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am 29. April 2016
Wenn ich etwas lese, das Wertanschauungs-/Glaubensthemen in Frage stellt, kann die Lektüre nur entspannend anregend sein - denn mitnichten nehme ich den Inhalt als weiteres Wertanschauungs-/Glaubensthema an - und kann damit jeden Anspruch auf "Recht oder Unrecht haben wollen" einfach links liegen lassen.
Und dieses Buch - in Teilen hoch analytisch - in anderen Teilen emotional - dann auch mal widersprüchlich - hier und da für den Autor manifestierend, an anderen Stellen auf mich unsicher tastend wirkend - hat viele Anregungen parat.
Und das - macht es für mich zu einem richtig guten Buch.
Danke.
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am 21. Oktober 2015
Man hätte wesentlich mehr aus den Themen machen können und die erste Hälfte ist in meinen Augen völlig überflüssig. Aber ab und zu findet man eine Perle und die ist es wert. Religionskritik ist dieser Tage wichtiger denn je, wenn wir uns endlich aus dem geistigen Urschlamm erheben wollen.
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am 14. September 2009
Michael Schmidt-Salomon hat ein Werk vorgelegt, welches einen völlig neuen Blick auf die Realität ermöglicht. Eine kurze Anmerkung zum Untertitel des Buches, der leicht missverstanden werden kann:

'Moral' definiert der Autor als Abwägung der "subjektiven Wertigkeit von Menschen vor dem Hintergrund vermeindlich vorgegebener, metaphysischer Beurteilungskriterien (gut oder böse)".
'Ethik' hingegen beschreibe die "objektive Angemessenheit von Handlungen anhand intersubjektiv festgelegter und immer wieder neu festzulegender Spielregeln (fair und unfair)".

In 'Jenseits von Gut und Böse' wird 'das Böse' als ein ideologische Etikett entlarvt, womit Andersdenkende einfach und effektiv diffamiert werden können. Einfache Kategorien wie Gut und Böse seien ein zerstörerisches Relikt der kulturellen Evolution. Bei dieser Denkweise würden leider nicht nur die strukturellen Entwicklungsbedingungen des Individuums berücksichtigt, sondern vor allem dessen 'persönliche Schuldfähigkeit'. Die Eigenschaften eines jeden Menschen seien aber in Wirklichkeit allein auf Erbgut und Umwelteinflüsse zurückzuführen - nicht etwa auf freie, ursachenlose Entscheidungen zum Guten oder zum Bösen. Dieses metaphysischen Ideenkonstukt solle letztlich vor allem dazu dienen, andere Menschen(gruppen) pauschal zu verteufeln, um sie so aus der ethischen Berücksichtigung auszuschließen (zu dehumanisieren). Alle fanatisch-dogmatischen Ideologen hätten sich die Funktionsweise dieser Lehre letzlich (wenn auch unbewusst) zu Nutze gemacht.

Aus diesen Überlegungen folge dem Autor zufolge keinesfalls eine Reduzierung des Menschen zu einer 'biologische Maschine'. Dieses Urteil würde stark die Lebenskraft und Kreativität jedes Menschen verkennen, der die Vorzüge eines wirklich selbstbestimmten Leben verstanden hat. Als Alternative wird die offene Weltanschauung Humanismus und Aufklärung aufgeführt. Eine interessenorientierte Ethik könne niemals relativistisch in jeder Hinsicht sein. Sie könne nämlich auf Grundpfeiler wie Logik und Empirie nicht verzichten.

Der zweite Teil des Buches befasst sich vor allem mit praktischen Schussfolgerungen aus der Argumentation des ersten Teils. Schmidt-Salomon empfielt "heitere Gelassenheit" als "Kunst, sich selbst zu verzeihen", um sich dann mit "brennender Gelassenheit" für wahrhaft humane Ideale einzusetzen. Trotz der zunächst esoterisch anmutenden Sprache, gelingt dem Autor gelingt eine humanistische Synthese aus fernöstlicher Mystik und westlicher Rationalität. Dieser Ansatz kommt jedoch gänzlich ohne metaphysisch-dogmatische Spekulationen aus. Im Gegenteil, Schmidt-Salomon fühlt sich der Tradition der Aufklärung verpflichtet: Kritik wird als Geschenk verstanden, Fehler einzugestehen als große Kunst und Vergeltung als Unglücksbringer in jeder Hinsicht.
Als Methode, ein glückliches Leben zu führen, empfielt Schmidt-Salomon eine Synthese aus drei verschiedenen Geisteshaltungen. Außerdem gibt er eine außerordentlich verblüffende und faszinierende Perspektive auf eine Politik, Rechtssprechung und Wirtschaft, die sich ethisch statt moralisch verhalten würde. An dieser Stelle soll jedoch nicht zuviel verraten werden, sonst bietet das Lesen selbst ja keine Aha-Erlebnisse mehr.

Die theoretische Herangehensweise des Buches ist nicht in allen Punkten völlig neu, aber noch nie so prägnant auf den Punkt gebracht worden. Kein anderer Autor unserer Zeit hat bisher so klar und logisch koherent die Zusammenhänge zwischen moralischem Denken und Demagogie sowie den daraus resultierenden fatalen Gewaltspiralen herausgestellt. Dank Schmidt-Salomons klarer und pointierter Sprache bereitet bei diesem Buch nicht nur der Inhalt, sondern auch der gewitze Schreibstil eine Menge Freude. Zudem wird jedes Argument mit Fußnoten und einem Literaturverzeichnis belegt, wodurch sich das Buch klar von populärwissenschaftlichen Werken abhebt. Der Lesefluss muss darunter aber glücklicherweise niemals leiden.

Lesen Sie selbst! Es könnte die aufklärende Befreiung im Denken und Handeln sein, auf die Sie immer gewartet haben!
2424 Kommentare| 188 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Michael Schmidt-Salomon (MSS) skizziert eine menschenfreundliche Philosophie jenseits von Gut und Böse. Er verabschiedet sich von den archaischen Denkmustern Schuld und Sühne. Das Böse sei eine Wahnidee. Das Sündenfall-Syndrom beruht auf den zwei Axiomen "Der Mensch verfügt über einen freien Willen" und "Gut und Böse existieren als absolute moralische Kategorien", die zwar zum festen Bestandteil unserer Kultur geworden, jedoch nicht zwingend sind.

Es ist ein Mythos, dass das sogenannte Böse erst mit dem Menschen in der Welt aufgetaucht ist. Auch in der Tierwelt gibt es grausame Verhaltensweisen. MSS nennt Beispiele aus dem Reich der Affen. Ursache für grausame Verhaltensweisen bei Mensch und Tier ist das (biologisch erklärbare) Prinzip Eigennutz.

Die moderne Hirnforschung lehrt uns, dass das Ich eine Konstruktion des Gehirns ist (siehe z.B. Thomas Metzinger "Der Ego-Tunnel"). Die grundlegende Funktion des Bewusstseins ist es nicht, das Verhalten zu steuern, sondern dem Ich einleuchtende Begründungen dafür zu liefern, warum es sich so und nicht anders verhält.

Bereits Schopenhauer erkannte, dass ein von Ursachen unabhängiger (also freier) Wille gegen das Kausalitätsprinzip verstoße. Die Menschen schließen aus der Handlungsfreiheit (tun zu können, was man will) auf die Existenz von Willensfreiheit (beliebig wollen zu können, was man will). Ein freier Wille ist mit wissenschaftlichen Überlegungen nicht zu vereinbaren. Fallen innere und äußere Zwänge weg, haben wir Handlungsfreiheit und fühlen uns frei.

Das Thema Willensfreiheit ist nicht nicht in Stein gemeißelt. Es gibt sehr wohl unterschiedliche Auffassungen, wie in "Was ist der Mensch?" von Michael Pauen und "Hirnforschung und Willensfreiheit", herausgegeben von Christian Geyer, deutlich wird. Dies gilt auch für den Zusammenhang der Begriffe "Ursachen" und "Gründe".

Im dritten Kapitel erläutert MSS seine Definitionen von Moral und Ethik. In der Moral geht es um subjektive Wertigkeit von Menschen vor dem Hintergrund vermeintlich vorgegebener metaphysischer Beurteilungskriterien, in der Ethik hingegen um die objektive Angemessenheit von Handlungen anhand intersubjektiv ausgehandelter Spielregeln. Die Ethik sucht faire Lösungen, die Moral beruht auf religiös geprägten Dogmen. Bei der Moral steht die persönliche Schuldfähigkeit im Fokus, die notwendigerweise Willensfreiheit impliziert, womit sich der Kreis schließt (siehe Sündenfall-Syndrom). Provokant wirkt die Anwendung von MSS Thesen auf Verbrecher des Nationalsozialismus. Da wird noch viel Wasser den Rhein entlang fließen, bevor die Moral im konventionellen Sinne gesellschaftlich fallen gelassen wird.

Im Hinblick auf diese Thematik will auch nicht so recht eine heitere Gelassenheit aufkommen, wie MSS sie in den folgenden Kapiteln propagiert. Die Leichtigkeit des Seins soll sich einstellen, wenn keine Schuldgefühle, kein Stolz und keine Versagensangst mehr da sind. "Wer mit sich selbst Frieden schließen will, der sollte sein Selbst nicht zu ernst nehmen" klingt nach Psycho-Ratgeber. Schuldvorwürfe beruhen auf falschen (moralischen) Denkvoraussetzungen; Reue korrespondiert mit Ethik. Wenn der Wille nicht frei ist, welchen Einfluss habe ich dann, diese Denkmuster zu ändern? "Lernen wir zu ertragen, der zu sein, der wir sind, um gleichzeitig daran zu arbeiten, der zu werden, der wir optimalerweise sein könnten" ist MSS rational mystische Antwort.

Im fünften Kapitel thematisiert MSS Kritikfähigkeit, die ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklungsgeschichte der Naturwissenschaften ist, jedoch bei den (statischen) Religionen fehlt. Bei Aussagen, die einen hohen Wahrheitsanspruch für sich reklamieren, ist das Prinzip der Kritik unerlässlich.

Die Folgen für die Rechtsprechung erläutert MSS am Beispiel von Dostojewskis "Schuld und Sühne". Ein unfreier Wille führt nicht dazu, vor Gericht freigesprochen zu werden. Für das Gericht ist der Inhalt des Handelns entscheidend. Es geht nicht um subjektive moralische Schuld, sondern um objektive Verantwortung. Die Zeche ist zu bezahlen, daran ändert auch die Abkehr von Gut und Böse nichts.

In "Die frohe Botschaft für nackte Affen" erteilt MSS den Lesern eine Lektion in Bescheidenheit "Denn es ist nicht bloß so, dass unsere Vorfahren Affen waren, wir sind im Grunde genommen Affen geblieben!". Und weiter "Wir maßten uns an, etwas zu besitzen [Willensfreiheit], was sonst in der gesamten Natur nicht vorkommt, wollten "unbewegte Beweger" sein, Miniaturausgaben jenes ursachenfrei agierenden Gottes, als dessen Ebenbilder wir uns wähnten." Und noch ein Zitat von MSS: "Wir können unserem Leben einen Sinn geben, der sinnlich erfahrbar ist und nicht übersinnlich herbeihalluziniert werden muss."

Eines der m.E. wichtigsten Themen "Emergenz", welches thematisch mitten ins Buch gehört, hat MSS, der Komplexität wegen, als letztes Kapitel angefügt. Es geht um Mikrodetermination (Bestimmung des emergenten Systems durch Ursachen auf niederer Integrationsebene) und Makrodetermination (Rückwirkung des emergenten Systems auf niedere Integrationsebenen).

MSS lehnt sowohl den radikalen eliminatorischen Reduktionismus (Phänomene der Biologie und Kultur sind vollständig auf physikalische Prinzipien zurückzuführen) als auch das starke anti-naturalistische Emergenz-Prinzip (emergente Prozesse sind nicht durch Ursachen auf niederer Integrationsebene determiniert) ab. Er favorisiert ein starkes, naturalistisches Emergenz-Prinzip: Kausalität wird durch das Auftreten emergenter Phänomene nicht durchbrochen; kulturelle Phänomene widersprechen nicht den grundlegenden biologischen, chemischen und physikalischen Determinanten, werden durch diese jedoch nicht hinreichend erklärt.

Im Bereich der Makrodetermination liefert MSS mit dem evolutionären Selektionsprinzip einen naturalistischen Ansatz, wie diese denn funktionieren kann. Die Frage, wie ein Gedanke Auswirkungen auf Moleküle und Atome hat, ist mit dem evolutionären Selektionsprinzip, wo Häufigkeiten beeinflusst werden, nicht hinreichend erklärt. Das Modell erklärt, wie ein emergenter Prozess seinen "Fußabdruck" in der physikalischen Welt hinterlässt, es erklärt aber nicht, wie ein Gedanke auf die physikalische Welt wirkt.

Wir unterliegen einer Jahrtausende alten Prägung von Gut und Böse. MSS versucht diese mit naturalistischen Argumenten aufzubrechen. Er rüttelt, wie auch schon die Hirnforschung in den letzten Jahrzehnten, am Selbstverständnis des Menschen. Ob es gelingt, das Weltbild zu verändern, wird die Zukunft zeigen. Das Buch, welches sich an eine breite Leserschaft richtet, sollte man lesen, wenn man bereit ist, sich kritisch mit dem Thema "Gut und Böse" auseinander zu setzen. Es sollte aber nicht das einzige Buch zum Thema sein.
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am 12. Oktober 2009
Wie geht es einem bis vor Kurzem eher unreflektierten Atheisten mit dem vermutlich normalen Rechtsempfinden eines unzureichend philosophisch gebildeten Ingenieurs nach diesem Buch?
Nach dem ersten Durchgang durch "Jenseits von Gut und Böse" von Michael Schmidt Salomon? Nach der Verunsicherung oder Versicherung durch ein Buch, das alle paar Seiten die Nackenhaare aufstellt?
Da gibt es einige mächtige Brocken zu schlucken. Oder wie man so sagt, einen Paradigmenwechsel in Erwägung zu ziehen oder eigentlich deren mehrere. Je nach weltanschaulichem Ausgangspunkt und Bedürfnis nach externen Stützen zieht einem das Buch erst mal fast alle Teppiche weg. Und dennoch fällt man weich, wenn man sich darauf einlassen kann. Eigentlich wollte ich sagen: einlassen will - aber schon dieses Wollen zu Wollen steht ja nicht zur Auswahl - folgt man einem Hauptgedanken dieses Buches.

Schon bei der Vorstellung des Buches in Regensburg konnte ich erleben, dass auch Menschen, die nicht von der Gottlosigkeit (meint Abwesenheit von Gotteswahn) der Denke und des Autors irritiert sein können, mit den verzwickten Folgerungen erhebliche - auch emotional bedingte - Schwierigkeiten haben. Dabei waren die Anwesenden grundsätzlich dem Autor wohl gesonnen.

Seine zentrale Aussage, wir hätten keinen freien Willen, also in gegebenem Augenblick, Situation und Historie keine Handlungsoption, ist offenbar nicht Gemeingut - vorsichtig gesagt. Sofort anstehende Fehlschlüsse hin zu Fatalismus, Rechtlosigkeit und Sinnlosigkeit aber sehr wohl.
Ich weiß immer noch nicht, ob ich mehr daran zu beissen habe, dass mir es nicht bewusst war oder dass ich nicht mal wusste, dass diverse Philosophen und Naturwissenschaftler schon lange den freien Willen verneinen - teils aus theoretischen Überlegungen, teils abgeleitet aus Gehirnforschung.

Irritierend! Immer wieder Auflehnung in mir und Mühe bei der Eingrenzung oder Eindämmung der Folgen: Tatsächlich ist die Neigung groß, bei jedem Schritt den Verlust allen Sinns, aller Werte, aller Rechte, aller Menschlichkeit zu wittern und damit vielleicht den Verlust aller Lebensfreude.
Dabei folgt aus der Abwesenheit "des Bösen" noch ohne Kopfschmerzen das Konzept der Unschuld (im Gegensatz zur Ur-Schuld = Ur-Sünde).
Aus der Unschuld folgt zusammen mit dem nicht freien Willen die Un-Schuld, also die Unmöglichkeit, Schuldig im moralischen Sinn zu sein. Weil auch gleich Moral zugunsten der Ethik eliminiert wurde.
Nicht schuldig sein zu können bedeutet aber nicht, nicht bestraft zu werden von der Gesellschaft. Vielleicht sollte man anstatt Strafe auch gleich sagen: zurechtgewiesen.

Hoppla, jetzt bin ich schon mittendrin im Inhalt und seinen Herausforderungen. Das führt zu weit hier beim ersten Bericht.

Nun ahne ich schon, wie Manche jede Konstruktion in Jenseits von Gut und Böse verreissen werden, als jenseits von Gut und Böse sozusagen, also als indiskutabel. Man kann leicht jede Folgerung unter Anwendung jedes denkbaren (und oft gedachten) Fehlschlusses ins Lächerliche und vermeintlich Unmögliche ziehen. Die Welt untergehen sehen, weil sie keine Moral mehr hat. Und damit nur noch Langnasenaffen mit Haarausfall, Neigung zu Schweissfüssen und Denkfehlern ohne Sinn und Zweck auf einem Staubkorn im Universum dahinvegetieren.
Soll heißen, ich kann mir vorstellen, dass es dieses Jenseits von Gut und Böse gibt wie beschrieben.
Einerseits.
Andererseits bleibt das unbehagliche Gefühl eines Zuschauers beim Hütchenspiel: Nur einmal gelesen und das Meiste noch nie gedacht (jedenfalls nicht im assoziativen Cortex, weil das dort so teuer und mühsam ist, wie ich gelernt habe) - würde ich da gleich logische Brüche entdecken? Bisher habe ich keinen gefunden - aber das muss nichts heissen.
Allerdings habe ich mich auch gerne auf Nuancierungen in Wortbedeutungen eingelassen. Als Ingenieur und Mann der Software fällt mir das noch vergleichsweise leicht. Aber als Programmierer weiß ich auch: Ein Fehler ist schnell gemacht, schwer gefunden und nicht immer leicht entfernt.
Vielleicht ist das Buch ja noch im Beta-Stadium und versteckte Fehler nerven mich bald.

Empfehle ich also dieses Buch?

Geschrieben ist es leicht verständlich, was Wortwahl und Satzbau anbelangt. Der Aufbau ist angemessen und zielführend. Jeder an einem Sachbuch interessierte Leser dürfte es ohne Probleme in sein "blumenkohlartiges Organ" hineinbekommen. Ungleich leichter verständlich beispielsweise als das Traktat über kritische Vernunft von Hans Alber (Trotzdem ein Muß!).

Für mich war die Reise aus "dem Paradies" durch unfassbar viel Leid produzierende Überzeugungen in Richtung zu einem Fast-Paradies faszinierend und spannend, erhellend und ermutigend.

Heftige Empfehlung also für robuste freigeistige Gemüter, die in Erwägung ziehen können, auf ihren freien Willen zu verzichten und zu Vergeben statt zu Vergelten.

Wer dagegen für sein Leben auf Konstruktionen wie Gott, Das Böse, Rache, Schuld und Sühne, apokalyptische Ereignisse und seinen freien Willen keinesfalls verzichten kann, sollte es sich nicht antun. Er könnte erheblich desorientiert und verletzt werden. Was ausdrücklich nicht an einer scharfmachenden Diktion liegt. Da ist Richard Dawkins im Gotteswahn wesentlich weniger zimperlich. Aber diesem Personenkreis könnte dieser Inhalt selbst mit "Engelszungen" überbracht existentielle Schmerzen bereiten.

Nun sind 5 Sterne ja immer gefährlich, weil zu vermuten ist, daß die kritische Distanz fehlt. Also sage ich noch, warum ich "trotzdem" 5 Sterne vergebe:

Trotz viel und teilweise nerviger Redundanz, weil das tun "die Anderen" ja dauernd und seit Jahrhunderten. Aber das ist ja ein Ingroup / Outgroup Denk-Reflex - ich werde mich bessern.

Trotz wenig zu Lachen während der Lektüre. Aber es ist ja auch nicht von Douglas Adams geschrieben, der in "Die letzten Ihrer Art" traurige und ernste Tatsachen höchst humorvoll verpackt.

Trotz viel Provokation durch abgekürzte Überschriften und unvermitteltes Kappen von tragenden Seilen, ehe die Ersatzseile zu sehen sind. Schon der Titel und Untertitel reicht aus, um das Buch gar nicht erst anzufassen - weil nicht erkennbar ist, dass nicht der Fall in die unendliche Leere folgt, sondern das Sprungtuch schon aufgespannt ist.

Ich sage Danke für diese erste Version einer existentiell wichtigen Paradigmenwechsel-Sammlung für ein besseres und freundlicheres und erfüllteres Leben. Und wünsche dem Autor gute Nerven respektive heitere Gelassenheit angesichts der anstehenden Verrisse.
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am 19. Juli 2016
Ich finde die Gedanken des Autors im Einzelnen sehr interessant, nur überzeugen mich die Schlüsse, die er daraus zieht, leider nicht.
Die "harte Frage", wie Oliver Sacks sie nannte, ist weiterhin ungeklärt und wird es für uns Menschen möglicherweise auf immer bleiben. Zu behaupten, es gäbe keinen freien Willen, bzw. es gäbe ihn sehr wohl (z.B. laut des von einem Rezensenten hier gerühmten Joachim Bauer) halte ich für wenig seriös:
1. Die materialistische Idee die Wahrnehmungsfähigkeit von Ur-Lebewesen sei damit zu erklären, dass es evolutionär von Vorteil war zwischen Wohl und Wehe fühlend unterscheiden zu können, erklärt nicht, was sie zu erklären vorgibt. Was haben reagierende zuckende Nervenzellen mit einem Bewusstsein oder einer sonst wie noch so primitiven Wahrnehmungsfähigkeit zu tun? Was ist mit dem Gegenstück zu den reagierenden zuckenden Nervenzellen? Und warum sollte es eine Bewusstheit überhaupt geben, wenn sie doch gar kein Vetorecht hat und eben nichts bewirken kann?
2. Die materialistische Idee das sich selbst wahrnehmende Bewusstsein, bzw. das Empfinden einer Ich-Identität sei deswegen entstanden, damit die determinierende Steuerungseinheit im Gehirn sich selber vorgaukeln kann, ein jemand zu sein, wäre doch ein unnötiges Unterfangen. Noch mal, wenn jene Steuerungseinheit kein Vetorecht besitzt, warum soll sie denn von irgendetwas überzeugt sein, um funktionieren zu können? Wenn es doch nur um die Differenzierung von Wohl und Wehe geht, nützlich oder weniger nützlich, rot oder blau im Geiste des Eigennutzprinzips sollte unser unfassbar wunderliches und wunderbares Gehirn dieses doch auch sehr gut ohne Selbstwahrnehmung und Ich-Identität zustande bringen können. Ein Prinzip, das einer fühlenden und schlicht der Beobachtung fähigen Wesensinstanz vorgaukelt, es habe einen freien Willen und verfüge über eine grundlegende Entscheidungsbefugnis, die es de facto aber nicht besitzt, wäre doch schlicht und einfach sinnlos (um nicht zu sagen sadistisch). Oder mache ich da einen Denkfehler?
3. Der Materialismus oder wie im vorliegenden Buch auch der evolutionäre Humanismus stützen sich auf einen einzigen wackligen Pfeiler: dass der Dualismus, bzw. ein Geist, eine Seele, oder was auch immer uns da im Innern zusammen halten mag, nicht zu belegen ist; sprich nicht messbar und auch sonst nicht aufspürbar ist.
Zu der Frage, warum wir Menschen, davon absehen sollten, Dinge die wir nicht erklären können folglich auch für nicht möglich zu halten, empfehle ich wärmstens die Lektüre von Thomas Nagel "Der Blick von nirgendwo".
4. Wir befinden uns im Jahr 2016. Das Buch wurde 2009 herausgegeben. Der Autor konnte noch nicht wissen, was wir inzwischen wissen: dass es ein weiteres Experiment zu Libet gibt, in dem Versuchsteilnehmer ihre Verhaltensabsicht eben doch im letzten Moment umlenken konnten entgegen der im Scanner gezeigten Hirnaktivität. Aber ich bin mir unsicher, ob man mit Geräten dieser Art in der Frage des Materialismus versus Dualismus überhaupt weiter kommen kann. Nichts desto trotz, interessant ist die Neurowissenschaft dennoch und man weiß ja nie.

Dass der Mensch stark von äußeren und inneren Zwängen in seinen Handlungen determiniert wird, ist kaum zu bezweifeln; auch nicht dass er nur aus einem ihm zugänglichen Pool von Gedanken und Gefühlen schöpfen kann, aber ob er innerhalb dieses Pools freien Willens und selbstbestimmt agieren kann oder nicht, bleibt letztlich für mich ungelöst und genauso die Frage, wie gehe ich am besten mit Boshaften um, die auf meine Betroffenheit mit Schadenfreude reagieren: wohlwollend darauf zugehend, "aktives Zuhören" und "gewaltfreie Kommunikation" praktizierend? Wenn mir das jetzt etwas besser gelänge, wäre ich wohl schon etwas stolz auf mich, uups, geht ja nicht.
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am 18. November 2015
Ich schätze H. Schmidt-Salomon sehr. Warum? Es gibt wenig Menschen, die sich und andere so treffend einschätzen und z.B. die Wirkung und die Funktionsweise von Glauben und Religion begreifen (und was Religion eigentlich ist).
Ein großer Aufklärer fernab von Religion und Esoterik.
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am 6. Februar 2014
Jetzt wird's noch müßamer, mit Menschen zu diskutieren, die aufgrund ihrer Memplexe von der eigenen neuen Freiheit überhaupt nichts halten können ;-) Die Welt ist so gefährlich, böse und gemein *Ironie*
Großartiges, aufklärendes Buch; Danke und Respekt für so viel Allgemeinbildung gepaart mit echter Bescheidenheit! Das macht für mich Glaubwürdigkeit aus, was ich bei anderen Büchern/philosophischen Werken/Gesellschafts&Religionskritiken stärkstens vermisse!
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am 30. Mai 2014
Die Vorstellungen von Gut und Böse aufzugeben ist eine ungeheuerliche Forderung, die der Autor an uns Leser stellt. Wirft sie doch ein Gesellschaftsmodell über den Haufen, das sich über Jahrtausende "bewährt" hat. Aber genau darum geht es: hat sich der Memplex von Gut und Böse wirklich bewährt oder uns gar derart in die Irre geführt, dass allein die Vorstellung von dem Bösen es erst möglich macht, böse zu handeln???

Der Untertitel: "Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind", ist sowohl provokativ als auch ein einleitendes Versprechen von Befreiung. Das Thema dieses Buches ist kein geringeres, als die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ein Ort ohne Rache, ohne Genozid? Vielleicht.

UNBEDINGT LESENSWERT - und immer schön offen bleiben ;-)
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am 22. Januar 2010
Ich habe beschlossen, es jetzt doch mal mit einer Rezension des Buches zu versuchen. Ich bin vorsichtig damit, weil ich, je mehr ich mich mit dem Inhalt und der Rezeption des Buches beschäftige, immer unsicherer werde, wie man das Buch "fair" bewerten soll. Also: als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, war ich absolut begeistert. Der Stil ist ansprechend und flüssig und das Thema und die Argumentation werden auf interessante und oft sogar spannende Weise dargestellt. Außerdem gewinnt man schnell den Eindruck, dass der Autor wirklich einen tiefen Einblick in das Themengebiet besitzt.
Auf den Inhalt möchte ich nicht mehr im Detail eingehen. Ich denke, dass das andere Rezensenten schon sehr ausführlich getan haben. Nur soviel: der Autor zeigt auf angenehm rationale Weise, dass wir selbst in unserer "modernen" Gesellschaft immer noch der religiösen Weltsicht von "Gut und Böse" anhängen. Diese Sichtweise basiere auf der Annahme, dass der Mensch einen freien Willen besitzt. Mit Hilfe der Evolutionsbiologie und der modernen Neurowissenschaften kommt er zu dem Schluss, dass dem nicht so sei und entwickelt daraufhin eine Ethik, die frei von Schuld und Sühne zu einem weitaus rationaleren Umgang mit dem Fehlverhalten von Menschen führt. Auch zeigt er auf, dass ein Abschied von der Willensfreiheit keineswegs zu Nihilismus oder ethischem Relativismus führt.
Die scheinbar undogmatische und logische Argumentation hat - obwohl ich mich zwischendurch immer wieder mal gefragt habe, ob die wissenschaftliche Basis, v.a. die Ablehnung der Willensfreiheit durch die Hirnforschung, auch korrekt ist - dazu geführt, dass ich das Buch nahezu in den Himmel gehoben habe. Ich war vom Inhalt überzeugt und fragte mich mal wieder, ob der Naturalismus/Materialismus nicht doch eine ausreichende Erklärung der Welt liefere. Erst als wir in einer Philosophiegruppe über das Buch diskutierten und ich mich anschließend mit anderen Rezensionen des Buches befasste wurde mir klar, dass ich das Buch zu unkritisch beurteilt hatte. Streng genommen ist die zentrale Prämisse des Buches, nämlich das Nichtvorhandensein von Willensfreiheit, wissenschaftlich nicht haltbar. Selbst renommierte Hirnforscher wie z.B. Wolf Singer halten die Frage nach wie vor für offen (s. z.B. seinen Vortrag "Philosophische Implikationen der Hirnforschung", Leipzig 2007). Zwar halte ich die Unterscheidung des Autors zwischen Willens- und Handlungsfreiheit für interessant, aber leider lässt er viele Details (z.B. warum ausgerechnet das "Prinzip Eigennutz" den Determinismus der menschlichen (Un-)Freiheit aufhebt) im Dunkeln. Dogmatisch könnte man jetzt behaupten, dass seine komplette Argumentation damit in sich zusammenfällt. Soweit möchte ich aber sicherlich nicht gehen. Ich halte das Buch auch weiterhin für sehr lesenswert. Es ist ein Buch, das zum philosophischen Nachsinnen einlädt und viele interessante Fragen aufwirft. Wichtig ist wie gesagt nur, dass man sich nicht zu sehr in der Argumentation des Autors verliert und seine Argumente kritisch für sich überprüft. Dann steht einem intelligenten Lesevergnügen nicht mehr im Wege.
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