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am 16. Juni 2014
Am Ende dankt sie tatsächlich ab! Die drückende Bürde der Verantwortung, die verkrusteten Strukturen einer reaktionär eingestellten Ständegesellschaft, ihre drängenden dynastischen Zeugungspflichten, eine kriegsbegeisterte männliche Kamarilla, die Intrigen eifersüchtiger Hofschranzen, süffisante Gerüchte über ihr Liebesleben und vor allem die Unvereinbarkeit des individuellen Rechts auf Selbstverwirklichung mit den einschnürenden Konventionen der Monarchie haben sie mürbe gemacht. Auf einer denkwürdigen Parlamentssitzung legt Schwedens Königin Christine die Insignien der Macht nieder, nimmt eigenhändig die Krone vom Haupt, verzichtet auf den Thron und bestimmt ihren Vetter Karl, den sie sich beharrlich weigert zu ehelichen, zu ihrem legitimen Nachfolger. Im Saal bricht ein Tumult aus, ihre Entourage ist entsetzt, der Kanzler fassungslos, das Volk trauert. Es ist beileibe kein Moment der Schwäche, den Regisseur Rouben Mamoulian ebenso dramatisch wie mitreißend inszeniert, sondern ein Akt der Befreiung. Als Christine die pompöse, meterlange Robe abstreift, atmet sie tief durch, ein Anflug von Erleichterung kaschiert ihr tränenverhangenes Antlitz. Innerhalb eines Wimpernschlags vollzieht sie die erlösende Metamorphose von einem kalten Symbol, einer abstrakten Institution in eine emotionale Frau aus Fleisch und Blut, die in der Nacht zuvor noch so verzweifelt rang mit den Pflichten einer Königin und den Gefühlen zu ihrer großen Liebe Antonio. Die quälenden Ausmaße dieses inneren Zwists fängt die Kamera in wunderschönen expressionistischen Bildern ein, die Reminiszenzen an das Kino von F. W. Murnau wecken: Wir sehen Christine in einem lang gezogenen, düsteren Gang. Von schräg oben fallen milchige Lichtbahnen durch ein Fenster herein. In der Hand hält sie einen Kerzenleuchter. Die Decken sind hoch, das Gemäuer dick. Verloren klein und schmal steht sie im Dunkeln da. In ihrem weißen Gewand scheint sie fast wie eine Statue zu strahlen. Voller Einsamkeit setzt sie sich auf jenen Thron, den sie im Alter von sechs zum ersten Mal bestiegen hatte, nachdem ihr Vater Gustav Adolf auf den Schlachtfeldern des Dreißigjährigen Krieges sein Leben ließ. Hier beginnt auch Christines Geschichte.

Mit 18 übernimmt sie, die wie ein Junge erzogen wurde, die Regierungsgeschäfte. Gegen alle Widerstände einer virilen Übermacht am Hof führt sie Schweden zum Frieden und fördert die Künste und Wissenschaften. Ihre eigenen Wünsche muss sie dafür vernachlässigen. Zudem drängt sie der Kronrat zur Hochzeit mit ihrem heldischen Cousin Karl, um die Erbfolge zu sichern, was Christine widerstrebt. Auf einer ihrer Ausfluchten aus dem Schloss trifft sie in der verschneiten Landschaft zufällig auf den spanischen Botschafter Antonio, der sie in ihrem maskulinen Aufzug für einen Mann hält. In einem beschaulichen Wirtshaus unterhalten sie sich prächtig, über Spanien und seine Künstler. Da es stürmt und nur noch ein einziges Zimmer frei ist, willigt der "junge Herr" ein, sich dieses mit Antonio zu teilen. Christine gibt sich schließlich als Frau zu erkennen. Beide verbringen eine berauschende Liebesnacht. Als sie sich kurze Zeit später am Hof wiedersehen, realisiert der konsternierte Antonio, dass er sich in Schwedens Königin verliebt hat, die nach den romantischen Tagen so zauberhaft und weiblich wie nie zuvor erscheint. Die ungeahnte Liaison bringt Christine jedoch in Konflikt mit der Krone. Aus purer Missgunst wiegelt der opportune Schatzmeister Magnus, ihr einstiger Galan, die Bevölkerung gegen sie auf. Die Lage spitzt sich zu. Christine wird sich schon bald entscheiden müssen: Entweder der Thron oder Antonio!

Rouben Mamoulian erweist sich in diesem elegant skizzierten Melodram als erfinderischer Virtuose, der auf recht schelmische Weise mit Sexualität, Machthierarchien und Genreregeln spielt. Seine unterschwellige Komik zieht der Film aus der Unsicherheit der Geschlechteridentitäten, die den exponierten Status der männlichen Protagonisten in subversiv-ironischer Manier untergräbt. Aber auch die finstere Kehrseite, das missratene Glücksstreben vermag der Meister des Helldunkel eindrucksvoll zu porträtieren. Gemeinsam mit Kameramann William H. Daniels schafft er effektvolle Bildkompositionen, die vor Musikalität nur so strotzen und Mamoulians rhythmischen Erzählstil noch verstärken. Um eine charismatische Frauenfigur wie Christine glaubhaft modellieren zu können, bedarf es einer Schauspielerin, die scheinbar unabhängig von beiden Geschlechtern ist, die etwas Rätselhaftes, Ätherisches, Androgynes, über allem Stehendes besitzt. Und wer wäre da schon besser geeignet als die äußerst talentierte, einzigartig fotogene Greta Garbo, von der stets eine Aura des Geheimnisvollen ausging? Victor Sjöström meinte einmal über seine Kollegin, sie würde auf die Gefühle ihrer Umgebung stärker reagieren als Film auf Licht, was wohl heißen soll, dass sie über den nötigen sinnlichen Respons verfügt, um sich ungewöhnlich intensiv in ihre Rollen hineinzuversetzen. In den Liebesszenen mit John Gilbert (Antonio), mit dem sie vorher auch privat liiert war, zelebriert die Garbo eine Leidenschaft, wie sie typisch für sie ist: Sie küsst häufig mit geöffnetem Mund und zurückgelehntem Kopf, eine pathetische Hingabe, die damals den ein oder anderen Moralwächter auf den Plan rief.

Obwohl sich dieser Klassiker erstaunlich genau an die historischen Fakten hält (die Love Story ist freilich erfunden), bildet "Königin Christine" ein lupenreines Starvehikel für die schwedische Diva. Man kann den Film sogar als Spiegelung von Garbos Image betrachten. Die Parallelen zwischen beiden Damen lassen diese Lesart durchaus zu: Auch die Garbo umwehte seinerzeit ein sanfter Hauch von Lesbos (der Plot deutet ein Beziehung zwischen der Regentin und ihrer Kammerzofe Ebba an), sie schützte ihre Privatsphäre und bot dem feudal strukturierten alten Studiosystem in Hollywood die Stirn. Auch sie hatte letztlich das Stargehabe satt. Die finale Einstellung zeigt Christine ohne Mann und ohne Krone am Bug eines Schiffes. Mit starrem Blick segelt sie einer ungewissen Zukunft entgegen. Daniels hält mit der Kamera eine halbe Ewigkeit lang auf das so ausdrucksvolle Gesicht seiner Muse. Spätestens dann wird man sich gewahr, warum man die Garbo die Göttliche nannte.
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am 30. Juni 2000
Der Schatten der Garbo reichte mittlerweile so weit, daß sie das Skript, die Schauspieler und den Regisseur ihrer neuesten Produktion bestimmen durfte: Königin Christine erklomm den schwedischen Thron im Alter von 6 Jahren als ihr Vater Gustaf Adolf starb. Sie genießt große Verehrung bei der Bevölkerung, die allerdings reserviert auf ihre Liebe zu einem spanischen Gesandten reagiert. In der Rolle von John Gilbert, durch dessen Einfluß die Karriere der damals in USA unbekannten Garbo 6 Jahre zuvor einen Aufschwung bekam. Da sie ihn nicht heiraten darf verzichtet sie im Alter von 28 Jahren auf den Thron.
In der Realität war Christine tatsächlich der letzte weibliche Regent des schwedischen Thrones bis Königin Sylvia in unseren Tagen. Obwohl der Film vom Zusammenspiel (das letzte Mal) von Greta und John Gilbert lebt, wurde der Film ein Klassiker in Kreisen homoerotischer Kultur. Vielleicht wegen einer kurzen Szene mit ihrer Dienerin Elizabeth Young, der sie einen Kuß auf den Mund gibt. Der Film war sehr erfolgreich und zeigt diesmal eine quicklebendige und agile Garbo mit enormen Tatendrang und Bewegung. Übrigens lacht sie herzlich mehrere Male in dem Film, also nicht das erste Mal später in "Ninotschka".
Man nimmt unbewußt teil an dem Schicksal der Königin/der Garbo die trotz mancher Arroganz nahe und menschlich wirkt. Die Nichterfüllung ihrer Liebe macht betroffen und sie zu einem seelenverwandten Freund und Kumpel, mit dem man seine eigenen Erfahrungen - die in der modernen Zeit durchaus ähnlich sein können teilt.
Man muß die Garbo hier in ihrem Zwiespalt zwischen der Anteilnahme und Liebe zu ihrem schwedischen Volk und ihrer der persönlichenSehnsucht nach Nähe einfach sympatisch finden und gern haben ...
Thomas R.
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am 23. Oktober 2010
Ihn, nur ihn wollte Greta Garbo in der Rolle des spanischen Liebhabers: John Gilbert. Vor Jahren hatte sie mit diesem attraktiven Schauspieler, den sie am Set von "Es war" kennen gelernt hatte, eine längere stürmische Beziehung. Damals drehten sie die schönsten Liebesszenen...

In diesem Film spielt Greta Garbo die berühmte Königin aus dem 17. Jahrhundert. Der Film übernimmt einige der historisch verbürgten Fakten.

Christine liebt Kunst und Philosophie, aber da sie die Regierungsgeschäfte ernst nimmt, bleibt ihr kaum Zeit für sich. Bücher liest sie nachts. Heiraten soll sie endlich, das wird ihr vom Hof jeden Tag wieder dargelegt, denn das Königshaus braucht einen Erben. Doch der Mann, der für sie ausgewählt ist, begeistert sie nicht. Eines Morgens steht sie am offenen Fenster und sagt, sehnsüchtig auf die stille, weiße Landschaft schauend: "Der Schnee gleicht einem weiten See. Ich könnte mich ganz verlieren darin und die Welt vergessen und mich selbst." Kurz danach reitet sie mit ihren Begleitern aus und trifft auf einen jungen Mann und sein Gefolge, die mit dem Wagen stecken blieben. Weit und breit ist in dieser verschneiten Gegend sonst niemand; Christine freut sich, dass sie mit ihren Männern helfen kann, und schon ist eine Freundschaft entstanden. Im Gasthaus trifft man sich wieder. Die Königin erfährt von ihm, dass er Spanier ist, und schwärmt für die berühmten Künstler seines Landes, erkundigt sich nach dem Maler Velasquez und dem Dramatiker Calderon. Der Spanier hat noch mehr Themen: "Ich könnte Euch von Toledo und Granada erzählen, von den Stierkämpfen in Madrid und von den Tanzfesten in Sevilla."

Es beruhigt den Wirt, dass sich die beiden so gut verstehen, denn er hat nur noch ein Zimmer frei, in das er sie gemeinsam einquartieren will. Die Königin, die bei ihrem Ausritt Männerkleidung und einen riesigen Hut trug, um nicht erkannt zu werden, ziert sich noch ein wenig, aber dem spanischen Gesandten kann es nicht schnell genug gehen. Im Zimmer zieht sie sich bis aufs Unterkleid aus und blickt ihn scheu und mädchenhaft an. Der Spanier macht große Augen und gibt begeistert zu, gespürt zu haben, dass sie eine Frau ist. Voller Hingabe schaut sie ihn nun an. Eine Liebesnacht findet statt, was wir daran erkennen, dass Christine am nächsten Morgen im Zimmer herumgeht und alle Gegenstände berührt, die sie daran erinnern. So umarmt sie den Bettpfosten und das Kopfkissen. Immer wieder treffen sich ihre liebevollen Blicke. Eine ganz innige Szene... Was für ein schönes Paar!

Der Spanier bricht endlich auf, um seinen Auftrag am schwedischen Hof auszuführen, fürchtet aber, seine Geliebte nicht wiederzusehen. Sie sagt ihm jedoch eine erneute Begegnung fest zu. Am Hof angekommen, schreitet er auf eine strahlend schöne, im funkelnden hellen Kleid, ihn glücklich anlächelnde Königin zu. Als er in ihr seine Geliebte erkennt, bringt er es nicht fertig, das zu tun, wofür er hergekommen ist: Ihr den Heiratsantrag seines Königs zu übermitteln. Eine Pause entsteht. Man beginnt sich zu wundern. Da ruft ihm die Königin nach ein paar einleitenden Sätzen, mit denen sie ihm helfen will, laut und leidenschaftlich zu, was der ganze Hofstaat hören, aber nur ein einziger verstehen soll: "Wir freuen uns sehr auf das Zusammensein mit Euch. Ihr müsst uns von euren Berühmtheiten erzählen, von Velazquez und Calderon. Ihr müssst uns von Euren Städten berichten, von Toledo und Granada, von Madrid und Sevilla!" Besonders berührend gespielt: Als sie unter vier Augen sind, läuft Christine Antonio glücklich entgegen, aber er bleibt kühl. Sie beteuert ihm ihre Liebe, aber er betrachtet das als Scherz. Sie bettelt ihn an: " Ich liebe dich!" Und holt die Münze aus dem Dekolleté, die er ihr gegeben hatte, als sie sich im tiefen Schnee das erste Mal sahen. Jede Nacht hatte sie dieses Geldstück in der Hand... "Bitte vergiss doch, wer ich bin!" Da darf sie ihn endlich umarmen. Heiraten darf sie ihn aus politischen Gründen jedoch nicht. Sogar das Leben Antonios ist in Schweden in Gefahr. "Ich mag nicht mehr nur Symbol sein! Ich will jetzt auch einmal Mensch sein!", sagt sie eines Nachts und fasst einen folgenschweren Entschluss. Am nächsten Morgen setzt sie vor aller Augen die Krone ab und verlässt den Saal. Nie hat Christine königlicher gewirkt als jetzt, da sie nach ihrem Rücktritt zwischen den Reihen ihres enttäuschten Volkes, das sich vor ihr niederwirft und sie noch einmal berühren will, aus dem Palast geht.

Mit Antonio möchte sie in Spanien ein gemeinsames Leben beginnen. Doch der Geliebte überlebt seinen Aufenthalt in Schweden nicht. Sie will dennoch nach Spanien segeln. Sie schaut in die Ferne, auf das weite Meer hinaus, (vom Regisseur so erdacht und von Greta Garbo perfekt umgesetzt) mit einem ganz leeren Blick, der Raum für Interpretationen lässt: Was denkt Christine? Was wird sie tun?

Greta Garbo spielt die Königin einfach göttlich!
33 Kommentare| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 7. Februar 2011
Welcher ist denn nun der beste Greta-Garbo-Film? Ich weiß es auch nicht, und obwohl "Königin Christine" sicherlich nicht der anspruchsvollste und makelloseste ist, kann er vielleicht immerhin als der seltsamste gelten. Man kann sich nämlich ständig fragen, ob das alles nun hemmungslos antiquiert oder kühn avantgardistisch ist, und nicht nur dies übt eine erstaunliche Faszination aus, auch heute noch. Warum das faszinierend ist? Nun, weil man den Eindruck des mutig Beabsichtigten hat. Auch wenn es zunächst scheint, dass Regisseur Rouben Mamoulian die Erwartungen der Fangemeinde (1933 war Garbo längst Kult!) ein bißchen überzuerfüllen gedenkt: Das Historiendrama wird doch sehr auf das Persönliche heruntergebrochen, es gibt Pomp und wahrhaft majestätische Kulissen in gleichsam atemberaubender wie studiokünstlicher Atmosphäre, und es gibt einen fast schon verschwenderischen Umgang mit dem Stilmittel der Großaufnahme. Aber es gibt auch noch ganz Anderes! Königin Christine die Androgyne, Christine die Männliche, Christine die Emanzipierte... und das alles geht weit über die nächstliegenden narrativ-psychologischen Erklärungen hinaus, die da lauten könnten: Die Königin wird gezwungen, ein Land zu regieren, dabei möchte sie doch einfach nur mal Mensch sein... Obwohl diese Dinge alle auch in "Königin Christine" vorkommen, scheint mir das Offensichtliche hier zu einfach. Erstens ist das Androgyne auch in den Stil eingeflossen und weit jenseits der präsentierten Erklärungen präsent: Christine küsst eine Frau auf den Mund, Christine geht der Bruch einer Frauenfreundschaft näher als alle abgewiesenen Freier, Christine ist schon als Kind eigensinnig. Zweitens geht es mit einer künstlichen Irrealität einher, die mir die Figuren jedoch durch das Kreieren einer ganz eigenen Wahrheit näher gebracht hat: Christine gibt sich einmal als Mann aus; wie in einer Oper oder Operette für wirklich jeden Zuschauer, aber nicht für die Protagonisten bemerkbar. Das zeigt jedoch: Angesichts festgefügter Geschlechterrollen (und wir können uns einmal fragen, ob dies wirklich historisch überwunden ist) sieht jedermann nur, was er sehen WILL. Christine hat einen Heidenspaß daran, gewinnt die Oberhand über den Mann ihrer Sehnsüchte und vor allem über uns Zuschauer. Sie macht uns zu Komplizen, gerade wenn sie zulässt, dass der ahnungslose spanische Graf Antonio (John Gilbert) sich mit ihr ein Zimmer teilt und beim Ablegen von Christines Männermantel kaum den Mund zuklappen kann (was übrigens zu einer herrlichen Pre-code-Szene führt, da sich die beiden anschließend auch das Bett teilen). Zu Komplizen macht uns die Garbo hier öfter, und darum ist mir diese Art von künstlichem Edelkino lieber als der kürzlich gesehene "Shanghai Express" mit Konkurrentin Marlene Dietrich. Die Dietrich wurde als unnahbarer "Farbklecks auf der Leinwand" (Regisseur von Sternberg) gestaltet, die Garbo wendet sich uns zu, ist uns nah: Wenn sie es etwa genießt, ganz unköniginnenhaft ihr Gesicht mit Schnee zu waschen. Wenn sie - von wegen, erstmals in "Ninotchka" - herzhaft über das Missgeschick einer im Schnee steckengebliebenen Kutsche lacht. Wenn sie diese wundervollen Großaufnahmen hat und sehnsüchtige oder auch mal herzhaft echauffierte Sätze sagt, aber die Kamera durchaus den "bösen Blick" (diese beiden vertikalen Stirnfalten bei Angespanntheit) oder die eine oder andere Hautunreinheit bloßlegt (was die Dietrich ums Verrecken nicht zugelassen hätte). Wenn diese Aufnahmen so nah herangehen, dass fast nur noch die Augen zu sehen sind (was in völlig anderem Metier erst wieder Sergio Leone zur Blüte bringen sollte). Daneben ist der Film bei aller scheinbaren Banalität doch sehr aufmerksam im Kleinen erzählt; so bewegt er sich beispielsweise gleichzeitig im Kreis und in Vorwärtsrichtung: Zwei Mal widerspricht Christine ihrem Kanzler und väterlichen Freund, am Anfang und Ende des Filmes, als Kind und als Erwachsene, beim Empfang und beim Ablegen der Krone. Sie hat ihren Dickkopf behalten, aber ihn in den Dienst eines anderen, bewusster gewählten Zieles gestellt. So ist es geschickt gewählt, dass sie in einem wundervollen und berühmt gewordenen Schlussbild zu neuen Ufern aufbrechen kann. Dieses Bild mag vielleicht ein heute wohl noch bekannteres inspiriert haben: Leonardo di Caprio und Kate Winslet an der Spitze der Titanic, "Ich bin der König der Welt." Sorry, aber wie viel lieber sehe ich doch Greta Garbo an der Spitze ihres Schiffes, die hier ganz ohne Worte und mimische Aktion auskommt, aber mit einem Blick tief berührt, der noch einmal die Melange aus Leiden, Grübeln und Stärke aufgreift, die den ganzen Film über schon präsent war.
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Der vorliegende Film aus dem Jahre 1933 erzählt die Geschichte von Königin Christine von Schweden( 1626-1683). Allerdings stimmen die historischen Fakten nicht immer, was dem schönen Streifen seinen Reiz keineswegs nimmt. Zu sehen ist keine Dokumentation über die schwedische Königin, sondern ein Spielfim, der Illusionen bedient.
Dennoch ein paar Worte zur realen Christine: Sie ist die Tochter von Gustav Adolf. Als ihr Vater stirbt ist sie sechs Jahre alt. Dank einer gründlichen Erziehung und einer außerordentlichen Auffassungsgabe erwirbt sie eine hohe Bildung; zudem treibt sie Sport, selbst den härtesten. Schon früh zeichnen sich die Charaktereigenschaften der künftigen Königin ab. Sie ist aufbrausend, mißtrauisch, ehrgeizig, ungeduldig und spöttisch. Besonders gutaussehend war sie übrigens nicht. Am 8. Dezember 1644 übernimmt sie die Macht. Sie soll sich kaum um die Regierungsgeschäfte gekümmert und sehr verschwenderisch agiert haben. Aber sie korrespondiert mit allen Gelehrten Europas und holt talentierte Männer nach Schweden, wie etwa Decartes, der dort kurz nach der Ankunft stirbt. In die Regierungszeit von Christine fallen der Vertrag von Bromsebro und der Westfälische Friede. Die Königin lebt wie ein Mann und weigert sich zu heiraten. Sie ruiniert die Staatskasse und verachtet sehr zum Verdruss der Schweden die Reformation, der sie Unfähigkeit zum geistigen Fortschritt vorwirft. Ab 1650 wird sie aufgefordert ihren Nachfolger zu designieren und zwar ihren Vetter Karl Gustav. Indem man ihren Extravaganzen entgegenkommt, gelingt es mittels enormer Vorteile, von ihr 1654 im Schloß von Upsala den Kronverzicht zu erlangen. In Männerkleidung und unter dem Namen Dhona verlässt sie Schweden und tritt in Innsbruck dem Katholizismus bei. In Paris feiert sie später Triumphe und geht 1662 nach Rom , umgibt sich mit Schöngeistern und verstirbt 1683 in dieser Stadt, wo man sie auch bestattet.

Zum Film: Die hinreissend schöne Greta Garbo spielt die Rolle Christines, der man ähnliche Regierungsfähigkeiten zuordnet, wie Elisabeth I diese einst hatte. Sie ist voller Tatkraft und Energie und dient voller Überzeugung ihrem Vaterland. Den schönen Künsten und den Gelehrten ist sie zugetan, genau so wie die reale Christine es einst war , sie liest Moliere und Decartes und führt kluge Dialoge mit den Edlen ihres Landes.
Sie möchte den Krieg beenden und sich am Ausbluten Europas nicht länger beteiligen. Die Männer bei Hofe sind von diesem Entschluss nicht begeistert und sehen in ihrem Wollen eine Pflichtverletzung. Hofintrigen und der ständige Drang Christine entgegen ihrem Wollen zu verheiraten machen die Königin einsam. Sie sehnt sich nach einem anderen Leben. Ihren Cousin , der Kriegsheld Karl Gustav ,soll ihr Gatte werden. Sie schätzt diesen Mann ob seiner Verdienste, möchte ihn aber nicht zum Mann. Stattdessen verliebt sie sich in den spanischen Gesandten Don Antonio, mit dem sie - unmittelbar nach dem Kennenlernen- die Nacht verbringt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass er mit der schwedischen Königin das Bett teilt. Die erfundene Liebesgeschichte mit dem gutaussehenden Spanier( John Gilbert ) veranlasst sie auf den Thron zu verzichten und das Land zu verlassen.....

Dieser Schwarz-Weiß-Film sollte bis ans Ende ihrer Tonfilmtage das Bild der Garbo in der Öffentlichkeit bestimmen. Einige Szenen lassen die damals gerade einmal achtundzwanzigjährige Garbo nicht nur älter , sondern auch weiser erscheinen. Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der sie dem die Palasttreppe hinaufstürmenden Mob, der sich über ihren spanischen Geliebten empört, entgegentritt und Einhalt gebietet. Sie hält dem Volk einen Vortrag über die Sorgen einer Monarchin und als die Leute mit demütigen Entschuldigungen davonschlurfen, nimmt sie deren kindliches Vertrauen mit spöttisch hochgezogener Augenbraue zur Kenntnis.
Interessant auch, wie man das nicht visualisierte Liebesspiel zwischen Garbo und Don Antonio in der ersten Nacht veranschaulicht. Zärtlich umarmt Christine einen phallusartigen Spinnrocken .

Garbos Gesicht, insbesondere ihre Augen ,drücken unendliche Sehnsucht aus. Ihre Schönheit war nicht von dieser Welt. Bewunderswert!

Ein schöner Film!
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Der vorliegende Film aus dem Jahre 1933 erzählt die Geschichte von Königin Christine von Schweden(1626-1683). Allerdings stimmen die historischen Fakten nicht immer, was dem schönen Streifen seinen Reiz keineswegs nimmt. Zu sehen ist keine Dokumentation über die schwedische Königin, sondern ein Spielfim, der Illusionen bedient.
Dennoch ein paar Worte zur realen Christine: Sie ist die Tochter von Gustav Adolf. Als ihr Vater stirbt ist sie sechs Jahre alt. Dank einer gründlichen Erziehung und einer außerordentlichen Auffassungsgabe erwirbt sie eine hohe Bildung; zudem treibt sie Sport, selbst den härtesten. Schon früh zeichnen sich die Charaktereigenschaften der künftigen Königin ab. Sie ist aufbrausend, mißtrauisch, ehrgeizig, ungeduldig und spöttisch. Besonders gutaussehend war sie übrigens nicht. Am 8. Dezember 1644 übernimmt sie die Macht. Sie soll sich kaum um die Regierungsgeschäfte gekümmert und sehr verschwenderisch agiert haben. Aber sie korrespondiert mit allen Gelehrten Europas und holt talentierte Männer nach Schweden, wie etwa Decartes, der dort kurz nach der Ankunft stirbt. In die Regierungszeit von Christine fallen der Vertrag von Bromsebro und der Westfälische Friede. Die Königin lebt wie ein Mann und weigert sich zu heiraten. Sie ruiniert die Staatskasse und verachtet sehr zum Verdruss der Schweden die Reformation, der sie Unfähigkeit zum geistigen Fortschritt vorwirft. Ab 1650 wird sie aufgefordert ihren Nachfolger zu designieren und zwar ihren Vetter Karl Gustav. Indem man ihren Extravaganzen entgegenkommt, gelingt es mittels enormer Vorteile, von ihr 1654 im Schloß von Upsala den Kronverzicht zu erlangen. In Männerkleidung und unter dem Namen Dhona verlässt sie Schweden und tritt in Innsbruck dem Katholizismus bei. In Paris feiert sie später Triumphe und geht 1662 nach Rom , umgibt sich mit Schöngeistern und verstirbt 1683 in dieser Stadt, wo man sie auch bestattet.

Zum Film: Die hinreissend schöne Greta Garbo spielt die Rolle Christines, der man ähnliche Regierungsfähigkeiten zuordnet, wie Elisabeth I diese einst hatte. Sie ist voller Tatkraft und Energie und dient voller Überzeugung ihrem Vaterland. Den schönen Künsten und den Gelehrten ist sie zugetan, genau so wie die reale Christine es einst war , sie liest Moliere und Decartes und führt kluge Dialoge mit den Edlen ihres Landes.
Sie möchte den Krieg beenden und sich am Ausbluten Europas nicht länger beteiligen. Die Männer bei Hofe sind von diesem Entschluss nicht begeistert und sehen in ihrem Wollen eine Pflichtverletzung. Hofintrigen und der ständige Drang Christine entgegen ihrem Wollen zu verheiraten machen die Königin einsam. Sie sehnt sich nach einem anderen Leben. Ihren Cousin , der Kriegsheld Karl Gustav ,soll ihr Gatte werden. Sie schätzt diesen Mann ob seiner Verdienste, möchte ihn aber nicht zum Mann. Stattdessen verliebt sie sich in den spanischen Gesandten Don Antonio, mit dem sie - unmittelbar nach dem Kennenlernen- die Nacht verbringt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass er mit der schwedischen Königin das Bett teilt. Die erfundene Liebesgeschichte mit dem gutaussehenden Spanier( John Gilbert ) veranlasst sie auf den Thron zu verzichten und das Land zu verlassen.....

Dieser Schwarz-Weiß-Film sollte bis ans Ende ihrer Tonfilmtage das Bild der Garbo in der Öffentlichkeit bestimmen. Einige Szenen lassen die damals gerade einmal achtundzwanzigjährige Garbo nicht nur älter , sondern auch weiser erscheinen. Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der sie dem die Palasttreppe hinaufstürmenden Mob, der sich über ihren spanischen Geliebten empört, entgegentritt und Einhalt gebietet. Sie hält dem Volk einen Vortrag über die Sorgen einer Monarchin und als die Leute mit demütigen Entschuldigungen davonschlurfen, nimmt sie deren kindliches Vertrauen mit spöttisch hochgezogener Augenbraue zur Kenntnis.
Interessant auch, wie man das nicht visualisierte Liebesspiel zwischen Garbo und Don Antonio in der ersten Nacht veranschaulicht. Zärtlich umarmt Christine einen phallusartigen Spinnrocken .

Garbos Gesicht, insbesondere ihre Augen ,drücken unendliche Sehnsucht aus. Ihre Schönheit war nicht von dieser Welt. Bewunderswert!

Ein schöner Film!
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am 29. November 2005
Unter der Regie von Rouben Mamoulian entstand 1933 einer meiner Lieblingsfilme "Königin Christine" mit einer brilliant aufspielenden Greta Garbo. An ihrer Seite agierte der bezaubernde John Gilbert, der als spanischer Botschafter Don Antonio Charme und Esprit versprüht, die einen auch als Zuschauer überwältigen (Beide waren auch zeitweise privat liiert gewesen).
Der Film basiert auf dem Leben der historischen Persönlichkeit Christine, Tochter von Gustav Adolf II. (fiel im 30-jährigen Krieg), welche am 18.12.1626 in Stockholm geboren wurde und am 19.04.1689 in Rom verstarb. Sie war schwedische Königin von 1632 bis 1654 (bis 1644 unter Regentschaft) und dankte 1654 ab.
Was nach kalten Fakten aussieht, wird dem Zuschauer als menschlich anrührende Geschichte eines starken Charakters präsentiert.
Christine (Greta Garbo), die schon als Kind nach dem Tod ihres Vaters die königlichen Pflichten erfüllen muß, entschließt sich trotz aller Widerstände den Krieg in Europa zu beenden und Friedensverhandlungen aufzunehmen. Auf einem Ausritt lernt sie mehr zufällig den spanischen Botschafter Don Antonio (John Gilbert) kennen und lieben (wunderbare Szenen, denn er hält sie zuerst für einen jungen Herrn). Die höfischen Interessen, die eine Verbindung mit Cousin Karl wünschen und die Intrigen des eifersüchtigen Graf Magnus (Ian Keith) zwingen Christine zu einer lebenswichtigen Entscheidung. Ihr Liebesglück ist allerdings nur von kurzer Dauer ...
Folgender Textauszug bringt das Seelenleben von Christine auf den Punkt und spricht für das ausgezeichnete Drehbuch:
..."Diese Last ist zu schwer für mich. Ich wuchs im Schatten eines großen Mannes auf. Ein Leben lang war ich ein Symbol. Ein Symbol ist unsterblich, beständig, eine Abstraktion. Ein Mensch ist sterblich und wandelbar, mit Sehnsüchten und Impulsen, Hoffnungen und Zweifeln. Ich will kein Symbol mehr sein Kanzler. Ich will ein Mensch sein."...
Ob sich diese Geschichte historisch gesehen genauso zugetragen hat, weiß ich nicht. Doch das macht nichts. Ich liebe sie so wie sie ist. Also genießen Sie diesen romantisch-tragischen Film ruhig im Original (mit Untertiteln), denn Greta ist einfach Spitze.
Der Film liegt für sein Alter in guter DVD-Qualität vor und bietet als Bonusmaterial den Kinotrailer und eine Szenenauswahl an.
Fazit: Unvergesslicher Filmgenuß!!!
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am 15. September 2013
Der historische Schwarz-Weiß-Film über das Leben der schwedischen Königin Christine ist zwar sehr alt, von 1933, aber wirklich sehr sehenswert.Er entspricht zwar nicht ganz den historischen Tatsachen, wird aber hervorragend gespielt in der Hauptrolle von einer bezaubernden Greta Garbo. Es ist wirklich großes Kino. Auch die Filmmusik unterstreicht die Handlung gut. Er ist sehr interessant und packend, spannend, gefühlvoll und manchmal auch sehr zum Lachen, eben alles, was zu einem guten Film gehört. Da stört es gar nicht, dass dieser Film leider nur in Schwarz-Weiß ist. Ich denke, er gehört wohl zu den besten Filmen seiner Zeit.
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