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am 15. Juni 2005
Ein Bestseller zu seiner Zeit, dann vom wetterwendischen Zeitgeist etwas in den Hintergrund gedrängt, aber immer wieder dem Sumpf des Vergessens entrissen durch ein neu aufflammendes Interesse an seiner tiefgreifenden Mystik sowie an seinem latenten Okkultismus, der in Meyrinks späteren Werken immer breiteren Raum einnehmen sollte. Wie die Titelfigur des Romans, der Golem, immer wieder durch die engen Gassen des alten Prager Judenviertels geistert, so erlebte und erlebt dieses Buch Auflage um Auflage. Und dies völlig zu recht, wie ich meine. Die atmosphärische Dichte des Romans fasziniert immer wieder; Magie, Mystik und Gnosis geben sich auf seinen Seiten ein befruchtendes Stelldichein. Meyrink beschwört den Geist einer zauberischen Romantik herauf, die den Leser seltsam anrührt.
Meyrinks Sprache vermag selbst toten Gegenständen auf wundersame Weise Leben einzuhauchen, angefangen vom Mond und den Steinen Anfang des ersten Kapitels bis hin zu den "mißfarbigen Häusern, die wie verdrossene alte Tiere im Regen nebeneinanderhockten."
Das vorherrschende Motiv im Golem ist das Bewußtsein der Einkerkerung des Menschen in eine Welt des Begrenzten, und sein Bestreben, diese Grenzen zu überschreiten; seiner eigenen Existenz sowie seiner Rolle in der wahrgenommenen wie auch in der unwahrgenommenen Welt neue Facetten abzugewinnen. So steht das alte Prager Judengetto auch für Meyrinks inneres Getto, dem er Zeit seines Lebens trachtete, zu entfliehen.
Mich hat dieses Buch immer wieder von Neuem fasziniert und ich möchte es denen empfehlen, die einen Hang zum Mystischen, Gespenstischen, zur dunklen Seite der Romantik haben und es dennoch nicht kennen sollten. Und es lohnt auch, sich unter ästhetischen und stilistischen Aspekten mit diesem Werk zu beschäftigen, und da kann ich Günter Kunert eben nicht beipflichten, wenn er den Roman mit "stilistisch Konventionellem, Klischeehaftem und Schablonierten" behaftet sieht. Auch seinen bei Meyrink vermuteten Antisemitismus sehe ich nicht unbedingt.
Kurz und gut, eine in jedem Fall lohnende Wiederentdeckung eines (ehemaligen) Klassikers der phantastischen Literatur.
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am 6. Februar 2001
Bitte entschuldigen sie, dass ich hier auf eine Nacherzählung des Buches verzichte, aber es würde überhaupt keinen Sinn ergeben (wenn sie eine Inhaltsangabe wünschen, so lesen sie bitte die anderen Reznsionen).Die Geschichte ist fesselnd, spannend und vieles mehr. Aber das Wichtigste ist, dass sie es vermag, etwas im Leser zu wecken. Nämlich die Sehnsucht, weiter zu forschen. Der wichtigsten Figur (Athanasius Pernath) wird vom sagenumwobenem Golem das Buch "Ibbur"(Seelenschwängerung)überreicht. Pernath nimmt es und liest darin,"seine Seele wird schwanger vom Geist des Lebens". Ich wage es, zu behaupten, dass Meyrink mit "Der Golem" selbst eine Art Buch Ibbur geschaffen hat. Ich habe viel über diesen außergewöhnlichen Autor und seine Werke gelesen, doch kein Rezensent und kein Literaturwissenschafter können die Bedeutung und den Sinn seiner Werke auch nur annähernd zufriedenstellend erklären. Meyrink vermischt in diesem Roman die jüdische, teilweise auch die ägyptische Mystik mit buddistischer Weisheit auf dem naturalistischen Nährboden des Prager Judenviertels des 19.Jahrhunderts. Für mich persönlich weist die "Vermischung" diser Religionen und Philosophoien auf den gnostischen Gedanken, dass alle Glaubensrichtungen den gleichen Anfang und das gleiche Ende haben. Ich halte auch das im Roman dargestellte Leben des Pernath für ein Beispiel des gnostischen Ideals aktiv an seinem Geist zu arbeiten und zu forschen.....
Oft scheint es, als würde der Autor dem Leser Fragen stellen, als gäbe er ihm Aufgaben auf, als wolle er seinen Geist prüfen...dieses Buch gibt Antworten auf viele Fragen, aber es läßt noch mehr offen. "Realistischen" Menschen wird dieses Buch wirr, klischeehaft vielleicht sogar oberflächlich vorkommen. Für Menschen, die wissen, dass die Realität nicht immer das ist, was sie zu sein scheint, wird dieser Roman allerdings eine Bereicherung ihres geistigen Lebens sein.....aber Vorsicht!: Meyrink läßt nicht mehr los.
Es gäbe noch so vieles, was ich über G.Meyrink und über "Der Golem" zu sagen hätte, aber all das hat hier leider keinen Platz. Vielleicht ist ihnen aufgefallen, dass dieses Buch mich zu einer "Suchenden" gemacht hat, und das wird es auch mit ihnen tun. Alleine aus diesem Grund ist es lesenswert......
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am 9. April 2001
Über die inhaltlichen, stilistischten und sprachlichen Qualitäten von Meyrinks Golem brauche ich mich hier nicht ausführlich zu äußern: Alles, was in den anderen Kritiken dazu geschrieben wurde, ist richtig. Dies ist eines der eindrucksvollsten Bücher, die ich je gelesen habe, und es hat mich nie mehr ganz losgelassen. Nicht weil mich Meyrinks Philosophien besonders beeindrucken würden (sie sind vielmehr zumindest da, wo er sie in die Breite tritt, die Schwachstellen seines Werkes), die Meyrink selbst zum Teil übrigens auch nur als Mittel zum Zweck betrachtete, um die Atmosphäre seiner Schriften zu schaffen. Diese intensive Atmosphäre ist es eben, die unvergeßlich bleibt und die er in keinem seiner späteren, teilweise auch eindrucksvollen Romane (die aber hier und da von seinen Weltanschauungen arg überfrachtet sind)nie mehr so dicht und fesselnd erreicht hat. Im Golem begegnet uns die Wirklichkeit des Traums.
Die Hörspielbearbeitung hält sich an den Wortlaut des Romans und auch an dessen Schwerpunktsetzung und Handlungsführung, wenngleich sie natürlich nicht so verschachtelt sein kann wie die Vorlage und auch manche Motive ganz weglassen muß. Der Roman ist kongenial ins fremde Medium übertragen worden, bis in die kleinsten Nebenrollen füllen die Sprecher ihre Charaktere hervorragend aus, gerade der Sprecher des Athanasius Pernath ist schlicht und ergreifend atemberaubend, und die stimmungsvolle Musik tut ihr übriges.
Ich bin mir nicht sicher, ob das Hörspiel für Leute, die den Roman nicht gelesen haben, in seiner Gänze nachvollziehbar ist, aber das fällt nicht weiter ins Gewicht, da der Hörerkreis wohl fast ausschließlich aus Lesern Meyrinks bestehen wird.
Diese Adaption ist ein Meisterwerk und wird der übermächtigen Vorlage mehr als gerecht.
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am 19. November 2015
Meister Athanasius Pernath, Gemmenschneider lebt in Prag, in einer Gasse am Eingang zur Judenstadt unter fiesen Trödlern, ehebrecherischen Künstlern, verleumderischen Studenten, lustigen Marionettenspielern, Wachspuppen, Selbstmördern, jungen Prostituierten, befreundeten Malern, Kleingaunern und Landstreichern aber auch unter Kabbalisten und Weisen. Und während er seinem Tun nachgeht und sich von der einen oder anderen kriminellen Geschichte anheizen lässt, kommt ihm immer öfter die Frage in den Sinn, wo er her stamme, wer er war und wo seine Erinnerung geblieben war.

Während Prag gegen Ende des Achtzehnten Jahrhunderts brodelt und gart, erlebt Pernath alle Sagen der Überlieferung am eigenen Leib. Er meint dem Golem begegnet zu sein, der alle dreiunddreißig Jahre wieder erscheint - bartlos und mit schrägstehenden Augen, er war ins Zimmer ohne Zugang gelangt und durch Falltüren in unterirdische Gänge des Gettos geraten. Doch seine Gefährten tuschelten nur darüber, dass Pernath wohl im Irrenhaus war und keiner recht wusste, wo er eigentlich herkam.

Der Roman ist eine fabelhafte Mischung aus sagenhafter, mystischer Fantasie, aus einer historischen Begegnung mit Prag und seinem Judentum unterhalb des Hradschin, zwischen Buden des Weihnachtsmarkts, einem spannenden Kriminalroman auf Mörderjagd und eine fast kafkaeske Verhaftung unseres zweifelhaften Helden Pernath. Darüber hinaus bietet der Roman jedoch auch viel Anlehnung an Talmud und Kabbala, philosophiert über Leichtigkeit und Leere des Lebens.

"Aber eins halten Sie fest: wir werden uns wiedersehen. Wenn auch nicht in diesem Leben und nicht wie die Toten in jenem Leben, aber an dem Tag, wo die Zeit zerbricht, - ..."Pos.3617

Wahrlich grotesk wird die Geschichte, als "die Ichgestalt" plötzlich aus einem Traum erwacht, dreiunddreißig Jahre nachdem wir Pernath durch sein Traumreich begleitet haben.

Der Roman ist ein Puzzle aus Mitteleuropäischer Geschichte, Sage, Philosophie und bemerkenswert schönen, schauerlichen und lebendigen Bildern.

"Der Mann geht dahin wie ein Schatten." Pos.4103
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am 2. April 2010
... den Golem!

Es ist die Zeit um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert. Meyrink führt uns mit "Der Golem" mitten ins alte Prag, ins jüdische Ghetto mit seinen verwinkelten, engen, schmutzigen Gassen, dunklen Räumen - hinein in ein Labyrinth der Schatten, Halluzinationen und Wahnvorstellungen, wo sich Traum, Fantasie und Wirklichkeit geheimnisvoll und fast undurchschaubar vermischen und den Leser in eine Welt von ganz eigenem düsteren Flair entführen.

Der anonyme Erzähler der Geschichte, zu Besuch in Prag, hat vor dem Zu-Bett-Gehen in einem Buch über das Leben Buddhas gelesen, fällt in einen unruhigen Schlaf, der ihn in eine Traumwelt gleiten lässt, in der er Ereignisse, die sich vor mehr als 30 Jahren im Prager Judenviertel zugetragen haben, erneut durchlebt.

"Der Golem" will "erlesen" und erfahren werden. Liebhaber von tiefgründiger phantastischer Literatur mit einer Prise Schauerroman, einem Hauch Okkultismus und einer gehörigen Prise Mystik (deren manchmal surreale und häufig auch bedrohliche Szenen an Kafka erinnern) kommen mit diesem Roman voll auf ihre Kosten.

"Der Golem" ist im wahren Sinne ein Klassiker der phantastisch-mystischen Literatur und neben Meyrinks Der Engel vom westlichen Fenster etwas vom Besten, was es in dieser Sparte gibt!
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am 17. Januar 2006
Der Golem.
Ich hatte ein anderes Buch erwartet. Es ist keien Gruselstory, wie ich sie mir vorstellte. Doch das Buch das ich fand, hat mich begeistert. Es ist die Mischung aus Mystik, Liebesgeschichte und Kriminalfall, die mich so faszinierte. Und das alles im Judengetto im alten Prag.
Meyrink hat es verstanden mich mitzunehmen in die alten Gassen. Er macht mich neugierig auf die alten Geschichten und Bräuche der Juden. Er hat er Buch geschrieben mit einem sehr überraschenden Ende. Ein Buch das sich lohnt zu lesen.
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TOP 500 REZENSENTam 17. Juli 2012
Prag um 1914. Der anonyme Erzähler träumt von Athanasius Pernath, dessen Hut er in der Kirche versehentlich mit seinem eigenen verwechselt hat.
Um 1890 lebt der ca. vierzigjährige Pernath als Gemmenschneider und Restaurator von Antiquitäten im Judenviertel der Stadt. Athanasius Pernath hat psychische Probleme. Er kann sich an seinen Vergangenheit nicht erinnern, hat immer wieder Gedächtnislücken, Krampfanfälle und Wahnvorstellungen, die sich noch verstärken, als ein Unbekannter ihm einen alten Folianten zur Restaurierung bringt, das Buch Ibbur. Pernath vermutet, dass der mysteriöse Auftraggeber, an dessen Gesicht er sich nicht erinnern kann, der Golem gewesen sei, der alle 33 Jahre in Prag umhergehe.
Durch dieses Ereignis gerät Pernaths ohnehin bereits angeknackste Psyche noch weiter aus den Fugen. Erschwerend kommt hinzu, dass er in den Rachefeldzug des Medizinstudent Charousek gegen gegen den Trödler Aaron Wassertrum verwickelt wird, in den auch eine alte Bekannte aus Pernaths früherem Leben verwickelt ist, in die er wohl mal verliebt war, woran er sich aber nur schemenhaft erinnert, außerdem ist sie verheiratet und liebt einen anderen, mit dem sie eine Affäre hat. Was Pernath zusammenhält ist seine Liebe, für die ebenfalls etwas verrückte, schöne Jüdin Mirjam, die Tochter des Archivars Hillel, der sein Nachbar ist. Mirjam glaubt an Wunder, will Wunder erleben, erwartet Wunder und ist selber dabei ziemlich wunderlich.

Gustav Meyrink dürfte heutzutage vor allem als Übersetzer von Dickens bekannt sein. Weniger bekannt ist, dass Meyrink selber Schriftsteller war um mit "Der Golem" 1913/14 selber einen Bestseller landete. Das Buch erinnert an die albtraumhaften Welten einiger Geschichten Lovecrafts, in denen sich Wahn und Realität mischen, das war damals in der phantastischen Literatur wohl gerade in. Meyrinks Schreibstil ist dabei blumig poetisch "Mit erschreckender Deutlichkeit hörte man plötzlich wie die eisernen Gasstäbe fauchend die flachen herzförmigen Flammen aus ihren Mündern in die Luft bliesen ' ' dann fiel die Musik über das Geräusch her und verschlang es."
Die Geschichte ist ein abgedreht, da der Erzähler diese Erlebnisse durch die Augen eines verrückten erlebt und diese auch so wiedergibt. Eine Geschichte wie im Opiumrausch. Die Erlebnisse stehen dabei für sich, werden nicht hinterfragt oder mit Belegen untermauert. Die Geschichte gibt die subjektiven Wahnvorstellungen des Pernath oder den Traum des Erzählers wieder. So gesehen eine klassische, psychodelische Schauergeschichte um 1900. Unterhaltsam, teils ein wenig langatmig, weil über lange Strecken einfach gar nichts passiert, aber ein hübsches Portrait des Prager Ghettos vor seiner Sanierung, in welchem Juden und Christen gemischt und friedlich in sie vereinender Armut mehr schlecht als Recht über die Runden kamen.
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Der Roman um eine Sage im Ghetto von Prag zählt zu den Meisterwerken der phantastischen Literatur in deutscher Sprache.

Bühne der Geschichte ist eine Traumwelt, sie ist der einzige Ort, an dem der Golem auftritt. Der Traumheld dringt in das innere Zimmer ein, das für eine zugemauerte Krankheit steht, und setzt sich mit seiner Vergangenheit auseinander. "Ich schlafe nicht und wache nicht, und im Halbtraum vermischt sich in meiner Seele Erlebtes mit Gelesenem und Gehörtem, wie Ströme von verschiedener Farbe und Klarheit zusammenfließen." So beginnt der Roman "Der Golem". Der namenlose Ich-Erzähler befindet sich in einem Hotelzimmer in Prag. Nach der Lektüre über das Leben des Buddha Gotame, verfällt er in einen quälenden unruhigen halluzinierenden Dämmerschlaf und kann nicht mehr unterscheiden, ob er wirklich wach ist oder träumt.

Der anonyme Ich-Erzähler schlüpft im Traum in die Identität des Gemmenschneiders und Antiquitätenausbesserers Athanasius Pernath Der lebte circa dreißig Jahre vor der Erzählung im alten jüdischen Ghetto von Prag. Auch seine Geschichte wird in der ICH-Form erzählt. So wirken seine Erfahrungen intensiver, existenzieller. Der Golem übergibt Athanasius Pernath ein geheimnisvolles hebräisches Buch. Er bekommt den Auftrag die beschädigten Initialen "I" des Kapitels "Ibbur" (Die Seelenschwängerung) auszubessern. Ab da gerät sein Leben aus den Fugen.

Der Golem steht in der jüdischen Kultur für etwas "Ungestaltetes". Der jüdischen Legende nach hat der Wunderrabbi Löw aus Prag eine Menschenfigur aus Lehm geschaffen, den Golem, und diesen zum Leben erweckt. Er kann durch die Magie des kabbalistischen Zaubers zum Leben aktiviert aber auch wieder deaktiviert werden.

Der Archivar Schemajah Hillel erklärt, was es mit dem Golem auf sich hat: "Der Golem ist einerseits Ausdruck der kollektiven Ghetto-Seele, andererseits ist es ein schattenhafter Doppelgänger Pernaths und repräsentiert einen Teil von dessen Selbst, das ihm bisher fremd war."

Die Begegnung des Gemmenschneiders Pernath mit dem Golem zwingt ihn zur Konfrontation mit dem eigenen Ich. Er wird mit seltsamen Erinnerungen konfrontiert, hat Visionen und leidet unter Halluzinationen. Um einen diesem verschlossenen Raum der Psyche zu erlangen, steigt er in das "Zimmer ohne Zugang" hinab und mit "dem Überstreifen der Kleider des Golem integriert Pernath Nicht-Bewusstes in sein bewusstes Ich und überwindet so diesen Doppelgänger."

Er fällt den perfiden Intrigen des Studenten Charousek und des Trödlers Aaron Wassertrum zum Opfer, gerät unter Mordverdacht und findet sich im Gefängnis wieder. An diesem trostlosen Ort verlässt ihn die letzte Zuversicht und der emotionale Abwärtsstrudel dreht sich unaufhaltsam nach unten. Überraschend wird er entlassen und erlebt wie das Ghetto abgerissen wird und seine alten Freunde verschwunden sind.

Die Identitätssuche und der Selbstfindungsprozess sind das zentrale Thema des Romans. Der Ich-Erzähler erwacht und fragt sich, ob das Erlebte wirklich oder nur ein Traum war, denn er stellt fest, dass keine Stunde verstrichen ist. Der anonyme Ich-Erzähler nimmt sich vor: "Ich muß diesen Athanasius Pernath auffinden, und wenn ich drei Tage und drei Nächte herumlaufen sollte, nehme ich mir vor."

Bei seinen Nachforschungen begegnet der Ich-Erzähler sich selbst, d.h. seinem geträumten Ich als Doppelgänger und setzt sich mit der Frage nach der Identität des Menschen, Mystik, okkulten Ansichten und der Gratwanderung zwischen Wahnsinn und klarem Verstand, Traum und Realität auseinander. Wem der Golem erscheint, dem blickt er in seine eigene Seele, er ist sozusagen sein Doppelgänger.

1915, als die Buchausgabe im Kurt Wolff Verlag Leipzig erschien, waren die "alten" Ordnungsmächte untergegangen und es gab es einen starken Wunsch nach Heilsbotschaften und Erlösungsversprechen. Heute, 100 Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen scheint die besondere Stärke dieses Romans die intensive Beschreibungen des jüdischen Ghettos in Prag zu sein, als auch die Konstruktion einer geschlossenen phantastischen Welt.

"Der Golem" wurde eines der Erfolgsbücher seiner Zeit und gehört noch heute zu den Steadysellern. Es ist einer der bekanntesten Prag-Romane. Im Nachwort erklärt die Herausgeberin Ulrike Ehmann den Erfolg der düsteren Geschichte so: "Die Faszination des Romans lag wohl vor allem darin begründet, dass er in dieser Zeit der politischen und sozialen Ungewissheit vermochte, die identitätsängste seiner Leser hervorzurufen, dass er den Lesern gleichzeitig zur Beruhigung aber einen bequemen Fluchtweg wies: den ekstatischen, Erlösung verheißenden Weg der Innerlichkeit, den Weg des Menschen zu sich selbst."
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am 5. November 2015
Der Golem, eine Tonfigur, die zum Leben erwacht, wenn man die richtige Schriftrolle in seinen Mund oder Kopf steckt, hat seinen Weg ins Bewusstsein der Popkultur gefunden- so auf Terry Pratchetts Scheibenwelt oder in einem Halloween-Special der Simpsons. Doch mit der titelgebenden Figur hat die Geschichte eigentlich nur am Rande zu tun. Vielmehr geht es um einen Mann, der an Wahnvorstellungen oder Visionen oder lebhaften Träumen oder unterdrückten Erinnerungen, die an die Oberfläche drängen, leidet. Bisweilen nervt die Langatmigkeit und Redundanz der Handlung, doch gleichzeitig entfaltet sie eine gewisse Sogwirkung je weiter die Handlung fortschreitet.
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Bei all den zahlreichen Hörbuch-Klassikern, die ich in letzter Zeit gehört habe, zählte Gustav Meyrinks “Der Golem” aus dem Jahr 1913 zu den wenigen, die bei mir zumindest eine gewisse Vorfreude hervorrufen konnten – schließlich klingt die Inhaltsbeschreibung mit dem geheimnisvollen Sagenwesen durchaus verheißungsvoll. Zudem wird das Hörbuch von David Nathan gelesen, der nicht erst seit seinen grandiosen Interpretationen der Stephen-King-Werke mein absoluter Lieblingssprecher ist. Leider hat mich Meyrinks Roman jedoch nach den fast neun Stunden Spieldauer ein wenig ratlos zurückgelassen – denn eigentlich kann ich auch nach der vollständigen Lektüre immer noch nicht wirklich sagen, worum es in dem Buch überhaupt geht.

Hauptfigur ist der Prager Edelsteinschneider Athanasius Pernath, der einige Jahre vor der Jahrhundertwende eine seltsame Begegnung macht, mit der sein Leben plötzlich immer mehr außer Kontrolle gerät. Aufhänger der Geschichte ist der mysteriöse Golem, eine menschenähnliche und aus Lehm geformte Gestalt, deren Legende in Tschechien offenbar recht populär ist. Geschaffen von einem Rabbi Ende des 16. Jahrhunderts, sollte der Golem die Juden der Stadt gegen die Übergriffe und Verunglimpfungen der restlichen Bevölkerung schützen, die durch Gerüchte um brutale Ritualmorde an Kindern hervorgerufen wurden. Die Geschichten um diese Sagengestalt sind meiner Meinung nach durchaus interessant und nicht ohne Reiz, daher ist es wirklich schade, dass der Golem in Meyrinks Erzählung so stark in den Hintergrund tritt – denn die Figur selbst taucht in dem Roman trotz des irreführenden Buchtitels gar nicht auf.

Stattdessen liefert der Autor eine wohl bewusst verwirrend erzählte Geschichte um einen Mann, der vor lauter Wahnvorstellungen immer mehr den Bezug zur Realität verliert und gleichzeitig aus unerfindlichen Gründen in mehrere Intrigen verwickelt wird, aus denen Pernath kaum entfliehen kann. Leider hat sich diese verworrene Story mir beim Hören aber fast gar nicht erschlossen und ich habe bis zum Schluss überwiegend ratlos überlegt, was überhaupt die Aussage dieses Werkes ist. Dabei fand ich viele Szenen eigentlich recht packend und die Atmosphäre des Buches ist nicht zuletzt auch durch die sehr stimmige Lesung von David Nathan sehr dicht, allerdings habe ich wirklich häufig einfach keinen Zusammenhang zwischen diesen einzelnen Passagen herstellen können und musste mir die Geschichte nach Beendigung des Hörbuches noch einmal mithilfe von mehreren Inhaltsangaben erschließen – und das, obwohl ich meines Erachtens durchaus aufmerksam zugehört habe. Das macht die Bewertung dieses Hörbuches natürlich schwierig, da ich die eher unheimliche Grundstimmung des Buches schon sehr mochte, mit der Handlung selbst aber eigentlich überhaupt nichts anfangen konnte – weil ich ganz einfach den roten Faden nicht gefunden habe. Das mag an Meyrinks Erzählstil, aber vielleicht auch an meiner eigenen Unfähigkeit liegen, das Ergebnis ist aber das gleiche: “Der Golem” war einfach nichts für mich.
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