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Kundenrezensionen

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Eduard und Charlotte, ein Ehepaar welches sich im zweiten Ehe-Anlauf fand, lebt zufrieden auf seinem Landgut und genießt die Zweisamkeit. Da kündigt sich unerwartet Besuch an - ein Freund Eduardens, der Hauptmann, kommt auf längere Zeit zu Besuch, ebenso wird Ottilie, die Nichte Charlottes, ins Haus aufgenommen. Eduard verliebt sich blindlings in die stille Ottilie, Charlotte und der Hautpmann finden sich ebenso in einer deutlich reiferen Liebe zueinander. Im Grunde genommen sind sich alle einig und könnten in den neuen Verbindung weiterleben, würde da nicht ein Unglück geschehen, welches Ottilie die unmoralische Seite der ganzen Situation dramatisch klar macht. Sie entzieht sich, schwört Abstinenz - und stirbt letzendlich.

"Die Wahlverwandtschaften" ist als Analogie aus der Chemie genommen, welche ziemlich am Anfang erläutert wird. Die Theorie sagt aus, daß zwei chemische Elemente, welche sich zueinander gezogen fühlen, keine Wahl haben als sich zu verbinden und daß das Hinzufügen eines Elements die friedliche Ruhe zweier anderer Elemente komplett zerstören kann.

Das Buch ist unfaßbar modern, da Goethe sich keinerlei Moralvorstellungen unterwirft. Eduard und Ottilie erleben vielleicht das, was so manch treuer Ehemann und liebender Vater beim Erscheinen des jungen Au-Pair Mädchen erleben mag - ob er es nun will oder nicht. Das heiterste Pahr sind ein Graf und ein Gräfin, welche - beide geschieden - munter und vergnügt ihre freie Beziehung erleben. (Diese stellen auch die interessante These auf, daß Ehen nur auf sieben Jahre geschlossen werden sollten. Wer sonst nichts aus dem Buch liest, sollte sich diese Passage durchlesen, welche auch munter von Frau Pauli in ihrem Wahlprogramm geklaut wurde.) Der Hauptmann und Charlotte sind die reifsten Personen und scheinen letztendlich bereit, sich aus dem ganzen Chaos auszuklinken um gemeinsam eine ruhigere Liebe zu erleben. Ausgerechnet Mittler, der immer für das moralisch korrekte sorgen möchte, tritt mit seinen Ausführungen immer wieder daneben. Von daher - absolut lesenswert..

Schwierig ist allerdings der Sprachstil. Ottilie ist schon sehr betulich, Eduard sehr naiv und leidenschaftlich und Charlotte gar so vernünftig. Beim Lesen (auch anderer Bücher von Goethe) bekommt man immer wieder den Eindruck, daß der gute Herr so gar keinen Sinn für Humor hatte und daher seine Figuren auch immer nur in bitterem Ernst oder würdiger Erhabenheit erleben läßt. (Daher auch die vier Sterne.) Wenn man sich aber darauf einläßt, dann bietet das Buch eine selbstvertändlich hochintelligente und auch schöne Lektüre.
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am 30. Januar 2000
Goethes Werk „Die Wahlverwandtschaften" zu beurteilen, bedeutet gleichzeitig, hinter den groben Handlungsablauf einer gescheiterten Ehe durch das Hinzutreffen zweier Personen zu blicken. Denn hier handelt es sich um den Beweis, daß im menschlichen Leben die gleichen Gesetze herrschen wie in der Natur. So wird der Mensch geleitet von magischen Anziehungskräften, möge man sie Schicksal oder Fügung nennen, die unbeherrschbar bleiben und denen durch Selbstüberwindung, Entsagung oder Ergebenheit begegnet werden kann. Es geht darum, mit der Natur zu leben, nicht gegen sie zu handeln, aber sich auch nicht von ihr einnehmen zu lassen. Sinnbildlich müssen Brücken gebaut werden, um zu einem Einklang zu gelangen; einem Einklang aus Feudalismus und Aufklärung, aus dem christlichen Glauben und der Mächtigkeit der Natur, aus der praktischen Vernunft und den leidenschaftlichen Gefühlen. Auf der Grundlage chemisch-biologischer Überlegungen schafft Goethe hier ein detailliertes Bild des Landadels zur Zeit der Aufklärung. Gesucht wird kein Schuldiger, keine Patentlösung für die perfekte Ehe, gesucht wird die Harmonie zwischen Natürlichem und Übernatürlichem, zwischen Abhängigkeit und Selbstreflexion, zwischen Verworrenheit und Erlösung. Diese vielfältige Thematik, gestützt auf die unübertreffliche Wortwahl des Autors, verhilft dem Leser zu dem außergewöhnlichen Einblick in die großen, unerkannten Zusammenhänge der Welt.
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am 12. September 2012
"Eduard - so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter - Eduard hatte in seiner Baumschule die schönsten Stunden eines Aprilnachmittags zugebracht..." Allein dieser einführende erste Satz. Der noch nicht ganz zu Ende ist - zu Goethes Zeiten war es noch erlaubt, weit auszuholen und Genuss auszudehnen!
Wir nennen ihn also Eduard. Wir. Die Leser. Goethe fragt uns nicht - er bestimmt: wir nennen ihn so. Wir nennen ihn Eduard - heißt: er heißt anders? Oder gibt es Eduard gar nicht, nicht mal unter anderem Namen? Ist Eduard nur ein Sinnbild? Wie seine Frau Charlotte. Zu ihr gesellt sich Otto, zu Eduard Ottilie. Namensverwandtschaften - ausgerechnet diese vier Menschen, von denen gleich drei das "ott" in sich tragen, unter einem Dach. Erst waren da nur Eduard und Charlotte, das Ehepaar. Sie haben sich auseinandergelebt. Langeweile macht sich breit. Sie sind sich räumlich nah und doch persönlich fern. Und dann kommen die zunächst räumlich Fernen und sind nah. Körperlich. Geistig. Und noch dazu erklärt Goethe: Wir können uns auch - geistig -nahe sein, wenn wir uns räumlich fern sind!
In diesem Buch lernte ich vor vielen Jahren, dass ein Kind mehrere Elternteile haben kann - auf eine wie ich fand zugleich unheimliche wie doch irgendwie logische Weise, dass es dem Menschen ähnelt, äußerlich, an den einer der körperlich Liebenden zum Zeitpunkt der Befruchtung dachte. Anziehung. Geist wird Körper. Geist dringt so sehr in die körperliche Sphäre - nicht nur von außen nach innen, sondern auch von innen nach außen -, dass sich die wahren Gedanken nicht (mehr) verheimlichen lassen. Eigentlich. Und doch verheimlicht werden. Gespenstisch? Nein, so ist es: spektakulär.
Wie Goethe diese Geschichte aufbaut, weiterentwickelt, webt. Wie er die Menschen und ihre Beziehungen zueinander setzt. Wie er variiert und spielt. Virtuos verschiebt er die Verhältnisse. Verschieben sie sich selbst. So ist das mit der Liebe, die hinfällt, wohin sie möchte: sie kann sich teilen. Wie die Menschen damit umgehen, ist auch abhängig davon, in welcher Situation sich jeder Einzelne befindet.

Eine grandiose Geschichte, erzählt von DEM Literaten überhaupt. Diese Sprache ist eine Wohltat. Hier konnte jemand noch wirklich erzählen. Er setzt sich zu uns - nein, er ist schon da, wir gesellen uns zu ihm, es geht los: "Eduard - so nennen wir einen reichen Baron..." Goethe, der alte Meister, nimmt uns bei der Hand und zeigt uns diese Welt eines reichen Barons. Die Welt der Reichen überhaupt, die wir bisher möglicherweise noch nicht kannten. Zudem sind wir schon in eine andere Zeit versetzt, wir bewegen uns - ganz selbstverständlich, wir merken es schnell gar nicht mehr - in der Vergangenheit. Weil Goethe die Vergangenheits-Form wählt und weil, seit er diese Wahl traf, auch schon einige Jahre ins Land gegangen sind.
Es war ein schöner Aprilnachmittag. Wir haben sofort Bilder im Kopf. Jeder Satz erzeugt eigene Bilder. Wie sieht ein schöner Aprilnachmittag aus? Sonne, nehm ich an. Es war sonnig. Eduard verbrachte die Stunden in einer - nein, nicht irgendeine, SEINE! - in seiner Baumschule.

Hier wird die Seele umhüllt und umspült von großartigen Worten und Stimmungen. Die Geschichte ist ungewöhnlich. Die Bezüge zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sind spannend. Die Symbolik trieft selbst aus jedem einzelnen Namen.
Ich habe dieses Buch - wie "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera (auch eines meiner Lieblingswerke) - nur einmal gelesen, aber immer wieder neu gekauft. Mit fast jeder neuen Ausgabe, die ich im Buchladen sah, erhielt ich wieder diesen Impuls: KAUFEN! Denn dieses Buch empfand ich als einfach wunderbar, und mancher Umschlag scheint besser zu passen als der andere - aber irgendwie passen sie alle. Zusammen. Es passt für mich zum Titel des Buches, dass sich mehrere inhatlich gleiche Werke zueinander gesellen, da sie ja optisch alle unterschiedlich sind. Die Vielfalt macht's.
Dieses Buch habe ich mir genussvoll einverleibt wie eine Praline, deren besonderen, erstaunlichen Geschmack ich bis heute auf der Zunge trage.
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am 26. Februar 2014
Was für ein Buch! Das lässt der tröge Titel gar nicht so vermuten. Doch wie eine Paarbeziehung sich verändert, gestört wird, sich auflöst, und das gleichsam nach naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeit, das ist doch hochinteressant zu lesen.
Vielleicht lachen sich heute Chemiker und Psychologen über Goethes Verständnis allumfassender Naturgesetze schief, aber als einen Entwurf dieser Idee als Lektüre zu haben, das bringt einen auf tolle Gedanken...
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am 25. Januar 2014
Geschrieben in einer Sprache, die so reich, klar und exakt ist, dass man sich - angesichts des Gestammels mit dem wir uns heutzutage verständigen - fragen muss, wohin die Entwicklung denn eigentlich geht. Ich empfand es als unheimlich erfrischend, ja schon wundersam entspannend, "Die Wahlverwandtschafen" zu lesen. Einfach ein Genuss, kein bisschen eingestaubt. Angst muss man davor jedenfalls keine haben.
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am 24. Mai 2009
Zugegeben die wahlverwandschaften beginnt eher schleppend:
Eine langwierige Landschaftsbeschreibung bei der man fast einnippeln könnte, doch rettet man sich über den zähen anfang hinweg, besticht einen die Geschichte dann doch mit einem sehr interessanten Inhalt.
Das Liebespaar Eduard und Charlotte bekommt besuch von einem alten Freund Eduards, dem Hauptmann und später noch von der Nichte Charlottens Ottilie.

Hier beginnt die eigentliche geschichte: die Durchmischung dieser vier personen zu jeweils zwei neuen paaren (hier bringt Goethe aktuelle Naturwissentschaft und forschungsergebnisse aus der chemie ins spiel) und auch wenn der ehebruch nicht wirklich vollführt wird, so schlafe ndoch eduard und charlotte zusammen, denken aber jeweils an den (heimlich) geliebten anderen, hier begehen beide zusammen einen doppelten Ehebruch.

Doch obwohl letzten Endes die Chance besteht für Eduard und Ottilie glücklich zu werden (Charlotte konnte es nicht richtig mit sich selbst vereinbaren eine Beziehung zum Hauptmann einzugehen), scheitert die Liebe und endet in einer Katastrophe.

Goethe hat diese Geschichte mit seiner unverwechselbaren sprachlichen Brillianz und einem fingespitzen gefühl das beeindruckend ist zu einem Meisterwerk der Literatur gemacht, das sich zu lesen lohnt.
Die Anaconda version des Klassikers bietet zudem ein sehr ansehnliches Bild und einem umwerfenden Preis.

Zuschlagen!
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am 2. Dezember 2014
Die Wahlverwandschaften, ein herrschaftlicher Roman aus Goethes Zeit, ist ebenso spannend, wenn auch sehr subtil und fein formuliert: Ein Baron im vorgerückten Alter, mit Gutshof und einem großen gepflegten Garten, der diesen mit seiner geliebten Ehefrau bewohnt, nimmt einen ihm bekannten Freund mit finanziellen Schwierigkeiten, vorübergehend (und das wird dann eine ungeplant längere Dauer...) auf. Die Ehegattin pflegte bisher den Garten - jetzt übernimmt das der neue Gast, und dieser neue Gast unterhält sich auch auf den Abenden prächtig mit dem Baron. Die Gattin wird eifersüchtig und einsam, und nimmt ebenso einen Gast auf, das Pflegekind Ottilie, die sich im Internat etwas schwer tat. Und jetzt beginnen die Einmischungen der beiden Gäste ins bisher so beschauliche Leben des Baron-Paares, Liebeleien nehmen ihren Lauf, gegenseitige Eifersüchteleien, aber niemand wagt das auch klar auszusprechen. Man kann sich Goethes Zeit vortrefflich vorstellen, und die Charaktere sind psychologisch ausgezeichnet dargestellt. Unerwartet spannende Lektüre!
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am 21. August 2006
Liest oder hoert man die "Wahlverwandtschaften", dann ist man ueberrascht, wie modern - vielleicht insgesamt Goethes "modernstes" Werk - dieser Roman in Inhalt und Sprache ist, oft - man merkt hier, wer bei und vom wem gelernt hat - kaum zu unterscheiden vom ca. 150 Jahre aelteren Thomas Mann (besonders dann, wenn in beiden Faellen von Gert Westphal vorgelesen wird).

Die Geschichte handelt, kurz gesagt, von einer "Ménage à quatre" und koennte nach moderner Diktion durchaus auch in die Kategorie "Herz-Schmerz" à la Courths-Maler eingereiht werden - waere da nicht der naturwissenschaftlich versierte Geheimrat am Wirken gewesen, der am Beispiel der damals noch gering entwickelten Erkenntnisse der Chemie diese, durchaus interessanter als auf den ersten Blick erscheinen mag, auf menschliche Verhaltensweisen applizierte. Denn wer vermag schon wirklich zu erklaren, weshalb sich der eine Mensch zu dem anderen hingezogen fuehlt oder eben auch nicht?

Wenn man vom gesellschaftlichen Hintergrund eines aus heutiger Sicht eher dekadenten Niederadels absieht, dann kann man dieses Werk in vollen Zuegen goutieren.
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am 3. Februar 2013
Goethe schreibt gut und ist angenehm zu lesen. Charaktere und Lebensumstände werden fein und klar gezeichnet und es entstehen Bilder im Kopf. Das Problem ist, dass vor allem im zweiten Teil die Beweggründe der Figuren aus heutiger Sicht nicht mehr völlig nachvollziehbar sind. Damit wird die Story uninteressanter und der Drang, immer weiter lesen zu wollen, lässt nach. Ich habe es mehr und mehr als gute Literatur und schöne, aber realistische Darstellung einer vergangenen Zeit gelesen, aber nicht als mich persönlich berührende Geschichte, die ich auch innerlich weiter bewege. Das spricht nicht gegen das Buch. Aber man sollte sich klar sein, dass es ein etwas distanziertes Leseerlebnis ist. Spannend sind aber philosophische und wissenschaftliche Exkurse, die Goethe überall unterbringt. Baukunst und Naturwissenschaften werden tiefgehend dargestellt. Dadurch wird viel über die Entwicklung der Wissenschaften klar, aber auch, dass sich gar nicht soviel geändert hat.
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am 8. April 2015
Inhaltlich ein unglaublich modernes Buch: in das betulich-beschauliche Leben eines Landadel-Ehepaares, das von Landschaftsgarten-Umbauten geprägt ist, bricht die Bedrohung in Form eines Freundes des Barons, der sich in Schwierigkeiten befindet und der Ziehtochter der Baronin, die beide im Schloss Logis nehmen, herein. Sie nehmen die beiden auf trotz der Gefahren, die sie darin vorausahnen, auf. Und tatsächlich kommt es zu Zuneigungen, die nicht sein sollen: die Baronin verliebt sich in den Freund, der Baron in die Ziehtochter.

So stehen die gesellschaftlichen Normen und Gepflogenheiten des Landadels den individuellen Bedürfnissen und Zuneigungen im Weg, sorgen dadurch für Spannung und Konflikt. Interessant dabei die Beleuchtung dieses Gesellschaftsstandes, wobei das Zerbröseln der persönlichen Beziehung des Barons und der Baronesse durchaus stellvertretend für das nahende Ende des ganzen gesellschaftlichen Gefüges der damaligen Zeit gesehen werden kann.

Hochmodern sind die Betrachtungen, die die Lebenspartnerschaften der heutigen Zeit vorwegnehmen: Sollte eine Ehe nicht einfach auf nur fünf Jahre geschlossen und danach formlos beendet, oder auf Wunsch automatisch verlängert werden können? Dazu auch Religionskritik, etwa: Sollte es nicht heißen: "Du sollst das Leben der anderen ehren und achten und nach Möglichkeit fördern" (sinngemäß), statt negativ: "Du sollst nicht töten"?

Auf diese Weise ist das Buch von gesellschaftlich bis heute brisanten Überlegungen durchzogen. Allein, die Sprache: Mühsam hat man sich durchzukämpfen durch einen Dschungel von heutzutage völlig ungebräuchlichen Redewendungen und Vokabeln, die Sprache ist künstlich hochstilisiert, entsprechend der besonderen gesellschaftlichen Stellung von Baron und Baronesse. Ich glaube aber, dass die "Wahlverwandtschaften" schon zu Zeiten der Entstehung elend verzopft geklungen haben: ohne jetzt ein echter Goethe-Spezialist zu sein kenne ich kein Werk von ihm, das sich einer ähnlich künstlichen Sprache bedient.

Interessante Lektüre, allerdings mit Hindernissen für Menschen, die ausschließlich modernen Sprachgebrauch kennen oder lesen wollen.
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