Darstellungsweise und Handlung haben mich oft an Herzmanovsky-Orlando erinnert (und manchmal auch an Harry Potter ;) obwohl der Hintergrund ja ein völlig anderer ist - oder vielleicht doch nicht? Ist nicht der Mechanismus der Bürokratie immer wieder der gleiche, ob im römisch besetzten Judäa, im späten Habsburgerreich, im Zaubereiministerium oder in der stalinistischen Diktatur - und fordert evtl. auch eine ähnliche Art der satirischen Auseinandersetzung damit heraus? Die dahinterliegende Philosophie drängt sich nicht gewaltsam auf, man kann sie ohne Weiteres überlesen - beraubt sich dadurch allerdings des Vergnügens der Auseinandersetzung mit einem höchst eigenwilligen und widerborstigen Geist. Die Darstellung des Satans Voland und seiner Helfershelfer ebenso wie die des Pontius Pilatus und des Apostels Matthäus und der beiden Titelgestalten ist nicht leicht auszuloten und angenehm weit entfernt von jeder Schwarzweißmalerei. Dass das Werk in der Stalin-Ära nur in Teildrucken erhältlich war und zensierte Passagen ausschließlich im Samisdat kursierten, ist leicht vorstellbar - der sowjetische Staats- und Kulturbetrieb wird darin gnadenlos und manchmal reichlich schrill durch den Kakao gezogen - dieser Ozean des Kakaos beschränkt sich aber wie gesagt nicht auf die UdSSR der Stalin-Ära, ja nicht mal der Autor selbst bleibt schlussendlich auf dem Trockenen...
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am 28. April 2010
"Der Meister und Margarita" begleiten mich schon seit bald 30 Jahren über sämtliche Orts- und Wohnungswechsel und werden mich wohl noch solange begleiten "bis dass der Tod uns scheidet". Dieses Buch würde ich auf die Insel mitnehmen, auch wenn ich nur 10 Bücher mitnehmen dürfte und das, obwohl ich es schon fünfmal gelesen habe (oder vielleicht grade deswegen). Und aus genau diesem Grunde sehe ich mich förmlich gezwungen, hierzu endlich auch eine Rezension zu schreiben :-)

Zum einen schildert der Roman in einer überaus ironisch/satirischenWeise das Leben im Moskau der 30er Jahre im vorigen Jahrhundert. Das zweite Thema des Romans ist mit menschlichen Werten wie Gut und Böse, Gott und Teufel, Leben und Tod verbunden. Fragen des ewigen Wechselspiels zwischen Gute und Böse spielen eine besonders wichtige Rolle. Hierzu schlägt Bulgakow einen Bogen weit zurück zu zwei Protagonisten, die gewissermassen für das Gute oder Schlechte an sich stehen: Jesus und Pontius Pilatus.

Nicht zu vergessen natürlich das Thema der menschlichen Liebe, hier die Liebe zwischen den Titelgebern, dem "Meister", einem wahren Künstler, und seiner Margarita - eine berührende Liebesgeschichte, die nach langer Zeit des Leidens über unglaublich phantastische, skurrile und abgedrehte Umwege ihre Erfüllung findet.

Wunderbar wie Bulgakow sein Figurenkabinett einem Höhepunkt entgegenführt, all die verschiedenen Handlungsstränge verknüpft bis am Schluss alle Erlösung finden - Pontius Pilatus genauso wie all die anderen Mitbeteiligten in diesem einzigarten Werk (fast alle, muss ich sagen, einer nicht, aber da ist er selber schuld :-).

Der "Meister" ist ein absolutes Kultbuch, das voller absurder Ideen steckt: Auf der einen Seite immer phantastischer, auf der anderen Seite hart an einem realen Leben in der sowjetischen Alltagsbürokratie, diese Mischung lässt einen immer weiter und weiter in die Welt des Michail Bulgakow eintauchen.

Skurril, fantastisch, satirisch, schräg verflechtet Bulgakov Liebesgeschiche, Horrorelemente, Fantasy, Satire zu einem unglaublichen Abenteuer!!!!

Übrigens: Bulgakovs Satan ist ein teuflisch sympathischer Quälgeist!!!
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am 10. Oktober 2015
Das Buch ist alles als durchschnittlich. Etwas verwirrend am Anfang, aber so besonders und "crazy", dass es nicht loslässt. Humor, Philosophie und Sarkasmus sowie ein guter Einblick in die sowjetische Zeiten. Einfach wunderbar und wirklich ein Meisterwerk!
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am 29. Dezember 2014
Über den Inhalt des Buches verliere ich keine Worte - Literatur von Welt - ich mag das Geschriebene und gebe mich gerne der Fantasie hin.

zur KINDLE-Version:
zuerst dachte ich, es handelt sich um eine Ausnahme - aber - es gibt so viele Fehler in der Zeichensetzung, fehlende Buchstaben, Großbuchstaben mitten in Wörtern und ähnliches.

Deshalb nur drei Sterne, da man sich bei manchen geschriebenen Wörtern das tatsächliche Wort zusammenreimen muss.
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