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Kundenrezensionen

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am 2. November 2012
Angelehnt an einen realen Fall, gewidmet Richard Ricci, der unschuldig inhaftiert im Gefängnis gestorben ist, hat Iain Levison einen spannenden Roman geschrieben.

Jeff Sutton ist Taxifahrer in Dallas. Er fährt eine Frau vom Flughafen in eine Nobelgegend. Da sie nicht ausreichend Geld bei sich trägt, begleitet er sie ins Haus. Wenige Stunden später verschwindet ihre Tochter. Aufgrund einer schwachen Indizienkette wird der aufrichtige, grundanständige Taxifahrer inhaftiert. Er wird wegen Entführung und Ermordung des Kindes angeklagt. Entlastende Spuren werden ignoriert oder nicht weiter verfolgt, ungünstige äußere Umstände und ein unmotivierter Pflichtverteidiger kommen hinzu. Obwohl Jeff immer wieder erneut seine Unschuld beteuert, wird er verurteilt. Doch dann geschieht Unverhofftes und treibt die Handlung voran.

>Hoffnung ist Gift< kommt sofort zur Sache und wühlt auf. Die Erzählung in Ich-Form impliziert die Identifikation mit Jeff; man fiebert und bangt mit ihm, man hofft auf Gerechtigkeit und spürt das Ausgeliefertsein durch die willkürliche Machtausübung des Rechtssystems am eigenen Leib. Außer einem psychisch gestörten Massenmörder im Todestrakt glaubt ihm niemand, das lässt Jeff an seinem eigenen Geisteszustand zweifeln. Jeff`s Ton ist durchgängig menschlich, teils ironisch, das macht es leicht, empathisch mit ihm zu fühlen. Die Szenerie ist bildhaft dargestellt, beim Lesen ist man mittendrin im Gefängnisalltag. Schließlich hegt man zusammen mit Jeff die Hoffnung, dass der Justizirrtum endlich ein Ende haben möge.

Die überraschende Wendung, die der Roman nach der Urteilsverkündung nimmt, sorgt für packende Leseunterhaltung bis zum Schluss. Man bleibt mit dem Gefühl zurück, dass man gerne noch viel mehr davon hätte lesen mögen. Genau das macht ein gutes Buch für mich aus.
>The Cabdriver< (wie der Roman im Original heißt) ist eine klare Empfehlung: eindringlich durch die psychologische Komponente und mitreißend durch die brisante Handlung.
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am 17. September 2012
Ein wahrer Fall hat den in den USA lebenden schottischen Schriftsteller Iain Levinson zu einem Buch inspiriert, das nicht nur spannend geschrieben ist, sondern seinen Leser packt von der ersten Seite bis zum Ende.

Das hängt sicher auch damit zusammen, dass er seinen Protagonisten selbst erzählen lässt. Das gibt dem Buch eine Authentizität und Dichte, die fesselt und stellenweise regelrecht unter die Haut geht. Denn das, was da dem Taxifahrer Jeff Sutton geschieht, könnte auf die eine oder andere Weise jedem von uns passieren. Ohne irgendetwas getan zu haben, gerät er in die Mühle der Justiz und landet im Gefängnis.

Als Jeff Sutton, der seit Ewigkeiten Taxi fährt, eines Tages am Flughafen eine Frau als Fahrgast aufnimmt, um sie nach Hause zu fahren, wittert er einen guten Auftrag, und ahnt nicht, dass diese Fahrt sein Leben zerstören wird. Als er die Frau vor einer Villa in einem vornehmen Viertel absetzt, bittet diese ihn noch kurz mit hinein, da sie Geld holen muss. Während er wartet, sieht er im offenstehenden Kinderzimmer der Tochter des Hauses ein Fenster, das sein ehemaliger Arbeitgeber eingebaut hat. Neugierig geht er hin, öffnet das Fenster und hinterlässt seine Fingerabdrücke. Dabei wollte er nur nachschauen, ob auch die Initialien des Fensterbauers zu sehen sind.

Auf der Rückfahrt erbarmt er sich trotz Feierabend und nimmt zwei betrunkene Mädchen mit, die ihm nichts zahlen, dafür aber sein Auto vollkotzen. Nachdem er es mit dem Volldruckreiniger gesäubert hat, geht er nach Hause.

Am nächsten Tag steht die Polizei vor seiner Tür. Jeff wird verhaftet. Die Tochter des weiblichen Fahrgastes von gestern ist spurlos verschwunden, man hat Jeffs Fingerabdrücke am Fenster des Kinderzimmers gefunden. Auch die Reinigung des Autos macht ihn verdächtig. Jeff wandert sofort in die Todeszelle. Für die Polizei ist alles klar: Jeff hat das Mädchen entführt und getötet.

Nur der mehrfache Mörder Robert, ein harter Bursche, den Jeff im Knast kennenlernt, ist von Jeffs Unschuld überzeugt. Es sind letztlich die Gespräche mit ihm, die ihn über Wasser halten. Denn auch sein Pflichtverteidiger agiert lustlos.

Entsprechend einseitig wird auch die Gerichtsverhandlung geführt, wichtigen Hinweisen wird nicht nachgegangen. Gebannt blättert der von dem Buch in einen regelrechten Sog genommene Leser eine Seite nach der anderen um, um möglichst bald herauszufinden, ob es für Jeff Sutton noch eine Chance gibt, ob sich das Blatt wenden kann und die Wahrheit ans Licht kommt.

Die wird natürlich hier nicht verraten. Nur dass Jeffs Geschichte spannend und bedrückend bleibt bis zum Ende. „Die Wahrheit ist, dass du in dem Augenblick, wo dir bewusst wird, dass andere Menschen dich in einen Käfig stecken können, zur Erkenntnis kommst, dass deine Freiheiten und alles, was du im Leben bis dahin als so selbstverständlich erachtet hast, den Launen von anderen, mächtigeren Menschen unterworfen sind. Und wenn du mal gelernt hast, wie gefährdet dein Platz in der Gesellschaft ist, kannst du diese Erkenntnis nicht einfach wieder vergessen. Das Wissen darum bleibt dir. Du hast hinter den Vorhang geblickt und bleibst auf immer gezeichnet.“

Dieser Schrecken hallt auch im Leser noch lange nach, nachdem er das Buch aus der Hand gelegt hat in dem Bewusstsein, schon lange nicht mehr so ein Buch gelesen zu haben - spannend und aufwühlend zugleich.
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am 17. Dezember 2012
Levison schafft es immer wieder mich zu bannen. Keines seiner Werke konnte ich länger als 2 Tage pausierend liegen lassen, ohne es zu Ende zu lesen. Seine Bücher sind meine Droge!

Hoffentlich wird auch dieses fantastische Buch von ihm nicht sein Letztes sein! Hier beschreibt er wieder Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, wie kein anderer es vermag. Die Willkür des Lebens; er kann sie beschreiben und so plastisch und realistisch wie wenig andere Autoren.

Natürlich beruht vieles von seinem Wissen auch auf eigener Lebenserfahrung. Und wo nicht, da ist sein Gespür für die Sitation meistens genau richtig.

Seine Typen sind eigentlich immer Außenseiter und Verlierer oder vom Leben Abgeschossene. Seine Stories aber dadurch auch immer so ansprechend, weil sie jeden von uns betreffen. Jeder kennt diese Erfahrungen am eigenen Leibe. Nur: ER kann sie spannend in die magisch bannenden Sätze, Gedankengänge und Aussagen kleiden.

Levison, schon lange ein Kult-Autor, der nun langsam auch in deutscher Sprache, entdeckt wird. Dem Buchhandel und dem Übersetzer sei Dank! Tolle Arbeit!

TOPP (Weihnachts-)Geschenk Empfehlung !!!
(und über Amazon sowieso: Immer wieder - Danke für die schnelle Lieferung!)
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am 17. August 2012
Ein Wahnsinn im wahrsten Wortsinn ist es, was Jeff Sutton da widerfährt: Urplötzlich wird er eines unglaublichen Verbrechens bezichtigt und ins Gefängnis geworfen. Dass es nicht das Gefängnis der "Normalos" ist, sondern der Todestrakt, in dem die zum Tode Verurteilten auf ihre Hinrichtung warten, erweist sich seltsamerweise gar als Glücksfall. Das aber ist für lange Zeit das einzig Gute für ihn. Ansonsten durchlebt er in den nächsten Monaten einen schier unfassbaren Alptraum, aus dem es wohl auch nach der Gerichtsverhandlung kein erlösendes Erwachen gibt. Iain Levison erzählt aus der Ich-Perspektive in einfacher, mitunter sehr lakonischer Sprache. So ist man mittendrin im Geschehen und vor allem in der Situation Jeffs, für den jeder Anflug von Hoffnung Gift ist, denn er weiß, es gibt kein Entrinnen für ihn: selbst wenn sich alles zum Guten wenden sollte, wird er nach dieser Zeit nie mehr derjennige sein, der er vorher war. Es gibt kein Zurück mehr. Die Zeit der Unschuld ist vorbei. Eine bedrückende Erfahrung. Und angesichts des wahren Hintergrundes und der vielen anderen Berichte über (z.T. tödliche) Justizirrtümer ind den USA äußerst erschreckend. Ja, man möchte nach dem Lesen viel darüber reden. Das ist gut so. Das rüttelt hoffentlich viele wach.
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am 28. September 2013
Es gibt wenige Bücher, die mich berühren, weil die Schreibweise eine so ehrliche ist, wie Iain Levison sie bietet. In kürzester Zeit taucht der Leser in die Gedankenwelt des Protagonisten Jeff. Jeff, der denkt wie wir, erlebt Schreckliches. Seine gedanklichen Statements sind klar und auf den Punkt gebracht, nicht ohne eine Portion schwarzen Humors. Nüchtern betrachtet Jeff die Welt und das, was mit ihm passiert, ganz ohne sein zutun, wie völlig ferngesteuert, denn er hat keine Wahl. Umso weiter der Leser in die Erlebnisse miteintaucht, umso tiefgründiger werden Jeff’s Empfindungen und vor allem deutlich, wie unsere Welt und viele Menschen um uns herum wirklich ticken. Worauf kommt es im Leben an? Jeder hat eine andere Definition davon, das wird deutlich in den Beziehungen, die Jeff auf seinem Weg in dieser Geschichte hat. Seine Kontakte beschränken sich auf wenige Menschen, aber genau die sind der genaueren Betrachtung wert. Ich bin sicher, jeder Leser erkennt nahe oder ferne Bekannte in einigen der Nebenrollen wieder. Jeff weckt Mitleid, seine eigene Hoffnung wird zur Hoffnung des Lesers. Und Hoffnung zu haben ist ganz schön anstrengend. Denn oft rechnen wir nicht mit Menschen, die uns diese Hoffnung schnell und plötzlich nehmen können. Oder geben.
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am 17. November 2012
Ein Taxifahrer, nicht Böses ahnend, beützt das WC einer Kundin und berührt dabei aus Interesse ein Fenster des Kinderzimmers.
Kurz darauf stehen Polizisten vor seiner Tür und führen ihn in Handschellen ab. Ein Mädchen dieser Frau wurde entführt.
Und - von diesem Augenblick an ist er ein Mensch ohne eigenen Willen, hilflos und ausgeliefert.
Dieser Roman macht einem bewußt, wie sehr man von seinen Mitmenschen abhängig ist, und es befällt eine das Grauen, in eine solche Situation zu geraten.
Für die Polizisten - welche schon etwas "blöde" dargestellt werden, ist er der Entführer und eine andere Alternative wird gar nicht in Betracht gezogen. Hilflos, da auch der Anwalt sich in keinster Weise für ihn einsetzt, sitzt er in der Todeszelle - der einstündige Hofgang wird zu Mittelpunkt des Tages - Gespräche mit einem Mörder sind seine einzige Abwechslung. 23 Stunden am Tag Nichtstun und Alleinsein. Und das Wissen, dass er unschuldig ist.

Eine wirklich faszinierende Geschichte!
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am 24. September 2012
"Hoffnung ist Gift" ist ein spannendes Hörbuch, dessen unglaubliche Geschichte auf einem wahren Fall beruht, der 2002 im amerikanischen Bundesstaat Utah die Gemüter erregte. Damals war es ein unbescholtener Taxifahrer, dem die Entführung eines Mädchens angelastet wurde und der bis zum frühen Tod im Gefängnis seine Unschuld beteuerte. Ein Versagen der Justiz, wie es immer wieder geschieht und das oftmals auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen ist. Wie auch bei Iain Levisons Protagonisten Jeff Sutton, der das Opfer ehrgeiziger Polizisten und unfähiger Anwälte wurde und dessen Lebenstraum für immer gescheitert ist.

Gelesen wird die ergreifende Geschichte des unschuldig verurteilten Taxifahrers von dem Schauspieler und Hörbuchsprecher Thomas M. Meinhardt, dessen wohlklingende Stimme gut zu dem Ich-Erzähler Jeff Sutton passt. Mit optimistischem Ausdruck beginnt er seinen Vortrag, aber nur solange, bis das Leben des unscheinbaren Mannes eine verheerende Wendung nimmt. Von nun ab bestimmen Unverständnis und Bitterkeit sein Dasein, bis eine völlige Resignation von ihm Besitz ergreift. Gefühle, die Thomas M. Meinhardt gekonnt zum Ausdruck bringt und damit dem Geschehen eine Atmosphäre verleiht, die beängstigend real in Erscheinung tritt.

Fazit:
"Hoffnung ist Gift" versteht es mit einer unglaublichen Geschichte seine Hörer in den Bann zu ziehen und sie danach fassungslos zurückzulassen. Ein Justiz-Krimi, der neben Authentizität und Dichte, von einer kompromisslosen Schilderung profitiert und so ausreichend Raum für eigene Gefühle lässt.
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am 29. Juli 2012
Vom unbescholtenen Bürger zum Schwerverbrecher innerhalb zweier Tage - so ergeht es dem Taxifahrer Jeff Sutton. Als er eine Frau vom Flughafen in ein Villenviertel fährt, bittet diese ihn ins Haus, weil sie nicht genug Geld dabei hat. Aus Neugier öffnet Sutton im Kinderzimmer des Hauses das Fenster, um zu sehen, ob sein ehemaliger Arbeitgeber sein Markenzeichen (eingeritzte Initialen im Fensterbrett) hinterlassen hat. Am nächsten Tag wird er von der Polizei verhaftet; die Tochter der Frau wurde entführt. Für die ermittelnden Beamten ist er der Täter, weitere Ermittlungen werden nur halbherzig durchgeführt.

Iain Levisons Buch beruht auf einer wahren Geschichte. Und dass es in der Ich-Form geschrieben ist bewirkt, dass man sich als Leser selber in der Figur von Jeff Sutton fühlt. Man leidet mit Jeff und bekommt die ganze Ungerechtigkeit des amerikanischen Justizsystems zu spüren. Levison schafft es überzeugend die Gefühlswelt des Taxifahrers greifbar offen zu legen. Wie muss man sich fühlen, wenn mal als einzigen Freund einen mehrfachen Mörder im Todestrakt hat? Levison kann die Gefühle gut vermitteln. Und auch als die Gerichtsverhandlung zur Farce wird, leidet man selber mit.

Man sollte nicht so naiv sein, um zu sagen, dass man in Deutschland nicht in so eine Situation kommen kann, wie es Jeff Sutton in den USA ergangen ist. "Hoffnung ist Gift" ist ein erschreckendes Buch, es ist aber auch ein Gutes. Es gibt Einblicke in das Justizsystem der USA, und vor allem in die Gefühlswelt eines Mannes, der sein restliches Leben im Gefängnis verbringen könnte. Und schließlich zieht das Buch Spannung daraus, wie und ob sich Suttons Situation vor Gericht ändert. Es gibt also mehrere Gründe dieses Buch zu lesen. Es lohnt sich!
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TOP 500 REZENSENTam 15. März 2015
Und noch etwas anderes hat Jeff Sutton gelernt: Geh niemals mit dem Dampfreiniger übers Auto, nachdem du die Fenster fremder Leute berührt hast!

Eigentlich sollte es nur eine profitable Fahrt vom Flughafen in einen Nobelvorort werden. Jeff Sutton hatte eine junge Frau in seinem Taxi nach Westboro gefahren. Da sie nicht genug Bargeld dabei hatte, bat sie ihn herein zu kommen. Sutton durfte ihre Toilette benutzen. Danach sah er sich um. Die Fenster des Kinderzimmers weckten sein Interesse. Vor zwölf Jahren hatte Sutton als Fenstermonteur gearbeitet. Um nachzusehen, ob die Initialen seines frühren Arbeitgebers auf der Innenseite waren, drückte er das nicht versperrte Fenster leicht auf, und hinterließ dabei einen Fingerabdruck. Ein Abdruck, der ihm später zum Verhängnis werden sollte.

Die restliche Nacht war ruhig. Erst auf dem Heimweg nahm der Taxifahrer weitere Fahrgäste mit. Eine Gratisfahrt. Zwei betrunkene Studentinnen, von denen eine sein Auto vollkotzte, so dass er es mit dem Dampfreiniger säubern musste.

Zwei Tage später wird Jeff verhaftet. Die Tochter der Westboro-Bewohnerin ist verschwunden und die Polizei hat den Fingerabdruck gefunden.

Kindesentführer haben im Gefängnisalltag kein leichtes Leben. Deswegen wird Jeff in den Todestrakt gebracht. Seltsamerweise trifft er aber dort die ersten Menschen, die ihm glauben. „Hey, Ernesto, Mann, der Kumpel hier ist unschuldig,“ stellt Bert fest. Woraufhin Ernesto treffsicher erkennt „Kindesmörder benehmen sich nicht wie du. Du benimmst dich wie ein normaler Typ. Diese Kindermörder sind alle still und schüchtern und so. Harmlos, ja das trifft's – Kindermörder versuchen immer, harmlos rüberzukommen.“ (69)

Und noch jemand hat Zweifel an der offiziellen Version. Inspektor Watson von der Polizei in Waco. Einst hatte er in einem ähnlichen Fall ermittelt. Dem damaligen Verdächtigen konnte man nichts nachweisen, aber – ein seltsamer Zufall – eben dieser Mann war bis eine Woche vor dem Verschwinden des Mädchens Schulbusfahrer in Westboro. Dummerweise interessieren sich die Westboro-Ermittler nicht für die Theorie eines farbigen Waco-Polizisten. Suttons Pflichtverteidiger, der nicht den kompetentesten und engagiertesten Eindruck hinterlässt, verwertet die Aussage dennoch vor Gericht.

„Wie unterscheidet sich ein wahrhaft Unschuldiger von jemanden, der es nur darauf anlegt, als unschuldig wahrgenommen zu werden?“ (133)

Iain Levisons Geschichte, die – so steht es im Klappentext – auf einer wahren Begebenheit beruht, prangert die Ungerechtigkeiten des amerikanischen Rechtssystems an. Pflichtverteidiger, die zwar brav, aber auch lustlos und letztlich erfolglos agieren, und teure Kanzleien, die streng gewinnorientiert handeln.

„Glauben Sie mir, in einem oder zwei Jahren werden Sie froh darüber sein, dass es so gelaufen ist. Wir machen Sie zu einem reichen Mann.“ (198) So lautet der pragmatische Ansatz von Suttons neuem Anwalt. Die Wende, die dieser zunächst hoffnungslos erscheinende Fall nimmt, ist unerwartet. Nur an eines denkt dieser neue Anwalt nicht: das Innenleben von Sutton.

Die Darstellung von Suttons Gedankenwelt ist überzeugend. Die Rituale im Todestrakt, die Beziehungen (oder Nicht-Beziehungen) zwischen den Gefangenen, das Verhältnis zu den Wärtern. Und die Folgen des Aufenthaltes, die noch lange nachhallen. Das Trauma, das die Erlebnisse hervorgerufen haben. Ein Trauma, das nicht einfach vergeht, wie der kafkaeske Schluss des Buches zeigt.

Mein Fazit:
Iain Levison ist etwas Aussergewöhnliches gelungen: Eine ausserordentlich bildhafte Charakterstudie eines unschuldig Verurteilten einerseits und andererseits eine vernichtende Kritik am amerikanischen Rechtssystem. Spannend bis zum Schluss. Großartig!
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TOP 1000 REZENSENTam 2. August 2012
Jeff Sutton arbeitet als Taxifahrer in Dallas, Texas. Als am Flughafen eine Frau in sein Auto einsteigt, kann er noch nicht ahnen, dass in Kürze sein Leben in Trümmern liegen wird. Denn die zwölfjährige Tochter der Frau verschwindet spurlos, und für die Polizei ist Jeff der vermeintliche Täter, weil er in dem Haus an einem Fensterrahmen einen Fingerabdruck hinterlassen hat. Obwohl er sich noch nie etwas hat zuschulden kommen lassen, wird er verhaftet und muss die Zeit bis zu seiner Verhandlung im Todestrakt verbringen. Niemand glaubt seinen Unschuldsbeteuerungen, lediglich der mehrfache Mörder Robert ist von Suttons Unschuld überzeugt. Und auch der Pflichtverteidiger agiert mehr als nur halbherzig im Falle seines Klienten.

Levison hat sich bei seinem Roman von einem realen Fall inspirieren lassen, was die ganze Geschichte nur noch erschreckender macht. Ermittler, die nicht rechts noch links schauen, nur darauf bedacht, eine weitere Kerbe für einen gelösten Fall in den Colt zu schnitzen, taub für alle Hinweise, die die Unschuld des Inhaftierten beweisen könnten. Ein machtloser Häftling, der einer unbarmherzigen Justizmaschinerie ausgeliefert ist, ohne eine Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. Und da der Autor seine Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, ist der Leser zu jedem Zeit dem Protagonisten sehr nahe, spürt seine Verzweiflung, die Enttäuschung und die Hoffnungslosigkeit.

Und selbst als sich das Blatt mit dem Auffinden des Mädchens und der Verhaftung ihres Entführers wendet, empfindet man als Leser keine Erleichterung, denn die Maschinerie arbeitet weiter und zeigt noch einmal ihre ganze Menschenverachtung in Form der Anwälte, die Beweise für die Unschuld des Taxifahrers in Händen halten, diese aber nicht auf den Tisch legen, weil ein zu frühes Zucken" sich auf die Höhe der Entschädigungszahlung und in diesem Fall auch auf ihr Honorar, ihren Profit, den sie mit dem Elend Suttons machen möchten, auswirken würde.

Als Leser ist man empört und klappt das Buch zu, ist es doch hinreichend bekannt, und wird von dem Autor auch im Nachwort erwähnt, dass solche Fälle tagtäglich passieren und nicht immer so gut ausgehen, wie für den Taxifahrer aus Dallas.
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