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Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
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4,2 von 5 Sternen
EduAction - Wir machen Schule
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 16. August 2013
Andere Wege zu gehen, so wie es offensichtlich diese Berliner Schule getan hat, erfordert Mut. Das gilt es in meinen Augen anzuerkennen. Diese mutigen Wege werden allerdings ohne Selbstkritik von den Autoren dargestellt.

So werden beispielsweise Unterschiede zwischen dem "neuen" und "alten" Schulsystem auf 3 Buchseiten in Form einer Tabelle gegenüber gestellt: "alte Schule unterrichtet" - "neue Schule baut Schüler auf". Ich unterrichte selbst an zwei Reformschulen Pädagogik und Psychologie. In meinen Augen helfen solche schwarz/weiß Vereinfachungen nicht weiter.

Die darauf folgende Darstellung des Schulkonzeptes erfolgt ähnlich einer Produktwerbung, indem immer wieder Schüler, Eltern, Lehrer oder auch die Schulleitung selbst zitiert werden, die die Konzepte ausnahmslos positiv darstellen. Schwierigkeiten tauchen nicht auf. Pädagogik bedeutet sich selbst immer wieder infrage stellen und das vermisse ich auf ganzer Linie in dem Werk von Frau Rasfeld und Herrn Spiegel. Eine so unkritische Darstellung mag vielleicht Aufbruchstimmung und Begeisterung wecken, aber das tut sie manipulativ und gerade das ist es, was in der Pädagogik nichts verloren hat.

Positiv anzumerken bleibt, dass es einige gute Ideen im Buch für die Schulentwicklung gibt. Das kann hilfreich sein, aber ich vermute, dass viele Kollegen selbst ähnlich gute und kreative Ideen für eine lebendige Schule entwickeln. Da sehe ich nicht den Engpass für Veränderung und Entwicklung. Mich hätte gerade eine selbstkritische Betrachtung, die Schwierigkeiten eines Veränderungsprozesses deutlich macht, interessiert. Insofern gibt es von mir nur zwei Sternchen.
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am 29. April 2012
Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Buch ist atemberaubend und für jeden, der ' wie ich ' durch ein traditionelles Schulsystem geschleust wurde, eine Offenbarung! Hier zeigt sich Schule als wahre Zukunftswerkstatt, in der junge Menschen zu verantwortungsvollen und engagierten Weltbürgern heranwachsen; eine Werkstatt des Entdeckens und Gestaltens, ein Basislager des Erlebens von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung, in dem Kinder ihre Potenziale individuell und doch gemeinsam entfalten können.
Statistiken belegen, dass derzeit 30 Prozent (!) unserer Kinder mit Angst zur Schule gehen. Die Schule offenbart sich als ein Ort des Leidens für viele junge Menschen. Angst beschädigt nicht nur die Seele junger Menschen, sondern ist zugleich ein Lern- und Kreativitätskiller. Wir brauchen einen radikalen Wandel unserer Lernkultur, einen Transformationsprozess unserer Bildungsinstitute! Dies fordern Margret Rasfeld und Peter Spiegel in diesem mitreißenden und Mut machenden Buch nicht nur ein, sondern zeigen auch anschaulich auf, wie es gehen kann. Denn Margret Rasfeld, Schulleiterin der Evangelischen Gesamtschule Berlin Mitte und eine der wegweisenden Reformpädagoginnen Deutschlands, setzt eine neue Lernkultur gemeinsam mit ihrem Team und ihren Schülern bereits um.
Die Evangelische Gesamtschule basiert auf drei Säulen: Lernen zu handeln; lernen, Wissen zu erwerben und lernen, zusammen zu leben.
Die erste Säule macht Schule zu einem Lernort für gesellschaftliche Verantwortung und zivilgesellschaftliches Engagement. Kinder suchen sich Aufgaben im Gemeinwesen, stellen sich Herausforderungen, engagieren sich in sozialen und ökologischen Projekten und lernen so bereits frühzeitig, Verantwortung zu übernehmen und sich für eine gerechte und demokratische Zivilgesellschaft zu engagieren. Dabei üben sie zugleich wichtige Kernkompetenzen für ihr weiteres Leben ein: Verantwortung, Kreativität, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, Mut, Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein.
Und sie lernen, Visionen innovativ in die Tat umzusetzen. Als Unterstützer der Bewegung 'Plant fort he Planet' haben es die Schüler der Berliner Gesamtschule geschafft, 100.000 Bäume (!!) für mehr Klimagerechtigkeit zu pflanzen.
Die Schule setzte auf Lernen im eigenen Tempo - individuell und selbstständig und doch gemeinsam. Da Lernen verbindliche und vertrauensvolle Beziehungen braucht, sind Ermutigung und Wertschätzung zentrale Elemente der Lernkultur. Wir lernen eine Schule kennen, an der jedes Kind mit seinen eigenen Stärken ernst genommen wird und ohne Versagensangst und Druck sein Potenzial entfalten kann. Die Kinder entscheiden in Lernbüros vor Ort, welche Lerninhalte sie vertiefen wollen und halten in einem persönlichen Logbuch ihren Lernprozess fest. Die Devise lautet: vom Verwaltetwerden zum Gestalten. Wie erfolgreich diese Art des Lernens ist, belegt die Tatsache, dass die Schüler bei den landesweiten zentralen Abschlussprüfungen überdurchschnittlich gut abschneiden.
Die dritte Säule - Lernen, zusammen zu leben ' ist für unsere globalisierte Welt, in die junge Menschen hineinwachsen, von zentraler Bedeutung. Wir brauchen eine inklusive Schule, in der Heterogenität und Vielfalt als Chance und Bereicherung erachtet werden, als Potenzial für ein humanes und demokratisches Zusammenleben. Schule wird so zu einem Ort, an dem alle willkommen sind und sich angenommen fühlen: Kinder mit Begabungen aller Art, Kinder mit Handicap und Kinder aus unterschiedlichen Kulturkreisen. So werden Heranwachsende zu begeisterten Weltentdeckern und zu mündigen Weltbürgern.
Ja, die Zukunft der Bildung hat bereits begonnen! Transformation ist möglich! Dieses Buch sei allen Menschen wärmstens empfohlen, denen die Zukunft unserer Kinder und unserer Welt am Herzen liegt.
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TOP 500 REZENSENTam 7. Mai 2012
Peter Spiegel und Margret Rasfeld haben ein tolles Buch geschrieben! Margret Rasfeld ist Schulleiterin der esbz (Evangelischen Schule Berlin Zentrum). Sie hat es mit KollegInnen und SchülerInnen, aufgeschlossenen Eltern und anderen tatkräftigen Unterstützern in Wissenschaft und Gesellschaft geschafft, eine Schule der besonderen Art aufzubauen. Schule kann auch anders. Und davon handelt das oben erwähnte Buch: EduAction ' Wir machen Schule.

Sehr empfehlenswert! Sie entdecken als LeserIn eine anregende Zusammenstellung von Kennzeichen alter und neuer Schule und können sich so ein Bild von dem Geist der neuen Schule machen. Viele moderne Ansätze, welche ebenso in dem Werkzeugkoffer zeitgemäßer Coaches und Berater zu finden sind, haben in Berlin anwendung gefunden im schulischen Miteinander. Z.B. Design Thinking, eine Methode, welche für die Entwicklung von innovativen Lösungen genutzt wird bei komplexen Fragestellungen. Der besondere Clou ist, Schülerinnen und Schüler der esbz coachen Manager in diesem Ansatz! Überhaupt, auch die Wirtschaft kann viel lernen von Margret Rasfeld und der esbz.
ist es entstanden aus der Motivation heraus, Schluss mit dem Lamentieren zu machen in der Bildungslandschaft. Daher ist es nur konsequent, dass wir LeserInnen am Ende vieler Kapitel voller anschaulicher Berichte ungewohnter Schulpraxis aufgefordert werden zu unserer 'EduAction'. Welchen Unterschied wollen Sie machen? Ideen dafür gibt es in diesem Buch zu Hauf. Bitte lesen!! Und handeln!
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VINE-PRODUKTTESTERam 29. Mai 2012
Während die meisten Forschungsvorhaben und Schulentwicklungsmaßnahmen im Gefolge von PISA darauf setzen, die bestehende Schule zu optimieren und erkannte Mängel zu beseitigen, geht die Leiterin der Evangelischen Schule Berlin Mitte einen radikal anderen Weg: Sie verabschiedet sich vom traditionellen Modell der Schule als Unterrichts- und Belehrungsanstalt und entwickelt - im Anschluss an Konzepte des Hirnforschers Gerald Hüther - ihre Schule als einen Ort ganzheitlicher Potenzialentfaltung.
In einer rasant sich wandelnden globalisierten Wissensgesellschaft muss auch Schule sich radikal wandeln und einen Paradigmenwechsel zu einem zukunftsorientierten Lernen vollziehen. Diese These ist nicht neu, doch Rasfeld erfüllt sie mit Leben, indem sie in ihrem faszinierenden Bericht zeigt, wie das neue Lernen in ihrer ungewöhnlichen Schule funktioniert - ein Bericht, der anhand von vielfältigen Beispielen einen atemberaubenden Einblick in den Alltag einer Schule gibt, in der die Zukunft schon begonnen hat.

Anknüpfend an eine orientierende Gegenüberstellung von Gestaltungsprinzipien der "alten" und der "neuen Schule" beschreibt Rasfeld detailliert die drei Säulen ihrer Schulkonzeption, die sich an den Leitlinien der Agenda 21 orientiert, weswegen sich die Schule auch als "Agenda-Schule" bezeichnet. Zentral ist der Gedanke, dass Kinder an dieser Schule zu eingreifender Zukunftsgestaltung und Verantwortungsübernahme befähigt werden sollen. In der "Potenzialentfaltungsschule" geht es nicht darum, Kinder zu "unterrichten", sondern sie "aufzubauen", nicht darum sie zu "motivieren", sondern sie zu "begeistern", ist die Schule nicht mehr eine "Traditionsvermittlungsanstalt", sondern eine "Zukunftswerkstatt", wandelt sich das Klassenzimmer zum "Future Lab".
Solche programmatischen Aussagen, die den Unterschied zur traditionellen Schule markieren sollen, werden auf anschauliche und mitreißende Weise durch die detaillierte Beschreibung von konzeptionellen Inhalten und Praxisbeispielen der drei Säulen gefüllt. Rasfeld liefert hier ein faszinierendes Feuerwerk ungewöhnlicher pädagogischer Ideen, das zeigt, was aus Schule werden kann, wenn engagierte Pädagogen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und Raum geben, für die Entfaltung der in der traditionellen Regelschule zu oft ungenutzten kreativen Potenziale ihrer Schüler/innen.

In "SÄULE 1: LERNEN ZU HANDELN", entwickeln Lehrer, Eltern und außerschulische Partner vielfältige Projekt gemeinsam mit den Schülern, die darauf abzielen, Visionen für ein nachhaltiges Leben nicht nur zu denken, sondern auch umzusetzen. Lernen durch Engagement ist dabei ein Schlüsselkonzept, das im "Projekt Verantwortung" realisiert wird, indem sich alle Jugendlichen der Stufe 7 und 8 jeweils ein Jahr eine verantwortungsvolle Aufgabe im Gemeinwesen suchen und diese im Rahmen der Unterrichtszeit erfüllen. Dabei gilt das Prinzip "Think Big!" So hat die Schule- um nur ein Beispiel aus der reichhaltigen Aktionspalette zu geben - in einem Umweltprojekt innerhalb von drei Jahren über 70 000 Bäume allein in Berlin gepflanzt.
Im "Projekt Herausforderung" erhalten die Schüler der Klassen 8 bis 10 zu Schuljahresbeginn jeweils drei Wochen Zeit, eine selbstgewählte Herausforderung außerhalb Berlins zu bewältigen. Die Liste der eindrucksvollen Projektrealisierungen reicht von Peer-Education-Projekten für benachteiligte Schüler, einer Kampagne gegen klimaschädliche Heizstrahler,die Ausbildung von "Gemeindedetektiven", über Theater- und Kunstprojekten bis hin zu Lehrerfortbildungen von Schülern für Lehrer. Durch die Zusammenarbeit mit ca. 80 außerschulischen Projektpartnern erschließt sich die Schule ein beeindruckendes Spektrum von Gestaltungsmöglichkeiten für zivilgesellschaftliches Engagement.

Rasfeld fordert einen Paradigmenwechsel von der passiven Belehrung zur aktiven Erfahrung und hat deshalb das Schulfach "Herausforderung" eingeführt. Die von den Schülern selbstgewählten Herausforderungen reichen von Segelturns in der Ostsee, über ein Radtour nach Hiddensee und der Mitarbeit an der Deicherhaltung, die Erkundung Korsikas, die Entwicklung einer Modekollektion, die Gründung einer Band und vieles mehr. Der entscheidende Punkt ist, dass die Schüler hier im Sinne der Positiven PädagogikPositive Pädagogik: Sieben Wege zu Lernfreude und Schulglück und der alten Idee John Deweys herausfinden können, wozu sie sich eignen, und ausreichend Gelegenheit erhalten, sich in dieser Eignung zu erproben und zu perfektionieren. Auf diese Weise gelingt Rasfeld ein Abschied von der Massenpädagogik des Industriezeitalters hin zu einem individualisierten Lernen, das inklusive Potenzialentfaltung ermöglicht: In dieser Schule wird nicht selektiert, sondern gefördert. Und hier zeigt sich, dass jedes Kind über Begabungen verfügt.

In "SÄULE 2: WISSEN ZU ERWERBEN" geht es um die Sicherung des amtlich geforderten Unterrichtsstoffes. Auch hier bricht Rasfeld durch die Einrichtung von "Lernbüros" mit der Tradition. Schüler erarbeiteten sich mithilfe von vorgefertigten Lernbausteinen, das nötige Wissen in Teams weitgehend selbst, wobei es durch die Jahrgangsmischung möglich wird, dass ältere Schüler als Lerntutoren fungieren, den Lehrer entlasten und individuelle Förderung ermöglichen. Die Schüler haben so die Möglichkeit, ihr Lerntempo selbst zu steuern. Statt Selektion und Abwertung durch Ziffernzensuren geht es hier im Sinne der Positiven Pädagogik und der Grundsätze, die Gerald Hüter aus Sicht der Hirnforschung propagiert, um Förderung und Wertschätzung - übrigens zwei Prinzipien, die - wie Rainer Domisch belegt hat - das Geheimnis des Erfolgs des finnischen Schulsystems sindNiemand wird zurückgelassen: Eine Schule für Alle.

In "SÄULE 3: LERNEN, ZUSAMMEN ZU LEBEN" zeigt Rasfeld anhand vielfältiger innovativer Praxisbeispiele wie man den Gedanken der Inklusion mit Leben erfüllen kann. Ihre Ausführungen belegen eindrucksvoll, dass sich Lehrer an dieser Schule als "Schatzsucher" sehen, die nicht als Unterrichtsbeamte, daran orientiert sind, vorgeschriebenen Unterrichtsstoff in die Hirne ihrer Schüler zu trichtern, sondern die vielmehr darauf setzen, die Talente ihrer Schüler zu entdecken und zu fördern. Heterogenität wird als Chance gesehen und durch Peer Learning, Klassenrat, Schulversammlung und Auslandsreisen genutzt. Schule wird hier zur Teamschule, die nach dem Prinzip Ich bin gut, wir sind besser: Erfolgsmodelle kreativer Gruppen funktioniert und kreative Gruppenverfahren intelligent einsetzt.

Zu schön, um wahr zu sein - werden sich angesichts dieser uneingeschränkt positiven Würdigung Skeptiker sagen. Wo ist der Haken? Warum gelingt Rasfeld und ihren KollegInnen auf scheinbar leichte Weise, was an deutschen Schulen sonst fast unerreichbar zu sein scheint? Zum einen kann sie auf eine langjährige Praxis des Aufbaus innovativer Schulen zurückgreifen. Aber entscheidender ist, dass sie ihre Vision des neuen Lernens nicht nur denkt, sondern auf ansteckende Weise lebt. Selbst skeptische Eltern kann sie überzeugen, denn die Evaluation dieses ungewöhnlichen Experiment ergab ausgezeichnete Leistungsergebnisse und belegt, dass es ein Mythos ist, dass Schule nur als fremdbestimmte, genau verregelte Pauk- und Unterrichtsanstalt funktioniert. Rasfeld zeigt: Das Gegenteil ist der Fall. Zukunftsfähig wird die Schule erst durch den Wandel von der Unterrichtsanstalt zum Kreativen Feld Ganztagsschule entwickeln: Von der Unterrichtsanstalt zum Kreativen Feld , zu einer inklusiven Schule, die den Schülern im Sinne der Selbstbestimmungstheorie Deci & Ryans die Möglichkeit zur Selbstbestimmung, zu Kompetenzerleben und Sinnerfahrung gibt. Rasfeld und ihre KollegInnen sind große Schritte in dieser Richtung vorangekommen - und das - in einem schlecht finanzierten und baufälligen Plattenbau aus der DDR-Vergangenheit in der Mitte Berlins.

Fazit:
EduAction - der Titel hält, was er verspricht. Ein faszinierendes Feuerwerk kreativer Ideen für die Schule der Zukunft. Aus meiner Sicht - eines der wichtigsten Bücher über innovative Praxis von zukunftsorientierter Schulentwicklung.

Prof. Dr. Olaf-Axel Burow Universität Kassel
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am 15. Oktober 2013
„Stell dir vor, es ist Schule und alle gehen gerne hin!“ Das Buch, das auf dem Cover so für sich wirbt, wird im Klappentext als Bericht von einer Schule vorgestellt, die nicht nur Änderungen am üblichen System vorgenommen habe, sondern der es gelungen sei, Schule „grundlegend neu (zu) denken“ und „den Schülern endlich die Hauptrolle zu geben“.

Das im Hardcover erhältliche gut 260-seitige Buch berichtet von der Gründung der Evangelischen Gemeinschaftsschule Berlin Zentrum (esbz). Es wurde von der Schulgründerin Rasfeld und dem Autor Spiegel geschrieben, der verschiedene Projekte zur Zukunftsgestaltung initiiert hat. Die Funktion der Gliederung des Buches in fünf Teile erschließt sich beim Lesen leider nur schwer.

Der erste Teil besteht aus verschiedenen Hinführungen zum Thema, unter anderem eine Einführung des Hirnforschers Gerald Hüther, der provokant fragt, ob sich unsere Gesellschaft ein Schulsystem leisten kann, das den Kindern die Lust am Lernen nimmt. Aus den immens hohen Folgekosten einer solchen Schule leitet er die Notwendigkeit ab, eine Schule zu erfinden, die Potentiale entfaltet statt Wissen zu vermitteln. Daraus ergibt sich dann im Folgenden ein Schulkonzept, das von der gesellschaftlichen Notwendigkeit her gedacht wird und in vielen Punkten elitär erscheint. Diese Schule, so heißt es wiederholt, bilde die Führungspersönlichkeiten der Zukunft aus.
„Das Lernen der Zukunft“ heißt der zweite Teil des Buches, in dem der nötige „Paradigmenwechsel“ des Schulsystems beschrieben wird. Dieses Kapitel enthält vor allem theoretische Überlegungen, die aus den Medien größtenteils schon bekannt sind. Das folgende Kapitel stellt die drei Säulen des Konzeptes der esbz vor: Die Säule 1 „Lernen zu handeln“ beschreibt die Projektarbeit in der Schule, die in drei verbindliche Formate gefasst ist: Arbeit im Gemeinwesen, eine persönlichen Herausforderung außerhalb Berlins und die Ermutigung zu Auslandsaufenthalten. Die Säule 2 „lernen, Wissen zu erwerben“ wird umgesetzt, indem die Schüler der Klassen 7 bis 9 jeden Morgen wählen können, welches von vier feststehenden Fächern sie lernen wollen. Sie gehen in lehrerbetreute „Lernbüros“, in denen sie selbständig didaktisch aufbereitete Themenbausteine bearbeiten. Ihre Arbeit erfassen sie in einem Logbuch, das von einer Tutorin kontrolliert wird. Die Säule 3 „Lernen, zusammen zu leben“ umfasst unter anderem einzelne demokratische Foren wie ein schülergeleitetes Diskussionsforum, in dem die Schüler der Schulleitung Änderungsvorschläge unterbreiten und Aktivitäten planen können.

Der vierte Teil des Buches soll zeigen, wo es in der Welt bereits alternative Schulen gibt. Darin wird von der Kolumbianischen Initiative FUNDAEC berichtet, in der Schule dezentral auf Nachfrage hin organisiert wird.
„Die Landkarte der esbz“, das letzte Kapitel, enthält knappe Beschreibungen des Alltags in der esbz. Erst auf den letzten 30 Seiten des Buches erfahren die Leser, dass es sich um eine Gemeinschaftsschule handelt, in der Schüler von der 7. bis zur 13. Klasse unterrichtet werden, wobei die Klassen 7 - 9 gemischt werden. Ab der 10. Klasse werden Noten vergeben. Der gymnasialen Stufe ist im gesamten Buch leider nur eine Seite gewidmet.
Das Buch ist eher schwere Kost. Der Schreibstil wirkt oft sperrig und abstrakt, das Buch strotzt vor Worthülsen („Innovatoren und Wandelversteher“), Fremdwörtern und sperrigen Satzkonstruktionen. Der Inhalt ist stark redundant und beinhaltet viel Eigenlob. Dieses ist auch im Layout verankert: Im Text sind immer wieder Zitate eingefügt, die sich nicht in den Textfluss fügen und in denen vorwiegend Schüler, Lehrer und Eltern die Schule loben. Jedes (Unter)Kapitel endet mit der Frage „Und was ist Ihr EduAction-Plan?“ der mehrere linierte Zeilen folgen, die zum Ausfüllen animieren sollen. Auch die schwer verständliche Gliederung erschwert den Zugang zum Buch.

Wer demokratische Schulen kennt, wird das Konzept sehr restriktiv und nah am Regelschulsystem finden; die Außenmotivation durch ein Lob- und Auszeichnungssystem mag für DDR-Sozialisierte befremdlich bekannt anmuten. Bereichernd sind die Linklisten am Ende jedes Kapitels. Leider werden darin nur Unterstützer der esbz und Projekte, mit denen die Schule vernetzt ist, aufgeführt. Ein großes Manko sind die fehlenden Quellenangaben. Wer die verwendeten Techniken entwickelt hat, wird an keiner Stelle erwähnt, die Autoren schreiben auch explizit, dass dies nicht nötig sei.

Fazit: Dieses Buch ist hilfreich für die, die einzelne Bausteine des Konzeptes an Regelschulen implementieren möchten. Es beinhaltet auch einen Bericht über einen derartigen Versuch und mehrere Anregungen dazu. Damit liefert es aber gerade nicht das strikte Neudenken von Schule, das versprochen wird.

(Katja Rose)
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TOP 500 REZENSENTam 28. Oktober 2012
Dieses Buch beschreibt den neuartigen Ansatz der Evangelischen Gemeinschaftsschule Berlin-Mitte, die Schule quasi neu zu erfinden. Solidarität und Selbstorganisation motivieren Schüler, die unter gewöhnlichen Bedingungen untergegangen wären. Doch weite Teile des Buchs sind leider verseucht mit Schlagwörtern und gut gegliedert ist das Buch auch nicht. Wegen des spektakulären Inhalts ist das Buch trotz der schwachen Darstellung ein Gewinn.

Zitate:
"Die Bekanntheit von Bildungsinnovatoren in der Öffentlichkeit ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für einen nachhaltigen Durchbruch ihrer Innovationen in unserer Bildungsrepublik. Zur Informationskampagne muss eine ebenso wirksame Mobilisierungskampagne hinzukommen." (S. 221)

"Die heutige Kindergeneration besteht aus Weltbürgern und nicht mehr nur aus Menschen einer jeweiligen Nation. Die Aneignung interkultureller Kompetenz ist eine der wichtigsten Zukunftskompetenzen für jedes Individuum und für die Gestaltung einer friedlichen, humanen, solidarischen Welt. Die reale Begegnung mit einer anderen Kultur ist für das Begreifen, für das Sichbefreunden, für das Verstehen, für das Bemühen um Verständigung durch nichts zu ersetzen." (S. 37)

Typische Begriffe sind Bildungsinnovatoren, Vision Summit 2012, Genesis Institute for Social Innovation and Impact Strategies, Education Innovation Lab, systemisch-ganzheitliches Denken, Kompetenz im Teamlernen, Metalerndisziplin, transformatorische Prozesse, Manager-Workshop, Design Thinking, neue Perspektiven integrierend Wissen aufbauen, umfassendste Bildungsidee der Gegenwart, Diskurs der Völker, permanente Interaktion... genug?

Man merkt: Da schreiben keine Profis, sondern engagierte Amateure. Zum Lesen ist das anstrengend. Die Lektüre von Vom Umgang mit Wörtern wäre zu empfehlen, oder ein guter Lektor. Zum Glück sind nicht alle Kapitel so sprachlich überladen wie die Zitate, viele Stücke des Buchs sind lebendige Schilderungen des Schulprojekts und gut lesbar.

Wie dem auch sei: Das Projekt von Margret Rasfeld ist großartig und verdient Unterstützung. Das Buch lohnt sich wegen der bislang einmaligen Inhalte trotzdem.

Wer eine solide Kritik des deutschen Bildungssystems und eine überzeugende Alternative in vernünftigem Deutsch lesen möchte, greife zu Was wir unseren Kindern in der Schule antun: ... und wie wir das ändern können
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am 16. Mai 2014
Hier haben sich Schüler(innen) verschiedener Altersstufen zu Wort gemeldet, wie SIE Schule gerne hätten. Das ist neuartig und, soweit mir bekannt, auch einzigartig. Den Abschluss bildet ein von ihnen ausgearbeiteter "Pisa -Test", der in Erfahrung bringen will, wie sich Schüler -bundesweit - an ihrer eigenen Schule fühlen.
Margret Rasfeld ist die Berliner Schuldirektorin, die gemeinsam mit Gerald Hüther, Peter Spiegel und anderen einen neuen Schultyp entwickelt, der den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen angemessen ist.
Ein Reporter des "Stern" stand den Schülerinnen bei der Formulierung ihrer Gedanken zur Seite.
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am 26. April 2012
Schon zum zweiten Mal durfte ich Margret Rasfeld und ihre Schüler in einer Fortbildung an ihrer Schule, der Evangelischen Gemeinschaftsschule Berlin Zentrum erleben. Die Begeisterung, die Motivation zum notwendigen radikalen Umdenken in den Schulen sind einzigartig und tun einfach nur gut, wenn man mit dem eigenen Reformwillen im konservativen Schulalltag oft gegen große Widerstände anrennt. Und mir wurde wieder mal sehr bewusst, wie kraft- und energieverschwendend es ist , hier ein Reförmchen und dort ein Reförmchen umzusetzen. Margret Rasfeld gelingt es mehr als überzeugend, dass eine ganz neue Schule notwendig ist, um unsere Kinder für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stark zu machen. Ihre ganzen praktischen Erfahrungen gibt sie jetzt in diesem Buch weiter. Das innovative Konzept der Schule wird ausführlich vorgestellt. Es ist von nun an mein täglicher Begleiter, um nicht den Blick auf das Wesentliche zu verlieren und um mutig an der Veränderung von Schule mitzuwirken. Endlich kann man die begeisternden Worte von Frau Rasfeld intensiv noch einmal nachvollziehen und genießen. Ein Praxisbuch, das für JEDEN Lehrer und JEDE Schule zum Maßstab werden sollte.
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am 10. Oktober 2014
Margret Rasfeld, Direktorin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, beschreibt in diesem buch die neuen wege, die sie gemeinsam mit einem engagierten lehrerteam beschritten hat, um ihren schülern eine zeitgemäße ausbildung anbieten zu können, die sie auf die anforderungen von morgen vorbereitet. eigenverantwortung, teamgeist, weltoffenheit und ähnliche kompetenzen werden besonders gefördert. ein buch das zur nachahmung anregt.
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am 28. Mai 2014
Ja, bestimmt gibt es auch an ihrer Schule mal Probleme, so wie im Leben, aber die Kinder werden an Margret Rasfelds Schule ganz anders darauf vorbereitet - und sie werden darauf vorbereitet - nicht mit Ellenbogen, sondern mit Verantwortung, liebevollem Umgang, Herausforderungen, die stark machen und nicht herunterziehen. Weiter so!
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