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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
21
Im Zimmer wird es still
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern


1-10 von 14 Rezensionen werden angezeigt(5 Sterne). Alle 21 Rezensionen anzeigen
am 23. Mai 2018
Es gibt Bücher, die nehmen einen sofort gefangen. Sie verströmen eine Aura, der man sich nicht entziehen kann. Jana Walthers Roman ist eines dieser Bücher. Schon rein optisch ist dieses Werk herausragend. Selten schafft es ein Cover die Stimmung einer Geschichte derart präzise und feinfühlig zu visualisieren. Ein großes Kompliment an den Bruno Gmünder Verlag. (Bezieht sich auf die gebundene Ausgabe).

“Im Zimmer …” ist ein zartes, intensives Stück Literatur, über die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Metaphysik der Liebe; über Achtsamkeit und Respekt; über die Stürme und Flauten des Miteinanders; über persönliche Grenzen; Herausforderungen, und die Möglichkeit an ihnen zu wachsen.

Es ist eine Geschichte über das Sterben, aber viel mehr noch ist es eine Geschichte über das Wachsen und Reifen. Die Autorin zeigt uns den Herbst. Die winterliche Tristesse ist bereits greifbar. Das Ersterben unausweichlich. Und doch ist es genau diese Jahreszeit, die uns so reich beschenkt. Von der Blüte bis zur Ernte ist es ein langer Weg. Die pralle reife Frucht ist das letzte Stadium des Wachstums. Sie bezieht ihre Kraft aus den Wurzeln eines Baumes, der in ihr zu seiner Vollendung findet.

“Im Zimmer …” ist ein leises, unaufgeregtes Buch. Ein Buch über die Alltäglichkeiten die uns formen, oder aus der Form bringen. Ein Aufdecken dessen, was aus Beziehungen erwachsen kann – mit der ganzen Wucht der Zweifelhaftigkeit.

Jana Walther konfrontiert ihre Protagonisten mit einer Diagnose, die sie aus dem prallen Leben herauskatapultiert, hinein in einen Mikrokosmos des Stillstands. Eine Welt die sich nicht artikulieren lässt. Und so lebt dieses Buch auch nicht von den Dialogen, sondern von der ungeheuren Intensität der Szenen und Bilder. Die Autorin vermeidet jede Effekthascherei. Nichts wird überhöht, verklärt oder dramatisiert. Es sind nicht die überladenen Liebesschwüre, die die Messlatte für die Gefühle legen, sondern der äußerst feinsinnige und exakt beobachtende Blick einer Schriftstellerin, die die Kunst der Verdichtung beherrscht.

Andreas und Peter, zwei Menschen, die mit der plötzlich aufgezwungenen Bürde der Passivität zurechtkommen müssen. Sie befinden sich in einem Schwebezustand des Unausgesprochenen. Die Stille, die einst Zeugnis für den Gleichklang war, hat sich zu einer Mauer des Schweigens entwickelt. “Im Zimmer …” erzählt auf wunderbare Weise davon, welch unglaublicher Anstrengung es bedarf diese Mauer zu überwinden. Eine Mauer die alles in Frage stellt. Die Prioritäten radikal verändert. Die einen dazu zwingt sich an die Routine des Alltags zu klammern, um den Alltag zu überstehen.

Jana Walther webt ein sehr feines und komplexes Beziehungsgeflecht. Jeder der beiden Erzähler hat sich in seiner eigenen Welt verschanzt um den Partner zu schonen. Die Gegenwart erscheint nicht greifbar und so tanzt die Fiebrigkeit des Sehnens mit der Fiktion und umarmt die Erinnerung.

“Im Zimmer …” ist ein tieftrauriges Buch über eine elementare menschliche Erfahrung. Ein Erleben das in unserer heutigen Gesellschaft gerne ausgeklammert und institutionalisiert wird. Dabei kommen wir gerade im Betrachten des Sterbens auf das, was unser Leben so außergewöhnlich macht – die Liebe. Wenn es um den Tod geht, dann geht es immer auch um das Leben. Um das Leben in seiner Ganzheit. Um Dankbarkeit und Wertschätzung. Und so lang und schmerzhaft dieser Weg auch ist, am Ende steht ein neuer Zugang zum Leben. Es ist ein großer Verdienst der Autorin, dass sie Momente artikuliert die wir sonst kaum wahrnehmen. Sie schenkt sie uns, indem sie sie benennt.

Jana Walther stößt den Leser in einen tiefen Abgrund, doch sie lässt ihn nicht dort liegen. Sie hüllt ihn in eine wärmende Decke aus Worten und Gedanken. Und so ist auch der zutiefst berührende Schluss dieser Geschichte letztendlich wunderschön.

Ein Herzensbuch!
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 8. Juli 2017
Da ist so eine kleine Stelle, in der einer der Protagonisten am Spülbecken steht, gedankenverloren Wasser in eine Tasse laufen lässt und sich in Erinnerungen flüchtet. Die ganze Zeit über fließt das Wasser in und aus dieser Tasse.
Das stete, unaufhaltsame Verrinnen der Zeit schildert Jana Walther minutiös, fast schon pedantisch. Ein Schrank wird geöffnet, es wird ihm etwas entnommen, er wird wieder geschlossen. Das macht etwas mit einem. Denn diese einfachen, beiläufigen Handlungen sind es, die durch ihre präzise, emotionslose Beschreibung eine verstörende Intimität erzeugen. Das ist der Autorin unfassbar gut gelungen.
Man wohnt der Entfremdung zweier Menschen bei, als befände man sich mit im Zimmer. An manchen Stellen ist es fast schmerzhaft, dem Geschehen zu folgen. Vor allem der wachsenden, titelgebenden Stille. Und das ist gut und richtig so. Denn dieses Buch will nicht einfach unterhalten. Es hat auch keine Antworten parat. Im Gegenteil. Es wirft Fragen auf. Wichtige Fragen. Die nach den eigenen Grenzen. Die nach Liebe und Hingabe. Wie weit reichen sie? Und was dann?
Für mich persönlich war die Geschichte des Sterbenden eher zweitrangig. Um so mehr berührte mich der innere Konflikt des pflegenden Freundes, der am körperlichen Zerfall seines Partners zu zerbrechen droht. Seine Ängste, all die Scham über die eigenen Widersprüche, die schwindende Kraft, mental als auch körperlich, seine zunehmende Sprachlosigkeit - all das hat mich erreicht.
Jana Walther hat mir mit ›Im Zimmer wird es still‹ einen Spiegel vorgehalten. Es war nicht leicht hineinzublicken. Aber ich bin der Autorin sehr dankbar, dass sie es getan hat. Mit einem wirklich guten, wichtigen Buch.
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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TOP 500 REZENSENTam 23. Juli 2016
- ganz persönlich -
Andreas pflegt Peter, seinen geliebten Partner, dessen Krebstod eigentlich nur noch eine Frage der Zeit ist. Die beiden agieren ein wenig wie in einer Blase, nicht wirklich im Leben, das mehr oder weniger an ihnen vorbeiströmt.

Eigentlich kann ich „Im Zimmer wird es still“ von Jana Walther nicht wirklich besprechen, weil ich – obwohl ich dieses Buch mehrfach gelesen habe – jedes Mal, wenn ich daran denke, nicht nur die Geschichte von Andreas und Peter vor Augen habe.
Die Geschichte hat mich unheimlich berührt und ich greife immer einmal wieder nach diesem Buch, weil sie zum ersten Mal in einer Zeit gelesen habe, in der ich selber einen geliebten Menschen gepflegt habe. Im Gegensatz zu Andreas war es nicht mein Partner, sondern jemand, vom dem mir immer wieder salbungsvoll gesagt wurde: „Das ist doch schon ein gesegnetes Alter …!“
Ja. War es. Aber genau wie Andreas musste ich damit klar kommen, dass es im Zimmer immer stiller wurde, lange bevor der Tod wirklich angeklopft hat. Wie bei Andreas und Peter wurden die Besuche von Freunden und Bekannten seltener, wie bei den beiden herrschte manchmal auch „im Zimmer“ eine gewisse Sprachlosigkeit, weil manche Dinge eben nicht besser werden, wenn man sie ausspricht.

Wirklich interessant – und für mich fast befreiend – waren die Schilderungen, wie sich Andreas in kleine Alltäglichkeiten flüchtet. Einerseits möchte man sich manchmal einfach in einer Ecke zusammenrollen und verflucht die Dinge, die erledigt werden müssen, egal wie mies man sich fühlt, andererseits scheinen gerade die tausendmal gemachten Handgriffe das einzige zu sein, was noch aufrecht hält.
„Im Zimmer wird es still“ hat mich mehr als einmal getröstet, obwohl oder gerade weil es manchmal sehr sachlich wirkt. Noch mehr Emotionen wären zuviel gewesen …
Ich persönlich habe mich in der Geschichte an sehr vielen Stellen wiedergefunden und gerade das hat mir geholfen. Wenn man nämlich einen Angehörigen zuhause pflegt, ist es sehr, sehr oft so, dass es im Zimmer über einen langen Zeitraum immer stiller wird und das man letztendlich – trotz aller Versprechen in bunten Hochglanzbroschüren – oft alleine gelassen wird.

Was hat das jetzt konkret mit dem Buch zu tun?
"Im Zimmer wird es still" ist ein ganz besondere Geschichte, die mich auf vielen Ebenen berührt und in der ich eigene Erfahrungen wiedergefunden habe. Ich schäme mich nicht dafür, dass ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte.

Es kommt mir merkwürdig vor, bei einem Buch, dass sich so intensiv mit dem Sterben auseinandersetzt, zu sagen „gefällt mir sehr“, wie es als Begleittext zu den 5 Sternen steht. „Berührt mich sehr“ würde es hier genauer treffen.
Leseempfehlung? Schwierig. Das hier ist keine humorvolle, seichte Love-Story, die von den ernsten Seiten an vom Alltag ablenkt, sondern manchmal schwer verdauliche Kost. Aber die Geschichte ist etwas ganz besonderes und hebt sich deutlich von dem üblichen, wenn auch sehr vergnüglichen Einheitsbrei auf dem Markt ab.
Vielleicht gibt es für solche Bücher eine bestimmte Zeit im Leben. Ich bin jedenfalls froh, dass ich es gefunden habe, als ich Trost brauchte.
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 24. April 2016
Andreas und Peter sind schon lange ein Paar.Trotz des erheblichen Altersunterschieds zwischen ihnen führen sie eine harmonische Beziehung.
Dann taucht das Schreckengespenst Krebs auf und nichts ist mehr wie es war.Wir erleben einen todkranken Peter,der von Andreas Zuhause gepflegt wird.
Wie geht Peter mit dieser niederschmetternden Diagnose um?
Andreas möchte Peter so gut wie nur möglich in dieser schweren Zeit begleiten.Ist das nicht der perfekte Liebesbeweis?
Ist Andreas dieser anstregenden verantwortungsvollen Aufgabe gewachsen?
Wie gehen sie als Paar damit um?

Mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Respekt schafft J. Walther es dieses heikele schmerzhafte Thema zu beschreiben.
Der Leser sieht dabei zu wie Peter immer schwächer wird und Andreas immer mehr Verantwortung übernehmen muss.

Es ist eins dieser stillen Bücher,das auch nach der Lektüre noch lange nachwirkt und einen sehr nachdenklich stimmt.

5 Sterne und eine klare Leseempfehlung an alle,die sich an dieses Thema herantrauen
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 10. April 2016
Das Buch für mich ist eine von der schönstem Liebeserklärungen. Ein Mann gibt's alles auf , er will nur bei seinem Liebesgefährten sein, nichts ist wichtig- der Arbeit, das Geld, das Zukunft. Wichtig ist nur eins- hier und jetzt. Aus Liebe er kann der große Angst überwinden, aus Liebe er lernt ganz neue Sachen, aus Liebe er bleibt zu Hause, aus Liebe er bringt sein Partner nach Hause vom Krankenhaus und verspricht ihm niemals zurück dort bringen.

Am Anfang im Zimmer ist still und kühl, aber mit jeden Kapitel ist wärmer und sonniger im Zimmer, für die beide ist das die größte Probe im Leben, die erste Tage sind schwer, bedrückt , der Angst von Andreas ist spürbar, aber die zwei lernen mit die Situation umgehen und am Ende die Geschichte haben wir zwei Personen welche sich lieben über alles , verstehen sich ohne Worte, sind vollkommen einig.

Das Schreibstill ist so einfach, so schlicht ist keine Ausschmückung drin, die Sätze kurz bis sehr kurz und troztdem jeder kurze Satz bringt so viele Gefühle in sich wie manchmal ganze Seite. Die Autorin ist gelungen mit dem Kugelschreiber ein Bild zu malen.

Das ganze Buch ist still aber hat Wirkung von eine Bombe !
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 25. Januar 2015
Für mich wird die Autorin Jan(a) Walther allmählich zur Meisterin der Gefühle „emotionale Lähmung“ und „Stagnation“, die sie in ihren Geschichten (die letzte gelesene war „Benjamins Gärten“) so überzeugend wiedergibt, dass man selbst beim Lesen die innere, ruhige Verzweiflung ihrer Protagonisten fühlt.

Der Plot ist kurz und reduziert: Andreas pflegt seinen krebskranken Partner Peter im gemeinsamen, eher dörflichen Zuhause. Ihre Beziehung war nie gänzlich unbeschwert, immer von kleineren Problemen und persönlichen Ängsten bestimmt. Trotzdem – oder gerade deswegen – blieben die beiden ein Paar. Heute besteht ihr Alltag aus Routinen. Wie bei einem Theaterstück existieren nur noch wenige Handlungsorte für beide – für Peter, weil er ans Bett gefesselt ist, für Andreas, weil er an Peter gefesselt ist. Die Nebenfiguren, die immer mal wieder die traurige Geübtheit des Alltags durchkreuzen, bleiben nie lang, sagen nie viel – sie erinnern nur schmerzlich daran, dass es noch eine andere Welt außerhalb des Hauses gibt, in der das Leben weiterläuft, während Andreas damit beschäftigt ist, Apfelkuchen zu backen, Gerichte zu kochen, Geschirr zu spülen, … und zu schlafen, immer wieder der emotionalen Erschöpfung nachzugeben und zu schlafen. So wie auch Peter. Ihre (Tag)Träume zeigen, wann und wie und wo die beiden Männer das Band zwischen einander geknüpft haben, und dass die schöne, gemeinsame Zeit von damals, die bittersüße Erinnerung von heute ist.

„Im Zimmer wird es still“ schmerzt, weil man das Gefühl hat, gefangen zu sein – gefangen im sterbenden Körper Peters, gefangen in den paralysierten Gewohnheiten Andreas, gefangen in der Isolation. Gleichzeitig zeigt Jana nur allzu menschlich, die Zerrissenheit eines Partners, der eigentlich mehr von der Welt möchte, aber von der Liebe oder zumindest von einem geliebten Menschen zurückgehalten wird – nein, einem geliebten Menschen zu liebe zurückbleibt. Zeigt, dass Beziehungen – wenn sie richtig geführt werden – immer auch Dankbarkeit und Pflichtbewusstsein zugrunde liegen.

Zum Schluss wird der Leser eher an eine Kurzgeschichte erinnert, als an einen Roman. Wir verlassen die Szene ebenso unvermittelt, wie wir sie betreten haben. Kein Abschluss schenkt uns Ruhe und einen Moment des Aufatmens. Wir bleiben in dieser traurigen Schwebe, blicken aus dem Fenster in den wunderschönen Herbsttag, der von all der Schönheit dort draußen erzählt.
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 10. Mai 2014
Peter ist todkrank, er wird sterben. An dieser Gewissheit müssen sich Peter und Andreas festhalten, obwohl sie keinen Halt bietet, ganz im Gegenteil. Sie steht zwischen ihnen, gewaltig, mächtig und sie saugt, so scheint es, alle Worte auf. Wir erleben Peter und Andreas in ihrem Alltag, gefangen in der Gleichzeitigkeit von Liebe und Hilflosigkeit. Ohne Pathos oder Melodramatik vermittelt die Autorin mit ihrer klaren Schreibweise eine Realität, die in ihrer stillen Eindringlichkeit zutiefst berührt.

Wir erleben Andreas, der seinen kranken Partner pflegt und es doch nicht so tun kann, wie er meint es müsse getan werden. Wie Angst ihn hemmt, wie Einsamkeit ihn überfordert und an seinen Kräften zehrt.

Wir erleben Peter, der so unglaublich tapfer mit seiner Krankheit und seinen Schmerzen umgeht. Und der dennoch zu glauben scheint, die Rechte des Lebenden bereits verloren zu haben. Er schweigt und nimmt das, was er bekommen kann.

Wir erleben, dass Liebe nicht das Allheilmittel für alles ist, dass sie nicht über alle Unzulänglichkeiten hinweghilft. Und doch ist es die Liebe, die alles zusammenhält. Peter und Andreas erinnern sich an früher. Jeder für sich. Der Leser erfährt von ihrem Kennenlernen und auch schon damals ihrer Schwierigkeit, offen miteinander zu reden. Und dennoch, sie zeigen das, was eine wahre Partnerschaft ausmacht. Sie kümmern sich umeinander. Uns wird keine Schönwetter-Liebe gezeigt, die keinem Sturm standhält, sondern eine Liebe, die nicht zu Ende ist, wenn die Romantik geht.

Ich habe diese Buchbesprechung lange hinausgezögert und auch jetzt ist es mir schwer gefallen, die richtigen Worte zu finden. Es ist ein Buch, das mich sehr bewegt hat, das im Grunde genommen traurig ist, das mich aber trotzdem getröstet hat und mich nicht melancholisch zurücklässt. So ist das Leben, könnte man es zusammenfassen. Ein großartiges Buch.
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 15. März 2014
"Andreas legt den Kopf auf seine Schulter, sagt nichts.
<Wenn es unerträglich wird, würdest du mir dann helfen?>
fragt er Andreas leise.
Andreas holt Luft, zögert, drückt dann seine Hand: <Ja.>
Sie schweigen. Die Zeit nimmt eine ruhige Gewissheit an.
Rennt ihnen nicht davon. Steht an ihrem Bett und wacht über sie.
Die Sonne erreicht sein Gesicht und er schließt die Augen.
Er lauscht Andreas' Atem. Ich bedaure nichts, außer dich verlassen
zu müssen, denkt er, aber er sagt es nicht.
<Ich will nicht, dass du nochmal ins Krankenhaus kommst>,
meint Andreas ohne rechten Zusammenhang.
<Wenn es nötig ist...>, antwortet er, aber das sagt nur sein Verstand.
<Nein, ich will nicht. Es ist so schön, dass du bei mir bist.>
Und wenn es nur ein paar Momente wie dieser sein sollten.
Andreas an seiner Seite liegend, ruhige Gewissheit, fast so etwas
wie Glück." (S.157)

Es ist Herbst. Die Jahreszeit der reifen Früchte, der prallsten Farben, der intensivsten Düfte. Der Status vor dem Verwelken und Ersterben, dazu angetan, den Weltenlauf zu leugnen, die Zeit anzuhalten.
Das ist das Szenario, während wir ins Haus gehen und ein Zimmer betreten, das von einem überdimensionalen Krankenhausbett dominiert wird. Wir treffen auf zwei Männer.
Peter, der Ältere, Goldschmied, liegt in diesem Bett. Er hat ein metastasierendes Prostata-Ca. Andreas, der Jüngere, Kellner, hat seine Berufstätigkeit aufgegeben, um für den inzwischen bewegungsunfähigen Partner rund um die Uhr da zu sein.

Peter befindet sich in der Endphase, der Zielgeraden, die den Übergang vom Leben zum Tod vollends leicht macht. Die Intervalle der Schmerzattacken werden kürzer, die Morphiumgaben größer. Er verdämmert die Tage und verbringt halbe Nächte schlaflos. Die Kommunikation wird mühsam, sie findet statt im nonverbalen Bereich, durch Blicke, Gesten, Berührungen. Die sexuellen Obsessionen verlagern sich in den Bereich der Fantasie, Erfüllung ist nicht mehr möglich, allenfalls im Traum oder in der Visualisierung ihrer gemeinsamen glücklichen Tage.
Obwohl der Pflegedienst zweimal täglich kommt, fühlt sich Andreas zunehmend überfordert und erschöpft. Der durchtrainierte, athletische, braungebrannte Körper des Partners ist durch die Krankheit entstellt, schlaff und kraftlos geworden. Dekubitusgeschwüre sollten versorgt, der Patient regelmäßig umgelagert, die Beine massiert, der Katheterbeutel gewechselt werden. Und Peter leidet lieber als bei dem Freund das Notwendige zu reklamieren. Er ist ein geduldiger, 'pflegeleichter' Patient, der dem Freund nichts abverlangt, was dieser nicht von sich aus zu tun bereit ist.
Andreas flüchtet sich in die Küche, macht Frühstück, kocht literweise Tee, backt Kuchen, kreiert exotische Gerichte, um wenigstens das gemeinsame Essen zu einem sinnlichen Genuss werden zu lassen und dem Auszehrungsprozess entgegen zu wirken.
Beide haben sie ein Problem, letzte, intime, sie unmittelbar betreffende Dinge anzusprechen. Jeder leidet für sich allein unter der vorweggenommenen Trauer. Das Schweigen ist bedrückend. Das ist keine Stille, die Erlösung verheißt. Es ist wie ein Abwarten mit im Einatmen angehaltenem Atem. Das Leben und das Nichts sind so nahe beieinander und so schwer zu fassen. Ich sehe die großen, fragenden Augen Peters, die den Partner fixieren, und ich möchte Andreas anschubsen - leg dich zu ihm - stille seine Sehnsucht nach Berührung - nimm ihn in die Arme - rede mit ihm - sag ihm, daß du ihn liebst - dank ihm für die guten Tage!

Jan(a) Walther versteht es, in Stil und Sprache die Atmosphäre der Einsamkeit zu beschwören. Kurze, abgehackte Sätze im Präsens. Nichts Überflüssiges, keine rhetorischen Ausschmückungen, und während der 2 Stunden, in denen ich dieses Buch lese, läuft vor meinen Augen ein Film ab, einzelne Sequenzen in Zeitlupe. Es gibt keine Musik, nur die Stille, die ich hören kann.
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am 15. November 2013
In keinem Moment hatte ich das Gefühl, dass das was erzählt wird nicht auch so reak sein könnte. Und es ist ein Buch über die Liebe, die jedem Zweifen erhaben ist.
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 25. Mai 2013
Durch eine Empfehlung wurde ich auf dieses Buch aufmerksam und wusste daher schon, das Jan Walther's 'Im Zimmer wird es still' keine "leichte" Kost sein wird.
Trotzdem konnte ich es nicht aus der Hand legen. Vom ersten Moment an war ich wie gefangen und wollte auch gar nicht mehr aufhören zu lesen.
Die Geschichte von Peter und Andreas ist einfach zu einfühlsam und authentisch geschrieben, als das man aufhören möchte, zu lesen. Abwechselnd wird die Sichtweise von den beiden Protagonisten erzählt, wobei in Rückblenden (Erinnerungen) berichtet wird, wie sich beide kennengelernt haben, ihr Leben bis hin zu Peters Krebserkrankung.

Mehr als einmal musste ich das Taschentuch zücken. Jan Walther hat es wirklich verstanden, dieser Geschichte so viel Gefühl einzuhauchen, dass man als Leser hautnah dabei ist.

Es gibt hier kein Happy-End und dies ist auch keine Liebesgeschichte, wo alles "rosarot" ist.

Das Buch zeigt schlicht und einfach wie es in Peter und Andreas aussieht und den "Alltag", den es zu meistern gilt, wohl wissend, dass Peter früher oder später sterben wird.
3 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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