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Kundenrezensionen

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TOP 500 REZENSENTam 6. November 2016
Wolfgang Herrndorf schuf mit "Sand" einen Roman, der seine Rätselhaftigkeit dem aufmerksamen Leser nicht lange bewahrt. Carl, der Mann, der sein Gedächtnis verlor, geriet in diese missliche Lage, weil er bei einer Agentenaktion verwechselt wurde und so in die Machtkämpfe der agierenden Interessengruppen geriet. Dabei wurde er von allen Beteiligten für einen Agenten gehalten. Er erhielt einen kleinen Gegenstand, dessen Brisanz ihm nicht offenbar war und der sein Schicksal bestimmte, von allen verfolgt und misshandelt zu werden. Dabei erlitt er so viel, dass es mehrfach zum Sterben genügt hätte. Da hat Herrndorf etwas viel geschehen lassen. Carl als Figur wird genau beschrieben, so dass man nicht lange über seine Identität im Unklaren ist. Er spricht französisch, arabisch, deutsch, hat ein Aussehen, wie ein Einheimischer und wird von niemanden gekannt, ist also eine zugereiste Person, die sich jedoch in der Gegend auskennt. Mit diesen Anknüpfungspunkten ist seine Identität schnell erfasst. Ihm geschieht ein Unglück nach dem anderen, ist er doch durch seine völlige Amnesie den Menschen ausgeliefert, die ihm begegnen und keine der Begegnungen erweist sich als wirkliche Hilfe für ihn sondern verkehrt sich bei allem ersten Anschein in ihr Gegenteil.
Neben diesem Agententhriller bietet Herrndorfs Roman noch viel mehr. Er ist ein Aufschrei gegen Amoral und Pragmatismus. Die diesen Pragmatismus auslebenden Geheimdienstler missachten die Werte der Gesellschaft, die sie vorgeben zu verteidigen. Einzig die Freundin der Geheimagentin Helen Giese geht als Figur ohne größeren Makel durch das Geschehen, wenn man mal über ihren esotherischen Tarotfaible hinwegsieht. Herrndorf spielt neben diesem okkult-mystischen Moment auch parodistisch mit den Religionen. Herrlich die Szene, in der die Geheimagenten mit Carl als Gefangenen im Wagen durch die Gegend fahren und wegen des Betbedarf des syrischen Mitstreiters die Fahrtrichtung wechseln müssen, damit dieser die Gelegenheit hat sein Gebet gen Mekka zu richten und die Verstärkung des Obskuren, als dieser islamische Gläubige mit dem Gebet wartet, bis die Sonne gänzlich verschwunden ist und nicht zu erklären vermag, warum er sich an diese Regel hält. Der gefangene Christ, nennen wir ihn weiterhin Carl, erklärt es, hilft also seinen Peinigern ihre eigene Weltsicht zu verstehen. So schuf Herrndorf einen Buch, das weit mehr ist, als ein Abenteuerroman.
Für mich ist es von all den Büchern Wolfgang Herrndorfs, die ich bisher kenne, mit Abstand das Beste. Es verdient eine ganz besondere Leseempfehlung.
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am 15. Mai 2014
… den uns Wolfgang Herrndorf mit-Sand- hinterlassen hat. Das ist jedenfalls meine Meinung. Wer -Tschick- gelesen und geliebt hat, wird sich wundern, wie komplett anders Wolfgang Herrndorf diese Geschichte aufs Papier gebannt hat. Da zeigt sich, meiner Ansicht nach, die ganze sprachliche Vielfalt und Kreativität des Autors. Kathrin Passig, zu Lebzeiten Herrndorfs gute Bekannte und strengste Kritikerin hielt -Sand- für Herrndorfs besten Roman. Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich das nachvollziehen. Es geht dabei gar nicht einmal um die krude, völlig schräge Agentenstory, die -Sand- erzählt, sondern vielmehr um die Macht der Sprache.

1972, Nordafrika. Ein Mann erwacht mit eingeschlagenem Schädel mitten in der Wüste. Er weiß nicht, wie er heißt und kann sich an keinen Tag seines Lebens erinnern. Er weiß allerdings sehr schnell, dass er verfolgt wird. Zunächst versuchen vier unbekannte Männer ihn zu töten. Anschließend wird er ausgeraubt. Dann läuft er der geheimnisvollen Amerikanerin Helen in die Arme. Die päppelt ihn auf und nennt ihn Carl. Carl versucht seine Identität zu klären, landet gleich wieder in den Händen von Ganoven und die gehen davon aus, dass Carl etwas weiß, was dieser allerdings nicht mehr weiß. Glauben schenkt ihm jedoch niemand. So ist jeder Tag in Carls Leben ein einziger Überlebenskampf. Ob das gut ausgeht? Lassen sie sich überraschen...

Ich weiß nicht, woher Wolfgang Herrndorfs Kentnisse und Einsichten über das Leben in Nordafrika stammten, in jedem Fall sind sie extrem anschaulich und unterhaltsam. -Sand- führt einen langsam aber sicher in eine aberwitzige Erzählspur, aus der man nicht mehr herauskommt. Wie Carl seinen Kopf immer wieder aus der Schlinge zieht, das ist grandios und spannend zugleich. Nebenbei eröffnet Herrndorf ein paar skurrile Nebenschauplätze, die es in sich haben. Ich habe mich jedenfalls königlich unterhalten lassen.

Es ist schade, dass Wolfgang Herrndorf so früh verstorben ist. Nach -Tschick- und -Sand- wären da vielleicht noch ein paar Romane mehr mit seiner Feder geschrieben worden. Ich hätte es ihm, und uns, gewünscht...
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am 1. Februar 2016
Um das Wichtigste gleich zu Beginn zu sagen: ein ganz, ganz großer Roman, mit das beste, was in den letzten Jahren von deutschen Autoren gekommen ist. Allerdings definitiv keine leichte Kost und nur schwer in eine Kategorie zu pressen. Vordergründig läuft hier eine Agentengeschichte, eigentlich aber geht es um Sinnlosigkeit des Daseins, Bedeutungslosigkeit, Identitätsverlust und um stetiges Bemühen, das letztendlich nur in völligem Scheitern mündet. Harter Tobak, der durch eine tolle Sprache, gelungene, nicht übertriebene Metapher und vor allem viel schwarzen Humor und rasante Dialoge vom Autor hervorragend lesbar und erfahrbar gemacht wird.

Die Hauptfigur Carl ist die Essenz des Romans – mit Gedächtnisverlust in der Wüste aufgegabelt, versucht er die ganze Zeit hinweg, mehr über seine Existenz zu erfahren, was ihm jedoch nie gelingt. Stattdessen wird er als Spielball fremder Interessen hin- und her geworfen, stolpert von einem Fiasko ins nächste, gerät an alte und neue Feinde und löst keine Verstrickungen, sondern spinnt nur neue, leidet, kämpft, fällt, ist ein Getriebener zu einem ihm unbekannten, wahrscheinlich hoffnungslosen Ziel. Ja, lebensbejahend ist das Buch nicht wirklich und es lässt sich darüber spekulieren, ob die Krankheit Herrndorfs hier schon ihren Niederschlag fand.

Zweiter Protagonist des Buchs ist die Wüste – die große, leere, heiße, staubige Wüste, eine gnadenlose Sonne und mitleidlose Sterne, die ohne Rührung auf die umhertaumelnden Gestalten am Boden herabblicken. In seiner hitzeverschwommenen Intensität hat mich der Roman etwas an "Himmel über der Wüste" von Paul Bowles erinnert. Ich kann an "Sand" kaum einen Makel entdecken, außer vielleicht der eine oder andere Nebenstrang, der minimal zu detailliert geflochten wurde. Auch die ersten 80 Seiten gestalten sich zunächst etwas zäh, geben meiner Meinung nach aber einen passenden Rahmen zu dem Bild ab, das im Folgenden gezeichnet wird. Lesen, lesen, lesen - ein großes Vermächtnis.
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VINE-PRODUKTTESTERam 28. April 2012
Es gibt verschiedene Erzählstränge in diesem Buch. In der Hauptsache geht es aber um einen Mann, der sich nicht mehr erinnern kann, wer er überhaupt ist und was er mitten in der Wüste zu suchen hat. Der Einfachheit halber gibt es sich den Namen Carl und versucht mit der Hilfe von Helen, die ihn aufgegabelt hat, die Puzzleteile zusammen zu setzen. Die Geschichte spielt in und um Tindirma, eine fiktive Stadt in einem nordafrikanischen Land (wenn man googelt, findet man eine gleichlautende Stadt in Mali mit etwas über 3.000 Einwohnern) Anfang der 70iger Jahres des 20. Jahrhunderts.
Hat Carl etwas mit dem Überfall und den 4 Toten in der Hippie-Kommune zu tun? Helen jedenfalls trifft dort eine alte Freundin wieder. Was hat es mit dem Koffer voller DDR-Geld auf sich? Wer sind die Männer, die Carl eine über die Rübe gehauen haben, wodurch er sein Gedächtnis verloren hat? Was hat es mit der dubiosen 'Mine' auf sich, und welche Art von Mine ist überhaupt gemeint? Viele viele Fragen, die nicht alle im Verlauf der Handlung geklärt werden.....

Die ersten Seiten haben mich ziemlich verwirrt, ich brauchte eine ganz Weile, bis ich mich in das Buch eingelesen hatte. Irgendwann war ich dann gut im Fluss, vom Ausgang aber enttäuscht... Nicht, dass das Buch nicht streckenweise unterhaltsam zu lesen wäre, aber am Ende fiebert man über eine sehr lange Spanne einer Auflösung entgegen, die dann etwas undurchsichtig ausfällt. Konnte nicht so richtig warm mit dem Werk werden, obwohl ich den Stil von Herrndorf nicht schlecht finde. Kann es sein, dass auch etwas zu viel Inhalt hineingepackt wurde?

Fazit: Krimi, Spionagethriller, Gesellschaftskritik? Jedenfalls eine interessante Mischung.
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am 15. April 2017
Spannend, packend, mitreißend, atmosphärisch dicht und stilistisch brilliant. Persönlich ist das mein Lieblingsroman von Wolfgang Herrndorf. Noch besser als Tschick.
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am 26. Januar 2014
Ich hatte das Buch schon zwei Jahre zu Hause rumliegen, bis ich es endlich im Urlaub gelesen habe. Und bin begeistert. Ein wilder Ritt, eine Satire, todtraurig, wahnsinnig lustig, irrwitzig spannend, unfassbar schön geschrieben (!!) und einfach ein Statement. Klüger wird man wohl nicht dadurch, aber recht viel besser kann man Unterhaltung nicht schreiben.

Entgegen einiger Rezensenten hier muss ich sagen: Es ist eben NICHTS beliebig, zerfasert oder sonstwas. Das Buch macht bis ca. Seite 100 unfassbar viele Figuren auf. Man ist total genervt, denkt sich - wann geht der Scheiss endlich mal an. Doch: genau das ist gewollt. Bis man sichs versieht, ist man schon tief drin im Strudel der Wüste und wenn die Suche von Carl beginnt, ist man lange schon mit ihm, ohne dass man es weiss...

Ich will nicht zuviel verraten, aber beim Lesen kann man getrost drauf vertrauen: Es wird alles, aber auch wirklich alles aufgelöst, wenn man nur offen ist und genau liest. Und man kann es auch zweimal, dreimal lesen. Dann hat man vielleicht auch noch mal Raum für die vielen tollen Formulierungen, versteckten Metaphern, wunderbar mehrdimensionalen Figuren.

Ein Hoch auf W. Herrndorf. Er wirds hören. Ich bin mir sicher. KAUFEN. (und nicht tschick Teil 2 erwarten... )
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am 23. April 2014
In meinem Verständnis handelt es sich um einen Rätseltext. Um ein modernes Sphinx-Rätsel nach der Existenz des Menschen. Die Schlüssel zum Roman sind schwer zu finden. Verschwinden immer wieder im Sand. Ein General-Schlüssel für Herrndorfs letztes Werk „Sand“ scheinen mir die Namen zu sein.

Die gesuchte Person im Roman heißt „Cetroit“ ..... französisch übersetzt: „es sind drei“. Wer geht am morgen auf vier Beinen, am Mittag auf zwei und am abend auf dreien? .... Immer ist es der Mensch. Immer ist es derselbe. Aber in anderer Form. Cetroit gibt es nicht als Person. Es ist eine Idee.

Strukturell treibt der Autor den Leser samt Protagonisten Carl durchs klassische Labyrinth. Der rote Faden wird vom Protagonisten immer wieder neu rein durch Zufall gefunden. Der Leser muss sehr wachsam sein, wenn er dabei selbst nicht verloren gehen will. Witzige Einfälle halten ihn auf Trab und bei der Sache. Obwohl es, wie im echten Labyrinth auch, Längen gibt. Ich sage nur: alles Pareto. 20% der Handlung ist spannend, 80% ist Redundanz. Wie im echten Leben auch.

Die Reise durchs Labyrinth erfolgt auf drei Ebenen: Traum, Rausch und Realität. Und durch diverse Mischformen. Wenn der Protagonist in der Wüste dem Ouz begegnet, wo sind wir dann? In der Wüste? Oder in einer Vision? Das Ouz ist kein handzahmes Tierchen. Und gibt es natürlich auch nicht in echt. Ein Verweis auf den Zauberer Oz? Das Ouz ist hier der Überbringer einer Botschaft:

"A man may be born, but in order to be born he must first die, and in order to die he must first awake."

Ein sehr kurioses Detail wird hier aus dem Ideen-Koffer gezogen. So wie man auf orientalischen Märkten, besonders im Magreb, bei den Zauberern und Händlern auf den Marktplätzen die seltsamsten Dinge findet. Die alle Symbolkraft, wenn nicht gar Zauberkraft besitzen. Der Zauber, der für den Europäer von diesen Dingen ausgeht, geht für den Afrikaner vom „Boli Boli“ aus, dem Boligrafo, dem Kugelschreiber. Das Ding, um den sich alles dreht. Der Stoff, der aus Ideen Geschichten machen kann. Oder Geschichte machen kann. Wenn das Elixier, die zwei Todeskapseln zum Einsatz kommen. Aber das versandelt ja alles. Und ohne Bauplan ist es eh sinnlos.

Herrndorf hat lange genug in Nordafrika herumgekifft, um diese Dinge zu kennen. Und dem Strom des Bewußtseins hin und her zu folgen bis an den Rand des Universums zu Gliese 381d und wieder zurück zu einer zerdrückten Coaldose im Sand unterm Reifen. Im Rausch ist alles gleich bedeutungsvoll. Und auf der realen Ebene schon nicht mehr. Kaum macht etwas Sinn, verfliegt der schon wieder im nächsten Reiz.

Lebe, stirb, werde und erwache. Es sterben vier. Vier Kommunarden durch Amadou Amadou. Auch so ein Namensrätsel durch Doppelung. Und am Ende stirbt der Protagonist Carl. Eine Unperson, die es nicht wirklich gibt. Eine Chimäre, eine Fata Morgana, eine Illusion. Nur ein Spiegel für den Leser mit dem Post-it dran: Finde dich selbst. Wenn nicht: Dann erfinde dich wenigstens selbst.

Wer aber glaubt, sich so einfach selbst zu finden, hat „auf Sand gebaut.“ Lieber Leser, es gibt dich nicht. Du bist die größte Illusion dieser Geschichte.

Und auch die hübsche Helen existiert nur als Namensrätsel. „Helen Gliese wohnt im Apartment 381d. Tatsächlich gibt es einen Planeten, der Gliese 381d heißt. Ein theoretisch bewohnbarer Planet. Der erste und bisher einzige, der erdähnliche Bedingungen aufweist“.

Das Buch ist sprachlich hervorragend, subtil und tiefgründig. Was soll ich empfehlen? Mehr Kürze in die Würze.

Im letzten Viertel wandert die Geschichte tief hinein ins innere Unbewußte, ins Böse, ins Dunkle und Mythische bis hin zum Ritualtod. Es geht zum Hüter der Schwelle, zum unbarmherzigen Dr. Cockcroft (was für ein Name) Erbarmungslose Folterei.

Dann Hoffnung als Carl überlebt, sich befreien kann, endlich den Ausgang findet, Tageslicht erblickt und dann sofort durch eine Kugel sterben muss. Der Tod als Metapher für Erlösung. Wusste Herrndorf eigentlich während der Arbeit, dass er sterben muss? Hatte er Schmerzen? Musste er Morphin nehmen? Brauchte er Hoffnung über den Tod hinaus?

"A man may be born, but in order to be born he must first die, and in order to die he must first awake."

Sand ist weit mehr als nur ein Agententhriller mit einem konfusen Plot und durcheinander gewürfelten Handlungsschnipseln. Spannend, verwirrend und geheimnisvoll ist die Handlung. Ein Puzzle, wie das echte Leben. Eine düstere Komposition, eine visionäre Zufallscollage und wenn es sich mal aufhellt, dann blendet die gleißende Wüstensonne. Und schon hat man den Überblick wieder verloren.

Herrndorf selbst beschreibt in "Arbeit und Struktur" sein verzweifeltes Ringen mit dem Material: "Viel größeres Problem: Dass die Handlung keiner kapiert ... Wahnsinnig Mühe darauf verwendet, alles wie ein Uhrwerk abschnurren zu lassen, aber Riesenproblem für jemanden, der noch nie richtig geplottet hat: die Informationsdosierung. Was sagt man dem Leser, um ihn auf die falsche Fährte zu locken, was sagt man, damit er das Gegenteil von dem annimmt, was man ihm zu insinuieren versucht, was sagt man am Ende überhaupt?" (Eintrag vom 6.10.2011)

Ja, was sagt man? Donder würde es als Autor so sagen: „Lieber Leser, dieses Buch zu schreiben, war eine Herkulesaufgabe. Es zu verstehen, ist natürlich ebenfalls eine Herkulesaufgabe. Lies es 10 Mal. So oft schreibt ein Autor jede seiner Seiten neu. Im statistischen Schnitt. Warum soll es für dich leichter sein, das alles zu kapieren, was ich ein Leben lang zusammengesammelt habe. Lies es wenigstens noch drei Mal. Ce trois!!! Oder lese wenigstens einmal die gute Inhaltszusammenfassung von Dieter Wunderlich. Dann geht dir vielleicht ein kleines Licht auf. [...]

Donder in Palermo, Caffe Riso, 12.4.2014, 17:43 Uhr
Gerne gelesen in 5 Tage in 15 verschiedenen Cafés in Hamburg, Catania, Syracrus und Palermo.
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am 22. November 2011
Was für ein Buch. Ich bin begeistert.
Es ist gleichermaßen spannender Thriller und gute Literatur - so etwas ist mir in dieser Form noch nie begegnet.
Den typischen Thriller liest man hungrig weg, ohne auf die Sprache zu achten. Kleinere Fehler stören nicht, die überliest man, um schnell zu erfahren, wie es ausgeht. Bei ernsthafter Literatur freut man sich an schöner Sprache oder/und erfährt etwas Neues über sich selbst, für sich selbst.
Es ist selten, dass man etwas Spannendes liest, das auch Gehalt hat. Und das findet man bei "Sand".

Auf den ersten 100 Seiten werden Personen vorgestellt, man findet sich in teils verwirrenden Szenen wieder und hängt ein bisschen in der Luft. Macht aber nichts, denn Herrndorf beschreibt so plastisch und auf ungewöhnliche Weise tiefgründig, dass es ein Vergnügen ist.
Und dann geht's los.
Ein Mann erwacht irgendwo in Nordafrika auf einem Dachboden mit schmerzendem Schädel und ohne Erinnerung. Die Szene seines Erwachens ist typisch für das Buch: er sieht aus einem Fenster und wie auf in einem Theater, eingerahmt von Brettern wie Bühnenvorhänge, sieht er wie sich in der Ferne wild gestikulierend vier Männer streiten. Die wenigen Satzfetzen, die er versteht, sind alles, was er für seine Suche nach seiner Identität zur Verfügung hat. Eine Achterbahnfahrt beginnt. Feinde werden Freunde, Freunde werden Feinde. Erfolge, die er sich mühsam erkämpft, werden brutal zerstört. Hilflos stolpert er von einer Katastrophe in die nächste.
Das ganze ist unglaublich plastisch erzählt, man sieht die Personen nicht nur vor sich, man versteht sie. Manchmal hat es was slapstickartig Komisches, manchmal ist es weise, manchmal grotesk ... ach man kann es nicht wirklich beschreiben. Ein typischer Herrndorf und auch noch spannend.

Lest dieses Buch. Es lohnt sich wirklich.
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am 5. März 2014
Ein seltsames Buch! Zu Beginn einmal hingerissen von der Direktheit mit der einer Afrika beschreibt...
Es wird dann irgendwann skurrill und schräg, und zeitweise verlier ich den Überblick; - und warum eigentlich!?
Es endet in einem nihilistischen Albtraum, wo ich mich Seite für Seite ärgere, - und es doch nicht schaffe das Buch wegzulegen.
Fang dann an zum "drüberlesen" will aber trotzdem das Ende wissen.
Das Ende find ich ärgerlich, es geht mir aber trotzdem ein paar Tage im Kopf rum.
Ein seltsames Buch..........

Hans
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am 9. Januar 2016
Nach "Tschick" und "In Plüschgewittern", habe ich mir auch den Roman "Sand" von Wolfgang Herrndorf gekauft.
Leider war ich sehr enttäuscht. Die Story ist absolut chaotisch und es ist selten klar, wer gerade der Protagonist ist.

Das Buch könnte einen interessanten Einblick in das Leben in einer, von Frankreich besetzten, Kolonie geben, wenn man nicht kontinuierlich damit beschäftigt wäre, herauszufinden, wer gerade erzählt, wo wir uns zeitlich befinden und was überhaupt gerade los ist.

Kein sehr angenehmes Leseerlebnis.
11 Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

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