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Kundenrezensionen

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am 30. Dezember 2012
Dies ist das dritte Buch um Mattie Junghans. Auch wenn es besser wäre, die ersten beiden Bände zu kennen, kann man mit diesem Band einsteigen.

Aufbauend auf realen Ereignissen, zwei Menschen werden 1992 an der deutsch-polnischen Grenze erschossen, entwickelt Kröger eine fiktive Geschichte um die Ereignisse, die hauptsächlich 2012 spielt. Die Protagonistin Mattie Junghans klärt mit Hilfe verschiedener anderer Personen die Ereignisse weitgehend auf.

Mich hat dieses Buch mit einer sehr ambivalenten Meinung zurückgelassen.

Positiv sind für mich die Schilderungen der politischen und sozialen Situationen der Roma, die ich nach meinem Kenntnisstand als ziemlich realistisch empfand, vielleicht manchmal sogar noch zu positiv dargestellt. Die Anprangerung von Rassismus und die Entwicklung rechter Gesinnung, in diesem Fall in den neuen Bundesländern, hat mich ebenfalls überzeugt.
Auch die Dynamik der Erzählung und die Betrachtung der Ereignisse aus den Sichtweisen der verschiedenen Personen hat mir gut gefallen. Ich hatte keine Schwierigkeiten diesen Wechseln zu folgen. Einige Rezensenten bemängeln die ihrer Meinung nach einfache, fast banale, manchmal etwas brachiale Sprache. Ich fand sie für dieses Buch passend.

Negativ waren für mich die Eindimensionalität der Charaktere, die Überspitzung, wodurch sie für mich unglaubwürdig wirkten. Gerade Mattie blieb mir als Heldin mit ihren plakativ dargestellten Problemen, sie bekommt ihr Leben nicht auf die Reihe und doch erscheint sie wie eine Superfrau, zu abstrakt und fremd.
Alle Charaktere sind eindeutig schwarz oder weiß konzipiert. Die "Helden" haben ausschließlich die richtigen, die nach der Meinung der Autorin positiven Ansichten, nach denen sie konsequent als Gutmenschen handeln.
Um die Ungerechtigkeit gegenüber den Roma darzustellen, werden diese ebenfalls ausschließlich als integere Charaktere skizziert und wenn sie unseren Vorstellungen widersprechen (Unterdrückung der Frauen, bedingungsloses Patriarchat etc.), dann wird das als zu akzeptierendes kulturelles Erbe dargestellt.
Es ist lobenswert, wenn die Autorin die Vorurteile und den Rassismus anprangert, doch um dieses zu verstärken, werden alle Deutschen, die in der Erzählung vorkommen, und die nicht als Helden für das Gute selbstlos kämpfen, ebenfalls klischeehaft mit platten Eigenschaften belegt. Das, was angeprangert wird, die Vorurteilen gegen die Roma, wird gegenüber den Deutschen mit Wonne in diesem Buch praktiziert, die Kultivierung von Vorurteilen.
Natürlich gibt es diese Typen so wie sie beschrieben sind, worüber man sich die Haare ausraufen kann, aber diese einseitige Darstellungen, diese flache Kategorisierung finde ich mühsam und unrealistisch. Nachdem ich dieses Buch gelesen habe dachte ich, an unserem Leben könne man eigentlich nur noch verzweifeln.

Die Geschichte, die Kröger um die tatsächlichen Ereignisse entwickelt hat finde ich sehr interessant. Mir ist aber die Auflösung etwas zu nebulös und am Ende hin flach geblieben. Ich habe das Buch mit Interesse gelesen, aber wirklich gefesselt hat es mich nicht. Ich würde es auch weniger einen Krimi nennen, als vielmehr ein politisches Sozialdrama. Trotz aller Kritik empfehle ich die Beschäftigung mit der Materie durch dieses Buch.
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am 7. August 2015
Das Buch beschreibt die Verhältnisse in einer Gegend, die sonst selten im Mittelpunkt steht: Grenzüberschreitungen in Vorpommern - sowohl als Grüne Grenze als auch in Form rechter Gewalt. Die Verquickungen der verschiedenen Handlungsstränge nehmen nach und nach Kontur an und klären sich erst am Ende des Buches vollständig auf - wie es sich für einen spannenden Krimi gehört. Dass dieses Buch auf wahren Begebenheiten basiert, macht es so hautnah. Ich blieb am Ende betroffen zurück, hatte viel dazugelernt und mich auch sehr gut unterhalten. Was könnte ein Buch noch mehr bieten?
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am 15. März 2013
"Sie braucht einen Platz in dieser Stadt. Ihren Platz. Nicht wie ein Hund unter dem Tisch von Monsieur Nick und seiner Diplomatenfamilie.
Wuff!. Danke für den Knochen. Und erst nicht als lebendes Ausstellungsstück.
Treten sie näher! Norddeutsches Halbblut, kurz vor vierzig, ungebunden, kinderlos, ohne festen Wohnsitz. Sehr anhänglich. Vorsicht, beißt!"

Solche lakonischen, assoziativen und ironischen Beschreibungen sind eine der Stärken von Merle Kröger. Ob rumänischer Deutschlehrer mit Liebe zum Death-Metal und Hausbesetzervergangenheit,
Touristenstampeden in Berliner Szenebezirken, der verwaistheit karpatischer Vorstädte, von der engagiert-evangelischen Pastorin mit PC-Reflexen bis zur Romni mit Architekturambitionen,
jede Beschreibung sitzt.
Man sollte halt nur über das schreiben, was man kennt. Diese Binsenweisheit hat Merle Kröger wohl beherzigt.
Dass der Roman aus der Arbeit an dem Dokumentarfilm "Revision" hervorging, wurde ja mehrmals erwähnt.
Auch Bollywood und Bombay-Schilderungen scheinen quasi aus erster Hand zu stammen.
Wer in der Internet Movie Database nachschaut, findet dort Merle Kröger als Co-Autorin des indischen Filmes "Afia Megha Abhimanu Omar".

Und "filmisch" passt als Characterisierung für das Buch. Die Hauptfiguren sind liebevoll gezeichnet, mit einigen "menschlichen" Widersprüchlichkeiten, was das "Grenzfall" lebendig macht.
Doch von der Warte des reinen Krimis gesehen - und "Grenzfall" ist einer - gibt es doch am Schluss ein paar für mich ärgerliche Deus Ex Machina Momente.
So werden z. B. zwei Nebenfiguren für den Plot wichtige Handlungen begehen, doch das tun sie scheinbar "Out of Character" und ein Hinweis auf ihre Motive fehlt.

Dennoch halte ich "Grenzfall" für extrem lehsenswert, vor allem, weil das Buch sehr erfrischend mit ethnischen Klischees aufräumt.

Doch wegen der Plotlöcher nur vier Sterne anstatt der ansonst verdienten 5...
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am 19. Dezember 2012
Ich habe den Krimi aufgrund der Vorschusslorbeeren in der Die Zeit gekauft, was ich sonst eigentlich selten mache, und kann dies nicht ganz nachvollziehen: die Sprache finde ich rümpelig, die Charaktere holzschnittartig und die zu vielen Handlungsstränge verwirrend und die Geschichte vor allem zum Ende hin unglaubwürdig. Positiv: der Krimi war wenigstens so spannend, dass ich zu Ende gelesen habe.
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am 26. Oktober 2015
Inhalt: 1992 gab es im deutsch-polnischen Grenzgebiet einen Zwischenfall, bei dem 2 Roma erschossen wurden. 20 Jahre später wird Mattie Junghans, eine Frau‚ ohne festen Lebensentwurf, mit diesem Vorfall konfrontiert und geht daran, die Wahrheit herauszufinden. Fortsetzung von Krögers Roman ‚Kyai‘.

Kritik: Asyl oder nicht Asyl, darf für ein reiches, demokratisch-regiertes Land, keine offene Frage sein.
Anfang Oktober musste ich wegen einer Beinoperation ins Krankenhaus. 50 % meines Gepäcks, zumindest aufs Gewicht bezogen, bestand aus Büchern. Eins davon war Krögers Roman Grenzfall. Natürlich hatte ich mich überschätzt, denn nach der OP konnte ich mich lange nicht konzentrieren, sodass das Lesen nur sehr oberflächlich gelang. Mit oben erwähntem Roman, nahm meine Konzentration von Seite zu Seite zu. Trotz der ernsthaften Problematik, freute ich mich schon bald aufs Weiterlesen, wenn ich durch die Behandlung von Ärzten oder Schwestern, Essens-pausen, Pflichtspaziergänge oder die Nachtruhe, davon abgehalten wurde. So verständlich nah, wie durch dieses Buch, bin ich den Roma nicht einmal bei direkten Begegnungen gekommen. Kröger schreibt über das brandaktuelle Thema glaubhaft realistisch, politisch kritisch und dennoch abenteuerlich spannend. Die manch-mal verkürzte Schreibweise, mit sehr knappen oder halben Sätzen, gefällt mir sehr gut, weil es den Fortgang der Geschichte beschleunigt und den Inhalt nicht verwässert. Die erfreuliche Sachlichkeit, die offensichtlich auf einer gründlichen Recherche zu diesem Thema basiert, besticht und überzeugt den Leser. Mir ging beim Lesen immer wieder durch den Kopf, dass die unwürdige Behandlung mittelloser, hilfsbedürftiger, notleidender oder besitz-loser Menschen durch Begüterte, vergleichbar mit Rassismus ge-gen nationale Minderheiten ist. Das vor allen Dingen deshalb, weil das Wort Rassismus sogar konservative Politiker aufschreckt und zu einer Reaktion zwingt. Leider kümmern sich Politik und Massenmedien heutzutage aber nur um eng gefassten Rassismus, sodass die rechte politische Bewegung einen gewaltigen Auftrieb erhält. Warum übersehen die regierenden von CDU/CSU und SPD bewusst diese Zusammenhänge? Wollen sie damit vorsätz-lich uns sogenannten kleinen Leute gegeneinander hetzen? Damit verhindern, dass die große Masse sich geschlossen gegen die etablierte Macht richten könnte? Das scheint offensichtlich sehr gut zu funktionieren. Die Nazis blühen, eingebettet in diesen Strudel von Für und Gegen-Demonstrationen, wieder auf. War das nicht 1933 genauso?
Krögers ‚Grenzfall‘ ist ein sehr wertvolles Buch, dem ich eine noch viel größere Leserschaft wünschen würde.

Bewertung:
1. Inhalt, Story (Faktor 1): Brandaktuelles Thema glaubhaft realistisch, politisch kritisch, abenteuerlich-spannend verfasst.
Bewertung: 5
2. Der Sachverhalt (Faktor 1): Eine gekonnte Mischung aus Phantasie und Realität eingebettet in das Leben eines kleinen Wandervolkes. Es geht um Emigranten, Asylanten, Grenzgänger, Fluchthelfer, …
Bewertung: 5
3. Der Stil (Faktor 1) ist flüssig, erfrischend kurzweilig, mit ab und zu sehr kurzen Sätzen, nie langweilig.
Bewertung: 4
4. Recherchen (Faktor 0,5) sind überprüfbar und insgesamt glaubhaft.
Bewertung: 5
5. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind ausreichend gut beschrieben.
Bewertung: 4
6. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Die Kritik an Politik und menschlichem Verhalten ist scharf, gerecht und absolut zutreffend.
Bewertung: 5
Summe der Bewertung: 5
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am 21. Juli 2013
Merle Kröger teilt ihr Buch in zwei Hälften ein: die ersten Seiten beschreiben Ereignisse von vor über 20 Jahren, die zweite Hälfte lässt diese Ereignisse unter neuen Gesichtspunkten aufleben.
Das Thema ist dabei durchaus interessant gewählt, aber die Umsetzung gelingt Kröger nur im ersten Teil. Der schnelle Wechsel der Kapitel hat dort den gewünschten Effekt, das Geschehen hektisch und unübersichtlich zu machen - das sorgt durchaus für Sogwirkung, auch beim Lesen.
Diesen Stil behält Kröger jedoch auch im zweiten Teil bei und verschärft ihn dort sogar noch, indem sie auch Sätze, vor allem der Protagonistin Mattie, meist nur unvollständig wie in einer Art Telegramm- oder Gedankenstil lässt. Dies wirkt sehr gekünzelt und aufgesetzt und ist nach einigen Seiten nur noch abgedroschen und fade.
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am 8. März 2013
Ich hatte nur eine herausragende Rezension über diesen Krimi gelesen, nachdem ich im Radio gehört hatte, dass er sogar mit dem dt. Krimi-preis ausgestattet worden ist. Deshalb habe ich ihn mir auch bestellt, mit durchaus hohen Erwartungen.

Nun habe ich mich durch die ersten 80 Seiten gequält, die nur zäh und zeitraubend sind: ein Langweiler der übelsten Sorte. Die Figuren in dieser Geschichte sind zahlreich, und jede für sich ist völlig uninteressant. Mit keiner kann ich mich identifizieren, keine amüsiert, ärgert oder berührt mich in sonst irgendeiner Weise. Eine der Personen hats nun erwischt - auch egal. Ich will gar nicht wissen, wie der Verursacher des Todesfalls ermittelt wird oder ob das überhaupt geschieht.

Dieses Buch ist für mich nicht unterhaltsam, und ich sehe keinen Grund, es zu Ende zu lesen.
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am 5. Dezember 2012
Als erfahrene Krimileserin bin ich immer interessiert an Neuerscheinungen. Die Thematik ist spannend und brisant - was kann da schon schiefgehen? Nach ein paar Kapiteln wird klar - alles.
Die Handlung ist extrem konstruiert. Weil unsere "Heldin" ihre Bollywood Freunde zu Hilfe rufen kann, ein wahnsinnig guter Mensch ist, voll von sozialem Bewusstsein und echter moralischer Wut, Kung-Fu kann und dabei auch noch eine echte Rampensau ist, ist auch klar, dass sie praktisch alles lösen kann. Höchst unkonventionell, mutig, eine femme fatale.... Man bekommt das Gefühl, da wurde mal alles was Frauen (angeblich) sein wollen auf einen Charakter projiziert (Seltsam dass ich mich da nicht wiederfinden konnte).
Mattie, die alles kann.. und wenn es Mattie schlecht geht kann sie ihren hippen bollywoodfilmeschaffenden Freund in Indien anrufen der ihr ein Liedchen singt.

Ähnlich gekünstelt empfinde ich alle Figuren die in dem Roman auftreten. Der sehr mittelmäßige Schreibstil macht es nicht leichter. Erschwerend kommt hinzu, dass das Buch an praktisch keiner Stelle spannend oder unvorhersehbar ist. Ich habe das Buch zu Ende gelesen, bin allerdings auch mit der Autorin zu Ende, was das Lesen anbetrifft.

Barbara Havers (Anm. Elizabeth George, weiblicher Hauptcharakter neben Insp. Linley), die kann ich glauben, Mattie Junghans - niemals wieder.
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am 9. April 2014
Was macht ein interessantes Buch aus? Die präzise Beobachtungsgabe der Autorin. Wenn sie um mehr als nur eine Ecke denkt. Und um mehr als nur eine Figur. Dann liest man ihr und dem Geschehen gespannt hinterher. Insbesondere, wenn alles – oder zumindest fast alles – tatsächlich passiert ist. Merle Kröger hat so ein Buch geschrieben. Ihr Roman Grenzfall spielt 1992 und 2012. 1992 überquert eine Gruppe Rumänen illegal die deutsch-polnische Grenze. Ihre Wanderung führt sie durch ein Feld kurz vor der Ernte, das Getreide steht also hoch, und hier sind ebenfalls ein westdeutscher Jäger und ein ostdeutscher Jagdführer (ein absurdes Paar) unterwegs. Die beiden, die sich gegenseitig ostwestbedingt tierisch auf die Nerven gehen, warten seit Tagen darauf, dass ihnen etwas vor die Flinte kommt. Der eine, weil er Kohle dafür geblecht hat, der andere, weil er Kohle dafür kriegt. Endlich ist es soweit: Es bewegt sich was im Feld. Schüsse fallen. Zwei der Rumänen sind tot.
Szenenwechsel. 2012, zwanzig Jahre später. Adriana, die Tochter eines der Opfer, ist nach Deutschland (wieder-) gekommen, um herauszufinden, was mit ihrem Vater wirklich in diesem Feld passiert ist. Der Prozess gegen die beiden Jäger hat sieben Jahre gedauert, am Ende wurden sie freigesprochen. Nur einer unter vielen Skandalen war, dass die Familien in Rumänien weder etwas von dem Tod der beiden Männer erfuhren noch von dem Prozess. Sie hatten keine Ahnung, was aus den Menschen Leuten geworden war.
Dies verhandelt Merle Kröger zentral in ihrem Buch: Die gleichgültige Einstellung der Behörden, der Bürokratie, und der alltägliche Rassismus. Heute wie damals. Die Frage, ob die beiden Schützen 1992 tatsächlich schuldig waren, interessiert sie weniger. „Grenzfall“ ist kein Ermittlerroman, in dem ein Kommissar als gerechter Sieger aus einem Mordfall hervorgeht. Es geht darum, was für Auswirkungen solche Ereignisse auf die Betroffenen haben, die Familie, die Freunde, auch die Einwohner jener fiktiven Stadt Kollwitz in Mecklenburg-Vorpommern, in der sich das zentrale Asylbewerberheim befindet.
Kröger lässt in dem Buch einen Fall aufleben, den es tatsächlich gegeben hat. Im Sommer 1992 fanden zwei Roma nahe der polnischen Grenze den Tod, als sie von Jägern erschossen wurden, die wohl dachten, es handle sich um Wildschweine. Zu diesem Fall gibt es auch einen Dokumentarfilm, den Merle Kröger zusammen mit Philipp Scheffner gedreht hat, in dem viele Betroffene – auch aus Rumänien – zu Wort kommen. Die Story wird uns halbfiktiv aus verschiedenen Perspektiven erzählt: aus der Perspektive der Täter, der Opfer, der Familien der Opfer, einer Tochter und nicht zuletzt aus der Perspektive von Matti Junghans, die in einer Berliner Anwaltskanzlei arbeitet. Sie ist vielschichtig, eine interessante Gesellschaftsstudie, genreunabhängig. Und hochaktuell. Auch heute noch werden in Deutschland eintreffenden Roma als Willkommensgruß Pritschen in Turnhallen aufgebaut, nach dem Motto: „Wir sind hier nicht bei Wünsch dir was.“
Merle Krögers Roman hält viele Überraschungen und Wendungen bereit und viel authentischen Dummsprech. Etwa, wenn auf einem Zettel, der mit einem Stein durchs Fenster geworfen wird: „Wir wollen keine abstoßende Asylantensiedlung werden, sondern ein Stadtteil, wie es unserer Nähe zur Küste entspricht.“
„Grenzfall“ ist ein Roman, der emotional sehr dicht erzählt ist. So dicht, dass der Griff zur Weinflasche irgendwann nicht mehr ausbleibt. Ja, die Rezensentin gesteht, dass sie diesen Roman unter Alkoholeinfluss zu Ende gelesen hat.
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am 8. Dezember 2012
Das ist ja mal eine positive Überraschung auf dem mit Regionalkrimis absorbiertem deutschen Krimi-Markt.
Anhand eines völlig verkorksten Jagdausflugs im ostpommerschen-polnischen Grenzgebiet zu Zeiten der Wende erzählt die Autorin die Geschichte eines zweifachen Mordes an rumänischen Asylanten (denn das waren die späteren EU-Bürger damals ja noch), und dessen Aufkärung 20 Jahre später. Die mehr oder weniger unfreiwillige Detektivin, Mattie Junghans, ein im Campingbus lebender Hippie, macht sich auf nach Transsilvanien und spürt dort die Nachkommen der zu den Roma zählenden Mordopfern auf.
Die Autorin spielt gekonnt mit den Klischees und Voruteilen in den Köpfen aller Beteiligten, was aufgrund der bunt zusammengewürfelten Figuren
(evangelische Pastorinnen, vorpommersche Jäger, hessische Bonzen, fahrendes Volk und Berliner Yuppies) ungemein abwechslungsreich zu lesen ist.
Die Kapitelaufteilung mit Ort-und Zeitangabe erleichtert den Lesern die Orientierung. Womit auch schon ein paar negative Dinge zu nennen wären, denn zuweilen ist die Handlung arg überfrachtet mit immer wieder neuen Figuren. Hier wäre es sicher einfacher gewesen, sich nur auf die Nachkommen eines der Mordopfer zu beschränken. Und Action-Szenen kann die Autorin auch nicht.
Aber das ändert nichts an dem Gefühl, einen ungemein spannenden deutschen späthistorischen Kriminalroman mit bildhaften Einblicken in die europäischen Regionen gelesen zu haben. Und unbedingt positiv ist auch, dass die Autorin dabei ohne den unseligen geografischen und kulinarischen Lokalkolorit deutscher Regionalkrimis auskommt. Unbedingt lesen !
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