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am 17. Juli 2011
Der 26. April 1986 ging als der Tag der bislang schlimmsten weltweiten Nuklearkatastrophe in die Geschichte ein. 25 Jahre vor dem Fukushima-Gau bekam die Welt zum ersten Mal einen Eindruck davon, wie umfassend die globalen ökologischen Folgen einer solchen Katastrophe sind.

Das Hörstück 'Gespräche mit Lebenden und Toten' von Swetlana Alexijewitsch rückt die unmittelbar betroffenen Menschen in den Fokus. Es geht nicht um wirtschaftliche Interessen, es geht nicht um Langzeitfolgen. Es geht darum, wie Menschen von heute auf morgen ihre Lieben verlieren. Wie sie ihr zu Hause verlassen müssen. Wie unfähig die offiziellen Stellen reagieren, wie dilettantisch Menschen unwissentlich in ihr Verderben geschickt wurden. 'Aus dem Reaktor strahlte es. So schön kann der Tod sein.'

Ich habe selten ein verstörenderes Hörstück gehört. Die Geschichten sind real, und der Verstand des Hörers will sich vor dieser Vorstellung schützen. Die Grausamkeit der falschen und zu späten Entscheidungen wird aus vielen verschiedenen Sichtweisen beschrieben. Die Frau eines Feuerwehrmannes, ein Soldat, der die Haustiere erschießen soll, Ein Hilfstrupp, der verstrahlte Erde verscharrt, ein Landstreicher, der durch die unbewohnten Ruinen des verstrahlten Ortes schlendert.

Diese berührenden Schicksale stehen im krassen Gegensatz zu der nüchternen, distanzierten Sprache, in der sie wiedergegeben werden. Nicht nur textlich, sondern auch in ihrer stimmlichen Interpretation. Ilse Strambowski, Peter Gavajda, Viola Morlinghaus und Konstantin Graudus inszenieren die Aussagen der Zeitzeugen distanziert und kalt. Das steht im krassen Gegensatz zu der Emotionalität, die zwangsläufig bei zu Empathie neigenden Hörern entsteht.

Zwischen den Monologen sind leise Geräusche vernehmbar. Geräusche einer Geisterstadt? Es ist jedenfalls enorm bedrückend.

Das Hörspiel stammt aus dem Jahr 1998 und wurde auf Grund der Fukushima-Katastrophe vom Hörverlag wiederveröffentlicht. Und das ist auch gut so, denn nach dem Hören dieses Hörstückes, wird vermutlich mancher Konsument seine Einstellung zur Atompolitik neu überdenken. Es sind die Fühlbar gemachten Folgen eines für uns weit entfernten, abstrakten Vorfalls.

Sehr hörenswert!
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am 12. Februar 2016
Liebe Swetllana, ich danke Dir für Deine aufopferungsvolle Arbeit. Iris Radisch irrt in der "Zeit", wenn sie schreibt, dass wäre nur Journalismus. Diese gute Frau hat nichts begriffen... Dein Buch/Hörbuch es ist aufwühlende Anklage, ein Fanal der Menschheit...
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am 23. Dezember 2015
Als Hörbuch unbedingt zu empfehlen. Die Katastrophe war damals für mich der erste erlebte Atomunfall, der trotz der großen Entfernung zum Geschehen einen besonderen Eindruck hinterlassen hat. Jetzt, nach fast 30 Jahren, wirken die "Gespräche" immer noch sehr eindrücklich. Sicher, keine leichte Kost, aber empfehlenswert um das Geschehene zu verstehen und zu verarbeiten.
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