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Kundenrezensionen

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am 4. Dezember 2012
Meiner Rezension bezieht sich auf die gebundene Ausgabe mit der Übersetzung von Herrn Röhl. Mir hat der Stil der Übersetzung sehr gut gefallen, allerdings hatte ich vergessen was für ein Wälzer Anna Karenina wirklich ist, da ich eine sehr alte Ausgabe des Buches noch von meinen Eltern besaß mit hauchdünnem Papier. Der Leser tut also gut daran sich zu überlegen welche Ausgabe er nun wirklich kauft!

Noch eine Anregung an Amazon, es wäre wesentlich übersichtlicher für jemanden der für seine Kaufentscheidungen die Rezensionen benützt, wenn sie genau unter dem Produkt befinden für das sie ursprünglich gedacht waren! Ich fange nichts mit einer Rezension z.B. über die Kindle Ausgabe an, wenn ich sie unter einer komplett anderen Ausgabe habe. Wenn die Rezension zu einem Kindle Produkt suche muss ich mich oft erst durch die Buchrezensionen wühlen bevor ich die richtigen Buchrezensionen finde. Wobei das mit Kindle nur ein Beispiel ist, oft sind die Rezensionen zusammengewürfelt und beziehen sich auf verschiedene Ausgaben. Wäre günstig wenn Amazon das ändern könnte, Danke!
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am 19. November 2015
Im Palais des Fürsten Oblonski hängt der Haussegen schief: Darja hat ihren Mann Stepan der Untreue mit einer ehemaligen Kinderfrau überführt und trägt sich nun gar mit Trennungsgedanken. Eine Scheidung aber kann sich der lebenslustige Fürst schon gar nicht leisten, weshalb er fest darauf hofft, bei dem Besuch seiner bei allen beliebten Schwester Anna könne diese für ihn ein Wort bei seiner Frau einlegen. Bereits in Moskau eingetroffen ist der Gutsherr Konstantin Lewin, ein Freund Oblonskis aus Jugendjahren, der seinerseits Eheabsichten gegenüber Darjas jüngerer Schwester Kitty hegt. Diese aber hofft auf einen Antrag von Fürst Alexej Wronski, einem schnittigen Offizier und Lebemann. Als Oblonski seine Schwester am Petersburger Bahnhof abholt, trifft er Wronski, der mit dem gleichen Zug seine Mutter erwartet. Die schöne Anna Karenina wird mit Wronski bekannt gemacht und was zwischen ihnen knistert ist nicht nur die frostige Winterluft.

Schon mit wenigen realistischen Schilderungen hat uns Tolstoi in seine große Geschichte und damit in das wirre Geflecht der menschlichen Gefühle und Beziehungen hineingezogen, in dieses alte, aber immer wieder neue Durcheinander von Sehnen und Eifersucht, Vernunft und Begehren, Stolz und Verschmähung, Liebe und Hass. Auch wenn die gesellschaftlichen Zwänge, denen Tolstois Figuren unterliegen, heute nicht mehr auf den Menschen lasten, an dem Gefühlschaos, dem sich Liebende ausgesetzt sehen, hat sich bis heute nicht geändert. Und weil Tolstoi dies auf so lebensnahe, bildhafte Weise schildert, hat auch sein grandioser Roman nichts von seiner Anziehungs- und Aussagekraft verloren.

Zwar spielt Annas zerstörerische Beziehung zu Wronski die zentrale Rolle im Roman, doch eigentlich schildert uns Tolstoi am Beispiel von drei korrespondierenden Liebesbeziehungen das ganze Spektrum der Beziehung zwischen Mann und Frau. Die parallele Erzählweise ermöglicht ihm zudem, den Blickwinkel auf die entstehenden Situationen zu verändern, das Handeln seiner Figuren aus anderer Perspektive zu reflektieren. In kunstvollen Übergängen leitet er die Handlung von einer Person zur anderen, führt den Leser praktisch im Kreis, so dass vor dessen innerem Auge ein Panorama entsteht, in welches sich jede Einzelgeschichte malerisch einfügt.

Aber Tolstoi wollte nicht nur über die Beziehung der Geschlechter schreiben, er wollte auch ein Zeitgemälde Russlands im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entwerfen. Und so begleitet der Leser Tolstois Protagonisten nicht nur in den großen Städten durch Ballsäle, Theater, Clubs und Salons, sondern er reist auch mit ihnen aufs Land, über Felder und Wiesen, durch Wälder in abgelegene Flecken, wo die Menschen noch natürlich und urwüchsig sind. Es werden Gespräche zur Frauenfrage, zur Schulbildung oder zur Organisation der Landarbeit geführt, was Tolstoi Gelegenheit gibt, gegensätzliche Auffassungen darzulegen und Argumente zu messen. Das alles eröffnet sich im Roman als Bestandteil der Handlung, unmerklich und ungezwungen, so dass es nie störend oder unpassend wirkt. Diese Erzählkunst verlangt vom Leser natürlich auch eine gewisse Bereitschaft, jeder Schilderung in ihrer ganzen Breite zu folgen, denn dieses Buch ist nichts für ungeduldige Leser.

Es kann hilfreich sein, sich neben der Lektüre mit Tolstois Lebensdaten zu befassen. Das Leben, das er in "Anna Karenina" beschreibt, kannte er genau. Besonders in der Figur des Lewin finden sich Bezüge zum Schriftsteller selbst (Lewin und seine Frau sind zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit genau so alt, wie es Tolstoi und Sofia Behrs waren, als sie heirateten). Lewins sozialutopische Vorstellungen zur Organisation seines Gutes, seine Suche nach dem Sinn der Religion und die Frage nach dem privaten Glück des Individuums waren Probleme, die auch Tolstoi umtrieben. Und es ist nicht zufällig Lewin der im letzten Buch des Romans noch einmal breiten Raum einnimmt, dessen Vorstellungen seiner Zukunft und seines Platzes auf der Welt über den Rahmen der Handlung hinausweisen. In Lewin stellte Tolstoi den immer suchenden Geist dar, der er selbst war.
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am 24. September 2009
Diese Rezension bezieht sich ausschließlich auf die 2009er Ausgabe des Fischer-Taschenbuch-Verlags Frankfurt a.M., 1304 S., übersetzt von Hermann Röhl, mit einem Werkbeitrag aus aus dem Neuen Kindlers Literatur Lexikon:

Ich habe selten ein Buch gelesen, das so viele Fehler enthält. Zum Teil sind die Fehler dem Übersetzer geschuldet (dem Lektorat hätten sie natürlich trotzdem auffallen müssen), so wird aus "ineinander" "durcheinander" oder der "Kontrahent" sollte zum "Konkurrent" werden, stehen blieb aber ein "Konturrent". Zum Teil befinden sich auch einfach nur Zeichen an Stellen, an die sie nicht gehören, z.B. steht einmal völlig deplaciert mitten im Text eine schließende Klammer.

Hinter der Ausgabe stecken viele gute Gedanken (z.B. ist das Papier sehr dünn, sodass dieses Mammutwerk trotz angenehm lesbarem Schriftbild mit ausreichendem Rand und Zeilenabstand in ein Format passt, dass man problemlos überall mit hin nehmen kann, auch der Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon ist bereichernd), aber ein sorgsames Schlusslektorat sollte eigentlich Standard sein.
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am 1. März 2014
Vorweg: Die Übersetzung ist, obwohl in etwas altertümlicher Sprache, sehr gut lesbar und empfehlenswert, im Gegensatz zu anderen Editionen.
Anna heiratete in einer Zeit, in der noch arrangierte Ehen üblich waren, und machte eine sehr gute Partie. In einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in der sich die jungen Menschen zunehmend ihre Partner selber suchen, verliebt sie sich in einen anderen Mann. Diese Geschichte wird durch andere Erzählstränge (andere Beziehungen) kontrastiert. Ihr Bruder Stepan betrügt seine Frau, so dass die unterschiedlichen Konsequenzen für die Rollen bei Männern und Frauen zu beobachten sind. Die Bedingungen für eine gelingende neue Beziehung sind an der Gegenüberstellung der Beziehungen einerseits von Anna Karenina, und andererseits der Schwester ihrer Schwägerin, Kitty, mit Ljewin zu beobachten. Auch eine Reihe weiterer Beziehungen wird beleuchtet, um die Doppelmoral in der feinen, adligen russischen Gesellschaft aufzuzeigen.
Anhand von Ljewin, einem studierten adligen Gutsbesitzer, werden darüber hinaus viele Probleme menschlicher und gesellschaftlicher Natur aufgezeigt und diskutiert (Ende der Leibeigenschaft, Widerstand gegen Neuerungen, Suche nach Gott, Religion vs. Naturwissenschaft, Probleme auf dem Weg in Richtung Demokratie, Finanzen einer Familie, gesellschaftliche Zwänge in verschiedenen Kontexten, etc.).
Das alles ist psychologisch sehr fein beobachtet und sehr pointiert geschrieben. "Ein Sittengemälde der Zeit" wird so etwas gerne genannt. Durch die häufigen Änderungen der Blickwinkel werden auch den anderen Erzählsträngen immer neue Aspekte hinzugefügt. Die ungekünstelte und natürliche Erzählweise beschreibt und überlässt dem Leser die Bewertung, auch wenn durch die Gegenüberstellungen ganz bestimmte Schlussfolgerungen erwartet werden.
Obwohl ich mich etwas geniere, hier meine ganz persönliche Kritik an diesem Klassiker der Weltliteratur (ein Sternchen Abzug): Anna Kareninas Geschichte nimmt einen eher kleineren Teil der Geschichte ein. Die kontrastierenden Geschichten, insbesondere die von Ljewin, den man vielleicht als den "Helden" des Romans bezeichnen könnte, nehmen mehr Raum ein und dienen (nicht zufällig) als Aufhänger für die Beschreibung der o.g. gesellschaftlichen Probleme. In Anbetracht des Titels geht das etwas am Thema vorbei.
Die vielen verschiedenen Themen des "Sittengemäldes" waren mir zu viel, vielleicht wäre ein Historiker begeistert, mir erschienen sie häufig als isoliert innerhalb der Geschichte, nicht wirkliche zwingend und auch im Grunde ohne Folgen für den Fortgang der Geschichte. Daher kann man überlegen, ob es nicht dem Roman gut getan hätte, ihn etwas zu straffen. Dabei hatte ich aber nie den Eindruck, dass der Autor "ins Schwafeln" kommt oder sich verfranst, sondern dass er ganz bewusst und gezielt die verschiedenen Themen aufzeigt und diskutiert. Trotzdem musste ich mich zwischendurch immer wieder zum Weiterlesen motivieren, obwohl die verflochtenen und kontrastierenden Erzählstränge durchaus spannend waren.
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am 28. Juli 2015
Nachdem ich vor etwa einem Jahr 'Krieg und Freiden' von Tolstoi begeistert innerhalb eines Monats gelesen hatte, habe ich mich nun Anna Karenina zugewandt. Die Geschichte gefällt mir sehr gut, aber da ich nicht mehr so viel Zeit zum Lesen habe wie noch vor einem Jahr, zieht es sich auch etwas. Die Handlung ist nicht so dicht, wie das bei zeitgenössischer Literatur üblich ist. Sprachlich ist es aber nicht schwer zu lesen.

Qualitativ ist das Buch gut. Es ist ordentlich gebunden. Das Papier ist dünn, aber das ist bei einem so dicken Buch aus meiner Sicht eher ein Vorteil.
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am 25. Februar 2014
Ein Klassiker der Literaturgeschichte. Es ist trotz der vielen handelnden Personen und den russischen Namen(svarianten) verständlich geschrieben. Besonders gefallen mir die dünnen Seiten, die einen richtigen Wälzer wie Anna Karenina kennzeichnen. Die Geschichte um Anna Karenina ist weltbekannt und dafür auch zurecht.
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TOP 500 REZENSENTam 21. Januar 2013
Anna Arkadjewna Karenina kommt von Petersburg nach Moskau, um im Ehestreit ihres Bruders Stepan Oblonski (Stiwa) zu vermitteln. Kitty, Stiwas Schwägerin, ist in den Grafen Wonski verliebt und hat in Erwartung seines Antrages den Heiratsantrag des Gutsbesitzers Konstantin Lewin abgelehnt. Auf einem Ball trifft Anna Wronski wieder, er hat nur noch Augen für die verheiratete Anna und die junge Kitty versinkt in ihrem Unglück. Anna, nur nach außen hin glücklich scheinend, mit dem hohen Staatsbeamten Alexej Karenin verheiratet, stürzt sich in eine Affäre mit dem jungen Offizier. Diese Liaison bleibt nicht ohne Folgen, Anna bringt ein Mädchen zur Welt. Mit ihrem Ehemann kann sie nicht weiter zusammenleben, sie verlässt ihn und den gemeinsamen Sohn, lässt alle Konventionen hinter sich und ist bereit den Preis zu zahlen. Für die Gesellschaft ist sie damit untragbar geworden. Gesellschaftlich fallen gelassen, moralisch verurteilt und isoliert lebend, den Sohn vermissend und die Tochter nicht liebend, wartet sie auf die Einwilligung des Ehemannes in die Scheidung. Doch er versagt ihr diese. Auch in der Beziehung zu Wronski ist große anfängliche Verliebtheit gewichen, Eifersucht, Unverständnis, Wut haben im Alltag Einzug gehalten. Man spürt ihre innere Zerrissenheit. Für Anna erscheint die Situation ausweglos.

Kitty hat nach einem längeren Kuraufenthalt in Deutschland erkannt, dass ihr Herz doch für Lewin schlägt. Beide heiraten und schon bald wird der Sohn geboren. Er ist zwar glücklich, die Frau, die er aufrichtig liebt, geheiratet zu haben, zufrieden ist aber auch er nicht. Er strebt nach Veränderungen im Landleben und arbeitet an einem Buch über seine sehr fortschrittlichen Visionen zur Modernisierung Landwirtschaft.

Stiwa und Dolly Oblonski stellen das Bindeglied zwischen diesen zwei Handlungssträngen dar. Beide haben sich arrangiert, der Ehebruch Stiwas, der zu Beginn des Romans die Ehe fast hat zerbrechen lassen, ist kein Thema mehr. Beide leben mehr oder weniger ihr eigenes Leben, geprägt durch ständige Geldprobleme, denn Stiwa ist noch immer der Lebemann, inzwischen nur diskreter.

"Anna Karenina" ist für mich ein Meisterwerk, das Buch der Bücher, schon x-mal gelesen ist mir dafür kein Superlativ zu platt. Tolstoi ist ein begnadeter Beobachter und meisterhafter Erzähler. Er schafft es Szenen so mit Worten zu illustrieren, dass sie einem wie ein Film vor Augen ablaufen, genannt seien dafür stellvertretend das Pferderennen, Lewins Jagd im Schnepfensumpf und Dollys Besuch bei Anna. Seine Protagonisten sind alle lebensechte Menschen, sie haben Stärken und Schwächen. Kein einziger ist nur gut oder nur schlecht. Dabei beschreibt er die Charaktere ausgefeilt, facettenreich und psychologisch fundiert, so dass der Leser bei ihnen mühelos eine Entwicklung verfolgen kann. Lew Tolstoi breitet in diesem Mammutwerk verschiedene Lebensphilosophen und Lebensstile aus. Setzt sich mit der Familie und dem Sinn des Lebens an sich auseinander und baut darum die Geschichte um die drei adligen Familien auf.

Der Roman hat mehrere Handlungsstränge, zwischen denen wechselt Tolstoi immer wieder in seiner Erzählung, so dass das Schicksal seiner Hauptpersonen auch aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Aber er arbeitet auch deutlich das Verbindende und Trennende zwischen den einzelnen Familien heraus, so dass wirklich der Eindruck entsteht, man kenne alle Protagonisten schon seit Jahr und Tag. Die Beschreibungen von Personen und Szenarien sind meist sehr umfangreich, bildhaft und detailliert. Aber beim Lesen der fast 1.300 Seiten kam nie Langeweile oder Ermüdung auf. Ich habe immer den Drang verspürt, mehr zu erfahren und weiter am Leben der Familien teilzunehmen. So wird dann letzten Endes deutlich, dass die glücklichen Familien einfach nur glücklich sind, sich die unglücklichen Familien jedoch in ihrem Unglück von einander unterscheiden.

Immer wieder werden "Effi Briest", "Madame Bovary" und "Anna Karenina", die großen Ehebrecherinnen in der Literatur, miteinander verglichen. Für mich ist Tolstois Werk auf Grund seiner Erzählkunst und seines Einfühlungsvermögens in die Charaktere der herausragende Roman. Etwas besseres und ausgereifteres habe ich in der Literatur noch nicht gefunden.
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am 11. März 2012
Mit diesem Satz beginnt Tolstois Werk der Weltliteratur "Anna Karenina" und er ist zugleich die beste und kürzeste Zusammenfassung, die es gibt.
Tolstoi zeichnet ein Portrait von drei Ehen bzw. Beziehungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Das Buch beginnt mit den Oblonskijs, die unzufrieden in ihrer Beziehung sind. Stiwa flüchtet sich in Seitensprünge und lebt auf verschwenderischem Fuße während Dolly sich um die Kindererziehung kümmert und sich um das Auskommen der Familie sorgt.
Ihnen gegenübergestellt sind die Karenins. Alexej ist ein hoher Beamter, der seinen Beruf sehr ernst nimmt und sonst ein eher verschlossener Mensch ist. Seine Frau Anna verliebt sich Hals über Kopf in Wronskij und sieht für sich keine Zukunft mehr in ihrer Ehe mit Karenin. Obwohl ihr ein Leben als gesellschaftliche Außenseiterin bevorsteht verlässt sie ihren Mann und muss ihren Sohn Serjoscha zurücklassen und stürzt sich in eine zunächst leidenschaftliche Beziehung zu Wronskij.
Kitty heiratet den Gutsbesitzer Ljewin, ein bodenständiger und ehrlicher Mensch. Es ist Liebe auf den zweiten Blick, aber diesen beiden gelingt es, durch ihre Aufrichtigkeit und durch eine große Portion Einfühlungsvermögen ihre Ehe in glückliche Bahnen zu lenken.

Ehrlich gesagt hatte ich vor der Lektüre dieses großen Werkes keine genaue Vorstellung, worauf ich mich einlasse. Mich hat dieses Buch tief berührt. Tolstoi beschreibt die Entwicklung und die Gefühlswelt seiner Protagonisten mit einer Intensität und einer Tiefe, die brilliant ist. Dabei bedient er sich einer ruhigen, stellenweise ironischen und mit Esprit versetzten Sprache, die sich sehr angenehm und genussvoll lesen lässt. Höhepunkte beim Lesen waren für mich dir Ernte- und Jagdszenen auf dem Land, ein regelrechter Sprachspaziergang. Herrlich!
Tolstoi ist ein zeitloses Werk gelungen. Er stellt exemplarisch zwischenmenschliche Konflikte dar, die heute noch ihre Gültigkeit haben. Dabei gelingt es ihm, die Beweggründe, inneren Konflikte und Gefühlswelten jeder einzelnen Figur zu beschreiben und herauszuarbeiten.
Die Titelheldin Anna ist eine durch und durch unglückliche Person, die ihr Seelenheil in vergänglichen Dingen sucht. Mit Schönheit und einer einnehmenden Ausstrahlung versehen entscheidet sie sich für die Liebe an der Seite Wronskijs. Doch auch in diese Beziehung zieht der Alltag ein, Sprachlosigkeit, stille Vorwürfe und Eifersucht dominieren. Das Paar ist gesellschaftlich isoliert und letztendlich zerbricht Anna daran.

"Anna Karenina" ist zu Recht ein Meisterwerk. Tolstoi spart nicht mit Gesellschaftskritik. Er beschreibt nebenbei die Anfänge des Kommunismus, beschäftigt sich mit so existentiellen Themen wie Geburt und Tod und den Sinn des Lebens.
Mich hat dieses Buch berührt und es hat Spuren hinterlassen. Eines der eindrücklichsten Bücher, die ich je gelesen habe.

Zu dieser Ausgabe:
Diese gebundene Ausgabe für knapp 10 € kann ich nur empfehlen. Die Schrift ist zwar etwas klein, das hat mich aber nicht gestört. Mit der Übersetzung von Hermann Röhl war ich zufrieden. Sowohl die englischen als auch die französischen Einschübe wurden in den Fußnoten übersetzt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 21. April 2010
Der Roman befasst sich mit zwei gegenläufigen Haupthandlungen, die durch zahlreiche Nebenhandlungen ergänzt und miteinander verknüpft werden. Die Gesamtheit des Textes bildet ein Kaleidoskop der russischen Gesellschaft zur Zeit Leo Tolstois.

Die russische Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts kommt nicht gut weg in diesem Buch. Ihre Verlogenheit, vorrangig die der vornehmen Damen der besseren Kreise, ist verantwortlich für Annas Selbstmord. Nicht wegen ihrer Beziehung zu Wronski wird sie geächtet, sondern wegen der Konsequenz, mit der sie für diese Beziehung eintritt, für die sie Mann und Sohn verlässt. Viele der naserümpfenden, intriganten, gelangweilten Damen haben ebenfalls außereheliche Liebesverhältnisse, doch diese werden toleriert, solange sie den Schein wahren und den Status Quo aufrecht erhalten. Anna aber lehnt sich gegen diese Heuchelei auf. Die gesellschaftliche Isolation, in die sie durch ihr Verhalten gedrängt wird, lässt sie zerbrechen. Wronski, der sein gewohntes Leben weiter führen kann und gesellschaftsfähig bleibt, da dem männlichen Part des Ehebruchs nichts vorgeworfen wird, erkennt ihre Notlage nicht. Zwar konstatiert er, dass sie sich verändert, was auch für ihn den Umgang mit ihr schwierig macht, doch stellt er den Zusammenhang zwischen dieser Veränderung mit ihrer gesellschaftlichen Isolation nicht her. Doch auch die Herren dieser Schicht, des Adels, des Militärs, Beamte, zeigen in ihrer Mehrheit Verhaltensweisen von spätrömischer Dekadenz. Ihr Tagesablauf besteht aus Essen, Trinken, Feiern, Spielen, dem Besuch von einschlägigen Etablissements und anderen Vergnügungen. Dass diese Herren für den Lebensunterhalt ihrer Familien auch etwas zu arbeiten hätten, ist kaum je zu erkennen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Land bei diesen gesellschaftlichen Strukturen einige Jahre später auf eine Revolution zusteuert.

Man kann sicher nicht mit den gleichen Kriterien an die Beurteilung dieses Buches herangehen wie an die eines zeitgenössischen Romans. Die Rezensenten sind voll des Lobes für Tolstois Anna Karenina. Doch bei aller Ehrfurcht vor diesem opulenten Werk müssen auch einige kritische Anmerkungen erlaubt sein.

Viele hervorragende innere Monologe sind ein hervorstechendes Merkmal des Buches. Tolstoi beobachtet und beschreibt sehr genau und nimmt auf diese Art exzellente Charakterisierungen und psychologische Deutungen vor. Er fügt viele Erfahrungen und Erlebnisse aus seinem eigenen Leben ein. Diese Ausführlichkeit und Genauigkeit ist die Stärke des Buches, aber zugleich auch seine Schwäche. Die bereits oben erwähnten Nebenhandlungen sind sehr zahlreich, und nicht immer sind sie für die Haupthandlung maßgeblich. Manche davon blähen das Buch unnötig auf. Fast ausnahmslos alle Szenen werden äußerst ausführlich dargestellt. Von den meisten Kritikern werden die sehr epischen Naturbeschreibungen wie die Heumahd oder die Bekassinenjagd sehr hoch gelobt. Für mein Empfinden wäre etwas weniger Detailreichtum an manchen Stellen auch ausreichend gewesen. Ich gebe zu, mich stellenweise gelangweilt zu haben. Ständig wiederkehrende Wiederholungen bei den Beschreibungen von Personen sowie ein Hin- und Her und sich im Kreis drehende Handlungen fand ich ebenfalls nicht anregend. Wie weit diese Mittel dem Geschmack der damaligen Zielgruppe geschuldet sind, vermag ich aus heutiger Sicht natürlich nicht zu beurteilen.

Ich hatte mich für die Fischer-Taschenbuch-Ausgabe entschieden, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass diese Edition sehr gut verarbeitet ist und selbst bei extremem Umfang nicht aus der Bindung geht. Diese Erwartung wurde auch dieses Mal erfüllt. Allerdings hat diese Ausgabe einige krasse Rechtschreib- und leider auch Wortwahlfehler. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass der Übersetzer Begriffe gewählt hat, die so offensichtlich nicht in den Zusammenhang passen, vermute ich, dass diese Nachlässigkeit dem Lektorat anzukreiden ist.

Der Roman bietet viel Nachdenkenswertes und und umfangreichen Gesprächsstoff. Allerdings bedingt die Lektüre auch, dass man sich für die Themen, die Zeit, die Handlung interessiert und Tolstois epischen Stil mag. Andernfalls wird man nicht nur Gefallen an diesem Buch finden.
Zusammengefasst lautet mein Urteil: man kann Anna Karenina lesen, muss man aber nicht.
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am 27. April 2014
Das Buch kam in sehr gutem Zustand an und in der gemeldeten Lieferzeit.
Das Buch an sich ist ein toller Roman und hat man sich erstmal mit den vielen Namen für eine Person gewöhnt kommt man auch gut damit zurecht.
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