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TOP 1000 REZENSENTam 25. November 2012
Was haben Grüfte, Kerker und Irrenanstalten gemein? Was vereint sie mit Umweltzerstörung, Naturkatastrophen und Spukerscheinungen?

Auf den ersten Blick erscheint die Zusammenstellung von Norbert Borrmanns 2004 erschienenem Buch "Orte des Schreckens" unverständlich, wie ein Kompendium aller Plätze, Räume und Situationen, die den Menschen in irgendeiner Form Angst einjagen können. Das ganze wäre als Lexikon, vielleicht im Hinblick auf die literarische Verarbeitung, die kulturgeschichtliche Bedeutung ö.ä., sehr interessant. Aber als Monographie, als Fließtext mit geistvollen Erörterungen? Das erschien mir bei Beginn der Lektüre wenig überzeugend, zumal, da Borrmann auf die Frage, was "Schrecken" und "Angst" denn überhaupt seien, nicht einzugehen schien.

So dachte ich. Nach Beendigung der Lektüre habe ich meine Meinung geändert: das Buch ist sehr lesenswert. Borrmann geht es um die Frage, wie unsere Umgebung auf uns Menschen wirkt, wie sie unser Gemüt und unser ganzes Leben beeinflußt. Mit einer gewissen Gnadenlosigkeit zerrt er alles ans Licht, was uns Unbehagen bereitet und sonst in dunklen Winkeln unseres Bewußtseins als reine Ahnung lauert. Er zeigt, daß unter dem Mantel von Zivilisation und Kultur das Grauen darauf wartet, in unser Leben einzugreifen. Ein Verbrechen – und aus einem idyllischen Heim wird ein Tatort, später vielleicht ein verrufenes "Spukhaus" und noch später eine Ruine, durch die nächtens der Sturm fegt.

Je länger ich las, desto mehr wurde mir klar, wie weitreichend Borrmanns Ansatz ist. Er sieht das Behaustsein des Menschen, seine Verortung, als wesentliches Merkmal seiner Entwicklung an. Der Mensch ist seiner Meinung nach ein "Oasenbewohner", der sich von lebensfeindlicher Natur umgeben sieht und versucht, seinen Lebensraum (seine "Oase") zu schützen und mit technisch-zivilisatorischen Mitteln immer weiter auszudehnen. Die romantische Vorstellung von einem ungezwungenen Leben inmitten der Natur ist Borrmann fremd; er weiß um die gewaltigen Anstrengungen, derer es bedurfte und bedarf, um Land urbar und bewohnbar zu machen. Er weiß aber auch, daß die Umwelt letztlich immer stärker ist und daß es Dinge gibt, die die Alltagsvernunft nicht fassen kann. Die immer wieder eingestreuten – aber nie deplazierten – philosophischen Gedanken laden zum Mitdenken ein.

Neben und vor dieser Ebene läßt sich das Buch nämlich auch viel flacher (und unterhaltsamer) lesen: als Darstellung aller denkbaren furchteinflößenden Phänomene von Verbrechen über Naturerscheinungen bis hin zu "Gespenstern". Der Autor schöpft aus einer großen Literaturkenntnis (über 200 Fußnoten laden zum Weiterlesen ein) und läßt sich von keinem Extrem ins Bockshorn jagen. Einerseits scheint er überzeugt davon, daß es unerklärliche Phänomene gibt, andererseits bewahrt er eine kritische Distanz zu den beschriebenen Ereignissen. Gerade aufgrund der Fülle von Details und Hinweisen ist das Buch eine Fundgrube für alle Freunde der "schwarzen" Literatur, der Spukgeschichten, Parapsychologie und ähnlichem.

Natürlich handelt es sich um kein heiteres Buch. Die Fülle an Grausamkeiten und die konsequente Darstellung der auch im Industriezeitalter nahezu völligen Ohnmacht des Menschen vor seiner Umgebung führt nicht zu erhebenden Gefühlen. Dennoch kann ich es jedem, der sich für die angesprochenen Themen interessiert, empfehlen. Ich vergebe vier statt fünf Sternen wegen der wenig ästhetischen Gestaltung des Buches (mäßige Bildqualität, alberne "Comic-Schrift" für Überschriften) und weil mir die Kapitelaufteilung zum Teil nicht einleuchtet.
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TOP 50 REZENSENTam 11. Januar 2012
Wir sind hinausgeworfen in eine Umwelt der unermesslichen Gefahren, der unerforschten Weiten des unerklärlichen Nichts. Endloses Fressen und Gefressenwerden, barbarische Verhaltensweisen, blutgetränkte Felder, nirgendwo sitzt die Angst davor so tief wie im Menschen. Verfolgungen, Kriege, Massenfluchten, Tod und Teufel, nirgendwo wird die erregende Lebensgier größer als im Umfeld von Seuchen, die Pest im Mittelalter beförderte das tiefste Böse erschreckend zu Tage, so wie heute Wettbewerb und Rangabzeichen Menschen zu Hyänen herabwürdigen, die ihre intellektuellen Steine sisyphosgleich ewig umdrehen und andere anklagend Knechten.

Eine erschreckende Abhandlung aller Orte des Schreckens über Industrielandschaften, Chaos und Müll, Verlassene Plätze, Unterwelt, Orte der Strafe, Hinrichtungsplätze, KZ, Schlachtfelder, Kalter Krieg, Terrorplätze, Wüsten, Sodom, Virtual Reality, Ruinen etc. bis hin zur Hölle und dem Nichts. Dieses Buch schenkt unnachgiebig ein, lässt verzweifeln, trauern, leiden. Mit dem Motto von Novalis "Wo keine Götter walten, da walten Gespenster" zieht es den Leser tief in seinen Bann. Nichts wird verbannt oder unnötig verdrängt, all jene Alpträume sind da, vor denen wir uns zitternd fürchten: z.B. die islamische Hölle, in der die nie endende Hitze ohne Begnadigung auf ewig brennt und verzehrt. Niemals gibt es Erleichterung. Die christliche Hölle des Mittelalters gleicht eher den verblühten Landschaften unserer aktuellen Konsumkultur, die schon selbst Strafe genug ist. "Der Mensch hat die Hölle erfunden, weil, ihr Einbruch überall droht." (S. 262) Heute lebt er sie.

Das größte Gespenst heute ist das Nichts? Irgendwie schon, wenn Gott tot ist. Aber das Nichts im buddhistischen Sinne ist nicht Nichts, es ist ein Zustand frei von Leiden, Begierden, Hass und Unwissenheit. "Das individuelle Bewusstsein ist eingegangen in eine tiefere und reinere Form der Wirklichkeit - es hat sich mit Brahma, der universellen Weltenenergie, vereinigt." Nur wenn man das versteht, wird das wirkliche Paradoxon des Lebens klar: "Das Nichts wäre das Sein und das Sein wäre das Nichts." (S 266) Mit dieser Einstellung lässt es sich spielend leben und hoffen darauf, dass unsere armselige, individuelle Angstzitter-Existenz endet.

Ein Parforceritt durch Hölle, Krieg und Teufel: heilsame Schreckensbilder.
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am 15. Dezember 2012
Ein in wunderschöner Sprache geschriebenes Buch...der Autor macht uns, wenn wir wollen, diese Welt mit ihrer Geschichte und auch ihren Orten bewusst.

Seine Orte des Grauens sind alle in unserer Welt; ob es auch die des jeweiligen Lesers wurden oder sind oder Dieser Herrn Borrmanns Aufstellung für übertrieben oder unvollständig ansieht, erfordert dessen Betrachtung. Für mich trifft er gut. Die Frage, ob unsere Welt ein solcher Ort ist, wird expressis verbis nicht aufgeworfen, sie klingt aber an und es findet sich auch eine Antworttendenz.

Dieses Sachbuch glänzt mit geschichtlichem Hintergrund, soziologischen und politischen Erklärungsansätzen und philosophischen Einwürfen. Quellenreichtum und dessen Verwendung belegen ebenfalls den auch wissenschaftlichen Anspruch des Buches

Für mich eine spannend zu lesende Bereicherung und daher auch mein Fazit: ein Titel zum Weglesen!
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am 7. November 2013
Ich hätte eher erwartet, daß hier einzelne Orte beschrieben werden. Dem ist aber nicht so. Das Buch ist arg allgemein gehalten.
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