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am 15. Februar 2008
Rechtzeitig zum 150. Geburtstag Rudolf Diesels hat der MaroVerlag seine interessante Sozialutopie aus dem Jahr 1903 wieder aufgelegt. Diesel, der im Waisenhaus groß geworden ist, schätzte dieses Werk mehr als seinen Motor. Und ich möchte es als Zeitdokument wärmstens für die Hausbibliothek empfehlen. Wer sich gerne genauer mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Utopien beschäftigt, von Thomas Morus über die französische Revolution bis hin zur sozialistischen Planwirtschaft und auch die zeitgenössischen Nachhaltigkeitsbewegungen, findet in dem lesenswerten Buch viele interessante Aspekte, die zum Nachdenken anregen.

Diesels Idee beruht auf zwei Säulen:
Zum ersten wird von jedem Mitglied ein geringer aber regelmässiger Sparbetrag in eine "Volkskasse" eingezahlt, aus der dann Betriebe gegründet werden sollen. Diese volkseigenen Betriebe führen ihren Ertrag an die Mitglieder der Solidargemeinschaft wieder ab, indem sie nur zum Selbstkostenpreis produzieren. Als Gegenleistung erwirbt das zahlende Mitglied, das Recht, Waren zum Selbstkostenpreis von anderen Betrieben zu erhalten, später auch Werkswohnungen zu beziehen, es erhält eine Gesundheits- und Rentenvollversorgung sowie kulturelle Angebote und regelmässige Erholungsreisen. Diesel errechnet für die Werktätigen, die in seinen Betrieben arbeiten, höhere Löhne und Gehälter als in normalen Wirtschaftsunternehmen. Außerdem wird laut Diesel das Verlustrisiko des Betriebes auf viele Schultern verteilt und so minimiert, was zu sozialer Absicherung des Einzelnen führt. Besonders schön an Diesels Utopie ist, dass bei ihm der Einstieg auf Freiwilligkeit basiert und auch jederzeit ein Ausstieg möglich ist. Sogar das "Streben nach Glück", das wir aus der amerikanischen Verfassung kennen, findet Eingang in das Buch. Diese Aspekte unterscheidet Diesels Solidarismus von den real existierenden sozialistischen Systemen, bei denen entweder die Beiträge zwangsweise eingezogen werden, das Recht auf Privateigentum nur eingeschränkt oder gar nicht vorkommt und die Mitglieder keine Möglichkeit haben, das System wieder zu verlassen.
Neben der "Volkskasse" konstruiert Diesel als zweite Säule des Solidarismus eine Art Parallelwirtschaft der Betriebe untereinander: ein Tauschhandelssystem, das auf Warenmustern, Katalog und Bestellung basiert. Da die Einzahlung in die "Volkskasse" freiwillig erfolgen, hat auch nur das zahlende Mitglied Anspruch auf Leistungen daraus. Diesel glaubt, dass dadurch gleichzeitig noch das Strafrecht überflüssig wird, da sein System so klar aufgebaut ist.

Diesel geht die soziale Frage mit lobenswertem Idealismus an, unterschätzt aber meiner Meinung nach, die organisatorischen Schwierigkeiten, die sich aus zwei nebeneinander existierenden Wirtschaftssystemen ergeben. Gerade die attraktiven Sozialleistungen, die von den Betrieben nebenbei mitfinanziert werden sollen, bergen ein wirtschaftliches Gefahrenpotential. Es gibt schon in konservativen gewinnorientierten Großunternehmen mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, Kantinen und Betriebskindergärten regelmäßig Streit um die Bewertung dieser Kostenstellen in der internen Rechnungslegung. Wie wird es da erst bei der Bewertung ganzer Betriebe untereinander aussehen?

Auch ein psychologischer Fehler ist Diesel bei seinem Solidarismus unterlaufen. Ein großer Anteil an Gemeinschaftseigentum führt nämlich nicht zu höherer Verantwortlichkeit des Einzelnen gegenüber der Gemeinschaft. Gemeinschaftliches Eigentum wird tatsächlich weniger geschätzt und gepflegt als privates. Geld, welches von Fremden verdient wird und das wiederum für andere Fremde ausgegeben werden soll, wird am ehesten verschwendet, und deckt den konkreten Bedarf nicht vollständig weil das direkte Einzelinteresse längst nicht so ausgeprägt ist, wie bei Geld, welches ein Mensch verdient und für sich selbst ausgibt. Gerde dieses öffentliche Geld verführt dazu, es zu leicht auszugeben oder sogar, es in die Privatkasse umzuleiten. Wer soll garantieren, dass die Erträge von Diesels Volkskasse nicht von einzelnen Direktoren verschwendet oder verspekuliert werden - vor allem wenn kein Strafrecht dies mehr ahnden kann?

Diesel setzt als Grundlage für seinen Solidarismus einen integeren, arbeitsamen, bescheidenen und wirtschaftlich logisch denkenden Menschen voraus, der soziale Verantwortung besitzt, und der in seiner Freizeit nach Bildung und Kultur strebt. Durch Solidarismus soll der Mensch aus Armut, Existenzangst und Abhängigkeit erlöst werden und ein Besserer werden. Mit diesem idealen Menschentyp funktioniert allerdings jede Form der Gesellschaft. Wenn weise Regenten, edle und selbstlose Wirtschaftsführer und integere rechtschaffene Bürger brüderlich und in Nächstenliebe zusammenstehen und -arbeiten, lebt es sich auch in einer Diktatur angenehm und es entsteht automatisch Wohlstand für alle.

Mein Vater hätte allerdings dazu gesagt: "Oh, wenn doch älle so wäret, wie i sein sollt!"
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In diesem Buch entwirft Rudolf Diesel, der nicht nur Motorenerfinder war, ein neues kooperatives Wirtschaftsmodell. Eine Art Netzwerk von selbstverwalteten Kibbuzen, die er "Bienenstöcke" nennt, soll den Arbeitern ein materiell sicheres Leben garantieren.

Im Jahr 1913, nach dem Aufstieg der Sozialdemokratie in Deutschland, versucht sich der Erfinder also daran, den Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital aufzulösen. Er analysiert das bestehende Wirtschaftssystem und erklärt, warum herkömmliche Kooperativen keine Lösung sein können: Sie müssen mit kapitalistischen Betrieben konkurrieren, können also keine bessere Qualität und keine besseren Arbeitsbedingungen bieten, auch wenn dies volkswirtschaftlich sinnvoll wäre. Dass diese Einschätzung stimmt, ist an heutigen Alternativbetrieben wie der Berliner Tageszeitung taz zu sehen.

Der "Solidarismus", wie Diesel sein Modell nennt, könnte sich also nur durch eine Massenbewegung durchsetzen. Doch wer hätte die Kraft dazu? Die Gewerkschaften haben daran kein Interesse, denn sie würden in der Folge als erstes abgeschafft bzw. überflüssig. An dieser Stelle erscheint Diesels Gesellschaftsanalyse naiv.

Marx und Engels waren jedenfalls viel realistischer, als sie in ihrem Manifest schon Jahrzehnte früher erklärten, der Kommunismus sei kein Konzept, das von diesem oder jenem Weltverbesserer ausgedacht worden sei, sondern sie würden sich an den realen Kämpfen der Arbeiterklasse orientieren.

Andererseits war Diesel kein Träumer, und nicht nur ein hervorragender Maschinenbauer, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich. Er hatte lukrative Lizenzverträge mit Krupp und MAN abgeschlossen und viel Erfahrung im Geschäftsleben. Diese Erfahrung ist seinem Buch anzumerken, wenn er bis ins Detail Vorschläge für Verträge zwischen Kooperativen ("Bienenstöcken") macht.

Wenn Diesel nicht einige Monate nach dem Erscheinen seines Buchs und kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs unter dubiosen Umständen ums Leben gekommen wäre, wäre er sicherlich politisch weiter aktiv und möglicherweise für die Herrschenden gefährlich geworden.

Auch heute ist das Buch lesenswert. Da die von Diesel erkannten Probleme bis heute nicht gelöst sind, sind seine Vorschläge noch aktuell. Sein Gesellschaftsmodell ist plausibel und in sich widerspruchsfrei, muss aber deshalb noch nicht richtig sein. Auch das Christentum würde schließlich möglicherweise funktionieren, wenn alle Menschen auf Jesus hören würden.

Wer dieses Buch mag, interessiert sich vielleicht auch für Diesel: Roman und Die Entstehung des Dieselmotors. Das Grundlagenwerk einer großen Erfindung.
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am 3. Juli 2009
Schon interessant, daß sich zwei namhafte "Automobilbauer" vor ca. 100 Jahren fast gleichzeitig um das "gemeine Volk" Gedanken gemacht haben.
Neben Rudolf Diesel hat auch Henry Ford sich in seinen Büchern wie z.B. "Das Große Heute, das Größere Morgen" oder "Erfolg im Leben" Gedanken um den Kapitalismus und den kleinen Mann gemacht.
Henry Ford war auch so sozial eingestellt, daß bei ihm Arbeiter nicht nach Zeugnissen sondern nach Leistungen und Fähigkeiten bezahlt wurden.
Leistungen machten sich da auch noch wirklich und im wahrsten Sinne bezahlt.
Inzwischen hat man mehrere politische und gesellschaftliche Systeme ausprobiert.
Vom Kommunismus über den Sozialismus der DDR und der sozialen Marktwirtschaft des Ludwig Erhart bis hin zum Raubtier-Kapitalismus ab der Maueröffnung.
Bis auf den Ansatz der Sozialen Marktwirtschaft des Ludwig Erhart waren alle Systeme mehr oder weniger, direkt oder indirekt darauf aus, die arbeitenden Menschen auszubeuten und deren Arbeitsleistung den Konten der Kapitalisten oder Parteibonzen gutzuschreiben.
Gerade heute, wo sich die Welt, inmitten einer Wirtschaftskrise befindet und sich täglich neue Milliardenlöcher bei Banken auftun, hundertjährige Unternehmen (Märklin, Schiesser, Grohe, Opel) reihenweise von "Heuschrecken" ausgesaugt oder hochbezahlten Managern in die Pleite manövriert werden, ist so ein Buch hochaktuell.
Dieses Buch sollten vor allem einmal die Politiker lesen, die sich immer nur im Kreise drehen und nicht wirklich was zustanden bringen.
Sicher würden sich hier einige Anregungen finden, wie man die Weltwirtschaft wieder auf die Beine bringt und vor allem: wie es künftig weitergehen soll.
Das Buch also unbedingt zu empfehlen!
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am 28. Mai 2011
Dieses Buch ist meines Erachtens mehr als nur Utopie. Es zeigt einen Weg auf, wie die Menschen leben könnten. Natürlich ist sein verwendetes Menschenbild das eines Idealisten, der frei von Fehlern ist. Nichts desto trotz glaube ich, dass sein vorgeschlagenes Gesellschaftssystem mit einigen Modifikationen in die Tat umgesetzt werden könnte und eine wirkliche Alternative zum vorherrschenden Kapitalismus darstellen könnte. Denn der Kapitalismus kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein.
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am 5. September 2013
Sehr lesenswert. Erstaunlich gründlich durchdachte Denkschrift zur Schaffung einer solidarischen Wirtschaftsordnung als Alternative zur Herrschaft des Kapitals. Dipl. Volksw. E. Weber
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am 12. Juni 2014
Rudolf Diesel will mit seinem Buch die "soziale Frage" endgültig gelöst haben. Und tatsächlich beschreibt er einen praktikablen Weg, die breite Masse unabhängiger und freier zu machen - einfach dadurch, dass er dem Einzelnen die Möglichkeit gibt, seine Tatkraft der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen und nicht dem "Markt" bzw. einem profitorientierten Unternehmen. Leider ist der Wermutstropfen der Idee, dass es die Bereitwilligkeit (so gut wie) aller Bürger bedarf und dass die "Obrigkeit" still hält und nicht dagegen vorgeht. Deshalb bleibt wohl der "Solidarismus" nur Idee.

Schade, dass Rudolf Diesels soziale Antwort nicht breitere Erwähnung findet.
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am 29. Juli 2009
Rudolf Diesel nicht nur ein genialer Erfinder, sondern auch ein Sozialutopist.
Wer wusste das?
Sicher die wenigsten!
Vielleicht liegt ja auch in diesem Buch ein Schlüssel zu seinem rätselhaften Tod?
Immerhin waren ja Sozialreformer wie Martin Luther King oder John F. Kennedy bei den Kapitalisten nicht gerade beliebt und wurden beseitigt.
In diese Reihe kann man sich auch noch John Lennon, Michael Jackson und Prinzessin Diana einreihen.
Überdies ist ein Erfinder, der sich so für seine Erfindungen und das allgemeinwohl einsetzt vom psychologischen her ganz sicher kein Selbstmordkandidat.
Sicher wäre nach einer Sozialreform nach Diesel, die ja auch immer wieder in Ansätzen diskutiert wird, eine Art von Gesellschaftsform, bei der der Einzelne nicht, wie heute üblich, nach jahrzehntelanger Arbeit und Einzahlung in die Arbeitslosenversicherung, darauf angewiesen, sein Erspartes zu versilbern um überhaupt leben zu können.
Natürlich hat die eine oder andere Form von Solidarismus, wie etwa in der gesetzlichen Krankenversicherung auch zur Folge, daß sich einige als "Sozialschmarotzer" von den anderen mit durchziehen lassen.
Es gibt schon Extreme und der Mensch ist am meisten motiviert, wenn sich der Erfolg für ihn selbst auszahlt und nicht alles, wie im Kommunismus, vom Staat einkassiert wird.
Aber es ist was dran, an Diesels Visionen und wir werden nach einer Zeit der Kapitalvernichtungen an den Börsen (2000) und durch unverantwortliche Geldanlagen im Ausland wie im letzten Herbst wieder zu einer Normalität zurückfinden müssen.
Es kann nicht sein, daß unverantwortliche Spekulanten mit der Vernichtung fremder Gelder in einem Jahr mehr Einkommen erzielen, als ein Handwerker oder Arbeiter in seinem ganzen Leben.
Übrigens kann man doch Geld eigentlich nicht vernichten. Wo ein Verlierer ist, muß laut dem Gesetz der Buchhaltung auch immer ein Gewinner sein.
Laut Rohschild ist das Geld nicht verschwunden, es hat lediglich den Besitzer gewechselt.
Raubtierkapitalismus pur!
Zeit zum Umdenken.
Die Politiker sollten einmal Diesels Anregungen in die Tat umsetzen statt immer nur an ihre eigenen kurzfristigen Vorteile (Diäten, Pauschalen, Steuervorteile) zu denken.
Eine Rückbesinnung an das Wohl des Volkes wäre dringend nötig.
Es kann auch nicht sein, daß ein Beitragszahler von der Arbeitslosenversicherung oder Krankenversicherung weniger bekommt als einer, der niemals etwas eingezahlt hat.
Solidarität ist keine Einbahnstraße.
Sicher würde das Modell nach Diesel die Menschen von der Angst befreien, die heute jedem Arbeitnehmer (Arbeitslosigkeit) und Selbständigen (Pleite) im Nacken steckt.
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am 10. Januar 2008
Der Verlag ist zu beglückwünschen, ein unbekanntes und vergessenes Werk Rudolf Diesels weider aufgelegt zu haben. Diesel versucht darin, die soziale Frage seiner Zeit zu lösen. Er schätzt dies höher ein als seinen Motor! Diesel als Weltverbesserer und Sozialingenieur! Wer es nicht glaubt, solch sich selbst davon überzeugen. Das Buch kommt gerade recht zum 150. Geburtstag 2008.
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am 28. Januar 2014
... Rudolf Diesel machte sich mit dieser Idee im deutschen Kaiserreich 1903 sicherlich keine Freunde und für diesen Mut bekommt er von mir den 1.Stern.

Den zweiten Stern kriegt er weil er den (Irr-)Glauben hatte das alle Menschen, Dinge wie Gier, Neid, Wettbewerbsdenken abschalten können, was für ein netter Gedanke.

Den dritten Stern kriegt er weil er aufgrund dieser Idee und seinem Glauben definitiv einer der ersten "Trekkies" war, noch bevor es Star Trek gab. Er glaubte daran das alle Menschen in Frieden und Solidarismus miteinander leben können.
Er war sicher ein netter Kerl, vielleicht etwas zu nett ;-)
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