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am 31. Juli 2011
Nur wer das Verbindende kennt, kann die Differenz verstehen. Es ist ein altes philosophisches und psychologisches Problem: Was macht den Unterschied aus? Christoph Antweiler zeigt nicht nur auf,warum wir Unterschiede zwischen Ethnien verstärken (sozialpsychologische Perspektive)- vor allem bietet er einen profunden und spannenden Überblick über menschliche Universalien. Erfreulich: Wissenschaft wird gut lesbar und verständlich präsentiert
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"Was uns alle verbindet", beschreibt Christoph Antweiler. Der Ethnologe und Professor für Südostasienwissenschaft an der Universität Bonn forscht schon lange über die sogenannten Universalien - Aspekte in Sprache, Denken, Fühlen und Verhalten, die bei allen Unterschieden der Kulturen "anthropologische Konstanten" und somit allen Menschen gemeinsam sind.

"Jede Kultur ist einzigartig - und wie alle anderen", spitzt er es zu und spricht, etwas missverständlich, von der Heimat Mensch. Diese These wird anhand vieler plastischer Beispiele gut nachvollziehbar begründet. In dem bewusst sehr populär gehalten Buch geht das freilich nur in einiger Kürze (wer es genauer wissen will, kann sich anhand der kommentierten Bibliographie weiter informieren, aber auch Antweilers ausführlicherer Monographie Was ist den Menschen gemeinsam?: Über Kultur und Kulturen).

Es werden zahlreiche Themen angesprochen: etwa Macht, Sitzordnung und Körpersprache, nackte Tatsachen (Sex und Moral), In- und Out-Groups, überall verständliche Emotionen, Kunst, Gewaltverherrlichung und Konfliktvermeidung, Spiel und Sport, Initiationsriten und Romanzen.

Dass hier viele menschliche Universalien vorkommen, ist teils überraschend, teils eher vertraut. Dass diese Universalien auch zu Problemen zwischen den Völkern führen, ist eine Tatsache, gegen die man besser angehen kann, wenn man die anthropologischen Hintergründe kennt. Wie man dies wertet, ist zunächst kein Gegenstand der Wissenschaft. Das umstrittenste Beispiel dazu ist neben der Fremdenfreindlichkeit sicherlich die Religiosität. Denn auch diese hat biologische Grundlagen: Gott, Gene und Gehirn: Warum Glaube nützt - Die Evolution der Religiosität.

Entgegen anderer Auffassungen argumentiert Antweiler auch dafür, dass die verschiedenen Einzelsprachen mit ihren teils drastisch differierenden Grammatiken und Wortschätzen nicht zu völlig verschiedenen und womöglich unübersetzbaren Weltsichten führen. "Sprache tönt das Denken, mehr nicht". Ähnliches, besonders am Beispiel der Indianersprachen, wurde sehr ausführlich bereits hier behandelt: Spurensuche im Indianerland. Exkursionen in die Neue Welt.
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Die wenigen Ethnologen, die ich persönlich kenne, saßen während ihres Studiums meist auf Heizkörpern statt auf Stühlen, weil dieses Studium plötzlich so boomte. Zwar hat nicht zuletzt der Arbeitsmarkt dafür gesorgt, dass auch Zuspätkommende wieder einen Platz im Vorlesungssaal finden, aber was früher schlicht Völkerkunde hieß und sich lange Zeit mit eher exotischen Kulturen beschäftigte, zieht gerade wegen seiner Wandlung und Ausdehnung des Forschungsgebietes noch immer viele Studierende an. Und wie das Beispiel der jungen Ethnologin von den Seychellen zeigt, werden unsere Verhaltensweisen und kulturellen Eigenarten nun ebenfalls zum Objekt.

Da ich mich während des Germanistikstudiums intensiv mit der Sprachwissenschaft beschäftigte, sind mir viele der in diesem Buch aufgezeigten Irrtümer bestens bekannt. Einige vertrat ich sogar ebenso inbrünstig wie die wissenschaftlichen Größen, die sie in die Welt setzten. Und so war ich eben bis vor wenigen Jahre der Meinung, die Hopi-Indianer hätten keinen Zeitbegriff und glaubten nicht an einen linearen Zeitstrahl. Ich erzählte anderen, die Eskimos hätten über achtzig Begriffe für Schnee, die romantische Liebe sei eine Erfindung des späten Mittelalters, der Mensch sei grundsätzlich gut und irgendwo auf dieser Welt gäbe es Stämme, die wegen ihrer Isolation fast alles richtig machen und uns als Vorbild dienen könnten. Wer sich solche Bilder bestätigen lassen will, wird von Christoph Antweiler bitter enttäuscht sein.

Freuen dürfen sich hingegen all jene Leser, die an spannenden Wissenschaftsberichten interessiert sind und entdecken wollen, was allen Menschen auf dieser Welt gemeinsam ist. Das ist in gewissen Bereichen zwar weniger, als wir uns erhoffen, aber immer noch genug, um die Gattung Mensch auch in einer globalisierten Welt überleben zu lassen. Um das Verbindende der verschiedenen Kulturen herauszuarbeiten, muss sich zum Glück auch Christoph Antweiler mit den Unterschieden auseinandersetzen. Denn so merkwürdig und exotisch der kreolischen Frau von den Seychellen die Vorbereitungen auf den religiösen Initiationsritus Konfirmation vorkommen muss, so fremd und interessant finden wir es, wenn Eipo-Männer ihre Penisse in Köcher stecken, die fast einen Meter lang sein können. Christoph Antweiler weist mit seinen Beispielen und Einblicken in seine Arbeitsweise immer wieder klar, dass unsere Vorstellungen ethnologischer Feldforschung allzu romantisch sind. Wer sich dieser Wissenschaft verschreibt und es heute zu etwas bringen will, muss nebst Neugier, einer guten Beobachtungsgabe und Offenheit auch viele Geduld mitbringen, Daten zusammentragen und voreilige Schlüsse vermeiden. Irrtümer, die sich hartnäckig halten, basieren nämlich auf Arbeitsweisen, die bei Ethnologen der Gegenwart nur noch Kopfschütteln auslösen. Schade, dass der Autor der Entstehung von Wissenschaftsmythen kein eigenes Kapitel gewidmet hat. Und bedauert habe ich auch, dass nebst kommentierten Büchertipps kein Literaturverzeichnis traditioneller Art im Anhang zu finden ist. Denn gerade bei Autoren, die mit ihren Werken wesentlich dazu beitrugen, wissenschaftliche Irrtümer zu entlarven, hätte ich jeweils gerne Quellenangaben. Gewünscht hätte ich mir zudem, ein Sachregister oder ein Inhaltsverzeichnis, aus dem die besprochenen Gemeinsamkeiten klarer hervorgehen würden.

Mein Fazit: Ein Buch, das ich trotz einiger editorischer Schwachstellen mit Überzeugung weiterempfehle. Denn es gibt einen guten Einblick in die Arbeitsweise von Ethnologen des 21. Jahrhunderts, räumt mit hartnäckigen Irrtümern auf und ist für Laien ohne Probleme verständlich, oft sogar unterhaltsam und auf jeden Fall interessant.
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am 16. Februar 2011
"Wir sind eine Menschheit und wir leben in einer Welt", das ist das Credo, das der Völkerkundler Christoph Antweiler seinem Sachbuch "Heimat Mensch - Was uns alle verbindet" voranstellt, "in dem kulturelle Vielfalt und Universalien zusammengebracht und anhand von Beispielen konkret gemacht werden". Universalien, das sind jene ethnologischen Merkmale, die allen Kulturen trotz ihrer vielfältigen Unterschiede gemeinsam sind und werden dem Kulturrelativismus entgegengesetzt, der jede Kultur aus sich selbst heraus zu erklären versucht.

Antweiler zeigt auf eine Fülle dieser Universalien aus den Themenbereichen gesellschaftliches Rollenverständnis, Mimik und Emotionen, Spiel und Sport, Kunst, Zeitvorstellungen, Sprache, Sexualität und Liebe auf. Den Schwerpunkt seiner empirischen Beobachtungen, die er in Form von Reisereportagen vorträgt, legt er in die Kulturen des Vielvölkerstaates Indonesien, den er von seinen eigenen Feldstudien sehr gut kennt. Er rückt dabei einige populäre Irrtümer gerade, beispielsweise über die Sprache der Eskimos, die angeblich mehr als 80 Begriffe für "Schnee" kennt. Ebenso weist er die weitverbreitete Ansicht in das Reich der wissenschaftlichen Mythen, dass hinter jeder Sprache ein anderes Denkmuster stehe: "Sprachen beeinflussen das Denken vielleicht, aber sie bestimmen das Denken nicht". Die babylonische Sprachverwirrung stellt also keine vollkommen unüberbrückbare Barriere für die interkulturelle Verständigung dar.

Der Leser begegnet auf der Reise, zu der ihn Antweiler mitnimmt, mancher Skurrilität. Die "Gummizeit" der Indonesier, die unangenehme Missverständnisse zwischen Einheimischen und pünktlichkeitsfixierten Deutschen zur Folge haben kann, ist so eine davon. In seinen Beispielen lenkt Antweiler aber auch den Blick in unsere eigene Kultur, wenn er das Ritual seiner eigenen Habilitation analysiert und den schmerzhaften Initiationsriten indigener Völker gegenüber stellt. Wie fremd uns solche Riten auch erschienen, lassen sie dennoch Gemeinsamkeiten erkennen, die bei allen Völkern die gleichen Bedürfnisse bedienen. Als kleines, unterhaltsames Lehrbuch der Ethnologie für Laien ist Antweilers Buch zweifellos von hohen Wert; es sensibilisiert für Sitte und Etikette anderer Völker und motiviert Reiselustige, vor Reiseantritt entsprechende Informationen über ihr Zielland einzuholen.

Doch wo Antweilers im Kapitel "Ethnic Barbies" über die Spielpuppen Razanne und Fulla - den muslimisch-korrekten Antworten auf die westliche Barbie - den dahinterstehenden Kulturkonflikt so zu kaschieren versucht, als ob es "letztlich um ein funktionierendes Rollenvorbild für die Frau im Himmel der modernen Konsumwelt" ginge, zeigt sich die konzeptionelle Schwäche des kulturellen Universalismus: Reichen die von Antweiler herausgestellten Gemeinsamkeiten wirklich aus, um die trennenden Unterschiede zwischen den Kulturen zu überwinden oder wird nicht eher das Maß für die Gemeinsamkeiten von ihm überstrapaziert? Nicht alles, was wir gemeinsam haben, macht uns automatisch gleich. Dazu passt, dass der Faktor Religion eine auffallend randständige Betrachtung erfährt und immer wieder aus dem Fokus gerückt wird.

Der Klappentext weist Antweiler als "bedeutendsten Universalienforscher in Deutschland" aus. Das weckt den Verdacht einer Tunnelperspektive, zumal seine "menschelnde" Botschaft im multikulturellen Deutschland mit seinen Integrationsproblemen von den politischen und wirtschaftlichen Eliten dieses Landes als Silberstreif am Horizont geradezu verzweifelt herbeigesehnt wird. Aber Antweiler irrt sich, wenn er den "Kampf der Kulturen" als Medienereignis abtut. Hier spürt man deutlich, dass das Buch vor dem Schweizer Minarett-Verbot und dem Sarrazin-Buch geschrieben wurde. Stattdessen bemüht Antweiler die Familie als Metapher für die Menschheit und setzt noch leere Plattitüden drauf. Doch wie wenig tragfähig diese Metapher im Alltag ist, zeigt sich in jenen Wohngebieten unseres Landes, wo autochthone Deutsche mit muslimischen Migranten Tür an Tür wohnen. Ein breites Thema, dass nur darauf wartet durch ethnologischen Feldforschung erschlossen zu werden. Denn die gegenseitige, tiefe und oftmals konfliktträchtige Abneigung zwischen einander kulturell entfernt stehenden Ethnien im gleichen geographischen Raum - auch sie ist eine Universalie.
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am 20. November 2009
Wer sich bündig oder gründlich zum Thema informieren möchte, dem ist von Antweilers Buch leider abzuraten. Allzu häufig wird über persönliche, arg raffungsbedürftige Erlebnisse geplaudert (bis hin zur Notiz, der Autor habe sich "in der Cafeteria gestärkt") oder mit großen Schritten durch Theorien und Begriffe geschwankt, nur, um triviale Schlüsse zu ziehen. Wer sich davon selbst überzeugen möchte, der mag einmal, zum Beispiel, das Kapitel zur Kunst überfliegen (S. 83ff). Dort findet man dann auch solche Missgriffe wie die Bemerkung, steinzeitliche Höhlenmalereien würden Menschen und Tiere "in genialer [!] Konzentration auf das Wesentliche" darstellen. Hier etwa ist, bei allem Verständnis für einen populären Ton, dann doch zu schlampig formuliert worden.

Das Buch ist also eher gelegentlich und nebenher Lesenden zu empfehlen, die sich nicht ärgern, für ihr Geld nur dürftig informiert zu werden.

Hinweis: Diese Rezension bezieht sich nur auf die ersten hundert Seiten des Buches; danach habe ich lieber im Kundenmagazin der Deutschen Bahn geblättert.
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